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Full text of "Zehn Predigten von der Rechtfertigung des Sünders vor Gott"

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!Kcd)tjertipitj|  Des  «i«He  rü  vor  8itt. 


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D.  Olilemamrjljeßtjufuts^ 


(ZI ad?  ber  Zlusaabe  ron  J568  unr>eränbert  abgefcrucft.) 


St.  Louis,  Mo. 

CONCORDIA  PUBLISHING  HOUSE. 
1901. 


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Seite 

Die  erjle  §)rebigt .    .    ,    .  20 

2)ie  gtüeitc  5)rebtgt 62 

Die  britte  ^rebigt , 92 

Die  feierte  ^rebigt 114 

Die  fünfte  $)rebtgt 148 

Die  fechte  f)rebigt 176 

Die  jtebente  $)rebigt ♦  206 

Die  ad?te  $>rebigt 252 

Die  neunte  9>rebigt     . 292 

Die  je^nte  9)rebigt 342 


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£>em  Durdblaudjtigen  unb  £od)gebornen  dürften  unb  £erm, 

£erm  Jßolfgang,  ^faljgrafen  bei  $f)etn,  £erjog  in  Katern, 

©rafen  ju  Selben j  unb  @panf)eim,  meinem 

gnäbtgen  dürften  unb  $errn. 

(9otte3  ©nabe  bur$  3efum  Sfmjhun,  [einen  eingebornen 
©obn,  unfern  £>errn  unb  treuen  toat)rl)afttgen  ^eilanb, 
mit  ßfjrbietung  meiner  untertänigen,  gel;orfamen,  treuen 
$>tenjte  unb  innerlichen  ®thti§  ju  ©ott,  für  (£.  $.  @> 
jeitlicfee  unb  etoige  2öof)lfal)rt  ju&or, 

2)urd)laud)tiger  unb  ^odjgebomer  $ürft,  gnabiger  £err, 
öiel  gottfelige  gutber^ige  Öeute  fcertounbem  )1d)  heftig,  tote 
t8  bodf)  jugelje,  bafj  bei  {ewigem  gellem  ßidjt  be3  @t>an* 
gelii,  ba  bie  Se^re  ber  toabren  djrijllid)en  Äird)e  fo  rei$licf> 
au3  ©otteä  2Bort  bargetljan,  bie  f)eibnif$e  Abgötterei  unb 
©reuel  be3  $abjltfmm§  fo  getoaltig  auö  ©otteS  2Bort  toi* 
berlegt,  ber  2lntid)rift  ju  SRom  mit  feiner  Sdfierung  fo 
flattlid^  überführt  unb  übertoiefen  toirb,  bennodE)  etliche 
]?obe  unb  naf)tnf)afte  gelehrte  ßeute,  fo  big  baljer  bie  2öaljr* 
^eit  beö  ßtmngelü  sunt  Xbeil  t>or  aller  2Belt  befannt,  au$ 
M  anbern  beförbert,  ©otteS  2Bort  öffentlich  geprebigt,  if)re 
3uf)örer  t)or  ben  pabfllid)en  Sügen  unb  Sdfierung  getoarnet, 
fo  lteberü$  mit  Sergeffentyeit  unb  Sera^tung  ifjrer  Seelen 
4?eil  unb  ©eligfeit  bafnn  fallen,  ©Ott  unb  ©ein  2öort 
verleugnen  unb  mit  öffentlichen  Jßiberrufen  fid^  ber  tjeib* 
nifdjen  fttnftemig,  ©reuel  unb  Abgötterei  beö  $abfitl)umg 
gan§  ergeben.    Unb  ifl  ni$t  toeniger,   f$recfli$  ift  fold^er 

l 


Abfall,  bafj  ftd)  ber  #immel  bat>or  entfe|en  möchte* 
$>enn  ba§  au$  fjeilige  Seute  bigweilen  in  gro§e  unb 
fernere  ©ünbe  faden,  ttne  bem  9luben,  $)at)ib,  $etro 
gefeiten,  ifl  nid)t  fo  groß  2Sunber,  ftntemal  bie  ©djttmd)5 
beit  unb  93löbigfeit  menfd)lid)er  9iatur  unb  ber  $einb 
unferer  ©etigfeit  mit  foldjer  ©efd)tt)inbigfeit  unauff)örlid) 
an  jie  fe|et.  3)a§  aber  ein  SRenfc^ ,  ber  ©ott  l)at  red)t 
erfennen  lernen,  ba§  (Soangelium  oon  Vergebung  ber 
©ünben  angenommen,  aud)  im  Unterfdjieb  jtxnfdjen  d)rifi= 
lieber  Se^re  unb  päbjtfi^en  3rrtf)ütnern  oerfianben,  unb 
alfo  bie  f)immlif$en  ©aben  unb  ba§  gütige  2öort  ©otte£ 
gefdjmedt,  toieberum  abfällt,  bie  fjetlfame  2öaf)rf)eit  über* 
giebt,  bagegen  bie  öffentlichen  unb  jetjt  aller  SBdt  befannten 
päbftlidjen  ©reuel,  Slinbfjeit,  Srrtfmmer  unb  ßäfierung, 
bie  man  bod)  ferner  mit  feinem  ®d)ein  befd)önigen  fann, 
annimmt,  ben  oerbammten  ©ö£en  bienet,  ben  erflärten 
2lntid)rift  anbetet,  au$  anfaßt,  bie  f)eilfame  2BaI)rf)eit  be8 
ßfcangelii,  fo  er  juoor  geprebigt  unb  befannt,  ju  fc^mäljen 
unb  ju  läjtern,  fold)e§  fann  feiner  ©d)tt>ad)f)eit  nod)  23e* 
rüdungen  zugelegt  werben,  fonbern  ift  ein  fd)recflt$  2ln* 
Rieben,  ba§  ber  2JJenfd)  ftd)  feinet  £eil§  unb  ettügen  2e* 
ben§  begeben  unb  jum  öffentlichen  $einb  ©otte§  Sorben  ift. 
2öietool)l  nun  gottfelige  $erjen  foldje  erfd)redli$en 
§ätle  billig  mit  grofjen  ©djmerjen  anfdmuen,  in  ßmegung, 
ba%  ©otte§  9iame  f)öd)lid)  baburd)  fcertäftert,  ber  ©eijl 
©otteS  in  Dielen  betrübet,  triel  ©$ft>adE)e  geärgert,  unb  ber 
abtrünnigen  arme  ©eelen  ber  $erbammni§  werben  über* 
antwortet,  fo  follen  bod)  rechtgläubige  Glmflen  ftcf)  ob 
foldjer  $älle  nidjt  alljufjod)  fcertounbem,  no$  jemanb  ftd) 
baran  flogen  ober  ärgern,  fonbern  oielmeljr  bafjin  fef)en, 
ttrie  fotdje  $äfle  in  ber  QBelt  m$t  feltfam,  unb  ba§  (£f)riflu§ 


unb  bie  2tyofte(  oom  fünftigen  2lbfaü  gemeiffaget  unb  un§ 
geitlicf)  gemarnet,  bafe  mir  un8  nid)t  brob  ärgern  follen, 
aud)  mober  fotdje  Verleugnung  ficf>  gemeintid)  üerurfac^e, 
ge$eiget,  unb  bann  aufg  treuliche  erinnert,  mie  mir  foldf>e 
ärgerliche  Gjempel  ju  unfrer  Sefferung  gebrauten  mögen. 
3erobeam  ift  ein  trefflicher  gürfi  im  2Solf  @otte§  gemefen, 
ber  ben  mabren  ©ott  mit  rechtem  ©otteöbienft  geefjret, 
fjernad)  mirb  er  abtrünnig,  rietet  bk  Äälber  auf  an  @otte§ 
©tatt,  unb  gibt  bem  gangen  Sfrael  Urfa^)  ju  (;eibnifd)er 
Slbgöttereü  ©old)e3  fjaben  bie  $ropf)eten  Slbia,  ©emaja 
unb  anbere  gottfelige  3uben  mit  unfäglidjen  Scbmerjen 
angefefjen.  Df)ne  3weifel  ijl  ber  fettige  ©eift  in  Stelen 
gottfeligen  bergen  betrübt  morben,  ba  ber  ^riejier  Uria 
bem  gottiofen  2lfia8  ju  ©efaüen  abtrünnig  mirb,  ben  Slltar 
be$  £errn  »erläßt  unb  auf  bem  abgöttifc^en  2lltar  opfert 
unb  räubert.  2  Äön,  16.  Äeine  ©ünbe  fhrafen  bie  $ro* 
pbeten  aüefammt  fo  heftig  unb  oft  in  allen  ifjren  $rebig* 
ten,  aI8  ba§  bie  Äinber  3frael  immerbar  ftnb  abtrünnig 
Sorben,  ben  magren  ©otteöbienji  oerlaffen,  unb  ju  ben 
©reuein  ber  Reiben  ftd?  gefefjret  baben;  ba$  aud)  enbüd) 
biefe  einige  #aupturfad)  Dornetjmüd?  angezogen  wirb,  ma* 
rum  ©ott  bie  Äinber  3fraet  t>on  feinem  5lngeft$t  Ijabe 
meggetfjan,  nämlid)  ba§  fte  ben  £erm  fcerlaffen  unb  ben 
©ö$en  ber  Reiben  gebienet  twben. 

9118  ©ott  bem  armen,  unterbrächen  jübifdjen  23olf 
£ülfe  ergeigte  burd)  3ubam  9Kaccabäum,  errettet  fte  t>on 
ber  greuüdjen  Xtjrannei  be3  2öütf)igerg  2lntiod)u3,  unb  ber 
©otteSbienft  mieberum  angerichtet  marb,  ha  ftnbet  jtdj  ber 
abtrünnige  ÜJiameluf  2tlcimu8,  f)ängt  an  jid)  bie  abtrünni* 
gen  3uben  un*>  f)cinbelt  wie  ein  $eräd)ter  unb  ftiftet  ein 
f^redlid)  unfaglid)  33etrübnifc,  Unglücf  unb  2lergerm£,  toie 

r 


bie  ©efd)id)ten  ber  9Kaccarbäer  auSmeifen.  1  Wlact  7, 
Damit  ftd)  aber  bie  frommen  Juben,  ob  folgern  fdjeu§* 
liefen  $all  nid)t  allju  f)od)  foüten  betrüben  nod)  fio§en, 
f>at3  ber  ©eift  ©otte§  burd)  ben  $ropf)eten  Daniel  längft 
äuöor  öerfünbet,  ba§  es  alfo  ergeben  mürbe.    Dan.  11. 

djlit  großen  6$mersen  fdjreibt  ber  2tyoftel  <ßaulu8 
feinem  3ün9er  £imotl)eo,  tx>te  itjn  Demaö  üerlaffen  unb 
bie  28elt  lieb  gemonnen,  2  2im.  4.,  aud)  $l)t)gellu£  unb 
^ermogeneö  unb  alle,  bie  in  2l|len,  ftd)  t>on  i^m  Derfe^rt 
fjaben,  2  £im.  1,;  toill  aber  fo  gar  ni$t,  ba§  ftcb  Jimo* 
t^euö  follte  an  folgern  (Stempel  flogen,  i>a$  er  ifm  befio 
fleißiger  t)ermal)net,  bie  gute  Beilage  ber  apoftolifeben 
Öebren  burd)  ben  ^eiligen  ©eijl  ju  bemaljren. 

gajl  mol;l  befannt  ift  aud?  ber  Äird^e  6f;rijli  Ecebolius 
Constantinopolitanus ,  melier  unter  Constantino  Magno 
großen  (äifer  jum  djriftlidjen  ©tauben  tmrgab,  aber  unter 
Juliane  Apostata  bie  l)eibmfd)en  ©ö£en  anbetet,  unter 
Jouiano  unb  Valentiniano  naf)tn  er  mieberum  im  $rifi* 
liefen  ©lauben  an,  jMet  ftd)  ernftlicf),  marf  ftd)  üor  bie 
Äirc^en  unb  fc^rie  laut:  2ldj  tretet  mief)  bummeö  ©alj 
mit  $ü§em 

Soldjer  Srempel  beö  2lbfaܧ  Ijaben  ftd[)  ju  allen  3^ 
ten  in  ber  Äirdje  t)iel  begeben,  unb  merben  unS  tton  ^Pro- 
pheten unb  Slpofteln  barum  t>or  2lugen  gejiellt,  auf  ba$, 
menn  ftd)  ju  unfern  3^ten  gleite  $ätle  jutragen,  mir  un3 
nidE)t  baran  ärgern,  nodj  ju  !)od)  uermunbern,  fonbern  un3 
erinnern,  tS  fei  t>or  meljr  gefdjeften,  unb  meber  bie  $ro* 
pljeten  nod)  9lpoftel  feien  foldjeö  Slbfallö  ber  leichtfertigen 
Stiften,  bie  mie  ein  lofer  Sogen  ni$t  galten  bis  sunt 
2lbbrutf,  nid^t  überhoben  gemefen.  Denn,  mie  6imeon 
meiffaget,  (JbriftuS  ift  t>on  ©ott  gefegt  ju  einem  $all  unb 


9Iuferfteben  Dieler  in  Sfxael  Suc.  2.  ^nfonberbeit  aber 
muffen  wir  betrauten,  bap  6bviftu3  unb  bie  5lpoftel  auS* 
brücflid)  getDciffagt  l;abcn  Don  bem  großen  Slbfall  Dieter 
Dom  dmftlidjen  ©lauben  ju  biefer  testen  3eit  ber  2öelt, 
ßbriftuö  fpricbt:  2ßeil  bie  ©eredE)tigfett  wirb  unterbrücft 
werben,  wirb  bie  Siebe  in  Dielen  erf alten.  3Rattt;.  24. 
Da£  beutet  aucf)  $aulu3:  Der  Jag  beö  £errn  fommt 
nicbt,  e£  fei  benn,  bafc  ber  Slbfall  fomme  unb  offenbart 
werbe  ber  9Jienfct>  ber  ©ünbe  unb  ba§  Äinb  be§  Berber* 
benS.  2  Sbeff.  2.  Unb  nocb  ftarer:  Der  ©eip  aber  fagt 
beut(idE),  bau  in  ben  testen  ßeiten  werben  etliche  Don  bem 
©lauben  abtreten  unb  anbangen  ben  Derfübrerifdjen  ©ei* 
ftern  unb  Selben  ber  leufel,  burdE)  bie,  fo  in  ©lei§nerei 
Cügcnrebner  ftnb  unb  23ranbmal  in  ibrem  ©ewiffen  f;aben, 
unb  Derbieten,  ebelid?  ju  werben  unb  ju  meiben  bie  ©pei* 
fen,  bie  ©ott  gefdfjaffen  f)atr  ju  nehmen  mit  Danffagung, 
ben  ©laubigen  unb  benen,  bie  bie  2öaf)rf)eit  erfennen. 
1  2im.  4.  Astern,  be§  Dramen  ©djmanj  jog  ben  britten 
Ibeil  ber  ©terne  unb  warf  fte  auf  bie  ßrbe.  Dffenb.  12. 
Diefee  bat  ber  ^eilige  ©ei|l  beibe  jum  Unterricht  unb  jur 
Tarnung  ben  ©laubigen  Derfünbiget,  auf  ba§  mir  unS 
nid)t  ju  beftig  barob  entfetten,  wenn  fid>  folc^e  unDerfebene 
ftälle  unter  unferm  Raufen,  bie  wir  @otte§  $olf  finb, 
zutragen,  unb  bann  ba§  wir  unfere  ©eligfeit  befto  mebr 
in  Siebt  tyabm,  bie  ©laubenöfad)en  un$  laffen  emftlicb 
angelegen  fein  unb  nacb  gewiffem  ©runb  forden. 

UBober  ftd)  aud)  foldfjer  fctyänblicbe  Derbammlidje  2lb* 
fall  bei  ben  leichtfertigen  Scebolig  unb  unbeftänbigen  dfyxi* 
ften  mebrerentbeilö  Derurfatfje,  geiget  un3  ik  \).  Schrift. 
Denn  entweber  ifi  große  ©tcfjerbeit  unb  Unad)tfainfeit  in 
benen,  bie  (^riften  fein  wollen,  ba§  fte  ©otteS  2ßort  nur 


6 

obenhin  f)ören,  trauten  tljm  nid? t  mit  Smfl  nacf),  rufen 
©ott  ni$t  an  um  6rleud)tung  unb  redeten  ©lauben,  be* 
trauten  nief)t,  ttelcbe  ©eligfeit  bie  $tr$e  Slmfli  üor  an* 
bereu  öernoorfcnen  SSdtfern  fwbe,  forfcfjen  ni<f)t  na$  bem 
fefien  ©runb  be3  d)riftlt^en  ©laubeng,  bewahren  nifyt  ba# 
SEBort  be§  SebenS  in  iftrem  «perjen;  bauen  alfo  tiefe 
tt)örid)ten  ßeute  iljr  £au§  auf  einen  Jriebfanb.  2Baö  tfl 
benn  2Bunber,  ba  ein  $lai$regen  fiel  unb  ein  ©etx>äffer 
fam  unb  tu  Söinbe  me^eten  unb  an  ba$  £au§  fliegen, 
ba§  eS  einfiel  unb  einen  großen  $all  ^at.  üftattb-  7. 
68  ifi  ber  @ame,  ber  am  2öege  gefallen,  in  bie  (Srbe  nie 
ge!ommen;  fonbern  t)on  ben  Vögeln  gefreffen  ift  Ober 
aber,  toenn  etliche  gfeidb  ben  ©runb  ber  2et)re  fcerfteljen, 
fo  liebet  ibnen  bodj  biefer  SBelt  $rad)t,  Sf)re  unb  bie 
Sßolluft  btefeö  ^eüli^en  Öebeng  mel)r,  al§  bie  6f)re  ©otteS 
unb  bk  ettnge  ©eligfeii  2ßie  $aulu8  t)on  3)ema£  fagt: 
(£r  f)at  bie  5ße(t  lieb  gewonnen,  2.  Jim.  4;  unb  am  an* 
bem  Ort  fpricfyt  er:  (S§  finb  ÜKenfdjen,  bie  gerrüttete  ©inne 
baben  unb  ber  2ßaf)rl)eit  beraubt  finb,  unb  meinen,  bie 
©ottfeligfeit  fei  ein  ©efterbe,  öas  ift,  eine  $anbtl)ierung, 
bamit  fie  ©ut  unb  Sfn'e  bei  ber  Seit  trollen  fcerbienen, 
fallen  bewegen  in  t)ie(  t^öridbter  unb  fdjäbtidjer  ßüfie, 
toeldje  oerfenfen  bie  aftenfcfyen  in£  2Serberben  unb  23er* 
bammni§.  1.  Jim.  6.  2)ie§  ift  ber  ©ame,  melier  unter 
bie  ^Dornen  fällt,  bie  nmcfjfen  auf  unb  erjticfen  im  eblen 
©amen.  3f*  bemnadf)  nidpt  Söunber,  ba$  bie,  fo  nicf)t 
Gbrifto,  bem  £erm,  nodj  ber  Äirdje,  fonbern  nur  if)rem 
93aucf)  bienen,  ber  jufünfttgen  ©eligfeit  nic^t  grofj  achten, 
fie  au<$)  nid)t  glauben,  fonbern  all  ifyx  2>atum  auf  jeülidj 
©ut,  @l)re  ber  2öeft  unb  unnüfcen  ^ßrad)t  fe|en,  mie  ju 
unferer  Qtit   bte  feinbfetigen  2tyofiaten  unb  leichtfertigen 


abtrünnigen,  $ribericu3  ©tapl)t)fu3,  9ttartinu§  ßifengrein, 
$aceu§,  Saöpar  $rancf  unb  anbere  getban,  tt>el$e  um  eine 
£anb  üoll  ©erfien  ben  lebenbigen  ©ott  unb  il;re  etüige 
©eligfeit  t>erfauft  Reiben,  (o  lieberlidj  t)on  ber  2öaf)rl)eit, 
bie  ifjnen  nie  redE>t  (Srnfi  getoefen,  abfallen.  Dber  aber  e§ 
ftnb  ganj  meiere  unb  <$arte  ^eilige,  bie  bem  2Bort  ber 
©nabe  nid)t  länger  Seifall  geben,  benn  fo  fange  fte  oljne 
Verfolgung  bleiben;  f)ebt  ftd)  aber  ein  rauher  Dftminb, 
ba§  bie  ©etoaltigen  bie  2Gaf)tl)ett  ni$t  leiben  tootlen,  fte 
t^reö  ©laubenS  falben  i&rer  SRa^tung  müßten  beraubt 
werben  unb  ibr  ßeib  unb  itbm  in  ftafyx  fe|en,  ia  fallen 
fte  ab  ttne  i>a§  ftmrmfiicf)ige  Dbjl,  benn  fte  lieben  iljr  %thm 
unb  ©ut  mebr  als  ben  #errn  (£f;riftum;  fo  il)nen  boefr 
(£{)rifhig  juoor  gefagt:  60  jemanb  ju  mir  fommt  unb 
Raffet  ni$t  feinen  Vater,  ÜRutter,  28eib,  Äinb,  Vruber, 
©<$tt>ejier,  baju  aueb  fein  eigen  ßeben,  ber  fann  mein 
Jünger  nid)t  fein  unb  wer  nid)t  fein  Äreuj  trägt  unb  mir 
nachfolget,  ber  fann  mein  Jünger  md)t  fein.  Öuc.  14. 
(£3  ift  ber  ©ame,  ber  in  i>a§  ©teinidj)te  ift  gefallen;  balb 
ift  er  aufgegangen,  als  aber  bie  ©onne  aufging,  üertoelfet 
er,  unb  »eil  er  nid)t  Sßurjeln  fyattt,  waxh  er  bürre. 
üftattl)-  13.  ©oldjer  Sjempel  finb  leiber  alle  ÄircfcenlnftO' 
rien  ooü.  Da  ik  f)eibnif$en  ober  arianifd^en  Äaifer  tt)* 
ranniftrt  $aben,  voie  ftnb  fo  gar  Diel,  nidE)t  allein  öon  ge* 
meinen  Seuten,  fonbern  auä)  oon  gelehrten  Vifcpfen,  t)on 
ber  2öat)rl)eit  abgefallen!  Denn  bie  SBelt  ift  beffen  fdwerfid) 
ju  bereben,  ba%  Gf)riftu§  fpric^t :  Sßer  fein  Öeben  verlieret  um 
meine§  üftamen£  willen,  ber  ttrirbS  behalten.    9ftattl).  16. 

Dietoetl  benn  bie  leichtfertigen  ©eifter  unb  2öetter* 
fwtme  feine  anberen  llrfadjen  ilpreS  2lbfall§  fjaben,  benn 
toie  jefct  gemelbet  unb  ©otteö  ©eift  felbfi  gezeigt  &at,   fo 


fielet  man  öffentlich ,  vx)ie  if)nen  bie  wafyre  SMigton  nie 
re<f)t  (£rn#  gewefen,  tx>ie  eifrig  fie  ftdf>  t>or  ben  Seuien 
gebellt  Iwben,  unb  bürfen  un§  bejio  weniger  i^rentftalben 
befümmem;  benn  wären  fte  twn  un§  gewefen,  fo  wären 
fie  ja  bei  un§  geblieben;  aber  auf  ba%  fte  offenbar  wür* 
ben,  ba§  fte  nicf)t  alle  twn  un§  ftnb,    t.  %ofy.  2. 

3ur  ffißarnung  aber  [ollen  biefe  fdnecflidjen  ©jempel 
allen  recf)tfd)affenen,  gotte§fürd)tigen  ^erjen  bienen;  benn 
erjlfid)  erinnern  fie  un§,  ba§  wir  flon  ^erjen  bemütfng 
fein  xtnb  ftet§  in  ©otte3furcf)t  leben  fallen,  un3  nid)t  t)er* 
laffen  auf  unferen  Serjtanb,  @elef>rtf)eit,  ©aben,  SBefiän* 
bigfeit;  fonbem  üor  Sermeffenfjett  unb  ©tdjerljeit  unö 
wof)l  t)orfef)en;  fintemal  wir  an  folgen  (Stempeln  fef)en, 
Wie  balb  e§  mit  bem  2ftenfcf)en  gefdjetjen  ift,  wenn  ©ott 
bie  $anb  abjeudjt,  ba§  er  baf)in  fallt,  ba£  fjeilfame  2i<$t 
fahren  läßt  unb  ewige  $infiemi§  erwäblet,  hk  elenbe 
23au$forge  feiner  ©eligfeit  öorfe^et,  bie  Grbfdjaft  aller 
l)immlifd)en  ©üter  ba^in  wirft  unb  ftd)  freiwillig  in  jeü* 
lici)eö  unb  ewigem  Serberben  fenfet,  oon  bem  lebenbigen 
unb  ^eiligen  ©ott  abweist  unb  bem  leibigen  ©atan  ftd& 
in  eigen  ergiebt.  Herwegen  $aulu§  fo  treulid)  warnet: 
<&ü)afftt,  ftm$t  er,  ba§  ibr  feiig  werbet  mit  $urd)t  unb 
Bittern ;  benn  ©ott  ift'3,  ber  in  eucb  wirfet,  beibe  ba§ 
Sollen  unb  Sollbringen,  ba%  ümö  gefc^efje,  baS  if)tn 
wohlgefällig  fei.    $f)il.  % 

3um  anbem  erinnern  un§  bie  fdfjrecflicfyen  gätle  ber 
abtrünnigen,  ba§  wir  un3  bie  $rebigt  be§  (Soangelii  einen 
tapfern  Srnji  fallen  fein  laffen,  nid)t  fo  oben  Ijin  £ören, 
nod)  alö  ein  üftebenfjänblein  achten,  Wie  leiber  fefjr  t>iele 
geftnnt  ftnb,  welche  ft$  bebünfen  laffen,  wenn  fte  bie  ge* 
meinen  #auptpuncte  c^rtftfid^er  ßefjre  etlic|erma§en  au$  ben 


$rebigten  gehört,  fo  wiffen  fte  fdwn  alle§,  forden  weiter 
ntd)t  nad)  rechtem  ©runbe  ber  ^eiligen  ©djrift,  worauf 
fid)  ein  gläubige^  £erj  foll  unb  fann  t>er(affen,  Darum 
benn  folget  ba%  folebe  unadjtfame  ©fixier  be£  (ätoangelii, 
fobalb  iljnen  Äreuj  ober  2lnfed)tung  begegnet,  ganj  leidet* 
iid)  umfcf)lagen,  weil  fein  ©runb  oorfjanben  ifi.  3)erf)alben 
fotl  ein  Sbnft,  ber  bei  ber  2öaf>r^ett  biö  anö  @nbe  begehrt 
in  beharren,  if)m  nid)t£  £öf)ere§  angelegen  fein  laffen,  benn 
ba§  er  ©otteö  2öort  mit  großem  $lei§  lerne,  Jag  unb 
9tad)t  öom  ©efe|  beö  £erm  rebe,  nad)  gewiffem,  fattem, 
bepänbigem  ©runbe  aller  2lrttfel  beö  ©laubenS  forfefce, 
auf  ben  flaren  Unterfc^ieb  ber  wahren  unb  ber  fallen 
Äirdtje  2ld)t  gebe,  au3  welkem  ©runb  ber  ©d)rift  bie  päbfi* 
liefen  ßügen,  ©reuel,  Abgöttereien,  9fti§braud)e  unb  Sä* 
fterungen  verworfen  unb  fcerbammt  werben.    Öuc.  14. 

3ubem,  weil  er  it)tn  vornimmt,  ben  froren  I^urm  be§ 
©lauben^  ju  bauen,  fotl  er  ftd)  nieberfe^en  unb  juoor 
überfdjlagen  bie  Äoften,  ob  er§  habe  fnnau^ufüfjren,  auf 
ba§  nid)t,  wo  er  ben  ©runb  gelegt  fyat  unb  fann  e£  nid)t 
hinausführen,  alle,  bie  e§  fef)en,  anfafjen  fein  ju  fpotten 
unb  fagen:  tiefer  üftenfd)  fmb  an  $u  bauen  unb  ju 
glauben,  unb  fann  e£  nidbt  binauöfüfjren. 

Sftun  läuft  aber  ber  Ueberfd)lag  biefeg  geifllic^en  35aue3 
fafi  weit  hinein,  unb  trifft  eine  gro§e  Summa,  nämlid), 
Wie  fte  ßljriftuS  felbft  aufgezeichnet:  ©o  jemanb  ju  mir 
fommt  unb  tjaffet  md)t  feinen  33ater,  Butter,  2öetb,  Äinb, 
©ruber,  ©d)Wefter,  aud)  baju  fein  eigen  Seben,  ber  fann 
nid)t  mein  Jünger  fein.  Stern,  ein  jeglidjer,  ber  nid)t 
abfagt  allem,  baS  er  ^at,  ber  fann  mein  jünger  nid)t  fein. 
3)erwegen  mu§  ber  23orfa|  ba  fein,  i>a$  wir  £ab  unb 
©ut,  Seib  unb  Seben  unb  alleö,  wa£  wir  fjaben,  bei  bem 


10 

©oangetio  magen  unb  auffegen  motten,  ef)e  benn  mir  ba* 
t>on  abmet^en  moltten,  unb  un3  beffen  getröfien,  ba§ 
Anflug  fpricftt:  2Ber  (ein  Ztbm  verlieret  um  meinet* 
Witten,  ber  mirbg  ftnben.    9ftattf).  16. 

2)temeü  aber  $tetfd)  unb  23(ut  tuet  $u  fdEjmac^  ifi  t)on 
it)m  felbft,  bei  bem  @rfenntni§  göttlichen  2öort3  unb  ©tau* 
ben  an  ßfmfium  miber  allerlei  Anfechtungen  bejtänbigli$ 
ju  t>ert)arren,  unb  biefeS  Öeben  um  (grifft  mitten  gering 
ju  achten,  mit!  bie  üftotf)burft  erforbern,  ba§  mir  tägtid) 
ofm  Unterta§  ju  ©ott  feuften,  unb  tmn  ^er^en  tfm  an* 
rufen  um  23eiftanb  unb.  £ülfe  beS  ^eiligen  ©eifteö,  ber 
unS  üollberette,  erhalte,  fiärfe,  befräftige  unb  grünbe;  ber 
un§  benn  auf  unfere  53itte  nicf)t  fott  üerfagt  merben,  laut 
ber  3ufagung :  2ßie  tuet  mefjr  mirb  ber  95ater  im  ^eiligen 
©eift  geben  benen,  bie  if)n  barum  bitten,    ßuc.  11. 

3um  brüten  lehren  unb  üermafjnen  biefe  ©jempel, 
ba§  mir  in  ©a$en,  bie  Religion  unb  unfere  ©eligfeit  be* 
treffenb,  auf  feinen  SJienfcben,  mie  l)o$öerftänbig,  gelehrt 
unb  begabt  er  fein  mag,  fef)en  foflen;  benn,  mie  £)at)ib 
fagt:  @ro£e  Öeute  festen  aueb,  fte  mägen  altefammt  meni* 
$er  benn  nic^tö.  $f.  62.  S)er  allermeifefte  Äönig  ©alomo, 
ber  fmbe  $ropf)et,  mit  bem  ©ott  etlichemal  gerebet,  ber 
$rebiger  unb  Öebrer  alter  2Bett,  mie  fcpnblidj)  fällt  er  in 
bie  greuliche  f)eibnifcf)e  Abgötterei!  2öa8  iftg  benn  SBunber, 
ba§  ju  unferer  &it  gelehrte  unb  anfef;nli$e  ßeute  t>om 
ßtmngetio  abfallen,  etliche  bte  catt)inifdE)e  ©cfjmctrmerei  an* 
nehmen,  etliche  ben  üermeffenen  ©pnergiften  beipflichten, 
etliche  ben  2Berff)eiltgen  überbelfen,  etliche  jum  abgöttifdEjen 
^abftt^um  unb  egpptifefjen  gleifd)töpfen  ft$  mieberum  be* 
geben?  2öer  mill  benn  fo  unbefonnen  fein,  ba§  er  feine 
©eligfeit  auf  einen  armen  SJienf^en  fe|e?    ©otte§  2Bort 


11 

aber  ift  ein  flarfer  $el§,  ber  immer  fefi  fielen  bleibt,  e$ 
falle  gteic^  ab,  toer  ia  vt>otIe,  I)ol)e,  voetfe,  geteerte  ßeute, 
große  ober  fleine  Raufen,  unb  ©ott  erhält  allezeit  bie  ©ei* 
nett,  bie  folcft  fein  2ßort  in  ber  2öelt  befennen;  bewegen 
foü  man  ftd)  in  bem  SReligionöfireit  atiein  nad)  bem  Söort 
©otteS  richten,  unb  feine§  9JienfdE)en  2lnfe^en  adt)ten. 

3um  inerten,  meljr  ber  gebauten  $älle  geigen  aud) 
flärltd)  an,  in  tneldje  ©efafn*  ber  ©eelen  biejenigen  ftdj 
begeben,  bie  ttnber  bie  vielfältige  25erma^nung  be§  ^eiligen 
@eifte§  immerbar  mit  ben  2lbgöttifd)en  unb  Ungläubigen 
©emeinfdEwft  f)aben,  f\ü)  ju  i^nen  gefellen,  ba  fte  e3  tt)of)l 
umgeben  fönnten,  nämltdE),  ha§  fte  nidE)t  allein  ©otteö 
3orn  auf  ftd)  laben  unb  frember  ^ünbt  ftd?  tfjetlbaftig 
macben,  fonbern  aud)  ba§  fte  in  ümen  felbjl  im  ©lauben 
bämpfen,  ben  (Sifer  jur  2Gal)rf)eit  auölöfdpen,  unb  gteid) 
bem  geinb  unferer  ©eligfeit,  fte  ju  verführen  Urfad)  geben, 
Daljer  fagt  ©iracf)  redpt:  2Ber  $e$  angreift,  ber  befubelt 
ftcb,  unb  ft>er  ftd)  jum  £opriigen  gefeüet,  ber  lernet 
$offart.  ©tr.  13.  9tlfo,  toer  ftcb  gum  gottfofen,  abgötti* 
ftyen  ßäfterer  gefelfet,  ber  lernet  gottloö  SÖefen,  Abgötterei 
unb  Öäfterung.  2öie  90?.  #rancf  felbjl  befennt,  ba§  ßifen* 
grein,  ber  abgöttifcbe  93?enfd),  eine  Urfad)  fei  feineö  SlbfafR 
2>erf)atben  follen  alle  treuen,  gotte§fürd)tigen  ^erjen  bem 
Krempel  be§  eifrigen  S>atnb  folgen,  n>ie  er  fprid)t:  3$ 
ft£e  nid)t  bei  ben  eiteln  ßeuten,  unb  fwbe  nid)t  ©emem* 
fc^aft  mit  ben  ©ottlofen.  $f.  26.  3tem :  3$  baffe  fte 
mit  rechtem  @mft,  barum  ftnb  fte  mir  feinb.  $f.  139. 
Stern:  3$  bin  entbrannt  über  bie  ©ottfofen,  bie  bein 
©efe£  fcerfaffen,  fo  würben  fte  unfdjulbig  bleiben  großer 
ÜJhffetfwten ,  unb  ber  l;eilige  ©eijt  bind)  ©otteä  2Bort 
fräftig  in  tljnen  mir!en.     $f.  119.    $f.  19. 


12 

2öer  nun  tiefe  treue  2öarnung  in  ben  2öinb  fdjlägt, 
ber  mag  jufefjen,  bo§  e3  if)m  über  feinem  Verleugnen  unb 
Slbfaö  nid)t  gefje,  tote  bem  ^ranctgco  6piera,  £)octor 
ßranlj  unb  üielen  anbern  gegangen  iji;  in  benen  bie 
©ünbe  bermaj$en  aufgemalt,  ba§  fte  feinen  Jroft  mef)r 
annehmen  tollten,  fonbern  erfd)recf(id)  t>er§ir>eifelt  f)aben, 
2ßa§  bann  aud)  ewiglid)  bie  abtrünnigen,  fo  t>or  iljrem 
6nbe  nifyt  33u§e  tfmn,  nod)  burd)  Sfmfium  mit  ©ott  t>er* 
föfjnt  werben,  für  ein  Urteil  fmben  ju  gegarten,  ift  fd)on 
im  125.  $falm  flar  gemelbet:  I)ie  aber  abweisen  auf 
tl)re  frummen  2öege,  wirb  ber  £err  wegtreiben  mit  ben 
Xtebeltfwtem,  in  (Swigfeit  muffen  fte  t)on  ©otteS  2lngejtd)t 
t)erfto§en  fein;  aber  triebe  fei  über  3fraeL 

2Beil  benn  ©otteS  2öort  un£  fo  treulid)  »ermahnet, 
ba§  wir  nad)  bem  regten  ©runb  unferer  Hoffnung  mit 
Ijö^jtem  glei§  trauten  fotlen,  roie  aud)  bie  äu§erfte  3lot^ 
bamit  wir  ber  ©eligfeit  nid)t  fehlen,  fold)e£  erforbert,  unb 
bann  bie  fcfyrecflicfeen  Sjempel  be£  2Ibfalf£  twn  ber  allein 
feligmadjenben  2Baf)rf)eit  alle  ©Triften  billig  erinnern,  ba§ 
fie  üjnen  ©otteg  2öort  wollen  einen  ßrnft  fein  laffen,  unb 
bie  Slrtifel  be3  ©laubeng  berma§en  mit  beiliger  ©dmft  in 
ifyrem  «perjenögrunb  befeftigen,  ba§  fte  wiber  bte  Pforten 
ber  #ölle  befielen  mögen,  al£  fyah  id)  na$  bem  Vermögen, 
ba3  ber  #err  am  feiner  ©üte  barreid)t,  ben  2lrtifel  unferö 
©laubeng,  ba§  ber  STienfcb  ol)n  all  Verbienft  unb  2Gür* 
bigfeit,  allein  au£  lauter  ©nabe  unb  23arm^erjigfeit  ©otteg, 
um  beö  SKittlerö  3efu  61;rifti  willen,  ber  un£  mit  feinem 
23lut  erfauft,  bie  ©erecfytigfett  unb  ©eligfeit  erworben  fyat, 
allein  burd)  im  ©lauben  an  if)n,  öor  ©ott*  geregt  unb 
feiig  werben,  meinen  3uf)örern  in  etlichen  ^rebigten  t>or* 
getragen,  unb  fd)ier  au£  allen  propfjetifdjen  unb  apoftoli* 


13 

fcfjen  ©dmften  ben  regten  ©runb  biefer  ^auptlebre  gejetflt^ 
ba§  ein  (Xbrifl  fefjen  unb  greifen  fattn,  tüte  unfere  Öefjre 
t)on  ber  ^Rechtfertigung  beö  ©ünberS  öor  ©ott,  allein  bur$ 
ben  ©tauben  ofme  2Berfe,  bie  ewige,  göttliche,  allein  felig* 
madEjenbe  JBalnbeit  fei;  unb  ta%  alle  Später  unb  £etti* 
gen,  üon  2tbam  an  ju  reebnen,  alle  $ropf)eten  unb  Styoftel, 
aud)  alle  augerwäblten  ßfmften,  eben  baffelbe  geglaubet 
geleliret  unb  befanni  fjaben,  ba$  roir  burd)  ®otte$  ©nabe 
feeutigen  £age3  Don  ber  ©ereefttigfeit  be§  ©laubenä  glauben, 
lehren  unb  befennen.  dlifyt  allein  aber  ftnb  in  biefen 
$rebigten  etliche  l;unbert  unauflösliche  unb  unwibertreiblid)e 
Argumente  unb  öewetfung  geführt,  ba§  wir  allein  auS 
©naben  in  6l;rifto,  burd)  ben  ©lauben,  oljne  2öerfe  gerecht 
derben;  fonbern  eö  ift  bem  $rifllid)en,  fleißigen  3uf)örer 
unb  £efer  Anleitung  gegeben  korben,  ju  oerjteljen ,  au§ 
welchem  Srunnen  $aulu3  feine  gewaltigen  Argumente  in 
biefem  #anbel,  ju  ben  Römern,  ju  ben  ©alatem  unb  ju 
ben  (Sofern  gefcfcöpft,  unb  wie  noeft  unsapdE)e  ftarfe  unb 
unwiberlegli^e  ßeugniffe  meljr  au§  allen  $ropl)eten  unb 
9li)ofte(n  ju  nehmen,  bamit  er  feinen  ©tauben  fiärfe  unb 
Wiber  allerlei  ©opfufteret  beö  ©atanö  jtd)  gerüftet  machen 
fönne. 

3$  babe  auef)  biefen  £.auptartifel  üon  ber  9iedE)tferti* 
gung  befio  weitläufiger  unb  mit  niedrerem  gfei§  l)anbeln 
unb  mit  Dielen  3eugniffen  ber  ©d)rift  üerwaljren  wollen, 
in  23ebenfung,  ba§  er  faft  ber  üorne^mfie,  ber  allemott)* 
wenbigfte  unb  allertröfilicbjle  ijt,  unb  gleid)  ber  $m$,  ba* 
bin  bie  ganje  ©d)rift  alten  unb  neuen  JeflamentS,  mit 
allen  2Beiffagungen,  ©prüfen,  Öeljren  unb  $ermaf)nungen 
fielet;  au3  wettern  audj ,  Wie  einem  £eilbrunnen,  alle 
anberen  Slrtifel  beö  ©taubenö  flie§en ,   unb  ft$  allefammt 


14 

tn  ifjm  lieber  jufammen  ftnben;  ba^er  beim  folget,  tt)ie 
biefer  Slrtifel  tton  ber  Rechtfertigung  be3  ©ünberg  t>or  ©ott 
burdEjauö  in  allen  Runden  lauter  unb  rein,  vermöge  f)ei* 
liger  ©$rift,  olme  alle  $erfälfdf)ung  ober  menfd)  ließen  3u* 
fa£  toirb  gelehrt  unb  getrieben,  ba  muj?  algbalb  ein  Sid^t 
aufgeben  t>on  allen  anbern  2lrtifeln  be£  ©laubeng,  unb 
mag  ni<f)t  balb  einige  Serfüßrung  einfcf)leidE)en.  2öie  audE) 
bertoieber,  toenn  biefer  £auptpunct  öerbunfelt  .ober  »er* 
fälfdjt  toirb,  ba  muffen  mancherlei  2Serfül)rung  unb  3*i> 
ißümer  au$  in  anbern  Öeßrjiüdfen  folgen,  unb  fann  ferner* 
lief)  ein  einiger  Slrtifel  cfmiTlidE)en  ©laubeng  rein  bleiben; 
ober  txnrb  je  ettoag  unüerfälfc^t  gelaffen,  fo  iftg  bod^  oßne 
allen  Ru£  unb  Äraft,  »eil  obgebaeßte  #auptquelle  burd) 
falfdje  ßeßre  t>erjio|>ft  tjt  3Wan  fielet  aud)  fcor  Slugen, 
ba§  ber  $einb  unferer  ©eligfeit  t)on  Slnfang  ber  2öelt  big 
auf  ben  heutigen  Sag  obgebadjter  ßefjre  am  allerbeftigjien 
unb  gefd)txunbeften  mit  allerlei  Rotten  unb  3r^ümerern 
jugefe^t;  nadjbem  ißm  unfcerborgen ,  ba§  beö  2ftenf$en 
©eligfeit  auf  folgern  fjeilfamen  5lrtifel  beruhet.  Unb  fon* 
berlidb  ju  biefer  unferer  3eit,  ba  burd)  ©otteg  milbe  unb 
reiche  33arm^ergigfeit  bag  ßeilfame  2id)t  be§  (Stmngelii 
ttrieberum  erfdjienen  ifl,  unb  ber  ßoße  Jrofi  fcon  Serge* 
bung  ber  ©ünbe  unb  3ured)nung  ber  ©ereeßtigfeit  ßbripi 
burd)  ben  ©lauben  reicßlid)  unb  gemaltiglicß  ber  Söelt  fcor* 
getragen  toirb,  unterließet  er  ft$  nießtg  befto  minber,  burd) 
ben  Slntidjrijl  ju  Rom  unb  fein  läfterlid)  £rientif$  (£on* 
ciliabulum,  audE)  auberer  Säfierer  unb  glattergeijier ,  bieg 
ßeilfame  öidf>t  ju  serbunfeln  unb  ju  fcerflucßen;  bagegen 
aber  feine  öerbammli^en  ßügen  unb  Säuerungen,  bur$ 
n>eld)e  3efu  (£ßri|io  alle  Gßre  benommen,  bie  armen  be* 
ängfiigten  ©etoiffen  nur  §ur  Ser^eiflung  getrieben  werben, 


15 

ber  ÄirdK  ßfmfti  aufjubringen,  2ltfo  flucht  baä  Irientifdje 
(Eoncilium:  Si  quis  dixerit,  homines  justificari  sola  fide, 
vel  imputatione  justitiae  Christi,  vel  sola  peccatorum  re- 
missione,  exclusa  gratia  et  charitate;  quae  in  cordibus  eorum 
per  Spiritum  sanctum  diffundatur  atque  illis  inhaereat;  aut 
etiam  gratiam;  qua  justificamur,  esse  tantum  favorem  Dei7 
anathema  sit.  Can.  9.  3)a§  ift:  @o  jemanb  fpticfet,  ba§ 
bie  ÜJlenfd;en  geredet  merben  allein  burd)  ben  ©tauben 
ober  burd)  3we$nung  ber  ©ered)tigfeit  GfjrifH,  ober  allein 
bmti)  Vergebung  ber  ©ünben,  bie  ©nabe  unb  ßiebe  au§* 
gefd)loffen ,  meiere  in  ifjren  ^er^en  angegoffen  txrirb  burd) 
ben  ^eiligen  ©eift  unb  in  ilmen  ift,  ober  ba§  bie  ©nabe, 
baburd)  txnr  gerechtfertigt  werben,  allein  ©otteg  £ulb  fei;, 
ber  fei  t)erflud)t. 

2öelct)eö  fromme  ^>er§  entfefet  fiel)  ni$t  ob  fotcJ>er  grau^ 
famen  ©otteSläflerung?  Denn  ba§  f)ei§t  je  ©ott  im  £im* 
mel  oerfludjen,  als  ber  bur$  alle  $ropl)eten  unb  Slpoftel 
bezeuget,  ba£  allein  6f)rifli  ©eredjtigfett  un§  mirb  juge* 
rechnet,  unb  tx>xr  in  tfjm  t>or  ©ott  geregt  feien.  $auluS 
fpridjt :  Dem  aber,  ber  nid)t  mit  2Berfen  umgebet,  glaubet 
aber  an  ben,  ber  bie  ©otttofen  gerecht  mad)t,  bem  toirb 
fein  ©taube  (melier  Sfmftum  mit  feinem  Serbien^  unb 
©ered)tigfeit  faffet)  jur  ©eredEjtigfeit  geregnet.  $öm.  4. 
3tem,  ©ott  fprtd)t  im  Sefaia:  3$  fd)tt)öre  bti  mir  fetbft, 
unb  ein  2öort  ber  ©eredjtigfeit  ifi  auö  meinem  2Runb 
gegangen,  ba  foll  t§  bei  bleiben,  nämlich :  9)ttr  fotlen  fxti) 
alle  Äniee  beugen,  unb  alle  Bungen  fdjfoören  unb  fagen: 
3m  £(Srrn  t)abe  id)  ©ere^tigfeit  unb  ©tärfe.  3*f-  45- 
Slber  ba$  £rientif$e  Soncilium  fdjeut  ftd)  nid;t,  bm  fjeili* 
gen  ©ott  im  Fimmel,  alte  lieben  (Snget,  $ropf)eten,  9tyo* 
|iet   unb    bie   ganje  d)riftlid)e  Äirdje  ju   oerflu^en.     ©o 


16 

fdjämen  ftd)  au$  ntd&t  bie  etenben  ©opf)ijlen,  üRartinu^ 
©fengrem,  ßinbanug,  Jöcobug  9Inbrabiu3  unb  i^reö  ©lei* 
$en,  fotd?e  erfcfcrecFlidje  ßäfierungen  $u  bef$önigen  unb 
^u  Dertbetbigen* 

Dietoeil  benn  cf)rifllid>en  öef)rern  gebührt,  folget  ßd- 
fterung,  baburcb  ©otteö  (S^re  angetaftet  vx>irb ,  ju  trüber* 
f|)rect)en,  unb  bie  (äinfälttgen  t)or  ©o^ifterei  ju  toarnen, 
iwbe  itf)  biefe  ^rebigten  t)on  ber  iftecbtfertigung,  meinem 
23eruf  nad?,  in  offenen  3)rucf  au3gel)en  laffen  sollen; 
biefelbigen  aber  au3  biefen  d^rifllic^en  Urfadpen  6*  $,  ©♦ 
in  Untertljmnigfeit  auftreiben  follen  unb  tt>oÜen. 

Srftlidb,  bamtt  id)  l)iemit  öffentlich,  t)or  ber  ganjen 
©emeine  3efu  Sfmfti,  (£.  g.  ©.  in  aller  Unterttmntgfeit 
banffage  für  bie  Ijobe,  fürfilidpe  9Bot)Itf;at ,  ba§  mir  unter 
<§.  $.  ©.  gnäbigem  ©cbu£  unb  ©dpirm  nici)t  allein  seit* 
liefen  ^rieben  tjaben,  fonbern  aud;  biefe  beilfame,  trofirei^e, 
feligmadpenbe  Öebre  fcon  ^Rechtfertigung  beö  armen  ©ünberg 
i)or  ©ott  lauter  unb  rein,  of;ne  alle  $erfälfdjung  teuren, 
üben,  befennen  unb  miber  alle  2lnfed)tung  gebrauten 
mögen;  unb  ba§  6.  $.  ©.  mit  gottfeltgem,  dprijitidpem, 
fürftlidpem  @ifer  ob  ber  Ijetlfamen  SBa^r^eit  beä  (Süangetü 
galten,  unb  toeber  ben  päbfiltd)en,  abgöttif^en  ©reuein 
unb  2äfterungen,  nod)  ben  oerbammten  Sorruptelen  unb 
Motten  feinen  SKaum  geffatten*  $ür  meiere  fyofyt  2öol)ttl)at 
alle  Untertanen  neben  mir  (S.  $.  @.  ju  eftngen  gähn 
banfbar  ju  fein  fdmlbig  ftnb. 

$ür3  anbere,  bietoeil  (S*  %.  @.  biefe  meine  $rebigten 
öon  ber  SRedbtfertigung  beö  ©ünberö  nidpt  atiein  gnabig 
mit  djrijtlidjem  $leifj  unb  ßifer  angeprt,  aud)  na$  il)rem 
I)ol)en  fürfilicfjen  25erftanb  in  @otte§  2Bort,  if)r  gnäbig 
gefallen  laffen,  fonbern  aud?  für  rat^fam  erfannt,  ba$  bie 


17 

$rebigten  in  $)ru<f  verfertigt  würben,  bamit  beibe  QSrebigern 
unb  anbern  ßbriften  biefev  beilfame  93erid)t  von  biefem 
bo^en  21rtifel  mitgeteilt  würbe;  Ijabe  iü)  fte  billig  unter 
(5.  $.  @.  Tanten  ausgeben  (offen  fotlen,  bamit  S.  $.  ©. 
bobeö  fürjtlid)e§  unb  d)rijHi$e3  Urteil  von  biefen  $re* 
bigten  ber  Ätrdje  Jefu  ßfmjtt  befannt  ttmrbe. 

$ür£  brüte,  mir  jweifelt  gar  md)t,  (5.  5-  ®-  d^rtfilid^ 
©jempel,  ba§  fxe  mit  folgern  Sifer  nad)  bem  ©runb  unfereä 
djriftlic^en  ©laubenS  forden,  bie  QJrebigt  be3  ßvangetü 
afö  ben  l)öd)j}en  ©dja|  in  (Sljren  fyalttn,  lieben  unb  förbem, 
wirb  viele  gut^erjige  ßeute  belegen,  tiefe  $rebigten  mit  $let§ 
ju  tefen  unb  bem  ©runb  unferer  ßeljre  nad)  ju  trauten. 

3um  vierten,  auf  ba§  meine  geinbe  unb  Säflerer,  fo 
mir  von  wegen  beö  53efenntniffe§  ber  2öal;r^eit  unb  2ßi* 
berfpredjmng  ber  Sorruptetn  Uebclö  nacbreben,  unb,  hti 
benen  meine  ßef)re  unb  ßeben  unbefannt,  mit  erbidjteten 
Auflagen  verbäd^tig  machen  wollen,  fdjamrotf)  unb  üjr 
frevel  offenbar  werbe.  T>enn  weil  (S.  $.  ©.,  aI8  ein  fjodj)* 
Verftanbiger,  djrtftlidjer,  in  @otte§  Sßort  erfahrner  unb 
eifriger  ftürfl,  felbft  gnäbig  befinben  unb  gegenwärtig  er* 
fahren,  t>a$  id)  nad?  bem  Vermögen,  ba§  ©ott  barfirecfet, 
von  allen  Slrtifeln  dmjtlicfjen  ©laubenö  eine  reine,  gefunbe, 
in  ^eiliger  6cf)rift  wof)lgegrünbete  unb  trojtreidje  öe^re 
meinen  3^örern  vortrage,  audt)  vor  aflen  Sorruptelen 
unb  fdjäblidjen  ©ecten,  vermöge  meinet  35erufe§,  treulich 
Warne;  fo  ift  je  am  Jage,  Wie  meine  üftißgünfiige  if)rer 
@$mat)ung  fogar  nid^t  befugt,  fonbern  au$  2lnfiiftung 
beö  2lrgen,  ber  alten  treuen  Sehern  befto  feinber,  ba§  fte 
tljm  fein  $ei$  gerftören  Reifen,  ©ute§  mit  23öfem  vergelten; 
Weld)e§  ©ott  benen  nicht  juredmen  wolle,  bie  e§  unwiffenb 
tfran,  ober  je  ftd)  ju  ©ott  befel;rem    21d)te  bemna$  biefe 

2 


18 

meine   $rebigten    für    eine   tootjlgegrünbete   unb    nüfclicfye 
Seranttoortung. 

Unb  bitte  6.  $.  ©.  aufä  untertpnigfle ,  fte  wollen 
nad)  ifjrem  dmjtlidjen  Gifer  biefe  $rebigten  mit  ©naben  tton 
mir  annehmen,  mir  unb  anbern  treuen  ßeftrern  unb  ber  f)eil* 
famen  Cef)re,  fo  mir  burd)  ©otte$  ©nabe  nad)  feinem  2Bort, 
jur  ©digfcit  ber  aftenfcfyen  führen,  mie  biöl^er  gefc^efren, 
gnäbig  unb  cfyriftlid)  ©d)u|  unb  Sdnrm  Ratten.  2öeld)en 
reiben,  überf$mänglid)en  Sobn  (5,  $.  @,  beibe  I)ie  unb  im 
Fimmel  bafür  ju  gemarten  fjaben,  ift  6.  $.  ©.  unoerborgen. 

Der  allmächtige,  emige  unb  gütige  ©ott,  23ater  unferS 
#errn  unb  £eilanbe3  3efu  ßfmfti,  ber  au8  milber  (Jrbar* 
mung  bie§  f)eilfame  Öid)t  beö  Soangelü  unter  unS  mieber 
angejünbet,  unb  un$  jum  Srfenntmfc  feines  ©o^neö  ge* 
hxai)t  hat,  ber  molle  biefen  l)ot)en  Sroj?  unb  allerfyeilfamfk 
Öefjre  oon  Vergebung  ber  ©ünben  unb  Rechtfertigung  beö 
©ünberö  bind)  ben  ©lauben  unter  unö  gnäbigltd)  erhalten, 
ben  greulichen  Öäfterungen  be£  römifd)en  Slntid^riflen,  audk) 
allen  9Berfälfd)ungen,  burd)  meldje  ßfmfti  ßtyre  oerlejjt,  unb 
ben  armen  ©ettnffen  ber  Sroft  entzogen  wirb,  jteuren  unb 
vertilgen;  allen  aber,  bie  ftd;  jur  2ßal;rl)eit  beö  Soangelii 
benennen,  Äraft  unb  ©tärfe  oerleif)en,  an  3efum  Gljrijlum 
fefiiglid)  ju  glauben,  feinem  2öort  ju  gefwrfamen,  big  an§ 
(Snbe  beftänbig  ju  t>erl;arren,  unb  in  if)tn  ewige  ftreube 
unb  ^errlid^fcit  ju  erlangen.  Derfelbe  wolle  aud)  ß.  $.  © 
in  langwieriger,  djrijllidjer,  frieblidjer  Regierung,  nafy  fei 
uem  großen  ©egen,  erbalten.  Datum  Nienburg  an  ber 
Donau,  ben  16.  ftebruariuS  1568. 
e.  %,  ©. 

untertäniger  geljorfamer  Diener 
Silmann  £e#f)uftu$. 


: 


3e|m  fytebi$ten 


tton  ber 


UrdMffrtipng  frfs  ^öntfdjnt  irr  tfitt 

Slitß  htm  ©jjntdj  ^auli,  9J8ra.  3,  23—26. 

SDenn  e§  ift  Ijier  fein  Unterfäneb;  fie  finb  aÜ^umal 
©ünber  unb  mangeln  be§  3hil)m§,  bm  fte  an  ®ott 
f)aben  follten,  unb  merben  of)ne  $erbienfi  gerecht  au§ 
fetner  ®nabe,  burcf)  bie  (frföfung,  fo  burd)  ßbrifto 
3e(u  gefcbeljen  ift:  melcben  ®ott  f)at  borgeftellet  ju 
einem  ®nabenftuf)I ,  burcf)  ben  ©lauben  in  feinem 
93lut,  bamit  er  bie  ©ered)ttgf eit ,  bie  r>or  ifjrn  gilt 
barbiete,  in  bem,  bafj  er  ©ünbe  bergiebt,  melcbe  big 
an^er  geblieben  mar  unter  göttlicher  ©ebulb ;  auf  ba§ 
er  ju  biefen  3^ten  barböte  bie  ©erecf)tigfeü,  bie  Dor 
iljm  gilt;  auf  ba$  er  allein  geregt  fei  unb  gerecht 
tnaäje  ben,  ber  ba  ift  be§  ©laubeng  an  3efu. 


2* 


pe  erfte  gtreMgt 


SSie  bie  äBorte:  ®efe^  ©imöe,  ©eredjtigf  eit,  redjtfertigen, 
©nctbe  imb  (glauk  p  toerfteljen  ftttb* 

2)te  ße^re  öon  ber  ^Rechtfertigung  beö  9ftenfd;en  t>or  ©ott 
ift  ju  jeber  3eit  öon  allen  ßfmjten  bafür  gehalten  korben, 
ba§  e§  ber  f)öd)j!e  unb  nötfngfie  Slrtifet  fei  unferS  djrijl> 
lidEjen  unb  feligmacfjenben  ©laubeng,  uid^t  allein  öon  be§* 
toegen,  ba§  er  ben  aUemötfngften  unb  reichten  Xrojt  btn 
bebrängten  ©ctx>iffen  jeigt,  tote  fte  ber  ©ünben  lo§,  mit 
©ott  Derföfmt  unb  etmg  fetig  mögen  werben,  fonbem  aud? 
ba%  biefer  $unct  gleich  ein  furjer  begriff  unb  Jnftalt  ift 
ber  ganzen  dE)rift(id)en  2ef)re  unb  alle$  be§,  fo  t)ie  $ro* 
ptjeten,  (£f)riftu3  imb  bie  Slpoftet  gelehrt  unb  fcerfünbigt 
f)aben.  35enn  alle  anberen  SIrtifel  unferö  dE)riftiidjen  ©lau* 
ben§  entoeber  ju  biefem  «öauptpunct,  toie  jum  3id  Qt* 
richtet  ftnb,  ober  l)ierau§,  toie  au3  it)rem  einigen  Srunnen, 
entfpringen ;  baf)er  aud)  $etru§  bie  Summa  aller  propfjeti* 
fdjen  Sefjre  unb  SBeiffagung  mit  biefen  wenigen  Sßorten 
begreift :  25on  biefem  jeugen  alle  $ropf)eten,  ba§  in  feinem 
tarnen  Vergebung  ber  Sünben  empfatjen  alle,  bie  an  if;n 
glauben.  2fyoji  10.  3)ie3'  ift  je  bk  t)ornel)mfte  unb 
einige  Urfad)  gett>efen ,  toarum  ber  allmächtige,  gütige 
©ott  feinen  tjeimlicben  SRatf)  unb  allergnäbigjten  Sßillen 
balb  md)  bem  jämmerlid)en  gall  beö  menfd)ltd)en  ©e= 
f<i)led)t§  öom  £imnief   offenbaret,   bie  $einbfdmft  ^nnfdjen 


21 

fernem  Sofm,  unferm  Mittler  unb  £eilanb,  unb  $ftnfd?en 
bem  $eid)  beö  Satans  gelüftet,  bag  ganje  2lmt  beö 
ßoangelii  angeorbnet  unb  enblid?  nad)  feiner  23er^ei§ung 
ben  eingebornen  ©ofm  in  bie  SBelt  gefanbt  f)at,  aud) 
burefc  feinen  ©eift  i>a$  2lmt  feine§  2öort§  auf  Srben  er* 
f)ält,  auf  ba$  voir  arme  ©ünber  lernen,  tote  unb  woburd) 
ber  ÜJienfd)  feiner  ©ünben  lebig,  mit  ©ott  Derfö^nt  unb 
t)or  ifjm  geregt  unb  alfo  jum  Äinb  ©otteg  unb  Srben  ber 
ewigen  Setigfeit  aufgenommen  werben  möge,  S3  mag 
aud)  ber  SJlenfcb  l)öl)ere3  anliegen  ober  größere  23efd>tx>e= 
rung  auf  ßrben  nid)t  baben,  benn  ba%  er  üon  wegen 
feiner  ©ünbe  }\<$)  befümmert,  ©otteg  @erid)t  fürchtet  unb 
ber  ©ered)tigfett,  bie  t>or  ©ott  gilt,  begierig  ift,  bamad) 
forfebet  unb  trautet  Denn  weil  be§  2Renfd)en  #erj  mu§ 
befennen,  baj$  e3  mit  6ünben  beflecft  iji,  unb  ©otteS  ®e* 
rid)t  nid)t  lann  t>erad)ten,  bie  ©ünbe  aud)  bem  üftenfdjen 
eine  unträgli^e  Saji  ift,  baju  ©otteS  jomige  £anb  fernerer 
brücfet,  al#  alle  Kreaturen  im  Fimmel  unb  auf  (Srben, 
aud)  md)t§  StfjrecfltdjereS  51t  benfen,  alö  bie  ewige  23er* 
werfung  t)on  ©otte§  2Ingeft$t,  fo  fann  fein  2>ing  fein, 
ba£  ben  5Renfd)en  prter  ängjle  unb  befümmere,  fonberlicf) 
ber  fid)  um  hu  ewige  ©eligfeit  annimmt,  benn  bie  23er* 
föfjnung  mit  ©ott,  Slufne^mung  ju  ©naben  unb  5Red)t* 
fertigung  jum  ßeben.  2)aS  ift,  ba3  bie  $ropf)eten  fagen: 
2öenn  id)  nur  bid)  Ijabe,  mein  «öerr,  fo  frage  id)  nic^tg 
nad)  #immel  unb  Srbe;  wenn  mir  gleid)  Ceib  unb  €>eele 
t>erfd)tnad)tet,  fo  bift  bu  bodj,  ©ott,  alle§eit  meinet  £erjen§ 
Jroft  unb  mein  3#eil.  $f.  73.  Unb  3eremta8:  £err, 
fei  bu  mir  nur  niefrt  fcf)recf  Ud).  Unb  abermal  2)ar>ib: 
SRun,  £err,  we§  fotl  \ü)  mtd;  tröften  ?  3*  I)offe  auf  bt$. 
Srrette  mid)  oon  aller  meiner  Sünbe.    $f.  39.    33>te  benn 


22 

biefe  afierf)ödi)fte  93efümmemi§  alle  $ienfd)en  erfahren,  fo* 
balb  fte  ifjrer  Sünbe  gemafjr  merben,  unb  ©otteg  ©eridjt 
bei  if;nen  aufmalt;  biejenigen  aud),  fo  ©otteö  2ßort  unb 
ben  $rofl:  Dorn  SRittler  3*fu  G&rifto  nidjt  miffen,  über 
btefer  2tngft  üerjmeifeln  unb  t>erfd)mad;ten  muffen.  2öie 
aber  nun  btefe  ße^re  oon  ber  Rechtfertigung  beö  2Jtenfd)en 
öor  ©ott  bie  f)öd^fle,  nötl)igfie  unb  allertrö^fic^fle  ift,  oljne 
meiere  affeg,  mag  bie  $ropf)eten  unb  2lpofW  fünft  gelehrt 
fjaben,  oergebeng  mürbe  geprebigt  unb  gehört,  alfo  l)at 
ftd^  ber  $einb  unferer  ©eligfeit  ju  allen  3^tenr  oon  2ln* 
fang  ber  Äirdje  big  ju  tiefer  ©tunbe,  aufg  aflerfjeftigfte 
unterflanben,  burd)  mancherlei  betrug,  23erfüf)rung  unb 
3rrtl;um  biefelbe  ju  üerbunfeln,  ju  oerfälfdE)en  unb  gänjlid) 
augjulöfdjen,  baran  er  benn  alle  feine  Stft,  Sücfe,  üHac^t 
unb  Äunft  gelegt.  5lud?  mag  er  in  anbern  Strtifeln  unb 
Sekunden  für  Srrfalt  m\t>  $erfälfd?ung  erbaut  unb 
auggegoffen,  ift  alleg  fcornelmilidj)  bafjin  gemeint  morben, 
ba$  bie^  einige  tjeilfame  ßt$t  üon  Vergebung  ber  ©ünben 
unb  Rechtfertigung  beg  ©ünberg  t)or  ©ott  entmeber  gar 
auggelofdjen  unb  je  üerbunfelt  mürbe,  bamit  ber  Üftenfd) 
jur  ©eligfeit  nidpt  fäme.  £ergegen  aber  fjaben  bie  lieben 
$ropi)etett,  Stmftug  felbfl  unb  bie  Sipofiel  feinen  Slrtifef 
beg  ©laubeng  fo  fleißig  getrieben,  fo  oft  mteberfjolt,  fo 
gewaltig  bejMtigt,  fo  reidjlicb  erftärt,  bem  |)erjen  für  unb 
für  etngebilbet  unb  bur$  mancherlei  ©leidmiffe  oorgemalt, 
alg  eben  biefe  Sebre,  mie  unb  moburd)  mir  arme  ©ünber 
geredet  t)or  ©ott  merben.  £>enn  au$  alle  anberen  8el?r* 
punete  obgemelbetem  2lrtifel  alfo  anhängig,  ba§,  mofem  er 
rein  unb  unoerfälfd)t  erhalten  mirb,  anbere  2lrtifel  audj 
rein  bleiben.  2Bie  a\x<$)  hiergegen  biefer  «fjauptlebre  23er* 
fälfebung   gar   große   unb   mancherlei  3^ümer  mit  ftd> 


23 

tjerem  führet,  beffen  mir  (eiber  im  $abfttf)um  ein  fdt>recf^ 
ItdjeS  ßjempet  gehabt,  unb  bei  Dielen  Motten  ju  fpüren. 
Diemeil  benn  ber  treue  unb  gütige  ©ott  ju  biefen  legten 
Seiten  bti  nnä  bitS  fjeilfame  ßidjt,  meld?e§  üiele  ^afyxt  W 
im  $abjttf)um  burd?  OKenfdjenfafeung,  2öerf(eljre  unb 
fdjeujjlidjen  3rr$um  ift  üerfinftert  gemefen,  alfo  i>a%  bie 
armen,  bebrängten  unb  burd?  bie  €>ünbe  üermunbeten 
©emijfen  ni<$t  reebt  unterliefen  nodj  getroftet  mürben,  mie 
unb  mobureb  fte  motten  üor  ©ott  gerecht  merben,  mieber 
angejünber,  unb  un3  burd)  fein  2öort  gelebrt  unb  bezeugt, 
mie  mir  allein  au$  ©naben,  burdt)  $>aä  Serbienft  feineö 
©obne§,  mit  ü)tn  Derfö^nt  merben;  unb  atleö  an  biefem 
£auptpuncte  gelegen,  ber  audE)  ju  unferer  3tit  nid)t  im* 
angefo^ten  bleibt,  fonbern  fcon  ben  $apiften  auf3  fjeftigfie 
angegriffen  unb  burd^  üiele  SRottengeifter  mit  großer  Sift 
t>erfälfd)t  unb  öerbunfelt  mirb,  iftg  nid)t  allein  billig,  fon* 
bern  *8  forbert'3  and)  bie  äu§erfle  9iotf),  ba§  mir  biefen 
9lrtifet  t>on  ber  Rechtfertigung  fleißig  unb  oft  treiben,  auS 
rechtem  ©runb  erflären,  ben  Suljörem  mot)l  einbilben,  mit 
ftarfen  S^gniffen  ber  ©d)rift  befräftigen,  miber  alle  ©o* 
pf)ifterei  ber  SKottengeijter  oertljeibigen  unb  rein  bema^rem 
Demnad?  mollen  mir  mit  ©otteä  £ülfe  biefe  aflerfjeilfamfte 
unb  nötfngjte  ßebre  üon  ber  Rechtfertigung  beö  Sünberä 
t>or  ©ott  üorne^men  unb  anjetgen,  mie  bie  ju  üerjtefjen, 
unb  auä  ben  3eugnijfen  ber  $ropf)eten  unb  9lpofiel  ju 
erhalten  fei.  Damit  mir  aber  bie  ßefjre  na$  9totl)burft 
erflären,  unb  au§  re<f)tem  ©runb  führen,  unb,  ma#  ju 
biefer  örflärung  notfjmenbig,  nid)t  unterlaffen,  fo  motten 
mir  3^it  baju  nehmen  unb  ben  £anbel  in  etlichen  $rebig* 
ten  orbentlicb  au3tl?eilem 

l.    Stnfänglidb  muffen  mir  beS  ^eiligen  ©eifteä,   ber 


24 

burd)  bie  $ropbeten  unb  StyojM  gerebet,  Sprache  redbt 
lernen,  unb  5ld)t  brauf  geben,  vx>ie  bie  SBorte:  ©efe|, 
©ünbe,  @ered)tigfeit,  Rechtfertigung,  ©laube, 
©nabe  ja  t>erjief)en,  unb  mie  fte  oon  ben  $ropf)eten 
unb  2lpojhfn  in  biefem  £anbel  gebraust  ftnb  morben. 

2.  $>amad!)  motten  mir  mit  ©otteg  £ülfe  bie  ganje 
ßeljre  oon  ber  Rechtfertigung  in  eine  furje  Summa,  unb 
in  rnemg,  a(§  in  trier  $uncte  faffen,  bamit  fte  einem  3eben, 
mie  in  einer  $afel,  sor  Singen  gemalt  fte^e. 

3.  ferner  sollen  mir  algbann  melben  bie  Urfacfje 
unferer  Rechtfertigung,  mol)er  fte  fomme,  mer  un§  geregt 
macf)e,  mer  e§  tterbient,  ma§  eigentlich  unfere  ©erecfctigfeit 
fei,  mie  unb  moburcf)  fie  un§  gereift,  unb  mobur$  mir 
fte  annehmen  unb  ergreifen,  autf)  m§  il;re  %mti)t  unb 
Sirfung  fei. 

4.  Sllgbann  foll  audE)  mit  ©otte£  $>ülfe  angezeigt 
merben,  mag  für  ein  ttnterfd)ieb  fei  jmifcfjen  unferer  ßefjre 
unb  23efenntni§  in  biefem  Slrtifel,  unb  jmifrf)en  ber  $api* 
|ten  falfdjen  Meinung  unb  Slbergfaubem 

5.  darauf  mollen  mir  ba§  2ßörtlein  Sola,  allein 
t)or  unö  nehmen  unb  ermägen,  mie  e§  oerftanben  foll 
merben,  mie  tuet  baran  gelegen,  auS  ma§  Urfad)  eS  §u 
brausen  unb  ju  behalten,  au$  mie  eö  mit  B^gniffen  ber 
^eiligen  ©djrift  fei  §u  bemetfen, 

6.  2öenn  bieg  t>erri<f>tet,  al§bann  mollen  mir  mit 
©otteg  £ülfe  unfere  ©rünbe  unb  B^gniffe,  barauf  unfere 
Sebre  beruht,  {jerjufüfjren ,  unb  etliche  gemaltige,  unmiber* 
leglid[)e  Argumente  anzeigen,  ba%  mir  allein  au§  ©naben 
burd)  (Efirifium  %tf\\m  im  ©(auben  geregt  merben. 

7.  3^r  SBarnung  mollen  mir  Ijernad)  aud)  melben, 
mie   biefe  Seljre   t>on   fielen  Äe£ern,   unb   fonberli$    im 


25 

$abfttl)um,  aucfe  t)on  ben  je^gen  Motten  t)erfälfd)t  fei 
korben,  bamit  ftcf)  männiglid)  t)or  folgern  betrug  toiffe 
$u  fjüten. 

8.  3ule£t  tollen  mir  bie  vielfältigen  93ef)elfe,  Um 
grünbe  unb  ©egenwürfe,  fo  bie  $apiften  unb  anbere 
SRottengeifJer  führen,  ibre  falfdf)e,  erbicbtete  Meinung  bamit 
ju  befd)önigen,  wiberlegen,  unb  flärlid)  bartl)un,  ba§  ber 
^apiften  unb  anberer  ^Rotten  erbi^teter  ©laube  überall 
feinen  ©runb  in  ©otte§  2ßort  Ijabe. 

35er  <Sof)n  ©otte§,  ber  biefe  Sefjre  erjHicl)  offenbaret 
be§  Sfjre  e3  aud)  trifft,  verleibe  f)ieju  feine  ©nabe  unb 
^eiligen  ©eijt    2lmen. 

63  baben  bie  $ropf)eten  unb  SlpojW  fo  tterftänbli$, 
beutltd),  eigentlich  unb  einfältig  gerebct,  als  fonjt  fein 
ÜJienfd)  auf  ßrben  von  irgenb  einer  ©acfje  fyat  reben  fön* 
nen;  benn  ©ott  f)at  felbft  burcf)  fte  gerebet,  ber  fwt  je 
wo^)t  gewußt,  tr»ie  er  reben  follt,  I)at  un3  au$  ni$t  am 
führen  wollen,  ober  mit  ungewijfen  Jöorten  betrügen,  fon* 
bern  Ijat  ftd)  befliffen,  ba%  er  von  allen  9Jienfc^en  möchte 
perftanben  werben.  2öie  Lactantius  gar  fem  fagt:  Nuro 
Deus?  et  mentis  et  vocis  et  linguae  artifex?  diserte  loqui 
non  poterit?  imo  summa  Providentia  carere  fuco  voluit 
ea,  quae  divina  sunt,  ut  omnes  intelligerent ;  quae  ipse 
omnibus  loquebatur.  3)a3  ift:  ©oll  benn  ©ott,  ber  ein 
2Reijter  ift  be§  33erftanbe3,  ber  Stimme  unb  3un9e  nifyt 
tterjlänblicb  reben  fönnen?  %a,  bie  l)öd)fte  SBei^cit  bat 
gewollt,  ba§  bie  göttlichen  ®a$en  ungefärbt  unb  ofm 
allen  SdEjein  wären,  unb  ba§  alle  2ftenf<J)en  öerfiünben, 
waö  er  ju  allen  rebete.  2lber  wie  ber  ©atan  im  ^arabiefe 
bie  2Borte  ©otteg  ber  Goa  umfe^ret,  atfo  tljut  er  mit  allen 
SBorten  ©otteS,  mad)t  ifmen  einen  anbern  $erjtanb  unb 


26 

SKeinung,  unb  breitet  fte  feinet  ©efallenS.  Solches  Ijat 
er  mit  fonberm  $let§  in  biefem  Slrtifel  getrieben;  benn  ba 
f>at  er  bie  2Borte  fo  gar  umgefeljrt,  ba§  fte  ifnn  gar  um«* 
gefegten  $erftanb  geben  muffen,  meldjeS  er  benn  burdj 
falfd;e  Öefjrer  unb  bie  ÜJtöndje  heftig  getrieben  unb  aud) 
nod);  bafjer  fommtö,  ba§  unfere  ^apijten  biSnmlen  pro* 
pl)etifdj)e  unb  apoflolifd^e  Söorte  führen,  aber  nacb  ihrer 
falfdjen  Deutung;  benn  ber  $einb  tiefet  ft>of)l,  menu  er 
aucf)  bie  2Borte  beö  ^eiligen  ©eifieS  oertoerfe,  fo  fönnte 
er  fein  ©ift  nid)t  bergen  nocb  befcijönigen.  Darum  mu§ 
man  bejto  mebr  gtei§  anfefjren,  ba$  man  ber  $ropbeten 
Sßort  unb  $ebe  in  ifjrem  natürlichen  unb  eigentlichen  93er* 
ftanb  begatte;  fonjt  gel;et'3  tt)ie  benen,  fo  ben  S^urm  ju 
23abt)(on  baueten,  ba  einer  ben  anbern  nid)t  üerjtanb,  unb 
bertoegen  üon  ibrem  $ornefmien  ablaffen  muffen,  ©o 
trollen   tx>ir   nun  ein  2öort  nadE)   bem  anbern  üorneljmen, 

(ßefetj. 

Die  $ropl)eten  unb  SlpojM  brausen  baS  2Bort  ©e* 
fe$  gar  mel,  unb  fonberlicb  in  biefem  £anbel  öon  ber 
$ed)tfertigung ;  benn  t)a  muß  ber  ÜJienfdj)  toitjen,  tt>eld)e$ 
©efetj  ©ott  ben  SD^enfcfcen  gegeben  babe,  tr>ie  ba$  ©efe£ 
bie  Sünbe  ftrafe,  toeld^eä  Urtbeil  ©ott  über  unS  fälle» 
Da  lefjren  fte,  tx>ie  ber  SKenfd?  burd)^  ©efe£  nid)t  geredet 
n>erbe;  barum  mu§  man  tt)iffen,  it)ot)on  bie  $ropl;eten 
reben,  trenn  fte  bieö  ©ort  brausen;  benn  unfere  2öiber* 
fac^er  bieö  2öort  in  fielen  2Begen  miftbeuten.  Denn  erft* 
lief)  tioollen  fte  ©otteS  @efe£  böfw  nicf)t  öerfte^en  nod) 
anfeben,  benn  atö  ftmre  e£  einer  mcltttdjen  Dbrigfeit  Drb* 
nung  unb  33efef)l,  ber  weiter  nid)tö  forbere,  benn  roaS  ber 
DWenfcb  in  biefer  fc^tx>a^en  ftatur  fönne  bellten  unb  leiftem 


27 

Daraus  fte  f;emacb  bieten,  ba$  ©efe<3  fei  bem  ÜRenfc&en 
ntcbt  unmöglid)  ju  Balten,  unb  wenn  ber  2Jtenfd)  fomet 
tljue,  alö  an  if)tn  ift,  fo  fönne  @ott  nicbt  meljr  forbern, 
unb  ben  innerlichen  gef)l  unb  ÜHangel  ber  ©eele,  wenn 
feine  33erwi(ligung  baju  fomme,  fei  nid)t  Sünbe,  unb  üiele 
anbere  fdf>eu§licben  3ntf)ümer.  'Darnacb  bieten  fte  breierlet 
©efefj :  ein  natürlichem  ein  mofaifdjes  unb  ein  efcangelifcbeS 
@efe£;  mengen  unb  &ermifd)en  alfo  ©efe|  unb  doange* 
Jium  untereinanber,  ba$  man  nidjt  fofl  wiffen,  welches 
©ebote,  melcbeö  Verkeilungen  ber  ®nai)t  finb ;  jubem, 
Weil  ÜJlofeS  üon  breierlei  @efel$  rebet,  als  üon  $olijei* 
orbnung,  Äirctyengebraudjen  unb  ©otteä  ewigem  Sefef)(. 
2öenn  $aulu3  9iöm.  3  fpricf)t,  auä  ben  2ßerfen  beö  @e* 
fe£e3  werbe  niemanb  geredet,  beuten  fie  e3  nur  auf  bie 
^olijeiorbuung  unb  Äirtfjengebräucfye,  ober  aufs  ©efeg  ber 
$atur;  oon  ben  jel;n  ©eboten,  weldbe  $aufu3  oornebmlid) 
meinet  wollen  fte  eS  nic^t  oerftanben  baben. 

2Biber  foId;e  3Serfälfd)ung  fottt  if)r  wiffen,  ba#  bie 
$ropbeten  unb  Sipofiel  baä  2öörtlein  @efe£  auf  jweierlei 
2öeife  brausen,  drjfticf)  inSgemein,  jum  anbern  mfon* 
berbeit.  3nögemein  braueben  fte  e3  für  bie  ganje  Öebre, 
fo  ©ott  offenbaret  f;at  Dom  Fimmel,  barin  beibeS  ©ebot 
unb  Verheißung  ber  ©nabe  begriffen  ftnb.  91(0 :  2Bobf 
bem,  ber  nidjt  wanbelt  im  Oiatf;  ber  ©ottlofen  k.,  fonbern 
bat  ßufl  jum  ©efe§  bes  #erm  unb  rebet  t>on  feinem  ®e* 
fefc  lag  unb  5Rad>t.  $f.  1.  Stern:  $)aä  ©efefc  beineä 
TOunbes  ift  mir  lieber,  benn  oiel  ©olbeS.  $f.  1.19. 
2>tem:  2)ae  ©efefc  bes  £errn  ifi  obne  Sßanbel  unb  erquieft 
bie  Seele,  $f.  19.  3tem:  Das  ©efefe  bes  ©eifks,  ber 
ba  lebenbig  maebt,  ^at  mid)  frei  gemaebt  oom  ©efe£  ber 
<5ünbe  unb   bes   SobeS.    $öm.  8.    5(n   biefen   unb   ber* 


28 

gleiten  Orten  oerjle()en  bie  5ßropf)eten  unb  Sipofiel  bie 
gan^e  Öe^re  (S^rifti,  @efe£  unb  ßtmngelium,  ttrie  ftcf)  ©ott 
offenbaret  fwt  3nfonberf)eit  ober  Ijeifjjt  baS  2öort  @efe£ 
©otteg  ernfter  23efef)f,  barin  un§  t>erfünbigt  toirb,  tote  un§ 
©ott  erraffen  bähe,  toie  mir  fein,  mag  mir  ttmn  unb 
laffen  foüen,  barin  er  forbert  oon  un£  ttollfommenen  @e* 
Ijorfam  beö  ganjen  9Jienfd)en,  unb  t>erf)ei§et  %tbm  unb 
©eligfeit  benen,  fo  feinen  33efef)l  ofm  alle  $ef)l  unb  5SJiengel 
leiften,  brofjet  aber  ben  lob,  aHeg  Unglütf  unb  emige 
SSerbammnig  allen,  fo  feinem  23efef)f  juttriber  ftnb.  2öie 
benn  baS  Söort  @efe£  üon  Slmfto  felbft  erflärt  ift  morben: 
Du  fotlft  lieben  ©ott,  beinen  $errn,  t>on  ganzem  ^er^en, 
oon  ganzer  ©eele  unb  oon  ganzem  ©emütfje  k.  5  ÜRof.  6. 
Wtatfy.  22,  %Um :  33erfludf)t  fei  jebermann,  ber  nidjt  f)ä(t, 
wa§  im  ©efe£  gefdEjrieben  ftel)t,  5  2Jlofe  27,  DieS  rebet 
$aulu3  t>on  biefem  @efe|,  ba  er  fprid&t:  Die  Äraft  ber 
©ünbe  ift  ba§  ©efefc..  1  Gor,  15,  3tem:  Dag  ©efefc 
richtet  3orn  an.  $öm.  4.  Darum  menn  toir  ba$  2ßort 
©efe|  boren,  muffen  mir  eg  toeit  abfonbern  oon  2Ren* 
fdpengefe£,  bie  mebr  nic^t  forbem,  als  äußerlichen  ©e* 
fjorfam.  2ßie  ber  Spruch  fagt:  Lex  manum  comprimit, 
non  animum.  Da§  ift:  Da§  ©efe£  Jttungt  bie  $aufi, 
unb  nidE>t  ba3  ©emütb.  Denn  ©otte§  ©efe|  forbert  inner* 
li$en,  blieben,  oollfommenen  @ef)orfam,  al$  fein  Sftenfd) 
fann  leiflen,  Daljer  $auluS  fagt:  Da§  ©efe§  ift  getftlicb; 
id)  aber  bin  fleifä)licb.  SRöm,  7,  Norbert  aud?  nic^t  allein 
ben  ©efjorfam  ber  (Seele,  fonbern  aud)  bie  Oieinigfeit  unb 
3Sollfommenf)eit  ber  -Iftatur,  ba%  im  $erflanb  ©otteö  Sr* 
fenntnif;  leuchte,  unb  fein  3rrtfmm,  feine  $infterni§,  fein 
böfer  ©ebanfe  oon  ©ott  in  ifjm  fei,  ba§  ber  SEßiße  frei 
unt)erf)inbert  fei,  mit  ©otteS  Söitlen  übereinftimme ,  nic^t 


29 

t>on  ©ott  abgetoenbet  fei,  fein  2öiberttnlle  nodj)  gcinbfc&aft 
toiber  ©ott  in  ifjm  fei,  baö  £er§  unb  bie  ©eele  uoller 
ßiebe  ©otteö  feien,  feine  böfe  Segierben  nod?  Effecten 
fabelt,  fonbern  rein  an  aüem  Üftafel  feien.  Rom.  7.  9luf 
ein  fold)  fyod)  ©ebot  muffen  wir  fet)en,  wenn  bte  2lpo|lel 
t)on  ©otteg  @efe£  reben;  bemnacb  muffen  ftnr  ttuffen,  ba§ 
baö  ©efe§  eine  anbete  ßebre  ift,  benn  baö  Gtmngetium. 
Denn  ba  $aulu3  fpridjt,  ba3  @efe$  fei  ein  5lmt  beö  X& 
be§  unb  ber  95erbammni§,  2  gor.  3,  fo  ift  foId^eS  niebt 
ju  üerfie^en  fcom  Gtoangelio,  tvdtytä  eine  Äraft  ©otteö  ift 
jur  eeligfeit,  allen  bie  baran  glauben,  Rom.  1;  fonbern 
t)on  ben  jefcn  ©eboten  iftö  ju  tterjiefjen,  welche  un3  bie 
<2ünbe  offenbaren,  ©otte§  3^rn  üerfünbigen  unb  ben  lob 
bro^en.  2lucf)  muffen  mir  nnffen,  wenn  $aufu3  bem  ©efet} 
bie  Rechtfertigung  nimmt,  ba§  er  mcf)t  allein  üon  ^Solijei^ 
orbnung  unb  Äirdjengebräudjen  rebet,  mie  bie  ^apijten 
bichten,  fonbern  üorneljmKdj  rebet  er  üon  bem  f)of)en,  ett>i* 
gen  ©efefc  ©otteS,  t)on  ben  jelm  ©eboten,  unb  faffet  jü* 
g(eici)  alle  ©ebote  ©otteg.  Denn  überall  fein  @efe£  ge* 
geben  ift,  ba$  ben  SJtenfdjen  geregt  madje  ober  jur  ©eligfeit 
füfjre,  tote  Paulus  tl&xliti)  jeuget:  2öenn  ein  ©efetj  gegeben 
märe,  baS  ba  fönnte  lebenbig  machen,  fo  fäme  bie  ©e- 
red)tigfeit  tt)af)rl)aftig  auS  bem  ©efe|.  ®at.  3.  Unb  atö 
*Paulue  beweifen  teilt,  bay  ba$  ©efe|  nic^t  ©nabe,  fon* 
bern  3orn  tturfe,  nid)t  bie  ©erec^tigfeit  bringe,  fonbern 
bie  ©ünbe  lebenbig  unb  größer  macbe,  ba§  man  nidjt 
gebenfe,  er  rebe  nur  t)on  Opfern  unb  Räubern  unb  ber* 
gleiten  Ätrcbengebrciudjen  it.,  führet  er  Rom.  7  jum  ßjem* 
pel  ein  bas  9.  ©ebot:  Du  folfjt  bidE)  nid)t  laffen  gelüften; 
ba§  jebermann  tf)n  t>erftef)e,  er  rebe  t>on  ben  jefjn  ©eboten. 
Darum  foll  man  teijfen,  menn  ba§  Sort  ©efe|  in  biefem 


30 

Slrtifel  gebraust  toirb,  i>a%  eö  ©otteS  t)ofy#  unb  trnjte« 
©ebot  bebeute,  toeldtjeS  geiftlid?  ift,  ba§  aud)  ba§  ©efe| 
eine  unterfdjiebene  ßeljre  t)om  ßtmngelio  fei,  unb  ba§  $au* 
luö  unb  anbere  2lpofiel  Dornetjmlid)  &on  ben  jefm  ©eboten 
reben,  bie  alle  2Kenfcben  jum  ©eftorfam  tterbinben  unb 
gugleid)  aUc  ©efe£e  StRofe« ,  aud)  ba§  natürliche  ©cfefc 
begreifen. 

Sün5e. 

Sföenfc^lidje  Vernunft  t>erfte^et  nidjt  bie  2öid)tigfeit 
unb  6$tt)ere  ber  ©ünben.  Unb  bie  $l;ilofopf)i  rebet  Diel 
anberS  t>on  ber  ©ünbe,  alö  $ropl)eten  unb  Slpoftel.  Die 
$l)ilofopf)i  f)ei§en  baß  ©ünbe,  ba§  einer  fehlet  ober  Unrecht 
ibut,  alö  toenn  einer  ben  anbern  mit  2ßorten  ober  2Serfen 
beleibiget,  betrügt,  fdjtägt,  t>ert>ortt)eilt  ober  bergleicben; 
wenn  fie  f)od)  fommt,  fo  befennen  fie,  eö  fei  aud)  ©ünbe, 
toenn  jemanb  bem  3wn,  Ungebulb,  $a$gier  ober  träfen 
Süften  ju  oiel  $aum  giebt;  ba§  aber  böfe  ©ebanfen, 
$infterni§  im  ^erjen,  unorbentli^e  Süfle  unb  Segierben 
aud)  ©ünbe  fein  follen,  unb  ben  Job  fcerbienen,  t>erftef)en 
nod?  glauben  fie  nid)t.  tiefer  Unfcerftanb  fommt  bafjer, 
ba§  fie  ©otteg  ©efe|  nid)t  Riffen,  benn  allein  au§  bem 
©efe|  fommt  red)te  6rfenntni§  ber  ©ünbe;  barin  fielet 
man,  n>a§  ©ott  forbert,  toie  £od)  ©otteg  ©eridjt  fei,  tt>a3 
er  an  unS  firafe  unb  tt)ie  Ijart  er  über  bie  ©ünbe  erjürne, 
Slu^er  bem  @efe£  mag  bie  ©ünbe  nid)t  er!annt  werben, 
t)on  megen  ber  angebornen  SKnb&eit.  $)iefe  blinbe  *P^ilo* 
fop^ia  unb  iljori^te  Vernunft  Derfü^ret  aud)  unfere  $a* 
pifien,  ba§  fie  aud)  nid^t  t>erfief)en,  toa§  ©ünbe  fei;  benn 
fk  weiter  feine  ©ünbe  achten,  benn  tt>a§  bie  $f)ilofopf)ia 
{träfet,  t>ai>n  finbet  man  bei  ifmen  bie  öerftümmelie, 
unttollfommene  23ef$reibung :   Peccatum  est  dictum;  factum 


31 

vel  cogitatum  contra  legem  Dei.  ©ünbe  ift,  ma§  mit 
©ebanfen,  Sorten  ober  2Berfen  miber  ©otteS  @efe|  ge* 
fd)ie£t.  3tem,  bai>er  fefct  ber  $abft  in  feinem  römifd^en 
$kted)i3mu$ :  bie  Segierbe  unb  ßuft  fei  mof)l  etn  3unbcr„ 
ber  balb  ber  ©ünben  fäf>ig  fei,  fei  aber  eigentlich  feine 
©ünbe,  bie  ©otteö  3orn  üermirfe;  unb  atöbann  fei  bie 
ßuft  beö  ftleifdjeS  unter  fernere  ©ünbe  allererft  $u  jaulen, 
menn  be£  ©emütf}g  23ermiüigung  unb  Jatoort  baju  fommt 
X>iefeö  ift  eine  öffentliche  23erfet)rung  ber  2Botte  unb  2el)re 
ber  $ropbeten  unb  Slpoftel.  £>arum  ift  ju  miffen,  ba$ 
©ünbe  fei  alleS,  tva$  bem  ©efefc  ©ottee  jumiber  ift;  nid)t 
allein  Uebertretung,  Ungefmrfam,  bie  mit  ©ebanfen,  2öor^ 
ten,  ©eberben,  SBerfen  gefdEje^en,  fonbern  aucf)  bie  Unreif 
nigfeit,  böfe  3lrt  unb  Störung  unferer  Statur.  £)enn 
ba  flagt  un3  ©ott  an,  i>a$  mir  nifyt  feien,  tt)ie  er  un£ 
erfdjaffen  fjabe,  ba§  mir  aus  bem  Silbe  ©otteö  eine 
fd)eu§licf)e  ßartte  be§  ©aianö  morben  ftnb.  £>at)er  fagt 
3o^anne§:  2)ie  ©ünbe  ifi  baö  Unrecht,  1.  3°^  3,  ba$ 
ift,  alle§,  xva8  bem  ©efe£  ©otteö  nid)t  äfjnlid)  iji  Unb 
2>at>ib  befennt  $f.  51,  feine  9Jiutter  fwbe  ü)n  in  ©ünben 
empfangen,  ha  er  nicf)t  über  feiner  Butter  ©ünbe  flagt 
fonbern  ba%  in  ifim  bie  ©ünbe  atöbalb  angefangen  f)at 
ba  er  im  Mutterleib  ift  empfangen  morben.  Unb  3ere* 
miaS  jeuget,  ba§  bie  ©ünbe  3uba  mit  einem  ftafjlernen 
©riffel  tnö  ^er§  gegraben  fei.  $)arum  SlmbrofiuS  red)t 
fagt:  Ipse  ortus  in  vitio  est;  ba$  ift,  aucfr  bie  ©eburt 
ift  firäfli^).  Jtem  in  Apologia  David:  Antequam  nasci- 
mur;  maculamur  contagione,  et  ante  vsuram  lucis,  originis 
ipsius  excipimus  injuriam.  3)a3  ift:  ß^e  benn  mir  geboren 
werben,  ftnb  mir  f$on  beftecft  mit  Unreinigfeit,  unb  e^e 
mir  be3  £icf)tö  gebrauten,   fwben  mir  f$on  ben  ©rbfcfja* 


ben  empfangen.  2llfo  muffen  mir  nur  bieg  2Bort  ©ünbe 
t>erflef)en,  ba§  toir  nidjt  gebenden,  bic  Uebertretung,  9JüfjV 
tfyat,  Ungeljotfam  fei  an  unS  ftraflt$,  fonbern  audj  bie 
Unreinigfeit,  ba$  mir  t)on  fünblidjem  ©amen  gejeuget 
fmb,  ba$  mir  beö  $ul)m3  mangeln,  ben  mir  oor  ©ott 
baben  (ollen;  nämlid)  ba§  $tnfierni§  unb  93linbt)eit  im 
IBerftanb  ift,  ba%  ber  2ßi(Je  t)on  ©ott  abgemenbet,  jerjlört, 
mit  ©ünben  fcerfiricft  unb  mebr  jum  23öfen  al§  jum 
©uten  geneigt,  ba§  ba§  £erj  ©otteS  fteinb  ift,  unb  allerlei 
böfe  ßüfie  unb  Segierben  gebieret,  unb  bem  @efe£  jumiber 
ijt.  $)ie3  ift  nieftt  allein  ein  3unber,  ber  bie  ©ünbe  bafb 
fäl)et,  fonbern  ift  eine  üerbammltdje  ©ünbe,  bie  fdjon 
brennet,  unb  ben  9D^enfd)en  in  Smigfeit  t>erjel)ren  mürbe, 
tDenn  jtc  md)t  burd?  ba§  Sßlut  %tfw  (Xfjrifti  auggelöfdjt 
mürbe.  £>iemetl  mir  nun  biefe  ©cl)mad)l)eit  ni$t  ablegen 
fönnen,  fo  folget,  bap  mir  ftetö  ©ünbe  fjaben,  unb  nicf)t3 
olime  ©ünben  Dementen.  3)a§  8ut£eru8  an  bem  aud) 
reebt  faget:  Sancti  etiam  in  omni  bono  opere  peccant, 
ba$  ift,  bie  ^eiligen  füubigen  autf)  in  allen  guten  2öerfen. 
3)enn  bie  ©d?maci)f)eit  läßt  ben  OJienf^en  ntdEjt  üöllig  unb 
ttollfommen  ben  ©elmrfam  t>erridE)ten.  2ltfo  miffet  itjr  nun, 
ba$  bie  ©d)rift  t)on  jmeierlei  ©ünbe  rebet;  erftlidE)  fcon 
fcer  ßrbfünbe,  meldbe  ift,  ba$  mir  t>on  megen  beö  ftalteö 
5lbam8  in  ©otteS  Ungnaben  fmb,  unb  baju  eine  unreine, 
Derberbte  SJiatur  unb  böfe  2lrt  fjaben.  3Bie  Glmftug  jeugt: 
2ßaö  t)om  $leifcf)  geboren  mirb,  ba§  ift  ©ünbe.  3°^  3* 
3tem  $aulu3:  2öir  maren  t)on  Statur  Äinber  be§  3ont3, 
€pl)ef.  2.  Darnach  bie  mirfliebe  ©ünbe,  meiere  ift  allerlei 
Ungefmrfam  miber  @otte§  ©efe|,  fo  innerlichen,  fo  au&er* 
liefen.  Unb  ift  ^u  miffen,  ba§  nur  ein  böfer  ©ebanfe  au$ 
t)or  ©ott  ©ünbe  fei.     Söenn   aber  bie  $|)ilofop|)i   ober 


33 

$apiffrn  fagen,  btc  23egierben  ober  Effecten  machen  b?n 
2Kenfrf)en  toeber  böö  nod)  gut,  gleidE)  ttne  £ranff)ett  ober 
Slrmutf),  foü  man  tt)iffen,  ba§  fold^eö  oor  ©otteö  @erid)t 
nid?t  gilt.  3)enn  ©ott  [priest:  8a§  bi$  nid)t  gelüften; 
t>a$  ifi,  nidpt  allein  ip  bie  23emulligung  unb  böfe  Zl>at 
6ünbe,  fonbern  fobalb  ba§  £ers  trüber  ©otte§  SBtllen  be* 
toegt  wirb,  unb  ftdj  unorbentlicfe  reget,  ba§  eö  nur  jum 
93öfen  geneigt  ift,  ba§  ifi  Sünbe,  bie  ben  etoigen  £ob 
uerbienet;  benn  tx>er  in  einem  fehlet,  ber  ifi  beö  ganjen 
©efe|e£  fd^ulbig.  3ac.  2.  2luf  biefe  2ßeife  tooflen  bie 
$rop^>eten  ba§  Söort  ©ünbe  uerftanben  baben. 

<Bere4>tigfät. 

3m  $roj>i)eten  3efaia  6.55  fprid)t  ©ott:  ©leidste 
ber  Fimmel  f)öt)er  ijt  a\§  bie  (Srbe,  alfo  toeit  ftnb  meine 
©ebanfen  üon  euem  ©ebanfen.  £enn  ©otteS  ©eri^te 
ftnb  unerforfc^licf)  unb  eine  unergrünblid^e  Siefe.  $)arum 
foenn  toir  ba$  SSort  @ered)tigfeit  f)ören,  muffen  nur 
nid)t  allein  unferer  Vernunft  unb  menfcf)tidE)en  ©ebanfen 
folgen,  fonbern  auf  ©otteS  2öort  fef)en.  Sluf  ßrben  f)et§t 
man  baä  ©eredjtigfeit,  toenn  einer  gef)orfam  ift,  tf)ut,  ttrnS 
er  föulbig  ifi,  lägt,  frag  if)tn  verboten  ifi,  unb  Ijanbelt  in 
allen  ©a$en  rebltd)  unb  aufrichtig,  ttne  man  ben  SIrifiibeS 
fjat  Jujiug,  ben  ©ered^ten,  geheißen ;  benn  er  ein  frommer 
Siebermann  getoefen.  5llfo  reben  bie  ^urijien :  Justitia  est 
constans  et  perpetua  voluntas,  suum  cuique  tribuens.  ©e* 
rec^tigfeit  ijt  ein  bejMnbiger  SSille,  einem  jebtoeben  ju 
geben,  mag  it)tn  gebühret.  Slber  ®otte§  Söort  rebet  t)iel 
f)öl)er  öon  ber  ©eredjtigfett;  benn  ba§  geigt  an,  toie  ©ott 
felbft  gerecht  fei,  unb  rcotle,  ba£  SKenfcfeen  unb  ©ngel  bem 
Söitlen  unb  2Bei^eit  ©otteö  gleichförmig  feien.    3u  &m> 

3 


34 

fielen  nun,  mie  bie  ^ropfjeten  unb  Slpojiel  bie§  2öort  ge* 
Brauet  fyabcn,  unb  mie  e£  fonberüd)  in  biefem  Strtifel 
gebraust  toorben,  ift  mit  Ijobem  $(eifj  ju  merfen,  ba§  bie 
•Schrift  öon  zweierlei  ©erecf)  tigfeit  rebet,  tit  einanber  gan$ 
ungleich  ftnb,  eine  jiimmt  jum  3^eü  mit  ber  Vernunft, 
hu  anbere  ift  ber  Vernunft  ganj  unbefannt  unb  verborgen, 
unb  allein  t)om  Fimmel  offenbaret  $)ie  erjie  iji  bie  ©e* 
redjtigfeit  be§  ©efe|e§;  biefe  iji  bie  ©leid)förmigfeit  unb 
©e^orfam  gegen  @otte§  ©ebot;  bie  anbere  iji  bie  @ere$* 
tigfeit  be§  ©lauben§  ober  be§  ^eiligen  (äüangeiii,  meldfje 
md)t  iji  unfer  ©eborfam  ober  ©leiä)förmtgfeit,  fonbem  iji 
bie  gnäbige  SSerjeifmng  ber  ©ünben  unb  3ure$nung  be§ 
©el)orfam§  3^fu  (£f)rijii.  2luf  biefem  Unterfd)ieb  beruhet 
faft  ber  üorne^mjie  Streit  in  biefem  #anbel.  $)enn  tote 
bie  Reiben,  Surfen,  3uben,  bie  Vernunft  unb  Triften 
t)on  feiner  aubern  ©erecf)  tigfeit  toiffen,  benn  bie  ha  ftef)e 
in  bcm  ©eborfam  be§  @efe|e§,  ober  in  SRetnigfeit  beS 
®emiffen§,  alfo  sollen  and)  unfere  ^apijien  feine  @ered)* 
tigfeit  jufajfen,  benn  bie  mit  bem  ®efe£  ftimme,  unb  bie 
eine  grömmigfeit  unb  ©ef)orfam  in  un§  fei.  2>eüt)egen 
iji  obgefe^ter  Unterf^ieb  au3  ©otte3  2öort  ju  bereifen. 
$aulu§  fpri$t:  3ftofe3  f^reibt  too^l  Don  ber  ©eredjtig* 
feit,  bie  au§  bem  ©efe§  fommt:  2Beld)er  SKenfd)  bieg 
i^ut,  toirb  barinnen  leben ;  aber  bie  ©ered)tigfeit  au8  bem 
©tauben  fpricf)t  alfo:  ©prid;  nid)t  in  beinern  ^erjen: 
S33er  ttntl  fjinauf  gen  Fimmel  fahren;  fonbem  ia§  2ßort 
iji  bir  nalje,  nämli$  in  beinern  ÜJhmbe  unb  in  beinern 
fersen.  3.  2Rof.  18,  5.  ÜRof.  30,  9Wm.  10.  2öie  fönnte 
ber  Styojiel  $aulu3  ben  llnterfd^ieb  beutlid)er  fe|en?  Die 
©ereä)tigfeit,  fprid^t  er,  fo  au8  bem  ©efe§  fommt,  jie&et 
im  ©efjorfam,   bafj  einer  tf)ue,   toa§  ba§  ©efe|  forbert, 


ü 


35 

unb  barin  lebe;  aber  bie  ©erecbtigfeit  be§  ©faubeng  fommt 
nicfjt  au3  bem  ®efe|,  ifi  aud)  nidbt  unfer  ©efjorfam,  fon* 
bern  »erläßt  f\6)  aufg  9Sort  ber  ©nabe,  ba§  ©ott  bie 
©ünbe  Bergeisen  unb  un§  aufnehmen  molle  §um  Seben, 
n^elcf)eö  Söort  er  in  unfern  SD^unb  gelegt  fmt.  3u  ben 
^üippcrn  (6.  3)  fpricftt  er  aucb:  Sticht  ba§  ity  f)abe 
meine  ©erecbtigfeit,  bie  au$  bem  ©efefc,  fonbem  bie  burd) 
ben  ©lauben  an  Sfmftum  fommt,  nämticfy  bie  ©ered)tig* 
feit,  bie  oon  ©ott  bem  ©lauben  jugerecbnet  tturb.  $ie  ift 
offenbar,  ba$  $aulu3  ftdj  nid)t  mU  rühmen  feiner  ®e* 
redjtigfeit,  bit  er  na$  bem  ©efe|  f)abe,  fonbern  oerlaffe 
ftä)  allein  auf  bk  ©erecbtigfeit,  bie  ©ott  bem  ©lauben 
jured&net;  au§  welchem  offenbar,  ba#  er  ftc  beibe  weit 
untertreibet.  3u  &*n  Römern  ((L  3)  fpri<$t  er  au$  beut* 
lidj),  bie  ®ered)tigfeit,  bie  oor  ©ott  gelte,  t)on  ber  er  :pre* 
bige,  bie  fomme  o^ne  be3  ©efefceö  3utfmn.  3)arau3 
abermal  erfcfmnt,  ba§  er  mufj  jtteierlei  ©ered)tigfeit  fefcen, 
eine  beö  ©efe£e§,  bie  in  üöerfen  fielet,  unb  bie  anbere, 
fo  mit  bem  @efe£  nid)t  ftimmt,  fonbern  aufjer  unb  o&n 
baä  ©efe|  t)om  Fimmel  ift  oerfünbiget  unb  t>on  allen 
$ropt)eten  geleitet  korben.  ®o  ifi  nun  bieg  bie  ©ered)* 
tigfeit  be§  ©efefceS,  baf$  ber  9J?enfd)  bem  ©efefc  iji  allen 
Gräften  gleichförmig,  of)ne  ©ünbe  unb  $ef)t  fei,  unb  in 
allen  Stücfen  ©efjorfam  leifie.  3)iefe  ®ered)tigfeit  f)at 
Slbam  im  $arabiefe  gehabt,  aber  verloren;  6fmjiu§  fyat 
fie  aud)  gehabt  unb  un3  bamit  erlöft;  fonfi  ift  fein 
3#enfc£),  ber  fold^e  öotlfommene  ®  erecbtigfeit  gehabt  Ijätte 
auf  Srben.  95on  biefer  fpridjt  $autu§:  üJUd^t  bie  #örer, 
fonbern  bie  Später  be§  ©efei$e§  werben  gerecbt.  $öm.  2. 
3tem:  93Ber  foldjeS  tfjut,  toirb  barinnen  leben.  $öm.  10. 
2)amad)   wirb  and)   ©ered)tigfeit   geheißen  ber  äußerliche 

3* 


36 

©anbei  unb  ©eborfam,  tote  man  unter  allen  Golfern 
etlid;e  ebrltd)e,  fromme  ßeute  ftnbet,  bie  güd)ttg ,  friebfam, 
ebrbar,  toa^rfcafttg,  aufrichtig  leben  unb  l;anbeln.  Diefe 
ftrömmigfeit  ift  tveit  tum  ber  ©erecbtigfeit  beö  ©efe^eö, 
toitb  aucb  üon  ©ott  oenvorfen;  \>cn\\  fie  ift  unüoltfommen; 
fte  gilt  aber  nur  bier  auf  örben  bei  bcn  üftenfcben,  unb 
bei^t  bürgerliche  ©erecbtigfeit.  Darnacf)  ift  bie  ©erecbtigfeit 
eineS  guten  ©ennffenS,  ba$  ift,  ber  ©eborfam  ber  gläubi* 
gen  (Sänften,  bie  mit  ©ott  burdb  Sljriftum  im  ©lauben 
uerföbnt  ftnb  nunben,  unb  toeil  fte  ben  ^eiligen  ©eifi  ha* 
ben  empfangen,  beben  fte  an,  ©ott  ©eborfam  ju  leiften 
\\a&)  ben  ©eboten ;  toie  oon  3rtd)aria  unb  ßlifabetb  ßuc.  1 
ftebt:  Die  waren  fromm,  unb  lebten  in  allen  ©eboten 
©otteö  unfträflid),  beibe  üor  ©ott  unb  ben  SDtenfd^en.  Stern, 
£tob  txnir  fromm,  fürchtete  ©ott  unb  lebte  in  allen  ©eboten 
©otteS.  £iob  1.  Stent,  $aulu$  fyritf)t:  3$  bin  mir  nid)tö 
beimißt,  aber  barin  bin  id)  nic^t  gered)tfertiget.  1.  ßor.  4. 
3)iefe  ©erecbtigfeit  beö  guten  ©eituffenö  nennt  ©ott  felbft 
©erecbtigfeit,  Sßf.  IS:  ©er  £err  tf)ut  tt>ol;l  an  mir  nadj 
meiner  ©ere&tigfeit;  lä£t  jte  ibm  aucb  gefallen  unb  be* 
lobnet  fte  reid)lidf).  2lber  fte  ift  nid)t  bie,  bie  üor  ©otteä 
sJlngeftd)t  im  ©eriebt  beftel;t,  alfo,  ba%  ©ott  ben  ÜJienfcben 
um  tiefet  feiner  grflmmigfeit  geredbt  fprcdjc  unb  jutn  erot* 
gen  fieben  aufnehme;  beim  eö  mangelt  i^r  nodp  in  Diel 
SBege.  2öeil  aber  bie  ©laubigen  ©ott  gefallen  in  Gbrtfto, 
unb  (JbriftuS  erftattet,  \va$  un8  mangelt,  bebeefet  bie  übrige 
Unreinigfett  an  ultö,  fo  läjjt  ibm  ©ott  unfern  ©eborfam 
in  Gbrifto  angenebm  fein.  2>a£  fei  benn  oon  ber  ©ered)* 
tigfeit  bed  ©efcfceä  gefagt.  Tk  ©erecbtigfeit  aber  be£ 
©laubenö  ober  beS  heiligen  (humgelit,  bie  Dor  ©ott  gilt, 
tute  $aulu$  rebet,   ftebt  nicht  in  unferer  ©leiebförmigfett, 


37 

©e&orfam  ober  SWeinigfcit,  fonbern  in  bem,  ba§  ©ott  auä 
lauter  ©nabe  unb  SBarmfjerjigfeit,  ofme  33erbienft,  Don 
megen  feinet  Sobne^  Jefu  (Ü;rifti,  ber  fein  931ut  für  Uli* 
fere  Sünbe  oergojfen  \)at  unb  bamit  für  un£  bellet,  un£ 
alle  ©unbe  fdjenfet,  nimmt  unS  auf  ju  ©naben  unb 
fcfjäfcet  unb  fprtdf>t  unä  gerecht  im  ©tauben.  DieS  ift  gar 
eine  frembe,  unb  ber  Vernunft  eine  unbefannte  ©ereebtig* 
feit;  beim  menn  gleid)  ein  9iid)ter  bem  2Riffetfjäter  baö 
%cbm  fdjenfet,  unb  bie  llebeltfjat  überfielet,  bamit  rotrb 
er  niebt  fromm  nod)  geregt,  fonbern  bie  Sünbe  liegt  nod) 
auf  ifjm.  9lber  ©ott  bat  ein  f)öf)ereg  @erid)t;  menn  ©ott 
einem  bie  ©ünbe  nid)t  jurec&net,  fo  ift  fdjon  bie  ©ereef)* 
tig!eit  ba;  benn  tx>er  t>or  ©otteö  9lngeftd)t  uufdmlbig  ijt, 
ber  mujj  ja  geregt  (ein;  jubem  befleibet  unS  ber  emige 
©ort  mit  bem  ©efjorfam  unb  ber  ©erecfjtigfeit  feinet 
Sobneö  3^(u  Gfmfti;  atle£,  mag  ber  getrau,  gelitten  unb 
geleiftet  f)at,  ba$  mirb  ung  jugeredmet.  2Beil  benn  (£f)rifti, 
be£  Sobneö  ©otteö  ©efjorfam  ^eiliger  ift,  als  aller  6rea* 
turen  tfrömmigfeit,  fo  muffen  mir  je  gerecht  oor  ©ott  (ein, 
bie  mir  burd)  ben  ©lauben  3efum  S&rifium  angezogen 
fcaben.  Dftanber  fprid)t:  2öer  ba  fagt,  ba$  bie  33erge« 
bung  unferer  eünben  (ei  unfere  ©ere^tigfeit,  ber  lehret 
f ältere  Ding,  als  fein  föiö  mag  (ein.  3*em,  er  (priest: 
ÜBenn  un$  ©ott  nid)t  anberg  foflte  geregt  machen,  benn 
ba§  er  bie  Sünbe  oergebe,  (o  märe  er  ein  falfdjer  9iicf)ter, 
ber  un§  ließe  bleiben,  mie  mir  fmb.  2t ber  bieg  ftnb 
fcbrecflidje  ßäfterungen;  benn  menn  ©ott  bie  ©ünbe  oer* 
giebt  unb  tilget,  unb  mill  ifjrer  uicf)t  gebenfen,  fo  mu§  je 
maf)re  Unfcfwlb  unb  @ered)tigfeit  ba  (ein;  unb  mer  mill 
ben  ©eborfam  Gfmfti,  ber  xxnS  zugerechnet  mirb,  für  feine 
©ered)tigfeit    aebten?     £aö    Gonciltum   Tridentinum    fe£t 


38 

ctud):  ©o  jemcmb  fagt,  ba§  mir  allein  bur$  Vergebung 
ber  ©ünben  gerecht  werben,  ber  fei  fcerfludjt.  Sllfo  fönnen 
bie  ^äbftler  unb  fieser  nityt  fcerflefjen ,  ttm§  bie  ©erect)* 
tigfeit  beö  ©taubene  fei.  Dftanber  fprid^t ;  Da3  ift  ©e* 
redjtigfeit,  ba§  unS  machet  9te$t  tfmn,  nämlid;  baS  gött* 
H4)e  Söefen  felbfr.  2iber  foldje  ftimmt  mit  bem  @efe|. 
9iun  fommt  aber  bie  ©ere^tigfeit  nityt  aus  bem  ©efe$, 
barum  muß  folcfje  SReinung  falf$  fein.  £>afc  aber  bie 
Vergebung  ber  ©ünben  fei  unfere  ©erecf)tigfeit,  bie  t)or 
©ott  gilt,  geugen  folgenbe  Sprühe.  $aulu§:  $>amit  er 
bie  ©ereditigfeit  barbiete,  bie  oor  if)m  gilt,  in  bem,  ba§ 
er  bie  ©ünbe  oergiebt.  $öm.  3.  3*em:  255etdE)er  un3 
errettet  l)at  oon  ber  Dbrigfeit  ber  $inftemi§  unb  t)at  un3 
öerfe^t  in  baä  Oieid)  feinet  lieben  ©ofjneS,  an  meinem  um- 
gaben bie  ßrlöfung  burd)  fein  23lut,  nämlid)  ik  Vergebung 
ber  ©ünben.  6ol.  1.  3tem,  $aulu§  bereifet  au§  bem 
32.  $falm,  ba§  unfere  ©erec^tigfeit  nur  fei  Vergebung 
ber  ©ünben;  benn  £)aoib  §euget,  ba§  bie  ©eligfeit  allein 
fei  beö  2Jienfd)en,  tt>eld)em  ©ott  jured^net  bie  @ered)ttgfeit: 
©elig  finb  bie,  welchen  tf)re  Ungerechtigkeiten  vergeben  finb, 
toeldjen  ifjre  ©ünben  bebecfet  finb.  Selig  ifi  ber  Üftann, 
toeldjem  ©ott  feine  ©ünbe  jitredmet.  $f-  32.  3tem: 
Unfere  ÜRiffetyat  brüdfet  un§  f)art,  fcergieb  unö  unfere 
©ünbe.  (Sr&ore  unS  nad)  ber  ttmnberlidpen  ©eredE)  tigfeit, 
©ott,  unfcr  £err,  ber  bu  bift  3ut)erftd[)t  aller  auf  (Srben. 
*ßf.  65.  Dat)ib  nennt  fie  eine  ttmnberlidje  ©ered)tigfeit, 
als  bie  ber  Vernunft  »erborgen  ift,  unb  allein  t>on  ©ott 
fommt,  unb  oor  ©ott  gilt;  mie  fie  audj  bie  $ropfjeten 
unb  Sipofiel  ©ottcö  ©eredmgfeit  feigen;  nid)t  bie  in  ©ott 
ift,  fonbern  bie  ©ott  giebt,  offenbaret  unb  oor  ijjm  gelten 
la§t.    2Bie  aud)  2tuguftinuö  Üb.  3.  ab  Boni.  fagt:  Justitia 


39 

Dei  dicitur  ?  non  quoniam  Deus  est  justus,  sed  quia  ho- 
mini  ex  Deo  est.  DaS  ifl :  2Ran  nennet  ©ottes  ©ere$* 
tißfcit  nid)t  barum,  ba$  ©ott  gerecht  fei,  fonbern  t>a§  ber 
Hftenfd)  bie  ©ered)tigfeit  an8  ©ott  fjabe. 

Ked>  (fertigen. 

2Iu3  abgetaner  ©rflärung  ift  nun  au$  leidet  ju  üer* 
fielen,  wie  bte  $ropf)eten  unb  Stpoftet  in  biefem  Slrtifel 
i>a§  Sßort  rechtfertigen  brausen;  an  »eifern  regten 
$erftanb  aud)  faft  ber  gange  £anbel  liegt  Die  Papillen 
wollen,  baä  9öort  rechtfertigen  fjeitfe  ben  9Jlenfd)en 
alfo  gerecht  madjen,  befeljren  unb  änbern,  ba§  er  nid)t 
allein  t>or  ©ott  gerecht  fei,  fonbern  aueb  bie  Jugenb  unb 
SÖerfe  fjabe,  bie  ba§  ©efe|e  forbere,  als  toenn  ein  SUialer 
eine  fc^toarje  Jafet  mit  meiner  $arbe  anpreist,  ba  fmt  er 
fte  wei§  gemalt,  ober  jemanb  ein  falteö  SBaffer  beim 
geuer  warm  machet,  alfo  madje  unö  ©ott  geredjt,  ba§  er 
unö  bie  ©nabe  eingieße,  bie  unö  gum  ©efjorfam  treibt. 
Sllfo  fpridjt  audj  Dfianber:  Rechtfertigen  fceijjt  mit  ber 
Zfyat  unb  Söatjrtjeit  geredjt  machen.  Die§  ift  aber  eine 
böälidje  33erfe&rung  unb  93erfälfd)ung  ber  propfjetifdjen  unb 
apoftolifdben  QBorte,  bie  ber  Zeitigen  ©djrift  gängüd)  gu* 
Wiber  ift.  Denn  ba§  in  ber  Offenbarung  3o£anm8  gefagt 
wirb:  2öer  geregt  ift,  ber  werbe  im  #ui  gerechtfertigt; 
Wer  fjeilig  ift,  ber  werbe  immerhin  gefjeiliget;  f)at  nid)t  i)tn 
Serjianb,  wie  bie  Papillen  meinen,  ba§  Rechtfertigen  unb 
Erneuern  unb  heiligen  ein  Ding  fei,  fonbern  3°^anneö 
unterfcbeibet'3.  Grft(id)  muffen  wir  bie  Rechtfertigung 
.immerbar  im  gangen  ßeben  fucfyen,  ba§  ifi,  big  an$  @nbe 
um  Vergebung  ber  Sünben  bitten;  barnad)  mu§  and)  bie 
Heiligung   gunefmten.     Stern,    baä  Sirad)   6.  18   fprid)t: 


40 

IBergeudb  nid)t,  fromm  ju  werben,  unb  barre  nid)t  mit 
33efferung  be§  ßebeng  big  in  ben  £ob;  wirb  fcüfrf)lid? 
Dom  (Eoncüio  Sribeniino  angezogen ;  benn  ©iradj  oermal?* 
net,  ba§  man  bei  3^t  fofl  fromm  werben,  bag  ift,  33u§e 
tl)un  unb  um  Vergebung  ber  Sünben  bitten,  unb  fold)e§ 
ni$t  in  ben  Xoi>  fparen.  £>a§  aber  i>aä  2öort  $ed)tfer* 
ttgen  ^ei§e  in  ber  ©djrift  Stecht  fpredjen,  einem  in 
feiner  €>ad)e  rec^t  geben,  lebig  unb  lo§  t)on  ber  Slnflage 
erfennen,  unb  in  biefem  2lrtifel  f)et§e  Sünbe  vergeben, 
beffen  fönnte  man  fester  mit  fjunbert  3eugniffen  ber  ©dfjrift 
bartfjun  unb  beweifen,  Wie  e§  benn  bie  $apiften  roiber 
ü)ren  2öilien  muffen  nachgeben.  3efaiaö  (L  5  fprtdjt: 
2öef)e  eud),  bie  i^r  ben  ©ottlofen  rechtfertiget  um  ©efc^enfe 
Wiüen,  unb  Derbammt  ben  ©ere^ten,  2.  2Kof.  23:  £>u 
foüft  ben  Unfdmlbigen  unb  ©eredjten  ni$t  erwürgen;  benn 
id)  will  ben  ©ottlofen  nid)t  rechtfertigen,  #ier  fann  je 
rechtfertigen  anberS  nid)t  Reißen,  benn  einen  im  ©e* 
rid?t  red)t  fpredjen.  $aulu3  betreibt  Oiöm.  8  einen 
ganzen  gerichtlichen  $roce§,  unb  brauset  eitel  @erid)tg* 
Wörter:  2ßer  will  bie  2tu3erwaf)lten  ©otte§  befd^ulbigen? 
©ott  ift  l)ie,  ber  gerecht  madjet  2öer  roill  t)erbammen? 
ßfmftug  ift  l)ie,  ber  gefiorben  ift;  ja  t)ielme()r,  ber  aud) 
auferweefet  ift,  melier  ift  jur  SRec^ten  ©otte§  unb  vertritt 
un&  £ie  gebenft  $aulu§  ber  2tnflage,  beö  UrtfjeilS,  ber 
25erbammung  be§  $id)ter§,  be§  üftittlerS,  bamit  mir  eigent* 
lid)  üerftefjen,  wie  bie  Sfiedjtferttgung  jugebe;  benn  ia  fyalt 
ftd)'S  mit  unferer  ^Rechtfertigung  nid)t  anberö,  benn  wie  in 
einem  ©eric^t,  ba  Äläger,  93ef(agte,  Beuge,  ftfirfprecfier 
unb  $id)ter  twrljanben  ftnb.  ©ott,  ber  Slllmäcbtige,  a(§ 
ber  un§  erraffen,  ber  aud)  ben  3Jienfd)en  fo(l  annehmen 
unb   bie  ©eligfeit  geben   mu§,   ift   ber  $id)ter,  bei  bem 


41 

allein  i>a$  Urteil  ftefjet;  wir  arme  ÜRenfd)en  ftnb  bic  be* 
flagten  UJeiffet^äter ,  bic  t)or  ©erid)t,  t>or  ©ottcö  3lngeftd)t 
geforbert  werben,  fo  oft  bie  ©ünbe  aufwaebt.  Unfere 
Stnfläger  finb  bag  ©efe$  ©ottee,  aud)  ber  ©atanag.  3)ie 
Beugen  ftnb  unfer  eigen  ©ewtffen,  baju  alle  Kreaturen. 
Slber  unfer  $ürfpreci)er  unb  Vertreter  ift  3efu3  ß^riftu^ 
unfer  einiger  £eilanb  unb  SKittler,  ber  für  unfere  ©ünbe 
fd?on  bejahtet  l)at  unb  ben  $ater  mit  feiner  gürbitte  t)er* 
föfmet.  3$ag  fallt  benn  nun  ©ott  für  ein  Urzeit?  $au^ 
lug  fpridjt,  ©ott  madje  un3  geregt,  ba$  un£  niemand 
barf  fcerbammen.  21u§  weld;em  offenbar,  i>a%  gerecht 
machen  ^eipe  lebig  fpredjen  unb  ©ünbe  t> er ge^ 
ben,  weil  Rechtfertigen  unb  Serbammen  allste  gegen 
einanber  wirb  gehalten.  3^  biefem  33erjknbe  brauet  aud> 
$aulu3  ba§  2öort  Rechtfertigen  in  ben  ©efd)id)ten  ber  5tpo* 
fiel  6.  13:  35urd)  biefen  6f)riftum  wirb  eud)  t>erfünbtget 
Vergebung  ber  6ünben,  unb  t)on  bem  allen,  oon  welkem 
i£>r  nid)t  fönntet  im  ©efefe  9JJofeg  gerechtfertigt  werben. 
91  n  biefem  Ort  fann  ba§  QBort  gerechtfertigt  werben 
anberS  nidjt  Reißen,  benn  Vergebung  ber  ©ünben 
empfaben,  unb  mit  ©ott  üerfö^nt  werben.  211  fo  fpriebt 
Gbriftuö:  3)er  3öüner  50g  gerechtfertigt  in  fein  £au3  oor 
jenem  2Öerff)eiligen,  weil  er  fprad):  <perr,  fei  mir  armen 
©ünber  gnäbig.  Suc.  18.  3tem  *ßaulu3:  3$  bin  mir 
nid)t§  bewußt,  aber  barin  bin  id)  nid)t  gerechtfertigt. 
1  6or.  4.  ^pier  verwirft  $aulu£  bie  päbjt(id)e  $erfef)rung 
gan$  beutlicb;  ity  er  mit  Jugenben  gejiert  ift  unb  mit 
gutem  ©ewiffen  lebet,  fwlt  er  nicf)t  für  feine  Rechtfertigung, 
liefen  SSerftanb  unb  93raud)  biefee  2öorte§  rechtfertigen 
beweifct  aud)  bie  apoftolifdje  Srflärung;  benn  an  fielen 
Orten,  ba  fte  twn  ber  Rechtfertigung  reben,  nennen  fte  bie 


42. 

Vergebung  ber  ©ünben,  Serföfmung  mit  ©ott,  3uredmung 
ber  ©eredjtigfett  unb  bie  ©eltgfeit.  2113  $auluS  fpricf)t 
Otöm.  3:  5luf  ba$  er  t)k  ©eredt)tigfeit  barbiete,  bie  Dor 
if)tn  gilt,  in  bem,  ba§  er  ©ünbe  Dergiebt.  3*ew  fööm.  5, 
ba  er  ^uDor  (agt:  2Sir  ftnb  bur<$  fein  ©tut  gerecht  mor* 
ben,  fpridjt  er  barauf:  So  mir  benn  ©ott  Derföfmt  ftnb 
burdj  ben  %oi  feinet  ©ofmeS.  3temf  SRöm.  4,  ba  er 
bereifet,  roie  mir  gerecht  merben,  führet  er  ben  ©prud) 
3)aDib3  $f.  32  ein:  2Sof)t  bem,  bem  bie  ^Übertretung 
»ergeben  ftnb,  bem  bie  ©ünbe  bebeeft  ift.  2Bobl  bem 
$ienfcf)en,  bem  ber  £err  bie  2Riffetl)at  nid)t  suredmei 
Stern,  Waify.  1:  @r  mirb  fein  SSolf  feiig  machen  Don 
©ünben.  Stern,  (Spb-  2:  3>enn  aus  ©naben  feib  if)r 
feiig  morben.  2lu3  biefer  Urfadje  machen  bie  Sfpofiel  audE) 
bm  Unterfdueb  gtoifd^en  ber  Rechtfertigung  unb  ßrneuerung, 
auf  ba£  mir  bieö  ©ort  flärlid)  Derftef)en, 

(Bnabc. 

SMemeil  uns  bieö  Söort  hm  Urfprung  jeigt,  mol)er 
unS  bie  ©eredjtigfeit,  fo  wx  ©ott  gilt,  miberfäfjret,  ift  gut 
^u  erachten,  ba§  an  biefem  SBorte  gar  Diel  mu§  gelegen 
fein;  barum  mir  gut  Sichtung  barauf  geben  muffen,  ba§ 
mir  i^m  md)t  einen  fremben  Öerftanb  anbieten  laffen, 
2öte  erftlicb  Pelagius  get&an ;  alö  ber  ftd)  unterftunb ,  ju 
lehren,  ber  üJienfd)  tonnte  au§  eigenen  Gräften  ©otte§ 
©eboten  ©efmrfam  leijlen;  benn  bie  Statur  märe  Don  ©ott 
gut  erf cb äffen,  unb  baju  märe  ba$  ©efe|  bur$  9Jiofen 
gegeben;  unb  aber  gar  f)art  gebrungen  marb  mit  ben 
©prüfen  Don  ©otte§  ©nabe,  o&ne  unfere  2Berfe,  lernt 
er  fold)  2öort  aud?  reben,  bamit  er  feinen  Srrtfmm  bejio 
met)r  bergen  fönnte,   bietete  aber  bem  2öorte    Diel  einen 


43 

anbern  23erj?anb  an,  beim  e§  t>on  $ropl)eten  unb  2lpofieln 
gerebet  mar.  £enn  wie  im  Slugufhnuö  ju  fefjen,  fo  wen* 
bet  er  üor,  ba§  SBerf  ber  Schöpfung,  ba§  ©ott  ben  9ften* 
fcfjen  nacf)  feinem  Silb,  toeife  unb  red)t  erraffen,  bötte 
ibm  ben  freien  2öillen  ©ute3  ju  tl)un,  unb  23öfe3  ju 
[äffen  gegeben;  ba§  er  aurf)  fein  ©efeg  offenbaret  unb 
barinnen  feinen  2Biüen  erficht  l)ätte,  baö  ftmre  bie  gro§e 
©nabe,  meldje  bie  Schrift  rüfnnete;  f)at  alfo  ben  $erftanb 
biefeS  Söortes  ganj  unb  gar  umgefef;rt,  gleich  ale  menn 
einer  auö  bem  2öort  ßeben  ben  lob  tterftünbe,  unb 
cmä  (Seligfeit  Serbammnijj  machte.  216er  Slugufti* 
nu§  begegnet  ifnix  fein,  jeigi  toie  nid)t  oon  ber  Schöpfung, 
fonbern  uon  ber  2Bieberbringung  ber  verlornen  l^atur  ber 
Streit  fei;  item,  tote  ©nabe  unb  ©efe£  mett  oon  einanber 
ftnb,  [internal  ha§  ©efe£  bie  üftatur  tton  megen  ber  Sünbe 
üerbamme,  bk  ©nabe  aber  iit  fcerbammte  Dlatur  lieber 
erlöfe  unb  aufnehme  jur  Seligfeit  SSie  nun  bie  $ela* 
gianer  ba£  Söort  ©nabe  üerfälfcfjt  fwben,  alfo  tfmn  aud) 
unfere  jetzigen  -^elagianer,  bu  $apiften,  unb  bieten  i^m 
«inen  fremben  Serjianb  an,  melier  ber  göttlichen  ©djrift 
firacfe  jumiber,  unb  ben  ^eilfamen  Xxo$  ber  gnäbigen  $itd)i* 
fertigung  allerbingg  umjiö§et  Dran  ba§  3Öort  ©nabe, 
toeil  ee  Don  allen  $ropf)eten  unb  Slpofteln  fo  gewaltig 
getrieben  wirb,  brausen  jte  mit  un3,  aber  oiel  in  einem 
anbern  üBerjianb,  benn  es  bie  $ropl)eten  gebraust  f)aben. 
2Sie  neulief)  üftartinuS  Gtfengrein  eine  ^rebigt  bat  auö* 
ge^en  laffen,  barin  er  bereifen  ttull,  ba#  ©ott  feine  ©nabe 
bem  Sünber  jur  Rechtfertigung,  auö  Sarmberjigfeit,  ot;ne 
SSerbienfi  anfänglich  mitteile,  unb  befd&leujjt  boeb,  t>a% 
»ir  bas  Unfere  baju  t&un  muffen,  unb  trenn  mit  nid)t 
allein  Vergebung  ber  ©ünben  baben,  fonbern  aud?  d^rtftum 


44 

lieben,  ein  neueö  ßeben  cmfaften  unb  ik  ©ebote  balten, 
alöbann  unb  alfo  werben  mir  gerecht  unb  Zeitig  ttor  ©ott 
Jöte  benn  mit  i^m  ba§  gänje  ^abfftljum  bie  ©nabe  ®otte§ 
fälfd)lid)  beutet;  benn  ia$  ifi  i^r  betrug,  nad)bem  fte  baS 
belle  Ware  Siebt  beS  Stmngefii  fo  ftarf  in  bie  Slugen  flicht, 
baß  fie  nicbt  verneinen  fönnen,  ©ott  oerfjeifie  unö  feine 
©nabe,  alfo  unb  bergeftalt,  ba§  er  all  unfer  ©erbienft 
au£fcblic§e;  bamit  fie  gleid)mol)l  miber  ©otte$  3^gni§ 
iF>r  txrmeinteg  Serbienft  ber  3Berfe  erhalten,  ober  je  l)inan 
flicfen  mögen,  bieten  fte  jmeierlei  ©nabe;  me(d)e3  fie  benn 
t)on  ben  Sc^ultfjeologen  entlehnt  baben,  bie  ba  fe|en 
Gratiam  gratis  datam  et  gratiam  gratum  facientem,  eine 
©nabe  bie  umfonft  gefdjenft  ift,  unb  eine  ©nabe,  bie  ba 
tfmt,  ma3  ©ott  gefällig  iji  5l(fo  bieten  fte  aud),  ba§ 
bie  erjte  ©nabe  jinS  obne  SSerbienft  auö  Sarmfjerjigfeit  j 
mitgeteilt  merbe,  ba§  ift,  of)ne  Serbienft  merbe  un£  bie 
Äraft  ju  glauben  unb  ©ott  ju  lieben  gegeben ,  ba§  mir 
l)ernad)  gerechtfertigt  merben;  ba$  aber  bernad)  ber  StJlenfd^ 
anfäbet  ©ott  ju  lieben,  ju  fürchten,  gu  beten,  ©etjorfam 
ju  leiften  nad)  ben  ©eboten  ©otte$,  nennen  fte  bie  anbere 
©nabe,  unb  biefer  unfer  ©eborfam  fei  bie  ©nabe,  bie  un3 
gerecht  mad)e.  2ßie  benn  Andradius  Lusitanus  fprid)t: 
Subsequens  gratia  est  ipsa  justitia;  quae  homini  animos 
informat  et  illustrat  Deoque  gratos  facit:  £>te  nadi)folgenbe 
©nabe  ift  bie  ©eredjtigfeit  felbft,  bie  t>a$  ©emütf)  beö 
2Renfd)en  giert  unb  erleuchtet,  aud?  ©ott  gefällig  mad)t 
2ßeil  aber  mir  mit  $aulo  befennen,  bie  ©nabe,  bie  un§ 
gerecht  macfyt  üor  ©ott,  fei  nid^t  bie  neue  2ßirfung  in  xm$, 
fonbern  ©otte§  £ulb  unb  Sarmberjigfeit ,  ber  un3  bie 
©änbe  oergiebt  unb  jum  emigen  %ebm  obne  33erbienft 
aufnimmt,  fo  fprecben  fte  im   (Soncilio  Iribentino:    2Ber 


45 

ba  fagt,  ba$  bie  ©nabe  ©otte3,  baburdb  mir  gerechtfertigt 
merben,  allein  ©otteö  £ulb  unb  25armt)er$igfeit  bebeute, 
ber  fei  uevftucfet ;  ba§  a(fo  offenbar,  mie  fie  bte  ®nabt 
©otte3  in  biefem  Slrtifel  nid)t  anberS  üerfteben,  bemt  unfere 
2ugenb  unb  Siebe,  ba§  mir  nad)  ©otteS  ©ebot  leben; 
bau  einem  Q}apiften  biefe  2öorte:  au§  ©naben  merben 
mir  geregt,  eben  fooiel  gelten  afö:  burd)  bie  Siebe  unb 
guten  2öerfen  werben  mir  geregt  3)a3  beißt  je  ©otieS 
2öort  gar  fcerfälfdjen  unb  ftracfg  utnfe&ren.  £>ermegen 
müjfen  mir  lernen,  mie  bie  <Sd^rtft  ba3  Jßort  brauet  63 
ift  nidjt  meniger,  bie  Schrift  nennet  ©nabe  an  trielen 
Orten  bie  ©aben  ©otteS,  bie  bm  9Kenf$en  gegeben 
merben  burd)  ben  heiligen  ©eift  21(3  Slpofl.  S.  4:  (£§ 
mar  große  ©nabe  bei  iljmen  allen,  ba$  tfi,  fte  Ratten  alle 
t)on  ©ott  gro§e  ©aben  beö  ^eiligen  ©eifie3.  Jtem  1  $etr.  4: 
dienet  einanber,  ein  jeglicher  mit  ber  ®abef  bie  er  empfan* 
gen  bat,  al3  bie  guten  £>au3f)alter  ber  mancherlei  ®x\abt 
©otteö.  9iöm.  12:  3$  fa0e  buxü)  bie  ©nabe,  bie  mir 
gegeben  iji,  ba§  niemanb  meiter  t>on  ftd?  fjalte,  benn  ftc^d 
gebübrt.  Spl).  3:  23tir,  als  bem  atlergeringflen,  ift  bte 
©nabe  gegeben,  unter  ben  Reiben  ju  prebigen,  1  (£or.  15: 
©otteä  ©nabe  ift  in  mir  nidjt  fcergeben§  gemefen.  3^m 
6pl).  4 :  Sinem  jegtidjen  unter  un§  ift  gegeben  bie  ©nabe, 
nad)  bem  9Jiaj3  ber  ©abe  ßfmfti.  3n  biefen  unb  ber* 
gleiten  ©prüfen  ift  offenbar,  ba§  baä  2öort  ©nabe 
©otteö  ©aben  bebeutet,  bie  er  ben  ©laubigen  burd?  ben 
^eiligen  ©eijl  giebt.  Unb  ba^er  f)at'§  SJugufiinuS  genom* 
men,  ba§  er  ^meiertet  ©nabe  fefcet.  1.  Praevenientem, 
praeparantem,  operantem,  bie  ©nabe,  fo  un§  bereitet,  un§ 
juüor  fommt  unb  in  un$  ofjne  unfer  3utlmn  mirfet; 
2.    subsequentem ,    adjuuantem    et   cooperantem ,   ba§   ift, 


46 

eine  mitmirfenbe  ©nabe,  fcie  un§  ftetö  hilft,  menn  mir  ben 
©etjt  empfangen  fjaben,  $>ie§  mag  alkS  red)t  öerftanben 
werben  t)on  ber  ©abe,  mit  melier  ©ott  bie  ©laubigen 
giert ;  aber  allste  ifi  bie  $rage,  ma§  ba§  SBort  ©nabe 
jjei§e  in  biefem  Slrtifel,  in  mir  befehnen,  ba§  ber  üRenf# 
au§  ©naben  ttor  ©Ott  gerecht  mirb.  £ie  fagen  mir  qu8* 
brücflid),  ba§  ©nabe  nid)t  t)ei§e  etma§,  ba§  in  un§  ift, 
e§  fei  einmo^nenbe  ©erecfmgfeit,  eingepflanzter  ©efmrfam, 
in  un3  ange$ünbete§  neueg  Seben;  fonbern  bebeuten  bie 
unerf$öpfttd)e  ©üte,  mit,  Siebe ^  S3arm^erjig!eit  unb 
xmau§fpreci)Ii$e  ©ebulb,  burd)  meldte  ©ott  ben  SKenfdjen 
olme  5Serbienfi  bie  ©ünbe  üergiebt,  unb  fte  um  feine§ 
©ofmeä  millen  geregt  f$ä|et  £ie  ^abt  if)r  nun  leicht 
ju  tterjWjen,  mie  meit  QSapiften  unb  mir  t>on  einanber  ftnb. 
2ßenn  fte  fagen  au§  ©naben,  olme  SBerbienft  merben  mir 
geredet,  t>erftef)en  fte:  burdE)  bie  Siebe  unb  anbere  Xugenb, 
bie  in  un§  ange^ünbet  ftnb  t)on  ©ott,  merben  mir  gerecht. 
Unfer  ©laube  unb  Se^re  aber  ift,  ba§  mir  au§  ©naben, 
iaS  tft,  ntdjt  burdj  unfere  Serie,  fonbern  burd)  ©otteS 
©üte  unb  Srbarmung,  olme  unfere  2Berfe,  Vergebung  ber 
©ünben,  ©erecf)ttgfeit  unb  (£rbf$aft  ber  emigen  ©eligfeit 
erlangen.  3)aj3  nun  biefe  unfere  (Srflärung  re$t  unb  ge* 
mt§,  unb  ber  2öiberfad)er  falfdf)  fei,  motten  mir  mit  ftar* 
fem  ©runb  ber  ©d)rift  bartfjun.  @§  giebtS  jmar  ba§ 
28ori  an  ifmr  felbft  in  alten  ©prägen,  bafy  ©nabe  bie 
©ütigfeit  unb  Sarmberjigf  eit  bebeute,  baburd)  einer  bem 
anbem  unüerbienter  ©a$en  etma§  f^enfet,  unb  fonbertid), 
ba%  man  mof)lt>erbiente  ©träfe  nachäffet;  mie  man  möd)te 
fagen :  3d)  bitte  um  ©nabe  unb  fein  9ie$t.  #te  x>erfief)et 
alle  2öelt,  mag  ©nabe  I;ei§e,  nämlid)  gnäbige  9la$laffung 
ber  ©träfe.    2Iber  mir  mollen  ©ott  felbft  l)ören,  mie  er 


47 

ttnS  feine  Spraye  auslegt;  benn  er  Ijat  ftdj  aufä  aller* 
rei*li*fte  erflärt.  2  9J?of.  33  fprid)t  er:  2öe§  i$  mid) 
erbarme,  beß  erbarme  id)  mid),  unb  wem  id)  gnäbig  bin, 
bem  bin  id)  gnäbig;  ba$  ift,  niemanb  mag  bie  Seligfeit 
t>on  mir  erlangen,  tS  gefc^ebe  benn  allein  burd)  meine 
©nabe  unb  gnäbige  Srbarmung,  Unb  als  fidb  ©ott 
2  Wloi  34  noci)  weiter  erfläret,  ruft  er  Dom  Fimmel: 
£err,  Öerr  ©Ott,  barm^erjig  unb  gnäbig  unb  gebulbig  unb 
üon  großer  ©nabe  unb  Ireue;  ber  id)  bewetfe  ©nabe  in 
taufenb  ©lieb,  unb  vergebe  ÜRijfetyat,  Uebertretung  unb 
©ünbe.  Stille  Iwben  wir  bie  Auslegung  biefeg  2öorte£ 
Don  ©ott  felbft;  benn  barum  brauset  er  tuet  23orte,  bie 
einerlei  öerfianb  fjaben:  barmljerjig,  gnäbig,  gütig,  ge* 
bulbig,  oon  großer  ©nabe.  3tem  fagt,  worin  bie  ©nabe 
fWje,  nicht  in  unferer  £eiligfeit  unb  Jugenb,  bie  in  un£ 
leuchte,  fonbern  in  bem,  ba%  er  SRiffetfjat,  Uebertretung 
unb  Sünbe  oergiebt  2ßeld)e  gnäbige  5Ser^ei§ung  2ftofe§, 
3oel,  3)at)ib  unb  alle  $ropf)eten  }um  öftem  mal  angejo* 
gen,  unb  jtd)  auf  ik  ©nabe  ©otteö  öertaffen.  2Öie 
4  2Rof.  4  2Rofe§  itm  ^eiligen  ©ott  feine  eigenen  Söorte 
oor^ält  unb  fpridjt:  ®o  fei  mir  gnäbig,  wie  bu  gerebet 
I)aft  3tem  3)aöib  $f,  86  u,  145:  ©näbig  unb  barm* 
Ijersig  ifi  ber  #err,  gebulbig  unb  öon  großer  ©üte.  (Sr 
erbarmet  ftd)  alfer  feiner  2öerfe.  3m  103.  $f,  t^ut  $>atrib 
eine  ganje  $rebtgt  öon  biefem  2öort,  jeiget,  wie  e3  ju 
t)erftef)en  fei,  erftärte  burdj  etlidje  ©leidmiffe,  fpri$t: 
Sarmfjerjig  unb  gnäbig  ifi  ber  #err,  gebulbig  unb  öon 
großer  ©üte.  Sr  wirb  rndjt  immer  fjabern,  nod)  ewtgltd) 
j  3-om  galten.  35a3  iji,  bie  ©nabe  fielet  in  bem,  baß 
©ott  feinen  geregten  3orn  fallen  läfjt.  2öeiter:  6r  £an* 
belt  nicftt  mit  un3  nad)  unfern  Sünben,  unb  üergitt  un& 


iticfct  nad)  unferer  ÜRtjfet&at.  3f Ifo  -  ifl  ©ott  gnäbtg,  ba§ 
■er  bie  ©ünbe  t>ergiebt.  2)enn  fo  fjocf)  ber  Fimmel  ifl  oon 
4>er  ßrbe,  lä§t  er  feine  ©nabe  malten  über  bie,  fo  ifm 
fürchten,  ©o  fern  ber  borgen  ifl  oom  2lbenb,  läffet  er 
unfere  Uebertretung  Don  un3  fein,  2öie  fxd^  ein  $ater 
über  Äinber  erbarmet,  fo  erbarmet  jtd)  ber  «öerr  über  bie, 
fo  ifm  fürdjten.  £>a  fefjet  il)r3  je  t>or  Slugen  gemalet, 
Wie  baä  SB  ort  ©nabe  im  #anbel  ber  ^Rechtfertigung  nid)t 
<mf  unfere  guten  Söerfe,  neues  Öeben  ober  in  un3  Wof)* 
nenbe  ©ereebtigfeit  unb  ®abm  ju  beuten,  fonbern  auf 
©otteö  unerftyöpflicfye  öarml)ergigfeit  SCIfo  f)aben  au$ 
<£&rifhiS  unb  bie  Styofiei  baö  2öort  ©nabe  erflärt.  3o&.  3: 
tÄlfo  fyat  ©ott  bie  Söett  geliebet,  ba§  er  feinen  eingebomen 
©olm  gab.  $tem  &w.  1  3ö^ariaö:  £>a§  bu  gebefi  (§r* 
fenntnip  be3  £eil3,  bie  ba  ifl  in  Vergebung  üjrer  ©ünben; 
burd)  bie  f)erjlicf)e  93arm^ergigfeit  unfereS  ©otteS,  bureft 
tx>eld>e  un§  befugt  f)at  ber  Aufgang  au3  ber  £öf)e.  ^tem 
<Paulu8  6j>&.  2:  Siber  ©ott,  ber  ba  reid)  ifl  oon  »arm* 
{jerjigfeit,  burrf)  feine  grofce  Siebe,  bamit  er  un§  geliebet 
ijat,  ha  wir  tobt  waren  in  ©ünben,  fyat  er  unö  lebenbig 
gemalt.  Seffere  unb  flarere  Stuötegung  fönnen  wir  nid)t 
ijaben.  liefen  23erfknb  giebt  aud)  ber  Unterfd)ieb  be3 
<©efe£eS  unb  ßtmngelii ;  benn  ba$  @efe§  forbert  ben  ©e* 
fjorfam,  unb  fdjenft  nid)t£  o^ne  ©erbienfi;  i>a$  (Soangelium 
Dergiebt  bie  ©ünbe  unb  f^enft  ba3  ßeben  au3  ©naben 
umfonft,  of)ne  23erbien)L  2ßenn  nun  bie  ©nabe  unfere 
2öerfe  unb  ©aben  bebeuteten,  fo  wäre  ©efe|  unb  23er* 
bei§ung  einerlei,  wa§  f)ätte  ßfjrifiuS  benn  bürfen  fterben? 
Unb  ju  mehrerer  (Srflärung  l)aben  bie  2tyojM  bie  SBorte 
fnnsugefetjt,  welche  unfere  Jöerfe  unb  alles  23erbienft  ganj 
ausfütteren,   9töm.  3:    2Bir  werben  gerecht  au3  ©naben, 


49 

of)ne  93erbtenft ;  item:  burd)  ben  ©tauben,  ofnie  2öerfe 
beö  ©efe|e8;  ©al.  2:  wir  werben  nicfjt  burdi)  bie  SBerfe 
geregt,  benn  allein  burdf)  ben  ©tauben.  2Beü  benn  unfere 
2öerfe  fo  gar  au§gef$loffen  werben,  al§  Spb-  2:  2luS 
©naben  feib  if)r  feiig  worben,  nidE)t  au3  ben  Sßerfen, 
©otie$  ©abe  ifi  e§;  fo  mu§  je  ©nabe  nityt  unfer  @e* 
borfam  beiden,  ©ben  biefer  UrfadEje  falben  f)aben§  bie 
$ropl)eten  unterfdueblidE)  gefegt,  unb  nennen  zweierlei  Söo^t^ 
traten  (grifft,  ©nabe  unb  2öaf)rbeit.  3o&.  1 :  Da3  ©efefc 
ifl  burd)  Sftofen  gegeben,  bie  ©nabe  unb  2öaf)rl)eit  iji 
burcfe  3e(um  Sfmfium  worben.  Sßetdje  SBorie  S^^anneö 
t>om  Dafcib  gelernet,  $f.  89,  98  u.  117:  $>emt  feine 
©nabe  unb  2öal;rbeit  waltet  über  \m§  ewiglid).  ©nabe 
fjetfjt  fner  gnäbige  Vergebung  ber  ©ünben  unb 
^Rechtfertigung ;  2öaf)rf)eit  Ijetfjt  wahrhaftige,  ewig  wa^renbe, 
geifttid)e  ©üter,  ßeben,  $reube,  griebe,  neue§  ßid)t,  ©efjor* 
fam  unb  alle  ©aben  ©otte§.  9llfo  unterf$etbet'3  audj 
$autu8,  nennet  gratiam  et  donum  per  gratiam,  ©nabe 
unb  ®abt  burd)  bie  ©nabe  ßfmfti  ©nabe  ifi  bie  gnct* 
bige  Vergebung  ber  ©ünben;  ®dbt  ifi  bie  6$enfung  be§ 
Beiligen  ;©eifte§,  2efclt$,  bamit  ftd)  je  niemanb  fcerfüljren 
laffe  unb  auf  fein  Sßerbienfi  ober  2öerfe  fef)e,  wenn  bie 
6d)rift  »on  ©otte§  ©nabe  rebet,  fo  $att8  $autu3  ftracfg 
Wiber  einanber,  9töm.  11 :  3fi8  auS  ©naben,  fo  ift8  m$t 
au§  ©erbienfi  ber  SBerfe;  fonft  würbe  ©nabe  nid)t  ©nabe 
fein.  3ji8  aber  au§  SSerbxenfi  ber  Sßerfe,  fo  ifl  bie  ©nabe 
ni$t3 ;  fonft  wäre  SSerbtenjt  nid)t  93erbienfi  tiefer  ©prudE) 
ifi  fo  f)ell  unb  beiter,  ba§  bie  QJa^iften  felbfi  benennen 
muffen,  an  biefem  Drt  fönne  ©nabe  nicfct  unfere  Sßerfe 
f)etfjen,  fonbem  tnüffe  @otte§  93arm^erjigfeit  bebeuten. 
2lugufiinu§    aber  |wt  bierauö  feinen  frönen  ©|>ru$  ge* 

4 


50 

nommen:  Non  enim  gratia  Dei,  gratia  erit  ullo  modo, 
nisi  sit  gratuita  omni  modo.  Lib.  2  c.  24.  @§  mag  feine 
©nabe  fein  auf  einigerlei  Seife,  toofern  fte  nicf)t  burdjaug 
auf  allerlei  Jßeife  frei  unb  ofme  SSerbtenjl  gefdjenft  fei 
2)ie§  ifi  ber  redete  $erfianb  be§  Jöorteg  ©nabe,  toenn 
man  rebet  tton  ber  Rechtfertigung,  als  Rom.  3:  2ötr 
werben  geregt  au§  ©naben.  Rom.  4 :  Ideo  ex  fide  gratis, 
ut  sit  firma  promissio.  Rom.  5:  Justificati  igitur  fide 
pacem  habemus  etc.  Rom.  5:  Superabundavit  gratis. 
Hebr.  4 :  Accedimus  ab  thronum  gratiae.  Rom.  4 :  Operanti 
non  imputatur  merces  gratuito  etc.  (2luf  ha§  fte  fei  au$ 
©naben  unb  bie  25er^ei§ung  fefi  bleibe.  Rom.  5 :  9hm 
toir  benn  ftnb  geregt  morben  burcf)  im  ©lauben,  fo  fyahm 
ttrir  ^rieben  :c.  Rom.  5:  £>ie  ©nabe  ift  mü  mäduiger 
korben.  £ebr.4:  ßaffet  unö  fnnjutreten  ju  bem  ©naben* 
fiul)l.  Rom.  4:  $)em,  ber  mit  SBerfen  umgeftf,  toirb 
ber  Öobn  nicf)t  au£  ©naben  zugerechnet.) 

(Blaube, 

Tlxt  gleid^em  $let§  muffen  tt)ir  aud?  lernen,  tva§  bei 
ben  ^ro^eten  unb  Styofieln  ba$  2öort  ©laube  beitfe; 
benn  ber  ©laube  ift  ba§  einige  9Kittel,  babur$  wir  mit 
©ott  ^anbeln  unb  bie  Vergebung  ber  ©ünben  unb  $itä)t* 
fertigung  erlangen  unb  annehmen,  mt  mit  ©otteS  #ülfe 
Ijernad)  foll  erliefen  werben.  £>te3  2Bort  aber  ifi  bei  im 
Sffiiberfac^ern  nid^t  weniger  t>erfälfd)t,  al§  bie  obgefe|ten, 
unb  id)  toeifj  unter  allen  fein§,  ia§  fte  fo  £art  anfechten, 
bem  fte  fo  Ijefttg  feinb,  ia8  fte  fo  mancherlei  2öeife  t>er* 
fälf^en,  baöon  fte  audj  fo  ungereimt  Ding  f erwärmen, 
£>enn  ba  bieten  fte,  ber  ©laube,  ber  un£  geregt  ma$e, 
fei  nur  eine  Jöiffenf^aft  unb  6rfenntni§  t>on  ©ott,  unb 


51 

ba§  einer  bie  Se^re  für  rcaftr  fjalte.  £>icf)ten  barnad) 
mancherlei  ©lauben:  fidem  mortuam,  fidem  informem, 
fidem  formatam,  fidem  implicitam,  fidem  explicitam.  Ex- 
plicita  fides  foü  ber  ©elefjrten  ©taube  fein.  Implicita  be§ 
Äöf)ler3  ©taube,  ha%  einer  glaubt,  unb  toei§  botf)  nid[)t, 
tva$  ober  noarum  er  glaubt  3tem,  fxe  fagen  frecb,  nrie 
benn  SlnbrabiuS  fe£t,  ba§  aucf)  bie  Reiben  au§  ber  33er* 
nunft  ben  ©lauben  an  ©ott  ^aben  !önnen.  %tem,  Xap* 
peru3  fprid)t:  (Siner,  ber  in  Sobfünben  liegt,  fann  ben 
©lauben  baben,  barum  macbe  ber  ©laube  nicfjt  geregt 
2Biber  biefe  greuliche  Süge,  93erfet)rung  unb  Säjterung 
muffen  mir  gleiß  anfefjren,  ba%  mir  bei  bem  regten  23er* 
flanb  ber  2öorte  bleiben,  £>er  ©laube,  ber  unö  ttor  ©ott 
geregt  mad)t,  t>a§  ijl,  bie  ©nabe  ©otte§  annimmt,  ijl 
nid)t  ein  blo§e3  2Bijfen  ober  @rfenntni§  ber  £tfiorien  oon 
Gfmjto,  txne  bie  leufel  ba§  alleg  toiffen,  unb  3<*cobu3  G.  2 
fagt:  £ie  Teufel  glauben,  aber  fte  gittern.  2lud)  ift  er 
nicftt  eine  gemeine  6rfenntni§  ©otteS,  mie  bie  $äbm  anS 
ber  Vernunft  ober  9latur  ä\va§  Ijaben  miffen  fönnen; 
fonbern  ijl  erftlid)  ein  2id)t,  loom  ^eiligen  ©eifte  angejün* 
itt  im  #er$en;  ba§  man  3efum  Slmftum  unb  feine  2ßo£l* 
fyakn  erfennt  unb  ©otte§  Söillen  tt)ei{$,  ttüe  er  ftdf)  offen* 
bart,  unb  ifl:  eine  fjerjlidje  3^t)erjx(|t  unb  Vertrauen  auf 
©otteS  Sarm^erjigfeit,  ba§  er  un3  au§  ©naben  ol)ne 
33erbienft,  um  feines  ©ol)ne§  toillen,  aufnehmen,  alte 
©ünbe  »ergeben  unb  bie  ©eligfeit  fdjenfen  toitt,  ttrie  fein 
Jßort  lautet  23on  biefem  ©lauben  rebet  bie  ©$rift, 
ttenn  fie  ft>ricf)t,  ba§  mir  bur$  bm  ©lauben  geredet  unb 
feiig  werben.  U  SWof.  15,  £ab.  2,  SRdm.  3,  <£p$.  2, 
©al.  2  u.  3,  JRöm.  5,  8tyofl  15.  £>a§  nun  iaS  2öort 
biefen  SBerßanb  Fwbe,   unb  nid)t,   tt)ie  bie  $äbfüer  bat>on 

4* 


52 

reben,  tfi  gut  ju  bemetfen.  3)ie  Gptftel  ju  ben  Hebräern 
fprtcbt,  bei*  ©taube  fei  eine  befiänbtge  3ut>erjtc$t  ber  1>inge, 
fo  man  boffet,  unb  eine  getmfie  QScrftc^erung  be§,  fo  man 
nicftt  fielet  2)a8  mu§  ja  rridjt  öon  6(o§er  Grfenntni$ 
gerebet  fein,  fonbern  t)on  bem  Vertrauen  be§  £er$en3,  ba§ 
ftd)  ber  SDienfd)  auf  ©otte§  23ort  füfmlicb  verläßt,  $au* 
Iu3  fpricf)t  Gpf).  3 :  2>urd)  ftelcfeen  (Gfmftum)  wir  baben 
greubigfeit  unb  3^gang,  in  aller  3w>erjtd)t  burd)  ben 
©tauben  an  üjn.  £ier  fpridjt  er,  ber  ©laube  fcfeaffe  eine 
greubigfeit,  Qvtotrfityt,  bot  ©ott  ju  treten  unb  ibn  anju* 
rufen.  3tem,  Gbriftuä  fpri^t  $?attf).  9:  ©ei  getroft,  mein 
©ofen,  bir  ftnb  beine  Sünben  vergeben.  £ier  ft>ill  Gfmfms 
triefet  nur  ein  bIo§e8  Sßiffen  Ijaben,  fonbern  ein  freubig 
getroft  ^erj,  ba§  ©ott  vertrauet.  $)a§  nun  bie  Reiben, 
fo  außer  ber  Äird&e  ftnb  unb  ©otteö  Sßort  ntebt  ttnffen, 
folgen  ©tauben  aus  ber  Vernunft  nic&t  fcaben  fönnen,  tfi 
aus  bem  offenbar,  i>a&  $auluö  Körn,  10  fagt:  QBie  fotlen 
fte  anrufen,  an  im  fte  ntefet  glauben;  toie  fotlen  fte  aber 
glauben,  öon  bem  fte  nic&i  gehört  baben.  Unb  balb  barauf 
fleußt  $aulu§:  <So  fommt  ber  ©laube  au§  ber  $rebigt, 
ba$  $rebigen  aber  aus  bem  SBort  ©ottee.  2öeic^er  Spru* 
mcf)t  allein  lehret,  bav  bie  Reiben  unb  Surfen,  fo  ©otteg 
QBort  niefet  baben,  aud?  nidE)i  glauben  fönnen,  benn  bk 
^rebigt  göttlichen  2Sortee  bas  einige  Mittel  üi,  burrf) 
toelcbeä  ©ott,  ber  beilige  ©eift,  baö  Ötdpt  bes  ©taubeng 
im  «öerjen  anjünbet;  fonbern  aueb  ametgt,  roelcöeö  bie 
rechte  2lrt  unb  Gigenfdjaft  bes  ©laubens  fei,  nämlid),  i>a§ 
er  niefet  mu§  ein  felbft  erbicfjteter  2öal;n  ober  ©ebanfe  fein, 
ben  ijjm  ber  SDtenfd)  felbft  etnbilbet,  auä)  niefet  eine  OJJet* 
nung  aus  ber  Vernunft  ober  aus  bem  ©efe§  ©ottes  ge* 
fcfeöpft,  fonbern  eine  befiänbtge,  gemiffe  3uoerftcfet,  bie  ficfe 


53 

t)iö§Hcf)  auf  ©ottcö  gnäbige  Sßerbeigung  unb  2ßort  tmn 
Vergebung  ber  Sünben  unb  feiner  ©nabe  üerläffet,  baffel* 
bige  annimmt  unb  jtd)  bamit  tröftet  unb  miber  alle  2ln- 
fedjtung  auf&ätt.  3nma§en  mte  aud)  $aulu§  ben  ©tauben 
mit  allen  ßtgenfdjwften  unb  Umftänben  befdEjreibt  in  bem 
ßjempel  SlbrabamS  fRöm.  4:  6r  glaubte  auf  Hoffnung, 
ba  nid)t§  *u  hoffen  mar ,  unb  marb  nidjt  fdjmad)  im 
©tauben,  fatje  aud)  nicf)t  an  feinen  eigenen  Seib,  ber  f$on 
erjlorben  mar,  meil  er  faft  Ijunbertjälimg  mar;  benn  er 
jmeifelte  nic^t  an  ber  23erf)eifjung  ©otteg  bur$  Unglauben, 
fonbem  marb  jlarf  im  ©tauben  unb  gab  ©ott  bie  (5l)re,  unb 
mußte  aufg  aüergemiffefie,  bafj,  mag  ©ott  uer^ei§et,  ba$ 
fönnte  er  aud)  tbun  *c.  3>ie3  tft  eine  feljr  gemattige  23efd)rei* 
bung  beg  feligmadjenben  ©tauben^,  unb  ein  oortreffltd)e§ 
Sxempet,  barin  bie  6igenfd)aften  be§  ©laubenS  ju  feljen. 
35ie  erjle  @igenf$aft  beö  ©taubenS  ifi  ®otte§  gnä* 
bige  35er^ei§ung;  benn  ©taube  ofme  2öort  unb  3ufagung 
©otteg  ifi  nur  ein  Jraum  unb  tf)örid)ter  ©ebanfe.  211S, 
ba  einer  moüte  glauben,  er  mü^te  nod)  Äönig  merben,  ba 
\\)m  fotdjeS  oon  ©ott  nid)t  t>erfprod)en,  ber  mürbe  ü)tn 
nur  Iräume  machen ;  3)at)ib  aber  tonnte  e§  glauben,  benn 
©ott  f)at§  tl;m  jugefagt  Sllfo  menn  ©ott  ni$t  t)erf)ei§en 
f)ätte,  bie  Sünbe  ^u  vergeben,  tonnte  e§  niemanb  glauben; 
aber  ba  ]lef)et  i>a§  belle  2Bort  ©otteS  in  allen  ^rop^eten: 
©o  maf)r  alö  icb  lebe,  milt  id)  nid)t  ben  %ob  be£  ©ünberS, 
fonbem  ba§  er  ftd)  belehre  unb  lebe.  £efef.  33.  3)arum 
alle  $ropf)eten  unb  Styoftel,  menn  fte  unS  jum  ©tauben 
fcermafmen,  jfracfg  aufg  2ßort  ©otteS  meifem  2ltfo  fpric^t 
$auluS  allste  9töm.  4:  Slbra^am  jmeifelte  nid)t  an  ber 
35er^eiBung  ©otte§,  $>a§  ift,  bie  einige  ©runbfefte  beö 
©taubeng  Slbra^amS  mar  bie  93erfmBung. 


54 

$)te  anbere  (Sigenfd^aft  ift,  ba§  ftdj)  ber  ©laube  aüeö 
23erbieupe3  unb  Qßürbigfett  üerjeitjet,  t>or  allen  fingen 
feine  2Serfe  oor  ©ott  rühmet,  fonbern  fidE)  allein  auf  ©otteS 
lautere  ©nabe  unb  be3„£errn  vßbri|li  35erbienfl  fcerl&jfet. 
2öie  $au(u§  augbrücflid)  melbet  imjelben  Äapitel:  £)em 
aber,  ber  nicbt  mit  2ßerFen  umgebt,  glaubet  aber  an  ben, 
ber  bie  ©ottlofen  geregt  madE)t,  bem  wirb  fein  ©laube 
gerechnet  §ur  ©erec^tigfeit.  Denn  fobalb  ber  -äftenfd?  auf 
feine  2Berfe  fielet,  fo  ijfö  nidE)t  ©laube,  fonbern  Serbienft 
$aulu£  aber  fpric^t:  Darum  fommt  bie  ©erec^tigfeit  burd) 
ben  ©lauben,  auf  ba§  fte  auö  ©naben  fei.  Daljer  mix 
feljen,  toie  alle  ^eiligen  if)re  ttmtmrbigfeit  benennen  nnt> 
nur  ©otteg  ©nabe  greifen,  wenn  fte  im  ©lauben  üor  ©ott 
erfdmnen.  3^cob  fpridjt:  ©ott,  iti)  bin  ^u  gering  aller 
beiner  Sarmfrerjigfeit.  1.  üttof.  32.  Datnb  fprtd)t  $f.  103: 
Sarm^erjig  unb  gnäbig  ift  ber  $err.  (£r  l)anbelt  xiifyt 
mit  ung  na*  unfern  ©ünben,  unb  Vergilt  un3  ni$t  nad) 
unferer  3Dftffetl)at.  Dafj  er  aber  auf  ba§  SBerbtenfl  £f)rifti 
fefjen  muffe,  jeigt  $aulu3  Spb.  3 :  3n  ßfmfio  3efa  Reiben 
mir  ^yreubigfett  im  ©lauben. 

Die  brttte  (Sigenfdjaft  ift,  i>a%  er  in  allerlei  £anblung 
mit  ©ott  t)or  allen  Dingen  glaube  unb  l;abe  Vergebung 
ber  ©ünben,  Serfö^nung  unb  ©erecfytigfeit  t>ot  ©ott;  benn 
tt>eld?er  2ftenfcf)  mit  ©ott  nidjt  oerfö^nt  ift  unb  gennf;  tDeifj, 
ba$  üjm  alle  feine  ©ünben  auS  ©naben  üersie^en  ftnb, 
ber  barf  t)or  ©otteg  2lngefid)t  nid^t  erfreuten,  unb  toeber 
Beitlidpeä  nod)  ßmigeg,  n>eber  ßeiblidfjeg  nod)  ©eiftlidpeg 
t)on  ©ott  bitten.  Unb  bemnadE)  führet  $auluö  ben  ©prudp 
1.  2Kof.  15:  2lbraf)am  l?at  ©ott  geglaubet,  unb  ba$  warb 
if)tn  geregnet  jut  ©eredjtigfeit  be£  ©laubeng.  Denn  ob* 
gleid),   am  felben  Ort,  2lbraf)am  ber  23er^)eifjung  glaubte, 


55 

in  melcber  ibm  bie  rounberlidje  23ermef)rung  feineä  ©amenS, 
a!8  eine  leibliche  2Bof)ttf)at,  üerfprocfyen  mar;  fo  fonnte 
ftd)  bod)  9lbraf)am  auf  ©otteö  2öort  tmn  £er$en  ntdjt 
t)erlaffen,  trenn  er  ntcfct  juüor  bie  Vergebung  ber  ©ünben 
geglaubt  fwtte,  ju  beut  aud)  bie  $erl)ei§ung,  fo  Slbraljam 
mar  gegeben,  md)t  nur  t)on  $ermel)rung  fetneö  ©amen$, 
fonbem  ttornefjmlidE)  auf  ben  gefegneten  ©amen  @&riftum 
beutete,  in  meldjem  Slbraljam  unb  aller  SBclt  Vergebung 
ber  ©ünben  unb  ©egen  üerfprodjen  mar. 

5luf  foldje  Meinung  fprictjt  aud)  $aulu§  SRöm.  5: 
Söenn  toir  geredet  morben  finb  burd;  ben  ©lauben,  al3* 
bann  baben  mir  triebe  mit  ©ott,  unb  burd)  6f)rifium 
einen  3ugang  im  ©(auben  ju  biefer  ©nabe,  bann  mir 
flehen,  baö  ift,  auf  bie  25erfö^nung  mit  ©ott  fann  man 
allerlei  üon  ibm  bitten.  5llfo  ha  (Jfjrifiuö  ben  ©tdE)tbrüd)i* 
gen  mift  tröfien  unb  gefunb  machen,  fäljet  er  tmn  2)er* 
gebung  ber  ©ünben  an,  fpridjt:  9ftein  ©obn,  fei  getroft, 
bir  jinb  beine  ©ünben  vergeben,  £ergegen  fpricbt  bie 
©djrift  Job.  9:  ©ott  erhöret  bie  ©ünber  nid^t ;  au3 
meinem  folget,  ba§,  mer  md)t  Vergebung  ber  ©ünben 
juoor  glaubet,  ber  fonne  aucb  ©otteö  3^f^9u^Öen  t)on 
£erjen,  in  leiblichen  ober  geiftlicfyen  ©a$en,  ju  feinem 
#eit  nidjt  glauben.  $>iefer  ©laube  aber  mu§  nid)t  fo  gar 
weitläufig  unb  gemein  fielen,  ba§  ber  ©laubige  nur  fdplie§e, 
©ott  molie  ©ünbe  vergeben,  fonbern  eigentlich  mup  er 
auf  feine  $erfon  fe^en,  unb  nid)t  jmeifeln,  ba§  ©ott  i^m, 
bem  ©laubigen,  bie  ©ünbe  ^abe  vergeben.  2öie  Sern* 
I)arbu3  fefjr  fein  fagt:  Si  credis,  peccata  tua  non  posse 
deleri;  nisi  ab  eo;  cui  peccasti,  bene  facis:  sed  adde,  ut 
et  hoc  credas;  quia  per  ipsum  tibi  peccata  donantur. 
Hoc  est  testimonium ;   quod  perhibet  in  corde  nostro  Spi- 


56 

ritus  sanctus,  dicens:  Dimissa  sunt  tibi  peccata  tua.  Sic 
enim  arbitratur  Apostolus,  hominem  gratis  justificari  per 
fidem.  Da§  ijl,  fo  bu  glaubet  ba§  beine  ©ünben  nicbt 
fönnen  getilget  werben,  benn  tton  bem,  bem  bu  gefünbigt 
f)afi,  baran  i^uji  bu  tt)of)L  3u  bem  aber  mufjt  bu  ba# 
aud)  glauben,  bafj  burcf)  ifm  bir  bie  ©ünben  »ergeben 
werben.  Die§  ift  ba$  3eugni§,  t>a$  ber  beilige  ©eift  in 
unfer  £er$  fpricf)t,  fagenb:  Dir  ftnb  beine  ©ünben  üer* 
geben.  Unb  alfo  f)äft§  ber  2tyojlel,  ba§  ber  OJlenfd)  oljne 
SBerbienft  burdf)  ben  ©lauben  gerecht  toerbe.  Unb  barum 
lä§t  ©ott  nid)t  allein  bte  9Ser(;ei§ung  ber  ©naben  allen 
unb  jeben  anbieten,  -ftiemanb  au§gef$  (offen,  fonbern  f)at 
aucf)  baneben  bie  ©acramente,  Saufe  unb  SRacfytmafol  gc* 
jliftet,  auf  bafi  ein  jeber  ik  Vergebung  ber  ©ünben,  burd? 
ba§  23lut  Gf)rifH  erworben,  feiner  ^crfon  juetgne,  unb 
tt)iffe,  ba$  er,  ber  ©laubige,  mit  ©ott  üerföbnt,  unb  fein 
!ftame  im  $ud)  be§  Öeben§  angetrieben  fei.  Daüib 
tt)ieberf)olet  immerbar  im  $falme  18:  #err,  mein  ©ott, 
mein  $el§,  mein  #ort,  mein  €>cf)ilb,  mein  £eil,  meine 
©tärfe,  mein  Irojl,  auf  ben  xä)  midE)  oerlaffe;  auf  bafj  er 
feinen  ©lauben  bartlme.  Dertoegen  roer  nid)t  für  ftd) 
felbft  unb  für  feine  $erfon  glaubt,  t>a§  er  ^abe  Vergebung 
ber  ©ünben,  ber  fyat  ben  ©lauben  nicf)t. 

Die  vierte  ßigenfcfjaft  ifi,  i>a§  ber  ©taube  jtcb  t>on 
allen  Kreaturen  toenbet,  mdE)t§  toeber  im  Fimmel  nocb  auf 
(Srben  anfef)en  ober  achten,  unb  bie  2lugen  allerbingS  ju* 
tfmn  muß,  unb  nur  l)ören,  tt>a§  ©ott  rebet  2ßie  Salm* 
nuS  toofjl  gerebetbat:  Fidei  est  oculos  claudere  et  aures 
aperire.  DeS  ©laubenS  3lrt  ifi  bie  2lugen  jutljun  unb 
bie  Df)ren  öffnen.  Denn  in  bem  ©treit,  ba  ber  ©taube 
an  ©otteg  2öort  ftd)  galten  mu§,  finbet  man  bei  feiner 


57 

Kreatur  meber  £ülfe,  nod)  bittet,  nod)  Iroft;  öielmc&r 
fieüen  jid?  alle  Kreaturen,  als  mollten  fte  bag  2ßiberfpiel 
jeugen.  Da§  alfo  ber  ©laube  miber  ben  fdjrecflidjen  5lm 
blitf  aller  Kreaturen,  aucf)  beö  üMenföen  Srfa&rung,  (gm* 
pftnbung  beö  ^erjenS  unb  3^gni§  beö  ©etx)iffenö,  feft  an 
©otteS  SBort  haften  unb  babei  t)erf)arren,  unb  eitel  un* 
glaubliche,  unbegreifliche,  unmögliche  Dinge,  in  2lrmutl> 
3teicf)tf)um ,  in  Srübfal  $reube,  in  ©ünben  ©eredjtigfeit, 
in  äufjerfter  ©efafjr  gemiffe  £ülfe,  in  Äranf&eit  ©efunbl)eit, 
in  allerlei  SQBibermärtigfeit  ©otteS  £ulb  unb  Öiebe,  in 
©djretfen  beö  ©emiffenö  griebe  mit  ©ott,  in  2lngft  be§ 
Iobe£  emigeö  Öeben,  in  ber  Rollen  unb  unter  be§  £eufe(§ 
©eroalt  ben  #immel  unb  ©Ott  felbft  fammt  allen  l)immlU 
fcfyen  ©ütern  glauben  unb  hoffen.  Daö  nennet  $aulu8 
auf  Hoffnung  glauben,  ba  nichts  ju  boffen  mar.  Denn 
obgleid)  nad)  bem  2ln6licf  ber  Kreaturen  nid)t3  ju  hoffen 
mar,  biemeil  er  bunbert]äf)rig  unb  einen  erflorbenen  Öeib 
fjatte,  fo  glaubt  er  bodj  auf  Hoffnung,  nad)  bem  2öort 
©otte§.  2llfo  glauben  bie  brei  9Känner  mitten  im  $euer, 
ftoaf)  mitten  in  ber  ©ünbflutf),  £töfia  im  Sobe,  3onaS 
im  Saud)  beö  2ßailfifd)e3,  $aulu3  im  Sfteer,  Daniel  unter 
im  Ööroen,  unb  ^ offen  $u  leben,  ba  fie  bod;  im  Sob  alle 
Slugenblicf  oor  5lugen  febem  2llfo  roenn  mir  gleid)  ein 
anbereö  im  «öerjen  empfinben,  unb  unfer  #erj  un£  t)er* 
bammet,  benn  mir  füllten  nod)  bie  ©ünbe  in  unö,  ba§ 
©eroiffen  üerflagt  unS,  ©otteö  $oxn  brücft  un3,  allerlei 
Irübfal  unb  JÖiberroärtigfeit  liegt  auf  un§,  unb  im  lob 
fef)en  mir  üor  2tugen;  barnad)  foll  unb  mufc  ber  ©laube 
fc&Iiefjen,  miber  alleö  ftü&len  unb  Smpfinben  beö  £erjen3, 
ba§  bie  ©ünbe  oon  unferm  $al8  genommen  unb  in  Sfmfto 
fcerföbnet  fei,  ia%  ©ott  feinen  3orn  f)abe  fallen  latjen  unb 


58 


rttrr* 


unä  ©nabe  anbiete,  ba§  feine  Jrübfal  no$  2ötbem>ärtig 
feit,  nod?  Job,  no$  alle  Wlafyt  beg  leufelg  un8  ni$t 
met)r  fdfjaben,  fonbern  ba§  ennge  ßeben  unb  ©eligfeit  un£ 
getx)i§  bleiben  foll.  3nma§en  tx>ie  Johannes  1.  %ofy.  3 
fagt :  6o  un3  unfer  $erj  tterbammt,  fo  miffen  toir,  ba§ 
©ott  größer  ift,  benn  unfer  £er$,  unb  erfennet  alle  SDinge, 
2tlfo  [priest  au$  $aulug  Äöm.  8 :  2öir  ftnb  too&l  feiig, 
aber  bo$  in  ber  Hoffnung;  bie  Hoffnung  aber,  bk  man 
fielet,  ift  nidE)t  Hoffnung;  benn  ttne  fann  man  be§  tpoffen, 
baä  man  ftebet.  So  mir  aber  befj  hoffen,  ba$  tx>ir  nic^t 
fefjen,  fo  märten  mir  fein  burd)  ©ebulb.  3tem,  bie  Spijlet 
ju  im  £ebr.  11:  Der  ©taube  iji  eine  gemiffe  3uöerftd^t 
be§,  ba3  man  hoffet,  unb  nidjt  jmeifelt  an  bem,  ba§  man 
nidf)t  fielet.  2)erf)alben  mup  ber  ©laube  firaefö  miber.  ben 
3tDeifel  ftreiten,  nid)t  ungemi§  liefen,  ober  ftd)  burdj  ber 
Kreaturen  fcfjrecf  lieben  unb  mibermärttgen  Slnblicf  anfechten 
unb  irre  machen  laffen,  fonbern  feft  an  ba3  SBort  fangen 
unb  babei  bleiben;  fobalb  ber  2D?enfdE)  §toeifeIt  an  ©otteö 
©nabe  unb  Bufagung,  fo  vergebet  unb  üerlöfcfyet  enbtid? 
ber  ©laube«  3)arum  fagt  aueb  $aulu3  9Wm.  4 :  Slbra* 
l)am  marb  nidjt  febmad?  im  ©tauben,  benn  er  jmeifelte 
niä)t  an  ber  Sertjeigung  ©otte§  bur$  Unglauben, 

3)ie  fünfte  Sigenf^aft  ift,  ba§  ber  ©laube  ©ott  feine 
gebührliche  gf)re  giebt,  fyalt  unb  preifet  ifm  für  mal)rf)aftig, 
gütig,  gnäbig,  allmächtig  unb  treu,  ber  ba  motle  unb 
au$  forme  tfmn  atleg,  mag  er  fyat  tterfjeigem  2öie  |)er* 
gegen  ber  Unglaube  unb  Steifet  ©ott  auf3  äu^erfte  un* 
e^ret  unb  fd)mäf)et,  als  fei  er  nicf)t  gütig  nod)  gnäbig, 
nidpt  mal)rl)aftig  no$  allmächtig,  al3  Sain  ptt  ©att  für 
ungnäbig,  ber  bie  ©ünbe  nidE)t  motle  hergeben;  ber  SRi^ter 
ju  ©amaria  l)ätt  ©ott  für  ofmmädjttg,  ber  fein  Söort  nt$t 


59 

fönne  betätigen,  ba$  er  burd)  6tifa  üer^eiget;  ©aul  feält 
©ott  für  untreu,  ber  um,  ©aut,  unbilliger  2öetfe  in 
f)öcbfler  iftotf)  oerlaffe;  2lf)ab  t)ält  ©ott  nicbt  für  mafjr* 
Saftig,  unb  alle  ©ottlofen  legen  ©ott  bie  l)öd)fte  ©cfnnadj) 
unb  Unehre  an;  Dagegen  aber  Stbrafjam,  9JJofe3,  Samuel, 
Daöib,  Sofa^bat,  £i3fia,  Daniel,  9#aria,  ©ott  feine  ßbre 
geben,  bamit,  ba§  fxe  an  ifm  glauben,  2Bie  $auluö  fagt: 
2lbrabam  gab  ©ott  bie  ßfjre,  unb  txm§te  aufg  allergemiffefie, 
>i>a$,  voa§  ©ott  üerfjeiften  bat,  ba§  fönne  er  aud)  tjmn. 
2öie  nun  ber  txml)re  feligmad)enbe  ©laube  unferm  «Öerm 
©ott  feine  (Sfn'e  giebt,  alfo  bringet  er  aud)  alöbalb  sumege, 
ba§  ftcb  unfer  ©emijfen  aufrieben  giebt,  Jrofi  empftnbet, 
unb  fxcf)  nimmer,  mie  t)ort)in,  ber  ©ünben  falben,  t)or 
©otteö  ©erid)t  fürchtet.  Denn  meil  ber  ©laube  ba$  2öort 
©otteg  ergreift  unb  barauS  gemij3  f$leu$t,  ba§  alle  ©ün* 
ben  vergeben  ftnb  unb  ©ott  un3  ju  ©naben  aufgenommen 
f)at,  barf  man  jtd)  mdE)t  mef)r  fürchten.  Dal)er  fagt  $au* 
lud  9töm.  5:  JBeit  mir  nun  burd)  ben  ©tauben  gerecht 
morben  ftnb,  fo  l)aben  mir  ^rieben  mit  ©ott.  3terc, 
3of)anne3  1  3°^  3:  Daran  ernennen  mir,  ba§  mir  au§ 
ber  2ßaf)rbeit  ftnb,  unb  fönnen  unfer  ^>er§  oor  if)tn  jMen. 
9luf  meteben  ^rieben  be$  ©emiffenä  aud?  folget,  ba§  ber 
©taube  mit  allerlei  f)errlid)en  grüßten  ber  Söerfe  beraub 
bricht  unb  fein  ßiebt  üor  ben  sIftenfd)en  lä^t  leuchten, 
liefet  ba&  ber  ©laube  atlererft  feine  ©eflalt  gemtnne  oon 
ber  Siebe  ober  anberen  SSerfen,  mie  bie  tf)örid}ten  $apiften 
t)on  itjrer  fide  formata  träumen;  benn  menn  ber  ©laube 
t>a$  2öort  ber  ©nabe  t)on  2>efu  Gtmjlo  ergreift  unb  an* 
nimmt,  alöbann  ift  er  redjtfdt) äffen,  er  fei  gleicb  nod) 
fdjmad)  ober  ftarf,  fo  mirb  bod)  ber  SRenfd?  baburd)  ge* 
red)t  unb   feiig.    Die  guten  äßerfe  aber  ftnb  $rüd)te  be3 


60 

©tauben^,  fo  ju  feiner  3^t  folgen,  unb  bie  jutJor  erlangte 
$e$tferitgung  burd?  bm  ©tauben  barttjun  unb  bemeifem 

3um  fe^ften  unb  legten,  ifl:  aucb  bieg  bei  rechten 
©lauben§  2trt,  ba§  er  feine  ©ünbe  miber  ba§  ©emijfen 
neben  if)tn  leibet;  benn  ber  ©taube  ift  ein  %xo\t,  mit 
welkem  ftd)  ber,  fo  um  begangner  ©ünbe  mitten  (Reue 
unb  Seib  trägt,  mieber  aufrid)tei  2öer  nun  in  ®ünben 
mtber  ba§  ©emiffen  fortfahret,  ber  begehrt  feinet  £rojie§, 
mie  er  axxti)  nod)  fein  Seib  t)at  2luf  fotdje  Meinung 
fagt  33ernf)arbu3  rec^)t :  Fides  solatium  est.  Non  eget  ille 
solatio,  qui  laetatur,  cum  malefecerit,  et  exultat  in  rebus 
pessimis.  $)a$  iji,  ber  ©taube  iji  ein  2roji;  ber  bebarf 
feinet  £rojle3,  ber  jxd)  feiner  Uebettbat  freuet,  unb  frof)* 
tocfet  in  ben  ärgjien  ©a$en.  ©fetdjfaliS  fo  oerfudjet  ber 
©taube  ©ott  md)l,  begehret  nid)t  Jöunberjeicben  t)on  if)m, 
er  brauset  nidjt  verbotene  Wlitki  miber  ©otteö  QSort,  er 
fdjretbt  unferm  ^erm  ©ott  nid)t  oor,  meber  ^dt  nod> 
Seife,  nod)  bittet,  nod)  $erfon,  mie,  mann  unb  moburd) 
er  un§  Reifen  fofl,  fonbern  ergiebt  ftd)  jtracfä  in  @otte£ 
gnäbigen  Sitten,  oer(ä§t  jid)  auf  feine  ©üte,  unb  bleibt 
fejl  am  2öort  ©otteg,  in  ßbrijto  oerfpro^en,  fangen. 

$on  einem  fofdjen  magren  ©tauben,  mie  je|t  gemel* 
bdt  ©igenfd)aften  anzeigen,  reben  mir,  menn  mir  nad)  ber 
Öef)re  $ault  fageu:  2lftein  ber  ©taube  ma$e  unö  geregt 
unb  fetig,  unb  mdjt  öom  einfd)idjttgeh ,  tobkn,  tofen 
©tauben,  mie  ber  rafenbe  ÜÄöndj)  ju  3ngofjiabt,  3of)an 
9ta§,  l&jlert.  2)enn  mo  obgefe^te  (Sigenfdjaften  fxnb,  ba 
mujj  je  nic^t  ein  tobter,  fonbern  ein  lebenbiger  ©taube, 
unb  ein  fotcfyeg  öid^t  im  ^erjen  leuchten,  meld)e§  öom 
^eiligen  ©eijle  fetbft  iji  ange^ünbet.  2öenn  aber  unfere 
fcerjtocften,   blinben  ^apiften  lehren,   ber  ©taube  fei  nur 


61 

ein  blo§  SBiffen  ber  Slrttfet  unb  ber  ©ef$id)te  beö  ßttan* 
gelii,  unb  ba%  aud)  bic  Reiben,  (o  ©otteö  2Bort  nid^t 
gehabt,  nicfyt  gar  ohne  ©lauben  getoefen,  ba§  aud)  in 
benen,  fo  in  öffentlichen  Sünben  toiber  ba§  ©eftnffen  leben, 
ber  ©taube  fein  fönne;  item,  ber  2Renfdj  fönne  auö  na* 
türlidpen  Gräften  an  ©ott  glauben,  tva§  ba§  2öer!  betrifft, 
unb  ba§  ber  ©laube  nur  eine  Vorbereitung  fei;  item,  ba§ 
ber  Steifet,  °&  ^x  *n  ©naben  bei  ©ott  ftnb  ober  md)t, 
tooljl  neben  bem  ©tauben  fielen  möge,  unb  ma§  ber 
3rrtt)ümer  melir  ftnb :  alfo  fann  !ein  Vernünftiger  leugnen, 
ba§  fte  freilief)  t)on  einem  tobten,  lofen,  blogen,  ja  t)on 
einem  papifiifdfjen  unb  teuflifdpen  ©lauben  reben,  uon 
Welchem  3aco^u^  fa9*:  Daemones  credunt  et  contremis- 
eunt,    3)ie  teufet  glauben  unb  gittern  :c. 

2llfo  baben  tmr  nun  in  biefer  erjten  $rebigt  gehört, 
tote  bie  2öorte  ©efe§,  ©ünbe,  ©eredjtigfeit,  9t e4> t- 
fertigen,  ©nabe,  ©laube  nadE)  apofiolifdjer  5lrt  unb 
Sßeife,  fonberlidi)  in  biefem  Strtifel  unb  £anbel,  mie  ber 
2ftenfdi)  öor  ©ott  gerecht  unb  feiig  toerbe,  foüen  unb 
müfTen  üerftanben  werben;  mlä)t$  benn  mit  flaren  3eug* 
niffen  ber  ©djrift,  in  toelc^em  bk  $ropf)eten  unb  Sipofiel 
tbre  Söorte  fetbft  aufö  ri^tigjle  erflärt  ^aben,  erliefen  ift 
3)ertoegen  bie  falfdje  mutwillige  2$erfef)rung  obgebadjter 
SBörter,  mit  öoetd^en  ik  ^äbfiler  unb  anbere  JRottengeifter 
biefen  aflerftö^fien  Strtifel  unb  Jroft  nifyt  allein  üerbun* 
fein,  fonbern  im  ©runbe  vertilgen,  mit  f;ö$ften  ftleip  ju 
meiben. 


Pie  ttttkre  freMgt 


Sic  bie  8el)re,  tioii  ber  Stedjtfertigmtg  beg  ©mtberS  »or 
©Ott  in  etliche  $attytyimcte  31t  faffcm 

9la$bem  mir  oermelbet  unb  aus  ©otteg  Jöort  fforlidj 
bargettjan,  in  meinem  $erjlanb  ber  #err  Sfm#u§,  $ro* 
p^eten  unb  2tyojtel  bk  2öorte  @efe£,  ©ünbe,  ©eredj* 
iigfett,  ^Rechtfertigen,  ©nabe,  ©laube,  fonberlicf) 
in  biefem  Slrtifel  unb  £anbel,  mie  ber  arme  ©ünber  fcor 
©ott  geregt  unb  fetig  werbe,  gebraust  fjaben;  f)ergegen 
aber  ben  fremben  unb  fallen  Sßerfianb,  melden  bie  5ßa* 
pijlen  unb  anbere  öfotten geijter  obgefe|ten  2Borten  ange* 
bietet,  toibertegt  unb  baüor  treulich  geitmrnet;  tooüen  mir 
je|t  mit  SSerleibung  ©otte§  £ülfe  ben  3n£alt  unb  bie 
Summa  biefeS  f)of)en  unb  mistigen  2lrttM3  in  wenige 
$uncte  faffen,  auf  bajü  bie  (Einfältigen  bie  reiche  unb  f)en> 
licf>e  Sefjre  bejio  leidjter  begreifen,  unb  etliche  #auptftücfe 
fietg  im  ©ejtdjt  jjaben,  nad)  benen  fte  fief)  im  ganzen  $an* 
bei  rieten  fönnen.  ©o  beruhet  nun  bie  Celjre  t)on  ber 
0kd)tfertigung  be§  9Kenfd)en  ttor  ©ott  auf  biefen  üier 
#auptartifeln  t)ornel?mlid) ;  mie  benn  ber  Slpojiel  $aulu§ 
im  obgefe|ten  ©prudE)  biefe  wer  nac^fotgenbe  #auptpuncte 
in  einer  ^ropofttion  furj  unb  runb  faffet,  unb  auf  biefen 
©runb  im  ganzen  #anbel  richtet 

(SrjHtd),  ba§  alle  2Renfd)en  t>or  ©ott  ©ünber  ftnb, 
unb  unter  im  $lucf)  be8  @efe|e§  t>on  iftatur  geboren, 

$ür§  anbere,  ©ott  aber  toitt  au8  ©naben,  ofjne  2Ser* 
bienft,  bie  ©ünbe  vergeben,  ©ered^tigfeit  unb  etx>ige§  2e* 
ben  fdjenfen. 


63 

$ür§  brüte,  JefuS  G^rifiuö  iji  ber  einige  Mittler, 
ber  e§  t>erbienet  fjat. 

3um  vierten ,  ber  ©laube  an  ©ott  ifi  ia§  Mittel, 
baburd)  toir  oor  ©ott  geredet  werben. 

I. 

£>af?  alle  fltenfdjen  6ßnöer  finö. 

SMetoeil  ber  Itftenfcf)  in  ber  Oteintgfeit  unb  #eiligfeit, 
barin  er  erfdmffen,  ni$i  ifi  blieben,  unb  alfo,  na$  bem 
ftrengen  Urteil  be§  ©efe|eg,  nid)t  geredet,  fonbern  üofler 
©ünbe  unb  Untugenb  ift  unb  bm  ewigen  Job  fcerbienet 
l)at,  fo  ift  ©otteS  ernjier  2GiUe,  ba§  alle  üftenf^en  il)re 
6ünbe  unb  ©d)ulb  erfennen  unb  befennen,  auf  bafi  ©oite£ 
©eridjt  unb  ©eredjtigfeit  befiele,  ber  9Renfcf)  ber  ©nabe 
©otte§  begierig  toerbe  unb  bie  allerf)öd)fien  2öo^tt^aten 
3efu  (grifft  befto  reichlicher  t>erjiet)en  fönne.  £>enn  glei$* 
ttne  ein  2Renf$,  ber  feine  [elftere  Äranffjeit  ni<$t  erfennt, 
nod)  bte  $af)r  feinet  SeibeS  öerftefjet,  nadj  ber  2trjnei  nidjt 
Ijart  tradjtet,  unb  ba  i^m  geholfen  korben,  nicf)t  Riffen 
fann,  tvk  große  2ßof)ltl)at  er  t)om  2Cr§t  empfangen  l)abe; 
alfo  autf)  fann  ber  3Jlenf$  ntd)t  üerfleljen,  toie  er  uor 
©ott  geregt  toerbe,  tx>el^e  f)ol)e  2öof)ltl)at  if)m  son  ©ott 
toiberfafjren,  wenn  er  niebt  juüor  feiner  <3ünbe  unb  großen 
3ammer§,  barin  er  jlecft,  berietet  ifi.  $>af)er  toir  fef)en, 
n>ie  Sl)riftu§,  $ro:pbeten  unb  Styoftel,  fo  oft  jte  bie  ßeljre 
t)on  ber  Rechtfertigung  Ijanbeln,  ben  2Jtenfd)en  jur  23u£e 
rufen  unb  ©eligfeit  fcerljeifien,  anfänglich  ber  Sßelt  ©ünbe 
ftrafen  unb  ©otteS  3^tn  t)on  Fimmel  offenbaren.  Gf)riftu£ 
fpri$t  3^-  3:  ß§  fei  benn,  bafj  jeraanb  au§  bem  SBaffer 
unb  ©eijl  geboren  toerbe,  fann  er  baS  $eid)  ©otte§  nid)t 
fefjen,    3tem,  SKiemanb  fähret  gen  £immel,  benn  ber  t)om 


64 

Fimmel  gefiiegen  ift.  $aulu8  t)ebt  feine  Cgpiflel  an  bie 
Otömcr  alfo  an :  ©otieö  3°ni  tuirb  oom  Fimmel  offenbaret 
über  alleS  gottlofe  Söefen  unb  Ungerecfyttgfeit  ber  9Jten= 
fdjen.  Sefaia:  D  wel;e  be§  fünbigen  :9Solfö ,  be§  93ol!8 
t>on  großer  Sfaffetfuit,  be§  bo§t)aftigen  ©amenö.  Unb  btefe 
Dvbnung  fcaben  alle  $ropl;eten  unb  2tyofiel  gehalten,  unb 
alfo  burdj)  bie  ©trafprebigt  be§  ©efe£e§  (£f)rifto  bm  2ßeg 
bereitet.  £>emnacf)  muffen  wir  nun  anfänglich  Riffen,  bajj 
©ott  oom  Fimmel  burd?  feine  $ropt)eten  unb  Slpoftel  nicht 
aliein  wenig  bofe  23uben,  gottlofe  $erä$ter  unb  mit  gro* 
ben  ©ünben  befledte  9Jienfrf)en  befdmlbigt,  fonbern  melmefjr 
ba$  gange  menf<$lidje  @efd)lecf)t  ber  ©ünbe  batben  ftraft, 
unb  allen  unb  jeben,  niemanb  aufgenommen,  feinen  ge< 
regten  3°nt  nadf)  bem  ©efe|  Derfünbigi  $>enn  wie  £>a* 
trib  $f.  14  jeugt:  2)  er  £err  flauet  felbft  twm  Fimmel 
auf  ber  SJtcnf^cn  Ätnber,  ba§  er  fe^e  ob  jemanb  ftug 
Ware  unb  naef)  ©ott  frage.  916er  fte  ftnb  alle  abgewichen, 
unb  allefammt  untüchtig;  ba  ifl  feiner,  ber  ©uteS  tlme, 
aud)  ni$t  einer,  ©old)  Urtfjeil  ©otteS  über  alle  2tten* 
fdjjen  ifl  ber  Vernunft  unbefannt,  unb  bünft  i^r  ganj 
fremb  unb  unbillig  fein.  3)enn  fte  f)alt  nur  bie  äußerlichen 
groben  öafter  unb  Untugcnb  für  ©ünbe,  atö  2Iufruf)r, 
SJiorb,  2)iebjia&l,  Unju$t,  2fteineib,  ßügen,  betrug,  ttn* 
gefwrfam,  3Rutf)Wille,  Zauberei,  $einbfd)aft,  ©$mäf)en, 
$errätberei  unb  bergleid)en ;  wenn  fie  1)0$  fommt,  befennt 
fte  audE),  ba§  $a$gter,  £a§,  üfteib  unb  grimmiger  3°nx 
bem  9Kenfcf)en  übel  anflehen,  aber  bo$  nic^t  fo  f<$were 
&ünbc  feien.  2Beil  benn  nun  unter  allerlei  SBßlfem,  #ei* 
ben,  $apifien  unb  (Eljriften,  etliche  9Kenfd)en  gefunben 
Werben,  bie  ftc^>  twr  groben  Öajtern  fmten,  eine§  ehrbaren, 
aufrichtigen,  unfiräflidben  2öanbel§  unb  ßebenS  befleißigen, 


65 

ftnb  fiitl  unb  friebfam,  feufd)  unb  jüdEjtig,  Ijanbeln  rebltdE) 
unb  aufrichtig,  beleibigen  niemanb,  ftnb  tooljltfxitig  unb 
Vr>a^rf)afttg,  unb  mit  Dielen  f)of)en  tjerrlidjen  Jugenben  ge* 
gieret;  benfet  bie  Vernunft,  e3  fei  je  ein  unfäglicfjer  Unter* 
fdfneb  jmifdjen  folgen  efjrliebenben  unb  feinen  ehrbaren 
Seuten  unb  jnufcfjen  anbern  unartigen  9Jienfd)en,  bie  mit 
allerlei  ©ünbe  unb  Öafter  ftd)  befledfen.  2öie  nun  ©ott 
über  bie  ungeljorfamen,  mutwilligen  unb  lajter^aftigen 
Seute  billig  jürnet,  unb  iljre  <&m\bt  mit  ßrnft  firafet,  alfo 
forbere  eS  audj  bie  5Müigfeit,  ba§  ©ott  bie  geljorfamen, 
jüdE)tigen,  ebrlicfcen,  friebfamen  unb  eingejognen  ßeute  liebe, 
fegne,  förbere,  unb  mit  allerlei  ©uttl;at  unb  ©aben  belohne. 
2lber  ©otteö  2öort  tterfünbigt  siel  ein  anbereä  Urteil  unb 
fpridpt,  ba%  ©ott  in  feinem  ^oljen  ©ericf)t  foldEje  Ungleich 
l)eit  ber  9Jienf$en  nid)t  finbe  no$  erfenne,  fonbem  ad)te 
unb  rechne  fte  alle  für  6ünber,  unb  (äffe  feinen  $oxn 
über  fie  alle  geljen,  alfo  ba§  im  ganzen  menfdjfidjen  @e* 
fdE>£ecf>t  nicf)t  einer  fei,  bei:  ttor  feinen  9Iugen  befielen  möge, 
unb  für  fromm  unb  geredjt  erfannt  toerbe.  5Die  Ungleich 
^eit  ber  groben  lafter^aftigen  ©ünber  unb  ber  frommen 
ehrbaren  Seute  f)at  tt>of)l  ©tatt  unb  gilt  tuet  bei  ben  SCRen* 
fcften,  beibe  t)or  ber  toettlicfjen  ^errfdfwft  unb  fcor  ber  $trd)e 
(Xfmfti;  benn  ein  $ü$tige§,  e^rli^e§,  unjlräflidjeg  Seben, 
tt>eld)e§  freiließ  fdjöner  unb  Reifer  fdjeinet,  toeber  ber  f$öne 
üRorgenftem,  toirb  billig  gerühmt,  in  (Sf)ren  gehalten  unb 
belohnet,  fjergegen  ba§  fd)änblid;e  mutwillige  23ubenleben 
unb  bie  Untugenb  mu§  in  allemege  geflraft  werben,  2iud) 
ifi  biefe  Ungleichheit  bem  allmächtigen  ©ott  niebt  unbe* 
fannt,  ttnrb  au$  üon  if)m  nid^t  überfein;  fonbern  t>iel* 
mef)r  ermei§t  bie  (Srfafjrung,  ba$  ©ott  ba§  ef)rlidje,  $üdf)tige 
unb  friebliebe  %thm  mit  vielem  ©egen  unb  ©aben  belohnet 

5 


66 

auf  Öitcn,  bie  groben  Saftet  unb  ben  iFhitfwtflcn  unb 
gteioel  bei  SRenftyen  gar  feiten  ungeftraft  laßt,  nicht  allein 
in  feinem  Bolf  ber  (Hmftenbeit,  fonbetn  audj  unter  ben 
Reiben  unb  benen,  io  ©oti  nidn  fennen.  Cambyses, 
Xerxes3  Nero,  Vitellius,  Heliogabalus  etc.  haben  ein  fduinb* 
ltdb  Beben  geführt,  ftnb  auch  fcbänbltcb  umfommen  unb 
wie  Xtpannen  $u  ©runbe  gangen.  Xenophon,  Scipio, 
Laelius,  Mareellus,  Pomponius,  Atticus  ftnb  feine  teilte 
gewefen,  bie  (Sbre  unb  lugenb  lieb  gehabt;  fte  ftnb  auch 
glücffelig  gemefen,  unb  ift  ihnen  ihre  lugenb  wob!  befahlt 
werben,  2llfo  auch  in  bet  Kirche:  %atob,  Sofepfc,  ßaieb, 
3\rmb,  Daniel,  £\ob,  £i$fia  haben*  genoffen,  bafj  fte  fid& 
»or  Saftet  gehütet  unb  bet  £ugenb  befliffen;  ba  Kuben» 
Sibtmelecb,  Slbab,  Jfabel,  Joram  ihrer  v'afrer  halben  hart 
ftnb  geftraft  werben.  SBenn  aber  Q>otx  nicht  allem  auf 
btä  auperli*e  Seben  bet  iWenfcben  uehet,  fonbetn  in  fein 
hoch  unb  göttlich  Bericht  gehet,  unb  allba  forfchet,  wer 
mehr  nur  allhie  öot  bet  SBelt  fromm  unb  Richtig,  fonbetn 
*>ot  feinem  5tugeftcht  geregt  fei,  ba  ftnbet  fich  nicht  fold>e 
UngletcMmi.  Denn  &ott  erfennt  unb  urtheilt  nach  feiner 
ewigen  äöeisbeit  unb  na*  bei  SRegel  beä  ©efe§ee,  ba$ 
alle  SKenf^en  ungleich  Sünbet  ftnb,  fernen  3*>tn  oetbient 
haben,  bet  ©eredntgfeir  mangeln  unb  ber  $etbammm§ 
unterworfen  ftnb ;  Scipio  fowobf  alö  Nero,  Fabricius  fowobl 
old  Harpalus,  Socrates  fowobl  als  Caligula  ober  bergleicben 
deinen  einer.  5Denn  ©ott  fotbett  nicht  allein  Don  bem 
itftenfcben  aufjetlidje  ^uin  unb  (Sbrbarfeit,  fonbetn  eine 
folebe  twllfommene  ©eredmgfeit,  bie  burdniue  bem  Urrbetl 
bee  @efet$ee  gleichförmig  fet;  nämlich,  ba$  ber  SRenfö  an 
Setb  unb  Seele  rem,  unbeflecft,  ohne  alle  Stäuben  unb 
JKafel  fei,  tote  er  evfcbaffen  ift;  ba%  alle  Gräfte  mit  ©otteä 


67 

©efefc  »nmmen,  ber  33erftanb  ofme  Jinftermf  unb  3rrt$um 
fei,  Dagegen  in  \f)m  wa(;re  GrfenntniB  ©ottcö  unb  feines 
SBiüenS  leuchte,  ber  2öi((e  nid)t  jum  Söfen  geneigt  fei, 
fonbern  bem  Sollten  ©otteö  ftetö  unterworfen,  an  ©Ott 
bange  unb  feiner  2öeief)eit  ä^nlicf)  fei,  bae  «öeij  unb  bie 
gan^e  Seele  t)on  allen  böfen  Effecten,  unreinen  Sßegierben, 
un$iemlicben  fiüften  frei  fei,  nimmer  üd)  wiber  ©ott  rege, 
#et£  aber  ooller  Siebe  unb  #urcf}t  ©ottee  leuchte;  baruacf) 
ba§  ber  innerliche  unb  äußerliche  ©eborfam  tm  gangen 
Zehen  bee  SJienfc&en,  mit  ©ebanfen,  ©orten  unb  Söerfen, 
nai)  ©otteö  ©eboten  gerietet  }üf  unb  im  geringften  üon 
©otte3  ©efe|  nid)t  gemieden  werbe.  £a§  ©ott  fold)e  fco&e 
©ereebttgfeit  oon  ben  ÜJlenfcfcen  forbere,  geigt  bie  Schrift 
öffentlich  5  9Jiof.  6:  25  u  follft  lieben  ©ott,  bemen  «perrn, 
t)on  ganzem  -öergen,  t>on  gangem  ©emütbe,  oon  allen 
Ä'räfien,  unb  ben  DMd)fren  atö  bid)  felbft.  3tem,  Köm,  7: 
35ae  ©efefc  ift  geiftfid)-  Stern,  2  99?of.  20:  3Dn  follft  bi$ 
md)t  (äffen  gelüjien.  3)ieweil  nun  biefe  ©ereebtigfeit  unb 
9teimgfeit,  fo  bae  ®efe§  forbert,  ©ott  an  feinem  Sftenfcben 
finbet,  wie  wir  benn  aüefammt  beferfnen  muffen,  ba$  unfere 
üKatur  verunreinigt,  ber  Serftanb  mit  3^um  üerftnjtert, 
ber  2ötlle  üon  ©ott  abgewenbet,  baS  &er§  gum  33öfen  ge* 
neigt,  aud)  alle  2Kenfd)en  ooller  böfer  Suft  unb  Segierbe 
jieefen;  Scipio  befennt  feine  böfe  Suft,  ob  er  jxcf)  gleid) 
enthält,  in  gabrtcio  jiedt  bk  2öur§el  bt§  @eige§,  wiewohl 
er  mcbi  Unrecht  tfjut,  2lttku§  fennet  ©ott  nid)i,  l)at  *>iel 
irriger  ©ebanfen  Don  ©ott,  unb  in  Summa:  ba§  ©ift  ber 
©ünben  fteeft  in  allen  9Jtenf$en;  fo  gürnet  ©ott  billig 
über  alle,  ba#  jte  ber  ©ered)tigfeit  mangeln,  bie  jte  Ijaben 
foüen,  läßt  niemanb  t)or  feinen  Slugen  befreien,  nimmt 
memanb  an  gum  ewigen  Seben  nad)  bem  ©efe|,  fonbern 


68 

f priest  baö  Urttyeil  ber  2?erbammni§  über  alle  ol;ne  Unter* 
fdjjteb,  laut  ber  öielfältigen  S^ugniffe :  5  2Jtof.  27:  öcr« 
flucfyt  fei  jebermann,  ber  nidjt  I;ält  afleS,  mae  im  ©efe£ 
gefd;rieben  fielet,  ba$  er  barnad;  tl;ue.  3tem,  Wßm.  11: 
©ott  f;at  alleö  unter  ben  Unglauben  befdjlofien,  auf  t>a$ 
er  fid)  aller  erbarme.  %izm,  ©al.  3:  £>ie  8d)rift  bat 
alleö  unter  bie  ©ünbe  befdjloffen,  auf  ba§  hk  $erf)ei§ung 
fomme,  bureb  ben  ©tauben  an  Jefum  ßbriftum,  gegeben 
benen,  bie  ha  glauben,  ©anj  wichtige  äöorte  rebet  $au* 
lu8:  2ll(e£  ift  unter  bie  ©ünbe  befdjloffen,  ba#  ift,  nid^t 
allein  alle  SDienfdjen,  fonbern  alleö  mag  ber  üftenfdj  mit 
feinem  SSerflanb,  freien  SBiflen,  ftleij*  unb  Sorfafc  jumege 
bringt,  \m$  er  aufäßet  unb  vornimmt,  ift  aüeö  gefangen 
unb  befcbloffen  unter  ber  <5ünbe,  mie  in  einem  Äerfer, 
unb  mag  Dar  ©otteö  2lngeftd)t  ntdjt  befielen.  2Bie  aud) 
3Jlofe8  1.  2Kof.  8  fprid;t:  «lieg  fcicfctcn  unb  Zxad)tm 
bcö  9Dienfd;en  #erjen  tmn  Suflenb  auf  ift  böfe  immerbar. 
Stein,  3«f.  40:  3llle3  gleifdE)  ift  #eu  unb  alle  feine  $err« 
licfjfeit  mie  eine  Slume  auf  bem  gelbe.  Stent,  6.  53: 
2Bir  gingen  alle  in  ber  %m,  mie  bie  ©djafe,  ein  jeglicher 
faf)c  auf  feinen  2öeg.  Stern,  Sfiöin.  3:  9luf  ba§  aller 
2Jhmb  Derflopft  merbe,  unb  alle  S?eit  ©ott  fdjulbig  fei; 
barum  ba§  fein  ftleifd)  burd)  bie  2Serfe  beö  ©efe£e£  ttor 
il;m  geregt  fein  mag.  Senn  e3  ift  fein  llnterfdneb ,  fte 
jutb  alljumat  ©ünber,  unb  mangeln  beö  ÄubmS,  ben  fte 
an  ©ott  l)aben  follen  k.  Stein,  $f.  143:  £err,  gel;e 
nid)t  inö  ©ericfit  mit  beinern  Äned)t;  beun  üor  bir  mirb 
fein  ßebenbiger  gereebt.  Stein,  3^-  3:  2Baö  turnt  Jleifd) 
geboren  mirb,  ba§  ift  ftfeifd).  Stern:  2öer  an  ben  ©obn 
nid)t  glaubet,  ber  terirb  ba$  Zehen  nid)t  feben,  fonbern  ber 
3om  ©otteö  bleibt  über  ibm.    2llfo   gemaltig  jeuget  bie 


69 

Schrift  an  fielen  Orten,  ba§  n>ir  alle  ©ünber  jinb,  ber 
©eredjtigfeit  ©otteö  mangeln,  t)on  SRatur  Äinber  beö  3orn3, 
unb  bie  eroige  2)erbammni§  oerbient  fcaben.  Darum  benn 
aud)  bie  großen  ^eiligen  fidE)  immerbar  oor  ©ott  gebemü* 
t^iget,  unb  neben  aller  ffielt  tf)re  Unreinigfeit  befannt. 
Jacob  fprid^t  1  2Rof.  32:  Jd)  bin  ju  geringe,  #err,  ba£ 
ift,  unftmrbig  aller  beiner  $armf)ersigfeit.  2ftofe§  2  üftof.  34 : 
Der  Unfdnilbige  ifi  bei  bir  nid)t  unf^ulbig.  JefaiaS  (L  64: 
Unfere  Sünben  l;aben  un§  tt)ie  ein  28inb  baf)in  geführt 
3obanne3  ber  Säufer  Jof).  1 :  3$  bin  nid)t  toertf),  ba§  id) 
ibm  bie  ©dmfmemen  auflöfe.  95on  feiner  $ütle  t)aben  tt)ir 
alle  empfangen.  2ßie  oiel  mein*  muffen  benn  ttür,  bie  ttrir 
ben  bocf)begabten  $ropf)eten  bei  weitem  nid)t  g(ei$  ftnb,  un$ 
uor  ©ott  bemütf)igen,  unb  unter  bie  ©ünber,  benen  e§  an 
©eredjtigfeit  be§  ©efe^eö  mangelt,  rechnen,  auf  ba§  unö 
aud)  Sarm^erjigfeit  ftiberfa^re.  Denn  barum,  fprid)t  $au= 
lug  9Wm.  11,  l)at  ©ott  alle§  unter  bie  ©ünbe  befd)loffen, 
auf  ba§  er  ftd)  aller  erbarme;  au3  toeldjem  offenbar,  ba§ 
ber  ber  Sarmljerjigfeit  nidfjt  fä^ig  ift,  ber  feine  Sünbe 
unb  Unreinigfeit  nid)t  befennet.  Diefer  Jammer  ber  ©ünbe 
aber,  in  melier  alle  2öe(t  erfoffen  ift,  ift  fo  gro§,  ba§  iljm 
fein  2Kenftf)  felbft  barau3  mag  fjelfen;  benn  ©otte§  3^n 
ift  ju  gro§,  ben  feine  Sreatur  ertragen  fann,  fo  iji  bie 
menfd)lid)e  9tatur  atlerbinge  gef$tt)ätf)t,  ba§  fie  }\d)  felbfl 
nid)t  fann  lieber  aufrichten.  2lud)  ftnb  txur  nitf)t  allein 
unter  bie  Sünbe  oerfauft,  Dom  Teufel  gefangen,  fonbern 
aud)  in  Sünben  ertöbtet,  ba$  nur  un3  feineSmegS  üon 
©ünben  roirfen,  un£  gerecht  machen  unb  ein  neueg  Siebt 
unb  Seben  in  un£  anjünben  fönnen,  roie  allenthalben  bie 
©d^rift  jeuget,  Jof),  3:  9tiemanb  fähret  gen  £immel, 
benn    ber  r>om  Fimmel  gefiiegen  ift,     2Baö  t>om  $leifd) 


70 

geboren  wirb,  ba$  ift  $leifd?,  3°^  14:  9ttemanb  fommt 
jum  93aier,  benn  burdj  mid),  1  (£oi\  2:  Der  natürliche 
SRenfcf)  öerfletjet  nicf)t,  toa§  ©otte§  ift  ©o  wenig  als 
ein  tobter  Sftenfd;  fidE>  felbfl  jum  ßeben  lieber  aufertoeefen 
fann,  atfo  tt>enig  fann  ftd£)  ein  armer  ©ünber  gerecht  unb 
feiig  machen.  ÜJlit  $lei§  ift  benn  aud)  ju  merfen,  wenn 
ba3  @efe|  alfo  alle  ÜWenfdjen  öerbammt  unb  ber  ©ünbe 
befdjulbigt,  ba§  tS  nidE)t  nur  t>on  Reiben,  dürfen  unb 
benen,  bie  brausen  ftnb,  allein  rebet,  fonbem  audt)  uon 
allen  im  3Sotf  ©oitee,  unb  obne  Unterfcbieb,  t)on  ganzem 
menfol)lidE?en  ©efcbledE)t  Denn  $aulu§  fagt  9töm.  3  au§* 
brücflid?:  2ßa3  ba§  ©efefj  fagt,  ba§  fagt  e8  benen,  bie 
unter  bem  @efe§  ftnb,  ba$  ift,  benen,  bie  ftdj  be§  ©efegeS 
©d)üler  rühmen.  Stern:  Denn  e£  ift  ^te  !ein  ttnterfdjneb* 
lieber  ba3,  fo  üerflagt  unb  {traft  baS  ©efe|  bm  3ftenfdE)en, 
ntdbt  allein  eine  3eitlang,  US  er  ftd)  beffere  unb  anfafje, 
fromm  ju  werben,  fonbem  für  unb  für,  fo  lange  ber 
SKenfö  lebet,  fallt  bae  ©efefc  ba§  Urteil,  ber  2Jienf* 
l)abe  nid)t  bie  ©eredptigfett,  bie  e§  forbert  Denn  auet)  in 
ben  93efebrten,  bie  burd)  ßbriftum  mit  ©ott  aerföfmet  ftnb, 
ben  ©eift  ©otte§  empfangen  fjaben,  unb  burdE)  um  neu 
geboren  ftnb,  bleibt  nod)  ©$ft)adjf)eit  unb  Simbt,  fo  lange 
jtc  leben;  tt>el$e  Scbtoacbbeit  bem  ©efe|  jumiber  ift,  unb 
ben  9Kenfd)en  nidjt  läjjt  t>or  ©ott  geregt  fein  burd*  feinen 
©el)orfam;  e§  regt  ftdE)  in  ben  ^eiligen  3tt>eifet  an  ®°*t 
böfe  ßuft,  falf^eä  ©ertrauen,  #offart,  Abgötterei,  3ont, 
Ungebulb,  irrige  ©ebanfen,  25erfaumniB  unb  mancherlei 
@ebred)en.  DiefeS  ftraft  ba§  ®efe£  aud)  an  ben  allerlei* 
ligften  ßeuten,  unb  erfennt  fte  ntdE)t  geredet  t>or  ©ott 
Söobl  iji8  mafjr,  ba§  bie  23efef)rten  unb  ©laubigen  nimmer 
gebrücft,  niebt  t)erfludf)t  noeb  t)erbammt  werben;   baö  aber 


71 

erlangen  fte  burd?  ben  ©lauben  an  (Xbriftum,  ber  für  fte 
ein  $fodj  be3  ©efeßeö  toorben  unb  il)tn  genug  getrau  t)at, 
toie  bernadf)  mit  ©otteS  #ülfe  fotl  angezeigt  werben,  ©o 
t)iel  aber  beS  ©efe^eS  Urzeit  betrifft,  bleibt  baö  fleif  unb 
fefl:,  unb  toeil  e3  nodj  ©ünbe,  Unreinigfeit  in  ben  «peiligen 
finbet,  fprid^t  t$  füfcnlid),  eS  fei  feiner  gerecht  Dor  ©ott 
nadE)  bem  ©efe$.  £>aber  3)at)ib  nicbt  allein  fcon  it)tn  felbfi 
*ßf.  143  fagt:  ©el)e  nicbt  in§  ©erid)t  mit  beinern  Änecbte, 
t)or  bir  roirb  fein  ßebenbiger  geredet,  fonbern  aud)  anfiatt 
aller  ^eiligen  $f.  32  befennt:  $)afür,  nämlidt)  um  $er* 
gebung  ber  ©ünben,  werben  btdE)  alle  ^eiligen  bitten,  freu 
lief)  fo  lange  fte  leben  unb  ba$  fünblicfje  tfletfcf)  tragen.  2Bte 
aud)  ber  befefn'te  $aulu§  $öm.  7  flagt,  er  finbe  ein  anber 
©efeij  in  feinen  ©liebem,  baö  ba  miberffrebe  bem  @efe$ 
feinet  @emütf)3,  unb  t&n  gefangen  neunte.  2tu§  melcbem 
benn  tiaxliü)  erfdjeint,  ba§  ber  SDfenfdj  nidEjt  allein  öor  ber 
Sefebrung,  fonbern  aud?  tjernacb,  menn  er  gleid)  bie  Srft* 
linge  bee  ©ei)leö  empfangen  l;at  unb  anfällt  nad)  bem 
©efe£  jn  leben,  bennod)  nidjt  gerecht  ift,  nadE)  be§  ©efe^eS 
Urteil,  ftntemaf  er  nod)  ©ünbe  bat,  unb  bewegen  einer 
anbern  ©eredjtigfeit  bebarf, 

SMefeS  ift  ber  erfte  ©runb  ber  ße^re  t)on  ber  Recht- 
fertigung, ba§  ftcb  alte  28elt  ©ott  fdmlbig  gebe;  barnacb 
werben  nur  Ijören,  mie  uns  ©ott  gerecht  macfje,  3m 
$abjttl;um  aber  nnrb  biefer  $unct  ganj  tterbunfett  unb 
üerfälfdjt,  barum  ift  aud)  nid)t  SIßunber,  ba§  fte  nidjt 
t)erflet)en  fönnen,  toie  ber  SSJlenfd)  geredet  toerbe;  benn  ba 
bieten  fte  miber  ©otteS  2Bort,  e£  fei  nidE)t  alles  unter  ber 
Sünbe  befdjloffen,  fonbern  eä  fei  nod)  ettoa£  @ute3  in 
menf^Uc^er  Sftatur,  baä  ©ott  gefällig  fei,  alfo  ba§  and) 
ettidje  Reiben  baben  fönnen  feiig   werben;    fo   bo$   §tt* 


72 

gegen  bie  ©d)rift  augbrücflid)  fagt:  9llle3  3>ic^ten  unb 
£rad)ten  be3  2Renfd)en  fei  böfe  immerbar,  2ltfo  bieten 
fte  aud),  bie  Saufe  neljme  bie  Srbfünbe  fo  gar  (nntt>eg, 
ba%  fie  ni$t  allein  ben  ©etauften  nimmer  jugere^net 
toerbe,  fonbern  au$,  ba§  jte  nimmer  ©ünbe  fei,  bie  ba§ 
©efe|  fönne  jfrafen;  baftiber  aber  ba§  @efe£  jeugt  SRöm.  7: 
Du  foüfl  bi$  nid)t  laffen  gelüften. 

gerner  geben  fie  fcor,  ©ott  fönne  nid)t  me^r  fcon 
bem  2Renfd)en  forbern,  benn  er  in  biefer  fd)tt)ad)en  9tatur 
fönne  galten;  meI4)eö  bem  juiDiber  ift,  toaS  ©ott  fprid)t 
5  9Jtof.  6:  Du  folljt  mi$  lieben  t)on  ganzem  $erjen, 
Unb  bod)  $aulu§  jeuget  SHöm.  8:  3)aS  $leifcb  t>ermag'§ 
nic^t,  bem  ©efe|  unterbau  ju  fein.  Unb  ß^rijluS  ^um 
Sftcobemo  fagt  3ol).  3 :  6ö  fei  benn,  ba§  jemanb  lieber* 
geboren  tt>erbe,  fann  er  in  ba§  $eid)  ©otteö  nt$t  fommen, 
3tem,  fte  bieten,  bafi  bie  böfen  ©ebanfen  unb  ßüjte  be§ 
gleifdjeS  nid^t  ©ünben  feien,  fo  miber  ba3  @efe£  jfretten, 
fonberlid)  toenn  bie  Bewilligung  nidjt  baju  fommt;  fo 
bod)  (Sf)rifiug  fpric^t  9Kattb.  5 :  2ßer  nur  ein  2Öeib  ftefjet, 
i&rer  ju  begehren,  ber  fyat  mit  i^r  bie  (S&e  gebrochen, 
Ueber  ba3  bieten  jte,  bie  geringen  unb  leisten  6ünben, 
als  3orn,  leichtfertige  Sügen,  fcerbienen  nur  jeitlidje  Strafe 
unb  md)i  eit)ige  2Serbammni§,  glet$  aU  ftünbe  nirgenb§ 
getrieben:  2Setflu$t  fei  jebermann,  ber  nid)t  aüt§  l)ält, 
tt>a§  im  ©efe|  getrieben  ftef)t.  5  2ftof  27.  Slbermal 
geben  fie  t)or,  ber  Sftenfd)  fönne  in  biefem  ßeben  bag 
ganje  ©efe|  ttollfömmlid)  leiften,  unb  alfo  bur$  feinen 
©efjorfam  gered)t  merben,  aud)  me!)r  tfmn,  benn  ba§  ©efe| 
forbert;  bamit  fte  bie  ©$rift  wollen  Öügen  ftrafen,  barin 
alfo  fielet  ßuc.  17:  Sßenn  tbr  alles  getrau  fjabt,  nm§ 
eud)  befohlen  ift,  fo  fpred)et:    2öir  finb  unnü|e  tnec^te. 


2!Beü  benn  bie  t>erfüf>rten,  blinben  $apijlen  ©otteö  Urzeit 
im  ©efe§  oerfefnen,  ftd)  nic^t  für  ©ünber  erlernten,  fem* 
bern  iF>re  Ünreinigfeit  t>ertf)eibigen  unb  i^ren  Unflat  an- 
beten, tt)ie  bie  obgefe£ten  groben  3ntt)ümer  im  Lindano>. 
Adradio,  Tappero,  in  bem  lajJe'rlid)en  römifdjen  Rateä)\8* 
muö  erfunben  werben;  fo  tyat  }\6)  niemanb  barüber  ju 
Derwunbern,  i>a%  fte  bie  ßefjre  oon  ber  Rechtfertigung  gar 
niebt  t>erjW;en.  2)enn  fo  wenig  alö  Reiben  unb  dürfen 
von  ©otteg  @erid)t  verjtefjen,  alfo  wenig  verfielen  aud) 
unfere  blinben  ^apijien,  beren  35erbammni§  befto  größer 
ift,  weil  ite  bie  belle  Schrift  mutljwitltglicf)  in  f)eibnifd)e 
$infterni§  gern  wollten  oerfebren.  dagegen  laßt  unS  un* 
fere  ©ünben  unb  fjc^ler  nur  gern  unb  bemütf)ig  vor  ©ott 
erfennen,  auf  ba§  wir  bie  reiche  ©nabe  ©otteö  in  unferer 
0kd)tfertigung  befto  flarer  verfiefw  unb  begieriger  annehmen. 

II. 

©af?  (Bott  aus  (Bnaöen  ofyne  Dcrbicnfl  bie  Sitnfce  ver- 
gebe  unb  uns  geregt  mad)e. 

2Benn  e£  ©ott  bü  bem  Urtfjeil  be§  ©efe^eö,  mltytä, 
wie  gefagt,  alle  2Kenfd)en  ofme  Unterfdneb  befd^ulbigt, 
©otteS  3om  verfünbigt  unb  un£  verbammt,  f)ätte  bkihm 
laffen,  unb  gernereg  nid?t  offenbaret,  fo  f;ätte  aud)  ba§ 
menfd)lid)e  @efd)(ed)t  im  £obe  unb  ewiger  Verwerfung 
bleiben  muffen;  wie  benn  9lbam  nad)  fernem  gall  feine 
anbere  Rechnung  f>at  madjen  fönnen,  benn,  weif  ©ott 
gereebt  unb  ber  Sünbe  feinb  wäre,  aud)  auf  ben  Unge-- 
fwrfam  ben  ewigen  Job  gebrofjet,  unb  aber  er  ftd?  an 
©oiteg  ©ebot  vergriffen,  fo  mu§te  er  fammt  allen  feinen 
9tad)fommen  ewiglich  verloren  fein,  inmafjen  wie  aud) 
aller  2Renf$en  ©ebanfen  freien,  in  welken   bie  ©ünbe 


74 

redjt  aufmacht  unb  bod)  ber  Jroji  be§  Stmngelü  unbefannt 
ifh  Stber  ba  I?at  ©ott  ben  unerfc&öpfltc&en  Slbgrunb  feiner 
S3armf)erjigfeit  unb  bm  überfcfytoänglidjen  9kid)tt)um  feiner 
©naben  bem  verlornen  9J£enfd)en  beriefen,  unb  üom  £rim* 
mel  feinen  allergnäbigjlen  Söillen  erflärt,  bafj,  ob  er  toobt 
mit  allem  5Red)t  befugt  toäre,  iaS  gange  menfd)ltcbe  @e~- 
f$led)t  t)on  megen  ber  Sünben  eftriglid?  gu  t>crfto§en  unb 
ju  üerbammen,  unb  fold)  Urteil  im  ®efet$  fdEjon  ergangen 
fei,  fo  tootle  er  bennod)  na$  folgern  ftrengeu  9iedj)t  nicf)t 
fahren,  fonbern  au§  unauSfpredjli^er  ©üte  bem  9Renfd)en 
atfo  gnäbig  fein,  ba§  er  if)tn  wolle  bie  Sünbe  treiben 
unb  Dergeben,  alle  Strafe  naebtaffen  unb  fdbenfen,  ifm 
olme  3Serbienft  geregt  fdjäijen,  jum  ©rben  ber  eitrigen 
Seligfeit  fe§en,  aud)  mit  bem  heiligen  ©eifi  begaben  unb 
alfo  lieber  jureebt  bringen.  3>ie3  ijt  nun  ber  einige  23runn 
unb  Duell,  au3  tt>eld)em  unferc  ©eredjttgf  eit  fleugt,  ftnte* 
mal  bie  ßifiemen  menf$Iid)er  Gräfte  gang  öerfteget  finb; 
bieö  ift  bie  f)elle  Sonne  ber  ©naben,  bie  un§  in  ber  ftn* 
ftem  9tad)t  ber  Sünbe  unb  be§  Jobeö  aufgebet.  2)er* 
wegen  mu§  ber  9ftenfd)  nid)t  allein  auf  ba3  fcbrecflidje 
Urtbeil  be3  ©efe£e3  feben,  fonbern,  wenn  er  im  Spiegel 
be3  ©efe^eS  ftd)  genug  erfeben,  feiner  llnreinigfeit  unb 
Sünben  gemal;r  ift  korben,  unb  berljatben  ftcb  t>or  ©ottes 
grimmigem  3°™  fürchtet,  fo  menbe  er  ftd)  alöbalb  jum 
Jbton  ber  ©naben  unb  fdjaue  bieber,  n>ie  fo  ganj  gnäbig, 
Däterlt$  unb  barmljergig  ber  £err  ftd)  erboten  l)at,  bit 
Sünbe  ju  vergeben  unb  un§  ofwe  Serbien^  unb  eigne 
^eiligfeit  gerecht  unb  feiig  ju  machen.  2ßeld)e  gro&e 
©nabe  ©ott  alSbalb  im  $arabiefe  serfünbigt:  2) er  Same 
beS  2Beibe§  tmrb  ber  Solange  ben  Äopf  gertreten.  1  SJiof.  3; 
unb  aber  fjernad)  ju  allen  3^ten  reicblid^  erflärt  l)at,  aU 


75 

ba  er  $u  ÜWofe  fpncbt :  2Be§  idj  mtdb  erbarme,  be§  erbarme 
fcb  mi<$;  unb  wem  id)  gnäbig  bin,  bem  bin  id?  gnäbig. 
2  9ttof.  33.  Stern:  £err,  £err  ©ott,  barmbersig,  gnäbig, 
gütig,  gebulbig,  üon  großer  ©üte  unb  Jreue,  ber  icb  t>er* 
gebe  bie  üRiffetbat,  Uebertretung  unb  ©ünbe.  2.  2Rof.  34. 
3tem,  tt)ie  $aulu§  jeugt  öpl).  2 :  2lber  ©ott,  ber  i>a  reieb 
ift  oon  Söarmberjigfeit,  nadj)  (einer  großen  Siebe,  bannt  er 
unä  geliebet  hatf  bat  er  un§  fammt  Gfjrifto  tebenbtg  ge* 
madtt,  ba  wir  noeb  tobt  waren  in  6ünben.  3)ie3  ift  nun 
bie  beilfame  unb  fröbliebe  33otfd)aft,  bie  un§  armen, 
öerlornen  ©ünbern  fcermelbet,  mt  wir  üor  ©ott  gerecht 
werben,  namltd)  ba§  ©ott  auS  ©naben  fein  SRecbt  fallen 
la§t  unb  un3  aufnimmt,  ©ar  letcfyt  ift  bie  ju  feben,  ba§ 
biefe  zweierlei  Urteile  gar  weit  öon  einanber  ftnb;  benn 
beö  ©efefeeö  Urtbeit  giebt  nid)t§  nad?,  fonbem  forbert 
entweber  oollfommene  ©ereebtigfeit  unb  Steinigfeit  t>on  uns, 
ober  brücfet  unö  mit  bem  glud),  wie  t)k  SÖSorte  lauten: 
2öer  fotdheS  tbut  wirb  baburd)  leben.  SRöm.  10.  55erfludf)t 
aber  fei  jebermann,  ber  e§  nid)t  bält.  5  üftof.  27.  2öeil 
wir  nun  benennen  muffen,  wir  l)aben§  nidjt  gehalten,  f)al= 
tenö  nod)  mfyt,  fönnenö  aud?  niebt  üollfömmlidE)  galten, 
fo  bringet  foldb  Urteil  feinen  Iroft,  fonbern  nur  Scbrecfen 
unb  lob.  ^ergegen  aber  l)at  ©ott  eine  anbere  Serftcißung 
offenbaret,  ia%  er  aus  ©naben  feinet  $ecbte§  an  un£  ftcb 
begeben,  bie  Sünbe  jubeden  unb  »ergeben,  o^ne  55erbienft 
une  aufnehmen  unb  gerecht  machen  wolle.  $or  welker 
gnäbiger  3ufagung  aud)  ein  unreines,  fünbigeS  £erj  jid) 
niefit  twt  ju  entfe$en,  fonbern  trielmeljr  lebenbigen  Sroft, 
greube  unb  Hoffnung  barau3  ju  fdEwpfen.  3>ieö  ift  nun 
ber  lluterfcfeieb  bes  ©efe^eö  unb  Goangelii,  welcher  ein 
bellet  2tdjt  ift  über  bie  gan^e  beilige  ©djrift,  unb  ju  biefer 


76 

Sefyre  oon  ber  $ed)tfertigung  be§  armen  ©ünber3  Dorj 
©ott  jum  ^ödE>ften  twnnötben,  alfo  ba§  o^ne  regten  $er* 
fianb  biefeö  Itnterf^iebeg  unmöglich  ifi  ju  öerjte^en,  wie  I 
ber  äRenfd)  geregt  werbe  bur$  ben  ©lauben.  Unfete  j 
2öiberfad)er  im  $abfttl)um  tterfef)ren  ba§  ganje  ßoangelium 
xmb  alle  93erf)eif;ung  ber  ©naben  nur  in  eitel  ©efe^pre* 
bigten;  als  wenn  fie  bte  allertröflli^jle  $erf)ei§ung  l)ören 
£efef.  33:  ©o  waf)r  aW  \ü)  lebe,  will  id)  nid)t  ben  £ob 
be§  ©ünberg,  fonbern  ba§  er  ftd)  befefjre  unb  lebe;  t>er* 
fielen  fte  foldje  f)eilfame  ©orte  md)t  baf)in,  bafi  ©ott 
au£  ©naben  bte  ©ünbe  vergeben  wolle,  fonbern  bieten, 
ber  SKenfcf)  muffe  ftd)  alfo  belehren,  bafy  er  für  feine 
©ünbe  genug  tljue,  nad)  bem  ©efe|  ftd)  f)alte  unb  alfo 
burd)  feine  $römmigfeit  lebe;  fo  bod)  ©ott  nid)t  tum  un* 
ferer  ©enugt&uung  ober  Söerfen,  fonbern  t>on  feiner  über* 
fd)Wänglid)en  ©nabe  jeuget,  unb  mit  bem  2Bort  befefjret 
wafjre  Oteue  unb  redjten  ©lauben  forbert.  9llfo  wenn 
(S,btiftu§  fpridjt  3ol).  8 :  9Baf)rtidE>,  waf)rltd),  id)  fage  eud), 
fo  jemanb  mein  2öort  wirb  galten,  ber  wirb  bm  Job 
nicbt  fefjen  ewiglich;  beuten  fie  e3  nad)  3lrt  be§  @efe§e§: 
wer  bie  jefm  ©ebote  oollfömmlid)  fjalte,  folle  im  Xob 
nid)t  feben;  fo  bod)  ßfmjl'ue  nid)t  Don  ben  jefm  ©eboten, 
fonbern  t>om  2öort  ber  ©naben,  ba§  ©ott  in  ßfjrijlo  bie 
©ünbe  vergeben  unb  ben  SDIenfdjen  feiig  machen  wolle, 
eigentlich  rebet,  unb  ben  ©laubigen  Ueberwinbung  be§ 
lobeg  oerbei§et,  Unb  auf  biefe  Jöeife  oerfebren  bie  $a* 
pifien  bie  8ef)re  be§  ganzen  Stmngelii,  bafj  aud)  2ftartinu3 
©ifengrein,  ber  prälatifdje  Slpoftata,  ftcf>  ni$t  fdmmet,  bie 
allerfjeilfamften  2öorte,  bie  je  auf  (Srben  gerebet  ftnb  wor* 
ben,  nämlid):  2llfo  bat  ©ott  bie  2öelt  geliebet,  ba§  er 
feinen  eingebornen  6of)n  gab,   auf  ba%  alle,  bie  an  if)n 


77 


jtauben,  nityt  Detleven  werben,  fonbem  ba$  etoige  ße&en 
haben,  %o\).  3;  nirf)t  anberä  ju  beuten,  benn  atö  waren 
jic  ein  ftreng  Urteil  be8  ©efetjeö;  benn  er  bureb  feine 
Serfälftfmng  hinein  furnieret:  ob  un8  wof;l  SfmftuS,  ber 
©o^n  ©otteö,  bie  ©ereebtigfeit  ba6e  erworben,  fo  muffen 
mir  boeb  biefelbe  an  unö  bringen,  nid)t  allein  burdj)  ben 
©lauben,  fonbem  aueb  bur$  SReue,  Seilte,  ©enugtfmung, 
Jaflen,  23eren,  Stteffe  f)ören,  9l(mofen  geben  unb  bergleidEjen 
SRtttel  unb  2Berfe.  2Beld)e$  je  nicbt3  anbereö  f)ei§t,  benn: 
2Ber  foldje£  tf)ut,  tote  ba3  ©efefc  rebet,  ber  fofl  baburdj 
leben,  Herwegen  ift  eö  unmög(icf),  baß  bu  blinben  $a' 
piften  bie  Sefjre  Don  ber  ^Rechtfertigung  üerftef)en  foflten. 
3)attuber  muß  nun  ein  gottfeligeS  £er$  unterrichtet  fein, 
baß  jnrifdjen  «Simmel  unb  ßrbe,  §voifd)ert  SBaffer  unb  $euer, 
fo  großer  Unterfdneb  nidjt  ifi,  atö  gwifc^cn  ©otteg  ©efefc 
unb  goangelium.  3)enn  erjtlidj  ift  baö  ©efe§  ber  ftatur 
eingepflanzt,  unb  bie  Vernunft  fann  e§  etlidrjermaßen  faffen; 
baö  Goangelium  aber  iji  ber  Vernunft  alierbinge  oerborgen, 
unb  ift  nur  oom  £immel  offenbaret  $ürö  anbere,  ba§ 
©efefc  oerfjeißet  Wo^)t  ba§  ßeben  unb  aüe  9Bof)lfabrt,  aber 
nidE)t  anberer  ©eftalt,  benn  fofern  ber  üftenfdr)  üollfomme* 
neu  ©eborfam  teilet,  fo  aber  ber  Oftenfcf)  im  ©efjorfam 
fehlet,  toerfünbigt'S  if;m  im  ewigen  %ob  unb  ade  ©träfe. 
5lber  bie  23erf)eißung  ber  ©naben  ift  nidjt  alfo  getrau,  fie 
fe|et  bie  3ufagung  be8  SebenS  nid^t  auf  unfern  ©efwrfam 
ober  SSerbienft,  fonbem  ganj  unüerbingltdj ,  lebigtieb  unb 
ofme  allen  2tnf)ang  ber  2ßerfe  ober  Serbien)!,  ja  Diel  mefjr, 
ba  offenbar,  ba%  wir  ben  Zob  unb  alle  ©träfe  oerbient 
l;aben,  oerfpriebt  fte  uns  Vergebung  ber  ©ünben,  ©ered)* 
tigfeit  unb  ewiges  Seben.  9118  jum  Sjempel:  Sinem  Änecf)t 
Wirb    fein   öobn   gegeben,   wofern  er   treulich   unb   fleißig 


78 

bienet,  wie  er  gebinget  ift;  einem  armen  aftenfdjen  aber 
Wirb  etwa$  au§  ©naben  gef^enft,  ob  er'3  gleid)  mit  feiner 
2lrbeit  niemals  verbienet.  Ober  nod)  betulicher:  ba3  ©efe| 
ift  ba$  ernfie  unb  f(^arfe  Urteil,  weld)e#  bem  überzeugten 
ÜJtiffetfjäter  ba3  ßeben  abfpridjt;  bie  $erf)ei§ung  aber  ber 
©nabe  ift  bie  fröf)lidf)e  33otfd[)aft,  welche  un3  üerfünbet, 
ba§,  ob  wir  wol)l  mit  unfern  ©ünben  unb  Ungeborfam 
ben  ewigen  Job  fwben  verbienet,  unb  i>a$  ©efe§  ba# 
Urteil  über  un§  fcbon  gefallet,  bennotf)  wolle  ©ott  au§ 
©naben  fol$  gefäüteö  Urteil  veränbem  unb  un$  t>a§ 
Öeben  fdbenfen,  ba§  wir  anftatt  verbienter  95erbammni§  bie 
ewige  Seligfeit  baben  foüen.  2ßie  nun  baö  fd>redflidE>e 
Urteil  be§  ftrengen  $i$ter§,  bamit  er  baS  Öeben  abfandet, 
m  bem  verurteilten  SRiffetfjäter  nichts  alö  ©cbrecfen  unb 
ben  lob  felbft  wtrfet,  bergegen  aber  bie  frö^Iidbe  33otfdE>aft, 
fo  bem  jum  lobe  35erbammten  baä  Seben  fd)enfet,  eitel 
$reube  unb  Seben  fdjaffet  unb  an^änbet,  alfo  jtnb  aud) 
bie  Sßirfungen  beS  @efe£eö  unb  (äoangelü  flradfö  wiber 
ftnnig;  benn  jenes  bringet  ben  lob,  weil  wir§  nid)t  galten 
fönnen,  biefe§  fd;affet  ba§  Seben,  weil  e3  aHeö  au3  ©na* 
ben  fdjenfet  2öer  nun  auf  biefen  Unterfdjieb  fielet,  ber 
mag  beutlid)  verfielen,  wie  ber  iUtenfd)  au3  ©naben  o^ne 
SBerbienji  geregt  wirb.  6§  mu§  je  alle  2öelt  befennen, 
bafi  e§  weit  anbereö  gerebet  fei,  wenn  ©ott  fpridjt  2  Wo\. 
33:  Se§  id)  mid)  erbarme,  be§  erbarme  id)  mid);  item, 
wem  iä)  gnäbig  bin,  bem  bin  id)  gnäbig,  ba§  iji,  t$  foll 
bodj  eitel  ©nabe  unb  Sarm^erjigfeit  fein,  ba§  id)  bie 
Wenden  feiig  ma$e,  3tem  2  9Jlof.  34:  £err,  £err 
©ott,  gnäbig,  barmfjerjig,  gütig,  oon  großer  ©nabe  unb 
Ireue,  ber  id)  vergebe  ^Übertretung,  ©ünbe  unb  ÜRiffet^at. 
Unb  aber  wenn  er  fagt:    2öer  fold)e§  t^ut,  wirb  baburd) 


79 

leben;  t>erflud^t  fei  jedermann,  ber  nicf)t  l;ält  alles,  U)a3  im 
®efefc  getrieben  fief)t.  3  3Wof.  18,  5  2Rof.  27.  Diefer 
Sprud)  I;at  eitel  $)rof)toorte  ber  35erbammni§ ;  jener  aber 
jctgt  eitel  Irotf  üom  emigen  ßeben.  2)errc>egen  mu§  man 
nun  baö  ©efe£  fahren  (äffen  im  #anbel  t>on  ber  9ttä)U 
fertigung,  biemeil  e§  nicbtö  fann,  benn  nur  üerbammen 
unb  t>erflu$en,  unb  allein  auf  bie  2Sert)ei§ung  ber  ©naben 
von  Vergebung  ber  ©ünben  unb  enriger  ©eligfeit  fefjen* 
21(3  3cf.  1:  2öenn  eure  ©ünben  blutrotf)  ttmren,  follen 
fte  fdjneetoeifj  werben,  toenn  fte  mären  tt)ie  Oioftnfarbe, 
follen  fte  merben  mt  toei§e  2BolIe.  Stein  3etm.  31  :  3$ 
xoiU  ifmen  i^re  ©ünbe  vergeben,  unb  iljrer  OJiiffetfjat  nim* 
merme^r  gebenden.  3tem  $f.  103:  ©näbig  unb  barm* 
l)er$tg  ifi  ber  £err,  gebulbig  unb  t)on  großer  ©üte,  (Sr 
Ijanbelt  nid^t  mit  un3  nadb  unfern  ©ünben,  unb  vergilt 
unö  nid)t  nacf)  unferer  ÜRiffetf;at.  2öie  )\ü)  ein  23ater  er* 
barmet  über  feine  Äinber,  alfo  erbarmet  ]\ty  ber  #err  über 
bie,  fo  um  fürchten. »  $f.  32:  2ßof)l  bem,  bem  bie  lieber* 
tretungen  vergeben  unb,  bem  bie  ©ünbe  bebecfet  ift,  bem 
ber  £err  bie  aWiflct^at  ntd)t  gurec&net.  $f.  30 :  3)e3  £errn 
3orn  tt)ät)ret  einen  Slugenblicf,  unb  er  f)at  Suft  jum  ßebem 
£of.  14:  Sefe^re  bt<$,  Sfrael,  sunt  £errn,  beinern  ©Ott, 
unb  fprid)  ^u  tfmt:  SSergieb  unö  unfere  ©ünbe,  unb  tljue 
un§  tto^l;  fo  tt)ill  id)  if)r  abtreten  ttueber  feilen,  gern 
null  iä)  fie  lieben;  bann  folf  fi$  mein  3orn  t)on  ilmen 
toenben*  3^nx  £efef.  32 :  ©o  maljr  al§  td)  lebe,  Witt  i$ 
nid)t  ben  Job  beö  ©ünber§,  fonbem  bafj  er  ftd)  betete 
unb  lebe.  3tem  Sa$,  13:  £>a§  #aug  ©atubS  ftirb  einen 
offenen  23orn  Ijaben  nnber  bie  ®ünbe  unb  Unreinigfeit 
Unb  im  neuen  Seftament  3o&.  3 :  Silfo  &at  ©ott  bie  SBelt 
geliebet,   bafj  er  feinen  eingebornen  Soljn  gab,   auf  bafy 


80 


! 


alle,  bie  an  ifm  glauben,  nicfyt  üorloren  werben,  fonbem 
baö  emige  %tbzn  ^aben.  3tem  ÜKattf).  9:  £>ie  ©tarfen 
bebürfen  beö  2lrjte3  nid)t,  fonbern  bie  Äranfen.  3tem: 
3$  bin  fommen,  bit  ©ünber  jur  33u§e  ju  rufen,  unb 
ntd)t  bie  frommen.  Jtem  Sftattf).  11:  Äommt  fjer  §u 
mir  aüe,  bie  if)r  muffelig  unb  balaben  feib,  idp  n>tU  eud) 
erqutcfen*  3tem  Suc.  15:  Qllfo  roirb  ftreube  fein  im  £im* 
mel  über  einen  ©ünber,  ber  35u§e  tf)ut,  üor  neun  unb 
neunzig  ©erecfyten,  bie  ber  93u§e  nicf)t  bebürfen. 

3n  biefen  unb  bergleicben  Zerreißungen  boret  man 
nicf)t,  ba§  ©ott  bie  ©ered)tigfeit  unb  ©eligfeit  auf  unfere 
2öerfe  ober  23erbienft  fefcct,  fonbern  ofme  allen  Sfn^ang 
unb  ©ebing  beut  un§  ©ott  an  Vergebung  ber  ©ünben, 
©ered)tigfeit  unb  ett)ige§  ßeben,  obne  ffierbienft  umfonji, 
<m§  ©naben.  £)enn  ba$  ber  ©laube  oon  un§  geforbert 
toirb,  gefd)ief)t  nid)t  ber  Meinung,  ba$  e§  ber  ©laube 
muffe  fcerbienen,  fonbern  bat?  nnS  ba$  bittet  gejeigt  tterbe, 
lx)oburcf)  ttnr  bie  $erf)ei§ung  annebmen,  unb  un#  jueignen 
muffen;  benn  tuet  ber  Zerreißung  nicf)t  glaubet,  bem  iji 
fte  nid)t0  nü^e.1  2)iefe  Zerreißung  ber  ©naben  muß  nun 
<iud)  alfo  fcerftanben  derben,  baß  fie  nid)i  allein  fein 
USerbienft  no$  Söerfe  fc)on  unS  forbert,  fonbern  aucf),  baß 
fie  fo  retdi)  unb  ganj  gemein  fei,  baß  alle  2Renf$en  auf 
<Srben  ftd)  i^rer  tröften  fotlen.  £>enn  tote  bie  ©trafprebigt 
£>e§  @efe|e§  über  alte  üftenfcben  geljet  unb  alle  Sffielt  be* 
fdmlbigt,  alfo  oerfünbigt  aucf)  bie  Zerreißung  allen,  fo  tS 
glauben,  Zergebung  ber  ©ünben,  ©ere^tigfeit  unb  ©eligfeit. 
2öie  ^au(u§  betbeö  faffet  9Wm.  11:  ©ott  $at  atleg  be* 
ftfjlojfen  unter  ben  Unglauben,  auf  ba%  er  ficb  aller  erbarme. 
Slucf)  reibet  tiefe  Zerbeißung  ber  ©naben  über  alle  ©ün* 
ben,  tote  groß,  ftne  tnel  unb  mannigfaltig  bie  in  aller 


81 

Seit  fein  mögen.  SDenn  $>(ttnb  fagt  $f.  103:  ©o  fwd) 
ber  Fimmel  über  ber  (Srbe  ift,  läßt  er  feine  ©nabe  malten 
über  t)k,  fo  um  fürchten,  ha$  ift,  fo  t>iet  Ijöljer,  metter 
unb  breiter  ber  Fimmel  ift,  benn  bie  Srbe,  alfo  oiel  größer, 
reicher  unb  gewaltiger  ifl  ©otteS  ©nabe,  als  unfere  @ünbe 
fein  mag.  Unb  $aulu3  $öm.  5 :  Ubi  abundavit  peccatum, 
ibi  sup erabunda vit  gratia.  2ßo  bie  ©ünbe  mächtig  worben 
tfi*  ba  ift  bie  ©nabe  3^fu  (grifft  nodt)  triel  mächtiger 
Sorben.  9llfo  mag  nun  ber  allergrößte  ©ünber  mü)  biefer 
©nabe  üor  ©ott  geregt  werben.  $>a§  fei  öom  anbern 
$unct,  baß  ©ott  au3  ©naben  ben  ©ünber  geregt  madje  *c* 

III. 

3Daf?  0efus  C&rifhts  5er  einige  HZiitler  fei,  ber  nns 
biefe  ©ere^tigteit  unb  alle  Seligfeit  erworben  fyat. 

2ßiewof)l  im  £erjen  be3  ©ünber£,  fo  ber  ©eligfeit 
begierig  ift,  ein  groß  fjetlfam  Öid^t  aufgegangen  ift,  wenn 
er  boret,  baß  ©ott  baS  Urtivit  be§  ©efe^eö  oon  unferer 
23erbammniß  retractiren  unb  änbern,  ©nabe  erzeigen,  bie 
©ünbe  vergeben,  feinet  3orn^  ttergeffen  unb  ba§  ewige 
ßeben  o^ne  2krbienft  fc^enfen  wolle,  unb  fol$e§  nic^t 
allein  jufagt,  fonbern  aud)  mit  feinem  göttlichen  (Sibe  be* 
ftätigt,  fo  ijlS  bod^)  barnit  nodE)  ni$t  genug,  fonbern  e3 
muß  ber  2ftenf$  audj)  23erid[)t  fiaben,  Wolter  fxä)  foldje 
große  ©nabe  ©otteS  oerurfadje,  wie  biefe  ©nabe  mit  bem 
,©efe|  ©otteö  ftimme,  wer  un§  bieg  große  #eil  bei  ©ott 
bem  Sater  erworben  unb  t>erbient  babe,  nämli$  baß  3efu§ 
ß^rifluS,  ©otteö  eingeborner  Sofm,  barum  öom  Fimmel 
gediegen,  2J?enfd£)  Worben,  üom  Sater  jum  Mittler  unb 
£eilanb  ber  Söett  oerorbnet,  ba^  er  aller  Sffielt  ©ünben 
auf  ftdE)  nebme,  mit  feinem  Sexben  ben  B^rn  ©otteS  ftitlete, 

6 


$2 

fcen  %inä)  beö  @efe$eg  aufhübe,   aud)  ben  ©e&orfam  be§ 
©efeljeö  an  unferer  Statt  erfüllete,   unb  alfo  ©ott  feine 
©nabe  in  (£fmfio  3efu  erjetgete ,  unb  mir  burd)  if;n  bie 
©erecbtigfeit  unb  ©eligfeit  erlangeten.    Diefer  Mittler  JJefuS 
G&rijluS  (ammt  feinem  93erbienft  ifi  baö  einige  gunbament 
unb  ©runbfefie,  barauf  ber  gan^e  Srojl  fcon  unferer  3^edE)t* 
fertigung  t>or  ©ott  fielet.    2)ermegen  mu§  ber  ©laubige 
biefen  Slrtifel  nimmer  au3  bem  ©efic^t  (äffen ;  nid)t  allein 
barum,  ba§  in  (Xf)rifio  atle§  £eil  t)erfprod)en  ift,  fonbern 
ba$    aud)   unmöglidE)  ift  ju   glauben  außer  Sljrifh),   ba§ 
©ott  bie  ©ünbe  au3  ©naben,  ofme  Entgelt,  vergeben  unb 
nachäffen  moüe.    SBenn  gleid)  m$t  allein  alle  $ropf)eien 
unb   9lpofieI   fotdfjeö   jeugeten,   fonbern   auä)   ©ott   felbft 
münblid),   ober  burd)  feine  ßngel  un£  (iefje  fcerfünbigen, 
er  molle  bie  ©ünbe  ungeftraft  laffen,  fo  fönnten  mirS  io6) 
nid)t  glauben  in  ber  Slngfl  beö  ©emiffen3,   wenn  nidjt 
(grifft  (Srfenntnifi    baju   fommt.     £>enn   erftlid)   tji  baö 
Urteil  beö  ©efe£e§,  meld)e§  jeuget,  ba§  ©ott  ber  ©ünbe 
feinb  fei  unb  ungeftraft  md)t  laffe,  unferm  «perlen  einge* 
pflanzt,  unb  flimmt  mit  unferer  Vernunft;  barum  mir  bem 
©efe|  etjer   unb  fefler  glauben,   al§  ber  23erl)ei§ung  ber 
©naben,  fo  ber  Vernunft  unbefannt    3ubem  miffen  mir, 
ba§,  fo  maf)r  al$  ein  ©ott  ifi,  fo  gemi§  ift  aud),  t>a$  er 
mafjrljaftig  ift,  feine  $ebe  nid)t  änbert,  ni$t§  miber  ftd) 
felbfi  rebet.    £)iemeil  er  benn  bem  Ungefjorfam  hm  lob 
gebroljet,  mer  fönnte  glauben,   ba$  ©ott  moüte  gnäbig 
fein,  menn  nid)t  jugleid)  öermelbet  mürbe,  mie  bem  Urteil 
©otteS  ein  ©enüge  gef$ef)en  märe. 

£)a§  tfjut  nun  ber  Mittler,  unfer  £err  3efu§  (£lmfht§; 
in  bem  ftefjet  man  beut(i(|),  mie  ©otteS  ®efe£  unb  25er* 
bei|ung  ber  ©naben  nid)t  miber  einanber  finb,   ba§  aud) 


83 

©Ott  Don  feinem  üorigen  2öort  md)t  meid)e,  ba$  er  aud) 
bie  allerf)öd)fte  Uvfacfje  b<*be,  ba§  er  un3  bte  Sünbe  au£ 
©naben  t>ersei^e  unb  ben  Fimmel  fd)enfe.  $)enn  bamit 
bem  Urtbeil  beö  @efe|e3  nichts  abgebe,  fo  l)at  ©ott  ber 
23ater  felbft  unfer  aller  Sünbe  auf  feinen  Soljn  3?fum 
G&rijlum  gelegt,  tf)n  unter  ba8  ©efetj  getf)an,  unb  für 
aller  JBelt  Sünbe  bejahten,  aud)  für  aller  9Jtenfd)en 
Seligfeit  baö  @efe£  mit  feinem  ©e^orfam  erfüllen  {äffen. 
2llfo  ift  nun  unfer  Seil  unb  ©eredjtigfeit  erworben  unb 
funben,  i>a$  3efu^  ß&rtfluS,  @otte§  eingeborner  Sofm 
unb  mafjrer  2JJenfrf>,  ber  nie  feine  ©ünbe  begangen,  aller 
2ßelt  Sünbe  getragen,  an  meinem  ©ott  allen  2öof)lge* 
fallen  gebabt;  über  ben  ift  ©otte§  3om  au^gegoffen  unb 
burd)  il)n  gejWlet  morben.  $>er  nid;t§  geraubet,  l;at  alleS 
bejaht;  ber  bem  @efe$  nid)t3  fdmlbig  mar,  ift  ein  $(u$ 
korben  für  un3,  auf  ba§  über  un§  ber  Segen  fäme; 
ber  bie  ©eredjtigfeit  üon  (Smtgfeit  gebabt,  l)at  bem  ©efe§ 
allen  ©ef)orfam  geleitet,  auf  ba§  bie  ©ere^tigfeit  üom 
©cfc|  geforbert,  in  un§  erfüllet  mürbe.  2  Sor.  5.  3*1 
be§  SKunb  aud)  nie  fein  33etrug  erfunben  morben,  3ef.  53, 
l)at  für  unS  ben  Job  erlitten,  auf  i>a$  er  un§  fein  Seben 
mitteilte.  Unb  miberfätjret  unS  alfo  alleö  £eü  in,  bur$ 
unt>  oon  megen  beö  £errn  %tf\\  ß^rijtt,  mie  un§  benn 
alle  «Propheten  ju  biefem  £errn  Sf)rifto  meifen.  Stfö  $f.  2 : 
3d)  f)abe  meinen  Äönig  etngefeijt  auf  meinem  ^eiligen 
23erge.  Mffet  ben  Sofjn.  Jöo^l  allen,  bie  auf  ilm  trauen. 
Stern  3ef.  45:  2Kir  follen  jtdj  alle  Äniee  biegen,  unb 
alle  Bungen  ferneren  unb  fagen:  3^  #errn  ^a^e  ^ 
©evedjtigfeit  unb  Stärfe.  3tem  3ef.  49:  3d)  fjabe  biti) 
jum  2id)t  ber  Reiben  gemad)t,  ba§  bu  mein  £eil  feieft  bi§ 
anS  ßnbe  ber  2öe(t.    Stern  3ef-  53:    ®r  ^  um  unferer 

6* 


84 

©ünben  willen  getfd)  lagen,  unb  um  unferer  üftiffetbat 
willen  üerwunbet;  bie  Strafe  liegt  auf  if)tn,  auf  ba§  wir 
^rieben  ptten,  unb  burdj  feine  SBunben  ftnb  wir  geleitet; 
unb  bur$  fein  Srfenntni§  wirb  er,  mein  Äne$t,  tnele 
gerecht  machen,  bmn  er  trägt  ü)re  6ünbe.  Stern  3*f-' 31: 
£>aS  wirb  fein  9lame  fein,  £err,  Jeljoüa,  unfere  ©ered)* 
iigfeit.  3tem  £of.  13 :  3$  toiH  fte  ertöfen  auS  ber  £ötte, 
unb  üom  £obe  erretten.  Job,  idj  will  bir  ein  ©ift  fein, 
£dfle,  i$  will  bir  eine  $efliten$  fein.  3*^*  ©<*$•  9: 
2)u  läffefi  au$  burdE)3  23lut  beines  93unbes  auS  bie  ©e* 
fangenen  au§  ber  ©rube,  ba  fein  Sffiaffer  innen  ift  Unb 
im  neuen  Seflament  faffet  $etru3  aller  $ropt)eten  JBBetffa* 
gung  jufammen,  unb  jeugt  fie  auf  ßlmfhim:  25on  bie* 
fem  jeugen  alle  $rop^jeten,  ba§  Vergebung  ber  6ünben 
empfaben  alle,  bie  an  feinen  tarnen  glauben.  Slpofi.  10. 
Sllfo  auä)  alle  2lpofiel  Weifen  nur  ju  6f)rifto.  3oftanne3 
3of).  1:  ©ief)e,  ba« '  ifl  ©otte§  2amm,  ba$  ber  2öelt 
©ünbe  trägt  $aulu$  1  £im.  1 ;  3^fu^  6^rtflu8  ifl  in 
bk  2öelt  fommen,  bie  ©ünber  feiig  ju  machen.  %Um 
9töm.  5 :  ©ott  greifet  feine  Siebe  gegen  un3,  ba§  SfmftuS 
für  un8  geftorben  ift,  ba  wir  nodf)  ©ünber  waren.  3*em 
9Wm.  3:  SHird)  bie  (Möfung,  fo  burcf)  3efum  6l)riftum 
gef^e^en  ift,  welken  ©ott  gefegt  l)at  ju  einem  ©nabenftu^U 
3tem  Spf),  2 :  $>urcb  ba§  Slut  3efu  (grifft  fetb  ibr  nun 
nal;e  worben,  beim  er  ift  unfer  triebe,  ber  au§  betben 
einö  gemalt  Ijat.  ^tem  1  3<>l)*  1  •  3^fug  S^rifiu-8  ift 
bie  Serföfjmung  für  unfere  Sünbe,  nicf)t  aütin  für  bie  un- 
fere, fonbern  für  bie  &ixnbt  ber  gangen  SBelt  Unb  Sf?ri* 
fiuS  felbft  bilbet  un§  feine  $erfon  alfo  öor,  ba$  wir  au§er 
ifmt  fein  £eil  nodj  Srofi  bei  ©ott  f)aben  ju  gewarten,  in 
unb  burd;  ilm  aber  Vergebung  ber  ©ünben,  ©eredjtigfeit, 


85 

Ceben  unb  alle  Seligfeit  aufg  aüergettnffefie  baben.  OKattfj. 
20:  3$  &in  fommen,  ta§  idj  mein  %thm  gebe  jur  33e* 
ga&tung  für  oiele.  3of).  8:  3$  bin  ba£  2id)t  ber  2Belt, 
roer  mir  nad)folget,  ber  toirb  ni$t  in  {^infterm^  ttmnbeln, 
3o£.  14:  3$  bin  ber  2öeg,  bie  SBa^eit  unb  baS  Seben; 
niemanb  fommt  jum  35ater,  benn  burd)  mid).  Unb  auf§ 
allertröfilidjfie  unb  fceüfamfie  3o^.  3 :  SUfo  f)at  ©ott  bie 
SSBelt  geliebet,  ba§  er  feinen  eingebomen  Sofm  gab,  auf 
ba§  alle,  bk  an  ifm  glauben,  nicftt  oerloren  werben,  fon* 
bern  ba§  ewige  Seben  fjaben.  2)enn  ©ott  l)at  feinen  Sol)n 
nicbt  gefanbt  in  bie  SÖBelt,  ba§  er  bie  2öelt  rid)te,  fonbem 
t>a$  bie  2öelt  feiig  toerbe,  3)iefe  Sprühe  alle  geigen  an, 
toie  mir  in  61)rifio  3efu  gerechtfertigt  werben;  benn  ttntl 
ung  ©otteS  ©efe§  tterflagen,  fo  ifi  (£f)rifiu§  ia,  ber  unä 
vertritt.  2Bül  un§  ©otte§  3orn  brüden  unb  ängfien,  fo  tfi 
Gfmftug  ha,  ber  ibn  gefiillei  2öill  unS  unfer  ©muffen 
ober  ber  Satan  befdmtbigen,  fo  ifi  (J^rifiu§  ba,  ber  für 
un£  bejahet  unb  gerecht  fprid)t  gorbert  ba§  ®efei$  @e* 
fjorfam,  fo  ifi  (£f)riftu§  iaf  ber  baS  ©efe|  an  unferer 
Statt  bat  erfüllet.  Uni  in  Summa:  afleg  I)at  (£f)rifiuS 
t)errid)iet,  tt>a§  gu  unferer  @ered)tigfeit  unb  Seligfeit  ge* 
fröret,  unb  lauter  ©nabe,  in  bem,  ba§  ©ott  feinen  Sofw 
au3  ©naben  gefdjenft,  auä)  lauter  23erbienfi,  in  bem,  bafj 
ßfmjiug  alles  treuer  erlauft*  Sßieberum  lauter  ©nabe, 
toa8  unfere  $erfon  betrifft;  benn  ba§  gro^e  ©ut  tturb  ung 
nid)t  allein  o^ne  ©erbienft  gefdjenft  unb  gegeben,  fonbem 
bag  Mittel,  bamit  ttrir  eö  annehmen,  nämlid)  ber  ©laube, 
roirb  oon  ©ott  oljne  unfer  3utf)un  in  un£  gefdbaffen  unb 
angejünbet  3113  benn  nur  auf  biefeg  einige  $unbament 
ber  gange  Jrofi  oon  unferer  föedjtferitgfeit  beruhet,  muffen 
toir   ben   ÜRittler    befio   fleißiger  tt>al)rnef)men,    unb  nid)t 


86 

jugeben,  baß  er  un£  burd)  Serfüljrung  auö  ben  klugen 
gerücft  merbe.  3m  $abfttl)um  bietet  man,  Sbrifhiö  fei 
ein  ©efe^geber,  unb  barum  in  bie  2Bett  fommen,  beffere 
©efe|e  ju  machen,  alö  9ftofeS  gegeben.  (Stücke  träumen, 
ßlmjhig  fei  nur  für  bie  (Srbfünbe,  ober  je  für  bie  Sünbe, 
t>or  ber  Saufe  begangen,  geftorben.  Sintere  bieten,  ßtni* 
fiu3  £abe  nur  bie  (Jrlöfung  erworben,  aber  mir  muffen 
burd)  unfere  Sßerfe  geregt  werben,  (ätlic^e  neue  23erfüf)rer 
geben  t)or,  S^riftuö  fyabt  unö  n^o^l  gebienet,  unb  bie 
©eligfeit  erworben,  mit  feinem  Seiben  unb  Sterben;  aber 
fein  ©eljorfam,  bamit  er  ba§  ®efe£  fyabt  erfüllet,  fomme 
un§  nid^t  ju  gute.  2)iefe  teuflifdjen  Sügen  unb  Srrt^ümer 
jtnb  baljin  gerietet,  ba§  jte  un§  ben  Xrojt,  fo  mir  in 
(S^rifio  f)aben,  entfübren,  unb  bie  ©eligfeit  üerlnnbem 
follen.  3)ermegen  muffen  mir  feft  barauf  tterfwrren,  ba§ 
3efu3  (J^riftug  aller  2öett  ©ünbe  getragen,  3o^  1,  al8 
ba§  einige  Öamm  @otte§;  item  1.  3of)-  t:  £>a$  33lut 
3efu  (grifft  mad)t  un§  rein  uon  aller  ©ünbe.  $)a§  un$ 
aud)  Glmftuö  ni$t  allein  erlögt  f)abe,  fonbern  au$  geredet 
mad)e,  geigt  ^au(u§  $öm.  4:  Um  unferer  ©eredjtigfett 
millen  ift  er  imeber  auferftanben  t)on  ben  Sobten.  3tem 
1  (Eor.  1 :  ßfjriftug  ift  unS  Sorben  Don  ©ott  jur  2öeiS* 
f)eit,  ©erec^tigfett,  £eiligfeit  unb  (Srlöfung.  3)a§  au$ 
S^rijlug  fein  neuer  ©efe^geber  fei,  fonbern  ber  Mittler 
unb  #eilanb,  folget  au£  feinem  tarnen  3efu$;  benn  er 
foll  fein  $olf  feiig  machen  t)on  ©ünben.  2l(fo  ba§  nidjt 
allein  Sl;rtfht§  für  un§  gelitten,  unb  mit  feinem  £obe  unb 
23lutoergie§en ,  fonbern  aud)  mit  feinem  ©e^orfam,  bamit 
er  baö  ©efetj  gehalten,  um  gebienet,  unb  fein  ©eljorfam 
unö  jugeredmet  werbe,  geiget  bie  ©cftrtft  an  fielen  Orten. 
$auiuö  9Wm.  5  :   Per  obedientiam  unius  justi  constituuntur 


87 

multi.  Durcfc  eineä  9D?enfdE)en  ©eforfam  tuerben  t)iel  ©e^ 
rechte.  3*em  ®a'*  4:  ©ott  fanbte  (einen  ©o£n,  t)om 
Sßeibe  geboren,  unb  unter  ba§  ©efe|  getfmn,  auf  ba§  er 
bie,  fo  unter  bem  @efe§  maren,  üom  ©efe&  erlöfete,  i>a$ 
rt)ir  bie  Äinbfdjaft  empfingen.  Unb  fxnb  ber  Beugmffe  ^ 
m  ber  €>d)rift,  au3  toeldjen  offenbar,  bafj  Sljrifhiö,  ber 
<5ofjn  ©otteö,  sugieid)  mit  feinem  Selben  unb  Sterben  unb 
mit  feinem  ©eforfam,  bem  ©efe|  geleiftet,  unfere  ©eredj)* 
tigfeit  üor  ©ott  ift.  2öie  autf)  ba3  ©efe|  beibeö  t>on  un3 
forbert,  bie  23e$af)tung  ber  6$ulb  unb  ben  völligen  @e* 
Ijorfam,  toelcf)e  bie  üernünftige  Sreatur  ju  jeber  3^t  bem 
©efe£  ju  teiften  pflidjtig  ift. 

2ßer  nun  alfo  öermöge  ©otteö  2Bort3  ba§  ganje  2lmt 
unb  alle  2ßof)(tf)aten  be§  ®o^ne§  ©otteä,  3efu  Sfmfh, 
ttrirb  anfe^en  unb  mit  %tei%  ertragen,  ber  noirb  oerfteljen, 
tute  ©efe$  unb  ßüangelium  ni$t  trüber  einanber  ftnb, 
fonbern  t>a%  mir  bur$  ben  ©tauben  ba§  ©efe|  aufrichten, 
ba$  in  unb  buref)  S&riftum  ba§  @efe§  aufgehoben  unb 
erfüllet,  ba§  ©ott  billige  Urfadjen  I;at,  folc^e  Sarm&erjig* 
feit  in  feinem  ©ofm  ju  erzeigen,  ba#  auü)  bie  2öof)(tf)aten 
be3  SReicbeS  S&rifii  nidjt  allein  überf$tt)änglidj  gro§,  fon* 
bern  auef)  auf§  aüerbeftänbigfte  auf  ibm  gegrünbet  jtnb. 

IV. 

©ajj  öer  (Dlaube  öiefe  aus  (Bnaben  angebotenen  unb 

bniä)  Cfyriftum  erworbenen  tDoblt^ate^ 

muffe  annehmen. 

3>er  vierte  #auptpunct,  fo  im  Raubet  öon  ber  SRed)t-~ 
fertigung  üorneljmlid)  ju  betrauten,  ift  t)om  2Jtittel,  burd) 
ftelcbeg  mir  bie  lautere,   t>on  ©ott  gefäjenfte  ©nabe,  unb 


88 

ba$  burdE)  (Sfmftum  treuer  erfaufte  unb  erworbene  SBerbienji 
an  un§  bringen  unb  genießen  mögen*  Denn  voaS  I)ilft£ 
un§,  wenn  un3  ein  no$  fo  teurer  ©d)a|  gezeigt  würbe, 
unb  mir  aber  fein  ni$t  foHien  genießen?  üftun  ifl  oben 
$enugfam  oermelbet,  ba§  (£f)ri#u§,  ber  <5ol)n  @otte§,  nid)t 
allein  für  bie  3uben  ober  etliche  unb  wenige  ^eiligen, 
fonbern  für  aller  9Kenfd)en  ©ünbe  auf  (Srben  genug  ge* 
tf)an,  ©otte§  3om  gejttllet  unb  bie  ©eredjtigfeit  unb  im 
Fimmel  fammt  aller  ©eligfeit  fyat  erworben.  Damit  bie 
©prücbe  Timmen  1  3of).  2:  3efuö  6^rifiu8  ijl  bie  93er* 
föfmung  für  unfere  ©ünbe,  nicbt  allein  für  bie  unfere, 
fonbern  für  bie  ©ünbe  ber  ganjen  ÜBelt.  Jtem  1  3of).  1: 
Da§  33lut  3efa  &i)T\fti  reiniget  un§  oon  aller  ©ünbe. 
3tew  3of)-  i:  ©te&e,  baö  ifi  i>a§  2amm  ©otteg,  baS  ber 
2öe!t  ®ünbe  trägt  %km  3cf.  53:  Der  $err  warf  unfer 
aller  Sünte  auf  if)n.  2öie  nun  ßf)riftu§  für  aller  SRcn* 
fcfjen  ©ünbe  genug  getrau  unb  allen  SWenfcben  bie  ©e* 
redjtigfeit  unb  Seligfeit  erworben,  aifo  lä§t  er  aud)  in 
feiner  gemeinen  33erf)ei§ung  aller  2öelt  feine  ©nabe  unb 
6f)rifti  95erbienfi  vortragen,  anbieten  unb  oerfünbigen,  nie* 
manb  auSgef^loffen,  wie  benn  ©ott  mit  fielen  Jßorten 
jeuget.  2113  1  3ftof.  12:  %n  beinern  ©amen  folfen  alle 
SSölfer  gefegnet  werben.  3tem  ßuc«  2:  3$  oerfünbige 
eu$  gro§e  $reube,  fo  allem  93olf  wtberfafjren  wirb.  ^ttm 
$öm.  11:  ©ott  £at  alleö  bef^loffen  unter  ben  Unglauben, 
auf  ba%  er  jtd>  aller  erbarme.  3*em  $öm.  3:  3$  faöe 
X)on  folget  ©erec^tigfeit,  bie  ba  fommt  bur$  ben  ©lauben 
an  3efam  (Sfjrifhim  §u  allen  unb  auf  alle,  bie  ba  glauben. 
3tem:  Stile,  bie  ben  tarnen  be§  £errn  anrufen,  werben 
feiig.  SUfo  fyat  ©ott  in  feiner  93erf)ei§ung  feine  $erfon, 
Diel   weniger  einig  Solf  au3gefd)loffen.     Da§   aber  nun 


89 

nid)t  alle  SBcIt  feiig  mirb,  unb  nur  ber  geringfie  £f)eil  bie 
2öof)Itf)aten  ßfmfti  geneu&t,  fommt  baf)er,  ba%  ein  großer 
£aufe  burd)  Unglauben  bie  Sßobltfwten  (grifft  t)erfd)mäf)t 
unb  anbere  SRittel  unb  JBege  jur  33erföf)nung  mit  ©ott 
fudjet,  benn  burd)  ben  ©lauben.  £>ie  aber  burd)  ben 
©tauben  ifm  unb  fein  2Sort  annehmen,  benen  giebt  er 
ÜRad)t,  ©otteö  Äinber  ju  merben,  unb  biefe  ftnb  fäljig 
aller  28of;ltf)aten  3^fu  ßfjrifti,  unb  werben  burd)  feinen 
tarnen  gerecht  unb  felig,  2llfo  mad)t  ber  ©laube  im 
Unterfdjieb ,  berer,  fo  ßbrifti  geme§en,  unb  berer,  fo  au§ 
bem  $eid)  S^rijli  ganj  au3gefd)loffen  ftnb.  2öie  bie  Sorte 
flärlid)  lauten  3of).  3:  2ßer  an  ben  Solm  glaubet,  ber 
ttnrb  nid)t  gerichtet,  tt>er  aber  nid)t  glaubet,  ber  ift  fdjon 
gerietet.  3tem:  2öcr  an  ben  ©ofm  glaubet,  ber  f)at  ba§ 
ettnge  ßeben,  mer  aber  an  ben  <Soljn  nid)t  glaubet,  ber 
toirb  baS  Öeben  nicbt  feiert ,  fonbern  ber  ^oxn  @otte£ 
bleibt  über  ifjrn. 

2Ba3  nun  biefer  ©laube  fei,  ttne  er  ttiel  ein  anbere^ 
fei,  benn  ba§  blo§e  Söijfen,  bason  bie  ^apiften  träumen, 
rva$  aud)  ber  redjte  ©laube  für  ßigenfdjaften  fjaben  müjfe, 
ift  in  ber  erften  $rebigt  mü)  fRot^burft  üermelbet  unb  aud> 
au£  ©otteS  2Öort  erliefen,  2lllf)ie  aber  ift  ba3  ju  betraf 
ten,  baj3  nidE)t  genug  fei,  ba$  ©ott  bie  @ered)tigfeit  unb 
©eligfeit  aufS  aüergnäbigfte  miß  tt>iberfal)ren  laffen,  (£f)ri* 
ftu$  aud)  biefelbe  aufg  allertreulidjfte  unb  retd)lid)fte  un§ 
erworben  f;at,  fonbern  toir  muffen  aud)  biefelbe  frei  ge* 
fdjenfte  unb  burd)  Sfjriftum  emorbene  ©nabe  burd)  ben 
©lauben  annehmen,  an  un3  bringen  unb  un8  ju  9tu£ 
madjen.  £)enn  Sain,  3uba§,  2lf)itopf)el,  ©auf,  2l^ab, 
3fabel,  9iero,  £erobe§,  da\^a§  k.  bilft'S  gar  nid)t$,  ba$ 
©ott  feinen  Sßillen  t>on  Vergebung  ber  Sünben  aufg  gnä* 


90 

bigfte  offenbaret  unb  Sbrtflug  für  ibre  ©ünbe  gefiorben 
tft,  bietoett  fte  im  Unglauben  üev&arren.  2tbel  aber,  Slaron, 
^amb,  Sefaiaä,  £i8fia,  SJlaria  SFiagbalena,  $etru§  unb 
alle  gläubige  Triften  genießen  e§  sunt  etoigen  Seben,  bie* 
toeil  fte  e§  mit  ©lauben  annehmen,  auf  ©otte§  Sufagung 
ftd)  fcerlaffen;  tote  £abafuf  2  fagt:  £)er  ©eredjte  toirb 
feinet  ©laubenö  le&en*  $>a$  aber  mu§  bennodj'  niemanb 
gebenfen,  als  madEje  ber  ©laube  alfo  ben  Unterfd)ieb,  bafj 
er  eben  bie  ©eredjtigfeit  in  un§  fei,  bie  t>or  ©ott  gilt, 
ober  i>a$  er  un3  fetne§  2Serbienfre§  falben  gerecht  madje; 
feineStoegeö;  fonbern  i>a$  er  ba§  Wlitiü  ift,  toeldbeö  ©ott 
baju  oerorbnet,  i>a$  toir  feine  ©üter  bamit  foüten  amteb* 
men  unb  an  un§  bringen,  gleich  toie  er  fte  un§  burd)  fein 
2Bort  unb  ©acrament  barreicfyt.  £>enn  auf  ba§  fo  gar 
in  ober  bei  bem  ©lauben  fein  Serbienft  gefugt  toürbe, 
unb  alle  (ä^re  unb  Oiu^m  unferer  ©eligfeit  ©ott  unb  Jefa 
ß^rifto  bliebe,  fo  fcfyaffet  unb  toirfet  er  aucf)  burdE)  feinen 
Zeitigen  ©eifi  allein,  o^ne  unfer  3utt)un  unb  9Jittf)ü(fe,  bm 
©lauben,  2öie  $aulu§  jeugt  ßpJj.  2:  £>enn  au3  ©naben 
feib  ibr  fe(ig  toorben,  burdE)  ben  ©lauben,  unb  baffetbe 
nid^t  au§  eud?,  @otte^@abe  iji  e8,  nid)t  auS  ben  2öerfen, 
ba%  ftd)  nidjt  jemanb  rülime,  Pomeranus  f)at  f)ieoon  ein 
foldEjeg  @lei$ni§  gegeben:  ©leidjtoie  ein  9ftng,  barin  ein 
föfili^er,  ebler  Stein  gefaxt,  f)od)  unb  treuer,  etliche  fjun* 
bert  Äronen  toertf)  mag  gefd)ä|t  toerben,  fo  er  bocf)  an 
©olb  gering  ift,  aber  t)on  toegen  beö  ebeln  ©tein§,  be3 
©maragbS  ober  9tubin§;  alfo  toirb  ber  ©laube  gerühmt, 
unb  bie  ©erecbttgfeit  unb  Seligfeit  i^m  zugerechnet ,  nidEjt 
feiner  SBürbigfeit  f;alben;  fonbern  i>a$  er  in  ftdj,  ben 
ebeln,  betoäfjrten  Gcfftein,  3efum  (£&rifium,  mit  feinem 
ganzen  9teid?  unb  alten  2£ol)ltIjaten  faffet.    £)enn  S^riftuö 


91 

3efuä  ift  unb  bkibt  unfere  @ered)tigfett,  Heiligung,  2öci^ 
f)eit  unb  ßrlöfung,  biö  an  unfer  Gnbe  k. 

2ßer  nun  alfo  auf  je£t  gemelbete  t>ier  £auptlef)ren, 
1.  ba%  alle  üJtenfdtjen  nad?  bcm  Urteil  beö  ©efe^eö  ©ün* 
ber  unb  üerbammt  jtnb;  2.  ba§  ©ott  au3  ©naben  olwe 
SBerbtenft    allen    OJtenfcben    bie    Sünbe    tt>olle    vergeben; 

3.  ba§  3^  S&rifhiä,  ©ottee  ©olm,  ber  einige  Mittler 
fei,  ber  ba3  gro§e  £eil  un§  f)abe  erworben  unb  üerbienet, 
unb  ba§  tt)ir  auger  if)tn  fein  #eil  bei  ©ott  l)aben,  in  if)m 
aber  alle   ©eligfeit  gett)i§   fjaben   ju  bojfen;   unb   le^lid) 

4.  ba§  mir  ©otteS  ©nabe,  im  2ßort  fcerfprodEjen ,  unb 
burdj  (S&rijlum  erworbene  ©üter  mit  gläubigem  ^erjen 
unb  toafjrer  3u&erft$t  muffen  annehmen:  fletö  gute  2ld)* 
tung  toirb  geben,  biefetben  fletö  im  ©ejtd)t  fjaben,  ba§  er 
tf)m  bieö  3^1  nid;t  laffet  üerrücfen,  obgteidE)  nodp  anbere 
mel)r,  fco&e  unb  reicbe  fiefjrpuncte  ju  ßrffärung  biefeö  Sir* 
tifetö  gehören;  fo  txnrb  er  bodp  ben  ©runb  red^t  oerftefjen,. 
unb  eigentlich  fetjen,  vorauf  ber  %rofi  beruhet,  unb  nid?t 
leicfjtlidj,  bur$  einige  Serfdlf^ung ,  t)om  rechten  23erftanb 
ber  propl)etifcf)en  Sefjre  ju  »erführen  fein.  $>er  eingeborne 
©obn  ©ottee,  ber  un3  bie§  große  £eü  burdE)  fein  33lut 
f>at  erworben,  unb  un3  oor  ©ott  geregt  machet,  erhalte 
unS  im  redeten  ©tauben  an  iljn,  unb  ma^e  unS  feiig* 
9lmen. 


pe  Jritte  JpnMgL 


!♦   SBon  ben  ttrfadjen  itnfercr  9ted)tferrtpitg* 

2*   Unb  m§  für  llntcrfcftieb  fei  jörifdjen  mtferer  nnb  bei 
^a^iften  Seljre  Dort  ber  9Jed)tferttgmtg* 

5luf  bie§mal  sollen  mir  t>or  un§  nehmen,  biefe  §n>ei  $uncte 
mit  ©oiteg  ^ütfe  ju  erflaren.  (Srjtlid) ,  meldE)e§  bie  Ur* 
fachen  ftnb  unferer  Rechtfertigung,  mol)er  fie  urfprünglidfj 
fliege,  mer  fie  aucf)  ^at  t>erbienet  unb  erworben,  mag  fie 
eigentlich  fei,  tok  fie  fcon  anbern  ©aben  ju  unterfd[)eiben, 
ttobutd)  fie  un§  gereift  unb  gegeben  werbe,  moburdj  mir 
fte  au$  annehmen  unb  ergreifen,  unb  bann  ma§  fie  für 
$ru$t  bringe,  $>ama$  jum  anbern,  molfen  mir  eigentlich 
anzeigen,  in  meieren  t)omef)men  ^uneten  ber  ©treit  fie^e 
jmifc^en  unö  unb  hm  ^apijten,  t>cm  ber  Rechtfertigung 
be3  SJtenfdjen  öor  ©ott,  auf  bafi  man  biefe  l)ol)e  unb 
Imlfame  atlernötfngfte  Se^re  nad)  aller  9iotl)burft  richtig 
tterj!ef)en  möge,  unb  männigli$  fe^e,  mie  gar  weit  bie 
$apiften  uon  un§,  ja  t)on  (grifft  unb  ber  2lpojtel  2ef)re 
ftnb,  unb  ein  jebmeber  jt<$)  vor  if)rer  25erfälfd)ung  unb 
$erfüf)rung  nnffe  ju  fwten. 

1. 

Don  öen  ttrfad^en  unferer  Kedjtfertigung. 

(£g  ifl  jmar  in  btn  vorigen  ^rebigten  fdEjon  etliche 
SRa(e  gemelbet,  muffend  aber  allfjie  mieberljolen,  ba§  ber 
einige  Srunn,  Urfad)  unb  Urfprung  unfereS  £eilg,  ©ere$* 
tigfeit  unb  Seligfeit  ijt  bie  unau$fpre$(i$e  ©üte,  ©nabe 


93 

unb  2krmf)etjigfeit  ©otteS,  nidbt  allein  burd?  we($e  er  un§ 
erraffen  fyai  nadp  feinem  (Sbenbilb  unb  feine  ©üter  mit* 
tfjeilet,  fonbern  tuet  meljr,  ba§  er  un3  geliebet  §at,  ba  wir 
no$  feine  $einbe  waren,  SRöm.  5,  unb  nid)t  ba§  ßeben, 
fonbern  ewigen  Job  mit  unfern  ©ünben  üerbienet  Ratten, 
unb  alfo  geliebet,  ba§  er  un§  feinen  eingebornen  ©of;n 
jum  Mittler  unb  £eilanb  I;at  fcerorbnet.  2)ie3  ift  bie 
#auptquefle  unferer  ©etigfeit  unb  Rechtfertigung.  $>enn 
wenn  ©ott  na$  feinem  ftrengen  Urteil  ber  ©ere^tigfeit 
£ätte  fortfahren  unb  ba§  0ted^t  über  un3  Wollen  gef)en 
laffen,  bieweit  wir  burdE)  itn  Unge^orfam  in  ©otteS  %oxn 
gefallen  waren,  f)ätte  unfer  feiner  t)or  tfcm  mögen  gerecht 
nodj  feiig  werben;  fonbern  ba§  ganje  menfc^lid^e  ©efd)(e^)t 
Jjatte  in  (Swigfeit  in  ber  95erbammni§  bleiben  muffen. 
5lber  ©ott  fyat  mit  ttn§  nidt)t  gefjanbelt  nad[)  unferen  <Sün* 
ben  unb  Serbienft,  fonbern  natf)  feiner  gro§en  ©armier* 
gigfeit ,  bur$  welche  er  jt<#  unferer  in  unferen  ©ünben 
gnäbig  f)at  angenommen,  ben  Born  fallen  laffen,  bm 
Mittler  unb  @nabenjtul)l  gejMet  unb  in  if)m  Vergebung 
aller  Sünben  unb  emigeg  Öeben  üerfjeifjen.  $on  foldjer 
Urfac^e  fari^t  dhxim  3o£.  3:  Stifo  &at  ©ott  bie  SBelt 
geliebet,  bafj  er  feinen  eingebornen  ©oftn  gab,  auf  i>a% 
alle,  bie  an  ilm  glauben,  nid)t  verloren  werben,  fonbern 
baS  ewige  Seben  Iwben.  %km  $aulu§  (Sp^-  2:  Slber 
©ott,  ber  ba  reid)  ift  öon  23armf)er$igfeit,  na$  feiner  gro- 
ßen Siebe,  bamit  er  un3  geliebet  f)at,  Imt  er  un§  lebenbig 
gemalt  3tem  {Rom.  5:  3)arum  greifet  ©ott  feine  ßiebe 
gegen  un§,  ba%  G£riftu8  für  un§  geworben  ift,  ba  wir  nocf) 
©ünber  waren.  Stern  $it.  3  :  Da  aber  erf^ien  bie  $reunb* 
lidpfeit  unb  ßeutfeltgfeit  ©otteö  unferä  $eilanbe§,  md)t 
um  ber  2Berfe  willen  ber  ©ere^tigfeit,  bie  wir  getrau  fjatten, 


94 

fonbern  nad}  feiner  ©arrnljerjigfeit  ma$t  er  unö  feiig* 
Unb  ©ott  faricbt  felber  2  2Rof.  33:  2öe§  id)  micb  er« 
barme,  be§  erbarme  id)  mid).  £>tefe  ©üte  unb  93arm()er* 
jtgfeit  @otte§  erjfredft  fid)  nur  (o  meit,  unb  ijt  fo  ganj 
allein  bie  Urfadje  unferer  ©eligfeit,  baß  fte  nicf)t  allein 
(Jfmfluö  un$  gefd^enft,  fonbern  aud)  aüe  ©ünben  allen 
ilRenfdjen  »ergeben  will,  aud)  bie  ©eredjtigfeit,  ben  beiligen 
©eift  unb  emigeg  Seben  auS  ©naben  geben,  unb  überall 
an  un£  meber  Unmürbigfeit  nod)  25erbienft  anfefjen.  3)ie* 
meil  aber  bennod)  ©otteö  ttrtbeil,  im  ©efe|  offenbaret 
uumanbelbar  ift,  unb  ber  ©eredjtigfeit  genug  gefd)ef)en 
mufcte,  f)at  ©ott  foldje  Vergebung  ber  ©ünben  unb  2ln* 
nefjmung  ber  ©ünber  jum  Seben,  obne  93ejal)(ung  nid)t 
mollen  gefdjefjen  laffen,  fonbern  gemollt,  ba§  fte,  bie  ©ünbe, 
gebü§et,  fein  3orn  gefiiflet  unb  fein  ©efe^  gehalten  mürbe, 
Ü)aju  Ijat  er  nun  oerorbnet  feinen  eingebornen  ©of)n, 
meldjen  er  bat  (äffen  9Jienfd)  werben  unb  ifjn  jum  Sünb- 
opfer  gefegt,  alle  ©d^utb  ber  2Renfd)en  auf  ifm  gelegt 
Don  tf;m  bie  ©träfe  geforbert,  ixt  mir  alle  üermirft  bitten, 
aurf)  ilm  an  unferer  ©tatt  bem  ©efet}  oollfommenen  @e* 
borfam  leijlen  laffen.  2llfo  iji  nun  ber  Mittler  %t\u$ 
@f)riftu#  bie  anbere  Urfadje  unferer  ^Rechtfertigung  unb  #eil£, 
als  ber  e§  bei  bem  emigen  23ater  fcerbienet,  ermorben  unb 
äumege  gebraut,  ba§  mir  ofme  Sftadjttjeü  be§  ©efe|eö  unb 
göttlicher  ©eredjtigfeit  motten  aufgenommen  merben.  3)a 
fonji  meber  Fimmel  nod)  ßrbe  foldjeS  nidjt  fyätte  jumege 
bringen  fönnen;  benn  ba§  Urtl;eil  bleibt  in  (Smigfeit  bei 
©ott  unüerrücft,  ba§  ber  Ungel;orfam  mu§  geftraft  merben; 
barum  mu§te  GfjriftuS  alleg  auf  ftd)  nehmen,  nid)t  anberö, 
benn  alö  l;ätte  er  alle  ©ünbe  begangen,  ßeibet  alfo  ben 
2 ob  für  alle,  unb  bemeifct  aud)  ben  ©efjorfam  anftatt  aller. 


95 

So  ift  nun  unfere  {Rechtfertigung,  fo  Diel  öfmftum  betrifft, 
em  $erbienft  unb  tfjeuer  erfaufteö  @ut;  benn  er  ift  an 
unferer  ^tatt  t)or  ©otte3  Slngeftdjt  inä  Mittel  getreten, 
fyat  bejahtet,  ma3  mir  fcf)iilbig  maren*  Sot>iel  aber  unfere 
$erfon  betrifft,  fo  ift'ä  eitel  ©nabe  unb  93armf)er$tgfeit, 
ofme  aü  $erbienft,  benn  mir  meber  für  unfere  Sünbe  be* 
jablen,  nod)  bem  ©efe£  uollfommenen  @ef)orfam  leiten. 
Dieö  beutet  bie  Sdjrift  flärlicfc  SRöm.  8:  Denn  ba§  bem 
©efe£  unmöglich  mar,  ba3  tf)at  ©ott,  unb  \anbk  feinen 
Sotm  in  ber  ©ejialt  be§  fünblidjen  $leifcf)e3,  unb  Der* 
bammte  bie  Sünbe  burd)  ©ünbe,  auf  ba§  bie  ©ered>tigfeit 
be$  ®efe£eö  in  un£  erfüllet  mürbe.  3*em  3ef.  53:  £>urd> 
feine  SBunben  ftnb  mir  gefjeilet;  bie  ©träfe  liegt  auf  if)m, 
auf  ba$  mir  ^rieben  Ratten.  Der  £err  marf  unfer  aller 
Sünbe  auf  if)n.  $auluS  SRöm.  3:  2öir  merben  geregt 
aus  feiner  ©nabe  umfonft,  burd)  bie  Srlöfung,  fo  bur$ 
3efum  ßfmfhun  gefebeljen  ifi.  3tem  3<>^  1 :  ©iefje,  baö 
ift  ©otteö  Öamm,  meldjeS  ber  2öelt  Sünbe  trägt  Unb 
G&rifhiS  fprid)t  üJtattf),  20,  er  fei  fommen,  ni$t  ba$  er 
it)m  bienen  laffe,  fonbern  ba§  er  fein  ßeben  gebe  jur  93e* 
ja^lung.  Unb  Jo^anneä  fpric^t  1  3<^-  2:  Stjrifiuö  ijt 
bie  23erföfmung  für  unfere  Sünbe,  nid)t  allein  für  unfere, 
fonbern  für  ber  ganjen  2öelt  Sünbe.  Unb  I;ie(;er  ju  bk* 
fem  23erbienjt  3efu  Sfmjtt,  atö  jum  einigen  ©runb  unfer§ 
#eÜ6,  führen  unb  meifen  un3  alle  $ropf)eten,  auf  ba% 
unfer  ©emiffen  *>erfid)ert  fei,  ba3  ©efe|  fyabt  un3  ni$t 
mefjr  anklagen,  meil  (£^rijiu3  für  unö  ein  §lu$  morben 
ift,  ©ott  motte  aud)  nimmer  jümen,  meil  (S^rifluö  mit 
feinem  Jobe  ben  3^™  geflutet;  aud)  finb  mir  nic^t  met)r 
fdjmlbig,  meil  @f)rifiu§  bejahtet;  e§  fotl  aud)  fein  Mangel 
an  un£  erfunben  merben,  ftntemal  6f)rifiu3  für  unö  ba& 


96 

©efe£  erfüllet  unb  feinen  ©e&orfam  unS  fcfyenfet.  2öer 
oime  biefeö  23erbienft  (grifft  t)or  ©ott  erfahrnen  unb  allba 
©eredptigf  eit  fudjen  wollte,  wirb  nidt)t  befielen,  audE)  feine 
©nabe  jtnben ;  benn  e§  i|i  in  feinem  anbern  #eil,  ifi  aucf) 
fein  anberer  9iame  ben  2Jienf$en  gegeben,  barin  fte  mögen 
feiig  werben.    2tyofl.  4. 

$)a§  wir  aber  nidE)t  jtoeifeln  bürfen,  ob  ©ott  mit 
biefer  fremben  93ejal)lung,  fo  t)on  einer  anbern  $erfon 
für  un3  gef#ief)t,  jufrieben  fein  wolle,  unb  ob  eines  2Ren* 
f$en  ©efwrfam  allen  2RenfdE)en  möge  zugerechnet  derben; 
fo  fjat  ©ott  baö  Mittel  felbft  na$  feiner  ewigen  2öei§ljeit 
funben,  üerorbnet  unb  offenbaret,  wie  JefaiaS  53  jeuget: 
3)er  £err  warf  auf  ifw  unfer  aller  ©ünbe.  Unb  barum 
raupte  ber  üHittler  nid^t  allein  ein  äftenfdE)  fein,  ber  ik 
Strafe  erlitte,  fo  unfere  Statur  fd^ulbig  war,  fonbern  audE) 
allmächtiger  ©ott,  auf  ba$  bie  Seja^lung  für  alter  2Belt 
©ünbe  gleic^würbig  unb  genug  wäre,  aucf)  fein  aHerfjeilig* 
fier  @ef)orfam  unb  Erfüllung  be§  @efe£e§  aüer  2ße(t  fönnte 
zugerechnet  werben  jum  ewigen  Seben.  2)a§  nun  unfere 
2ßiberfad)er,  bie  $aptfien,  gefe^en  fein  wollen,  alö  glaub* 
ten  unb  befennten  fte  obgefe^te  zwei  Urfadjen  nid)t  weniger 
benn  wir,  wäre  ju  wünfcfjen,  ba§  e§  ifmen  Don  #er$en 
$inge;  benn  ba  müfjte  aföbann  folgen,  ba§  fte  audj  in 
anbern  Runden  mit  un3  fiimmeten,  ftntemal  bie  gan^e 
ßefjre  au§  beiben  gemelbeten  Slrtifeln,  wie  au§  einer  «öaupt* 
quelle,  entfpringt.  2lber  wenn  fte  gleicf)  ber  2tyofiel  unb 
unfere  2Borte  brausen,  fo  fCicfen  fte  bo$  it)re  3^ümer 
fnnan,  unb  verleugnen  beibeg  mit  ber  £f)ai  £)enn  wenn 
fte  befennen,  baj$  ©otte§  ©nabe,  Siebe  unb  SSarm^erjigfeit 
bie  UrfadEje  fei  unferer  OtedE)tfertigung,  fo  tft  bod)  bieö  ibre 
fatf$e  Meinung,  bie  ©nabe  ©otteö  firecfe  ftd^>  weiter  nicf)t, 


97 

benn  bafi  GfmftuS  auS  ©naben  gefc^enft,  unb  ba§  unS 
bk  ©nabe  unb  6tärfe  etngegoffen  unb  eingepflanzt  werbe, 
baburd)  noit  ©ott  lieben,  bem  ©efe|  ©etjorfam  leiten  unb 
alfo  burdE)  unfere  SBerfe  beibeS  Vergebung  ber  ©ünben 
üerbienen  unb  geregt  derben.  2l(fo  wenn  fte  befennen, 
(Jfmfluä  fjabe  alleS  oerbient,  fo  foll  bodE)  foldbeö  93erbienfl, 
tyxcm  fallen  ©erflanb  na$,  weiter  nid)t  gemeint  fein, 
benn  bafy  unS  bie  erfie  ©nabe  gegeben  tturb,  babur$  un* 
ferm  fdwadjen  freien  Söillen  aufgeholfen,  ba§  er  fönnc 
©ott  lieben,  bie  ©ünbe  felbft  tilgen  unb  ablegen,  unb  baS 
gan^e  ©efe|  fcollfömmlici)  galten.  2)a§  ift  fo  triel  gefagt: 
©otteS  ©nabe  unb  Sfmfii  95erbienfi  fmb  btofje  lebige 
Söorte;  benn  fo  wir  felbft  burd)  unfere  %kht  unb  guten 
2Berfe  bie  ©ünbe  muffen  ablegen,  auffegen,  vertilgen,  ba* 
für  bejal)Ien  unb  bie  Vergebung  berfelben  öerbienen,  and) 
bem  ©efei$  üollfommenen  ©e^orfam  leiften,  unb  burd) 
unfere  Siebe  unb  guten  2öerfe  geregt  oor  ©ott,  fromm 
unb  feiig  werben,  was  wirb  un§  bann  für  ©nabe  erzeigt, 
bieweü  mit  un3  nad)  Stecht  geljanbelt  wirb?  unb  ma3  nü|t 
unS  frember  Serbien jt,  weil  wir  bit  ©eligfeit  felbft  faufen 
muffen?  $elagiu§,  ob  er  wof)l  ein  öffentlicher  $dni)  war 
ber  ©naben  ©otteg,  fo  f)at  er  bod)  bie  ©nabe  mit  Sorten 
f)od)  gerütjmet,  f)at  fte  aber  Wetter  ni$t  fcerftanben,  benn 
t)on  ber  ©üte  ©otteS,  baburd)  er  un§  erraffen,  Vernunft 
unb  ©inne  gegeben,  audj  fein  ®efe|,  nad)  bem  wir  leben 
fotlten,  üerfünbiget  fyat  (Sbener  ©eftalt  wollen  unfere  $a* 
giften,  bie  bem  $elagio  faft  befreunbet,  auti)  gefefjen  fein, 
als  leugneten  fte  bie  ©nabe  ©otteS  unb  baS  Serbienfi 
(grifft  nid)t,  fo  fte  bodj  beibe§  im  ©runbe  oemeinen, 
aucf)  bie  ärgften  $einbe  ber  göttlichen  ©nabe  unb  be§  9$er* 
bienftee  3efu  Sbrifti  ftnb.    £)enn  ob  fte  gleich  bie  ©nabe 

7 


98 

©otteg  nid)t  nur  auf  bte  erfte  Sd)öpfung  Rieben  tt>ie  QJela* 
giu3,   fonbern  auf  bk  Erneuerung   unb   SBieberbringung, 
bk  fte  boty  ber  göttlichen  ©üte  auti)  nid)t  ganj  jumeffen, 
fo   befennen  fte  bocf*  bie  ©nabe  @otte3  ni$t,   ba§  ©ott 
otjne  Serbien)!  bie  ©ünbe  vergebe  unb   ofme  2$erfe  un§ 
geregt  ma$e.    3fi  alfo  jtoifc^en  beut  Urtl;eil  beö  @efefce§, 
mlü)t$  ben  ©efjorfam  fiet§  t>on  un§  forbert,  unb  jtmföen 
ber  ©nabe,  tt>el$e  bie  $äbfl(id;en  rühmen,  fein  Unterfcf)ieb* 
Sir  aber  glauben  unb  befennen  alfo  ©otte§  ©nabe  unb 
ß^riftt  2Serbienjt,  ba£  ©ott  nid)t  allein  Gfmflum  gefdjenft 
unb   bm  ©tauben  in  un§  anjünbet,  fonbern  ba%  er  au$ 
alle  ©ünbe  üergtebt,   forbert  t>on  un§  feine  Sejabltmg, 
un§  aud;   geregt  fc^ä^et  unb  rennet,   ob   nrir  gleich   bk 
Erfüllung  be§  ©efe|e3  ni$t  Ratten.    3>enn  biefer  ©ejtatt 
bat  ©ott  feine  ©nabe  nid)t  im  ©efe§,  met$e3  un§  t>er* 
bammt,  fonbern  im  ßtmngetio  tterfünbiget,  unb  miber  ba$ 
Urzeit  be§  ®efe|e§  bie  Vergebung  ber  ©ünben  in  ß^rifio 
t>erf)ei§en.    2lucf)   glauben  mir,  ba$  Sfjrifti  SSerbienft  un§ 
alfo   ju  ©ute  fommt,   ba§  mir  baburd)  gefreiet  ftnb  t>on 
aller  ©d)ulb  unb  2(nfpru$,   au$,  mit  feinem  ©eljorfam 
angetan,  fcor  ©ott  befielen,  ob  mir  gleich  bm  ©eljorfam 
be§  ©efe^e§  in  un§  nid^t  fmben;  benn  ©ott  ber  23ater  ifi 
mit   feine§  SofmeS  ©ef)orfam   vergnüget  unb   aüerbingS 
jufriebem 

#ierau§  erfdjeint  nun,  ma§  eigentlich  unfere  ©ered)* 
tigfeit  t>or  ©ott  fei,  bie  mir  bem  ©eric^t  ©otteö  t)orf)a(ten 
fönnen,  um  melier  mitten  ©ott  unS  annimmt  jum  emigen 
£eben;  nämtid)  ba%  fte  ntd)t  fei  unfer  Söerf,  Siebe,  neue 
©abe,  ©e^orfam,  $eiligfeit  ober  etmag  in  un§,  fonbern 
bie  gnäbige  Vergebung  ber  ©ünben,  bie  3urec^nung  be§ 
@ef)orfam§  (grifft  unb  bie  ^Knne^mung  jum  emigen  Seben. 


99 

Grfrlid)  oerwuft  bie  Schrift,  fo  Diel  bie  9iecf)tfertigung  be* 
trifft,  alle  unfere  2ßerfe,  nic^t  allein  ber  Reiben  unb  £ür* 
fett,  bie  ©ott  nid)t  fennen,  aud)  nid)t  allein  bie  mofaifdjen 
Zeremonien,  als  SSefd^neibung  unb  Opfern,  ober  äujjerli<$e 
3ud}t  unb  erwartete  ©otteSbienße,  aud)  nid)t  nur  bie 
2öerfe  üor  ber  53efebrung,  fonbern  ade  ffierfe  alter  9Ren* 
fdjen,  aud)  nad)  ber  33efet)rung,  bk  ber  gläubige  unb  neu* 
geborne  SKenfd?  mit  £ütfe  beg  ^eiligen  ©eifie§  tfmn  mag. 
$aulu3  rebet  $öm.  4  ni<$t  r>om  unbefefnten,  fonbern  Dom 
beerten  Stbrafjam,  ber  fd)on  bem  Sorte  ©otteS  folgte, 
ba£  er  bennod)  burd)  feine  2öerfe  ntd)t  fei  fcor  ©ott  gerecht 
worben,  fonbern  burd)  ben  ©tauben.  2öeil  benn  2lbraf)am 
ein  SSater  i^  aller  ©laubigen,  fo  mag  je  ber  neue  @ef)or* 
fam,  Siebe  unb  gute  2öer!e,  mit  melden  bie  93efef)rten  ge* 
giert  werben,  nid)t  unfere  ®ered)tigfeit  fein.  $au!u3  rebet 
aud)  nid)t  t>on  befonbern  2Berfen,  bie  t)or  ber  35efef)rung 
gef ebenen,  fonbern  insgemein  t)on  allen  Sßerfen  be§  ®e* 
fe|e§,  unb  fptidjt  $öm.  3,  baj$  fein  Sebenbiger  au§  ben 
SBerfen  be§  ©efe£e§  geregt  werbe.  9hm  finb  je  bie  Siebe 
unb  ber  neue  ©eI;orfam,  mit  melden  bie  ©laubigen  ge* 
gieret  werben,  2Berfe  be§  ©efe|e§,  bie  mit  bem  ©efe| 
etlidjermajjen  ftimmen  unb  t)om  ©efe|  erforbert  werben. 
5luö  welchem  unwibertreibltd)  folget,  ba§  fein  2öerf  einiget 
2ftenfd)en,  e§  fei  oor  ober  na$  ber  SSefe^rung,  bie  ©ered)* 
tigfeit  fei,  bk  twr  ©ott  gilt.  $aulu§  fe£t  ftd)  gum  öftere 
male  jum  ßjempel,  unb  rebet  nid)t  altein  t>on  feinen  2ßer* 
fen,  ba  er  no$  ein  ^arifäer  gewefen,  fonbern  x>on  bem 
©eborfam  feinet  guten  ©ewiffenS  im  Slpoftelamt,  unb 
jeuget  bod)  baneben,  ba§  feine  Siebe  unb  guten  2ßerfe  ifm 
nicJ)t  t)or  ©ott  rechtfertigen.  3$  bin  mir  nid)tö  bewu§t, 
fpridjt  er  1  (£or.  4,  aber  barin  bin  id>  nicf)t  geredjtfertiget. 

7* 


100 

3*em  $f)ü.  3:  Stuf  i>a§  icf)  ntc^t  fwbe  meine  ©eredjtigfeit, 
iit  auS  bem  ©efe|,  fonbern  bie  bur$  ben  ©tauben  an 
(Xlmfto  fommt,  nämttd)  bie  ©erecfcttgfett,  bie  oon  ©ott 
bem  ©tauben  jugeredmet  ttnrb.  2ltfo  befennt  audj  £>aüib 
*Pf.  143,  er  möge  mit  (einem  neuen  ©efjovfam  oor  ©otteS 
©eri$t  ntd)t  befielen,  ob  er  gleicö  ein  treuer  Äne$t  ®otte§ 
toar :  ©ef)e  nidjt  in§  @eri$t  mit  beinern  Änedjt,  benn  üor 
bir  ftirb  fein  ßebenbiger  geregt  £>a§  ift  je  nitöt  allein 
toon  Unbefefjrten,  Don  Reiben,  oon  ©ottlofen,  fonbern  au$ 
fcon  ben  erleuchteten,  beerten,  erneuerten  üftenfcfjen  unb 
ixmbren  ^eiligen  gerebet;  ha  tft  feiner  fo  1)0$  begabt,  fo 
f)errlicf)  gegiert,  fo  ^eilig  gef^mücft,  fo  treffttd^  erleuchtet, 
ber  mit  feiner  ©erecfytigfeit  in  ©otte§  @ericf)t  befielen  fönne. 
£>ertoegen  muffen  au$  W  größten  «peiligen  taglt$  um 
Vergebung  ber  ©ünben  bitten.  2>eremia3  fprtd^t  3er.  9, 
tS  foll  ftdj  niemanb  rühmen,  benn  nur  im  #errn.  %tem 
3er.  23,  ber  #err  fei  unfere  ©eredjtigfeit.  ^m  Sefaiaö  45 
fy>ridE)t  ©ott:  Sitte  Bungen  follen  befennen,  bafj  fte  im 
#erm  ©erec^tigfeit  fwben.  @3  ftnb  au<$  bk  Urfa^en  ganj 
offenbar,  toarum  unfer  neuer  ©efjorfam  ni$t  fei  bie  ®e* 
reitigfeit,  bie  *>or  ©ott  gilt.  1.  3)atf  ©otteä  Urteil  im 
@efe|  für  unb  für  bleibt,  unb  feine  ©ere^tigfeit  annimmt, 
benn  bie  burdjauS  t)ollfommen  tfi,  unb  aber  unfere  ange* 
fangene  Siebe  unb  ©eljorfam,  auä)  in  ben  atterljetligften 
*$ropl)eten  unb  9lpofieln  tfi  nod)  f$ft)a$,  mangelhaft,  un* 
tJollfommen  unb  bem  ©efe£  nid)t  burd?au§  einlieft,  benn 
toir  muffen  befennen,  ba%  tt)ir  allefammt  unnü^e  Anette 
ftnb.  ßuc.  17.  3)te  anbere  Urfaä)e,  auf  ba$  Sbrijto  feine 
ß^re  bleibe,  ber  nid)t  allein  eine  3eittang,  fonbern  für  unb 
für  unfere  ©erecf)tigfeit  tfi;  unb  toeü  fein  ©eljorfam  toeit 
größer  unb  ^eiliger  ift,  benn  aller  9)tenf$en  ^etligfeit,  fo 


101 

gebüfjrt  )\d)§  nid;t,  ha^  ber  ÜJtenfdjen  unreine  £ugenb  aor* 
gebogen  werben.  3um  brüten,  auf  ba§  }\i)  niemanb  rüljme, 
unb  bie  6f)re  jiet§  ©ott  bleibe,  ba%  er  geredjt  mad)e,  wie 
$aulu3  felbft  bie  Urfadjen  geigt.  2öeit  benn  bie  ©eredjtigfeit, 
fo  oor  @ott  gut,  in  um  nidjt  \%  rva$  ift  fte  benn?  Antwort: 
ßigentudf)  ju  reben,  fo  ift  fte  anberö  nirf)t3,  benn  bie  gnä- 
bige  Vergebung  ber  Sünben,  bie  3ure$nung  be§  @ef)orfam3 
3efu  SljrijH  unb  bie  2tufnef)mung  sunt  ewigen  ßeben.  £>enn 
alfo  nennet  unb  betreibet  fte  $aulug  felbjt  iRöm.  3 :  3>amit 
©ott  barbiete  bie  ©ered)tigfeit,  bk  oor  if)m  gilt,  in  bem,  ba$ 
er  Sünbe  oergiebt  Unb  beweist  fotc^e§  ^ernad)  mit  bem 
$ropl)eten  3)at)ib,  melier  bk  ©eredjtigfeit  alfo  betreibt 
$f.  32:  Selig  ftnb  bie,  welken  if)re  Ungerecbiigfeiten  üer* 
geben  ftnb,  unb  melden  tljre  Sünben  bebecfet  finb ;  feiig 
ift  ber  ÜJiann,  meinem  ©ott  feine  Sünbe  juredmet.  2tu§ 
welcbem  $aulu§  5Röm.  4  fdjfeußt,  ba§  bie  ®ered)ttgfeit 
unb  Seligfeit  altein  be§  ÜRenfdjen  fei,  welchem  ©ott  ju* 
rennet  bie  ©ered)tigfeit  oljne  Butfjun  ber  2Berfe.  2Ufo 
nennt  aucf)  gafyaxiaö  unfer  «peil  bie  Vergebung  ber  Sün* 
ben,  Suc  1 :  Stuf  ba§  bu,  Äinblein,  gebefi  ©rfenntnip  be§ 
£eil3  feinem  33olf,  bie  ba  ift  in  Vergebung  if)rer  Sünben; 
burd)  bie  ^erjlid;e  Sarmf;erjigfeit  unferS  ©otteö.  %tem 
1  ßor.  5 :  ©ott  war  in  Sf)ri]lo  unb  üerföfjnte  bie  Söelt 
mit  i^m  felber,  unb  rechnete  ifmen  ibre  Sünbe  nid)t  ju, 
Unb  f)ai  unter  un§  aufgerichtet  ba3  2ßort  &on  ber  53er* 
föfmung,  3tem  $aulu§  2tyofL  13:  (Sud)  wirb  fcerfünbigt 
Vergebung  ber  Sünben  bur$  biefen  3^nt,  unb  oon  bem 
allen,  burd)  weldjeg  i\)x  ni$t  fonntet  im  ©efe|  2ftofe  ge- 
recht werben;  wer  an  biefen  glaubet,  ber  ift  geregt  2ltfo 
ift  am  @otte$  2öort  offenbar,  ba§  bie  Vergebung  ber 
Sünben  unb  bie  3uredmung  be§  ©eljorfamS  ßfmfti  un* 


102 

fere  ©erecbtigfeit  fei.  $>enn  um  eine§  SDlenfd^en  ©eborfam 
toerben  öiet  ©cremte.  $öm.  5.  Demnad)  ifi  aud)  unfer 
©laube,  er  fei  gleich  fdjtoac^  ober  ftarf,  unfere  ©ered)tigfett 
nidE)t,  bie  fcor  ©ott  gilt,  baf$  un3  ©ott  folite  um  beö 
©lauben§  eitlen  geredet  fprec^en:  Fides  non  est  causa 
formalis  nostrae  justitiae.  Der  ©laube  ifi  nicf?t  bie  ®e* 
redE)tigfeit  felbft;  benn  mit  unfere  Siebe  ober  ©otteöfurdpt 
@otte§  ©efe|  nicbt  erfüllet,  alfo  ifi  unfer  ©laube  nid^t 
ein  folcb  oollfommen  2öerf,  ba§  @otte§  @efe|  in  alfen 
©tüdfen  t)ollfömm(icf)  erfüüeie,  fonbem,  toie  {jemadj  mit 
©oiteö  £ülfe  foll  angezeigt  »erben,  ber  ©laub  ift  nur  ba3 
Sfttttel,  baburdf)  toir  bie  ©ered)ttgfeit  annehmen  unb  un3 
eigen  machen.  Darum  fagt  $aulu8  immerbar:  Dur$  bm 
©tauben  »erben  mx  geregt,  $öm.  3.  3tem :  Dem  ©lau* 
bigen  toirb  fein  ©laube  jur  ©eredjtigfeit  jugered)net,  SRöm.4. 
3tem:  Die  ©  er  edj)  tigfeit  toirb  öon  ©ott  bem  ©lauben  %u* 
geregnet,  <$jü.  3;  ba§  ift,  ber  ©laube  ift  nur  ba$  bittet 
ber  2lnnef)mung,  (£f)rifii  Serbien jl  aber  ifi  bie  toabre  ©e* 
recb  tigfeit,   bie  bm  ©laubigen  zugerechnet  toirb* 

Da§  nun  bie  ^äbftlidjen  l)ie  oontmfen,  toenn  93er* 
gebung  ber  6ünben  folite  ©ered&tigfeit  fein,  fo  mü§te 
©ott  ein  falfdjer  9tid)ter  fein  unb  ein  unredjteS  Urtbeil 
fallen,  fintemal  er  bm  geregt  fpreefye,  ber  mit  ber  Xfyat 
nicbt  gerecht  ttuire,  ift  eine  fdjrecfli<#e  Säjierung;  benn  ©ott 
fpridjt  un3  nicbt  fo  lebig(id)  geregt,  ba%  er  feine  ©eredj* 
tigfeit  anfebe,  fonbem  er  fielet  bafjin,  ba§  bureb  feinen 
So^n  für  unfere  ©ünbe  DoütommlidE)  bejaht  ift,  unb  ba$ 
ttrir  mit  bem  ©eborfam  unb  ©ereebtigfeit  feinet  SofmeS 
befleibt  unb  gejieret  ftnb.  Darum  ift  er  nicbt  ein  falfc&er, 
fonbem  ein  ^eiliger,  toafjrer  $i$ter,  ber  ba§  für  ©erec^j* 
tigfeit  erfennt  unb  gelten  läßt,  *oa3  in  ber  Sßabrljeit  ©eredj* 


103 

tigfeit  iji,  unb  eine  größere,  benn  aller  Sreaturen  fein  mag. 
£a§  aber  bie  frembe  S3ejaf;tung  unb  ber  ©eljorfam  bei 
ibm  gilt,  foldjeS  fommt  fcon  tf)m  felbft,  unb  alfo  ertoeifet 
er  sugleid)  feine  unwanbelbare  ©ered)tigfeit,  unenblidtje 
SBci^eit  unb  unerforfcbltcfje  ©üte  unb  Sarm^ctjigfeit 
2>tefe  unfere  ©ered) tigfeit  bie  t>or  ©ott  gilt,  namlidj  $er* 
gebung  ber  Sünben,  3krföl)nung  mit  ©ott,  ßurecbnung 
ber  ©eredjtigfeit,  9tufnef)mung  jum  ewigen  Seben,  welche 
ba  ijt  ber  §elm  be3  £etl$,  ber  unS  bebedt,  ba$  wir  t>om 
3orn  ©otteS  nid)t  öerjefnet  werben,  muffen  tr^ir  nun  fleißig 
unterfc^eiben  t)on  ber  anbem  2öo^)ttf)at  ß&rijli,  toetd^e 
{jetfct  bie  Erneuerung  unb  «peiligung;  benn  wenn  ©ott  ben 
ÜKenfc&en  um  Script  roitlen  burd)  ben  ©lauben  annimmt 
unb  gerecht  ma$t,  lä§t  er  ifyn  nid)t  in  ©ünben  atleibinge 
bleiben,  fonbern  fammt  ber  Rechtfertigung  giebt  er  if)tn  ben 
^eiligen  ©etjt,  erleuchtet  unb  erneuert  if)n,  gieret  if)n,  wie 
feinen  lempel,  mit  @otte3  Srf enntnif},  $urd)t,  Siebe,  £off* 
nung,  ©ebulb,  Stärfe,  fiiebe  beö  9iäd)ften  unb  bergleidjen 
lugenben,  fe|t  i&n  jum  Srben  aller  fnmmlifdjen  ©üter. 
Slbcr  biefe  2ßol)ltl)at  mufj  untergeben  werben  oon  ber 
Rechtfertigung;  benn  biefe  Heiligung  unb  neuer  ©efjorfam 
ijt  nid)t  bie  @ered)iigfeit,  bk  oor  ©ott  gilt,  um  welcher 
willen  ©ott  unö  gerecht  fpridjt  unb  jum  ewigen  %ebm 
aufnimmt,  wie  ixohtn  au3  ©ottes  SBort  beriefen  worben. 
$)enn  ber  neue  ©efyorfam  iji  nodi  unöollfommen ,  unb 
ba$  23crbienft  (Sbrifti  bleibt  für  unb  für  unfere  ©erecbtigfett, 
bie  ©aben  aber  muffen  f)ie  $unef)men  unb  warfen,  bi$  jte 
im  ewigen  ^htn  twtlfommen  werben,  ia  alSbann  aud)  in 
um  ooüfommene  ©ere^tigfeit  leucbten  wirb;  fo  lange  wir 
aber  &ie  auf  @rben  ftnb,  bleibt  S(jrijlu8  für  unb  für  aller 
©laubigen  unb  Sefe^rten  ©ere^tigfeit    Diefer  Meinung 


104 

fe£en  tue  $ropf)eten  unb  5lpoftel  6eibe  2ßof)It{)aten  (££rifl 
unterfc^ieblicfh  Datrib  fpridjt  $f.  117:  ©otteg  ©nabe  unb 
Safjrfjeit  maltet  über  un§  etx>iglid^.  2ßel<f)cg  So&annes 
mieberfmlt  unb  fpricf)t  3o#.  1 :  9lber  bie  ©nabe  unb  2öaf>r< 
f)eit  ifi  un§  burc^  Scfum  S&rijium  Sorben,  ©nabe  i|t 
bie  Vergebung  ber  ©ünben  unb  SSerfö&nung  mit  ©ott, 
ba%  er  un§  geredet  fcf)ä|et;  2Ba(;rf)eit  iji  bie  ©c&enfung 
be§  ^eiligen  ©eijleö,  neues  ßi$t,  ©e^orfam,  $reube,  ^tiebe, 
Seben  unb  ma^aftige,  emig  mäl;renbe  ©üter.  3llfo  untere 
[Reibet  aud)  $aulug  Rom,  5 :  £)ie  ©nabe  unb  bie  ®ah^ 
burd)  bie  ©nabe  ßf)rijti,  ifl;  fielen  reicbltd?  miberfafnm 
2lber  unfere  2Biberfad)er  mengend  mit  glei§  in  einanber, 
unb  wollen,  ba§  Rechtfertigung  unb  ßrleudjtung,  (£rneue* 
rung  unb  Heiligung  ein  3)ing  fei;  ja,  barin  fte^e  bie 
Rechtfertigung,  ba§  mir  neue  unb  ^eilige  SJtenfdjen  finb; 
fetjen  jmei  Steile  ber  Rechtfertigung,  Vergebung  ber  ©an* 
im  ober  (Srlöfung,  unb  bann  unfere  (Erneuerung,  unb 
sollen,  ba§  mir  t>on  megen  ber  neuen  ©abe  unb  ©e* 
f)orfam§  ©ott  gefällig  feien,  unb  jum  ewigen  iebtn  an* 
genommen  werben;  meldjeö  eine  öffentliche  $erfef)rung  ift 
ber  ganzen  propfjetifcben  unb  apoftolifdjen  ße^re;  barum 
fei  ein  Gl)rift  bapor  gemarnet.  2ll§  mir  benn  nun  gelernt 
Ijaben,  meldbes  eigentlid)  unfere  ©ere^tigfeit  t>or  ©ott  fei, 
unb  mte  fte  oon  ber  Erneuerung  $u  unterfdEjeiben,  muffen 
mir  2t$t  barauf  geben,  bur$  meiere  Mittel  fte  un§  t)on 
©ott  bargereidjt  unb  angeboten  werbe,  unb  fjermiber  burd) 
meld)  OKittel  mir  fte  annehmen  unb  unö  jueignen.  Äurj 
baDon  ju  reben,  fo  ifi  @otte§  2öort  unb  bie  ©acramente, 
Saufe  unb  tjeilig  Rad)tmat)l,  ba$  Mittel,  burd)  meldjeg 
©ott  feine  ©nabe  un$  Ia§t  üerfünbigen,  Dortragen  unb 
barbieten;   hmn  in  ber  2Ser!)et§ung  beS  (Soangelii  ^ören 


105 

wir,  wie  ©ott  3013011  un§  geftnnet.  3)aö  ©efe|  ift  m<f)t 
ba3  SRittet,  baburd)  un8  bio  ©eredf)tigfeit  angeboten  wirb; 
benn  e§  oerbammt  im  8  unb  üerfünbiget  ©otteö  3orn; 
barum  ift'8  ba8  SRittei,  burd)  roeldbeö  ©ott  bie  ©ünbe 
aufweefet  unb  ba§  ©ewiffen  jerfdjlägt,  bal;er  e$  bie  $ro* 
p^eten  ben  Jammer  nennen,  bor  gelfen  jerfd^mettert.  3)a& 
Soangelium  aber,  ba§  ift,  ba§  2Bort  ber  ©naben,  welches 
^rieben  oerfünbiget,  ifi  ba$  feiige  9Jtittel,  baburd)  un3 
©ott  alle  Seligfeit  barreidjt;  benn  roaS  txm§ten  wir  fonft 
baoon,  ba%  ©ott  bie  ©ünbe  vergeben  unb  ba§  ewige 
Seben  fdjenfen  wolle;  item,  ba§  ß^rifiuS  ber  ÜKittlcr  fei, 
ber  für  unfere  ©ünbe  bejaht  l;at,  unb  un§  bei  ©ott 
vertritt?  Darum  fagt  $aulu3  9töm.  i:  Da§  (Süangelium 
oon  3efu  (Jf)rifio  tft  eine  Äraft  ©otte§,  bie  ha  feiig  madjet 
alle,  bie  baran  glauben,  Denn  wenn  ber  arme  ©ünber 
biefe  2Sorte  f)öret  %o%  3 :  SHfo  &at  ©ott  bie  2öclt  ge- 
liebet, ba§  er  feinen  eingebornen  ©olm  gab,  auf  ha$  alle, 
bie  an  ifm  glauben,  nidjt  verloren  werben,  fonbern  ba£ 
ewige  Seben  fjaben.  2ßer  an  ben  Soljn  glaubet,  ber  wirb 
mdjt  gerietet;  fo  hernimmt  er  je,  ba§  ©ott  if)tn  barbietet 
unb  oortragen  läßt  Vergebung  ber  ©ünben  unb  ewige 
©eligfeit,  unb  gugleid)  burd)§  Jöort  giebt  ©ott  ben  beüi* 
gen  ©eift,  ber  ia§  £erj  bewegt,  ber  33er£ei§ung  <$u  glauben. 
Damit  aber  ©otte§  ©nabe  unb  2öol)ltf)aten  bem  SKcnf^cn 
nod)  naber  oorgelegt  unb  eigentüd)  bargereidjt  würben,  fo 
braucht  ©ott  neben  bem  Jßort  and)  bie  gnabenreidjen 
3eid)en,  atö  Saufe  unb  b.  9tad)tmal)I,  in  unb  burd)  welche 
©nabenmittel  ©ott  bie  Vergebung  ber  ©ünben  fammt 
aller  ©eligfeit  gleicb  oor  Slugen  gebilbet,  wie  mit  einem 
©leget  öerfiegelt,  unb  einem  \tim  Triften  infonberfjeit 
bargereidpt  unb  auSget&eüt  wirb*    Sllfo  lä§t  c§  ©ott  auf 


106 


feiner  ©eite  an  feinem  ©tücf  mangeln.  Dagegen  ba$ 
Wliitd  auf  unferer  ©eite  unb  in  unS,  baburd)  toir  bie  gnä* 
bige  Vergebung  ber  ©ünben,  ©eredj)tigfeit  unb  etoige  ©e* 
ligfett  annehmen,  unS  nuij  machen  unb  genie&en,  ifi  ber 
toaljre  ©laube,  ber  jt$  auf  ©otteS  3ufagung  üerlajfet, 
unb  ©otteS  ©üte,  im  2öort  unb  ©acrament  unS  angeboten, 
vertrauet,  2öie  £abafuf  fyridjt  (L  2 :  Der  ©eredpte  wirb 
feineS  ©laubenS  leben.  3tem  $aulu£  $öm.  3 :  ©o  galten 
roir  e§  nun,  ba§  ber  9Kenfd)  geregt  tt>erbe,  ofme  SSerfe 
beS  ©efe|e3,  allein  bur$  ben  ©lauben.  Unfere  2ßerfe, 
al§  Siebe,  ©ebulb,  ©eljorfam,  $eue,  $aften,  23eten,  2llmo* 
fen  geben,  Anrufung,  Danffagung  :c.  finb  ha$  2ftittel 
nicfet,  baburd^  nur  bie  ©nabe  ©otteS  annehmen;  benn 
fein  ffierf,  bieweil  fie  allefammt  unoollfommen  jtnb,  fann 
ba$  ©etoiffen  t)or  ©ott  füllen.  Der  ©laube  aber,  ber  jtd) 
allein  auf  ©otteS  ®nat)t  üerlajjt,  füllet  ba§  ©ennffen,  unb 
nimmt  bie  33er£ei§ung  an.  Slber  biefer  $unct  foll  f)ernad) 
mit  fattfamen  unb  umxuberleglidjetn  ©runbe  ^eiliger  ©djrift, 
mit  ©otteS  «pülfe  erliefen  derben. 

5Ba3  nun  tiefe  unfere  nmnberlid)e  Rechtfertigung  t)or 
©ott,  fo  allein  burd).  im  ©lauben,  oljne  gute  Sßerfe,  ge* 
fd)ief)t,  für  ^u^  unb  $rud)t  mit  ftdj  bringen,  ba$  geigen 
bie  ^rop^eten  unb  Sipojtel  ganj  retdjlicf)  unb  gemalüg. 
Denn  erftlid)  wirb  |)ieburd)  ©otteS,  beS  Siflmäcbügen,  Sbre 
auf8  aderftattlic^jie  toeit  ausgebreitet  unb  l;od)  gepreifet, 
ba§  er  allein  gerecht  fei,  unb  geregt  madje,  baä  ifi,  ber 
über  bem  Urteil  feineö  ®efe|e§  aufS  atlerjtrengjk  batte, 
feine  ©ünbe  ungefiraft  laffe,  alfo,  t>a$  aud)  fein  atlerlieb* 
fter  ©of;n  bat  muffen  bie  ©dwlb  bejahen,  ba$  er  ianthtn 
gütig,  gnäbig  unb  barm^erjig  fei,  ber  ben  verlornen  9Jten* 
fd)en  auS  ©naben  öon  ©ünben  reinige  unb  geregt  ma$e, 


\ 


107 

unb  alfo  ©ott  ber  einige  SBrumt  fei  aller  ©erecbtigfeit  unb 
alle$  £eil3.  3Me3  beutet  $aulu8,  ba  er  fprid^t  Rom,  3: 
Stuf  ba$  ©ott  allein  geregt  fei,  unb  geregt  madpe  ben, 
ber  ba  ift  be3  ©tauben^  an  3efum.  Un3  aber  bringet  bie 
Rechtfertigung  unau3fprecf)lid)en  Ruj3,  neben  beut,  ba$  fte 
an  tbr  felbfi  ein  tljeureö  ÄIcinob  ift  Denn  ma£  mag  un£ 
fjeilfamer  fein,  benn  ba$  mir  üor  ©otte§  5ingejtcf)t  geregt 
erfannt  merben!  So  jeuget  fte  atöbalb,  ba§  ©ott  alle 
Ungnabe  fjabe  fallen  laffen,  unb  ba3  ©efeij  feinen  2lnfpruc& 
mebr  an  un3  f)abe;  baburrf?  fie  frf>affet  ^rieben  im  ©e* 
miffen  unb  ^erjli^e  greube  an  ©ott,  mie  Paulus  senget 
Rom.  5 :  2Öeil  mir  burcfy  bm  ©lauben  gerecht  morben 
ftnb,  fo  fwben  mir  ^rieben  mit  ©ott.  2üfo  erlebiget  um 
biefe  Rechtfertigung  t)on  aller  Strafe,  bereu  roir  gemärttg 
maren;  üon  aller  ©emalt  beö  2eufet§,  ber  un3  gefangen 
fnelt;  üon  aller  2tngji  ber  £ölle  unb  Serbammniß,  unb 
üon  ber  yjlafyt  be3  £obe3,  meinem  mir  unterworfen  waren; 
benn  weil  mir  Dor  ©ott  burcf)  ßfmftum  gerecht  ftnb,  fo 
bat  fein  $einb  einige  ©emalt  mel)r  über  un3.  2ßie  3<x$)a* 
riaö  finget  Suc.  1 :  5luf  ba§  er  un8  erlöfete  t)on  unfern 
fteinben,  unb  oon  ber  £anb  aller,  bie  uns  Raffen.  Qa^JL 
bringet  bie  Rechtfertigung  mit  fid)  ben  beiligen  ©eift 
Wellen  mir  burd)  ben  ©lauben,  fammt  Vergebung  ber 
Sünben,  empfangen,  laut  ber  2öorte  $auli  6pl).  1 :  3>urd) 
melden  il)r  aueb,  ba  il)r  glaubtet,  tterfiegeti  morben  feib 
mit  bem  beiligen  ©eift  ber  $erl)eiBung,  melier  ift  ba$ 
$fanb  unferg  Srbeö.  ^km  ®<*l.  3 :  5tuf  ba§  ber  Segen 
Slbrabamä  unter  bk  Reiben  fomme  in  G&rijio  3efu,  unb 
mir  alfo  bm  t>erf)ei§enen  ©eift  empfingen  bur$  ben 
©lauben.  3)iefer  ©eift  ©oiteä  fcfjaffet  im  £er$en  benen, 
fo  buxd)  ben  ©lauben  gerecht  morben  ftnb,   ein  fjerrlicbeS 


108 

Sicfct  be§  SrfenntniffeS  ©otteg,  ^erglicfje  $reube  an  @ot 
ein  geiftli$e§,  ttmfjrljaftigeg  ßeben,  redete  Siebe  unb  $urdj 
©otteS,  ©el)orfam,  ©ebulb,  Äeufö&eit,  Sanftmut^  Söa&r 
Ijeit,  Demutf),  Anrufung  ju  ©ott,  Hoffnung;   benn  er  er 
neuert   bm  SäJlenfcEjen,   bocfe   nid)t   eilenb   im  2tugenblic 
fonbern  oon  'Jag  gu  £ag*  Don  einer  Äfarfjeit  gu  ber  anbern 
2öie  abermals  Paulus  fagt  2  6or.  2 :   3Bir  werben  öerflär 
t>on  einer  Älar^eit  gu  ber  anbern,  d!8  ttcm  <£>errn,  ber  ber 
©eift  ift    Stern  3töm.  8:   3&r  fw&t  einen  finblicben  ©eifi 
empfangen,  burcb  melden  tt)ir  rufen:    2lbba,  lieber  SSater. 
Sefctücf),  um  aüe§  furg  gu  faffen,  fo  bringet  biefe  Vecbtfer* 
tigung  t>or  ©ott  au3  ©naben  burcf)  bm  ©lauben,  nidjt 
attän  afle  geitlid)en  ©üter  unb  2Bof)ltl)aten,  bie  ©ott  bm 
©laubigen,  a(8  feinen  Ätnbern,   reidjlidj)  lä£t  ft)iberfal)ren, 
als  ©cf)u§,  £ülfe,  Sprung,  ©egen,  Seiftanb,  Xxofi,  $r* 
rettung,  ^rieben  unb  a(Ie§,  mag  mir  gu  biefem  %thm  be* 
bürfen,  fonbern  aucb  ba§  ettige,  wafjre,  befiänbige  @rbe, 
ndmlicf)  etoige  ftreube,  ©eiigfeit  unb  $errlid)feit;  benn  ba$ 
ifi  ba§  Snbe  unferS  ©laubenS,  nämlid)  ber  Seelen  ©e* 
ligfeit    1  $et.  1. 

2llfo  ifi  nun  orbenilid)  nadjeinanber  erflärt,  vt)eldf>e 
bie  Urfadjen  ftnb  unferer  Verfertigung :  nämli$  allein 
©otteg  lautere  ©nabe  unb  ba§  Serbienfi  unb  ©efjorfam 
be§  ©ofmeg  ©otteg,  3efu  Sf)riftL  daneben  ift  beutlid) 
Dermelbet,  Koa§  unfere  ©erecf)tigfeit,  bie  öor  ©ott  gilt, 
eigentlich  fei,  nämlid)  bie  gnäbige  Vergebung  ber  ©ünben, 
35erföljnung  mit  ©ott  unb  bie  3ure$nung  beö  ©e^orfamg 
3efu  ßfjrifii.  2ßeiter  tjl  auü)  angegeigt,  toie  benn  bie 
Rechtfertigung  t>or  ©ott,  fo  allein  bur$  ben  ©lauben  ge* 
fd)iebt,  gu  unterfdjeiben  fei  t)on  ber  Srneuerung  beö  2ften* 
f$en   burcb   ben  ^eiligen   ©eift,    nämli^),    bafy  mo^l  ber 


109 

9Kenfd),  ttenn  er  burd)  ben  ©tauben  geregt  unb  sunt 
ettngen  £eben  aufgenommen  Sorben  ifi,  ben  fettigen  ©eifi 
empfaf)e,  unb  burd)  Ujn  erneuert,  gefjeifiget  unb  mit  guten 
SSerfen  gegiert  tt>erbe;  aber  fotdje  Heiligung  unb  neuer 
©eborfam  ftnb  nicbt  unfere  ©eredjtigfeit,  bie  t>or  ©ott  gilt 
unb  un3  angenehm  mad)t;  fonbem  ba§  tfmt  allein  Sfmfti 
^efu  @ef)orfatm  $>amad)  ifi  ferner  angezeigt,  ba%  ©ott 
burdj3  2Sort  unb  ©acramente  feine  ©nafce  unb  ©üter 
barreidje,  unb  aber  toir  burdj  ben  ©tauben  biefelbige  an* 
nehmen  muffen.  ßnbticb  ifi  bann  a\xä)  t>ermetbet,  toetdjen 
uberfd)tt)änglid)en  Ru§  unb  $rüd)te  biefe  Rechtfertigung 
be§  ©laubeng  bringe,  nämlid?  2lu3breitung  göttlicher  Gf)re, 
item,  ^rieben  beö  ©ennffene  mit  ©ott,  (Srlebigung  t)on 
allen  ^einben,  ben  I;ei(igen  ©eift,  (Srneurung  be3  9ftenfd)en, 
neues  öeben,  Segen  unb  £ro{?  unb  alle  2öot)ifart  biefeö 
2eben3,  unb  legtüd)  bie  Äinbfdjaft  unb  (Srbfdjaft  be§ 
ewigen  2eben3. 

IL 

XOae  für  Unterfd)ie6  fei  ^rt>if(^en  unferer  unb  5er  Papi- 
ften  lefyre  im  Tlrtifel  t>on  öer  Kedjifertigung, 

Unfere  2öiberfad;er  im  $abftt!)um,  meü  fte  fe^en,  bafi 
unfere  £ef)r  t)on  ber  Rechtfertigung  fo  gemalttg  in  ©oiteS 
SBort  gegrünbet,  ba§  fte  bamiber  nic^tö  beftänbigeg  auf* 
bringen  fönnen,  befleißigen  fte  fid)  jum  |)öd)ften,  ben 
Raubet  alfo  su  sertturren  unb  in  etnanber  ju  üermicfeln, 
ba§  bie  (Einfältigen  md)t  leicfcttid^  üerfte^en  mögen,  wa$ 
ibre  Meinung  unb  ©taube  fei.  ©ie  brausen  apoftotifc^e 
2öort  unb  Rebe,  fticfen  bodE)  i^ren  falfdjen  25erfianb  binan, 
unb  ma3  fte  an  einem  Drt  geben,  nehmen  fte  am  anbern, 
unb  fdjämen  ftdj  nid)t,  ganj  ixubemmrtige  2)inge  ju  teuren 


110 

unb  gu  fdjreiben,  babur*  benn  etfidbe  ungeübte  ßfmften 
in  ben  Söa^n  bigmeilen  geführt  derben,  atö  fofiten  ja  et* 
lidje  ^Bapiften  ntd^t  anber§  tton  ber  Rechtfertigung  lebten, 
benn  ttir  (£*>angeltf$en ,  unb  al£  foüten  fte  nid)t  weniger 
benn  toir  ©otte§  ©nabe  unb  $>a$  Serbien]!  Gfmfti  rühmen. 
Demegen  ift  nöt^ig,  ba§  man  eigentlich  toiffe,  morin  ft$ 
bie  ^äbftli^en  t)on  un§  in  biefem  !)0^en  Strtifel  trennen, 
unb  tt>a§  i^re  Sefjre  ift,  aföbann  toirb  man  bejto  flarer 
bie  red)te  Meinung  t>ernef)men,  unb  fidE)  männigücf)  t>or 
bem  93etrug  ber  $äb}ltid)en  fcorfefjen  fönnen.  2öir  fönnen 
aber  aW)ie  niebt  äße  ungeheuren  Jrrtfmmer  ber  *Papiften, 
mit  roeld)en  fie  bie  ^eilfame  Sefjre  t>on  ber  Rechtfertigung 
bef$meiJ3en,  erjagen;  benn  ba$  tx>oöte  f)ie  ju  fang  fallen, 
fo  fmb  auef)  bie  päbftifc^en  ©cribenten  ni(J)t  faft  einig  in 
allen  Runden  biefeS  2lrtifeR  3)arum  sollen  wir  nun 
biefe  t>ier  gan§  merf liefen  $uncte  fe|en,  in  melden  fte  am 
toeiteften  tfon  ber  apoftolifcfjen  Sefjre  unb  unferm  23efennt= 
ni§  ftnb. 

$ür3  erfte  ftreiten  bie  *ßäbfiticf)en  f)eftig,  bafy  unfere 
@erecf)tigfeit ,  bie  Dor  ©ott  gilt,  nid^t  ftef}e  allein  in  35er* 
gebung  ber  Sünben  unb  3uredmung  beö  ©ef)orfam§  Jefu 
(Efjrifti;  fonbem  fielje  t>ornel)mli$  in  unferer  Siebe,  neuem 
©etjorfam  unb  Jugenben,  mit  tx>el$en  ber  Selefjrte  gegiert 
nrirb;  ba^er  machen  tfjrer  etliche  gtoeiertei  Rechtfertigung. 
3)ie  erfte  fei  bie,  ba§  un£  ©otteg  ©nabe,  ofjne  35erbienjl, 
eingegoffen  tx>erbe;  bie  anbere,  i>a%  tt>ir  bnr$  unfere  guten 
2öerfe,  Siebe  unb  ©eI;orfam,  bot  ©ott  geregt  werben. 
SInbere  machen  jmei  Sbeile  ber  Rechtfertigung:  ber  erfte 
fall  fein  bie  Vergebung  ber  ©ünben  unb  ßingte^ung  ber 
©naben,  ber  anbere  £l)eil,  ba§  n>ir  ©ott  ©efjorfam  teilen 
unb  mit  neuen  Sugenben  gegiert  ftnb,   unb  alfo  bie  @e* 


111 

rec^tigfeit,  fcom  ©efe£  erforbert,  in  une  fjaben.  Sllfo  t>et- 
leugnen  jie  atlerbing3,  ha$  bie  Vergebung  ber  ©ünben, 
Verfolgung  mit  ©ott  unb  Berechnung  beö  ©efwrfamg 
Glmfii  unfere  {Rechtfertigung  fei,  unb  wollen,  ba§  mir 
burd)  unb  oon  wegen  unferer  2ßerfe  twr  ©ott  geredet 
werben.  3>arum  Sßinter  unb  ©ommer,  Sag  unb  ftadjt 
nid)t  fo  weit  Don  einanber  ftnb,  als  unfere  unb  ber  $a* 
giften  2e£re.  5)a§  aber  tfjre  ßeljre  falfdE)  unb  unfere  redbt 
fei,  jeuget  $aulug  9töm.  3:  ©o  galten  wir  e§  nun,  ba§ 
ber  äftenfd)  ofme  SBerfe  fceö  ©efe|e£,  aflein  burdt)  im 
©(auben  geredet  werbe;  unb  foll  f)ernad)  mit  fattfamem 
©runbe  erwiefen  werben. 

%üx§  anbere  breiten  bie  ^aptfien,  ber  ©laube  fei 
nid)t  ba§  ÜRittel  allein,  babur$  wir  Vergebung  ber  ©ün* 
ben  erlangen,  unb  Dor  ©ott  geregt  werben;  fonbetn  aud; 
allerlei  anbere  gute  2ßerfe,  atö  ©ujje,  Seilte,  Siebe,  @e* 
bulb,  Hoffnung,  2l(mofen  geben,  Mafien,  Veten  unb  bie 
©enugtfmung.  Unb  wenn  man  il)r  ©ebicfjte  beim  Ötd^t 
befielet,  fo  wollen  jie  allerbing3  nid)t,  ba%  ber  ©laube 
ia§  Mittel  fei  unferer  Oted)tfertigung ;  benn  jte  geben  üor, 
ber  ©laube  fei  nur  bie  Vorbereitung,  bafy  ber  SRenfd) 
fönne  geredet  werben,  bie  2öerfe  aber  feien  bie  ©eredbtigfeit, 
bie  t)or  ©ott  befiele,  liefern  3rct$utn  aber  wiberfprid)t 
*Paulu3  $öm.  3 :  ©o  galten  wir  e3  nun,  bafy  ber  9Jienfct> 
gerecht  Werbe,  allein  burd)  ben  ©lauben.  Unb  ba§  foll 
aud)  mit  ©otteS  £ülfe  mit  unwiberleglic^en  Argumenten 
balb  erwiefen  werben. 

$üt$  britte  ganj  öetmejfentlicf}  lehren  bie  (päbfHi<$en, 
ber  2Tcenfd)  fönne  in  biefem  Seben  ben  gangen  ©e^orfam 
beS  ©efe|e§  üoflfömmlid)  leifien.  £>ieg  ift  ein  merfüdjer 
*ßunct,  babei  beö  XeufelS  Sügen  ju  fennen;  benn  bie  gange 


112 

€d>rift  unb  alle  ©laubigen  befennen,  i>a%  folc^eö  ben 
üD^enfc^en  in  biefem  £eben  unmöglich  (ei.  2ßie  $attlu§ 
fagt  $ötn.  8:  3>enn  ba§  bcm  ©efeij  unmögüd)  mt, 
(internal  eö  burdj)§  $leifd)  gefd)mäd)t  mar,  ba§  il)at  ©ott  xt 
3tem  1  3^b-  1:  ©o  mir  fagen,  toir  fwben  feine  ©ünbe, 
fo  betrügen  mir  unf  felbjt,  unb  bie  2ßaf)rl)eit  iji  nidbt  in 
un§.  £)enn  fo  lange  mir  ba§  fcl)mad)e,  fünbl;afte  $letfcf) 
um  un§  tragen,  fönnen  mir  ©ott  von  ganzem  «perlen,  von 
ganzer  6eele  unb  von  ganzem  ©emütbe  unb  Von  allen 
Gräften,  mte  mir  fdmlbig  ftnb,  nicbt  lieben.  2lu$  menn 
ber  üJienfdE)  miebergeboren  unb  burdE)  ben  ©eifi  ©otteö  er* 
neuert  ift  morben,  bennodj)  vermag  er  @otte§  ©efe|  ntd^t 
erfüllen;  benn  baö  $leifdt)  jtreitet  mtber  ben  ©eijl,  fo  lange 
t>er  9Jlenfd)  lebet  2öie  $aulug  befennt  »löm.  7:  2)a§ 
©efet$  ift  geiftlid),  ic^>  aber  bin  fleif$ii$,  unter  bie  Sünbe 
verfauft;  ben  Sßitfen  fwb  iü)  mof)l,  aber  vollbringen  ba3 
Oute  finbe  id)  md)t. 

gürö  vierte,  ganj  (jetbnifdjer  unb  türfifdEjer  2Beife 
lehren  bie  $äbftlid)en  öffentlich,  weil  ber  9Kenf$  nid)t 
forme  miffen,  ob  er  ganj  rein  fei  von  allen  Jobfünben, 
unb  mann  er  genug  gute  2öerfe  fjabe,  atö  jur  @eredE)ttgfeit 
gehören,  fo  fott  unb  mu§  er  fietö  im  3^)^tfel  bleiben,  unb 
ni$t  gemij$  fcpej^en,  ob  er  einen  gnäbigen  ©ott  fyaht, 
il;m  bie  ©ünben  Verden  ftnb,  ob  er  vor  ©ott  gerecht 
unb  ein  (Srbe  ber  ©eligfeit  fei;  ober  aber,  ob  ©ott  no$ 
mit  i^m  jürne,  feine  ©ünbe  motfe  ftrafen  unb  um  emiglid? 
verwerfen  unb  verbammen.  9Kit  melier  ©otteöläfterung 
fte  i>a$  gan^e  (Evangelium  von  3efu  ßljrijto  auSlöfdjen, 
nidj)t§  mef)r  gelten  laffen  unb  ©ott  Sügen  ftrafen.  £>enn 
3of)anneg  fagt  1  3of).  5:  2Ber  ©ott  nicl)t  glaubet,  ber 
mad)t  ifm  §um  Sügner.    dagegen  lehren  mir  unb  befen* 


113 

nett,  ba§  ber  QJlettfd^  nid^t  foüe  im  3toÄfrf  Men,  nad)bem 
©ott  feinen  SBitlen  gegen  unS  genugfam  offenbaret;  fotu 
bem  fefliglid;  fdpliefien,  ba§  er,  wenn  er  bie  $erf)eifcung 
beö  Stmngeüi  mit  rechtem  ©lauben  annimmt  unb  ft$  be§ 
23erbienile3  (£t)rifti  tröget,  Vergebung  aller  ©ünben  tjabe, 
bei  ©ott  in  ©naben  unb  t>or  itmt  geregt  fei,  ba§  er  aucl) 
©otte§  Äinb  unb  ein  gettriffer  Srbe  fei  ber  ewigen  ftreube 
unb  ^errlic^feit  in  3efu  Gfmfio.  3)tefen  ^eilfamen  23eridE)t 
unb  in  ^eiliger  Schrift  gegrünbeten  ©lauben  toofle  ber 
©obn  ©otteS  bur$  feinen  bettigen  ©eijt  in  unfern  £er$en 
tterftegeln.    5lmen. 


Pie  liierte  freist 

Saß  totr  oöetn  bttr$  ben  ©laitben  geregt  toerbem 

9iacf)bem  bie  ganje  fjeiltge  ©dmft  fafl  an  allen  Orten 
unb  (Snben  fo  fetter  unb  gewaltig  jeuget,  bafy  ©ott  auS 
lauter  ©üte  unb  Sarmfjerjigfeit  ben  verlornen  unb  in 
©ünben  üerbammten  aftenfdjen  ju  ©naben,  obne  Serbienjl, 
aufnehmen,  bie  ©ünbe  fcerjeifyen,  gerecht  unb  feiig  machen 
toolle,  unb  ba$  blöbe,  tterjtricfte  unb  flüchtige  ©etoiffen 
feine  Unreinigfeit  t>or  ©oiteö  2Ingeftcf)t  befennen  mu§  unb 
f\ü)  felbfi  f^ulbig  ergeben,  unb  toix  ÜJtenfdE)en,  t>on  liegen 
ber  reiben  angebotenen  ©nabe  ©otteö  unb  allerfjeiügjtenSer* 
bienfteö  %tf\x  ßfmfii,  mit  unferem  bemütljigen  93efenntni§, 
ba$  tt)ir  nid)t§  als  ©ünbe  wx  ©otteö  2lugen  fwben,  unb 
aber  allein  auf  ©otte§  ©nabe  un§  tterlaffen,  nid)t§  verlieren, 
fonbern  t)ielmel)r  mit  toabrer  ©eredjttgfeit  angetan  werben; 
Ijergegen  aber,  toenn  ttrir  unfern  $uf)tn  in  unferm  SBerbienft 
fudjen,  bie  göttliche  ©nabe  un§  felbjt  t>erft>erren,  unb  un* 
fere  ©djanbe  unb  25erbammni§  f)äufen;  fo  ifi§  je  gro§ 
Sßunber,  ba%  Seute  auf  (Srben  fotten  gefunben  werben, 
bie  if)re  ©eligfeit  ber  göttlichen  ©üte  unb  ©naben  ni$t 
sollen  allein  auftreiben,  fonbern  aud)  il;re  eigne  ©eredE)* 
tigfeit  betätigen  unb  buxä)  eignen  föufmx  ttmen  felb  jt  alle 
©erec^tigfeit  abfyre^en*  S^ma^en  unfere  2öiberfad)er  im 
^abjitfmm  tf)un,  toetc^e  ganj  heftig  fireiten,  ber  ÜJienfd^ 
toerbe  ni$t  gerecht  t)or  ©ott  allein  burdj  ben  ©lauben, 
ofme  Sffierfe  beö  ©efe£e§,  fonbern  au$  bur$   bie  Siebe 


115 

unb  anbere  guten  2Berfe;  raeld)e3  je  nid)t3  anbere§  iji, 
beim  ba§  jte  nidjt  allein  auö  ©naben,  öou  wegen  be§ 
SSerbienfteö  SfmjK,  bie  ©eltgfeit  fudjen  unb  hoffen;  fon* 
bern  auf  it)te  eigenen  SBerfe  unb  £eiligfeit  if)r  Vertrauen 
fe£en,  unb  mit  ifjrem  ©e^orfam  in  ©otteö  (Script  befielen 
wollen.  63  wenben  jmar  unfere  2Biberfa$er  wofjl  öor, 
wie  fte  ©otteö  ©nabe  nic^t  verwerfen,  nodE)  Sfjrifti  35cr* 
bienft  verachten,  benn  baf)er  fommc  all  unfer  #eil;  aber 
folcfyeö  ifi  ein  pur  lauterer  ®d)ein  bei  ifmen;  im  ©runbe 
verwerfen  jte  beibe  ©otteS  ©nabe  unb  ß^rtfti  ©erbienfh 
$>enn  weil  fte  ©otte3  ©nabe  unb  Sfmfii  ©erbtenfl  nid^t 
Wetter  bd  iftnen  laffen  gelten,  benn  ba%  un§  baburd)  er* 
korben  fei  unb  gegeben  werbe  bie  Äraft,  nad)  ©otteg  @e* 
fe£  ju  leben,  unb  wollen,  ba§  Wir  burd)  unfere  Öiebe, 
Jugenb  unb  ©efwrfam  oor  ©ott  muffen  geredet  fein,  bie 
Qnntt  tilgen  unb  bie  $reube  be§  ewigen  Öebenö  üerbtenen, 
fo  ifi  offenbar  unb  unüerneinlid? ,  ba$  jte  bk  ©nabe,  fo 
©ott  im  Stmngelio  lä§t  oerfünbigen,  baj}  er  au3  ©naben 
bie  ©ünbe  wolle  vergeben  unb  fcon  wegen  be§  25erbienjteö 
ßbrifh  bie  ©ünbe  abwafdjen,  un§  geregt  fd)ä£en  unb  ju 
ßrben  ber  ©eligfeit  fe§en,  gän§lic^  üerwerfen,  t>ernid)tigen 
unb  begraben,  ©o!d)e§  erfdjeint  ganj  Reiter  au§  bern,  ia% 
jte  unt)erl)ol)len  befennen,  ber  9Kenf$  muffe  bur$  feinen 
©efjorfam  unb  Sugenb  fcor  ©ott  gerecht  fein,  feine  ©ünbe 
abfegen  unb  bag  ßeben  öerbienen;  unb  ba§  fte  biefe  ge* 
Wiffe  unb  fjeilfame  JRebe :  Stllein  burd)  ben  ©lauben 
werben  wir  geregt,  fetneöweg§  leiben  wollen,  fon* 
bern  für  bie  fdmblic^fie  Äe^erei  au3f$reien,  2)ieweil  un3 
benn  an  gemelbeter  SBeife  ju  reben  merffid)  t)iel  gelegen, 
benn  ber  #auptl)anbel  twn  unferer  Rechtfertigung  wirb 
baburd)  erflärt,  unb  beruhet  aüeö  auf  bern  ©runbe,  ba% 

8* 


116 

wir  lauter  ofme  Serbienjt  feiig  Werben;  unb  aber  unfere 
2öiberfad[)er  vorgeben,  t§  fei  in  ber  6d)rift  nidE)t  gef^rieben 
nod)  gegrünbet,  ba%  wir  allein  burcb  ben  ©lauben  geredet 
werben,  fo  wollen  wir  mit  ©otteö  &ülfe  in  biefer  $rebtgt 
Ijanbeln,  erfttid),  wie  biefe  JRebe:  allein  burä)  ben 
©lauben  werben  wir  geredet,  grünbiicft  $u  t>etfte- 
ben,  unb  au3  toa$  Urfadjen  wir  fte  behalten  muffen  in 
ber  Äirdje;  barna$  jum  anbern,  wollen  wir  etliche  un* 
wiberleglidje  Argumente  l)er$ufüf)ren ,  i>a§  bie  obgemelbete 
SRebe  ber  ^eiligen  ©dEjrift  gemäß  unb  au3  berfelbeu  ge* 
nommen  fei» 

1. 

Dom  etflen  ßunete» 

» 

Ginerlei  SBerfianb  unb  Meinung  IjafS,  wenn  bie 
©djrift  rebet:  2öir  werben  auS  ©naben  gerecht,  ober:  wir 
Werben  t)on  wegen  be§  93erbienjte§  Sljrifti  geregt,  ober: 
Wir  werben  burd)  ben  ©lauben  geredet;  nur  ba§  burc^) 
biefe  mancherlei  Dieben  unterfcfyiebene  Urfad^en  unb  Mittel 
angezeigt  werben:  @otte3  ©nabe  ifl  bie  wirflid^e  UrfadEje 
unferer  ©eligfeit,  bie  un3  geregt  madjt,  ß^rifü  3efu  25er* 
bienfi  ifi  bie  wirflidEje  Urfacfye,  fo  e8  erworben  unb  üer* 
bienet,  ber  ©laube  ifi  nur  ba3  Mittel  unb  ©erzeug  ober 
bie  #anb,  baburdj  wir  t>k  ©eredjtigfeit  annehmen  unb  un3 
^eignen.  Sie  wir  nun  fagen:  allein  au3  ©naben,  unb: 
allein  um  beö  93erbienfie3  %t\\x  Sbrifii  willen  werben  wir 
geregt,  alfo  muffen  wir  fagen:  allein  buref)  ben 
©lauben  werben  wir  geregt;  benn  beS  ©tauben^ 
Slrt  unb  ftatur  i{t,  ba$  er  ft$  blo§  auf  ©otte§  93arm* 
ficrjigfeit  unb  ßlmflt  SBerbienft  fcerlaffe,  unb  fein  eigen 
25erbienft  mit  nieten   anjie^e   ober  rü^me.     Sllfo   gehört 


117 

bog  2Bort  allein  auf  brei  $uncte.  1.  SWein  au§ 
©naben;  benn  f)k  mill  ©ott  bie  Sf)re  atiein  fjaben,  unb 
fleugt  alfeö  Serbien]!  unb  ©efmrfam  ber  3Kenfd)en  au& 
2.  Slflein  t)on  megen  beö  $erbienfte§  3*fu  grifft;  benn 
Gljrifrug  ift  ber  ÜHittler  unb  Serföfmer  allein,  ber  bie  Kelter 
allein  getreten,  unb  f)ie  werben  abermal  aller  SRenfcfien 
2öerfe  unb  Serbienfte  auögefdiloffen  tmn  ber  Serföfjnung 
mit  ©ott  3.  2lüein  burd)  ben  ©lauben  werben  mir 
geregt;  benn  bie§  ift  ba£  einige  ÜRittel,  bag  ©ott  baju 
oerorbnet,  bk  @ered)tigfeit  an  unö  ju  bringen.  Unb 
muffen  bie  abermal  bie  2ßerfe  unb  alteS  Serbienft  auSge* 
fd>loffen  fein,  aud)  beö  ©laubeng  Serbien ji  unb  SBürbig* 
feit,  benn  ber  ©laube  mad)t  ntd)t  barum  geregt,  ba§  er 
fo  ein  beiligeg  2Berf  märe,  fonbern  baß  er  baö  bittet  unb 
SBerfjeug  ift  ober  bie  £anb,  bamit  mir  (grifft  Serbien]! 
annehmen.  5)a§  nun  unfere  2öiberfad)er  bk  §tx>eierlei  9tebe 
nachgeben:  allein  au§  ©naben,  unb:  allein  um  beö  Ser* 
bienfteö  3efu  Sbrifti  miüen  merben  mir  geregt,  unb  bod) 
bieg  miberfeebien,  ba§  mir  fagen:  allein  burd)  ben  ©lau* 
ben  merben  mir  gerecht,  ift  öffentlicher  Setrug;  benn  mer 
einö  nad)giebt,  mu§  ba§  anber  aud)  nachgeben;  benn  eben 
barum  fpredjen  mir:  allein  burd?  ben  ©lauben,  o&ne  QBerfe, 
auf  ba§  man  befto  fefter  behalte  unb  llarer  üerftefje,  ba§ 
unö  bie  2ßof)ltf)at  allein  aug  ©naben  gefd)ef)e,  unb  6f)rifti 
Serbienft  fein  lOienfcbenüerbienft  no$  2öerf  neben  if)tn  leibe. 
So  ift  nun  biefe  Otebe:  allein  burd)  ben  ©lauben 
m erben  mir  geregt,  alfo  unb  nicf)t  anberS  ju  öerjle* 
&en,  ba$  ber  ©laube  ba$  einige  ÜRittel  fei,  baburd)  mir 
ben  ©efmrfam  unb  Serbienft  (grifft  annehmen,  Slmftum 
anjiefjen  unb  @otte£  Serbeijhmg  unö  jueignen,  baö  ift, 
burd)   ben  ©lauben   öerlaffen  mir  un8  auf  ©otteS  ©üte 


iis 

unb  Sarmbersigfett  unb  auf  Sfirifti  ßeiben  unb  Sterben 
unb  ganjen  @el)orfam,  unb  atöbatm  ftnb  ttnr  U)al;vl;aftig 
ioor  ©ott  gerecht;  beim  ©ott,  ber  un§  feine  ©nabe  ange* 
boten,  läßt  tf;m  in  feinem  ©eri^t  baran  genügen,  ba§ 
fein  ©ofm,  Jefu3  ßbrifhtä,  für  un3  genug  getf)an  unb 
bejablet,  unb  forbert  nieljr  oon  un§  nid^t,  benn  bog  mir 
feinem  2Borte  glauben.  Daber  fagt  bie  ©djrift  1  SMof.  15; 
bem  2Ibral;am  fei  fein  ©laube  jur  ©ereebtigfeit  geregnet 
Unb  $aulug  fpridöt  5Röm.  4 :  2>em,  ber  mebt  mit  Söerfen 
umgebt,  glaubet  aber  an  ben,  ber  bie  ©ottlofen  geredet 
madEjet,  bem  mirb  fein  ©laube  jur  ©ereefjttgfeit  geregnet, 
ba$  iftf  toeil  er  glaubet,  ob  er  gleieb  bie  ©ereebtigfeit  be§ 
©efeijeS  niebt  bat,  fo  ift  er  bod)  t>or  ©ort  geredet;  benn 
©ott  maebt  ilm  au8  ©naben  gerecht  ofme  Serbienft,  allein 
oon  megen  be3  SScrbienflcö  3cfu  ßljrtfti.  $)a§  nun  etliche 
bie  fagen,  ba$  2Börtlein:  allein  buref)  ©lauben,  ba# 
fd)lie§e  ber  ©eftalt  bie  2Berfe  au$,  ba%  fte  nidE)t  23erbienfl, 
ober  niebt  mirfltcbe  Urfae^en,  Causae  efficientes,  ober  auti) 
nid)t  Mittel  ftnb  ber  ©ereebtigfeit,  aber  bod?  feien  allezeit 
unb  muffen  fein  gute  SZBerfe  neben  bem  ©lauben,  ift  un* 
red^t;  benn  $aulu£  lebigtid)  fagt:  2Bir  merben  geregt 
ol)ne  Söerfe  be§  ©efe|e3,  unb  fprie^t:  bem,  ber  niebt  mit 
Söerfen  umgef;t,  glaubet  aber,  bem  tturb  fein  ©laube  jur 
©ereebtigfeit  gerechnet.  Unb  menn  bie  guten  ffierfe  ba  fein 
müßten  in  ber  Sefebrung  ober  9kef)tfertigung ,  fo  mürbe 
ber  Srofl  niebt  gett)i§  fein;  benn  mir  mürben  immerbar 
gtoeifeln,  ob  bie  guten  2öcrfe  ba  mären;  fo  fönnen  au$ 
redete  gute  Söerfe  noef)  niebt  ba  fein,  bis  bafy  ber  ©laube 
bie  ©ereebtigfeit  erlangt  bat.  £)cnn,  mie  SluguftinuS  fagt, 
Bona  opera  non  praecedunt  justificandum ,  sed  sequuntur 
justificatum.    ©ute  2öerfe  gefjen  nie^t  oor  bem,   ber  no$ 


119 

fotl  befeljrt  werben,  fonbem  folgen  bem,  ber  nun  geregt 
roorben  ijl  £>arum  ift  baS  2Bort  allein  alfo  ju  öerfte* 
ben,  i>a%  bie  Sßerfe  feine  nnrflidpe  Urfadje,  fein  $erbienft, 
fein  Mittel  ber  Rechtfertigung,  and)  bie  ©ere^ttgfeit  fetbj} 
t)or  ©ott  nidjt  ftnb,  and)  ba%  fte  nid)t  notfwenbig  in  ber 
Rechtfertigung  fein  muffen,  fonbem  ba§  bie  Rechtfertigung 
aflerbingö  ofme  nnfere  SBerfe  gefd>e^e.  9llfo  wenn  ba3 
©ettnjfen  gleich  fein  guteö  2öerf  ftnbet,  fonbem  eitel  ©ünbe 
unb  Unreinigfeit  in  un§  fielet,  bennod?  foll  e8  glauben 
unb  fcblie§en,  ba§  e§  ©ott  gefalle  unb  geredet  fei,  nm 
JJefu  fi^rifti  willen;  ba§  alfo  alle  9iott)ft>enbigfeit  ber 
2öerfe  au3gefd)loffen  fei  t)on  ber  Rechtfertigung,  unb  bem 
©ünber  ber  Jroft  feft  bleibe.  £)enn  barum  toieber^olet 
$aulu3  fo  oft,  ba%  bie  ©ered)tigfeit  fomme  au3  bem 
©tauben,  ofme  alles  3utf)un  ber  2öcrfe  beö  @efe£e3,  unb 
Wir  auf§  @efe£  in  biefem  £anbel  nidjt  fefjen  bürfen, 
2lu$  reben  bie  m$t  red)t,  bie  ba  fpre^en,  ber  ©taube  fei 
eben  bie  ©efialt  unferer  ©erec^tigfeit,  ober  bie  ©ered)ttgfeit 
felbft,  gleid)  alö  wären  mir  um  beö  ©laubenö  willen  &or 
©ott  geredet,  fo  bocb  ber  ©taube,  weil  er  unoollfommen, 
eben  fo  wenig  geredet  ma$et,  al$  bie  Siebe  ober  ein  an* 
bereS  2Berf;  benn  Wenn  ©ott  mit  bem  ©tauben  wollte 
tn3  @erid)t  gefjen,  fönnte  er  ni^)t  befielen.  Slber  barum 
machet  er  gerecht,  ba§  er  ba$  ^nftrument  unb  bie  £anb 
ifl,  baburd)  wir  bie  SBer^eiBung  ber  ©naben  unb  ba$ 
Serbien]}  6fmfH  annehmen,  um  ßljrijh  willen  aber  werben 
Wir  geredet  gefpro^en,  ßlmftt  ©efwrfam  befielet  in  ©otteö 
©eridjt,  fein  SBerbienft  gellen  wir  swif^en  ©otteö  3orn 
unb  unfere  ©ünbe,  i>a%  alfo  unfere  ©ered)tigfeit  ^etfjt  unb 
bletbt  Vergebung  ber  ©ünben  unb  3werf)nung  beö  @e* 
Iwrfamö  Gfmfli.    Unb  ift  alfo  einerlei  Serftanb  bei  $aulo, 


120 

toenn  et  ftm$t:  9lu§  bem  ©lauben,  im  ©lauben  unb 
bur$  ben  ©lauben.  3tem  £abafuf  2 :  Der  ©etec^te  tx>irb 
feineS  ©laubeng  leben*  Denn  allenthalben  ba£  2Rittel 
angezeigt  ttrirb,  babur$  mir  @otte§  ©nabe  annehmen,  unb 
unS  auf  ßfmflum  üerlaffen.  #ie  ftnb  nun  audb  bie 
ttrfadjen  ju  betrauten,  Partim  tt)ir  bie  Exclusivam,  bag 
SBörtlein  Sola  fide,  allein  burd)  ben  ©lauben,  in 
ber  Äirdje  behalten  unb  ttertfyeibigen  muffen. 

Die  erfte  ij!,  auf  ba$  ©ott  feine  @£)re  bleibe,  ber  un§ 
au§  ©naben  gerecht  machet,  ofjne  $erbienft;  benn,  toie 
oben  gemelbet,  fo  f)ei£t  butd)  itn  ©lauben  allein, 
nid)t3  anbetet,  benn  ba§  txnr  olme  Serbien]!:  au£  ©naben 
geredet  werben,  unb  alfo  audj  bem  #errn  3^fu  ßlirifto 
feine  ß^re  bleibe,  ba%  et  allein  un§  l)at  erlö§t  unb  bie 
©eligfeit  öerbient.  Denn  abermal  {jeißt:  allein  butdE) 
ben  ©lauben,  anbereg  nidjtg,  benn  nur  um  beä  Sftüt* 
lerS  3efu  ßfmfti  miUen  werben  mir  gerecht  tun*  ©ott 
Dermegen  fieftet  bie  Urfadje  be£  SffiörtleinS  Sola,  allein, 
in  bem  ©prucfy:  3$  toM  meine  (5l)re  feinem  anbern 
geben.    3ef.  42- 

Die  anbere  Urfa$  iji,  auf  ba%  ttrir  unferer  ©etigfeit 
getoi§  fein  fönnen,  unfer  £erj  üor  ©ott  füllen  unb  be* 
jMnbigen  $roft  l;aben,  benn  toenn  ber  Wlmfä)  ni(J)t  allein 
burd)  ben  ©lauben,  fonbern  aud)  burd)  bie  Siebe  unb 
anbere  Jugenben  mü§te  geredjt  derben,  fo  fönnte  er  nim* 
mer  gemi§  fd)lie§en,  ob  er  gerecht  märe,  einen  gnäbigen 
©ott  unb  Vergebung  ber  €utnben  tjätte,  unb  ein  6rbe 
ber  ewigen  ©eligfeit  umre  ober  nidjt.  2ßie  benn  jtoar  bie 
^apifien  aud),  btetoeil  fte  teuren,  ber  SD^enfc^  merbe  ntdjt 
allein  burd?  ben  ©tauben,  fonbern  aucb  bur$  bie  ßiebe, 
Hoffnung,  Seilte  unb  anbere  Sugenben,  mit  melden  ©ott 


121 

ben  3Kenfd)en  gieret,  gerecbt,  folgenbS  and)  fefl  ob  bem 
3rrtfntm  galten,  t>a$  ber  Wltn\ü)  für  unb  für  im  S^ftl 
bleiöen  foll,  ob  er  bei  ©ort  in  ©naben  fei  ober  nid^t, 
angefeljen  er  nimmer  ttnffen  fann,  ob  er  bie  Siebe  unb 
Sugenb  f)abe,  bie  jur  ^Rechtfertigung  beö  9Henf$en  gehöret 
9hm  bezeugt  aber  ber  2lpofiet  $aulu§  felbft,  ba§  bie  2Ser* 
bei§ung  muffe  fefl  flehen  unb  genn§  fein;  berftalben,  fßricftf 
er  9iöm.  4,  mu§  bie  ©ered)tigfeit  burcf)  ben  ©lauben  fom* 
men,  auf  ba§  fte  fei  au§  ©naben,  unb  bie  $erf)ei§ung 
fefl  bleibe  aüem  ©amen.  Unb  K>a$  ifl  fonft  aller  befüm* 
merten  ©emiffen  f)öcf)|ter  SBunfcf)  unb  Regier,  benn  baf; 
ne  oerjtdjert  werben  ber  göttlichen  ©naben  unb  bee  ewigen 
ßebenä;  um  tt>eld)er  Urfacfyen  mitten  ©ott  and)  ba$  ganje 
2lmt  beö  ©eifteö  eingefegt,  unb  fein  2Bort  mit  bem  (Sibe 
beftätigt,  auf  ha$  txnr  ofme  allen  B^eifel  gemi§  glauben, 
©ott  fyabt  un3  ju  ©naben  aufgenommen.  2lu3  biefer 
llrfatf)  folget  nun  aud?  bie,  ba$  mir  ttor  ©ott  erfdjeinen 
unb  mit  jyreubigfeit  anrufen  fönnen;  benn  fo  lange  ba3 
&er$  nid)t  oerftcfjert  ift,  ba§  ®ott  üerföbnt  fei,  fann  e3 
nicht  rerf)t  beten. 

35ie  bntte  Urfacb  tft,  bamit  man  flaren  Unterfc^ieb 
bebalte  jmif^en  bem  ©efeij  unb  ßoangelio;  benn  be§ 
.  ©efefceS  Verkeilungen  forbern  unfern  ©efjorfam  unb  SBerfe, 
baö  ßtmngelium  aber  beut  un§  ©nabe  an,  ofme  aüeö 
©ebing  unferer  Söerfe,  auö  ©naben.  tiefer  f)odmötl)ige 
Unterfcfjieb  mirb  airögelöfc&t,  menn  bie  Exclusiva,  bie  23orte 
Sola  fide,  (allein  burcf)  ben  ©lauben,)  nidjt  behalten 
merben. 

£ie  öierte  Urfadje  ift,  i>a§  fem  anbereä  ÜRittel  ifl, 
baburcb  mir  ©otteö  ©nabe  unb  Sfmfti  SSerbienfl  an  un§ 
bringen  mögen,  ai§  nur  burcf)  ben  ©lauben;   benn  unfere 


122 

Söerfc  faffen  unb  ergreifen  meber  ©oiteö  ©nabe  nodj) 
<£f)rifii  23erbienfi;  benn  ftntemal  fte  unttollfommen,  befte* 
I)en  fte  t)or  ©ott  nidjt,  unb  fobalb  mir  fte  aufbauen, 
machen  fte  un§  sagfjaft  Sßenn  fte  au$  neben  S^rtfii 
SSerbienfl  gebalten  werben  in  ber  Rechtfertigung,  tterbun* 
fein  fte  baffelbige;  benn  fo  t>iet  ber  SSJienfct)  auf  feine 
2Bürbigfeit  fielet,  fo  triel  fd)mälert  unb  t)ernid)tiget  er 
©otteä  ©nabe  unb  ia§  SSerbtenft  (grifft.  2ßie  33ernbarbu8 
tedE)t  faget :  Deest  gratiae,  quidquid  deputas  meritis :  nolo 
meritum  quod  gratiam  excludet.  $)er  ©laube  aber  ift  ba3 
einige  Mittel;  benn  er  entblößt  unb  entfdjlägt  ft$  aller 
eignen  Jöürbtgfeit,  ftefjet  allein  auf  (grifft  öölltgeS  25er* 
bienft,  unb  t)erlä§t  fid)  lebigli$  unb  blo§  auf  bie  gnäbige 
3ufagung  ©otteS.  Um  biefer  Urfadjen  millen  behalten 
unb  üertbetbigen  mir  bieg  Söort:  Sola  fide,  allein  burcf) 
ben  ©lauben,  geben  aber  fetneemegS  bamit  UrfadE)  ju 
freiem  milben  Seben,  mie  un§  bie  $aptfien  fre&entlidE) 
anbieten ;  benn  mir  je  lel;ren  unb  treiben,  ba%  ber  ©laube 
bur$  recbte  grüßte  ^eraugbredjen  unb  allerlei  gute  2öerfe 
ber  Siebe  in  ©ebulb  gebären  foll.  Slber  foldje  nadtfol* 
genbe  grüßte  ftnb  nt$t  in  bie  {Rechtfertigung  §u  mengen. 

II. 

Dom  andern  Puncte. 

tüte  öielDorte:  sola  fide,  allein  butfy  ben  (Blau- 
ben ,  aus  (Bottes  IDort  ?u  beweifen. 

$)ie  $äbftlid)en  flagen  fcart  über  ben  üftann  ©otteS, 
aftartinum  Sutfjerum,  ba$  er  bie  ©d)hft  t>erfälfd^t  fmbe, 
bamit,  t>a§  er  ju  ben  Römern  am  3.  gefagt:  2)er  üJlenfä 
mirb  geregt  olme  2ßerfe  beä  ©efe£e3,   allein  burdE)  btn 


123 

©tauben,  (o  bod?  im  Xejt  ba$  allein  nid^t  ftel?e,  machen 
auü)  ein  gro§  ©efdEjrei,  ba3  2Bort:  Sola  fide,  allein 
bur4  ben  ©lauben,  ftelje  in  ber  ganzen  ©djrift  nid^t. 
Slber  menn  ©ott  ben  t>erfü$rten  unb  üerblenbeten  ^ßapiften 
bie  2lugen  wollte  auftbun,  fönnten  fte  balb  feben,  ba% 
obgefe^te  Söorte  auSbrücflid)  in  ber  ©d)rift  gefegt  ftnb. 
Denn  alfo  fprid^t  $autu§  ju  ben  ©alatern  (6.2):  2öir 
ttrifien,  ba§  ber  ÜJtenfcb  burd?  be3  ©efeijeö  2öerfe  nid)t 
geredjt  wirb,  benn  nur  ober  allein  burd)  ben  ©lauben. 
3Me  ©ele^rten  toiffen,  ba§  im  grted)ifc^en  lejt  fiebt:  edr 
fxrj  8ux  xfjs  jttöxEwc,  nisi  vel  duntaxat  per  fidem,  benn 
allein  ober  nur  burd)  ben  ©lau ben.  SMemeit  nun 
$au(u3  ebtn  ba3  lehret  ju  btn  Römern  am  3,  i>a§  er 
ju  ben  ©alatern  am  2  unb  3  treibt,  bat  ßutt)eru3  ba3 
2öort  allein  ju  ben  (Römern  redjt  l)in3ugefe£t.  9lud)  f)at 
baS  2öort  gratis,  umfonfi,  o^ne  SSerbienft,  feine 
anbere  Meinung,  benn  ba§  e8  alle  unfere  üöerfe  au3* 
fd)leu§t,  wie  in  oiefen  ©prücben  ^u  fefjen.  Ps.  109:  Op- 
pugnaverunt  me  gratis  etc.  ©ie  ftreiten  Wtber  mid)  ofjne 
Urfadje;  td?  Ijab^  um  fte  nid?t  Derbtenet,  will  er  fagen. 
3tem  $f.  69 :  $)ie  mtd?  ofme  Urfadje  fmffen,  ber  ift  mebr, 
benn  icf)  £aare  auf  meinem  £aupt  fyabe.  3$  muB  6e* 
jaulen,  ba8  idj)  nid^t  geraubt  babe.  2öie  l)ie  ba3  2Bort 
gratis ,  ofjne  Urfadu,  alle  ©d)ulb  Sfmfii  au§fd)(eu&t; 
alfo,  ba  eg  öon  $auto  in  (Srflärung  unferer  ©eredptigfett 
gefegt  wirb,  fcfoleufjt  e3  all  unfer  Serbien)!  ber  2öerfe  au£. 
2Bie  benn  $au(u3  nodj  flarer  unb  gewaltiger  baä  bartl)ut, 
ba  er  md)t  allein  fagt:  of)ne  93erbienft,  umfonft, 
auä  ©naben;  fonbern  audp  bie  2Berfe  beö  ©efe£e3  unb 
baä  ©efetj  felbfi  rein  abfonbert  t)on  unferer  Rechtfertigung ; 
benn  er  [priest  $öm.  3 :    Der  üJtenfdf)   wirb  gerecht  o^ne 


124 

Jöerfe  beä  ©efe|e§,  burd)  ben  ©tauben;  ba§  fann  unb 
mag  anberS  nid^t  Derjtanben  werben,  benn  allein  burcf) 
ben  ©lauben.  £>enn  ba§  unfere  2öiberfacf)er  tue  2lu§* 
flucht  fudjen,  unb  bie  SSorte  QJauli  beuten  twn  mofaifdjen 
Zeremonien,  unb  nidjt  t>om  2öerfe  ber  Siebe ;  item,  ba§ 
anbete  t>erjle&en  bie  2ßerfe,  fo  twn  einem  Unbefef)rten, 
Ungläubigen  gefcbeben,  unb  nicf)t  bie  t>om  ©laubigen,  23e* 
festen  gefeiten,  ift  eine  öffentliche  $erfef)rung  ber  Sorte 
$auli  3)enn  $aulu§  rebet  t)om  ganzen  @efe£  @otte§, 
unb  fonberlid)  uon  bem  ewigen  ©efetj,  unb  faffet  sugfeid) 
alle  Söerfe  be§  ©efe|e3,  fte  gefd)ef)en  t)or  ober  naü)  ber 
Sefe&rung,  o^ne  ober  burd)  bm  ©tauben,  aüefammt  fon* 
bert  er  fte  twn  ber  Rechtfertigung  beg  9ftenfcf)en  t)or  ©ott; 
au3  welkem  je  folget,  bafj  e3  ber  ©taube  allein  tbun  mufj. 
Ob  benn  nun  einer  l)ie  vorgeben  tollte,  ber  ©taube  wäre 
untüchtig,  unüollfommen,  ja  tobt,  fo  lange  er  nid)t  burcf) 
bie  Siebe  formirt  unb  gegiert  mürbe,  ift  leicht  barauf  $u 
antworten;  benn  ber  ©laube  bleibt  woI;l  nid)t  oftne  $rüd)te, 
fo  wenig  bie  ©onne  oljne  Schein,  ba3  $euer  olme  #i£e, 
ba§  Seben  of)ne  Regung  bleibt  2tber  öon  ber  Siebe  f)at 
er  nicbt  feine  2>ollfommenbeit  ober  2öirfung;  fonbem  wenn 
er  nur  S^rifium  im  2öort  ergreift,  ift  er  redjtf Raffen,  unb 
in  ber  Rechtfertigung  barf  man  auf  bie  Sßerfe  nid)t  feigen; 
benn  ju  feiner  $ät  wirb  ber  ©laube  bie  grüßte  ber  Siebe 
tragen.  2öenn  gteid)  ber  Saum  guter  2lrt  iji,  tragt  er 
nid)t,  fobatb  er  gepflanjt  wirb,  fonbern  mit  ber  3^t 
fd)lägt  er  au3,  gewinnt  Änogpen,  Slätter,  blühet  unb  geigt 
entließ  bie  $rüd)te.  (Sin  jungeö  Äinblein,  wenn  e3  auf 
bie  2ßelt  fommt,  fyat  feine  Vernunft  unb  SSerftanb,  unb 
ifl  ein  regier  ÜKenfcb,  geigt  aber  unb  braucht  t)k  Vernunft 
wenig  in  ber  üinbf)eit,   ju  feiner  3^  aber  fä§t  eg  feine 


125 

Vernunft  feben.  Sflfo  ber  redete  feligmadjenbe  ©laube  ifl 
aud)  tbäiig  unb  gefcpftig  burd)  bie  öiebe,  öerjeudjt  aud? 
nid)t  lange  bamit,  fonbcrn  toie  ber  ©d)ein  mit  ber  Sonne 
balb  aufgebet;  aber  foldje  grüßte  ftnb  in  bie  9ied)tfertü 
gung  nid;t  ju  mengen,  unb  gilt  aud)  nid)t,  ba$  man 
tollte  fagen:  bie  2öerfe  ftnb  mol)t  fein  23erbienft,  aud* 
ni$t  Urfadje  ber  Rechtfertigung,  aber  bod)  bie  applicatio, 
acquisitio,  bie  2lnnel)mung  unb  9tte§ung  ber  2Bol)ltf)aten 
G&rijH  nw§  niefct  weniger  burd)  bie  2ßerfe,  alö  burd?  ben 
©lauben  gefdjeljen.  35enn  fobalb  man  in  ber  9ted)tfertt* 
gung  unfere  2öerfe  forbert,  fo  mu§  man  audt)  baä  23er* 
bienft  nachgeben;  benn  ba§  vermag  ©otte3  Drbnung,  im 
@efe£  erflärt:  Qui  fecerit  illa,  vivet  in  eis.  2Ber  fofdbeä 
tf)ut,  txnrb  baburd)  leben;  Rom.  10,  ba§  ift,  2Berfe  unb 
Serbienjt  in  ber  Rechtfertigung  gehören  jufammen  nad) 
bem  ©efe|.  £>arum  tx>eü  bie  Slnne^mung  otme  2Serbienft 
gefebiebt,  fo  folget  barauS,  ba$  fte  audj>  oljne  gute  SBerfe 
allein  burd)  ben  ©tauben  gefdjefje,  ber  fi$  allein 
auf  bie  bloße  Sarm^erjigfeit  ©otteg  unb  SfmfU  allerlei- 
ligfteä  35erbienft  tterläffet.  $>af)er  Ambrosius  Paulum  red)t 
fcerftanben,  ia  er  fprid)t:  Hoc  constitutum  est  a  Deo7  ut 
qui  credit  in  Christum,  salvus  sit;  sine  opere,  sola  fide; 
gratis  aeeipiens  remissionem  peccatorum.  J)a8  ift,  bieö 
ift  t)on  ©ott  alfo  befdjloffen,  ba$,  toer  an  G^rifium  glaubt, 
feiig  fei  olme  SÖerfe,  allein  burd)  ben  ©lauben,  umfonjl 
empfa&enb  Vergebung  ber  ©ünbe,  £>ie§  fei  bie  erfie 
§5ett>eifung, 

%üx$  anbere,  roenn  ber  ©laube  nid)t  allein  follte  ge* 
redpt  machen,  fonbern  bie  Siebe  unb  anbere  Sugenb  fammt 
bem  ©lauben  müßten  bie  ©nabe  ©otte§  unb  ßfmfU  53er* 
btenß  annehmen,   unb  uri8  üor  ©ott  geredet  machen;   fo 


126 

mü§ten  ftc  atlcmege,  enthebet  t>or  bem  ©(auben  fein,  ober 
je  ftetö  bei  unb  neben  if)tn  fein,  Quia  causa  semper  prae- 
cedit  effectum.  2öa§  eineS  SMngeg  ttnrflictye  Urfadje  iji 
ober  Mittel,  mu§  allezeit  jufcor  ba  fein.  Der  33aumetfter, 
|>olj  unb  Steine  muffen  ef)er  üorfjanben  fein,  \>mn  i>aä 
£au3.  $un  jeugt  aber  bie  ganje  ©djrift,  ba%  alle  guten 
Jöerfe  erfHid^>  au§  bem  ©tauben  entfprie^en  unb  toacbfen. 
2öie  $aulu§  fagt  $öm.  14:  Quidquid  non  fit  ex  fide; 
peccatum  est.  2ßa§  nid)t  au§  bem  ©lauben  gefdj)tef)t ,  ift 
©ünbe.  Unb  9luguftinu3  ftmctjt:  Opera  bona  non  prae- 
cedunt  justificandum,  sed  sequuntur  justificatum.  2)er  noä) 
foll  gerecht  werben,  fcat  feine  guten  2Öerfe,  fonbern  wenn 
einer  geregt  korben  ift,  at§bann  folgen  bie  2Berfe.  Unb 
iji  eine  grobe  ^eibnifdje  23linbf)eit,  ba§  Andradius;  Lin- 
danus ,  Tapperus  bürfen  vorgeben  miber  ik  ganje  Ijeilige 
©djrift,  e§  fei  nid)t  aUeä  ©ünbe,  toaö  ber  SRenfcf)  t^ut 
üor  ber  Sefebrung;  unb  brüllet  ha§  lafterlidje  Concilium 
ju  Orient:  Si  quis  dixerit,  omnia  opera  ante  justificatio- 
nem  esse  peccata;  sit  anathema.  ©o  jemanb  fagt,  ba$ 
alle  2Berfe  ttor  ber  Ötecbtfertigung  ©ünbe  jtnb,  ber  fei 
t>erflu<i)t.  Sess.  6.  can.  7.  9Jiü§te  a(fo  naä)  ifjrem  läfler* 
liebem  UrtJjeü  $aulu3,  SluguflinuS,  ja  alle  $ropf)eten  unb 
Stpojlel  t)erflud)t  fein;  aber  Cßauli  ©prudj  jWjet  nod)  fcfl 
toiber  if)re  Säflerung,  au§  meinem  folget,  bafj  bie  SBerfe 
ni$t  ftnb  iaS  OJtittel,  baburef)  bie  ©erec^tigfeit  angenom* 
men  wirb,  fonbern  allein  ber  ©laube.  2ßie  #abafuf  <L  2 
fagt:  Der  @ered)te  wirb  "  feines  ©laubenö  leben.  Unb 
^JauluS  $öm.  1:  8lu§  ©lauben  in  ©lauben,  ba8  ift,  ber 
©laube  iji  Anfang,  3ftittel  unb  (Snbe  unferer  föed)tferti* 
gung;  benn  er  faffet  Gfmjlum  unb  fammt  i^m  bie  35er* 
gebung   ber    ©ünbem     ©o   f)ie    abermal  jemanb   wollte 


127 

ttormerfen,  t§  märe  je  ber  ©taube  o^ne  Jßerfe  tobt,  tote 
fönnte  er  benn  folcf)e  gro§e  I)inge  tfjun?  2lntmort.  £>er 
©prutf)  ifi  ju  t>erfie^en  t)on  nadjfolgenber  Sßirfung.  S>er 
©taube,  ber  feinen  ©cfiem  guter  SBerfe  Don  fid)  gibt,  ber 
ifi  gen>i§  tobt;  toie  ein  95aum  nid)t§  taugt,  ber  nidjt  gute 
ftrucfct  trägt;  aber  üon  ber  ^Rechtfertigung  t>or  ©ott  ift 
fold^eg  nicf)t  ju  tterjlefjen ;  benn  ba  toecfet  ber  ^eilige  ©eifi 
ben  2Renfrf)en  auf,  jünbet  in  iljm  ben  ©tauben  an,  tt>elcber 
ttuber  bie  2lngft  be§  ©ettnffeng  breitet,  bie  3Serf)ei§ung 
annimmt,  Glmjtum  ergreift  unb  alfo  ben  9Jienfd)en  ge* 
red)t  machet  2ßie  fann  ber  9ftenf$  bie  Siebe  ober 
anbere  2ßerfe  anfa^en,  roetl  er  no$  in  ber  Slngft  jiecft, 
ringet  mit  ©efe£,  3<>tn  ©otteö,  Sünbe  unb  Job,  biö  er 
bie  23ert)ei&ung  ber  ©naben  ergreifet  Söenn  er  aber  bie 
Vergebung  ber  ©ünben  erlangt  unb  geregt  korben  ijt,  ba 
geltet  alöbann  auf  bie  fdjöne  ©onne  ber  Siebe,  ba  leuchten 
bie  ©terne  vieler  guten  Sßerfe.  @$e  ber  SRenfd)  geboren 
ttnrb,  t^ut  er  je  nid)tä;  alfo  aucb  big  ber  SJlenfd)  toieber* 
geboren,  fann  er  ni$t§  ©uteg  anfallen.  £)arum  fagt 
<PauluS:  Non  operanti,  ber  n i dt) t  mit  9Berfen  um* 
geljet,  credenti  vero,  glaubet  aber  an  ben,  ber 
bie  ©  ottlofen  gerecht  mattet,  bem  wirb  fein  ©taube 
jur  ©ered[)tigfeit  geregnet  ^iemit  jiimmt  aud)  ber  ©prudj 
Chrysostomi :  Nullus  sine  fide  vitam  habuit,  latro  credidit 
duntaxat,  et  justificatus  est  a  misericordissimo  Deo.  Atque 
hie  ne  mihi  dixeris,  defuisse  ei  tempus;  quo  juste  viveret 
et  honesta  faceret  opera.  Neque  enim  de  hoc  contende- 
rim  ego,  sed  unum  hoc  contenderim  ego?  quod  sola  fides 
salvum  fecerit;  nam  si  supra  vixisset,  ac  fidei  et  operum 
negligens  fuisset,  a  salute  excidisset.  5)a§  ifi:  Dliemanb 
l)at  bag  Seben  ofjne  ©tauben  je  gehabt;  ber  ®d)äcf)er  fyat 


128 

allein  geglaubt,  unb  ift  gerechtfertigt  korben  t)on  bem 
allerbarm^evjigften  ©ott.  Unb  f)ie  bavf  nun  niemanb  fa= 
gen,  er  f)abe  nidE)t  Bei*  gehabt  re$t  ju  leben  unb  ef)rltd)e 
2Berfe  ju  tfnm;  benn  baüon  jheite  icb  nid>t  2>ie3  einig 
aber  fireite  td),  ba§  allein  ber  ©taube  ifm  feiig  ge* 
madpt;  benn  fo  er  länger  gelebt  fyätte  unb  ben  ©lauben 
unb  bie  2ßer!e  unterlaffen,  toürbe  er  bie  ©eligfeit  verloren 
l)aben. 

$ür3  brüte,  fein  Sßerf  be§  ©efe£e3,  e§  fei  gleid)  fo 
heilig  al3  eg  toolle,  mag  ein  bebrängteS,  furdjtfameg  @e* 
U)iffen  Dor  ©otteö  2tngeftd)t  jufrieben  fteöen;  toie  man 
ni$t  allein  im  $abfttf)um  erfahren,  ha  bie  ßeute  nimmer 
ein  flüleö,  friebfame§  ©etoiffen  fjaben  erlangen  mögen, 
Söenri  fte  gleid)  alle§  getfjan,  wa§  fte  üermodjt  fwben, 
unb  audE)  nod)  bie  $äbfHtd)en  befennen,  t>a§  fte  au§  tfjren 
2öerfen  nicf)t  gewiß  fließen  fönnen,  ob  fte  einen  gnäbt* 
gen  ©ott  ^aben  ober  nicf)t,  fonbem  aud)  fromme,  gottfelige, 
gläubige  £erjen  ftnb  nod)  voller  ftuxfyt  unb  ©cfjrecfen, 
toenn  fte  it)re  SJBerfe  anfelpen.  2)enn  tote  $aulu3  jeuget 
9Wm.  4:  2)a§  ©efefc  ricbtet  nur  Born  an.  Stern  @al.  3: 
3Ber  unter  bem  ©efe|  ift,  ber  ift  unter  bem  $lu$  be§ 
©efe§e§,  ba§  ift,  nur  tfum,  m$  n>ir  fönnen,  fobalb  ttur 
aufö  ©efe|  unb  unfere  2öerfe  fefjen,  fo  to&tySt  nur  Slngft, 
$urd)t,  Born  unb  ©dfjrecfen  in  unfern  fersen,  barum,  ba§ 
ba$  ©efe|  nur  völligen,  t)oflfommenen  ©eljorfam  t)on 
uns  forbert,  unfere  Söerfe  unb  ©efjorfam  aber  no$  unrein, 
unt)ollfommen  unb  ganj  tt>eit  üon  ber  @ered)tigfett  be§ 
©efe|eS  ftnb.  £>eüt)egen  toer  im  toenigfien  auf  feine 
Sßerfe  ftetjet,  ber  mu§  immer  im  Btt^fti  Men.  9iun 
null  aber  ©ott  ^aben,  t>a%  ber  üftenfd)  feiner  ©eligfeit  l)te 
auf  (Srben  gett)if?  fei,  unb  ofjne  Btt)eifel  glaube,  ba§  ©ott 


129 

tfm  ju  ©naben  aufgenommen  unb  jum  (Srben  alter  fnmm* 
liföer  ©üter  gefe|t  Ijat;  benn  barum  fyat  er  feinen  2Biflen 
offenbaret,  barum  t)at  er  feinen  @otm  felbft  reben  laffen, 
barum  fyat  er  feine  25er^ei§ung  mit  bem  Ijoljen  (Sib  be* 
flattgt,  barum  gibt  er  baS  $fanb  unferer  ©erec^tigfett, 
ben  ^eiligen  ©eift,  in  unfer  £erä,  au§  tt>eldE)en  untoiber* 
tretblid?  folget,  ba§  bie  2lnnef)mung  ber  2öot)ltf)aten  ©otteS 
nid)t  bur$  bie  2Berfe,  als  Siebe,  33uße,  Seilte,  Oieue, 
©enugtfjuung,  haften,  23eten  ober  bergteicfjen  gefd)iel)t, 
fonbern  allein  bur<$  ben  ©tauben.  $)ie3  Argument  fann 
fein  $äbfHer  umflogen,  benn  e§  toirb  t)on  $auto  felbft 
5Röm.  4  gefegt  unb  gewaltig  geführt:  2)enn  wo  bie  öom 
©efe£  erben  ftnb,  fo  ift  ber  ©taube  nitytS,  unb  bie  $er* 
fceißung  ift  abe;  benn  ba§  ©efetj  richtet  nur  3^m  an; 
benn  n>o  ba$  ®efe|  nid)t  ift,  ba  ifl  au$  feine  Uebertretung ; 
bertjatben  mu§  bie  ©erec^tigfeit  bur$  ben  ©tauben  fommen, 
auf  ba§  fte  fei  auö  ©naben,  unb  bie  23er^ei§ung  fefi  bleibe 
altem  ©amen»  #ie  ifl  t>a8  üfttttel,  baburd)  toir  geregt 
toerben,  auf§  allerbeutlidpfte  abgemalt,  auä)  bie  Urfadjje 
gezeigt,  rcarum  ©ott  bieg  ÜJiittet  oerorbnet  Ijat:  $)urd) 
bie  Jßerfe  be§  ©efe|e§  fönnen  toir  bie  6rbf$aft  nt$t 
annehmen;  benn  ba§  ©efe|  f<$recft  un§  für  unb  für, 
ni$t  altein  t>or  ber  SBefe^rung,  fonbern  au$  IjernadE),  unb 
fo  lange  ber  9Jtenf<i)  lebet,  unb  bringt  nimmer  ein  fröf)lt* 
ä)t§  ©etotffen,  müßte  alfo  ber  ©taube  auögelof^en  werben. 
2Bo  nun  ber  ©taube  nidjt  ijl,  ba  gilt  auü)  bie  23erf)eißung 
ni$t;  btnn  ©taube  unb  SBerfjeifjung  gehören  jufammen, 
unb  gilt  ein§  oljne  ba§  anber  ni$t§.  $)iett)eit  benn  ©ott 
feine  $erf)eifjung  ni$t  umfonfi  gegeben,  fonbern  will,  ba% 
fte  als  eineg  toatjrtjaftigen  ©otte§  getoiffe  Bufagung  gelten, 
fefi  fielen  unb  bleiben  folt,  fo  tfi§  unoerneintid^ ,  baß  toir 

9 


130 

allein  burdj  ben  ©lauben,  ofme  alles  3utf)un  ber  2Berfe, 
ixt  ©üter  unb  2öof)ltf)aten  (S&rijtt  annehmen  unb  üor  ©ott 
geregt  unb  feiig  toerben. 

(5ür§  trierte,  bie  ganje  ©cfirift  forbert,  ba§  ftdE>  ber 
SRenf$  alle§  Ruf)me3,  fonberlicf)  in  ber  Rechtfertigung,  be* 
gebe  unb  gänjlid)  enthalte;  bagegen  ©ott  allein  bie  ßfjre 
gebe,  bat?  w  gerecht  fei,  unb  gerecht  mac&e  ben,  ber  ba  ifi 
be§  ©laubeng  an  Sefum.  $auluö  ftm#t  Rom.  3:  2öo 
bleibt  nun  ber  Ruf)m?  (£r  ijt  nidE)t£.  %km  Rom.  4: 
2lbraf;am  f)at  *doI)1  Rufmt,  aber  nid)t  üor  ©ott.  %tem 
@pf).  2:  9lug  ©naben  feib  if)r  feiig  toorben,  ©otteö  ©abe 
ifTS,  nid^t  au§  ben  Jöerfen,  bamit  ftdE)  nid)t  jemanb 
rü^me.  %ttm  3^-  9:  SB  et  ftdt)  rübmet,  ber  rüt)tne  ft$ 
be§  £erm. 

2öenn  aber  nun  bie  Slnne^mung  ber  ©üter  SljrifU 
unb  bie  Rechtfertigung  nicöt  allein  burd?  ben  ©lauben, 
fonbern  audj)  jugleic^  bur$  gute  2öerfe,  al§  ßiebe,  ©ebulb, 
2llmofen  k.  gefeiten,  fo  müfjte  folgen,  ba§  ber  SKenfd) 
befugt  ttäre,  etlic^erma^en  ftdj  ju  rühmen,  nicfct  allein  t)or 
ben  StRenf^en,  fonbern  au$  üor  ©ott.  *J)enn  e§  toäre 
nict)t  allein  ©otte§  ©nabe  unb  ßljrifii  $erbienft,  bafy  ber 
2ftenf<$  gerecht  timrbe,  fonbern  ber  9Jienf$  tfwte  ba§ 
©eine  audj  ba^u.  2Biet)iel  nun  ber  ÜJtenfcf)  feine  ®elbjl* 
fetigfeit  unb  ©ered)tigfeit  beförbert  unb  fortfe^et,  be§  ifi 
er  je  rühmen*?  toertl),  unb  fcerbienet  ßob  bei  ©ott,  fintemal 
er  ft$  nacb  ©otte§  Söillen  l)ält,  unb  toenn  ber  2ftenfd) 
bur$  feine  Siebe,  ©eljorfam  unb  ©ebulb  geregt  ftrirb,  fo 
mu£  ja  ba$  @efe|  if?n  nid;t  allein  rühmen,  fonbern  aud) 
mit  bem  Seben  belohnen;  benn  totx  fol$e§  t^ut,  toirb 
baburd)  leben.  3  2Jtof.  18.  2ßag  nun  für  Ru^m  unb  (S^re 
iem  9Kenf$en  jugetegt  toirb,   ba§  gef)et  bem  allmächtigen 


131 

©ott  unb  unferm  £eitanb  3efu  S&tifto  ab.  Deest  gra- 
tiae;  quod  deputas  meritis,  ttrie  broben  gefagt.  2Bel$e3 
ganj  fc^recflicf)  ifi  ju  gebenden,  ba§  man  bem  allmächtigen 
©ott  unb  bem  allert)öcf)ften  #eilanb,  3efu  Gl)rifio,  feinen 
$uf)m  unb  öf)re  fdjmalem  unb  nehmen,  unb  bem  fünbt* 
gen  2Renfd)en,  ber  ein  SRabe,  fotl  jumeffen.  2Iber  bie 
gange  ©djrift  verbeut  fold^eö  aufg  ^öd^fte,  unb  null,  ba% 
man  ©ott  feine  Sbre  untterrütft  foll  bleiben  laffen,  unb 
gejW)t  bem  9Jtcnfcf)en,  als  einem  tterbammten  Sünber, 
ben  allergeringfien  9tul)m  nid;t  in  ber  Rechtfertigung.  5lu§ 
n>elcf)em  bann  auf3  gemaltigfie  gefdjioffen  wirb,  i>a$  allein 
ber  ©laube  i>a$  einige  3ftittel  fei,  baburdt)  mir  üor  ©ott 
geregt  werben,  unb  feine  Jöerfe  bie  ©eligfeit  annehmen 
fönnen.  Db  nun  aber  jemanb  bie  sollte  fcortoerfen,  e3 
rüljmete  jtd)  bod)  3>at)ib  feiner  Unfdjulb  unb  feiner  @e* 
redbttgfeit  $f.  7:  Richte  mid),  £err,  nad)  meiner  ®ere$* 
tigfeit  unb  nad)  ber  Reinigfeit  meiner  $änbe.  3tem 
$f.  18:  Der  #err  tfmt  mo^l  an  mir,  unb  oergibt  mir 
nad)  meiner  @ered)tigfett,  unb  nati)  ber  Reinigfeit  meiner 
£änbe  t)or  feinen  2lugen;  barauf  ifi  ju  antworten,  ba§ 
ftd)  £)atrib  nid)t  rühmet,  atg  ber  in  @otte§  ©eridjt  mit 
feiner  Unfcfmlb  befiele,  fonbern  toiber  bie  falfdje  5lnf(age 
unb  95erleumbung  feiner  $einbe  rühmet  er  ftd),  hafy  ü>m 
llnredjt  gefd)el)e  unb  ju  Unfdmlben  bejic^tigt  fei  korben, 
unb  ttolfe  ©ott  felbft  barüber  jum  Ridjter  leiben,  benn 
er  war  fein  9Iufrüf)rer,  ttne  man  if)m  <®c^)ulb  gab.  Stlfo 
I)at  3)at)ib  SRu^m  t)or  ben  2ftenfd)en,  aber  nidjt  oor  ©ott, 
toaS  bie  Rechtfertigung  betrifft  2lud)  mufj  niemanb  Ine 
gebenfen,  a(§  ob  ber  SRenfd)  ftd)  feirteS  ©laubenS  falben 
ju  rüljmen  fjätte;  benn  biefe§  ifi  bie  fonbcre  2lrt  be§ 
©laubenS,    i>a%    er    ftd)    alleg   Rul)me§   unb    Söürbigfeit 

9* 


132 

begibt,  befennt  feine  23lö§e  unb  t>erlä§t  ftd?  nur  auf  bie 
lautere  ©nabe  ©oiteS,  unb  einige  95erbienji  %tf\x  Script. 
9ltbm  bem  and)  ber  ©laube  ni$t  üon  ung  ip,  fonbern 
@otte§  ©abe,  als  ber  ifm  o^ne  unfere  9Jlitmtrfung  burd) 
feinen  ©eip  angejünbet.  5)iefe§  Argument  f>at  Basilius 
in  concione  de  humilitate  fein  gefütjret,  ta  er  fpri^t: 
Haec  perfecta  et  integra  est  gloriatio  in  Deo,  quando  ne 
quidem  propter  suam  justitiam  aliquis  effertur,  sed  ag- 
noscit  sibi  deesse  veram  justitiam,  fide  autem  sola  in 
Christum  justifieari,  sicut  gloriatur  Paulus,  se  despicere 
suam  justitiam,  quaerere  autem  fide  per  Christum  justi- 
tiam, quae  ex  Deo  est.  $>aS  ip:  $)ie§  ip  ber  üollfom* 
mene  unb  gan^e  JRu^m  in  ©ott,  toenn  fxd)  ber  SKenfd) 
ni$t  ergebt  um  feiner  ©erec^tigfeit  nullen,  fonbern  erfennt, 
baf$  eö  it)tn  an  tna^rer  ©ere^tigfeit  mangelt,  toerbe  aber 
allein  tnxd)  ben  ©lauben  an  Sefum  Sfmpum  geredet, 
inma§en  tx>ie  $aulu8  rühmet,  ba§  er  feine  ©ere$ttgfeit 
xdd)t  ad;te,  fu$e  aber  bur$  ben  ©lauben  an  Sfmpum  ik 
©ere^tigfeit,  bie  au§  ©ott  ifi.  #ie  muffen  bie  pabplicfjen 
©opfnpen  bef ernten,  bafj  Basilius  md)t  allein  bie  5Rebe 
gebraust:  allein  bnxd)  ben  ©lauben  toerben  mir 
geregt,  fonbern  and)  ba§  Slrgument,  fo  ttrir  führen, 
üerpanben,  unb  ber  $apipen  fallen  IRuljm  längp  t>er* 
ttorfen. 

3um  fünften,  ber  SIpopel  $aulu§  mad)t  nidjt  allein 
einen  flaren  Unterf^ieb  jtoif^en  bem  ©lauben,  ber  bie 
©nabe  annimmt,  unb  ben  2öerfen,  fonbern  £ält  jte  flracfS 
toiber  einanber  im  #anbel  ber  Rechtfertigung;  nid)t  ba% 
ber  ©laube  ben  Söerfen,  ober  bie  Sßerfe  bem  ©lauben 
jutoiber  ftären,  benn  ein§  au§  bem  anbern  nmcf)3t,  unb 
bie  SGBerfe  ftnb  $rücbte  bt$  ©laubenS;  aber  allste  in  ber 


133 

{Rechtfertigung  unb  5lnnebmung  ber  ©naben  jtnb  fte  ber* 
geaalt  nriber  einanber,  ba§  mer  ft$  auf  bie  2öerfe  t>erlä§t, 
ber  mu§  ft$  beS  ©laubeng  t>erjei^en;  benn  bie  üöerfe 
laffen  ifm  ni$i  gemi§  fein,  tx>ic  bie  $abflefel  felbfl  befen* 
neu;  bergegen  mer  an  ©ott  glaubet,  ber  mu§  be8  23er* 
trauend  auf  bie  Söerfe  müfftg  fielen,  benn  ber  ©laube 
allein  ftel)t  2>efum  Glmfium  an,  unb  menbet  fld)  tmn  allen 
unfern  Söerfen.  2luf  biefe  SBeife  plt  $aulu§  fööm.  4 
ben  ©lauben  unb  ia$  Vertrauen  auf  bie  2öerfe  gegen 
einanber:  $)em  aber,  ber  mit  ffierfen  umgebt,  mirb  ber 
ßof)n  m<$t  auö  ©naben  zugerechnet,  fonbem  au§  $flid[)t; 
bem  aber,  ber  ni$t  mit  2öer!en  umgebet,  glaubet  aber  an 
ben,  ber  bie  ©ottlofen  geredet  machet,  mirb  fein  ©laube 
jur  ©erec&ttgfeit  geregnet.  £ie  f)ält§  $aulu§  für  miber* 
märtige  $inge,  glauben  unb  mit  2öerfen  umgeben;  barum 
fönnen  ni$t  jugleic^  ber  ©laube  unb  bie  SBerfe  ben 
2Renf($en  gerecht  machen,  fonbem  entmeber  mu§  tS  ber 
©laube  ofme  bie  Söerfe  tfmn,  ober  bie  2öer!e  o^ne  ben 
©lauben.  ©leider  ©efialt  führet  er  biefen  ©runb  ju  bm 
(Römern  am  11.:  Sllfo  gefjet'g  auef)  ju  biefer  3eü,  ba§ 
benno$  etliche  bleiben,  nad)  ber  Söafjl  au£  ©naben.  3f*'S 
aber  au§  ©naben,  fo  tjl'8  nifyt  au§  23erbienft  ber  2öerfe, 
fonfi  mürbe  ©nabe  ni$t  ©nabe  fein.  $)a§  ijl,  mer  ©nabe 
unb  2öerfe  in  ber  (Rechtfertigung  mifl  jufammenfnüpfen, 
mie  bie  falben  $apifien  gern  tt)un  moliten,  bie  ta  frei 
fagen,  ber  ©laube  allein  madje  ni$t  gerecht,  fonbem 
©laube  unb  2öerfe,  ber  fcerfieljet  nid)t,  ma§  ©nabe  fei, 
fonbem  macbet  au§  ©nabe  Serbienß,  miber  aller  2Jlenfd^en 
2>erftanb.  3ft'S  aber  au§  95erbienfi  ber  Söerfe,  fprid^t 
$aulu£,  fo  ifi  bie  ©nabe  nichts,  fonft  märe  Serbienjt  mcljt 
2Serbienjt.    £>a§  ifi  bo$  beutlic^  gerebet,  ba%  ©laube  unb 


134 

Sßerfe  bie  JRedjtfertigung  ni$t  sugteidj  ober  neben  einanber 
»errieten  fönnen,  fonbern  ein3  mu§  bem  anbern  weisen; 
hnll  man  mit  Söerfen  be§  ©efe£e§  umgeben  unb  ftd[)  bar* 
auf  vor  @otte§  ©ericfct  vertaffen,  fo  mufl  ber  ©laube 
toeicfyen;  benn  ber  fielet  allein  auf  bie  ©nabe  otjne  Söerfe; 
au$  oerlöfdjet  unb  vergebet  ber  ©laube  alterbing^,  fobatb 
bag  ©ert)iffen  feine  2Berfe  vor  ©otteä  SRid)tjhtf)l  anfdjauet; 
^ergegen  tt)ill  man  an  ©ott  glauben,  ber  bie  ©ottlofeu 
geregt  machet,  unb  bur$  itn  ©lauben  bie  ©eredE)tigfeit 
fudEjen,  fo  mu§  man  nifyt  mit  Sßerfen  umgeben,  ba£  tff, 
auf  gute  SBerfe  fein  Vertrauen  fe£en,  fonbern  aller  2Bür* 
bigfeit  ft$  begeben  unb  Verden,  unb  allein  auf  ©otteS 
S3arm&eräigfeit  ftd)  verlaffen. 

2)iefe8  follen  nun  unfere  $aj)if}en  bem  Styoftel  $aulo, 
von  bem  nur  bieg  Argument  genommen,  unb  un§  ntcfjt 
alfo  oerfefjrcn,  a(3  leiteten  mx,  ba%  ber  ©laube  unb  gute 
2öerfe  toiber  einanber  toären,  unb  ein§  baS  anber  nidjt 
bulben  fönnte.  2Bie  fte  benn  fälfcpd)  unb  freventlich, 
nidE)t  allein  toiber  bie  öffentliche  unb  mäniglici)  bekannte 
2ßaf)rf)eit,  fonbern  audj  ttiber  if)r  eigen  ©etoiffen  un3  be* 
fc^ulbigen,  aI8  verwerfen  unb  verbieten  toir  gute  2öerfe, 
unb  geben  llrfact)  ju  allerlei  6ünbe  unb  ©$anbe;  bafür 
fte  benn  an  jenem  Sag  fefwere  JRedjenfc&aft  geben  werben 
muffen,  ©enn  fte  toiffen  tt>of)l,  ba§  nrir  bie  guten  28erfe 
md?t  allein  f)o$  rühmen,  alle  (Efmflen  baju  treulieb  t>er* 
mahnen,  ©otte§  £>rof)tt)ort  unb  25er^ei§ung,  oon  Strafe 
ber  ©ünben  unb  reichlicher  Belohnung  aller  guten  2Berfe, 
unfern  3uf)örem  fleißig  einbilben,  fonbern  auef)  unterrichten, 
toie  bie  rechten,  guten  Söerfe  gefdjetjen,  unb  ©ott  gefallen 
mögen,  nömlid)  bur$  bm  ^eiligen  ©eift  im  ©lauben  an 
Gfcrifium.     2ötr   fjaben,    ©ott  2ob,    bie  ernften  öefe&le 


135 

@otte3,  barin  er  bte  guten  2öerfe  fcon  un§  forbert,  t)ot 
2lugen  Wlaüt).  5 :  Saffet  euer  fiicfct  leuchten  t)or  ben  $fltn* 
fdjen,  ba§  fte  eure  guten  9Ber!e  fef;en,  unb  euren  23ater 
im  Fimmel  greifen.  3tem  1  Jbeff.  4:  Denn  baS  ifl  ber 
Sßtlle  ©otteg,  eure  Heiligung,  ba$  ifyx  meibet  bie  $urerei, 
unb  ein  jeglicher  unter  eu$  txjiffe  fein  $a&  ju  behalten  in 
Heiligung  :c.  Stein  $öm.  12:  begebet  eure  Selber  jum 
Opfer,  ba§  ba  lebenbig,  heilig  unb  ©ott  wohlgefällig  feu 
3tem  Xit  3:  ©oldjeS  tt)iü  icb,  ba§  bu  fefi  lefjreft,  auf 
ba§  bie,  fo  an  ©ott  igläubig  ftnb  korben,  in  einem  ©taube 
guter  Sßerfe  funben  werben,  9tad)  biefer  apoflolifc^en  ßefjre 
öermabnen  toir  jebermann  ju  guten  2öerfen,  jeigen  an, 
tt>eld)e3  gute  2öerfe  ftnb  nad)  ©oiteS  ©ebot,  tarnen  treu* 
tief)  üor  ber  garten  ©träfe,  fo  auf  bie  Sünbe  folget;  ttnr 
bezeugen,  ba§  bie,  fo  ba  ©ünbe  tfwn,  oom  Teufel  ftnb, 
unb  fein  Jfjeil  am  SKet$  ©otteö  l)aben.  2öir  befennen, 
ba§  ©ott  alte  guten  2öerfe,  beibe  f)ie  jeitlicf)  unb  bort 
ettnglicfi,  belohne;  rote  $aulu£  jeuget  1  Jim.  4:  Die  ©ott* 
feligfeit  t)at  25erf)ei§ung  biefeä  unb  be§  e&igen  Öeben3. 
3u  bem  fagen  ft>ir,  ha§  bie  guten  SBerfe  an  ü)m  felbft 
bem  ©lauben  fo  gar  nidjt  entgegen  finb,  ba§  ber  ©taube 
bie  einige  2öursel  ifl,  au3  welcher  alle  guten  Sßerfe  ent* 
fpriegen.  Söorin  f)ält  benn  $aulu8  ben  ©(auben  unb  gute 
2Berfe  rciber  einanber?  9tur  in  bem  Vertrauen  fcor  ©otteä 
©eri$t,  unb  in  6ud^ung  ber  ©eredptigfeit;  in  biefem  ©tücf 
finb  fte  ex  diametro  alfo  ftracfö  txnber  einanber,  i)<x$  2öajfer 
unb  $euer,  Job  unb  %tbm  nid^t  firaefer  toiber  einanber 
fein  fönnen.  Denn  toie  nun  oftmals  gemelbet,  ber  ©laube 
beruhet  allein  auf  ©otteS  ©nabe  unb  S^ripi  Serbien]!, 
unb  begiebt  ft#  aller  eigenen  2öerfe  unb  25erbienft  in  ©ot* 
US  ©erid)t,  befennt  t)ielmet)r  feine  Unttmrbtgfeit,  unb  bafj 


136 

ber  2Renf$  nichts  benn  ©ünbe  fei;  tvie  ber  2$er£  fagt: 
Ante  tuos  oculos  nil  nisi  culpa  sumus.  23or  beinen  2lugen, 
©ott  ftnb  tvir  ni$t§  benn  <3ünb  unb  ©cfmlb.  dagegen 
aber  ba§  Vertrauen  auf  eigene  Sßerfe  t>ertoirft  bie  ©nabe 
©otte§,  verleugnet  btn  Job  6f)rijti,  tilget  bie  ganje  33er* 
f)et§ung,  löfc^et  ben  ©fauben  au§  unb  tro$et  auf  ba§  25er* 
bienfl  eigener  £  eiligfeit.  $)arum  fo  unmöglich  al§  (e§)  iji, 
ba§  Job  unb  ßeben  einerlei  2öirfung  £aben,  alfo  umnög* 
lt$  ift§,  ba%  ber  ©laube  unb  bk  guten  2öerfe  juglei# 
ben  SJtenfdjen  geregt  machen  follten.  3f)*  ^oibt  Sfmfium 
verloren,  fagt  $aulu§  ©al.  5,  bie  i|>r  bur$  baS  @efe£ 
geregt  werben  tvollt,  unb  feib  von  ber  ©nabe  gefallen. 
3tem  $öm.  4:  2öo  bie  vom  @efe£  ßrben  finb,  fo  iji  bie 
$erf)ei§ung  ab,  unb  ber  ©laube  ifi  ni$t&  £>enn  unfere 
guten  Jöerfe,  tveil  fte  unvollfommen  unb  immerbar  mit 
©dj)tt>ad)l)eit  unb  ©ünben  befubelt  ftnb,  fönnen  fte  vor 
©otteS  @eri$t  nid^t  bejie^en. 

3um  fe^jien,  in  £obe§nötf)en,  ba  be§  2#enfcben  £erj 
fämpfet  mit  @otte§  3ont,  mit  ber  ©ünben  9Ra$t,  tviber 
bie  2Inflage  be§  @efe|e§,  tviber  ba§  3^gni§  be§  ©etvtf* 
fen§,  tviber  bie  9lngji  be§  £obe§,  tviber  bie  ©eivalt  be§ 
JeufelS  unb  tviber  bie  gurcf)t  ewiger  Serbammnifc,  ift  ei* 
gentli$  ju  feben,  ob  bie  guten  SBerfe  fammt  bem  ©lauben 
bie  ©ered)tigfeit  unb  ©eligfeit  annehmen,  ober  aber  ber 
©laube  jol$e§  allein  tfme;  benn  ba  f)öret  bodf)  alle  ^euc^elei 
auf,  ba  iji  bie  8ünbe  am  lebenbigfien,  ba  jiefjet  ©otte§ 
@erid)t  vor  9tugen,  unb  alSbann  iji  baS  @efe$,  tt>eld)e8 
iji  ber  ©ünben  Äraft,  am  tvenigjien  verbedt  SBie  2lga* 
il)on  befannt  fjat,  ba  er  fterben  follte,  unb  mit  graufamem 
©cfjrecfen  gefagt,  ©otte§  ©ericf)t  tväre  tveit  anber§  getrau, 
al§  ber  SKenf^en  Urteil.    2öa§  benn  nun  tviber  ©otteS 


137 

3orn  mcf)t  befielet,  bie  fturdjt  beä  ©emijfenS  ttidjt  füllet, 
ben  Job  nicf)t  überminbet  unb  ben  üJtenf$en  in  £obe§* 
nöt^en  miber  alle  ©ünbe  unb  9lnflage  beö  SeufelS  alfo 
fann  tröften  unb  aufrichten,  ba%  er  ber  ©eligfeit  gemi§ 
merbe  unb  fanft  mit  ^rieben  |m  ^mn  entf(jF)(afe,  ba§ 
fann  aud)  bie  ©ered)ttgfeit  unb  Seligfeit  nid)t  annehmen; 
benn  baö  iji  bie  ©ered)tigfeit  unb  emige3  Seben,  ba§  mir 
ben  wahren  ©ott  erfennen,  öor  if)tn  bejlefjen,  oerföbnt  ftnb 
unb  ^rieben  Ijaben;  unb  mo  bie  ©eredjiigfeit  iji,  ia  mu§ 
ber  Xob  freieren  unb  ba$  emige  ßeben  folgen.  Db  benn 
nun  ber  $äbfilid)en  guten  2ßerfe  in  £obe3nötf)en  üor 
©otteS  ©eri^t  befielen,  bie  2lngft  beg  ©emiffeng  ftillen, 
bie  Slnflage  be§  ©efe|eS  miberlegen,  be§  ©atanS  ©Rieden 
f)inmegnef)men  unb  bie  Stngft  be$  lobeö  überminben,  unb 
einiget  Ztbtn  im  jierbenben  OJlenfdjen  anjänben  fönne, 
mögen  fte  f\d)  mobl  bebenfen.  3$  falte  ™$t  ba§  jte  bei 
je^igem  öid)t  be§  ßoangelii  fold)e§  fagen  bürfen,  unge* 
achtet  mie  unt>erfcpmt  bie  ÜÄön$e  unb  Pfaffen  t)or  ber 
Seit  bie  ©terbenben  auf  if)re,  ber  üJWndje,  gute  2öerfe, 
Sfteffe,  Älofterleben,  Mafien  unb  SBeten  oertröftet  Unb  ma£ 
bürfen  mir  jte  lange  fragen,  weil  nur  H)x  eigen  Sefenntni§ 
lauter  unb  flar  fjaben?  35enn  fte  fagen  unoerf)of)len,  ber 
SRenfcf)  muffe  jiets  im  S^ifel  bleiben,  ob  er  mit  ©ott 
Derföbnt  unb  ein  ßrbe  fei  ber  ©eligfeit  ober  nid)t;  fo  be* 
fennen  jte  ja,  ba§  i&re  guten  SBerfe  bie  2lng|l  be§  ©e* 
miffenö  nid&t  füllen,  noef)  &or  ©otteö  @erid)t  befielen,  no$ 
ben  £ob  überminben,  Unb  menn  jte  e§  gleid)  nid)t  be* 
fennen  motlten,  mürbe  fte  bo$  bie  gan^e  Schrift  beffen 
überzeugen,  meiere  gemaltig  ermeifet,  ba$  nid)t  allein  ber 
$äbjHi$en  fau$lerifd)e  Söerfe,  fonbern  and)  ber  aller- 
fjeiligften   $ropf)eten   unb   2lpoftel   rec&tfcfaffener,   failiger 


138 

unb  tebenbiger  ©eljorfam  nicfct  befielet  t>or  ©otte#  @erid)t, 
unb  tt>eber  bie  $urct)t  be§  Xobe3,  nodfj  bie  9Ra$t  ber 
©ünben  überwinbet  Sefaiaö  [priest  3ef.  64:  216er  nun 
ftnb  toir  altefammt  wie  bie  Unreinen,  unb  alt  unfere  ©e* 
rec^ttQfeit,  wie  ein  unflätig  Äteib.  3tem  $auluö  1  (£or.  4 : 
3$  bin  mir  wot)l  ni$tö  bewußt,  aber  barin  bin  iti)  nifyt 
gerechtfertigt  3tem  2)at)ib  $f.  143:  £err  get)e  nid)t  in§ 
©eric^t  mit  beinern  Äne$t,  benn  oor  bir  ift  fein  Sebenbiger 
geregt.  3tem  £iob  9:  2Bitl  ©ott  mit  bem  2Jlenfd?en 
regten,  fo  fann  er  it)m  auf  taufenb  nicf)t  einö  antworten. 
3tem  $f.  130:  ®o  bu  wiltft,  £err,  ©ünbe  suredmen, 
£err,  wer  wirb  befielen?  Unb  bamit  ftimmt  2lugujtinu3 
fein,  ba  er  fagt:  Vae  hominis  vitae,  quantumuis  laudabili, 
nisi  sit  sub  venia.  2öef)e  bem  Seben  be§  2ftenf$en,  wie 
töblid)  e§  aud)  fein  mag,  wenn  c8  ©ott  nid)t  mit  ©naben 
anfielet  ©o  benn  feinet  2tyoflel§,  nod?  $ropt)eten  aller* 
fjeiligflen  2öerfe  in  ©otteg  ©eriebt  befielen  !önnen,  unb 
alfo  bie  gurd^t  beö  £obe£  nid&t  überwinben,  fo  folget,  bafi 
audf)  feine  2Berfe  bie  ©ered^tigfeit  annehmen;  beim  wenn 
ber  Sftenfdj)  gerecht  iji,  fo  fwt  er  ben  %oi  überwunben, 
unb  gef)et  in  ü)tn  auf  ba§  ewige  Seben.  3)er  ©(aube 
aber  allein  befielet  in  ©otte§  ©eridjt,  füllet  ba§  unruhige 
©ewiffen,  nimmt  ber  ©ünben  alle  ffiafyt,  überwinbet  bie 
$ur$t  beö  Sobeö  unb  bie  Slngfi  ber  35erbammni§;  au§ 
welkem  benn  folget,  ba%  aud?  ber  ©laube  allein  gered)t 
madje.  £>a§  aber  ber  ©laube  folebe  große  2)inge  au3rid)te, 
jeuget  bie  ©dmft  an  bieten  Drten.  $autu§  Sp^K  3:  £)urdj) 
ben  ©tauben  tjaben  wir  $reubigfeit  unb  Bugang  gu  ©ott, 
in  aller  3ut)erftdE)t.  3)a  befennt  $aulu3,  ba§  ber  ©taube 
mit  großer  greubigfeit  t)or  ©ott  beftefje.  Jtem  SRöm  5: 
0iun  wir  benn  gerecht  worben  ftnb  burd?  ben  ©tauben,  fo 


139 

Ijaben  mir  ^rieben  mit  ©ott,  burcf)  unfern  £erm  3efum 
Sfmfhim,  burcf)  melden  mir  aud;  einen  Bugang  ^bcn  im 
©tauben  ju  biefer  ©nabe,  barinnen  mir  flehen,  %texn 
SfjrijtuS  fpri$t3o&.  8:  SGBa^rlidE),  mafjrlicf),  idj  fage  eu$, 
fo  jemanb  mein  ffiöort  mirb  Ratten,  ber  mirb  im  %ot> 
nicf)t  feljen  etDtglidE) ;  baö  iß,  mer  bem  (stmngelio  (grifft 
glaubet,  ber  ü6erminbet  bie  9Jtad)t  beö  £obe3  burcf)  ben 
©laubem  3tem  £abafuf  2:  £>er  ©ered^te  mirb  feinet 
©tauben^  (eben,  folget  bertjatben  unmiberteglid),  ba§ 
allein  ber  ©laube  unb  ni$t  bie  Sßerfe,  meber  bor  ober 
nacf)  ber  Sefe^rung  be3  SRenfdjen  getrau,  geredet  unb 
feiig  macben,  baö  ifi,  alle  2Bol)ftf)aten  ßfjrijli  annehmen. 
2)a§  mir  aber  fagen,  ber  ©laube  befiele  in  ©otteS  @eridE)t, 
ifi  nicf)t  baf)in  ju  beuten,  atö  fei  er  fo  fcollfornmen,  ba§ 
if)n  ©ott  ni$t  fönnte  befcfmlbigen,  fonbern  ba§  er  (£fm* 
fium  3cfum  mit  allem  feinem  23erbienfi  ergreife,  mel$e3 
Dor  ©ott  beftel;et  in  feiner  #eiligfeit,  unb  ifi  unfer  ©c^trm 
öor  ©otteö  firengem  ©eridjt.  £>ermegen  machet  aucf)  nid^t 
allein  ein  fiarfer  unb  großer  ©iaube  geredet,  fonbern  aucb 
ein  fcfymacfjer,  menn  er  nur  mal;rf;aftig  unb  ntdjt  f)eucf)* 
lerifcf)  ifi,  baS  SBort  ber  ©naben  annimmt,  auf  (£f)rtfium 
ftcf)  oerlä§t  unb  miber  ben  3^^  fämpfct. 

3um  ftebenten,  mie  ber  ©laube  bie  2Serf)ei§ung  be# 
ßoangelii,  baS  2ßort  ber  ©naben,  annimmt,  alfo  rieten 
fld^  bie  guten  2öerfe  na$  bem  @efe£,  in  meinem  ©ott 
allen  ©efjorfam,  ber  ü)tn  gefällig  ifi,  fjat  erfläret  35er 
©laube  rietet  fxd^  na$  bem  ©ort:  Jefuä  @&riflu$  ifi  in 
bie  SBelt  fommen,  bie  ©ünber  feiig  ju  macfjem  i  £im.  L 
Stern  3^  31:  3$  ^ül  ifjnen  if)re  ©ünbe  vergeben,  unb 
berfelben  nimmermehr  gebenfen  *c  $>ie  fflerfe  aber,  alö 
Siebe,  ©ebulb,  $>emutl),  ©anftmutf),  Äeufd^^eit,  ftafien, 


140 

23eten,  SHlmofen  geben,  ©ott  banfen  unb  bergleic^en  müjfen 
mit  bem  ©efe£  ftimmen  unb  Dom  @efe£  betätigt  werben/ 
£>enn  fein  2öerf  mag  ©ott  gefallen  ober  etma§  bei  ü)tn 
au§ri$ten,  oljne  beä  ©efe§e#  Sefjre  unb  Unterric^tung ; 
benn  ©ott  will  allein  na$  feinem  geoffenbarten  SSort  unb 
flaren  23efebl  gebienet  fein.  2Benn  benn  nun  mdjt  allein 
ber  ©laube  bie  ©üter  unb  2ßol;ltf)aten  ßfmjtt  annehmen, 
ba§  \%  bie  Rechtfertigung  t)erri$ten  foll,  fonbern  e§  mü§* 
ten  aucb  bie  2öerfe  neben  unb  fammt  bem  ©lauben  fold)e£ 
jumege  bringen,  fo  mürbe  ba§  folgen,  ba§  bie  @erecf)tig* 
feit  unb  ba3  Seben  nicf)t  aüein  fäme  au8  ber  fröpdjen 
Sotf^aft  be§  ^eiligen  ßtmngelii,  meldjeS  eine  Äraft  @otte£ 
ifi  jur  ©eligf eit  Rom.  l,  fonbern  aucb  aus  bem  ©efe£* 
$>enn  mie  ber  ©laube  nid)t$  gut,  nichts  vermag  olme  bie 
2?er^ei§ung,  alfo  gelten  unb  Vermögen  aud)  bie  Söerfe 
nidjt§  of)ne  ©otteS  ©efe£  unb  33efet)l.  $aulu§  aber  be* 
fennet  fein  runb  unb  flar,  ba§  ba$  ©efe$  nid^t  lebenbig 
mad)e,  ba§  if)tn  unmögüd)  fei,  un§  ju  rechtfertigen,  t>a§ 
eS  ju  unferer  Rechtfertigung  untüchtig,  unfräftig  fei  unb 
mel  metjr  3orn  unb  Serbammnif}  anriete.  2ll§bann 
Rom.  8:  £>a§  bem  ©efe|  unmöglich  mar,  ftntemal  e§ 
bur$'£  $teif$  gefdpmäcbt  mar,  ba$  tfyat  ©ott,  unb  fanbte 
feinen  ©ofm  in  ber  ©efialt  be§  ftleifcbeö  :c.  %ttm  ©a(.  3: 
2öenn  aber  ein  @efe£  gegeben  märe,  ba§  ba  fönnte  leben* 
big  machen,  fo  fäme  bie  ©erecbtigfeit  maljrfjaftig  au§  bem 
@efe§.  3tem  £ebr.  7:  $>enn  bamit  mirb  ba§  ttorige 
@efe£  aufgehoben,  barum,  ba§  e§  ju  fcf)ma$  unb  nid)t 
nü£e  mar;  benn  i>a$  ©efe|  fönnte  nic^t  oollfommen 
machen.  2)a3  f>ei§t  je  bie  guten  2öerfe  rein  auSgef^loffen 
t)on  ber  Rechtfertigung  be£  9Jtenfcf)en;  benn  $aulu3  fpric^t, 
e§  fei  überall  fein  ©efe|  gegeben,  i>a$  ba  fönnte  lebenbig 


141 

machen.  9tun  ifl  offenbar,  t>a$  ber  üftenfd?  in  Slnnefj* 
raung  ber  ©naben  unb  ^Rechtfertigung  üor  ©ott  aug  bem 
lobe  geriffen  unb  lebenbig  gemalt  wirb;  baraug  benn 
unwiberleglid)  folget,  ba§  fein  2öerf  bie  ©nabe  annimmt 
unb  ben  Wenfdjen  rechtfertiget ;  benn  mag  bag  @efe|}  bm 
$ubm  nid)t  tjaben,  ba§  eg  geregt  madje,  triel  weniger 
unfere  Sßerfe,  bie  nodt)  weit,  weit  ftnb  üon  ber  93ollfom* 
menfjeit  unb  ^eiligfeit  beö  @efe£eg.  5ltfo  führet  $aulug 
aud)  bieö  Argument  ju  ben  ©alatem  ((L  3):  Durdfj'3 
©efe§  wirb  niemanb  gerecht  t)or  ©ott;  benn  ber  ©eredite 
wirb  feinet  ©laubeng  leben.  £>ag  @efe£  ift  mc&t  beg 
©laubeng,  fonbern  ber  üftenf$,  ber  eg  tfmt,  rotrb  baburd) 
leben,  £ie  unterf^eibet  $aulug  ©efe|  unb  23erl)ei§ung, 
SBerfe  unb  ©lauben  t)on  einanber,  unb  nimmt  bem  @efe§ 
ben  9htf)m,  fpridjt,  eg  fönne  niemanb  geredjt  machen; 
benn  bag  gefd?ef)e,  nadt)  bem  <3pruä)  £abafufg,  bur$  ben 
©lauben.  ©o  nun  bag  ©efe§  nic^t  beg  ©laubeng  ifi,  fo 
ftnb  bie  Jöerfe  aucb  nidt)t  beg  ©laubeng,  benn  @efe$  unb 
2öerfe  laffen  fxä)  nic^t  trennen.  Sllfo  f$tie§en  vx>ir  benn, 
t>a%  allein  ber  ©taube  ofme  bie  2Berfe  t>or  ©ott  ge* 
redE)t  unb  feiig  ma$e.  SDieroeit  je|t  geführten  ©rünbe  unb 
Argumente  twn  bem,  ba§  wir  allein  bur$  itn  ©tauben 
geregt  werben,  üom  ^eiligen  ©eift  felbft  in  ben  ©djrtften 
icS  Styoftelg  $auli  unb  fonft  gefegt  ftnb,  wirb  fte  fein 
$apift  ober  SKottengeifi  umflogen  fönnen,  unb  fann  ein 
gottegfürcbtigeg  £erj  jtcfc  füfmlicf)  auf  folgen  ©runb  t>er* 
laffen.  35a§  man  aber  au$  fefye,  bafj  nidE)t  2utf)er  am 
erfien  unb  wir  na$  if)m  foldje  2trt  ju  reben  gebraust: 
Sola  fide,  allein  bur$  ben  ©tauben,  fonbern  für 
unb  für  in  ber  £tr$e  bei  gottfeligen  Sehern  unb  gtöubi* 
gen  Gfmflen  üblid)  gewefen,   fo  wollen  Wir  jum  23ef$tu{3 


142 

biefer  $rebigt  etliche  Beugniffe  ber  bettafjrten  fiefjrer,  neben 
ben  ©prüfen,  fo  jufcor  angezogen,  allfiie  fefcen,  ju  6r* 
innerung  ber  ©otteSfürcbtigen,  bafy  fte  bejto  ernfier  über 
bem  2öort:  Sola  fide,  allein  burd?  ben  ©tauben, 
galten  imb  flretten,  unb  fo  einen  nötigen,  fjeilfamen  2efjr-- 
punct  ibnen  ni$t  nehmen  lajfen. 

Irenaeus,  fo  einer  öon  ben  ältejten  2ef)rern  ber 
Äir$e  ifi,  fdjreibt  lib.  4,  cap.  5  alfo :  Non  aliter  salvantur 
homiaes  ab  antiqua  serpentis  plaga,  nisi  credant  in  eum, 
qui  secundum  similitudinem  carnis  peccati,  in  ligno  mar- 
tyrii  exaltatur  a  terra,  et  omnia  trahit  ad  se  et  vivificat 
mortuos.  £>a£  ift:  2luf  feine  anbere  Sßeife  toirb  im  93?en* 
f$en  oon  bem  alten  ©d)aben,  fo  mir  tton  ber  ©djlange 
empfangen,  jur  ©eligfeit  geholfen,  eS  fei  benn,  ba§  fxt 
glauben  an  ben,  ber  in  ber  ©ejlalt  be§  fünblidjen  ftleifdjeS 
am  #ol$  be§  ÄreujeS  erf)öl;et  toorben  ijl  t)on  ber  @rbe, 
alle§  ju  jtd)  §eudE)t  unb  bie  lobten  aufmecfet. 

Origenes  ifi  fafi  tief  in  bem  3rrtl)um,  ba§  mir 
burd)  bie  3Berfe  geregt  merben,  gepedft,  barum  er  oftmals 
ganj.imbemmrtige  3)inge  rebet;  aber  ber  %qt  beS  SlpojWS 
$autt  finget  ifm,  ba§  er  mit  ben  ©laubigen  befennen 
mu§,  ba§  allein  ber  ©laube  gerecht  mact}e,  unb  jtnb 
bieg  feine  Söorte  ad  Rom.  3 :  Et  dicit  sufficere  solius  fidei 
justificationem;  ita  ut  credens  quis  tantummodo  justificetur, 
etiamsi  nihil  ab  eo  operis  fuerit  expletum.  ©aSift:  Unb 
fprid)t,  ba§  allein  beö  ©laubenS  Rechtfertigung  genug  fei, 
alfo,  ba%  ber,  fo  allein  glaubet,  geredet  fterbe,  obgleich) 
öon  i^m  fein  2öerf  überall  t>ol!bradE)t  märe.  9Iuc^  be* 
toeifet'8  Origenes  mit  etlichen  (Sjempeln,  bafi  allein  ber 
©laube  ofme  2Berfe  geregt  madje, 

Hilarius   fd^reibt   in  Matth.  cap.  8:    Movet   scribas, 


143 

remissum  ab  homine  peccatum;  hominem  enim  tantum  in 
Jesu  Christo  contuebanlur ;  et  remissum  ab  eo,  quod  lex 
laxare  non  poterat.  Fides  enim  sola  justificat.  T>a3  ift: 
gg  nimmt  bie  ©cfmftgelefjrten  2Bunber,  ba§  ein  2ttenfd) 
bic  ©ünbe  vergeben  f)abe;  benn  Sefum  dfmfhun  fallen 
fte  nur  für  einen  SWenfdjen  an;  unb  ift  if;nen  fremb,  ba§ 
er  ba$  erlaffe ,  toeldjeS  ba$  @efe£  nic^t  fonnte  auflöfen; 
benn  allein  ber  ©laube  madjt  gerecht. 

Gregorius  Nazianzenus  in  orat.  de  modestia 
servanda  in  disp. :  Confitere  Jesum  Christum,  et  crede, 
quod  de  mortuis  resuscitatus  sit,  et  salvaberis;  justitia  est 
enim  etiam  credere  solum.  £)a3  ift:  Sefenne  3efum  unb 
glaube,  ba§  er  t)on  ben  lobten  auferaecft  fei,  fo  txnrft  bu 
feiig  werben;  benn  allein  ber  ©laube  iji  au$  ©erec&tigfeit 

Basilii  fd)önen  ©prud)  de  sola  fide  l)aben  tt>ir  bn>* 
ben  gehört  2Sor  anbern  Se^rern  brauet  ber  liebe  Am- 
brosius  biefe  Oiebe  an  fielen  Orten,  unb  fdjleufjt  bk  2Berfe 
auö  ber  9ted)tfertigung.  Ad  Rom.  3 :  Justificati  sunt  gratis, 
quia  nihil  operantes,  neque  vicem  reddentes;  sola  fide 
justificati  sunt  dono  dei.  3)a§  ift:  Dljne  $erbienfl  um* 
fonft  jtnb  fte  geregt  toorben,  benn  fte  feine  äöerfe  getrau, 
nod)  etoa§  vergolten  Ijaben;  allein  aber  burd?  ben  ©lau* 
bm  finb  fte  geregt  korben.  2>tem  am  anbern  Drte  ad 
Rom.  4 :  Quomodo  ergo  Judaei  per  opera  legis  justificari 
se  putant,  justificatione  Abrahae,  cum  videant  Abraham 
non  ex  operibus  legis ;  sed  sola  fide  justificatum?  Non 
ergo  opus  est,  quando  impius  per  solam  fidem  justificatur 
apud  Deum.  3)a§  iji:  2ßie  (äffen  bie  3uben  }\ü)  bünfen, 
;ba§  fte  bur$  bie  Söerfe  be§  ©efet$e§  gerecht  werben,  nad) 
ber  5Ked)tfertigung  2tbral)am3,  fo  fte  bodj)  feljen,  ba$  5lbra* 
Ijam  ni$t  au3  ben  2Berfen  be§  ©efefeeS,  fonbern  allein 


144 

imd)  ben  ©lauben  gerecht  toorben  ifi?  ©o  bebarf  man 
nun  beö  ©efe^eö  nid)t  jur  ^Rechtfertigung,  bietoeil  ber  ©ott* 
lofe  allein  burd?  ben  ©lauben  fcor  ©ott  geregt  voirb.  3tem 
in  praef.  ad  Gal. :  Sola  fides  ad  salutem  sufficit.  %)a$  ifi: 
SlÜein  ber  ©laube  ifl  genug  jur  ©eligfeit 

Hieronymus  rebet  au$  atfo  ad  Rom.  4 :  Converten- 
tem  impium  per  solam  fidem  justificat  Deus,  non  per  opera 
bona,  qui  non  habuit.  T>a3  ifi:  ©ott  madEjet  im  ©ott* 
lofen,  ber  ftdj  befefjret,  allein  burdE)  ben  ©lauben  gerecht, 
nid)t  buvdj  bie  guten  2ßerfe,  beren  er  feinö  gehabt  fyat 

2üfo  lautet  audE)  Augustini  23efenntni§  ad  Bonif.  lib.  1. 
cap.  21:  Quantaelibet  fuisse  virtutis  antiquos  praedices 
justos,  non  eos  salvos  fecit  nisi  fides  mediatoris,  qui  in 
remissionem  peccatorum  sanguinem  fudit;  ipsorum  enim 
vox  est;  credidi,  propter  quod  locutus  sum.  2)a§  ifi: 
2Bie  f)od>  bu  aud)  rüljmefi  bie  Jugenb  ber  alten  @ered)ten, 
fo  l)at  fie  bod)  nidjtg  feiig  gemalt,  benn  allein  ber  ©laube 
an  ben  Mittler,  meldEjer  jur  Vergebung  unferer  Junten 
fein  23lut  ttergoffen  f)at;  benn  alfo  lautet  i^re  ©timme: 
3d)  glaube,  barum  rebe  i$  audj.  2llfo  befd)leu§t  au$ 
Augustinus  de  litera  et  spiritu  a\i§  fielen  Argumenten: 
His  igitur  consideratis  pertractatisque  pro  viribus,  quas 
Dominus  dignatur  donare,  colligimus,  non  justificari  ho- 
minem  praeceptis  bonae  vitae,  nisi  per  fidem  Jesu  Christi, 
hoc  est,  non  lege  operum  sed  lege  fidei,  non  litera  sed 
Spiritu,  non  factorum  meritis  sed  gratuita  gratia.  5Da§  ifi: 
9iun  nur  bte§  atfo  erlogen  unb  getjanbett  Ijaben,  na$ 
bem  Vermögen,  ba§  ber  £err  üerlieljen  fyat,  befc^liefjen  nur, 
ba§  ber  üftenf$  nidE)t  gerecht  toerbe  bur$  bie  ©ebote  öon 
gutem  Seben,  benn  allein  burd)  ben  ©lauben  an  3efum 
(Efmftum,  ba§  ifi,  nid;t  burdi'S  ©efe|  ber  Sßerfe,  fonbern 


145 

burdTS  ©efe£  be$  ©laubenS,  nicfyt  burdt)  ben  23ud)ftaben, 
fonbern  bur$  btn  ©etft,  nid)t  au8  93erbienft  ber  Söerfe, 
fonbern  auö  frei,  blo§  gefdf>enfter  unb  un&erbienter  ©nabe. 
$)a3  fmb  flare  unb  belle  3*ugnij[e,  ba§  aud)  bie  alten 
bewährten  2ef)rer  ber  Äircbe  alfo  gerebt  unb  gete^ret  fjaben, 
i>a$  wir  allein  burd)  ben  ©tauben,  oljme  alle  Sßerbienfl  ber 
SBerfe,  üor  ©ott  gerecht  unb  feiig  werben. 

Slbermal  fpricbt  Ilieronymus  ad  Rom.  4:  Qui  pro- 
posuit  gratis  per  solam  fidem  peccata  dimittere.  £>aä  ift: 
SBeldper  ibm  t)orgefe§t  l)at,  ofjne  SBerbienft  allein  burd)  ben 
©tauben  bie  ©ünbe  ju  hergeben.  Vergebung  ber  ©ünben 
aber  ift  ©ere^tigfeit  t)or  ©ott. 

Cyrillus  ftimmt  audt)  t)iemtt,  ia  er  in  Joh.  1.  9.  c.  30 
alfo  fprid)t:  Fortes  modo  milites  instruit  armaque  dat; 
quibus  omnia  queant  adversa  superare,  per  fidem,  namque 
non  aliter  salvamur,  secundum  illud  psalmistae:  Dominus 
illumination  et  salus  mea?  quem  timebo?  5)a3  ift :  Sr 
ruftet  je^unber  feine  ftarfen  Äriegöteute  unb  gibt  ümen 
SBaffen,  bamit  jte  aüe§  Söiberwärtige  überwinben  fönnen; 
benn  burdf)  ben  ©tauben,  unb  feiner  anbern  ©eftatt  tx>er^ 
ben  wir  feiig,  wie  $)at)ib  im  $falm  jeuget:  3)er  £err  ift 
mein  ßid)t  unb  mein  £eil,  t)or  wem  follt  i$  mt$  fürchten? 

63  bereifet  aud)  biefe  2lrt  ju  reben  Haymo  mit  bem 
©prud)  $abat\\t§,  fyrid)t  de  Circumcisione  Christi:  Sola 
tantummodo  fide  salvantur,  sicut  scriptum  est  Hab.  2: 
Justus  fide  sua  vivet.  £>a3  ifi:  !ftur  altein  burd)  im 
©lauben  werben  fie  geredet,  wie  getrieben  fielet  £>aba< 
fuf  2:  3>er  ©erec^te  Wirb  feinet  ©laubeng  leben.  9lo$ 
einen  Sprud)  mu§  i$  l)inju  fe|en,  ber  ganj  fjeilfam  unb 
tröfilicfe  ift,  unb  bie  Urfad)en  üermelbet,  warum  bie  9ie$t* 
fertigung  allein  bur$  ben  ©lauben  gefd)ef)e.     Hesychius 

10 


146 


fdjreibt  in  Leuit.  alfo :  Miseratus  Deus  humanuni  genus ; 
quum  illud  ad  explenda  legis  opera  infirmatum  vidisset, 
jam  non  ex  operibus  salvari,  sed  per  gratiam  hominem 
voluit.  Gratia  vero  ex  misericordia  fide  adprehenditur 
sola,  non  ex  operibus.  $>a§  ift:  ©ott  f)at  jtd)  über  ba§ 
menfd)licf)e  ©efd)le$t  erbarmt,  unb  weil  er  gefe^en,  ba%  e§ 
tttel  ju  f$wacf)  ift,  bie  28erfe  beö  ©efe^eS  ju  üoübringen, 
will  er  nun,  bo§  ber  9JJenf$  nic&t  au§  hm  2öerfen,  fon* 
bern  bur$  bie  ©nabe  feiig  werbe;  bie  ©nabe  aber,  fo  aug 
Sarmfjerjigfeit  fommt,  tx>irb  allein  mit  bem  ©tauben  an* 
genommen,  unb  nid)t  au3  bm  SBerfen. 

£>iefe  Sprühe  ber  alten  $riftli$en  Selber  ftnb  je  fjei* 
terer  unb  flarer,  benn  bie  fjelle  ©onne  im  Sftittage,  $)er* 
wegen  fielet  ein  frommes  #erj,  ba§  bie  Seife  ju  rcben: 
Stüetn  burd)  ben  ©lauben  werben  wir  gerecht  t)or  ©ott, 
nicf)t  allein  Don  bem  9lpofiel  $aulo  gebraust  worben  unb 
in  ber  ©$rift  gegrünbet,  fonbern  aud)  je  unb  allewege  in 
ber  dmjtlic^en  ÄirdE)e  übltdE)  gewefen,  unb  ba§  bie  alten 
djriftli^en  Öe^rer  mit  un§  in  biefem  2irtifel  jiimmen;  ob* 
gleid)  etliche  unter  i^nen  bisweilen  ungleich,  unb  ni$t  ei* 
gentli$  t>on  biefem  wichtigen  #anbel  gerebet,  unb  ftdj 
burdE)  bie  $f)itofopl)i  unb  Vernunft  etlid)erma§en  »erführen 
laffen,  ftnb  fte  bennod)  wieber  jurec^t  fommen,  wenn  jte 
©ottes  2ßort  fleißig  angefe^en,  unb  fiü)  in  ber  23efef)rung 
ju  ©ott  bana$  gerietet  Ijaben. 

Herwegen  fönnen  nod)  wollen  wir  un§  biefen  $unct 
nidjt  nehmen  laffen,  in  Sebenfung,  ba§  bie  ganje  $aupt* 
fa$e  in  biefem  2lrtifel  hierauf  beruhet;  achten  gar  nic&t, 
ob  ba§  läjlerlidje  Concilium  ju  Orient  fo  fctyrecflidj  bon* 
nert  unb  fpricfyt:  Si  quis  dicit;  quod  homo  sola  fide  ju- 
stificetur  coram  Deo,  sit  anathema.    3)a§  ijl:  ©o  jemanb 


147 

fpricbt,  ba§  ber  2Kenf$  allein  burdE)  ben  ©lauben  üor  ©ott 
gered)t  wirb,  ber  fei  üerfludjt. 

23ielmef)r  wifjen  wir,  ba&  wir  in  obgefe^ter  Sefjre  unb 
58efenntni§,  (o  in  ^eiliger  propljetifdjer  unb  apofiotifdjer 
Schrift  gegrünbet  ift,  t)or  ©ott  gefegnet  feien,  Ijergegen 
aber  ber  $abft  ju  9tom,  al8  ber  erflärte  Slnti^rifl,  fammt 
feinem  2lnf)ang,  mit  feinen  läperli^en  trientif^en  betreten, 
üon  ©ott  oerfludEjt  unb  jur  ewigen  Serbammnip  t>erur* 
t&eilt  ifr 

3)er  ewig  unb  ^eilige  ©ott,  wolle  ung  unb  alle  ©lau- 
bige t)or  ber  päbjiiföen  ßäjlerung  gnäbig  bewahren,  ben 
©lauben  an  Gfmflum  in  un§  burtf)  feinen  ©eift  ttermef)* 
ren,  unb  in  (Xfjritfo  allein  burd)  ben  ©lauben  t)or  if)m 
geregt  unb  ewig  feiig  machen.    2lmen. 


10* 


pe  fünfte  |re«gt. 


SSetoetfmtg,  ba#  tetr  aug  ©nabelt  olme  Serbienft,  um 

3efn  (Priftt  tinüen,  afleiu  burd)  ben  ©lattben  ttor 

©Ott  geredjt  toerbetu 

<vk  ber  f)ol)e  2trtifel  unfer3  ©laubenö  t>on  Vergebung 
ber  ©ünben  unb  Oted^tfertigimg  beö  üftenfd?en  t)or  ©ott 
grünblidf)  unb  eigentlich  ju  t>erftefjen,  ift  bi§t;er  buvdt)  d5ot* 
teS  ©nabe  nacf)  Rotbburft  erflärt  toorbcn.  $)enn  erfl(idt) 
i{i  üermelbet  unb  erliefen,  toelc^en  33erftanb  bie  äöorte  in 
ben  ptopI)etifd)en  unb  apojlolifd^ext  ©Triften  f;aben,  als: 
©efei3,  ©ünbe,  ©ere^tigfeit,  Rechtfertigung,  ©nabe,  ©laube, 
3um  anbern,  barnacf)  iji  ber  ganje  Jnfjalt  beS  fjoljen  unb 
retten  9(rtifel3,  in  toenig  $uncte  t>erfaBt,  euer  ßtebe  üor* 
getragen  korben.  3um  brüten,  barauf  habt  id>  auä  ©ot* 
te§  2öort  angezeigt  bie  Urfad^en,  bie  Mittel  unb  Umftänbe 
unferer  Rechtfertigung,  ttofjer  unfer  #eil  erfprie§e,  toorin 
bie  ©ered)tigfeit  jlef;e  unb  vx>ie  toir  fie  an  un#  bringen 
unb  genießen;  habü  beutlid;  bargetf;an  korben,  \va§  für 
großer  Xtnterfc^ieb  fei  §roifd^en  unferer  Öefjre  öon  ber 
Rechtfertigung  unb  ber  $abjtltd)en,  unb  mlfytö  ifjre  t>or^ 
nef)tnjien  3^'^ümer  ftnb  in  biefent  f;ot)en  SlrtifeL  3um 
vierten,  atSbenn  fajt  ber  ^auptftreit  baüon  ift,  ob  mx 
aHein  burd)  hm  ©tauben  an  ßfmftum,  o^ne  3utfjun  ber 
Söerfe  geregt  »erben,  fjaben  nur  femer  au§  ©otteä  5Eöort 


149 

Bericht  getban,  wie  bieOtebe:  allein  bur$  ben  ©lau* 
ben  werben  wir  geredet,  eigentlich  ju  üerflefjen,  warum 
fte  ju  bebalten,  aud)  wie  fte  au§  ©otteö  2öort  ju  beweifen. 
Ob  nun  wobl  obgemelbete  gefd)ef)ene  Srflärungen  allent* 
fwlben  mit  Seugniffen  ber  ^eiligen  ©djrift  berma§en  erfe^t, 
ba§  fte  aud)  jugleidf)  mit  erwiefen,  benn  ©otteg  Jöort  unb 
3eugni§  ift  ber  allerfefiefte  ©runb  in  biefem  unb  allen 
anbern  Artikeln,  aud?  in  ber  näd)ften  QJrebigt  ber  $unct, 
ba§  wir  allein  burd)  ben  ©lauben  geredet  werben,  mit 
fielen  ftarfen,  ftattlidjen,  unwiberleglid)en  Argumenten  be* 
weifet  unb  befräftigt  ift  worben;  fo  wollen  wir  bo$  nun 
weiter  mit  ©otteö  £ülfe  bie  33eweifung  unferer  2ef;re  in 
biefem  Artifel  t>or  bie  £anb  nehmen,  unb  nod)  tttva$ 
reichlicher  bartljun,  xoit  gewaltig  unfer  ©taube  t>on  ber 
{Rechtfertigung  beS  armen  ©ünber§  t>or  ©ott  in  @otte3 
ffiort  begrunbfeftigt  (ei,  t>a$  aud)  bie  Pforten  ber  «öölle 
bawiber  nicbtS  vermögen. 

Sir  wollen  aber  nidjt  nur  einzelne  ©prü$e  unb  Ar* 
gumente  anjiefjen,  benn  alfo  müßten  wir  fd)ier  bie  ganje 
2Mbei,  beibe  alteS  unb  neueö  Jepament,  Welches  twrnefjm* 
lid)  biefen  Artifel  treibt  unb  l;anbelt,  einführen;  t)ielmef)r 
wollen  wir  bie  $auptquelle  anzeigen,  au$  welker  ganje 
Raufen  Argumente  jur  53eweifung  unferer  Se^re  ju  fd)öpfen, 
£>enn  wer  auf  fofd)e  33runnen  ber  Argumente  mit  $(ei§ 
Achtung  wirb  geben,  wirb  nid)t  allein  reidjlid)  t>erftef)en, 
wober  $aulu$  ju  ben  Römern,  ©alatern  unb  Gpljefern 
feine  gewaltigen  Argumente  jur  33eweifung  feiner  ßel;re 
genommen,  fonbern  aud)  felbft  gar  leicht  au3  allen  pro* 
pl)etifd)en  unb  apojtolifcfyen  ©Triften  unjä^lid^e,  ftarfe, 
ftattlicfce  ©rünbe  $u  führen  wiffen. 


150 


£>er  erfie  (Bruno. 
Vom  2lmt  bes  <ßefei?e$- 

Der  Styoftel  $aulu§  fyat  mit  l)ot)em  apotfolifdpem 
©eift  bem  ©efelj  ©otteg  bie  Rechtfertigung  bee  9Jtenfd[)en 
t)or  ©ott  rein  abgefangen,  meines  toeit  mefjr  ift,  benn 
tt>enn  er  nur  bezeugt  t)ätte,  ba§  ber  ÜRenf$  buxä)  feine 
2öerfe  geredet  mürbe;  benn  @otte§  ©efe£  ift  je  ^eiliger, 
f)öf)er,  getftlic^er  unb  ttollfommener,  tt>eber  alle  2öerfe  unb 
©eljorfam  ber  9Renf$en  fein  mögen.  2Ba§  aud)  ber 
SRenfdEjen  2öerfe  fcor  ©ott  ausrichten  follen,  ba§  muffen 
fte  nur  &om  ©efefc  nehmen;  follen  bit  Söerfe  ©ott  ge- 
fallen, muffen  fte  im  ©efe|  geboten  fein;  follen  bie  Söerfe 
btn  9KenfdE)en  geregt  machen,  mu§  ba§  @efe§  folc^eS  ju* 
öor  jeugen;  follen  bit  2öerfe  ^rieben  unb  fieben  bringen, 
muffen  fte  t)om  ©efe|  foldEje  Äraft  fjaben ;  follen  bk  2Berfe 
einige  Selofmung  hoffen,"  mu§  foldfjeS  im  @efe£  t)erft)ro$en 
fein;  furj  o^ne  ba§  ©efefc  vermögen  bie  SSerfe  nic&t  baä 
©eringfte  üor  ©ott  auszurichten.  @o  benn  nun  ber  ©eift 
©otteö  au^brücflid)  jeuget,  ba$  bem  ©efeij  ©otteS  bk 
Rechtfertigung  be3  ÜJlenfdE)en  t>or  ©ott  unmöglich  fei,  fo 
toerben'g  bie  2öerfe  tuet  weniger  ausrichten.  $aulu§  ft>ri$t 
®al.  3:  2öenn  aber  ein  @efe§  gegeben  wäre,  ba§  ba 
fönnte  tebenbig  machen,  fo  fäme  bie  © ere^tigf eit  wafjr* 
ftaftig  au§  bem  ©efefc.  Ricf)t  allein  oon  Äirc^engeprängen, 
mofaifc^en  Zeremonien  ober  bürgerlichen  ©a^ungen,  fon* 
bem  t)on  allerlei  ©efe^en,  unb  t>omef)mlid}  üon  ©otteS 
$o&em  @efe§,  in  jeljn  ©eboten  begriffen,  rebet  $aulu$ 
unb  fprid)t,  ba§  überall  fein  @efe§  fcon  ©ott  gegeben  fei, 
ba§  ba  f önne  lebenbig  unb  geredet  machen.  3tem  Rom.  3 : 
Run  aber  ift  ofjne  3utfmn  beö  ©efe£e§  bie  ©erecbtigfeit, 


151 

bie  fcor  ©ott  gut,  offenbaret.  Stern  (Rom.  8:  £>enn  ba§ 
bem  @efe£  unmöglich  war,  ba$  ttjat  ©ott.  3tem  ju  bert 
Hebräern  ß.  7 :  2)etm  bamit  wirb  baö  vorige  ©efe£  auf* 
gehoben,  barum  ba§  e§  ju  fd)wac^)  unb  nid)t  nü£e  war; 
benn  baä  ©efe|  formte  nidbtö  ooüfommen  machen  i£ 
$>ieö  ifl  weit  härter  unb  fd)ärfer  gerebet,  benn  fo  man 
fpridpt:  Äeine  2öerfe,  @ef;orfam,  grömmigfeit,  £eüigfeit, 
©eredjtigfeit,  ©otteöbienft,  Zfyirn  noch  ßaffen,  Serbtenft 
no$  SSürbigfeit,  ober  wa§  oon  einem  9Jlenfd)en  geleifiet 
mag  werben,  mögen  Um  t)or  ©ott  geredet  madjen.  $)emt 
wie  gemelbet,  ©otteö  ©efe$  je  ^eiliger  unb  üoflfommener, 
benn  aller  9ftenfd)en  2Serfe  unb  ©efwrfam  fein  fann. 
(So  nun  bem  ©efe|  ©otteö  unmöglich  ift,  ben  3D?enfdj)en 
geredet  $u  machen,  t)iel  unmöglicher  würbe  e3  iitn  ©erfen 
fein,  ©o  i>a$  ©efe£,  ba§  ta  rein,  fjeilig  unb  ooüfommen 
ift,  feinen  9Jienfd)en  gerecht  ober  lebenbig  machet,  tuet 
weniger  werbend  bie  Jöerfe  tf)un,  bie  ba  unrein  unb  un* 
t)oUfommen  finb.  9iicf)t  atiein  aber  fpridEjt  $aulu3  bem 
©efetj  bie  Rechtfertigung  ah,  fonbern  betreibt  aud)  ba§ 
2tmt  unb  bie  2öirfung  be§  ®efe|e§  alfo,  ba§  es  öon  ©ott 
ba^u  gegeben  unb  offenbaret  fei,  ba§  e3  ®otte$  3^rn  t>er* 
fünbigen,  unfere  ©ünbe  offenbaren,  bie  ©ewiffen  §erfc^)lagen 
unb  tobten  unb  ba3  Urteil  ber  93erbammni§  über  un§ 
fällen  foü;  ba3  ift  ber  Rechtfertigung  ftracfS  juwiber. 
SBenn  ber  SDfenfcb  bur$  bie  SBerfe  foüte  geredet  werben, 
fo  müßte  aud?  ba§  @efe£  ©otte§  nid?t  allein  bie  ©eredj* 
tigfeit  (ef)ren  unb  jeigen,  fonbern  aud)  ©otteS  #ulb  gegen 
ben  Üftenf^en  eröffnen,  ba3  ©ewiffen  nidjt  fdfjrecfen,  fon- 
bern erfreuen,  triebe,  ßeben,  Hoffnung  unb  Siebe  @otte3 
im  £erjen  beö  SSJlenfc^en  wirfen.  2)enn  foll  einige  @e* 
tec^tigfeit  ber  2öerfe  in  bem  ÜJienf^en  fein,  bie  üor  ©ott 


152 

Befiele,  fo  mu§  fte  mit  bem  ©efe^  jlimmen,  unb  au§  bem 
®efe£  fließen;  ftntemal  ©ott  na$  feinem  Jöorte  voiü  ge* 
bienet  fein,  unb  mag  feinen  Urfprung  von  ©ott  nidjt  $at, 
bag  mag  feine  ©erec^tigfeit  fein.  $un  verfielen  aber  alle 
vernünftigen  2Renfdjen,  tvie  eg  flracfö  ttuberttmrtige  JMnge 
ftnb,  ©nabe  unb  Born,  @ered)tigfett  unb  8ünbe,  $reube 
unb  3agen,  triebe  unb  Unruhe,  Seben  unb  Job,  Seligfeit 
unb  $erbammnij3,  Qtä  mag  je  niemanb  fo  unrichtig  fein 
unb  ttnber  aller  9Jfenfd)en  $erflanb  reben,  ba§  er  von 
einem  9iad)rid)ter,  ber  ben  armen  k  9flenfd)en  vom  %tbtn 
$um  Jobe  brad)t  f)at,  fpred^e,  er  Ijabe  i^n  lebenbig  gemalt 
SMetveil  benn  bie  gan^e  ©djrift,  unb  vornehmlich  üftofeg, 
ßfmftug  unb  $aulug  gewaltig  jeugen  unb  bartbun,  beg 
©efe^eg  2lmt,  Äraft  unb  SBirfung  fei  ©otteg  3orn  unb 
ben  $lud)  vom  Fimmel  ju  offenbaren,  bie  ©ünbe  im 
2Renfd)en  aufjutvecfen,  bag  böfe  ©etviffen  unruhig  unb 
voll  ©djrecfnij}  ju  ma$en,  ben  Job  unb  bie  25erbammni§ 
anjufünbigen  unb  ju  verrieten,  fo  folget  unft)iberfpred)lic|), 
ba§  aug  bem  @efe£  tveber  ©nabe  nod)  ©ered)tigfeit,  tveber 
greube  nod)  $riebe,  meber  Seben  nod)  ©eligfeit  fomme; 
fonbern  nur  bag  SHberfpiel,  wie  oben  gemelbet,  namlid^ 
Job  unb  $erbammni§,  unb  affo*  ber  Wlmfö  aug  bm 
Sßerfen  femegfoegg  geredet  möge  werben,  #ie  tooüt  if)r 
eud)  nun  beg  23erid)teg,  fo  in  btn  vorigen  $rebigten  ge* 
f$el)en,  erinneren,  ba§  bag  ©efe|  ©otteg  nid)t  allein  ju 
verfielen  von  ben  mofaifd^en  $ir$enorbnungen  unb  bür* 
gerlicben  ©a^ungen,  tvie  eg  Origenes  unb  viel  ©cribenten, 
aud)  viel  unter  ben  $apiften  beuten,  fonbern  vom  ganzen 
@efe£  ©otteg,  unb  vornetjmlid)  von  bem  etvigen  allgemein 
nen  ©ebote:  $>u  follft  lieben  ©ott  beinen  £errn,  unb  ben 
9?äd)fien  alg  bid)  felbfh    5  ORof.  6.    3)ieg  emige  ©efe|  ift 


153 

baju  gegeben,  ni$i  ba§  eö  bm  ÜRcnfc&en  t>om  2obe  auf* 
mecfe  unb  gen  £immel  füf)re,  fonbern  fdjamrotb  macfje, 
ibm  bie  Sünbe  aufbecfe  unb  geige,  richte  3°™  an  unb 
tterbamme.  3>enn  ba%  $aulu§  t)on  jefm  ©eboten  rebe, 
ba  er  jeuget  (Rom.  7,  ba£  ©efe£  fei  um  ber  ©ünbe  millen 
gegeben,  ba§  bie  Sünbe  überaus  fünbig  unb  madbtig 
mürbe;  item  (Rom*  7,  ba$  ©efe§  madbe  bie  Sünbe  leben* 
big  unb  tobte  ben  9ftenfd)en,  iji  unmiberfprecfclid) ;  benn 
$aulu3  führet  ba$  neunte  ©ebot  jum  ©jempet  ein:  3)n 
follft  bid?  nidjt  (äffen  getüften,  unb  fpridjt,  ba§  er  bur$ 
bieg  ©ebot  fei  geftorben.  3u  ben  ©alatern  fpridjt  er  6.  3; 
3Me  mit  be£  ©efe§e£  Söerfen  umgeben,  bie  finb  unter  bem 
$lutf).  Unb  ba§  mir  miffen,  ba%  er  t>on  gefjn  ©eboten 
unb  ganzem  ©efe|  rebe,  fe£t  er  fnnju:  3)ag  ©e[e|  \xt 
nicfyt  beö  @(auben§,  fonbern  ber  5Jienfcf),  ber  eö  ttnit,  mirb 
baburd)  leben,  2öelcf)eö  ofjne  allen  3tt>eifel  *>on  i^)n  ®e* 
boten  gu  t>erftef>en.  ®o  nun  allste  jemanb  mürbe  benfen 
ober  fagen,  eö  märe  mol)l  nid)t  of)ne,  ba§  ba§  ©efe$ 
©otteg  3^n  öerfünbigte,  bk  ©ünbe  firafte  unb  ben  2Rem 
fd)en  üerbammete,  aber  nur  in  benen,  fo  mibev  ba§  @efe£ 
lebten  unb  ©ott  ungefmrfam  mären;  aber  fjergegen  fo 
»erfünbigte  eö  ©otteg  Siebe,  geigte  bie  ©ereAtigfett,  fdjaffte 
#reub,  triebe  unb  Seben  in  benen,  fo  ftd)  be$  2öiHen3 
©ottc£  r>erf)ielten  unb  nad)  bem  ©efe|  lebeten;  benn  ©ott 
je  aud)  gefagt  2  3Jiof.  20,  er  tfjue  mof)l  in  taufenb  ©lieb, 
benen,  fo  if)n  lieben  #♦,  ber  mürbe  fxc£>  meit  irren;  benn 
einerlei  9Imt  unb  2ßirfung  führet  ba$  ^eilige  ©efe£  über 
alle  9iad)fommen  2lbam3,  niemanb  auögefdjloffen.  2öof)l 
ifi:  mafjr,  ba$  ©ott  feine  Siebe  unb  ba$  ßeben,  fammt 
allen  2ßof)ltf)aten,  im  ©efe£  benen  t)erf)et§en  fjat,  fo  iljn 
lieben,  big  in  taufenb  ©lieb,   e§  flagt  aber  baneben  ba$ 


154 

@efe£,  ba§  feiner  im  pausen  menfcpdjen  ©ef$le$te  fei, 
ber  ©ott  t)on  ganjem  £erjen  t>otlfömmlidt)  liebe.  $)etm 
jte  ftnb  allefammt  abgetrieben ,  unb  allefammt  untüchtig, 
ba  ifi  feiner,  ber  ©ute§  tfme,  audj  nic^t  einer.  $f.  14. 
2)ertioegen  führet  baS  @efe£  ba$  2lmt  ber  23erbammni§ 
auf  einerlei  SBeife  über  alle  Wlmföm,  toie  foIcJ)eö  bie 
Schrift  an  tuelen  Drten  jeuget  üJiofeS  fprid)t  5  Sftof.  27: 
33erf(ud)t  fei  jebermann,  ber  ni$t  bleibt  in  alle  bem,  baS 
getrieben  fielet  in  bem  23udj  be§  ©efe§e§,  ba$  er'3  tfme. 
2MI  mernanb  ifi,  ber  ba§  @efe£  tl)ut,  fo  muß  jebermann 
unter  bem  glud)  fein.  2lm  23erg  ©inai,  ba  ©ott  felbft 
bie  2öorte  beS  ®efe|eS  gerebet,  2  SWof.  20,  ijl  feiner  unter 
fo  öiel  bunbert  taufenb  9Jienfdj)en  gemefen,  unter  toeldjen 
bodj  ol)ne  3tt>eifel  <*u$  ^eilige  2eute  toaren,  ber  baS  @efe£ 
au3  ©otte£  Wlunbt  o^ne  $urd)t  unb  ©df)recfen  Ijätte  l)ören 
fönnen;  wdfytä  eine  flare  5lnjeigung  gemefen,  ba§  Da§ 
©efeg  bei  allen  üftenfdEjen  nur  ben  Zob  unb  bie  25er* 
bammni§  auöridjte,  mie  $auluS  flärlidE)  rebet;  benn  ju 
ben  Sorinttjern,  S.  3,  nennet  er  ba$  ©efe|  baä  2tmt,  baS 
burä)  bie  23u$ftaben  tobtet  unb  ba3  bie  35erbammni§ 
prebiget.  3**  bm  ©alatern  fprtdErt  er  (£.3:  3)ie  mit  beä 
®efe£e3  2öerfen  umgeben,  bie  ftnb  unter  bem  $tud!)  ^eS 
©efe|eö.  S)a3  ift  boeb  beutlicb  gerebet:  ba3  @efe£  oer* 
flutet  nic&t  allein  bie,  fo  freüentlidj  ba$  ©efe£  fcerac^ten, 
unb  in  allen  ©ünben  unb  Sapern  tt>iber  ba$  ©efe|  leben, 
fonbern  aueb  bie,  fo  mit  beö  ©efe^eö  SBerfcn  umgeben 
unb  fxcb  bereu  befleißigen.  3u  ben  Römern  (£.  3  legt  er 
jum  ©runbe  feiner  ße^re,  ba$  ba$  ©efe|  alle  üJienfd^en 
uerbammt,  auf  bafy  aller  üftunb  oerftopft  werbe,  unb  alle 
Seit  ©ott  fc^ulbig  fei,  barttm  ba%  fein -ftleifö  bur$  be$ 
©efeijeS  Söerfe  t)or  if)tn  mag  geregt  fein;   benn  burdj'3 


155 

©efe£  fommt  nur  örfenntnig  ber  ©ünben.  #ie  toill  $au* 
luS  niemanb  auSgefc^loffen  bahtn,  benn  ba3  ©efetj  be* 
fdjulbigt  alle  2Belt,  unb  auS  bem  fommt  nur  ßrfenntnifi 
ber  ©ünben.  3te™  ytdm.  4:  $>&$  @efe|  richtet  nur  3orn 
a\\.  3tem  SHöm.  5:  £>a§  ©efefc  ifl  neben  einfommen,  ba§ 
bie  ©ünbe  mächtig  mürbe.  3tem  $öm.  7:  $)ie  ©ünbe 
erfannte  id^  nicf>t,  opne  burd)  ba§  @efe§.  3tem:  S)a 
aber  ba$  ©ebot  fam,  n>arb  bte  ©ünbe  mieber  tebenbig, 
id)  aber  fiarb.  3tem:  3luf  baj$  bie  ©ünbe  mürbe  überaus 
fünbig  bur^'S  ©ebot.  1  (£or.  15:  £>er  ©tacket  be§  Sobeä 
ifl  bie  ©ünbe,  bie  Äraft  aber  ber  ©ünben  ift  i>a$  @efe£. 
2>a§  aber  foldje  Äraft  unb  2Birfung  be3  ©efeijeg  ni$t 
nur  über  etliche,  fonbern  über  baS  ganje  menfcblicbe  @e* 
f$le$t  get;e,  fprid)t  ©t.  $auluä  abermal  SRöm.  11:  ©ott 
bat  alles  befdploffen  unter  ben  Unglauben,  auf  i>a%  er  ftdj 
aller  erbarme,  $ierau3  aber  folget  nun  nicfyt,  ba£  ba3  ©efe£ 
©ünbe  ober  böfe  fei.  2)a§  ©efe§  ift  ja  f)eüig,  red)t  unb 
gut  SRöm.  7,  wäre  un§  audE)  jum  %ebtn  gegeben,  menn 
mir  olme  ©ünbe  mären  unb  c8  galten  fönnten;  meil  mir 
aber  ©ünbe  baben,  unb  ba$  ©efefc  nidjt  galten  fönnen, 
fo  reicht  unö  ba§  ©ebot  jum  £obe,  ba§  un3  jum  üebm 
gegeben  mar,  unb  ift]  alfo  ba$  ©efe£  nicbt  in  it)tn  felbft 
fdjmad)  unb  unfräftig,  fonbern  burd)§  $teifd)  ijV8  ge* 
fd)mäd)t,  ba§  if)tn  unmöglich  ift,  un3  ©otteS  Siebe  unb 
£utb  ju  öerf ünbigen ,  ^rieben  anjuridf)ten,  ©ered)tigfeit  ju 
bringen,  ßeben  unb  ©etigfeit  ju  mirfen,  fonbern  mu§ 
feinem  2lmte  nad),  nur  baS  Söiberfpiel  bei  un3  treiben, 
ung  üerflagen,  fcbrecfen,  öon  ©ott  ftoßen,  oerurt^eilen,  bie 
Söunben  geigen,  aber  nidE)t  feilen,  mie  Augustinus  rebet  de 
peccato  originali.  lib.  2.  cap.  25:  Per  legem  cognitio 
peccati,  non  sanatio,  (burct)  bae  ©efe£  fommt  Srfenntnijj 


156 

ber  Sünbe,  ni$t  Reifung),  unb  enblicb  tobten  unb  t>er* 
bamniem  SMeweil  benn  bie  ganje  fjeilige  ©djrift  bem 
©efe£  bie§  2lmt  ber  $erbammni§  über  ade  3Jlenf$en 
gueignet,  fo  ift  je  offenbar  unb  unwiberfprecpcl),  ba§  ber 
9Jienfcb  bttrcf)  feine  2ßerfe  nodb  ©eborfam,  wie  ber  mag 
einen  tarnen  fjaben,  twr  ©ott  fönne  geregt  unb  feiig 
»erben ;  benn  ft>a§  (ber)  üKenfdjen  2Berfe  ausrichten  follen, 
wie  fnebetwr  gemefbet,  ba£  muffen  fte  ttom  @efe§  ©otteö 
nehmen;  alle  Äraft  unb  SBürbigfeit  ber  2öerfe  liegt  im 
@efe|,  unb  fleugt  au§  il)m.  <So  benn  ba3  ©efe|  ©otteS 
bie  Äraft  nic^t  bat,  ben  2Renf<f)en  gereebt  ju  machen,  fo 
werbend  bie  SSerfe  je  nid)t  tfmn  fönnen.  Unfere  SBtber* 
facfjer  im  $abfttfmnt  öerfte^en  jum  Xfytil,  ba%  fte  |art 
gebrücft  werben  mit  biefem  Argumente,  barum  bieten  fte 
bem  ©efe|  ein  anbereg  9lmt,  fpredjen:  im  ©efe|  fteljet 
unfer  Seben  unb  ©ere^tigfeit,  ba$  @efe£  fei  baju  gegeben, 
ba§  wir  baburd)  feiig  werben;  aber  foldjeö  bieten  fte 
wiber  baö  fceQe  2Bort  ©otteS.  $auluS  fprüfct  ©al  3: 
Söenn  ein  ©efe£  gegeben  wäre,  ba£  ta  fönnte  lebenbig 
machen,  fo  fäme  bie  ©eredjtigfeit  waljrbaftig  au£  bem 
©efeij;  aber  bie  Schrift  l;at  e£  alles  bef^loffen  unter  bie 
Sünbe,  auf  ba§  bie  25erf)ei§ung  fomme  iura)  ben  ©tauben 
an  3efum  (Xf;riftum,  gegeben  benen,  bie  ba  glauben.  2öie 
ifi'3  benn  aueb  möglief),  i>a%  i>a8  ©efe|  wiberwärtige 
SBirfung  unb  9tmt  l)abe;  weil  e§  ©oiteö  3^rn  tterfünbet, 
fann  e§  ©otte§  ©nabe  nifyt  prebigen;  fo  e£  bk  @ünbe 
mächtig  macbet,  fann  e§  je  bie  ©ereebtigfett  in  unö  nidf)t 
wirfen;  weil  e§  ©cfyrecfen  unb  $ur$t  anjünbet,  fann  e§ 
ben  ^rieben  nid)t  fcfjaffen;  inbem  e£  ben  Job  unb  25er* 
bammni§  angrientet,  fann  e£  Seben  unb  ©eligfeit  nicfyt 
geben ;  unb  fage  f)ie  abermal,  ba%  i>a§  ©efe|  einerlei  2lmt 


157 

unb  SBirfung  über  alle  2Renfd)en  fyat,  mie  oben  ermiefem 
$aulu3  nennt  Gol.  2  baS  ©efei}  eine  £anbfd)rift,  barin 
unfere  Sdmlben  serjeidmet  ftnb,  meldje  SbriftuS  aftattl).  18 
tajirt  fed)$ig  mal  bunbert  taufenb  ©utbem  Söer  l;at  nun 
jemals  gehört,  ba$  man  ben  ©laubiger  mit  unferer  £anb* 
fdjrift  bejablen  fönne,  üielmefjr  werben  mir  baburd)  ge* 
maf)nt,  ber  ©djulb  überfübrt,  unb  ia  mir  nid)t  bejahen, 
üerflagf.  2Ufo  ftnben  mir  au$  feine  33eäaf)lung,  nod) 
Uufdmlb  t)or  ©ott  im  @efe|,  fonbern  baö  ijl  unfere  6anb* 
fd^rift,  barin  unfere  ©ünben  üerjeidmet  ftnb,  unb  baburcb 
mir  üor  ©ott  t>erflagt  merbem  $)ie3  jeuget  nun  md)t 
allein  bie  Sclirift,  fonbern  ber  ÜKenfd)  empfinbetö  aud)  m 
feinem  £erjen;  benn  menn  ber  9ftenfd)  f)öret,  mie  ©ott 
geboten,  ba$  mir  tfm  follen  lieben  tmn  ganzem  $crjenf 
unb  baneben  üermelbet,  ba§  alle  bie,  fo  foli$e§  md&t  l)al* 
ten,  emig  verloren  unb  ücrflue^t  fein  follen,  mer  erfdjricft 
nicbt  ob  folgen  Söorten?  2öer  fann  folcbeS  mit  $reuben 
anbören?  2)enn  ba  mirb  unä  allen  ber  emige  Job  ge* 
fcrol;et;  barum  empftnbetö  ber  SDienfd)  im  #erjen,  bafj 
meber  ba§  ©efe|  no$  bie  2Berfe  gerecht  machen  Dor 
©ott;  benn  mo  ©erec^tigfeit  ift,  ba  ift  aud)  yreube,  triebe 
unb  ßebem 

5Ufo  fe^en  mir  nun  IjierauS,  mie  fdjrecfltd?  ftd)  hk 
^apiften  irren,  inbem  fte  ifjre  @ered)tigfeit  unb  ©eligfeit 
in  ben  2öerfen  unb  im  ©efe|  fudpen,  fo  bod)  feine  Öebre 
auf  bem  ßrbboben  ift,  bie  fte  gärtet  öerbammet,  benn  ba$ 
®efel$  unferö  ©otte§.  Darum  menn  fte  bie  ©prüc^e  be§ 
©efe§ee  anheben  su  ibrem  35el;elf,  fo  legen  fte  für  if?re 
Öejafjlung  iljre  ^anbfdjrift  auf,  bie  fte  befdmlbigt  unb  Der* 
Wagt,  unb  üerbammen  ftcb  mit  i^rem  eigenen  Urtfjeil.  Au- 
gustinus faßt  red)t  ad  Bonif.  1.  3.  c.  9:    Lex  non  justifi- 


158 

candis  improbis,  sed  convincendis  superbis  data.  Da3 
@efe§  tft  nidpt  gegeben,  bie  ©ottlofen  gu  rechtfertigen,  fom 
bern  bie  ©toljen  ju  überzeugen.  3tem  Ambrosius  de  fuga 
seculi  fprid)t:  Lex  os  omnium  obstruere,  sed  mentem 
convertere  nunquam  potuit.  £)a£  ©efe§  fann  allen  ÜJien* 
f$en  baS  üftaul  ßopfen,  aber  ba§  £erj  fann  e£  nicfet 
belehren. 

yiai)  bem  benn  bie  ^äbftlicben  je  nidjt  tooüen  ber 
©nabe  ©otteS  (eben,  fonbern  auf  ibr  SSerbienft  unb 
Jöerfe  trogen,  fo  f)aben  fie  ba§  ju  8o(im,  ba§  fie  ni$t 
allein  burd)  ©otteg  ©efeij,  fonbern  aud)  burc^  ü)r  eigen 
Urteil  üerbammt  werben.  Unb  toeil  fie  fo  üermeffen  fein 
bürfen,  ba§  fie  me^r  ©efe^e  machen,  afö  ©ott  felbft  ge* 
geben,  unb  ©ünbe  bieten,  ba  feine  ©ünbe  ijt,  fo  Ijaben 
fie  gett)i§  ju  gemarten,  ba§  fie  fo  gar  feine  ©erecbtigfeit 
im  ©efe£  finben  werben,  ba§  fie  am  jüngjien  Jage  neben 
©otteS  ©efe|  aud;  burd)  i^r  eigen  ©efe§  ft$  muffen  t>er* 
bammen  laffen ;  benn  e§  foll  niemanb  toiber  fein  ©ettrijfen 
tf)un,  unb  tüer  etoa3  für  unrein  f)ält,  bem  ift§  unrein, 
$öm.  14.  2l(fo  muffen  bie  anlaufen,  hk  ©otteg  ©nabe 
üermerfen,  $uf)m  in  ifjren  eigenen  QBerfen  fu$en,  ©otteS 
@efe£  öerfe^ren  unb  ^eiliger  unb  toeifer  fein  tollen,  benn 
ft$  ©ott  felbft  im  @efe&  erflärt  f)at.  $a3  ifi  benn  nun 
ba§  erjie  Argument,  ba§  mir  burd)  unfere  2Berfe  unb 
©efjorfam  nid)t  geregt  werben;  unb  Ijiefjer  gehören 
alle  ©prüdje  im  alten  unb  neuen  leftament,  fo  öom 
5lmt  unb  33rau$  beä  ©efe|e§  reben,  unb  ben  ©efjorfam 
öon  un§  forbem;  benn  barauf  folget  gewaltig,  ba§  mx 
öor  ©ott  md)t  geregt  werben  bur$  unfern  ©e^orfam, 
jxntemal  baö  ©efe|  nod)  tdglidE)  un§  t>erf(agt  unb  an  un§ 
forbert. 


159 

©er  anöer  (Bruno. 
Don  6em  Unvermögen  menfd?li<$er  VLatur* 

Da§  ein  armer  ©ünber  vor  ©ott  gerechtfertigt  mirb, 
ifi  eineö  von  ben  aHerf)ö  duften  2Berfen,  bie  auf  Srben  ge* 
fcbefjen,  unb  iji  nid)t  geringer  atö  bie  ßrfcfyaffung  beö 
2ftenfd)en ;  benn  f)ie§n  gehört,  i>a$  vor  allen  Dingen  ©otteö 
grimmiger  3*>ni,  fo  bur$  bie  Sünbe  erregt  tjt,  verföljnt 
unb  gejtiltet,  ber  %lud)  beö  ©efe£e3  aufgehoben,  bem  ©efe§ 
votlfommen  ©eborfam  geleifiet,  bem  %obe,  ber  <Sünbe, 
bem  Jeufet  unb  ber  SBerbammnifj  alle  ©emaft  genommen 
merbe;  benn  ber  Sftenfd)  mag  je  vor  ©ott  nid^)t  geregt 
fein,  fo  lange  er  unter  ber  Sünbe,  @efe£,  £obe  unb  Teufel 
gefangen  liegt.  Ob  nun  ber  arme,  verberbte,  fraftlofe 
2Jienfd)  foldje  fmben  göttlichen  Serfe  fönne  jumege  bringen 
unb  verrieten,  i>a§  molle  ein  Sfjrift  in  ©otteöfur^t  be* 
trauten.  2ßir  fönnen  je  nid)t  leugnen,  ba§  unfere  menfcf)* 
lid)e  9iatur  burd)  2lbam  gänglic^  verberbt  ifi,  mir  mangeln 
beö  9tu£m8,  ben  mir  an  ©ott  fjaben  foflten  $öm.  3;  unfer 
natürlicher  5SJienfd)  vernimmt  nichts  vom  ©eijl  ©otteö, 
1  Sor.  2,  mir  fönnen  ben  grimmigen  3om  ©otteS  nid)t 
;  ertragen  nod)  Verfölgen,  mir  fönnen  bie  9fta$t  ber  ©um 
ben  nicf)t  tilgen,  mir  fönnen  unS  meber  vom  £obe,  nocf> 
,  von  ber  ©emalt  be£  ©atan§  lebig  machen.  3a,  ben  ge* 
jtingfien  3Jtangel,  ben  mir  an  unferem  öeib  ober  ©eel  f)a* 
j  ben,  fönnen  mir  burtf)  unfer  Vermögen  nicf)t  ablegen,  unfer 
SBerftanb  iji  beraubt  be§  göttlidjen  6rf enntniffeS ,  unb  iji 
voller  gtnjierni§,  ber  Söitte  ifi  Don  ©ott  abgemanbt,  jiecft 
,  voller  geinbf^aft  miber  ©ott,  unb  fann  fol<J)e  $einbfd)aft 
miber  ©ott  von  i^m  felbfi  nxc^t  ablegen;  benn  bie  $einb* 
fd)aft  liebet  il)m,  unb  iji  baju  be§  SatanS,  ber  iljn  treibt, 


160 

(gefangener,  unb  enblid)  fo  formen  wir  je  btn  ganjen  @e* 
fwrfam  beö  @efe£e3,  in  weldjem  bie  ©erecfytigfeit  ber  2Berfe 
fielet,  nid^t  leifien;  wie  unb  roetd^er  ©eftalt  Wolfen  Wir 
benn  burd)  unfere  Söerfe  twr  ©ott  geredet  fein?  2Ber 
?twa3  ©roßes  folf  ausrichten,  mu§  je  ©tärfe  unb  Äraft 
baju  fjaben,  ein  fleineö  unüermögenbeö  Äinbletn  wirb  nid)t 
9ftül)lfteine  tragen,  ober  ba§  id)  beutlid)  rebe,  ein  tobter 
töienfd)  fann  ftd)  fetbft  nic^t  lebenbig  mad[)en.  2Bie  will 
ienn  ein  ©ünber,  ben  ©otte£  ^oxn  brücfet,  ber  bem  glud) 
be£  ®efe|e§  unterworfen  unb  beS  Seufetö  ©efangener  ift, 
ja,  ber  in  ©ünben  fdijon  erfiorben  ift,  fidj  felbft  üor  ©ott 
geredet  machen,  ba§  er  ewig  lebe?  $)a3  geifilidEje  ßeben  iji 
je  beffer,  f)öl)er  unb  tl;eurer,  als  iaS  seitliche,  vergängliche! 
3d)  wei£  wof)l,  ba§  bie  $ctbfttidf)en  hierauf  fagen  werben, 
fte  müßten  je  befennen,  ba%  ber  fd?wad)e,  tterberbte  2Kenfcf) 
folcfte  l)of)en  göttlichen  2öer!e  nid)t  vermöchte,  fte  fpredEjen 
aud)  md)t,  ba§  ber  ÜHenfd)  ftd)  felbji  gerecht  madjete;  benn 
bie  wirfli^e  Urfad)  fomme  allein  öon  ©ott,  unb  6&rtjiu8 
fjat'S  un8  üerbienet,  aud?  befenneten  fte,  ba§  un§  bie  erfte 
©nabe  jur  Rechtfertigung  ofme  25erbienft  mürbe  eingegoffen; 
aber  fte  mögen  21u§flud)t  fu$en,  wie  fte  wollen,  fo  fönnen 
fte  nid)t  (eugnen,  baf$  fte  bem  fraftlofen  -Kenfdjen,  bie 
o6erjä^Itcn  f)of)en  2öerfe  jumeffen,  wo  nid)t  ganj,  bodj 
jum  J^cil;  beim  fo  ber  SGRenfd),  Wenn  er  bie  erfie  ©nabe 
empfangen  fyat,  burd)  feine  Ziehe,  Seilte,  ©efwrfam,  gute 
Söerfe  k.,  twr  ©ott  muj$  gerecht  fein,  bie  ©ünbe  ablegen, 
Oott  uerföfjnen  unb  ben  £immel  üerbienen,  fo  ftnb  je  bie 
Strafte  be§  9UlenfdE)en  aud)  eine  wirflidje  Urfadje  foldjer 
©eredjtigfeit,  unb  bleibt  unferm  £erm  ©ott  unb  bem  95er* 
bienfte  ßfmfti  mef)r  nidf)t,  benn  ber  Anfang  unb  bie  £ülfe; 
baS  SoweJjmfle  aber,  ba$  ber  üKenfc^  üor  ©otteö  ©eric^t 


161 

!  befielen  fönne  unb  al#  ein  @rbe  ba$  evioige  2eben  beft^en, 
ba3  muB  ber  üftenfd)  felbft  ausrichten.  $)a3  ^eigt  ein 
tobtet  2laö  an  ©otteö  ©tatt  anbeten.  Unfere  2öiberfad)er 
sollten  gern  ba$  2ßevf  ber  Srlöfung  t>on  bem  3orn  ©otteS 
unb  bie  Srrettung  t)on  ber  ©etoalt  be§  6atan3  abfonbern 
don  ber  9?e<^)tfertigung ,  aber  bieg  2Serf  lä§t  ftd)  nid^t 
treuen;  benn  fobalb  ©ott  feinen  3orn  lägt  fallen,  fo  gef)et 
alöbalb  ba$  2id)t  ber  ©naben  über  ben  2ftenfd[)en  auf; 
toenn  nrir  t>on  ber  ©etoalt  be§  ©atanö  erlebigt  werben, 
ftnb  toir  alSbafb  in  ©otteö  Ntiü)  t>erfe|t;  tt>enn  ©Ott  bie 
©ünbe  oergiebt,  fo  pft  er  unö  in  feinem  @eri$t  für  ge* 
xetyt  $>arum  bleibt  baS  getoig :  tt>er  bur$  fein  eigen  2Berf 
toilt  oor  ©ott  bepel;en  unb  gerecht  fein,  bietpeil  er  nt$t 
leugnen  fann,  ba%  er  fottoljl  al§  $aulu$  ein  Äinb  be§ 
3orn3  ©otteS  t)on  üftatur  fei,  6))^  2,  ber  mufc  audE)  $u* 
gleich  ben  unmöglichen  3orn  ©otteä,  toelcber  über  ifm  brennt, 
unb  ein  t>erjel)renb  fteuer  ift,  fcerfölmen,  er  mu§  ben  $tu$ 
beö  @efe£e£,  unter  meinem  er  liegt,  binmegneljmen ,  er 
mufj  für  alle  feine  ©ünbe,  fo  auf  ifw  geerbt  unb  bie 
er  begangen,  genug  tf)un,  audj  alle  ©ünben,  mit  melden 
er  beffecft,  ablegen,  bie  üfta$t  be§  ©atan§,  ber  i^n  gefan* 
gen  plt,  jerpören,  unb  ben  Job,  ben  er  am  #al3  trägt, 
fammt  ber  £ölle,  übertoinben.  3ubem,  bietoeil  e§  je  eine 
©ered)tig!eit  nad)  bem  ©efe|  fein  fotl,  fo  muß  er,  ber 
'2öerff)eili<je,  in  if>m  neueö  2i$t,  emigeg  ßeben,  geifilidje 
Äraft  anjünben,  unb  ifjm  felbfl  bm  ^eiligen  ©etft  geben, 
bamit  er  ben  ganzen  ©e^orfam  beö  ©efe£e£  erfülle,  unb 
ftd)  alfo  t)or  @otte3  ©erid)t  geregt  barftefle.  $k  lagt  nun 
bie  $elagianer*9ftön$e  unb  unfere  $apiften  auftreten  unb 
antworten,  ob  jie  benn  nun  biefe  l)ol)en  SBerfe  ber  ©rlö* 
fung,  Rechtfertigung,  Srneuerung  au£ri$ten  tonnen.    €>ie 

li 


162 

formen  je  nid)t  leugnen,  ba%  mir  aüe  Äinber  be£  3orn§ 
finb  t>on  5ftatur,  Splj,  2;  fte  muffen  bef  ernten,  ba§  mir 
alle  mangeln  be§  JRufjmg,  ben  mir  an  ©ott  fmben  foflten, 
JRöm,  3;  offenbar  ifi,  bafj  ber  natürtid&c  SRenfcb  nid^tö 
Dernimmt  t>om  ©eifi  ©otteg,  1  (£or.  2,  2öir  finb  je  nutJ 
pfeifet),  ba§  ifi,  fünbfjafte,  fraftlofe  Kreaturen.  2öaS  ttom 
gieifd)  geboren  mirb,  bag  ifi  ftleifd),  fyrid)t  <£&rifht8  3ob.  3, 
unb  3efaia§  fagt  3ef.  40 :  äfleS  $leifdf)  ifi  £eu,  unb  feine 
£errlid)feit  mie  eine  SBtume  auf  bem  ftelbe;  fobalb  ber 
©eifi  beö  #errn  brein  bläfet,  fo  faßt  bie  Sturne  baljim 
2lucf)  ^euget  ^auluS  9Wm.  8,  ba%  unfere  Sinne  unb  Gräfte 
voller  fteinbfcfwft  miber  ©ott  fiecfen.  (£t)rifiug  fpridEjtSuc.  10, 
ber  SKörber  l)abe  un§  beraubet  unb  ttermunbet,  unb  fjalb 
tobt  liegen  laffen.  2llfo  befennt  aud)  $aulu3  ©pfc.  2, 
(Jol.  2,  bafj  mir  in  ©ünben  tobt  gemefen  finb,  2Bie  ifi 
benn  nun  immermefjr  möglich ,  ba§  foId>er  beraubte,  fcer* 
munbete,  mit  bem  §Iu$  beö  ©efe|eö  belabene,  mit  ©otteS 
3om  überfd)üttete,  t)om  ©atan  gefangene,  in  allen  Gräften 
t)erberbte,  oon  ©ott  ganj  abgemanbte  unb  fenblid^  in  ©ün* 
ben  erfiorbene  SD^enfd)  bie  allergo  duften  2öerfe  ber  ßrföfung 
unb  9te<ä)tfertigung  foll  auSridjten?  (£3  fagt  je  ber  ©olm 
©otte§  auSbrfid  H$  3o&.  8 :  2öenn  eu$  ber  ©o$n  ©otteS 
nicf)t  frei  machet,  fo  merbet  if)r  fterben  in  euren  ©ünben. 
3tem  3^.  3 :  Sftiemanb  fahret  gen  Fimmel,  benn  ber  oom 
Fimmel  fommen  ifi,  be§  2)ienf$en  ©o&n,  ber  im  Fimmel 
ifi,  (£f)rifiu3  fpri$t:  ©ere$t  fein  ttor  ©ott  unb  feiig 
merben,  Ijetgt  gen  Fimmel  fahren;  folc^eö  fann  je  ber 
aftenfd)  t)on  iljm  felbfi  nid)i  £>ie  ^aptfien  unterftefjen 
ft$,  eigene  treppen  unb  Seitern  gen  #immel  ju  bauen, 
aber  fte  merben  fehlen;  benn  ßtmfiuö  faget:  9iiemanb 
fähret  gen  Fimmel;  fo  mufj  e§  je  in  be8  9Jienf$en  Äraft 


163 

ttid)t  fielen*  $>a3  meint  auü)  Sl)rijiu3  bamit,  ba§  er 
fpricbt  3of).  14,  er  fei  ber  2öeg,  bie  2öaf)rl)eit  unb  baö 
Öeben;  benn  bamit  beutet  er,  ba§  (eS)  unS  unmöglid)  fei, 
ben  ffieg  ju  finben;  benn  ha  ifi  jumal  ein  groj?e3  SJteer 
ämifcfeen  ©ott  unb  unS,  nämltcb  ba3  meite  2fteer  ber  ©ün* 
ten  unb  beö  £obe3,  barin  ber  gro§e  Setnatljan  mutzet 
2ßer  jtd)  nun  barein  au§  eigener  $ermeffent)eit  begibt,  ber 
mu§  erfaufen,  toie  -alle  ÜJlöndje  unb  $apifien  tf)un;  6f)ri* 
flu3  aber  ift  ber  2ßeg  unb  bie  ftdjere  93rücfe,  mer  barauf 
manbeli,  ber  fommt  hinüber,  unb  finbet  ßeben  unb  ©eligfeit 

£>ie3  Argument  ifi  fo  gewaltig  unb  ftarf,  i>a§  mir 
aud)  weiter  fagen  fönnen:  menn  gleidi)  ein  üftenfd)  auf 
ßrben  märe,  beffen  Statur  nid^t  märe  oerberbt,  fonbern 
Ijätte  eine  red?tgefcf)affene,  unt)erl)int>erte,  üollfommene  9ia* 
tur,  tx>ie  2lbam  gebabt,  unb  nät)tne  nur  eineS  9J£enfdE)en 
eine  Sünbe  unb  ©dmlb  auf  ftd),  biefelbe  ju  bü§en  unb 
©Ott  5U  fcerföfmen,  fo  märe  eS  if)tn  bod)  unmöglid),  aud? 
in  ber  üoflfommenen  ftatur;  benn  bie  ©ünbe  tterbienet 
ben  emigen  Job,  unb  ©ottes  3^™  ifi  ein  oerjetjrenb  $euer, 
meldje§  fein  9Jtenfd)  ertragen  fann.  5  üRof.  4,  £>iob  9, 
Unb  ber  ürfadjen  mu§te  unfer  (Srlöfer  unb  ©etigmadjer 
md)t  aflein  ein  geregter,  ^eiliger  SJJienfd),  fonbern  au$  ein 
allmächtiger,  emiger  ©ott  fein,  auf  ba§  er  ben  ganjen 
3om  ©otteö  tragen  unb  ifm  überminben,  für  bie  ©ünbe 
teilen,  ßeben  anjünben,  ben  ©eijt  geben  unb  alte§,  mag 
jur  ©eligfeit  gehört,  ausrichten  fonnte.  2lu3  meinem  allein 
offenbar  unb  am  Jage,  ba§  ein  armer,  elenber,  fd>mad)er, 
fünbljafter,  fterblic^er  üftenfd)  fol$e§  feinegmegeg  mag 
au§rid)ien- 

Db  nun  abermal  bie  $äbfllid)en  ^ie  öormenbeten,  fte 
lebeten  ni^t,  i>a%  ber  Sftenfd)  ftdE)  felbfi  ertöfete  ober  bie 

11* 


164 

©ettmlt  beö  SeufelS  serflörete,  foldt>eö  mü§te  je  Sljriftug 
t^un,  aud)  müfjte  ©ott  bem  2ftenfd)en  bit  Äraft  eingießen, 
allein  aber  Baubeiten  fte  t)on  ber  $ecl)tferttgung ,  nne  ber 
SRenfd)  t)or  ©ott  geredet  ttmrbe;  barauf  antworten  toir, 
tt)ie  üor  gemelbet,  ba§  bte  (Srlöfung,  Errettung  unb  $ed)t* 
fertigung  ftdj  nxd^t  trennen  taffen*  2öer  t)or  ©otteS  9lu* 
gen  befl:e^et  a(3  gerecht,  ber  ift  au$  mit  tt)m  üerföljnet, 
baö  tft,  t)om  Teufel  errettet,  ber  lebet  unb  l)at  $reube  unb 
triebe.  2iud?  t)or  ©otteö  Slugen  begeben  mit  ©eredjtigfeit, 
ift  größer  unb  meljr,  als  ©otteS  3orn  unb  bie  ÜJladjt  be§ 
©atan§  übewinbem  60  benn  ber  2ftenfc$  jeneö  nidpt 
fann,  tote  tk  ^apifien  felbfl  benennen,  fo  mirb  er  bie§ 
au$  nifyt  vermögen.  Dh  fte  aud)  heiter  vorgeben,  e$ 
toäre  je  ©otte«  2öerf,  unb  ber  9Kenf$  ptte  bie  Äraft 
burdE)  6f)rifti  SSerbienfi ,  ift  noeb  md?t  genug;  benn  ba# 
bleibt  immer  nad?  i^rer  Meinung,  ba%  ber  -äftenfdf?  jum 
$f)eil  bie  I)ol)en  göttlichen  Jöerfe  muffe  au3rid)ten,  iDel^eS 
tf)m  allerbingg  unmöglich  2llfo  em>ei§t  ftc^ö  nun  geroal* 
iiglid?  au3  allen  3eugniffen  beö  alten  unb  neuen  2efta* 
ment§,  welche  üon  bem  Unvermögen  menfebü^er  üftatur 
reben,  ba§  ber  2Kenfd)  burdf)  feine  2öerfe  ober  ©eborfam 
beg  ©efe|eg  md;t  fönne  t>or  ©ott  gerecht  werben,  fonbern 
bebürfe  eineö  Mittlers  unb  £eilanbe§,  ber  itm  erlöfe  unb 
fcor  ©ott  geredet  mad)e,  nämltcf)  be§  £erm  unb  #eilanbe# 
3efu  (Xljrifti,  toeld^er  un§  Don  ©ott  toorben  ift,  ni$t  allein 
jur  SöeiSbeit,  ßrlöfung  unb  Heiligung,  fonbern  aud)  §ur 
©eredtfigfeit,  1  ßor.  1 ,  ber  aud)  ben  tarnen  führet,  ba§ 
er  f)ei£t  Seljoüat),  unfere  ©eredjtigfeit,  3er.  23,  ni$t  barum, 
ba§  er  t)or  ©ott  gerecht  ift,  aud)  nifyt  ba§  er  un3  bie 
Äraft  eingeübt,  un§  felbft  gerecht  ju  machen,  fonbern  ba§ 
er  un§  mit  feinem  23lut  unb  ©eborfam  oor  ©ott  geredet 


165 

matyt,  unb  er  unfere  ©errdE)tigfeit  t)or  ©ott  ift.  ©o  tnei 
benn  nun  Beugniffe  ftnb  in  ber  ganjen  ^eiligen  ©cfjrift, 
beren  gett)i§lt$  tuet  über  ftunbert  ftnb,  fo  ba  jeugen  t>on 
ber  tterberbten  üflatur  beö  üJienfc^en,  unb  ba§  mir  im  ftall 
2lbam§  ttn  freien  2ßülen  verloren  fjaben,  bie  emeifen 
allefammt  aufS  aflergenmltigjte,  ba§  ber  ÜRenfd)  nid)t  burd) 
feine  Söerfe  t)or  ©ott  fönne  gerecht  werben.  2tlö:  ©ott 
ftm$t  su  2lbam  1  2Rof.  3 :  Du  bijt  ßrbe,  unb  fotlfi  ju 
Srben  toerben.  Jöie  ift  nun  möglich,  ba§  bie  2lf$e,  fo 
ben  £ob  am  #al8  tragt,  ftd)  feflbfi  öor  ©ott  foll  geregt 
mad)en?  1  SKof.  6:  MeS  Diäten  unb  £ra$ten  be§ 
menfcpdjen  ^erjenö  ift  nur  böfe  immerbar.  3^m  *  2Rof.6: 
Die  IJJienfd^en  sollen  jtd)  meinen  ©etfi  nityt  mel)r  firafen 
laffen,  benn  fte  ftnb  $leifcf).  %km  1  üftof.  8:  Denn  baS 
Diäten  beö  menfcf)lid)en  $er$enS  ift  böfe  üon  Jugenb  auf. 
3tem,  2lbral)am  befennt  üon  i^m  Dor  ©ott  unb  fagt  re$t 
t)on  allen  üftenfc^en :  3$  ^ö&e  tni$  untemmnben  ju  reben 
mit  bem  #errn,  txnetootyt  ify  ßrbe  unb  2lfä)e  bin.  Die§ 
ift  feine  ^eud)IerifdE)e  Demutl),  alö  niebrigte  ft$  Slbra^am 
ju  tief,  fonbern  tjt  ein  tt>af)rf)aftige§  93efenntni£,  mit  ©otteS 
2Bort,  broben  gefegt,  fiimmenb.  2ßer  barf  benn  nun  fa* 
gen,  ba§  2lf^e  unb  (Srbe  ftd)  felbfi  üor  ©ott  foüte  gerecht 
ma^en  unb  ba3  ewige  Öeben  erwerben.  D  tote  wenig 
bebenfen  bie  tollen  $apifien  ifjren  ©prud) :  Memento,  homo, 
quod  cinis  es  et  in  cinerem  reverteris  etc.  (©ebenfe, 
2Renf4),  ba§  bu  2lfd)e  bifi  unb  lieber  ju  2lf$e  werben 
Wtrjt.)  3tem  5  ORof.  32:  Denn  eg  tjl  ein  öolf,  ba  fein 
9ktf)  innen  tjt,  unb  fein  SBerfianb  ift  in  tljnen.  Unb  wirb 
bieä  t)om  $otf  ©otteö  gerebet,  wie  Diel  mefjr  üon  allen 
Reiben?  Jtem:  3&r  Söetnjtocf  ift  beö  äBeinjiodfö  ju  6o* 
bom,   unb   t)on  bem  2lcfer  ©omorra;  i£re  Trauben  ftnb 


166 

©äffe,  fte  fjaben  bittere  Seeren;  tf)r  2öein  ift  $)rad)engift, 
unb  müßiger  Ottern  ©alte.  ^kmf  £anna  fingt  1  ©am.  2 : 
3)er  £err  behütet  bie  $ü§e  fetner  ^eiligen ;  aber  bk  ©ott* 
lofen  muffen  ju  ni$te  derben  in  $injlemi§;  benn  tuet 
Vermögen  f)ilft  bod)  niemanb.  %tem,  £>at)ib  \px\ä)t  $f.  8: 
2öa3  ift  ber  OKenfd),  ba§  bu  fein  gebenfeft,  unb  beö  üften* 
f$en  Ätnb,  bafj  bu  bid;  fein  annimmfi?  2>a  befennt 
£>at>ib,  ba§  ber  9Äenfd)  fo  tuet  al§  nid^tg  fei  t>or  ©otteS 
Singen,  unb  nifyt  toertlj,  bafj  ©ott  follte  fein  gebendem 
2ßie  er  abermal  fagt  $f,  39:  2öie  gar  ni$tö  ftnb  alle 
2Kenf$en,  bie  ba  fo  fieser  leben!  3tem  $f.  62:  2lber 
üftenfd)en  ftnb  bo$  ja  nid)tö,  grofje  ßeute  fehlen  aud? ;  fte 
tt)ctgen  weniger  benn  nid)t&  2luf  biefe  l)ol)en,  gewaltigen 
©prüdje  muffen  je  bie  blinben  $aptflen  nid)t  fefjen,  weil 
fte  mit  großer  23ermef[enl)eit  bem  nidjtö  fcermögenben  ÜKen* 
f$en  ba§  atter^öc^fie  unb  fjerrlic^fle  2Berf  ber  9ie$tferti* 
gung  auftreiben  bürfen.  Herwegen  ftrafet  fte  $>at)ib  f)in* 
ttnber  als  Uebeltljciter,  baß  fte  ©otte3  ©erid)t  ni  d)t  ernennen, 
$f.  14:  2)er  $err  flauet  oom  Fimmel  auf  ber  2ftenfd)en 
Äinber,  bafy  er  fefje,  ob  jemanb  ftug  fei  unb  nad)  ©ott 
frage;  aber  fie  ftnb  alle  abgewichen  unb  allefammt  un* 
tüchtig,  ha  ift  feiner,  ber  ©ute§  tf)ue,  aud)  nidjt  einer. 
3tem  $f.  51:  3$  bin  au§  fünbltdjem  ©amen  genüget, 
unb  in  ©ünben  empfing  mi$  meine  QKutter.  ©o  nun 
hk  menfd)lidje  Statur  burd)au3  fünbig  unb  üerberbt  ift, 
unb  üor  ©ott  nid)tS  vermag  noef)  gilt,  fo  ifi  je  niebt 
möglid),  ba$  ber  Sftenfd?  ft$  felbfi  fönne  öor  ©ott  geregt 
machen. 

2luf  biefe  2öeife  senget  aud)  ber  ^rop^et  3efata# 
öon  bem  Unvermögen  menfd)Iic|)er  ftatur,  al§  (Li:  D 
ttelje  beö  fünbigen  SolfS,  be3  $ol!3  oon  gro§er  2Ktffetf)at, 


16*7 

be§  boöfmftigen  SamenS,  ber fcpbticben  Äinber.  3)a8 
ganje  £aupt  ift  franf,  t>a$  ganje  ^>er§  ift  matt.  23on  ber 
$u§fof)le  big  auf 8  £aupt,  ift  nid^tö  ©efunbeg  an  ü)m. 
3tem  £.  40:  2lÜe  Reiben  ftnb  tfor  if)tn  nid)t3,  unb  tote 
ein  9ti$tige3  unb  ©itelcg  geachtet.  Stern  ß.  48 :  3*  toei§, 
ba%  bu  fjart  bift,  unb  betn  ftacfen  ift  eine  eiferne  Slber 
unb  beine  ©tirn  ift  eljern.  3^m  S.  64:  2öir  finb  %i)on; 
bu  feift  unfer  Jöpfer.  3tem  3eremiaö  S.  13:  Äann  aud? 
ein  Tlol)x  feine  £aut  wanbeln,  ober  ein  $arber  feine 
glecfen?  3tem  (£.17:  (53  ijt  i>a§  £er$  ein  tro|ig  unb 
üergagt  2>ing;  mer  fann  e8  ergrünben?  3*em  ^efcfiel 
6.  36:  3*  will  ba$  fteinerne  £erj  au3  eurem  Reifet)  noeg^ 
nehmen,  unb  eu$  ein  fleifcfjern  £>ers  geben.  Daniel  6.  4: 
3d)  preifete  ben,  fo  ewiglid)  lebet,  gegen  melden  alle,  fo 
auf  Srben  wobnen,  als  nidjtS  ju  rennen  ftnb.  5lüe  biefe 
gewaltigen  Sprüche  ber  $ropf)eten  öon  ber  großen  Unfraft 
menfdjlid[)er  SPcatur  fofl  ein  ß^rift  mit  glei§  erwägen,  unb 
bann  gegen  ba§  f)obe  2ßer!  ber  ^Rechtfertigung  balten, 
Wel$e§  je  eineg  Don  ben  aüerfjöcbjlen  Werfen  ift,  ber  gött* 
ItdEjen  SWajefiät  allein  möglid)  unb  sugef)örig,  unb  nid)t 
weniger  ift  afö  bie  2tuferwecfung  ber  lobten  ober  ßr* 
fdjaffung  beö  $lenf$en;  atöbann  wirb  er  fef)en,  rvk  e3 
nid)t  allein  eine  blinbe  $ermeffenf)ett,  fonbern  au$  eine 
fdprecflidje  Abgötterei  fei,  ba§  ber  SWenfcf)  ftd)  unterftefjet, 
fxä)  felbfi  oor  ©oit  ju  rechtfertigen,  ©leider  ©eftalt  ijl: 
aueb  im  neuen  Jeftament  bie  oerberbte,  jerjtörte  unb  bem 
£obe  untergebene  menfcpdje  9latur,  fammt  if)rem  Unoer* 
mögen,  ftattlidj  befugt  unb  erwiefen.  3of;at™e3  ber  Säufer 
nennet  bie  ^fjarifäer,  fo  bie  bejlen  im  jübifeben  23olf  fein 
wollten,  Dttemgejüdjte,  üftattt).  3,  wie  fte  benn  auef)  äftofe 
genennt  f>at,  5  2Kof.  32.    ßfmfiuS  fprid^t:  ©o  benn  if>r, 


168 

bie  ü)r  bocfc  arg  feib,  Fönnet  euren  Äinbern  gute  Q&ahtn 
geben;  toie  mag  benn  ein  arger  unb  fauler  93aum  bie 
allerebtefien  %xüi)k  ber  ©ere<$tigfett  tragen?  ÜRattb.  7. 
£>enn  obgleich  (SfmjtuS  nachgibt,  ba§  ein  33ater,  ber  t>on 
SKatur  arg  ift,  bennod)  fönne  ben  Äinbern  @ute8  tt)un, 
fo  ift  bodj  fotc^eö  nic&t  bie  ©eredjtigfeit,  bie  t)or  ©ott  gilt. 
<£l)riftu#  fpricbt  ÜKattf),  15  abermal:  2Ju§  bem  ^erjen 
fommen  arge  ©ebanfen,  SKorb,  Sljebrucf),  £urerei,  Dieberei, 
falfdje  S^uQniffe,  Öäfterung;  fo  mu§  je  itid^tö  ©uteö  in 
be§  2Renfd)en  £erjen  fein,  unb  ifi  unmöglich,  ba$  au§ 
fol$er  giftigen  2Burjel  bie  ©erec^tigfeit  toacbfe.  3^nt 
Wlatti).  23 :  2#t  ©^langen,  ifjr  Otterngezüchte,  toie  roollt 
t^r  ber  böüifdfjen  95erbammni§  entrinnen?  Unb  folgen 
Jitet  gibt  GfmjtuS  benen,  fo  bie  htfttn  fein  toollten  im 
33olf  @ötte§;  Stern  3o$.  3:  e«  fei  benn,  ba§  jemanb 
toiebergeboren  toerbe  au§  bem  2öaffer  unb  ©eift,  fo  fann 
er  ni$t  in  ba8  $eiä)  ©otteö  fommen;  maö  t)om  ftietftf) 
geboren  mirb,  ba§  ijt  $leif$,  3^m  3of>-  3:  28er  t>on 
ber  (Srbe  ifi,  ber  rebet  tton  ber  ßrbe.  3tem:  2ßer  an  ben 
©ofm  ©otteö  ntd^t  glaubet,  ber  toirb  ba$  ßeben  nid)t  feljen, 
fonbem  ber  3°™  ©otte£  bleibt  über  ibm.  3*em  3°^  ö- 
Söerbet  if)r  nid)t  effen  ba$  $teifcb  beö  Sftenfcben  ©of>n§, 
unb  trinfen  fein  33lut,  fo  l)abt  i^r  fein  %thtn  in  eudj, 
$>a§  ftleifdj  ifi:  fein  nü£e,  ber  ©eift  machet  lebenbig,  3^tn: 
(£§  fann  niemanb  ju  mir  fommen,  e§  fei  ibm  benn  t)on 
meinem  SSater  gegeben.  3^nt  3^.  8:  ©o  if)r  nid)t  glaubet, 
bab  \ü)'8  fei,  fo  werbet  ü)r  fterben  in  euren  ©ünbem  3tem 
3of).  14:  Jliemanb  fommt  jum  SBater,  benn  burd)  midj* 
3tem  3^-  15:  Dfjne  mid)  fonnt  tljr  md)tö  tbun.  3ton 
Styojh  7:  3^  £alSflarrigen  unb  tlnbefdmittenen  an  £er* 
jen  unb  D^ren,  tfjr  ttriberftrebet  allejeit  bem  ^eiligen  ©eijt, 


169 

ttrie  eure  93äter,  alfo  auti)  ifyx.  £>a  fielet  man,  tva$  bie 
9iatur  fei  ol;ne  ben  ^eiligen  ©eiji  3tem  $aulu£  $öm.  3: 
£ie  ifi  fein  Unterfd)ieb ,  jte  finb  attjumal  ©ünber,  unb 
mangeln  beö  SRufjmS,  ben  jte  an  ©ott  fjaben  follten.  3*em 
$öm.  7:  3)a3  ©efefc  ifi  geijili$,  i$  aber  bin  fleif<$li$ 
unter  bie  ©ünbe  öerfauft.  3*em  SRöm.  8:  gleifcblicb  ge* 
ftnnet  fein  ifi  eine  geinbfdjaft  wiber  ©ott,  benn  t§  iji  bem 
@efe£  nid)t  unterbau ,  benn  e§  >  vermag  e8  audf)  ni$L 
3iem  (Spf).  2:  £>a  tx>ir  tobt  waren  in  ben  ©ünben,  ^at 
er  unä  fammt  S^rijto  lebenbig  gemalt:  $)enn  au§  ©na* 
ben  feib  if)r  feiig  worben.  %km  (£ol.  1:  Unb  eudE),  bie 
ü)r  weilanb  grembe  unb  $einbe  wäret,  bur$  bie  Vernunft 
in  bofen  2Berfen,  ^at  er  üerföfmet  k.  3^m  (£ot.  2 :  ©ott 
l>at  eud)  mit  if)tn  lebenbig  gemacht,  ba  ibr  tobt  wäret  in 
ben  ©ünben,  unb  in  ber  Sorljaut  eureö  $letfd)e§.  3*ew 
Sit  3:  £>enn  wir  waren  weilanb  aucf)  unweife,  ungebor* 
fam,  irrige,  bienenb  ben  Stiften  unb  mancherlei  SBolIüfien, 
unb  wanbelten  in  Soweit  unb  9teib  unb  baffeten  un8 
unter  einanber.  3^ni  1  3<^-  2  ♦  S)enn  alles,  wa§  in  ber 
2Belt  iji,  nämlid)  be§  $leifcbe3  Sufi  unb  ber  5lugen  ßuji 
unb  l)offärtige3  Öeben  iji  nidjt  fcwm  25ater,  fonbern  t)on 
ber  2ßelt,  unb  bie  2Belt  t>ergel)et  mit  i^rer  Suji.  9lüe 
biefe  unb  bergleid)en  ©prücbe  jtnb  baf)in  gerietet,  ba$  jte 
un£  erinneren  foltert ,  wie  fo  gar  feine  Äraft  nocf)  ni$i§ 
©uteS  in  unS  iji,  baburcb  wir  un§  felbji  twr  ©ott  gerecht 
machen  fönnten,  trielmefjr  aber,  ba§  wir  nid)t  allein  blinb, 
frafttoS,  tobt  jtnb  in  ©ünben,  fonbern  aud)  ©otteS  $einbe 
unb  eine  böfe  2öurjel,  au3  welker  nur  ©ünbe  unb  Öäfie* 
rung  wa$fe.  3)arum  mufc  eine  gar  l)eibnifd)e  93linbf)eit 
in  ben  $äbfiltd)en  gewefen  fein,  bie  wiber  alle  obgefe^ten 
3eugniffe  ber  ^eiligen  ©$rtft  t>etmeffentlic&  geleljret  fjaben, 


170 

ber  3Kenf$  formte  auö  eigenen  Gräften  ©ott  lieben  über 
alle  2)inge  unb  gerecht  fein.  2öie  benn  Tapperus  biefe 
läflerlid^en  2Borte  au8  Thoma  unb  Caietano  angeigt :  Quod 
homo  ex  puris  naturalibus  possit  Deum  diligere  ex  toto 
corde  et  tota  anirna,  secundum  substantiam  operis.  %ttm: 
Quod  per  sua  naturalia  possit  homo  credere,  sperare,  di- 
ligere Deum;  confiteri  Christum ;  quantum  ad  substantia 
operis.  T>a$  ifi:  3)er  üftenfd?  fönne  au£  natürlichen  Äräf* 
ten,  fo  t>teC  bag  2Berf  betrifft,  ©ott  Don  ganjem  £erjen 
unb  t>on  ganzer  ©eele  lieben,  aud)  an  Sfirifto  glauben, 
auf  um  hoffen,  ßlmflum  befennen.  Diefe  f)etbnifd?e  ßäfte* 
rung  billigt  aud)  ber  Jacobus  Andradius,  melier  twrgibt, 
ba§  aud)  bie  Reiben,  fo  ©oiteS  2öort  nid)t  gehabt,  bennod) 
©ott  erfennen,  i^n  lieben,  an  ßlmftum  glauben  unb  bur$ 
tfcre  Söerfe  fcor  ©ott  geregt  fjaben  fein  fönnen.  2ßie  fotl* 
ten  biefe  ©ott§läfierer  anjeigen  fönnen,  wie  ber  SQlenfd^ 
t)or  ©ott  geredet  würbe,  toett  fte  in  foldtjer  btcfen  irbifd)en 
93linbf)eit  no<$  fiecfen,  unb  oom  Unvermögen  menfdE)ltd)er 
■tftatur  nichts  roiffen  tollen,  baüon  bo$  bie  ©dmft  fo  ge* 
wältig  jeuget. 

6tlid)e  unter  bm  $apiflen,  weil  fte  füllen,  wie  fte 
mit  biefem  fräftigen  Argumente  allerbingS  ju  23oben  ge* 
fd)lagen  werben,  unb  bie  obgefe^ten  Waren  ©prüdpe  feinet* 
wegg  julaffen,  ba§  ber  SSftenfd)  fönne  burd?  feine  2öerfe 
ftd)  geregt  unb  fetig  machen,  fudpen  Slueflu^t,  unb  bieten 
zweierlei  ^Rechtfertigung.  $on  ber  erflen  geben  fte  nadE), 
ba%  ber  Stfienfd?  ftd^  felbft  ni<$>t  fönne  geregt  machen, 
fönne  ©ünbe  unb  Job  nidE)t  überwinben,  nod)  t>om  Teufel 
ftdE)  loa  machen,  audE)  bie  erfte  ©nabe  ©otteg  nii^t  t)er* 
bienen;  aber  bie  anber  ^Rechtfertigung,  bie  gefd)e^e  burdj 
SBerfe,  unb  muffe  bur$  un8  felbft  t)erri$tet  werben,  welche 


171 

©opl)ifterei  unb  ftunb  bem  neuen  ©freier  unb  Apostatae 
SRartino  ßifengrein  trefflief)  mofyl  gefällt;  benn  ba  bemeifet 
er  auS  ber  ^eiligen  ©c^rtft  unb  Patribus  mit  fielen  Soor* 
ten,  ba$  niemanb  bie  erfte  ©nabe  jur  ^Rechtfertigung  üer* 
bienen  fönne,  fonbern  ©ott  muffe  a\x§  lauter  23arml)erjtgfeit 
feine  ©nabe  geben,  unb  furniert  boä)  enbltd)  feine  päbft* 
li$e  ßäjlerung  funan  unb  fprid^t:  9Ufo  folten  mir  unä  in 
bie  Sa<J)e  fdjicfen,  fo  merben  mir  geregt  merben,  ba$  ijt, 
nid)t  allein  Vergebung  unferer  ©ünben  befommen,  fonbern 
au$  bur$  miliige  2lnnef)mung  ber  ©naben  unb  ©aben 
©otte$  genüget,  in  bem  innerlichen  ÜRenfcfyen  erneuert, 
auö  Ungerechten  ©erec^te,  auö  $einben  $reunbe  merben  hl 
2lber  biefe  ©dijlupflöcber  ber  ©opl)ifien  unb  Säfterer  ftnb 
balb  ju  jtopfen;  benn  ein  fatfd^ ,  lebig  ©ebidjt  ift'3,  maS 
fte  t)on  §toeierlei  ^Rechtfertigung  vorgeben,  unb  ift  nur  üon 
ben  alten  6$uftl)eologen  enttebnt,  meiere  nadE)  iljrer  ftnftern 
*Pf)ilifopf)ie  gebietet  f)aben  Meritum  congrui  unb  Meritum 
condigni,  item  Gratiam  gratis  datam  et  Gratiam  gratum 
facientem,  i>a$  ift,  menn  ber  üRenfd?  t&äte,  fo  ttiel  in  i^m 
märe,  fo  mürbe  iljm  ©otteg  ©nabe  gegeben,  nid)t  au3 
QSerbienft  ober  $fticf)t,  fonbern  au§  ©otte§  ©üte;  unb 
bieg  feigen  fie  nun  bie  erfte  ^Rechtfertigung ;  menn  aber 
ber  Üftenfcf)  bie  erfie  ©nabe  empfangen  ^jätte,  alSbann 
t\)i\k  er,  maö  ©ott  gefiele,  lebte  nadj)  feinem  23efef)l,  unb 
fcerbienete  ba#  emige  Seben,  unb  märe  geregt  burdj  feinen 
©elimrfam, 

Slber  bie  gan^e  ^eilige  ©dEmft  mei§  nur  t)on  einer 
^Rechtfertigung  be§  9JienfdE)en  t)or  ©otteS  ©eridjt,  meiere 
mähret,  fo  lange  ber  ©laubige  lebet,  nämlidE)  bie  ba  fielet 
in  Vergebung  ber  ©ünben,  unb  3ure$nung  &*8  ©e&or* 
famS  %tfu  G&rißi.     Sluci)  §euget  bie  ©cfcrift  ganj  ftarf, 


172 

ba§  fein  Hftenfcf)  burd)  bic  Sßerfe  gerecht  werbe.  $aulu$ 
fprid)t  (Rom.  3 :  2luf  bau  aller  ÜJlunb  oerftopft  Werbe,  unb 
alle  2öelt  ©ott  fdmlbig  fei;  barum,  ba§  burcf}  beö  @e* 
fe£e3  SBerfe  fein  $leifd)  oor  if)tn  geregt  fein  mag.  tlnb 
Sbriftug  fä)Wöret  im  ^t\a\a  @-  45:  2lß^  Bungen  foüen 
befennen  unb  fagen:  3™  £errn  fyaht  \ü)  ©eredjtigfeit. 
2tucb  weil  bie  ©ered)tigfeit,  fo  auS  ben  2öerfen  fommt, 
ber  ©erec^tigfeü  be§  ©laubeng,  fo  aug  ©naben  btrti 
9Jienfcf)en  wiberfdljret,  firatfö  juwiber  ijl,  unb  bie  ganje 
©djrift  nid)t  allein  bie  ©ere^tigfeit  be§  @lauben£  lehret, 
fonbern  audt)  bie  ©erec^tigfeit  au§  ben  Sffierfen  verwirft 
unb  oerbammt,  fo  ift  offenbar,  ba§  ein  lauter  ©ebidjt  ift, 
voa$  bie  $äbfilicf)en  oon  zweierlei  ©eredjtigfeit  öor  ©ott 
ober  öon  jtt>eierlei  ©nabe  träumen  unb  geifern  :c.  (S8 
|)at  Wof)l  Augustinus  unterfdjiebltcf)  gefegt  gratiam  operan- 
tem  et  gratiam  cooperantem,  ba§  ift,  t>k  wirfenbe  ©nabe 
©otteö  unb  bie  mitwirfenbe ;  aber  weit  auf  eine  anbere 
üfteinung,  al£  unfere  ^apipen  baoon  reben;  benn  Augu- 
stinus nennet  ©otteS  wirfenbe  ©nabe,  ia  ©ott  ber  ^eilige 
©eift  ot)ne  SRitwirfung  beö  freien  2öillen3  ben  9Jlenfd)en 
ju  ©ott  befefjret.  Mitwirfenbe  ©nabe  aber  nennet  er, 
ba§  ©ott  bem  befef)rten  unb  neugebomen  aftenfdjen  bei* 
fielet,  im  ©lauben  bemabret,  ferner  erleuchtet,  ju  aller 
©ottfeligfeit  anhält,  aufhilft  unb  treibt;  in  welchem  ber 
neugeborne  SBille  beö  9Jienfd)en  mitwirfet  unb  bem  f)eili* 
gen  ©eift  willig  folget.  $)ie  $äbjtli$en  aber  fe^renö 
grabe  um,  beigen  bie  anbere  ©nabe  nid)t  ©otteS  2öirfung 
unb  #ülfe,  fonbern  betf  9Jienfd)en  Äraft  unb  eigene  2öir* 
fung,  unb  bieten,  ba§  ber  2Renf$  baburd)  ba$  @efe| 
©otteö  fjatte  unb  oor  ©ott  geregt  Werbe,  aber  ba§  fol* 
<$eö  falfdE)  unb  unrecht  fei,  tft  genugfam  erwiefen. 


173 

Db  nun  biefen  unfern  ftarfen  ©runb  t>om  tlnüermö* 
gen  unb  Unfraft  menfd)lid?er  9iatur  jemanb  alfo  tooüte 
umfio§en  ober  oernidjten,  e3  fol^ete  tt)of)l  auö  obgefe$ten 
©prüfen,  t>a§  ein  ÜJtenfdj  tton  Statur  unb  fo  lange  er 
woä)  in  lobfünben  läge,  fid>  nirf>t  fönnte  t)on  ber  6ünbe 
los  unb  t)or  ©ott  gerecht  machen;  item,  o^ne  #ülfe  unb 
23eiftanb  be3  ^eiligen  ©eifieS  fönnte  er'S  nid)t  tfwn;  aber 
baS  folgete  md)t  barauö,  ba§  ber  befebrte  unb  neugeborne 
üftenfdj,  ber  mit  neuen  ©aben  gelieret,  beffen  23erftanb 
erleuchtet,  fein  Jöüle  ju  ©ott  befebret,  in  bem  ßeben  unb 
Äraft  angejünbet  ift,  ber  aud)  ben  ^eiligen  ©eift  jum 
93eiftanb  I)at,  ft$  nidjt  follte  t)or  ©ott  geredet  unb  feiig 
machen  fönnen;  bem  geben  ttnr  biefe  2lnttt)ort:  obgleid; 
ber  üDtenfd)  m  ber  Sefe^rung  ju  ©ott  erneuert,  neue  Äraft 
unb  ©aben  erlangt,  unb,  tote  $autu§  rebet,  2  gor.  3,  Don 
einer  Älar^eit  jur  anbern  fceränbert  ttnrb,  fo  gef$ief)t  bod) 
fotd)e  SSeränberung  nid)t  alöbalb  auf  einmal  unb  alfo 
ttoüfommen,  bafj  bernad?  fein  Mangel  meljr  am  2ftenfd)en 
tt)dre,  fonbem  t>a  bleibt  nod)  große  Unfraft,  2Rangel,  gel)t 
unb  t)iel  ©ebrecben.  Jßie  ber  befebrte  $aulu§  t>on  ifjm 
felbjl  befennt  9Wm.  7:  £>ag  ©efe£  ift  geiftli^,  id)  aber 
bin  fleif$lidi)  unter  bie  ©ünbe  Derfauft;  benn  id)  ftei§ 
ni$t,  was  id[)  t^ue,  benn  id)  ttjue  ni$t,  toaö  iä)  toiU, 
fonbern  ba3  t<$  l)affe.  Söotlen  fmbe  id)  ft>of)l,  aber  SSoÜ* 
bringen  baö  ©ute  ftnbe  id)  nid)t, 

60  tferma^nei  au$  bie  gan$e  ©djrift,  ba§  bie  ©lau* 
bigen  tfjre  fteifd^lid^en  Süfic  tobten,  unb  im  ©etft  ft)iber 
ba§  $leif$  ftreiten  follen.  fööm.  8.  $>tett>ett  benn  un* 
möglich  ift,  aud;  ben  D^eugebornen  in  biefem  Seben,  oljne 
<Sünbe  ju  fein,  unb  ba3  ©efetj  ©otteö  ofme  allen  $ebl 
ju  galten,  fo  folget  nod)  auö  hen  obgefe|ten  ©prüfen, 


174 

ba§  eg  ntc^t  allein  bem  Unbelebten,  (onbern  au$  btn 
Söiebergebomen  a(lerbing$  unmöglid)  (ei,  (t$  (elbft  twr 
©ott  geredet  gu  machen. 

£>a  $au(uö  $öm.  4  ben  2tbraf)am  jum  ßjempel 
einführet  unb  alö  einen  93ater  ber  @ered)tigfeit  beö  ©lau* 
ben3  anjeud[)t,  verwirft  er  niebt  allein  (eine  2öerfe  öor  ber 
©efebrung,  (onbern  auä)  bie  berrlidjen  unb  tapferen  Söerfe, 
(o  3lbral;am  in  rechtem  ©tauben  get^an,  ba§  er  ixt  2lb* 
götterei  in  Ur  Chaldaeorum  t)erfaf(en,  au3  ©otteö  93e(ef)l 
auö  (eines  95atcrö  £attfe  getöteten,  t>om  tarnen  beö  £erm 
geprebiget,  bie  t)ier  Äönige  gefcfylagen  unb  ßot  errettet, 
bem  9J?eld)ifebef  ben  3^bnten  gegeben.  2)ie(e  unb  anbere 
bol;e  Jugenben  unb  2Berfe,  twn  welken  ©ott  (elbft  uon 
£immel  jeuget,  er  (ei  2lbra£am3  großer  Sobn,  (d)leu§t 
bennod)  $aulu#  gar  au#  oon  ber  $ed)tfertigung  oor  ©ott, 
jum  3nt8ni|,  ba§  auefy  bie  allerbödjften  2öerfe  ber  neu* 
gebomen  unb  rechtgläubigen  Triften  niebt  (inb  bie  ©e* 
reebtigfeit,  bie  wx  ©ott  gilt,  anmaßen  $au(u$  aud)  jum 
öfternmale  twn  if)tn  felb(t  jeugt,  ob  er  tpo^I  ju  ©ott  be* 
fel;ret  (ei  unb  gute  Söerfe  tfjue  im  ©lauben,  babe  aud[) 
ein  guteö  ©ewiffen,  (o  werbe  er  bod)  babureb  niebt  geregt 
t)or  ©ott,  (onbern  muffe  fid)  fletö  be$  @ef)orfam$  ^tfu 
(£f)rifti  getröften.  1  ßor.  4:  3<b  bin  mir  wobt  nid)t§ 
bewußt,  aber  barin  bin  td)  nid)t  gered)t(ertiget.  3tem 
$l)il.  3:  9luf  ba§  id)  (£l)riftum  gewinne,  unb  in  iljm 
cr(unben  werbe,  ba§  iti)  nidjt  babe  meine  ©ered)tigfeit,  bie 
auö  bem  ©efefc,  (onbern  bie  burd)  ben  ©lauben  an  @l)ri* 
jhim  fommt,  nämlicb  bie  ©eredjttgfeit,  bie  t>on  ©ott  bem 
©lauben  jugereebnet  wirb,  ju  erfennen  if)n  unb  bie  Äraft 
(einer  SiuferfHung.  Offenbar  ift,  ba§  $auluS  f)ie  ni  d)t 
t)on  if)m  (elbß  rebet,   als  ber  nod)  unbefel;rt  (ei,   (onbern 


175 

aI8  ber  öon  &t)T\fto  ergriffen  iji,  Voic  er  felbjl  fagt;  unb 
befennt  bod),  ba§  er  burd)  feine  SOBerfe  nicf>t  gerecht  merbe 
üor  ©ott,  fonbern  ©ott  rechne  i^m  bie  ©eredjtigfeit  ju 
im  ©tauben. 

2llfo  bleibt  benn  unfer  ©runb  fefl  unb  fhrf,  nacbbem 
bie  ganje  ^eilige  ©djrift  fo  gewaltig  jeuget  üon  bem  Un* 
vermögen  menfcblicber  iftatur,  unb  ba§  alle  unfere  Äröfte 
Derberbt  jtnb,  audE)  ©cf)tt)acf)l)eit  unb  ©ebrecben  in  btn 
befe^rten  unb  neugebomen  ßbnften  bleiben,  .fo  lange  ber 
9flenfcf)  auf  ßrben  lebt,  bertoegen  er  immerbar  mit  bem 
alten  g(eifd)  ^u  fämpfen  unb  bem  ju  mehren,  ba§  @efe£ 
@otte§  aber  l)ie  im  ßeben  niemanb,  tx>te  £od;  er  audE)  t)on 
©ott  burd)  ben  ^eiligen  ©eiji  erleuchtet  ijt,  fann  uollfom* 
men  obne  allen  $ef)l  galten,  fonbern  fletö  nod)  in  ben 
^eiligen  ©ünbe  unb  <3d)tx)ad)f)eit  bleiben,  unb  aber  ba§ 
2öerf  ber  Rechtfertigung  be3  ÜHenfdjen  öor  ©ott  einö  ift 
üon  ben  atlerf)öd)ften,  f)errlid)flen  2ßerfen,  fo  mir  ÜJienfdEjen 
t>erjtef)en,  fo  folget,  ba§  allen  9Jlenf$en  auf  Srben  allere 
bingä  unmöglich  fei,  ftdj  felbft  öor  ©ott  bur$  gute  2öerfe 
gerecht  ju  machen,  allefammt  aber  beö  ^eilanbeö  unb* 
üftittlerS  %t\u  6^rijii,  ber  Dom  $ater  baju  öerorbnet,  aud) 
gern  bei  un3  foldjeä  öerridEjten  tt>ill,  baju  bebürfen.  £)er* 
felbige  gebe  unö  feinen  ©eijl,  ba§  mir  unfer  Unvermögen 
bemütf)ig  erfennen,  unb  toaljre  ©eredjtigfeit  öor  ©ott  im 
©tauben  bei  i^)tn  fudjen.    5lmen* 


|ie  fed>0te  frrtrtgt 


£>er  öritte  (Bruno. 
<Die  Der^ei^ung  6er  (Bnaöe. 

@o  ifl  nun  ber  britte  ©runb  unferer  ßef)re  t)on  ber 
Rechtfertigung  bie  gnäbige  2Serf)ei§ung  ©otteö,  barin  ©ott 
fcom  Fimmel  bie  ©ered)tigfeit  unb  ©eligfeit  beut  2Jlenfd)en 
bur$  feinen  ©ol)n,  Sefum  ßfirijtum,  §ai  offenbaret  unb 
fc>erft>ro$en  unb  bur$  alle  $ropl)eten  unb  2tyojM  toieber« 
fyolt  unb  aller  2Belt  angeboten. 

Söenn  ber  2ftenfcf)  bur$  feine  eigenen  2öerfe,  9Ser* 
bienft  ober  ©efjorfam  fyättt  ©ott  fcerfölmen,  bie  ©ünbe 
ablegen,  öor  ©ott  gerecht  fein  unb  bie  eitrige  ©eligfeit 
erlangen  fönnen,  tt)a§  fyätk  e§  beburft,  ba%  f\6)  ©ott  nad) 
ber  ©cppfung  unb  eingepflanzter  Vernunft  ttrieberum  foüte 
offenbaren,  feinen  gnäbigen  äöillen  Dom  Fimmel  t>erfün* 
bigen,  ©nabe  anbieten,  Vergebung  ber  ©ünben  unb  bie 
©eligfeit  au§  ©naben  t)er^ei§en?  SBarum  f)at  er'3  ni$t 
bei  ber  ©(ppfung  unb  gegebener  Drbnung  betoenben,  unb 
hm  9ftenf$en  feiner  guten  2Berfe  ftd)  befleißigen  (äffen? 
2ßer  il;m  felbfi  öon  feiner  Äranf^eit  toeijj  ju  Reifen,  barf 
man  feine  9lr§nei  $utt)etfen;  toer  feine  ©$ulb  felbfi  be* 
jaulen  fann,  bem  barf  man  nic^t  ©nabe  anbieten.  9lun 
muffen  aber  je  alle  Kreaturen  im  Fimmel  unb  auf  ßrben 
unb  unter  ber  Srben  benennen,  ba§  ber  aümä^tige  ©ott 
ioaljrfwftig  fei,  ber  feine  3ufagung  fefi  unb  treulich  ^alte, 


177 

ba$  er  aud)  nid)tö  vergebend  nod)  ofme  Urfad)e  rebe* 
SMeteetl  benn  ©ott  in  fetner  vielfältigen  $erl)ei§ung  ftd) 
immerbar  alfo  erflärt,  ba§  er  ben  2ftenfd)en  teolle  geredet 
unb  feiig  machen,  of)ne  QSerbienfi^  a\x§  feiner  ©nabe  unb 
SBarmfwjigfeit,  von  teegen  be§  9JUttler3  3efu  ßlmfti,  ben 
er  unö  felbji  gefe|t  unb  gegeben,  fo  muß  je  folgen,  ba§ 
fein  anberer  2öeg  nod)  SKittel  fei,  geregt  unb  feiig  ju 
werben,  benn  allem  au§  ©naben  in  (£f)ri#o  Jefu  burd) 
ben  ©tauben. 

3n  ber  erflen  SBerfjei^ung  l)at  fidb  ber  allmächtige 
©ott  gegen  ba§  menf$li$e  <33efcf>tedE)t  mit  biefen  2öorten 
auf§  gnäbigfte  erftdrt:  3d)  teilt  $einbfdE)aft  fe|en  steiften 
bir  unb  bem  2Beibe,  gteifdjen  beinern  unb  üjrem  ©amen; 
ber  folt  bir  ben  Äopf  vertreten.  Offenbar  unb  jteeifelg* 
olpne  tfi,  ba§  ©ott  atlfne  bie  ©eltgfeit  ben  9Jtenfd)en  alfo 
verbeißet,  ba§  er  fte  burd)  feinen  ©ofm,  %t\um  (Xfmilum, 
von  ber  ©eteatt  be§  ©atanS  teolle  erretten,  bie  ©ünbe 
tilgen  unb  jie  feiig  machen.  $)enn  fo  ©ott  gesollt,  bajj 
ber  SCTlenfcf)  burd)  feine  SBerfe  bie  ©ünbe  ablegen,  ©ott 
vetföbnen  unb  vor  ibm  geregt  fein  folle,  fo  l)ätte  er  il)m 
biefe  ©eligfett  nifyt  Verden;  aber  bamit  ber  3Wenfc^ 
tetffe,  ba§  bie  ©eredjtigfeit  unb  ©eligfeit  nid?t  fref)e  in 
feinen  Söerfen  ober  ©eborfam,  fonbem  allein  in  ©otteö 
Erbarmen,  fo  Ijat  er  feinen  SUHen  aufS  altergnäbigfte 
entbecft.  Unb  ift  bie  gan^e  ßefjre  von  unferer  SRe^tferti* 
gung  unb  ©eligfeit  in  ber  erfien  23erf)eifiung  reidjtid)  unb 
geteattig  gefaxt;  benn  ba£j  ©ott  au§  ©naben  unb  Sarm* 
fjerjigfeit,  obne  unfere  2öerfe  unb  23erbienjt,  unö  teolle 
geredet  madjen,  bezeugt  er  bamit,  ba§  er  fy>rid;t:  3d)  teilt 
geinbfdjaft  fe£en,  baö  neue  9tei$  Slmfti,  bae  id)  ftifte, 
baburd)  bem  Teufel  getee^ret,  bie  ©ünbe  getilget,  bie  Äir$e 

12 


178 

gefammelt  unb  bie  üftenfdfjen  t>or  mir  gerecht  [ollen  merben, 
fofl  allein  üon  mir  t)erfommen,  niemanb  fyaf$  üerbienet, 
niemanb  fä&etö  fc>on  if)m  an,  fonbern  icf)  ftifte  eS  au3 
©naben.  35or  ©ott  nun  geredet  derben  xft  ba$  üorne^mfte 
2ßerf  unb  SBo&It&at  be§  $eid)e3  S&rtfli.  SDietocil  benn 
©ott  allein  ber  ©tifter  ift  be§  Oteic^e^  ©fmjti,  fo  mu§ 
folgen,  ba§  er  allein  au§  ©naben  gerecht  macfje.  Slucf) 
geigt  un§  ©ott,  burd)  melden  bie  ©rlöfung  unb  ©eligfeit 
gefeiten  fotl,  nämlid)  burdE)  ben  ©amen  be§  2öeibe§, 
welker  ift  S&rijluS  3efu§;  biefer  foll  ber  ©djlange  ben 
Äopf  vertreten,  ba§  ift,  ba§  ganje  $eid)  unb  alle  2öerfe 
be§  Seufefö  jerjiören,  bie  ©ünbe  tilgen  unb  fnnmeg  nefc 
men,  ben  9Kenfcf)en  ttom  glud)  be§  ©efe&e§  erlebigen  unb 
mit  ©ott  tterföfmen,  ju  ©naben  aufnehmen,  t)or  ©ott 
gerecht  unb  emig  feiig  magern  Stlfo  fyat  2lbam  in  ber 
erften  23erf)ei§ung  nid&t  weniger,  als  mir  im  neuen  Sejta* 
rnent,  öerftanben,  ba$  fein  anberer  9lame  ben  9Jtenfd)en 
märe  gegeben,  barin  fie  fönnten  feiig  merben,  benn  ber 
91ame  3efu8,  2lpoil4;  ba§  and)  ©ott  biefe  ©erecf)tigfeit 
bem  ©lauben  in  S&rifio  motle  jurecfmen,  benn  un§  9J£en* 
feiert  unb  allen  Kreaturen  gebühret  je  ju  glauben,  ma3 
©ott,  ber  ba  maf)rl)aftig  unb  treu  ift,  t>er^eif et ;  mer  ©ott 
ntcf)t  glaubet,  fprid&t  3o&anne8  1  3^-  5,  ber  machet  tfm 
jum  Sügner.  3)arum  fobalb  ©ott  etma§  Derljeißet,  fo 
forbert  er  ben  ©lauben;  motten  boti)  bie  armen  9KenfdE)en, 
bie  atlefammt  Sügner  ftnb,  bafj  man  fte  für  maf)rf)aftig 
^alte,  unb  ifmen  traue,  unb  nef)men'3  für  bie  5>ödE>fte 
©cfjmad)  auf,  fo  man  if)ren  2öorten  rtic^t  ©lauben  gibt, 
mie  triel  mef)r  forbert  benn  ©ott  felbjt  ben  ©lauben  t>on 
un§,  menn  er  un§  ©nabe  t)er^ei§t;  meil  er  bk  emige 
Söa^eit  felbfl  ift?    3llfo  f>at  5lbam  bie  ganje  ße&re  »on 


179 

ber  (Rechtfertigung  flar  oerftanben,  baj$  mir  obne  93erbienjt, 
allein  au§  ©naben,  um  beö  SDZittlerö  3efu  G&rijii  ttnlten, 
atiein  burd)  ben  ©tauben  in  feinem  Slut  Dom  Teufel  er* 
rettet,  ber  ©ünben  log,  mit  ©ott  öerföftnet,  t)or  if)m  ge* 
red)t  unb  etoig  feiig  werben,  ©leider  ©ejialt  bereifet  bieg 
bie  95erbei§ung ,  fo  ©ott  bem  2Kofe  gegeben  2  Sftof.  33: 
2Be§  icf)  mich  erbarme,  be§  erbarme  id)  mid);  wem  id)  gnä* 
big  bin,  bem  bin  id)  gnäbig.  2)a§  tfl  je  beutlid)  unb  runb 
angezeigt,  ba#  fein  Sftenfd)  fönne  ber  ©ünben  unb  be$ 
Sobeö  lebig,  oor  ©ott  geregt  unb  feiig  werben,  e§  gefeite 
benn  burd)  ©otteö  ©nabe  unb  Sarmfjerjigf eit;  benn  ba8 
null  ©ott  fagen,  toeldjem  ÜÄenfd;en  oon  ©ünbe  unb  Job 
geholfen,  gerecht  unb  feiig  mtrb,  roeldjeS  eigentlicher  triebt 
ju  nennen,  benn  ba$  if)m  Sarm&ergigfeit  unb  ©nabe 
öon  ©oti  ttuberfäfjret,  benn  tter  bei  ©ott  in  ©naben  iji, 
ber  l)at  alle  Seligfeit;  ber  fotl  Riffen,  ba#  ifjm  fotc&eS 
alles  a\xS  lauter  ©üte,  ©nabe  unb  SBarm^erjigfett  begegnet, 
oljne  all  fein  Serbien]!  unb  SBürbigfeit.  tiefer  ©eftalt 
f)af  3  ©ott  in  jefjl  gemelbeter  Ser&eifjung  rein  abgefd)lagen, 
ba$  fein  TOenfd)  unter  ber  Sonne  feiner  ©nabe  unb  ewigen 
©üter  genießen  fotl,  e§  gefdjelje  benn  auö  ©naben  unb 
lauter  (Srbarmung.  3)iefe§  3eugni§  unb  Argument  grünb* 
lidb  ju  öerftef)en,  iji  nötf)ig,  ha%  man  gute  2ld)tung  l)abe 
auf  ben  Unterfdjieb  jttnfdjen  ber  23er£et§ung  ber  ©naben 
unb  ber  Ser^eifcung  be§  ®efe|e§,  fonji  möd)te  einer  alfo 
fagen:  2Öie  fann  au§  ber  SBerfjeijjung  atöbalb  folgen,  baj$ 
ber  SOfenfcb  of)ne  Serbienji  allein  au§  ©naben  burd)  ben 
©lauben  geredjt  unb  feiig  toirb,  fcat  nid)t  i>a§  @efe£  au$ 
25erl;eiBung  be§  8eben8,  unb  iji  bod)  broben  au§  foldjer 
33er&ei§ung  be£  ©efe|e§  erliefen  ttorben,  ba£  ber  9Kenfd) 
burd)   feine   Söerfe   nidjt  mag    geregt   werben,     hierauf 

12* 


180 

gehört  biefe  befldnbige  Antwort:  ^tmmel  unb  Srbe,  Sag 
unb  9tac&t,  Aufgang  unb  9tiebergang  (inb  fo  toeit  nid)t 
öon  einanber,  afö  bie  $erf)et§ung  be§  ©efe|e§  unb  bte 
aSer^ct^ung  ber  ©nabe.  35ie  $ert)ei§ung  be3  ©efe^eS  ijl 
alfo  getrau,  ba$  fie  ba§  ewige  2eben  un§  jufagt  mit 
einem  feieren  2lnf)ang:  fo  fern  tx>ir  alle  ©ebote  @otte3 
galten.  3  SWofJS:  2öer  fol$e«  t&ut,  ftnrb  babur*  leben. 
2)ieweil  nun  aber  niemanb  ift,  ber  folc&eS  üollfommen 
fönne  galten,  fo  ift  bie  Bufagung  m$t8.  9113  wenn  ein 
#err  einen  Äne^t  btnget,  üerfyridjt  il)m  breiig  Floren 
(©ulben)  iäfcrlid),  fo  fern  er  if)tn  treulieb  werbe  bienen, 
unb  aber  ber  $necf)t,  fo  i>a  gugefagt  ju  bienen,  liefe  baoon, 
Würbe  untreu,  foll  i^m  ber  ^err  ben  2of)n  att$  fcfmlbtg 
fein  ju  geben?  ©oldje  untreue,  unnütje  Anette  ftnb  mir 
gegen  unferm  $errn  ©ott  allefammt,  barum  un8  tk  2kr* 
^eipung  be§  ©efe^eg  gar  mc|)t8  nü|e  ift 

Stfltt  ber  SBer^ei^ung  aber  ber  ©naben,  &on  welker 
mir  aüt)ie  reben,  ^atö  tnel  eine  anbere  Meinung,  biewetl 
tton  feinem  ©ebing  noef)  5tnf)ang  unferS  9Serbienfieö  ge* 
melbet  wirfc,  fonbern  fte  öerfünbigt  ©otte£  lautere  ©nabe 
unb  33arm£)er§igfeit,  ba§  ©ott  jtdj)  unfer  erbarmen,  ofme 
SSerbienft  ber  Söerfe  bie  ©ünbe  vergeben,  un§  aufnehmen 
unb  bie  ©ered)tigfeit  anrechnen  wolle.  2ßeil  biefe  55er* 
I;ei£jung  ntc^t  auf  un§,  fonbern  allein  auf  ©ott  beruhet, 
unb  aber  ©ott  wabrljafttg  ift,  autf)  nidjt  fcergeblicf)  etoag 
öer&eijjjet,  fo  mujj  folgen,  ba§  bie  ©ere^tigfeit  unb  6elig* 
feit  allein  au?  ©naben  unb  bur$  ben  ©lauben  fomme. 
2)enn  ba%  einer  wollte  fagen:  2Beil  bie  23erl)ei£ung  ber 
©naben  ben  ©lauben  forbert,  fo  fwt  fte  je  au$  einen 
2lnf)ang  gleich  tote  ba£  ©efe|,  ift  nichts ;  benn  ber  ©laube 
wirb  barum  nid^t  geforbert,  ba§  er  e§  tterbiene,  ober  baft 


181 

e§  an  feiner  23o(lfommenf)eit  läge,  fonbern  baj}  bie  23er* 
Neigung  bem  mü)i§  gilt,  ber  ü)t  nid)t  glaubet,  unb  ba§ 
ein  Untetfdneb  fein  mu§  jmifc^en  benen,  bie  ©otteö  ©nabe 
mit  bemütfngem  unb  fröf)lid)em  ^erjen  annehmen,  unb 
benen,  fo  bie  a(ferf)öcf)fte  2öol)(tbat  fxdjerlicf)  unb  tro|tglid? 
ttermerfen, 

©o  Diel  nun  ber  tjerrlidjen  33er^ei§ungen  jtnb,  beibe 
im  alten  unb  neuen  Seftament,  barin  ©ott  feinen  gnäbigen 
SSMllen  oon  unferer  ©eligfeit  fyat  offenbaret,  beren  benn 
bie  33ibel  soll  ift,  fo  tuet  unmibertreibli^e  ©rünbe  unb 
Argumente  fmben  ttür,  ba§  ber  üftenf$  ofme  SBerbienft  unb 
2ßerfe,  aliein  au3  ©naben  um  3efu  S&rifli  willen,  allein 
buref)  ben  ©lauben  öor  ©ott  geregt  unb  fetig  toerbe* 
Sllö  1  9Kof.  12:  3n  beinern  ©amen  follen  alle  23olfer  auf 
(Srben  gefegnet  werben.  3*em  ©ott  fpricfjt  fetter  2  9ftof.  34: 
£err,  £err  ©ott,  gnäbig,  barm^erjig,  gütig,  t)on  großer 
©ebulb  unb  ©nabe,  ber  xd)  vergebe  Uebertretung,  üftiffe* 
t&at  unb  Sünbe.  3*em  $f*  103:  93arm^erjig  unb  gnäbig 
ift  ber  £>err,  gebulbig  unb  Don  gro§er  ©üte;  er  Ijanbelt 
nid)t  mit  unö  nad)  unfern  ©ünben,  unb  vergilt  un§  nidjt 
nad)  unferer  9Jliffetf>at.  2öie  ftcf)  ein  93ater  über  feine 
Äinber  erbarmet,  fo  erbarmet  ftd)  ber  £err  über  bie,  fo 
tfm  fürebten.  $f.  33:  ©iebe,  be§  £errn  Sluge  fielet  auf 
bie,  fo  ibn  fürchten,  bu  auf  feine  ©üte  hoffen,  ba$  er 
ü>re  Seele  errette  Dom  £obe,  unb  ernähre  fte  in  ber 
Sbeurung.  $f.  34:  3)  er  £err  iji  nafje  benen,  bie  jerbro^e* 
ne§  £erjen3  ftnb,  unb  fjilft  benen,  bie  jerfcftlagen  ©emütf) 
fwben,  3tem  $f.  145:  £)er  £err  ift  naf)e  allen  bie  ifm 
anrufen,  allen,  bie  ibn  mit  ©ruft  anrufen,  3tem  *JJf.  146: 
3) er  £err  löfet  bie  ©efangenen,  ber  £err  machet  bie  iMinben 
fefjenb,  ber  £err  richtet  auf,  bie  niebergefcfjlagen  ftnb,  2>tem 


182 


3ef.  1:  2öenn  eure  ©ünben  blutrotb  öftren,  fotten  fte  bo$ 
fc^neeroetg  werben;  toenn  fxe  frören  ttrie  JRofinfarbe,  fotlen 
fte  werben  frie  bie  frei§e  QBoHe*  3tem  3*f-  54:  3$  ^a&e 
bidj  einen  f feinen  2lugenbltcf  fcertaffen,  aber  mit  großer 
33armf)ersigfeit  ttrill  iä)  bicf)  fammeln.  3$  ^be  mein 
5lngeftdE)t  im  2lugenbltcf  be§  3°™e§  ein  ttenig  öor  bir 
verborgen,  aber  mit  eitriger  ©nabe  tuttt  iä)  micf)  bein  er* 
barmen,  fpricbt  ber  $err,  bein  (ärlöfer.  3tem  3er*  31: 
2)enn  tdj  friß  ibnen  i^re  OJtiffetljat  vergeben,  unb  iljrer 
Sünbe  nimmermebr  gebenfen,  %ttm$tftt.l8:  $>enn  t$ 
l)abe  feinen  (Befallen  am  £obe  be§  Sterbenben,  fptidjt 
ber  $err  £err;  barum  befef)ret  eu<$,  fo  werbet  ibr  leben. 
3tem  £of.  2:  3$  toW  mid)  mit  bir  verloben  in  Sttrigfeit, 
idj  ttriü  micb  mit  bir  vertrauen  in  ©ered)tigfeit  unb  ©e* 
rtdpt,  in  ©nabe  unb  Sarmfjerjigfeit,  ja  im  ©lauben  txrill 
iä)  mich  mit  bir  verloben,  unb  bu  toirfi  im  £errn  er* 
fennen.  3^m  £of.  14:  23efef)ret  eu$  jum  #errn  unb 
fprcc&t  ju  if)tn:  25ergieb  un§  alle  Sünbe  unb  tfwe  un3 
tooftl,  fo  wollen  ttrir  opfern  bie  Darren  unferer  Sippen ;  fo 
ttrill  icb  if;r  abtreten  lieber  beilen,  gern  ttrill  i<#  fte  lieben, 
bann  fotl  jtd)  mein  3-ont  t)on  ifmen  toenben.  %tem  3oe(  2: 
23efef)ret  eu$  jum  £errn,  eurem  ©ott,  benn  er  ifi  gnäbig, 
barm^erjig,  gebulbig  unb  oon  gro§er  ©üte,  unb  reuet  ifm 
balb  ber  Strafe.  3tem  m$.  7:  2ßo  ifl  fo(*  ein  ©ott, 
trie  bu  bift?  ber  bie  Sünbe  vergibt,  unb  erlaffet  bie 
URiffet&at  ben  Uebrigen  feinet  Srbtfjeilä,  ber  feinen  gotn 
rtidbt  efriglidE)  behält;  benn  er  tft  barmfjerjig,  er  ttrirb  ftdE) 
int  [er  lieber  erbarmen,  unfere  Ottiffetbat  bampfen,  unb 
alle  unfere  Sünbe  in  bie  2iefe  beö  9Jteer§  werfen;  bu 
ftrirfl:  bem  ^acob  bie  £reue,  unb  bem  2lbrat)am  bie  ©nabe 
galten,  frie  bu  unferen  Sätern  üorlängfi  gefdworen  &aft. 


183 

Stern,  Gl;riftu§  fpridpt  9Jlattf>.  11:  ßommt  ber  ju  mir  alle, 
bte  if)r  muffelig  unb  belaben  feib;  id&  ruitt  eudE)  erquicfen, 
3tem  3o^.  3:  2ilfo  %at  ©ott  bte  2öelt  geliebet,  ba§  er 
feinen  eingebornen  ©olim  gab,  auf  ba$  alle,  bie  an  fyxi 
glauben,  nid)t  verloren  merben,  fonbern  ba§  etoige  ßeben 
fjaben.  3tem  3o^  5:  2Saf)r(idj,  maf)rli$,  icf)  fage  eud), 
fo  jemanb  mein  Söort  tturb  galten,  ber  wirb  bm  %ob 
nid)t  fef;en  emigUd). 

2>iefe  unb  anbere  alle  tröftlidje,  reid)e  unb  göttliche, 
gnäbige  23erf)ei§ungen  t>on  Vergebung  ber  ©ünben  unb 
ewiger  ©eligfeit  finb  ftarfe  unb  unübemnnblicEje  Argumente, 
ba§  ber  9ftenfd)  o^ne  2öerfe  unb  2)erbienfi,  nur  au§ 
©naben,  unb  allein  burdj  ben  ©lauben  geregt  mu§  foer* 
ben;  benn  ©ott  bat  fot$e  2Ser^ei§ung  nicf)t  t)ergeben§ 
gegeben;  tt)eldj)e3  folgen  müßte,  toenn  ber  $J?enfcb  bur$ 
feine  Söerfe  fönnte  gerecbt  werben.  2öer  ben  Job  nid)t 
t)erf($ulbet  fyat,  bem  barf  man  feine  ©nabe  beweifen,  ba§ 
man  ibm  ba3  Seben  f$enfe.  Stucb  mü§te  folgen,  ba$ 
©ott  nicf)t  tt)af;rf)aftig  tDäre,  wenn  ber  Wlm\<$)  burdj  bie 
SBerfe  mü§te  gerecht  werben;  benn  fo  f)ätte  ©ott  bte  6e* 
ligfeit  au£  ©naben  üerljeißen,  ba§  er  bo$  ni$t  mollte 
galten,  £)al)er  fagt  $autuS  $öm.  4:  ©o  bie  uom  ®efe| 
(Srben  finb ,  fo  iji  ber  ©laube  nicbtg,  unb  bie  23erf)eiBung 
iji  abt;  ba§  ift,  fo  iji  umfonft  alle§,  roaö  ©ott  im  Soan* 
gelio  burd)  alle  ^ropfjeten  oerf)ei§en  l)at. 

2ltlf)ie  mag  man  nun  feljen,  in  melier  Slinb^eit, 
Abgötterei  unb  ©otte§ldjierung  unfere  $aptften  fiecfen; 
benn  bannt,  ba§  fte  le(;ren,  ber  90?enf$  muffe  bur$  feine 
Söerfe  t)or  ©ott  gere&t  werben,  bamit  l)eben  fte  rein  auf 
bat  ganje  (Stmngetium,  alle  93erf)ei§ungen  ber  ©naben  in 
9Kofe,   in   $falmen,   in   ben   $ropf>eten  unb  im  ganzen 


184 

neuen  Sefiament,  flrafen  ©ott  Sügen,  ber  gro§e  2)inge 
»erzeiget,  ba§  er  bod)  nityt  plt.  2ßa3  fann  ©djrecJlid^e* 
re§  gerebet  werben!  Unb  baljer  fommt'g,  ba§  fte  alle 
©prü$e  beg  ßtmngelii  oerfalfcfjen  unb  in  eitel  ©efe|lef)re 
r>erM)ren<  9Sor  foldjer  Slinb^eit  unb  ßäjterung  moHe  un£ 
ber  ©o]?n  @otte§  bemalten.    3tmen. 

2Bie  nun  au3  ber  Scr^ei§ung  ber  ©nabe  gewaltig 
folget,  ba§  mir  nid)t  burd)  bie  Sßerfe,  fonbern  allein  au3 
©naben  geregt  werben,  alfo  fd)leuj3t  ftd)3  autf)  au§  ber* 
felben  2Ser^ei§ung,  ba§  mir  allein  burd)  ben  ©lauben 
geregt  werben*  3)enn  meil  ©ott,  mie  oben  gemelbet, 
mabrbaftig  ift,  ber  nid)t  fann  lügen,  fo  ift'3  nid)t  allein 
billig,  fonbern  aucf)  nötf)ig,  ba§  mir  if)m  glauben,  unb 
forbern  alfo  alte  93erf)ei§ungen  ©otteö  ben  ©lauben ;  benn 
mer  nidjt  glaubet,  bem  gilt  bie  93erl)ei{$ung  nid)t,  mie 
$aulu§  fd^teu§t  ötöm.  4:  £>arum  mu§  bk  ©eredjtigfeit 
burd)  ben  ©lauben  fommen,  auf  ba$  fte  fei  au§  ©naben, 
unb  bie  35er^ei§ung  feft  bleibe  allem  ©amen,  9lbam  bat 
balb  üerpanben,  ba$  er  burdj  im  ©lauben  müfjte  gerecht 
merben,  meil  er  bie  gnäbige  23eri)eifjung  börete;  benn  er 
t)at  je  fdE)lie§en  muffen,  ba§  ©ott  maf^aftig  märe.  2llfo, 
ba  ©ott  fpricf)t  £efef.  33:  ©o  mal)r  id)  lebe,  will  id) 
nid)t  ben  Job  be§  ©ünberS,  fonbern  ba$  er  ftcfo  befe^re 
unb  lebe,  bezeuget  er  nicftt  allein,  ba§  er  unS  o^ne  Jßerfe 
be§  ©efe^eS  bie  ©ünbe  vergeben  unb  geregt  machen  molle, 
fonbern  forbert  aud)  bm  ©lauben.  2)enn  marum  be* 
tbeuert  fonfl:  ©ott  feine  3ufagung  mit  bem  göttlichen  (Sibe, 
benn  eben  barum,  ba§  mir  atlerbingö  !eine  Urfadje  fjaben, 
an  feinem  Söiöen  ju  Jtoeifcln.  9Bie  bie  ßpiftet  ju  ben 
Hebräern  (£.  6  biefe  Urfa^e  be§  göttlichen  6ibe3  beutlid) 
fagt:   Slber  ©ott,  ba  er  mollte  bm  ßrben  ber  25er^eißung 


185 

überfcbmcinglid)  bereifen,  ba§  fein  9ktf)  md)t  Kantet,  bat 
er  einen  (£ib  baju  getban ;  auf  i>a$  mir  burd)  jmei  Stücf e, 
bie  ntebt  manfen,  (benn  e§  ijl  unmöglid),  ba§  ©ott  lüge) 
etnen  ftarfen  Jroft  baben.  SBelcber  ©eftalt  aueb  3)atub 
unb  anbere  im  göttlichen  Sib,  bamit  bie  23erbei§ung  be§ 
@t)angelii  betätiget  morben,  jum  öfternmate  anjiefjen. 
Augustinus  (priest  in  Psal.  88:  In  aeternum  Christus  reg- 
nabit  in  sanetis  suis.  Hoc  promisit  Deus,  hoc  dixitDeus; 
si  parum  est:  hoc  jurauit  Deus.  3n  ©tt)igfeit  {)errfcfcet 
G&riftuS  in  feinen  heiligen,  ©ott  $at'8  üerbei§en,  ©ott 
fjafö  gerebet;  iftö  menig:  ©ott  &at'8  gefdjmoren.  2llfo 
aud)  Tertullianus  de  poenitentia  fd)leu§t  ganj  ^errlid)  aug 
bem  (£ibe,  ba%  man  ©ott  glauben  folt:  Invitat  premio 
ad  salutem;  jurans  etiam,  vivo  dicens,  cupit  credi  sibi. 
0  beatos;  quorum  causa  Deus  jurat.  0  miserrimos;  si 
nee  juranti  Domino  credimus.  ©ott  labet  un§  $ur  ©etig* 
feit  mit  Cofm,  unb  fdjmöret,  fprid)i:  ©o  roa&r  als  id) 
lebe;  begehrt,  ba§  mir  ibm  glauben,  D  mie  feiige  Seute 
ftnb  mir,  um  meldjer  miüen  ©ott  einen  (£ib  tbnt!  D  mir 
unfeligfien  OJlenfcben,  fo  mir  bem  ^errn  mebt  glauben,  fo 
er  bod)  fdjmöret!  £>enn  ber  3^tüfler  unb  Ungläubige 
f)ä(t  ben  lebenbigen  ©ott  für  einen  ajieineibigen,  nach  bem 
©prudj)  3of)anni§,  broben  gefegt  Sarmberstger,  emiger 
©ott,  bthütt  un§  burd)  beinen  ©eifl:  öor  foldjer  @otte3* 
läfterung.    2lmen.    3)icS  fei  alfo  ber  britte  ©runb. 

Der  vierte  ©runö. 

Dom  Umtt  Jefu  Citvifti. 

T>ie  vierte  ©emeifung  ift  je  fo  retd),  gemaftig,  feft  unb 
unüberminblid),  als  bie  vorigen.    3)er  einige  6copu§,  $\tl 


unb  3**^  bal;m  un§  bie  901150  ®d?rifi  reifet,  ber  einige 
©runb  ber  ganzen  Äirdje  unb  aller  SJienfdkn  ©eltgfeii  ifi 
3efu3  ßbrijiue.  ©udjei  in  ber  (Schrift,  [priest  ®&rifiug 
2>of).  5,  bie  iji'8,  bie  oon  mir  jeuget  $aulu3  1  &or.  3: 
(§§  fann  fein  anberer  ©runb  gelegt  »erben,  benn  ber  ge- 
legt iji,  3efuS  a^rijluS.  3m  Sefaia  G.  49:  £>u  bift  mein 
#eü  big  anö  gnbe  ber  Seit  betrug  Styofi.  4 :  (£3  ifi  in 
feinem  anbern  <peil,  unb  ifi  fein  anberer  -Käme  ben  Hften* 
fdjen  gegeben,  baxin  fte  feiig  »erben.  3tem  2fyofi.  10: 
$on  biefem  jeugen  alle  ^ropfjeten. 

©0  muffen  *mr  nun  auf  biefen  einigen  (Mftein  fe^en, 
Sefmn,  unb  nidjt  allein  mit  allem  $teiß  betrauten,  toas 
er  getrau,  gelitten  unb  auf  ßrben  Dollbradpt,  fonbern  aud) 
txmrum  ein  jebeö  unb  atteS  gefd)et)en.  Die  ganje  @dmft 
jeuget,  unb  alfo  fcält  unfer  Äinberglaube,  baf$  @otte§  ein* 
geborner  ©of)n  öom  Fimmel  gefiiegen,  $u  ung  fommen 
auf  ßrben  unb  SRenfd)  toorben  fei,  £abe  jtd)  unter  ba§ 
©efefe  gegeben,  ftd)  befdmeiben  unb  opfern  laffen,  f;abe 
bem  ©efe|  völligen,  Doüfommenen  ©efjorfam  geleiftet,  baju 
allerlei  £rübfat  unb  Verfolgung,  #of}it  unb  @d)mad)  Don 
ber  2ßelt  erlitten,  l)abe  ba^u  ©otte§  Born  getragen  unb  in 
l;öcfcfier  2tngft  im  ©arten  Slut  gefd>n>i^et;  le|tltd)  fei  er 
gefangen,  ben  Reiben  überantwortet,  gegeißelt,  am  Äreuj 
gefcf)(agen,  bafelbji  gelobtet,  oon  ©ott  Derlaffen  unb  Dom 
©efe§  t)erflud)t  korben,  barnad)  begraben,  aber  am  britten 
Jage  mieber  auferftanben  Don  ben  lobten,  unb  aufgefa^ 
reu  gen  Fimmel,  jur  redeten  «panb  ©otteg.  #iet>on  $euget 
bie  gan^e  ©d)rift,  alle  $ropljeten  baben'3  getoeiffaget,  alle 
Styojlel  unb  Soangeliilen  jeugen,  ba§  es  gefd)e^en  fei. 
Slun  ftnb  aber  bieg,  ba§  ©ottee  Sofm  ifi  Qttenfd)  ttorben, 
ifi  gelobtet  unb  ftueber  auferaedet  toorben,  bie  allergröfien 


187 

9öerfe,  bie  unter  ber  Sonne  gefd)el)en  ftnb.  9111er  Wlo* 
narrten  £iftorien  unb  ©efd)id)ten  fwben  ni<$t§  f)iebei. 
2öie  iftö  benn  mögüd)  ober  glaubticf),  ba%  fold?  gro§e§ 
Sßunberwerf  füllte  üergebenö  gegeben  fein?  ß3  ijl:  je  ber 
ewige  ©ott  unb  Vater  feinem  allerliebften  Sofme,  an  bem 
er  allen  2Bobfgefaffen  l)at,  nicbt  fo  feinb  gewefen,  ba%  er 
ifni  fyat  ofme  Urfadj  in  fold)  Stenb,  Jrübnifj,  Mbm  unb 
Job  jlcrfen  wollen;  aud)  ifi  ber  <3ol)n  ©otte§,  bk  ewige 
Söa^eit,  fo  unbefonnen  ntd)t  gewefen,  ba$  er  ofme 
Urfad),  ba  cr'8  wof;t  fyätte  umgeben  fönnen,  l)ätk  wollen 
Dom  Fimmel  jteigen,  fxä)  bem  Jobe  unterwerfen,  mit 
@otte£  3°ni  belaben  (äffen,  ein  2Burm  unb  ein  $lud) 
werben.  95iet  weniger  aber  ift  ju  benfen,  ba$  ß&rifiuS, 
©otteö  3obn,  bie  ewige  ®ered)tigfeit,  fofdje  ßrniebrigung, 
Sdnnad),  £a§,  Verfolgung  unb  bitter  Seiben,  fo  einen 
fdmiäblicben  Job  unb  ftludj  burdj  feinen  Unge&orfam  foüte 
öerbient  l)aben.  Die§  wirb  feine  Kreatur  tagen  bürfen. 
SBoblan,  fo  mu§  eine  fwfje  unb  wichtige  Urfad)e  fein, 
Warum  SfjrijiuS  üJlenfd)  worben,  enblid)  gelitten  babe  unb 
gejlorben  fei.  Die  fann  gewiBlid)  anbcrS  nid)t3  fein,  benn 
ba§  wir  oerlome  ©ünber  burd)  feinen  Job  oor  ©ott 
gerecht  unb  feiig  würben,  wie  wir  im  ©pmbolo  (©lauben) 
fingen :  Qui  propter  nos  homines  et  propter  nostram  sa- 
lutem  descendit  de  coelis?  et  homo  factus  est.  Der  um 
unö  9ftenf$en,  unb  um  unfere  ©eligfeit  oom  Fimmel 
gediegen  unb  ÜJtenfdj  worben  ift.  ^stern  1  Jim.  1:  3efu3 
G^rifhie  ift  in  bie  2öelt  fommen,  bie  ©ünber  feiig  §ii 
machen.  3tem  $#m-  4:  2öeld)er  um  unferer  ©ünben 
wtüen  geftorben  ift,  unb  um  unferer  ©erec^tigfeit  willen 
auferfianben  ift.  Dieö  geben  nun  unfere  ^ßapiflen  na$, 
fonberlid)  jetziger  3*ü#  6l)rijiu3  fei  für  aller  2öelt  ©ünbe 


188 

geftorben,  unb  er  f)abe  ung  alle  ©eligteit  oerbienet;  aber 
balb  lenfen  fie  fiel)  nrieber  fterum  unb  fpredjen:  JBenn 
aber  ber  Dftenfc!)  fofle  geredet  fein  toor  ©ott,  fo  mu§  er 
foldjeg  burdj  feinen  ©eljovfam  unb  2öerfe  erlangen.  Slber 
ba  fielet  nun  $auti  ©prucf)  txue  eine  SRauer,  unb  lägt 
folcbe  nnbemmrtige  2el)re  nid)t  jufammcn  fommen,  fpridjt 
®al.  2:  ©o  burcf)  baö  @efe|  bie  ©ered)tigfeit  fommt,  fo 
ift  Sbrijtug  vergebend  geftorben;  ba§  ift,  alleö,  mag  Sbri* 
ftuS  getfmn  unb  gelitten,  ba£  er  ift  SRenfcb  noorben,  ba§ 
@efe£  erfüllet,  ftd)  fd)tnäf)en  unb  enblidE)  freudigen,  öer* 
fluten  unb  tobten  laffen,  ift  aüc8  umfonft  unb  vergebend, 
sofern  nur  burcf)  bie  Sßerfe  gerecht  werben.  Sin§  mu§ 
f)ie  weisen,  entoeber  (£f;rifiu3  mit  allem  feinem  Serbienft 
ober  unfere  SBerfe. 

dJiit  biefem  ftarfen  unb  fräftigen  Argumente  f)at 
$aulu8  aller  ©oplnfterei  ber  $apifien  btn  2öeg  verlaufen, 
ba$  fie  nirgenb  f)inau3  me^r  fönnen;  benn  Sfjriftt  Job 
unb  bie  ©erecbtigfeit  ber  Sffierfe  mögen  neben  einanber 
nid&t  fielen,  ©3  bemühen  ftcf)  unfere  $apijlen  aufg  allere 
Ijeftigjte,  »eil  fie  je  bie  ©djrift  fcom  Seiben  unb  ©terben 
Gbrifti  unb  feinem  2lmt  nid)t  leugnen  tonnen,  ob  fie  eine 
2öeife  erbenfen  möcbten,  ben  %ob  unb  ba§  $erbienjt 
(grifft,  unb  bann  bie  ©eredptigfeit  au3  ben  SSerfen  ju* 
fammen  ju  ftidf cn ;  aber  wie  fie  c8  angreifen,  fo  merfet 
man  ben  ©etrug  unb  ßäjterung;  benn  fobalb  fte  ba§ 
©eringfte  bm  2Berfen  in  ber  Rechtfertigung  jumeffen,  fo 
ift  ©otteö  ©nabe  oeraorfen  unb  ber  Zob  ßfmfti  fammt 
feinem  gangen  2lmt  unb  2öol)ltf)aten  verleugnet.  ©olcf)e§ 
fielet  man  au§  bem  öffentlich,  bafi  bie,  fo  it)re  2öerfe 
immerbar  gerü^met  unb  im  ©efe|  bie  ©erec^tigfeit  gefugt, 
entoeber  gar  nid)t§,  ober  je  toenig  unb  fälfct)ticf)  vom  2(mt 


189 

unb  2ßof)ltf)aten  Stjrifli  gelehrt  fwben,  wie  fred)  unb  un* 
t>erf<$ämt  fie  eS  jefciger  3^t  leugnen  wollen,  9hd)t  allein 
Thomas  Aquinas  üor  ber  3ett,  fonbem  no$  ju  unferer 
3cit  fjat  Ambrosius  Catharinus  gefdmeben  unb  gelehrt, 
Sf;rifht§  fei  nur  für  bie  (Srbfünbe  gefiorben,  bie  ©ünbe 
aber,  fo  wir  begeben,  müßten  wir  burdj)  bie  SD^effe  unb 
anbere  guten  2öerfe  ablegen,  unb  burd)  unfern  ©ef;orfam 
Dor  ©ott  geredet  werben.  Stnbere  l)aben  gelefjret,  Gtmfluö 
fei  geftorben  für  bie  Srbfünbe,  unb  Wa3  t)or  ber  Saufe 
begangen  wäre;  xva§  wir  aber  nad)  empfangener  laufe 
fünbigen,  bafür  müßten  wir  felbft  bejahen,  unb  bie  ©e* 
ligfeit  üerbienen.  2tlfo  feblet'ö  nidjt,  bafj  wer  bie  ©ered)* 
tigfeit  in  im  Söerfen  fudjet,  ber  täffei  bie  Äraft  be3  SobeS 
(Sbrifti  nxd^t  bleiben.  9hm  fyafte  aber  einer  bie  ©djrift 
gegen  foldje  fiäfierungen,  bie  wirb  tue!  anbereg  jeugen,  i>a$ 
{£fmfiu§  für  alle  ©ünbe  aller  9Kenfc$en  geftorben  fei; 
benn  ^o^anneö  fpridjt  3^.  1:  ©iet)e,  i>a$  ift  ba§  ßamm 
©ottee,  weldjeö  ber  2Belt  ©ünbe  trägt.  3)er  Sößelt  ©ün* 
ben  finb  nid)t  allein  bie  ©rbfünbe,  fonbem  aüeö,  waö  ba3 
menfd;lid)e  ©efd)led)t  wiber  ©otte§  ©efe|  geljanbelt.  3o* 
fjanneö  fprtdjt  1  %ofy.2:  6^rifhi§  ifi  bie  Serföfmung  für 
unfere  ©ünbe,  nid)t  allein  für  bie  unfere,  fonbern  für  bie 
©ünbe  ber  ganzen  SBett.  3tem  3efaia3  (L  53:  ©ott 
Warf  unfer  aller  ©ünbe  auf  ifyn.  Unb  Q^aulud  jeuget 
Sol.  2,  S^rijiug  l)abe  bie  £anbfd)rift  burc|)ftod)en  unb  ax\$ 
Äreuj  geheftet.  3n  foldjer  £anbfd)rift  aber,  wü)  bem 
©efe|  getrieben,  ftnb  nid^t  allein  unfere  (Srbfünbe,  ober 
bie  üor  ber  Saufe,  fonbern  alte,  alfer  9Äenfd)en  ©ünben 
geftanben. 

3)arum  mu§  man  befennen,   bafj  (£&rijlu8  für  aller 
SBett  ©ünbe,   Srbfünbe  unb   alle  wirflic^en  ©ünben  ge* 


190 

ftorben  fei,  ftue  benn  bie  ^ßaptften  \t%t  öffentlich,  afö  An- 
dradius,  Catechismus  Romanus,  befennen ;  benn  fte  bütfeng 
je|t  fo  grob  nid)t  machen,  roie  öormafg,  ba  ba§  3tnticbri* 
fientfnim  mit  ftarfer  $infterm§  regiert  f)at.  Ruardus  Tap- 
perus  fefct  an  einem  Ort:  Gbriftu§  fjabe  ba$  mit  feinem 
ßeiben  juwege  bracht,  ba§  bk  etDtge  ©träfe  in  eine  seit* 
liebe  fei  öeränbert  unb  atfo  gemilbert,  tiefer  ©otteöläflerer 
la§t  (S^rifto  feine  ß^re  unb  SBerfe  au$  nic^t  üölfig  bleiben* 
3ft  aud)  fein  ©prud)  in  ber  ganzen  J).  ©dmft,  bamit 
fol$e§  wäre  ju  bereifen;  ba$  2Biberfpiel  aber,  ba$  6f)ri* 
ftuö  alle  ©dmtb  unb  ©träfe  aufgehoben,  ift  au3  bieten 
l;etlen  3eugniffen  offenbar.  (SjmfiuS  fprid)t  3ob.  3:  2öer 
an  mid)  glaubet,  ber  toirb  nid)t  gerietet.  2öer  fein  Ur* 
tljeil  I;at  ju  fürchten,  ber  f)at  audE)  feine  ©träfe  n>eber  bort 
no$  Jjie  ju  getxmrten.  %ttm  3o^.  5:  26er  mid;  ftefjet  unb 
glaubet  bem,  ber  mtcf)  gefanbt  fyat,  ber  fommt  nid)t  in'3 
©erid)t,  fonbern  er  ift  t)om  Jobe  jum  Seben  fnnburd) 
gebrungen.  Stern  3of).  3:  2öer  an  ben  ©ofm  glaubet, 
ber  $at  ba§  emige  Seben.  Stern  (Rom.  8:  ©o  ift  nun 
nicf)t§  Serbammlidje8  an  benen,  bk  in  6f)rifio  3efa  t^b. 
©o  muB  je  folgen,  ba$  (£l)rij?u§  mit  feinem  Sobe  Mbt, 
etxüge  unb  geitlid^e  ©träfe  fjabe  aufgehoben.  3efaia8  fagt 
(L  53  nid)t  allein  Don  ber  emigen,  fonbern  tum  aller 
©träfe,  fo  tt>ir  tterbient  f;aben:  Die  ©träfe  liegt  auf  i£m, 
auf  ba§  toir  ^rieben  bätten.  Sßenn  teur  nod)  bie  jettlicbe 
©träfe  tragen  mü§ten,  toie  ptten  wir.  benn  ^rieben? 
3lnbere,  alö  Sotus,  geben  t>or,  (£l)riftu§  l;abe  too^l  ttor* 
ne£mli$  für  un§  begattet  unb  bie  ©ereditigfeit  tterbienet, 
aber  bod)  muffen  toir  ba§  ttnfere  au$  baju  tfmn.  Slber 
bie  ©dmft  ift  folgern  Srrtbum  jutoiber;  benn  $aufu§ 
ftm$t  ©al  2:     ©o    toir  burdj   bie  Sßerfe  be§   ©efe|eö 


191 

gerecht  werben,  fo  ift  ßtjriftug  vergebend  gefiorben.  Stern, 
im  3efaia  fpricfct  Sfctijhig  (L  63:  3$  trete  tue  Leiter 
aüein,  unb  iji  niemanb  bei  mir.  3&m  ju  ben  Hebräern 
(5.  10:  sIftit  einem  Opfer  bat  er  in  Swigfeit  vollenbet,  bie 
gef>eitiget  werben.  2)arum  mu§  ßfjrifio  bie  ßfjre  allein 
bleiben,  ba%  er  unfete  ©eredjtigfeit  ntd>t  jum  Ibeil  ober 
Vornehmlich,  fonbern  ganj,  völlig  unb  adein  fei,  ofjne 
unfer  3utf)um  21bermal  bieten  unb  erbenfen  unfere  $a= 
piften  eine  neue  ©opbifietei,  nämlicb,  ba§  wir  wof)(  burd) 
ben  lob  Sfmfti  erlöfet  jtnb,  aber  nicf>t  baburd)  geregt 
Werben;  bamit  fte  abermals  bie  2öof)ltbaten  (grifft  mefjr 
als  fmlb  verleugnen.  "Die  Sdjrift  aber  jeuget  ftarf  bawiber, 
ba§  (£f)rifhi§  un£  burd)  feinen  lob  nicbt  aüein  erlöfe, 
fonbern  aucf)  geredet  macfce.  $aulu£  fvridjt  (Rom.  4: 
6bnftu§  ift  geftorben  um  unferer  ©ünben  willen,  unb  auf* 
erftanben  um  unferer  ©eredjtigfeit  willen.  Jtem  1  Sor.  5: 
©ott  fjat  ben,  ber  von  feiner  ©ünbe  wu§te,  jur  ©ünbe 
gemacht,  auf  ba$  wir  würben  in  ibm  bie  ©ered)tigfeit,  bie 
vor  ©ott  gilt.  %tem  1  Sor.  1 :  SfmftuS  ift  un§  worben 
von  ©ott  ^ur  Jßei^eit,  ©ereditigfeit,  (Möfung  unb  $ei^ 
ligung.  3tew  (Rom,  3:  2Bir  werben  gerecht  olme  Serbien]!: 
au§  feiner  ©naben,  burcb  bie  (Srföfung,  fo  burd)  3ef^m 
ßbriftum  gefd)ef)en  ift,  welchen  ©ott  f)at  vorgejleüt  ju 
einem  ©nabenflubt,  burd)  ben  ©lauben  in  feinem  33 tut 
3tem  (Rom.  5:  So  werben  wir  je  vielmehr  burcf)  it)n 
bebalten  werben  vor  bem  3orn>  nad)bem  wir  burd)  fein 
Slut  geredjt  worben  jtnb.  2)a  senget  ber  Sipofiel  $aulu3 
flärfid),  ba$  wir  burd)  ben  lob  3efu  Sfmfli  nic^t  allein 
erlöfet,  fonbern  aud)  geregt  werben.  SBeil  nun  obgebadjte 
unb  Wiberlegte  Sopbifterei  ben  @tid)  nid)t  will  fjalten, 
fonbern  wie  ©preu  jerfiäubet,   fobalb  ber  ©eiji  ©otteg 


192 

mit  bem  2öort  brein  bläfet ,  erbenft  jie  balb  eine  anbete, 
nämlid),  StmjiuS  f)abe  mit  feinem  ßetben  unb  Sterben 
jumege  bracht,  ba§  bie  ©acramente,  alö  £aufe,  Ij.  9lad)t* 
maf)l,  ik  23u§e  unb  bie  3Seid)te,  girmung  unb  le$te  ©al* 
bung  k.  möchten  eingefeijt  merben,  unb  barin  roerbe  un§ 
bie  ©nabe  angeboten,  aber  mir  mü§tenS  burd)  unfere 
9Berfe  üerbienen,  ba$  bie  ©ünbe  getilget,  unb  mir  tmr 
©ott  gerecht  werben.  2)aS  ifl  bod)  jumat  ein  fauler  unb 
tf)örid)ter  Jrrtfmm;  &*nn  »eil  bie  ©acramente,  Saufe  unb 
i).  9kd)tmaf)l,  ©otteö  gute  ©aben  jlnb,  ma§  fwtte  SfmjluS 
barum  leiben  unb  fterben  bürfen?  ©ott  f)at  je  felbfl  nicf)t 
gefünbiget,  ba§  er  feine  ©üter  juoor  öerbienen  müßte; 
unb  fo  bie  ©acramente  baS  öerrid)ten,  ba§  unö  bie  ©ünbe 
vergeben  unb  mir  ju  ©naben  aufgenommen  merben,  fo 
mirb  folgen,  ba§  bie  ©acramente  fräftiger  ftnb,  atö  baS 
tBIut  ßfmfh  felbfi  3lber  bie  ©d)rift  lehret  met  anbereö 
^tex)onr  machet  einen  großen  ttnterfdjieb  smtfd)en  bem  Jobe 
<£f)rifti  unb  ben  ©acramenten.  SbriftuS  bat  unS  mit 
feinem  23lut  alle  ©eligfeit  ermorben,  mie  $auluS  jeuget 
$öm.  5:  2öir  ftnb  mit  ©ott  fcerföfmet  burd;  im  £ob 
feines  SobneS,  ba  mir  nod)  $einbe  maren.  3teml^Jet.2: 
€f)riftu3  Jjat  unfere  ©ünbe  felbfl  geopfert  an  feinem  Mht 
auf  bem  £olje.  3tem  1  3o&.  1:  3)aS  »tut  3efu  S&rtftt, 
feines  ©of;neS,  reiniget  unS  fcon  allen  unfern  ©ünbetu 
3)ie  ©acramente  aber  ftnb  bie  Mittel  unb  Söerfjeuge,  burd) 
meld;e  un§  ©ott  bie  bur$  (XJmftum  ermorbenen  ©üter 
barreidjt,  fd)euft  unb  übergibt 

SIbermat  fjaben  bie  $ab{Uidjert  ein  2teue§  erbaut  Dom 
9tmt,  ßeiben  unb  ©terben  beö  £erm  (£(mfH,  melier  $unb, 
als  ber  faß  fubtil,  ifmen  am  beften  je^t  gefällt,  mie  im 
Asoto?  Lindano,  Andradio;  Catechismo  Romano  ju  fel)en, 


193 

nämlidj,  ba§  Sf)rifiu§  mcf)t  mit  feinem  ©ctmrfam,  Ceiben 
unb  Sterben  baS  oerbienet,  ba§  mir  t)or  ©ott  ofme  gute 
2öerfe  au§  ©naben  möchten  geregt  unb  feüg  werben, 
fonbern  baö  t)abe  er  erworben  unb  ausgerichtet,  ba§  un§ 
bie  erfie  ©nabe  ofjne  Serbienft  gegeben  mürbe,  unb  ba§ 
unfere  guten  2öerfe,  na$  bem  @efe|  gefc^eljen,  bie  ©ünbe 
möchten  unb  fönnten  tilgen,  aucf;  23erbienfi  mären  be§ 
emtgen  ßebens;  unb  f)ie  meinen  fte,  ba§  fxe  (£fmfio  gar 
grope  (Stjre  bemeifen,  menn  fte  fo  oiel  nocf)  benennen,  bafj 
unfere  guten  2öerfe  olme  ßtjrifto  ba3  emtge  2eben  ni$t 
fcerbienen,  aber  t)on  megen  Sfmfti  feien  fte  fo  heilig  unb 
fcerbienflltd),  ba§  ©ott  ifmen  ba$  emige  Seben  nicf)t  !önne 
meigern,  SIber  eS  ifl  ein  lauter  ©cbetn  unb  mie  ein  @e* 
fpenft,  baS  fte  vorgeben,  im  ©runbe  t>erni$tigen  fte  t>m 
%oh  Sfmfii.  Denn  mie  mit!  ftcf)  ba§  reimen,  ba%  SlmfiuS 
nic^t  um  unferer  ©ünben  mitten,  fonbern  um  unferer  guten 
SBerfe  mitten  geftorben  fei?  63  fiirbt  faum  jemanb  um 
be§  $ed}te3  mitten,  fpri$t  $aufu3  IRöm,  5;  barum  greifet 
©ott  feine  Siebe  gegen  un3,  i>a%  6f)rt#u§  für  un3  gefiorben 
ifi,  ba  mir  nod)  ©ünber  maren.  Unb  au£  meinem  $ro* 
^^eten  ober  2tyofiet  motten  fte  bodE)  einen  einigen  S3u$fta< 
ben  hervorbringen,  bamit  fte  fotcf)  if)r  @ebicf)t,  bafi  Sfmflug 
um  unferer  guten  2Berfe  mitten  gefiorben  fei,  bemeifen? 
Silier  $ropf)eten  unb  9tyoflet  $rebtgten  ftnb  dotier  Sprühe 
t)om  9tmt,  ßeiben  unb  ©terben  Sfmfti,  auc|)  Don  ber  Ur* 
fa$,  marum;  aber  feiner  gebenft  unferer  guten  Söerfe, 
vielmehr  aber  ber  2öett  ©ünben,  um  melier  mitten  (£f)ri* 
ftuö  geftorben  fei  2Iud)  märe  fot$e§  allerbingS  vergebend 
gemefen;  benn  ftnb  unfere  äßerfe  red^tgefd^affen,  fo  gefallen 
fte  of)ne  ba§  ©ott,  unb  öerbienen  baS  emige  ßeben  ntcf)t 
fcon  megen  be§  Sobeö  Sfmfii,  fonbern  nafy  bem  Urzeit 

13 


194 

beö  ©efe|jeg,  Weldje  Drbnung  fdjon  in  ber  ©cppfung  ift 
offenbaret;  benn  baö  ©efe^  fpric^t  3  2Rof.  18:  2Ber  foN&eS 
tfmt,  tx>irb  baburd)  leben,  ©tnb  aber  unfere  2öerfe  nidE)t 
red)tgefd)affen,  nodf)  ttoflfommen,  fo  uerbammt  fte  ba§ 
©efe§  einen  2öeg  als  ben  anbem,  unb  (Efmjtu§  fyat  mit 
feinem  £obe  nidjt  fdjaffen  Wollen,  ba§  ba§,  )®a§  ©ünbe 
tfi,  foflte  ©erecf)tigfeit  fein,  fonbern  melmefjr  ^at  er  ba$ 
Urzeit  be3  @efe|e3  betätigen  tollen.  Herwegen  ijTS 
falfd)  unb  unrecht,  ba§  man  ttorgibt,  Sfmfiug  l)ab'g  oer* 
bienet,  ba§  unfere  2Berfe  bie  ©ered)tigfeit  unb  ©eligfett 
fcerbienen  mögen.  2He(mel)r  jeuget  bie  ganje  ©$rift,  ba% 
6f)rifht3  um  unferer  ©ünbe  willen  geftorben  fei,  unb  ba§ 
oerbxenet,  ba§  un§  bie  ©ünbe  nid)t  möchte  zugerechnet 
unb  mir  ofme  Serbtenfi  auS  ©naben  um  feinet  ©efwrfamS 
willen  geregt  unb  feiig  werben.  $aulu3  fprid)t  ©al.  1 : 
3efu§  (£f)riflu3  ^abe  ftcfe  felbfi  gegeben  für  unfere  ©ünbe, 
ba(3  er  un$  errettete.  3*em:  6fmfiu£  fyat  fidf)  felbjt  ge* 
geben  ju  einer  ßrlöfung  für  alle.  3tem  3efaiaö  (L  53  : 
Sr  ifi  um  unferer  3Jli|Jetf)at  tx)itlen  oerwunbet,  unb  um 
unferer  ©ünben  willen  jerfciplagen;  fprtcfjt  nid)t:  um  un* 
ferer  guten  2Berfe  willen,  ba§  fie  i>a$  ewige  %thm  t>er^ 
bientem  Stern  ßfmftuS  fpric^t  SRattl).  26 :  £)a$  ifi  baä 
23(ut  be§  neuen  £eflament§,  ba§  für  mele  oergoffen  wirb 
jur  Vergebung  ber  ©ünben;  fprtdjt  mä)t:  für  unfere  guten 
2QBerfe,  bau  fie  fcerbienen  follen  Vergebung  ber  ©ünben, 

2llfo  will  bie  mancherlei  ©opf)ijterei  ber  ^ßapiften  twm 
9lmt  unb  SBofyltfjaten  Sfmfti  nirgenb  garbe  galten,  wenn 
man  fie  na$  ber  $tcf)tfcfmur  göttlichen  2ßortö  probirt  unb 
bewahrt.  Unb  ba$  merfen  enblict)  bie  elenben  $apiflen 
wof)l,  barum,  wenn  fie  bürften  fagen,  wag  fte  im  fersen 
I;aben,  würben  fie  gewifjlid!)  befennen,  6l;rifiu3  l;at  Weber 


195 

mit  unferen  ©ünben  nocf)  @ered)tigfeit  ju  fcfeaffen,  fonbern 
märe  barum  in  bie  2Belt  fommen,  ba§  er  ^öftere  unb  beffere 
©efe§e  gebe,  benn  üftofe3  gele^ret,  unb  ba§  mir  ein  öotl* 
fommen  unb  fonberltdf)  fyofy  Sjempel  ber  ©ebulb  unb 
3)emutf)  an  iljm  Ratten ;  mie  benn  bie  SfftöndEje  t>or  Seiten 
geleitet,  unb  bie  $apiflen  fold>eö  nocf)  oertfjeibigen.  Ober 
mtll  man  nod)  näf)er  ju  ifjren  ©ebanfen  fcbie^en,  fo  mag 
man  }\ü)  ber  päbftlidjen  SBorte  erinnern:  0  Bembe,  quan- 
tum  profuit  nobis  fabula  de  Christo.  (D  93embu3,  mie 
triel  bat  un§  bie  gabel  fcon  ß^rijio  eingebracht!)  Unb  ba 
i}dbt  ifyx  benn  bag  redete  §unbament  fc$  römifdjen  unb 
papifiifcfjen  ©laubenö. 

2lu3  tr>eldE)em  allem  offenbar,  ba§,  meil  bie  $äbjtlid)en 
in  ben  2öerfen  bie  ©eredjtigfett  fucben,  fo  loermerfen  jte 
bie  ©nabe  ©otteS,  unb  ifi  ibnen  G#rijiu8  oergeben§  ge* 
fiorben,  mie  $au(u§  jeuget  ©al  2,  2Bollen  mir  benn  nun 
bie  2ef)re,  ba§  mir  olpne  SSerbienft  au§  ©naben  burd)  ba3 
S31ut  S&rijH  geregt  unb  feiig  merben,  mit  fattfamem  ©runbe 
bemetfen,  fo  laßt  un§  alle  tu  ©prücfje  ber  ganzen  ^eiligen 
©cfjrift  öom  9Imt,  Seiben  unb  Sterben  3efu  ®l)rifii  auf« 
fudjen,  ba  merben  mir  Argumente  mit  Raufen  ftnben* 
©ott  fpricbt  fetter  1  ÜKof.  3:  X>er  ©ame  beS  2öeibe§ 
mirb  ber  ©Klange  ben  Äopf  vertreten.  3)a3  ift  tmn  ß^rifio 
gerebet;  fo  nun  S^rijiuS  bem  Seufel  feine  Wlafyt  nimmt, 
bie  ©ünbe  tilget,  un§  gerecht  unb  feiig  machet,  fo  merben^ 
je  unfere  2öerfe,  al8  Mafien,  53eten,  2lfmofen  geben,  ÜKejje 
I)ören  ni$t  tfjun.  3tem  1  Wlo[  12:  3n  beinern  ©amen 
foüen  alle  SBölfer  gefegnet  merben.  $auluS  fprid)t:  $)er 
©ame  ifi  S^rijlug.  ©o  benn  6f)rifiu§  ben  $lu6)  t)inmeg* 
nimmt  unb  ©ereebtigfeit  unb  ©egen  un§  bringet,  fo  f;aben 
mir  je  bie  ©eredjtigfeit  unb  ben  Segen  nid)t  üon  unferen 

13* 


196 

guten  Sßerfen,  fonbern  allein  burdE)  ben  gefegneten  ©amen, 
3efum  (£f)rifium.  £>er  ganje  QSfalter  ifi  voller  f)err(id)er 
©prü$e  t)om  2lmt,  35eruf  unb  2öo^)ltf)aten  beö  2Keffta§. 
2l(g  $f.  2 :  3$  6<*&e  nieinen  Äönig  eingefe^t  auf  meinem 
^eiligen  23erg  gion.  (£fmj?u§  ifi  t)on  ©ott  ein  foldjer 
Äönig,  öon  ©ott  gefegt,  ber  bie  ©ünbe  vertilgen,  ben 
%oi  aufgeben  unb  baä  SReid)  beö  ©atanö  jerfiören,  ba* 
gegen  aber  ©ered)tigfeit,  Seben,  $reube  unb  etoige  ©eligfeit 
erworben,  unb  feinen  ©täubigen  geben  [oll.  %km  $f.  22 : 
£>ie  Stenben  foüen  effen,  ba§  fte  fatt  werben,  unb  bie 
na$  bem  #errn  fragen,  werben  itm  pretfen.  (Suer  £erj 
foü  etioiglid^)  leben;  benn  ber  £err  f)at  ein  $ReidE> ,  unb  er 
f)errf$et  unter  ben  Reiben,  ©ie  werben  fommen  unb  feine 
©erec^tigfeit  prebigen  bem  23olf,  ba$  geboren  ttrirb,  baf* 
er'§  tfjue.  %tem  W-  40:  $)enn  e3  Iwt  mid)  umgeben 
Seiben  of;ne  3<*l)l  eS  fjaben  mid)  meine  ©ünben  ergriffen, 
ba#  iä)  nid)t  fe^en  fann;  i^r  ifi  mef)r,  benn  $aare  auf 
meinem  $aupt,  unb  mein  #erj  fyat  mi$  t>erlaffen.  35ie§ 
ifi  unfere  ©erecbtigfeit  fcor  ©ott,  ba§  3efu§  6f)ripug  unfere 
©ünbe  getragen  unb  bafür  bejahet  f>at  %ttm  $f,  27: 
©ott,  gib  bein  @ertd)t  bem  Äönige,  unb  beine  ©eredjtigfeit 
be§  ÄönigeS  ©obne,  bafi  er  bein  25olf  bringe  jur  @ere$* 
tigfeit,  unb  beine  Sienben  rette.  Sffier  benn  ftd;  felbfi  bur$ 
feine  20 er fe  jur  ©ere^tigfeit  t)or  ©ott  bringen  miü,  ber 
raubet  je  (Xfmfio  feine  fönigücfte  (Sfjre  unb  9imt.  3tem 
$f.  110:  $)er  #err  f)at  gefroren,  unb  ttnrb  if)n  nid)t 
gereuen  ett)igltc^> :  2>u  bifi  ein  $rtefter  ettriglid),  nad?  ber 
SBeife  2Jleld)ifebef§.  ©o  benn  GfjrijiuS  aüein  ber  £ol>e* 
priefier  ift,  ber  un§  mit  ©ott  tterföljnet,  oor  ifjrn  geredet 
unb  feiig  machet,  fo  derben  je  foId;e§  unfere  2ßerfe  nityt 
ifwn,  unb  in  ©umma,  ber  ganje  tpfalter  toeiffaget  burd)* 


197 

au$  üowefjmtid)  üom  2lmt,  SSeruf  unb  28ol;(tf;aten  be§ 
3Jieffta§,  toe(d)eg  atleö  vergebene,  falfdE)  unb  nichts  fein 
mü§te,  toenn  toir  burcf)  bie  Sßerfe  follten  geregt  werben. 
Denn  ber  ©prud)  $auli  lä§t  ftd)  ni<f)t  aufgeben,  ©al  2: 
©o  toir  burdi)  bie  2öevfe  beä  ©efe|e§  geredet  werben,  fo 
ift  6l)vi|luö  t)ergeben3  geftorben. 

5lucf)  ber  t)ornef)tnfte  2lrtifel,  bamit  alle  ^rop&eten 
ftnb  umgegangen,  ftnb  bie  Sßeiffagungen  üom  2lmt  unb 
SBo&lt&aten  grifft.  3efaiaö  [priest  3ef.  9:  (Sin  Äinb  ifl 
un§  geboren,  ein  ©obn  ift  un§  gegeben;  melcbeg  £errfcbaft 
ifl  auf  feinen  Schultern,  unb  er  f)ei§t  Jöunberbar,  $atl), 
Äraft,  £etb,  (5it)ig^23atev,  griebefürft;  auf  ba§  feine  £en> 
fd^aft  groß  toerbe,  unb  beö  griebeng  fein  (Snbe,  auf  bem 
©tuf)t  3>amb8  unb  feinem  Königreiche;  i>a$  er'§  äuridjte 
unb  ftärfe  mit  ©ertdjt  unb  ©eredjttgfeit,  t)on  nun  an  big 
in  Sftigfeit.  ©oldjeS  tt>irb  tljun  ber  Sifer  be§  £erm  3^s 
baot^  3^™  3*f-  U:  Unb  e§  tüirb  eine  SKutfje  aufgeben 
Don  bem  ©tamm  3fai,  unb  ein  3^0  ^uö  feiner  SSBurjct 
gruebt  bringen,  auf  meinem  toirb  ruf)en  ber  ©eift  be8 
£errn  K.  @r  toirb  mit  ©erec^tigfeit  rieten  bie  Sirmen, 
unb  mit  ©eriebt  ftrafen  bie  Sienben  im  Öanbe;  ba£  tft, 
ba^u  fyat  ©ott  feinen  ©ofm  jum  £eilanb  ber  2Belt  gefegt, 
ba§  er  in  feinem  geiftütfjen  $ei$e  ©ericfjt  unb  ©ererf)tigfeit 
übe,  ba§  ift,  bie  ©ünbe  austilge,  unb  burd)  feinen  ©e* 
Ijorfam  ben  2Jienfd)en  geregt  macbe.  %ttrn  3cf,  32:  ©telje, 
eS  ttnrb  ein  König  regieren,  ©erec^tigfeit  anzurichten,  unb 
gürften  werben  fjerrfdjen,  ba$  9ie$t  ju  Ijanbfjaben;  ba§ 
jebermann  fein  mirb  als  einer,  ber  öor  bem  SBinbe  btroofy* 
ret  ift.  3*em  3ef.  42:  @ie^e,  i>a3  ift  mein  Äneef)t,  i$ 
erhalte  ü)n,  mein  Sluöermä^Iter,  an  toelcbem  meine  ©eele 
2öof)lgefaHen   £at.    3$  f>a&e  t^m  meinen  ©eift  gegeben, 


19S 

er  tovtb  ba8  $edu  inner  bie  Reiben  bringen.  Jtem  3*f.  49* 
63  ift  ein  @eringe§,  bafj  bu  mein  Änedu  6ijl,  bie  Stämme 
Sacob*  aufjuridnen,  unb  baö  i^mnabrloftc  in  Sfrael  mieber 
ju  bringen;  fonbern  icfi  habe  bid)  and)  511m  Sid)t  ber  #et* 
ben  gemadn,  bo|  bu  mein  £ctl  feiefi  b\$  an  ber  SBelt 
Snbe,  '$rem  3*f«  50:  3$  freu  meinen  Üiücfen  bar  benen, 
bie  midi  fdUugen,  unb  meine  Sangen  benen,  bie  mid) 
rauften;  mein  Stngeftdu  betbarg  i$  nid)t  t>or  Sdjtnad) 
unb  Speidiel.  ^tem  3*f«  53:  Senn  er  fein  Ücbm  $um 
©dmlbopfer  gegeben  bat,  fo  wirb  er  Samen  baben,  unb 
in  bie  Sänge  leben,  unb  %tS  #errn  iunnebmen  wirb  burd) 
feine  $anb  fortgeben;  baö  ift,  ©ort  ttrirb  bie  ©laubigen 
burd)  (Jbnfti  £anb  feltg  madum,  unb  nidit  burd)  ibre  felbfl 
eigenen  iinufe.  3tem  3er*  23 :  Siebe,  c$  fommt  bie  3ett, 
fpridu  ber  $err,  bafj  ich  bem  ratnb  ein  geredu  @eumd)S 
ermeefen  will;  unb  fofl  ein  König  fein,  ber  inoljl  regieren 
mirb,  unb  Oiedn  unb  Gnnednigfeit  auf  (rrben  anrid)tem 
3iem  &efef,  34:  Unb  ich  ttrifl  ihnen  einen  einigen  Ritten 
enm\fen,  ber  fie  meiben  fotl,  namlidi  meinen  Smart  Tw- 
ötb;  ber  wirb  fie  roeiben  unb  foU  ibr  #irte  fein,  unb  id), 
ber  Vcxx,  null  ibr  &on  fein;  aber  mein  Kne$t5)atrib  foQ 
ber  Jürfr  unter  ihnen  fem.  Jtem  Dan,  9:  ?iacb  jmet 
unb  fed^ig  ISodkn  wirb  (Jfmfm*  ausgerottet  werben,  unb 
nidu*  mebr  fem.  ^stem^of.  3:  Tarnadb  werben  fidi  bie 
Kinbet  3frael  befebren,  unb  ben  #emt,  ibren  ®ott,  unb 
ihren  König  Datrib  fud)en;  unb  werben  ben  Ferren  unb 
feine  ©nabe  ehren  in  ber  (e$ten  ^cn.  ^rem  30W($.  2: 
@l  ttrirb  ber  Durchbrechet  oor  ihnen  berauf  fahren,  fte 
werben  biirdibredien  unb  511m  Sinn*  au*  unb  einrieben; 
unb  ihr  König  wirb  tun  ihnen  hergeben,  unb  ber  £err 
Dorne  an.     Astern  5a*.  9:    Du  loduer  3^n,   freue  bid) 


199 

fel)r,  unb  bu  Zotytex  3^ufalem,  jaud)je;  fte^e,  bein  Äönig 
fommt  511  bir,  ein  ©ered[)ter  unb  ein  Reifet.  3tem:  35u 
läjfeft  audE)  burd)3  SBIut  beineS  23unbeä  auS  beine  ©efan* 
genen  auö  ber  ©rube,  ba  fein  2öaffer  innen  ift 

£)tefe  unb  bergleicben  gewaltige  Sßeiffagungen  alter 
$ropf)eten,  tx>ie  fte  allein  auf  Stmftum  beuten,  ba$  er  ber 
5tönig,  ber  £irtc,  ber  £ot)epriefter,  ber  £eilanb  unb  SRitt* 
ler  k.  fein  foüe,  ber  alle  2Belt  erlöfen,  bie  ©ünbe  üertitgeu, 
£eil  unb  @ered)tigfett  wteberbrtngen  unb  ben  üKenfdjen 
fetig  mad?en  fotl;  alfo  üerbammen  unb  ftrafen  fte  ganj 
ernftlid)  aller  9flenfd[)en  $ort)aben,  bamit  fte  ftd?  felbfi  t>or 
©ott  gerecbt  machen  sollen,  $>enn  ba§  id)  $auli  Spruch 
©al.  2  immer  wiebert;ote :  ©0  wir  burdE)  bie  2öerfe  be£ 
©efeßeö  gerecht  werben,  fo  ift  ßfmfftig  oergebenö  jum 
Äönig  unb  Mittler  üerorbnet,   fcergebenö  SKenfd)  worben- 

2Iuö  bem  neuen  Jefiament  wollen  wir  aud)  etliche 
Sprüche  t)om  2lmt  (Xfiriftt  attfjie  einführen,  auf  i>a§  wir 
befto  weniger  Urfadj)  fmben,  an  Gfjrijti  ©erecf)tigfeit  ju 
jweifeln  ober  tf)m  feine  Gf)re  <$u  nehmen.  ©0  fagt  nun 
ber  ßngel  ©abriet  Wlattfy.l:  ©ein  Otame  foll  ^uö  feigen, 
benn  er  wirb  fein  $olf  feiig  macfien  t)on  ©ünben.  2)ie 
©eligfeit  ift  öor  ©ott  gerecht  fein ;  fo  benn  S^rijiuö  fo(cf)e§ 
tf)ut,  fo  tbun'3  nicbt  unfere  2öerfe.  %tem  ßtmfiuä  fpridjt 
SKattf).  20:  De3  sJRenfd)en  ©olm  ift  nid)t  fommen,  ba# 
er  i&m  bienen  laffe,  fonbern  ba%  er  biene,  unb  gebe  fein 
öeben  ju  einer  ßrlöfung  für  Diele,  ;Uem,  ber  (Snget  fpricfyt 
Suc.  2:  ©tefje,  id)  uerfünbige  eud)  gro§e  ftreube,  bie  allem 
$olf  wiberfafjren  wirb;  benn  eud)  ift  fjeute  ber  ^eilanb 
geboren,  welcher  ifi  6fmftu3  ber  #err.  %tem  ©imeon: 
$)enn  meine  5lugen  t)aben  beinen  #etlanb  gefetjen,  welchen 
bu  bereitet  f>aft  t)or  allen  95ölfern.    3tem  2uc.  24:    9ltfo 


200 

ijtö  getrieben,  unb  a(fo  mu§te  ßfjrifiug  leiben  unb  auf* 
erflehen  am  brüten  Jage,  unb  in  feinem  tarnen  prebigen 
laffen  93ufje  unb  Vergebung  ber  ©ünben.  Stern,  3of)än* 
neS  ber  Säufer  fpridjt  3°*)*  1:  ©ie&e,  ba§  ifi  ©otteS 
ßamm,  meld)e3  ber  2ßett  ©ünbe  trägt.  %km,  ©fmfhig 
ftmcfct  3of),  3  felbfl  fcon  feinem  »mt:  £>enn  ©ott  &at 
feinen  ©oljn  nicftt  gefanbt  in  bie  2ßelt,  bag  er  bie  2Bett 
richte,  fonbern  ba§  bie  Jöelt  burd)  ifm  feiig  merbe.  3tem 
betrug  fpri^t  Jo^  6:  3)u  ^afi  2Borte  beö  emigen  2eben£, 
unb  mir  tjaben  geglaubet  unb  erfannt,  ba§  bu  bift  Sfm* 
jlu§,  ber  ©ofm  be§  lebenbigen  ©otteö,  3^m,  abermal 
fpricbt  (S^ripuS  3of).  14:  3*  bin  ber  2öeg,  bie  2Ba&r&eit 
unb  ba$  Seben;  niemanb  fommt  jum  2Sater  benn  burd) 
mid).  ^Um,  $etru3  fpricbt  2lpoji  4:  @g  ijl  in  feinem 
anbem  #eil,  ifi  and)  fein  anberer  -ftame  ben  SRenfc^en 
gegeben,  barinnen  mir  follen  feiig  merben,  benn  ber  !ftame 
3efu3-  3tem,  $aulu3  ifiöm.  3 :  2öir  merben  obne  Sßerbienft 
gerecht  au§  feiner  ©nabe,  burd)  bie  ßrlöfung,  fo  burcf) 
ßljrijium  3efum  gefdjeljen  ifl,  melden  ©ott  fjat  tmrgeflellt 
$u  einem  ©nabenfiuf)L  %ttm  1  3°f)-  2:  Ob  jemanb 
fünbiget,  fo  fwben  mir  einen  $ürfpred[)er  bei  bem  $ater, 
3efum  ß^riftum,  ber  gerecht  tfi,  unb  berfelbe  ift  bie  95er= 
föfmung  für  unfere  ©ünbe,  nid)t  allein  aber  für  bie  unfere, 
fonbern  aucb  für  ber  ganzen  Söelt  :c 

3)iefe  unb  bergleicfjen  unjä&lidje  ©prüdje  unb  3^ug* 
niffe  ber  $ropf)eten  unb  Styoftel  öon  bem  2lmt  %tf\x 
Qfyxifti,  ba§  ©ott  tfm  allein  jum  Äönig,  jum  £of)enpnefler, 
jum  Mittler,  jum  SSerföfmer,  jum  $ürfpred)er,  ^um  Dpfer 
für  bie  ©ünbe,  jum  ©nabenftuf)!,  jum  #ei(anb  ber  2ßelt, 
jum  (Srlöfer  unb  ©eligmacfjer  gefegt  f)at,  mie  audf)  bie 
beilige  ©djrift  senget,   bafj  %tf\\8  (£t)riftu3  fold)  fein  2lmt 


201 

gefüt;ret  unb  allein  auögeridjtet,  burd?  fein  35lut,  ßeiben, 
(Sterben,  2luferftef)ung  ben  Born  ©otteö,  fo  mir  erregt 
Ratten,  fcerföbnet,  ben  $iud)  be§  ©efe|e£,  ber  un3  brücfte, 
aufgehoben,  bae  jReid)  ber  ©ünben  unb  be$  6atan3,  fo 
unö  gefangen  t)ielt,  jerftöret,  ©eredjtigfeit  unb  Seligfeit, 
beren  mir  mangelten,  ermorben,  unb  er  alfo  allein  für  im 8 
bie  Äelter  getreten,  aud)  allein  ben  tarnen  führet  Jeljoüaf;, 
unfere  @ered)tigfeit;  —  ermeifen  nun  aufS  aflergemaltigfie, 
baß  ber  9Kenfd)  nidjt  burd)  feine  guten  2ßerfe,  £eiltgfeit 
ober  ©efyorfam  oor  ©ott  geregt  merbe,  fonbern  ha$  alle, 
ik  ta  feiig  merben,  allein  in  Gfjrifto  %tfu,  bem  einigen 
Mittler,  Dor  ©ott  im  ©lauben  geregt  ftnb,  obne  eigen  25er* 
bienfi  unb  Jßerfe;  benn,  mie  mir  broben  auö  bem  Slpoftel 
$au(o  beriefen  fjaben,  ein§  mu§  aüt)ie  meinen,  entmeber 
bie  JBerfe  be£  ©efe|e§  ober  ba$  ganje  Slmt  3efu  G&rifti. 
Söerben  mir  burd)  ben  ©efmrfam  %tfu  (grifft  üor  ©ott 
geregt,  fo  ift  unmöglich,  ba$  unfere  JBerfe  folften  bie 
©erec^tigteit  fein,  bie  t)or  ©ott  gilt;  merben  mir  aber 
burd)  bie  2ßerfe  beö  ©efe£e3  gerecht,  fo  ift  t>ergeben§, 
umfonfr  unb  oerloren  alleg,  ma3  ©otte§  eingeborner  ©of)n, 
3efuö  ßbrijtuö,  getfjan  unb  gelitten  Imt  auf  örben.  Denn 
alfo  rebet  $aulu3  ©al.  2:  ©o  burdE)  baS  ©efe|  ©ered)tig* 
feit  fommt,  fo  ift  6briftu3  üergeblicb  geftorben.  %tem 
©al.  5:  %l)x  fyabt  ßfmfium  verloren,  bie  if)r  burd)  ba§ 
©efei$  gered)t  merben  motft,  unb  feib  oon  ber  ©nabe 
gefallen.  9cun  ift  aber  unmöglich,  ba§  Stjrijtug  oergebeng 
geftorben  fei  unb  fein  gan^eg  3lmt  umfonft  geführt,  unb 
alle  ©d^rift  öom  2tmt  ßfmfii  falfd)  unb  erlogen  fein  folltem 
£>arau§  benn  unmiberfpredjlid)  folget,  ba§  fein  SRenfd) 
burd)  ferne  2Berfe  ober  ©efjorfam  ttor  ©ott  fönne  gerecht 
merben,  menn  er  gleid)   alle  guten  2ßerfe  fyätte,   fo  oon 


202 

Slbam  unb  allen  VßxopUkn,  Stpofteln,  Wlixxtymn  unb 
gläubigen  Sljriften  je  gefcbeljen  ftnb;  benn  ba$  Seiben 
unb  ber  ©elmrfam  beg  ©ofweö  ©otteö  3efu  Gfmjti  ifi 
tnetmal  ^eiliger,  l)öl)er  unb  teurer  ju  achten,  benn  aller 
(Sngel  unb  aller  gläubigen  TOenfcfyen  gute  Söerfe, 

Studie  fotl  nun  au*  ein  gottfeligeg  #erj  in  ©otteg* 
furcfjt  betrauten,  meldte  verbammte  unb  erfd)recflidt)e  2äfie* 
rungen  unb  ©reuet  auö  ber  päbfllidjen  ßebre  folgen,  inbem 
fte  vorgeben,  ba%  ber  $Renfd)  burd)  feine  guten  2Serfe  unfc> 
©eljorfam  vor  ©ott  geregt  merbe  unb  bie  Seligfeit  erlange. 

Qenn  für§  erfte,  Vermerfen  fte  bamit  ba§  ©lutvergie* 
$en,  ßeiben  unb  Sterben  unb  allen  ©efmrfam  beö  ©ofjneg 
©otteö,  3efu  ßfmfit,  vernid^tigen  fein  gan^eö  Stmt,  baju 
er  von  ©ott  gefanbt  ift,  rauben  ilnn  feine  S^re  unb  £err* 
licfcfeit,  bie  ifmi  von  ©ott  bem  33ater  gegeben  tft,  verleug- 
nen bie  ganje  fjeilige  Scfmft,  aüe§,  mag  bie  $ropf)eten 
t)om  Slmt  Sfrnfii  gemeiffaget  unb  bie  5tyoftel  unb  (Svan* 
gelten  von  bemfelben  bezeugt  tjaben;  i>a$  ifi  je  fdbrecfltd) 
311  benfen.  Unb  ob  nun  bierüber  Martin n§  ßifengrein  in 
feinen  läfterlid)en  $rebigteu  gro§  ©efdjrei  unb  ©eplärr 
machet,  aud)  heftig  flagt,  aU  träten  bie  2utf)erifd)en  ben 
$abfitt$en  Unrecht,  ba§  mir  fie  befdmtbigen,  fte  fjaben 
<£l)riftum,  ben  SRittler  unb  £>eitanb,  n\6)t  erfannt,  t)on 
feinem  SSerbienft  unb  2ßobltf)aten  nid)t  geletjret,  ba§  mir 
baburd)  Vergebung  ber  ©ünben,  @ered)ttgfeit  unb  emige 
Seligfett  Ratten,  fonbern  alle  2öo^ltf)aten  ßbrtfti  verbunfelt 
unb  fein  ganje§  9lmt  verleugnet;  unb  bann  vermeint,  t>a$ 
SBiberfpiel  bamit  ju  bemeifen,  ba§  Petrus  Lombardus, 
Thomas  Aquinas,  Durandus,  Gerson,  Gabriel  Biel  unb 
anbere  päbftlidje  Sefjrer  biömeilen  Sfjrijft  gebaut  unb  etliche 
leibliche  Sprüdje  vom  25erbienft  unb   2Sof)ltf)aten  G&rtfli 


203 

gefeftt  tjaben,  fo  l)at  bod)  fold)  ©efd^rei  feinen  93eftanb, 
unb  ftnb  nur  lebige  Kettenblätter,  bamit  er  bie  ungeheuren 
©reuet  be3  $abfitf)um§  üermeint  ju  becfen.  £)enn  ba£ 
fann  toeber  ßifengrein  nodj  fein  $äbftler  leugnen,  ba§ 
man  im  $abfttf)um  bie  ©erecfjtigfeit  unb  ©eligfeit  auf  bie 
guten  2öerfe  gefegt,  unb  nach  ben  (äfterfidjen  betreten  beö 
trientifdjen  ßoncilii  nocf)  fetjet.  2öie  aud)  (Stfengrein  felbfi 
in  feinen  undmftfid^ert  ^rebigten  enblid)  ben  2ßagen  alfo 
fjerum  führet,  ba$,  ob  er  gleid)  t>on  ©otteö  ©nabe  unb 
(grifft  SSerbienft  nur  jum  Schein ,  unb  ben  Einfältigen 
eine  9kfe  ju  brefjen,  anfallet,  bod)  alfo  befd)leu§t,  ba$  ber 
SKenfcb  burd)  fein  $euen,  Seilten,  ©enugtfmn,  ftrommfein 
t)or  ©ott  geredet  unb  fetig  fei.  2lu3  freierem  benn  ber 
©eift  ©otteS  in  $aulo  felbft  alfo  fd)leu§t,  ba§  folc^e 
Sßerflebrer  (£t)ri|ium  verloren  Ijaben,  t)on  ber  ©nabe  ge* 
fallen  finb  unb  Gfmfft  23lut,  Job  unb  2Iuferflef)ung  Der* 
leugnen  unb  verwerfen.  Ebener  ©eftalt  ftnb'g  lebige  2öorte 
unb  mie  ein  ©efpenft,  jum  betrug  abgerichtet,  ba$  An- 
dradius  vorgibt,  burd)  bie  8ef)re,  tay  ber  9Jtenfd)  burd) 
feine  Sßerfe  gerecht  toerbe  öor  ©ott,  merbe  (ii)x\\to  feine 
(5f)re  fo  gar  nicbt  genommen,  ba$  fie  vielmehr  baburd) 
tt)ad)fe  unb  ftd)  vermehre.  3)enn  toenn  (Efirifli  23(ut,  Job 
unb  ganzer  ©eborfam  verleugnet  unb  verworfen  nnrb,  \v\t 
bie  $äbftlid)en  tfmn  nacb  bem  3^gni§  $auli,  fo  ijl  i^m 
je  alle  Sbre  geraubt  unb  geftofjlem  S)te  elenben  $apiften 
meinen,  wenn  fte  gleid)  miber  alle  Vernunft  reben,  btn 
lob  Öeben,  fdjtoarj  meiß  feigen,  fo  muffe  man  ibnen 
bennod)  ©lauben  geben;  aber  ßfmflo  3^fu  fa  erotg  ^anf 
gefagt,  ba§  er  um  bie  2(ugen  eröffnet  unb  burd)  feinen 
beüigen  ©eiji  jur  ^eiligen  ©dmft  geführt  f)at,  tt>eld?e  im 
Setrug  be§  leufelö  entbecft  unb  ju  ©dwnben  madjjet 


204 

$ür§  cmbere,  bie  $abfllicf)en  verwerfen  nifyt  allein 
i>a$  ganje  2lmt  unb  alle  2Bot)ltf)aten  ßfmjtt,  fonbern  legen 
ttjm  fjergegen  ein  fjäfjlidf)  abfcf)eu(icf)  5lmt  ju;  benn  tnbem 
fxe  bie  ©ered)ttgfett  unb  ©ettgfett  mtf)t  in  ßfmfto,  fonbern 
in  ifjren  eigenen  ffierfen  fachen ,  madjen  fte  aug  Gfjrifto 
einen  ©efe^treiber,  ©ünbenbiener,  Slnfläger,  ftrengen  $idj* 
ter,  ber  fommen  fei,  i)k  2ße(t  ju  tterbammen,  fefjren  alfo 
©otteg  allerljeilfamfle  Drbnung  ftracfS  um,  machen  au£ 
bem  2lr§t  einen  Serberber,  a\x$  bem  £>eilanb  ber  3ßelt  ben 
größten  $emb,  au$  bem  gürfpredjer  unb  Mittler  einen 
2ln!Iäger,  auö  bem  ©eligmadjer  einen  ftrengen  ©cbarfricf)ter, 
au§  bem  Äönig  be§  $rtebeng  einen  Äned[)t  beö  göttlichen 
3orn§,  unb  in  Summa,  au§  bem  dürften  beö  2eben# 
einen  Urfadber  be§  ewigen  £obe3  unb  53erbammni§.  3)enn 
ein§  mu§  fein,  ba%  G&rifiuS,  ©otteö  8olm,  in  bie  SÖelt 
fommen  fei,  entmeber  ju  unferer  ©eligfeit  ober  ju  unferer 
55erbammni§;  baber  er  felbfi  fagt  3o^  3:  $)enn  ©ott 
fyat  feinen  ©olm  nifyt  gefanbt  in  bk  2öelt,  ba§  er  bie 
2öe(t  richte,  fonbern  ba§  bie  Jöelt  burdf)  iljn  feiig  tterbe, 
als  wollte  er  fagen:  ein§  mu§  oon  beiben  fein.  Unb  ba§ 
ift  bie  Urfacfje,  ba§  bie  Papillen  fo  triel  ÜÄittel  erbaut  fjaben; 
benn  fie  Slmflum  für  einen  ftrengen  SRidfjter  fjaben  geartet 

gür§  brüte,  bte  päbfilirfjen  2öerflef)rer  flogen  nicf)t 
allein  ßlmjium  t)on  feinem  ©tuf)(  unb  2lmt,  barein  ifm 
©ott  felbft  gefegt,  fonbern  feigen  ftdf)  felbfi  unb  bte  2ßerfe 
ibrer  £änbe  an  Stmfii  Statt,  bie  fte  bann  aud)  nnber 
©otteS  »efe&t  anbeten;  benn  ba  ©ott  fpric^t  $f.  2:  3$ 
babe  meinen  Äönig  eingefe^t  auf  meinen  fälligen  93erg 
3ion,  ba  fprid)t  ein  Q3apifi :  (£ljrifiu3  fofl  mein  Äönig 
ni$t  fein,  ber  mtcf)  geregt  mad^e,  fonbern  meine  Jßerfe 
follen  mein  Äönig  fein  unb  mt$  jur  ©eligfeit  bringen. 


205 

3>a  ber  ßngel  fpric&t  0Ratt&.  1:  ®t  foli  3efu§  feigen, 
benn  er  toirb  fein  95olf  felig  mad)en  oon  ©ünben,  ba 
fpridbt  ein  9Jtönd):  3$  bebarf  beö  3efa3  nic^t,  mein 
ga|ten,  Seien,  Älojterleben  unb  guten  Sßerfe  fxnb  mein 
3efu§,  bie  mi$  öon  ©ünben  felig  machen.  Da  ©ott 
felbft  fpric^t  3ef.  49 :  (Stjrifluö,  fein  eingeborner  ©o^n,  fei 
fein  £eil  big  an  ber  2öelt  Snbe,  ba  fpric^t  ein  elenber 
$äbjtier,  er  toolle  fein  felbjt  £eü  fein,  unb  fid)  mit  feinen 
guten  2Berfen  t)or  ©ott  geregt  machen.  2öie  fdjrecflid) 
nun  biefe  ©reuel  fmb,  ba$  ein  3D?enfd)  (grifft  gefu  2lmt 
foli  t>em>erfen,  feine  23Bo^lt^aten  üernid^tigen,  bie  <8$rift 
verleugnen,  au§  ßtmflo,  bem  £eifanb,  einen  ©ünbenbiener 
unb  ®d)arfri$ter  mad)en,  feine  unartigen  Jßerfe  anbeten 
unb  an  ßtmjli  Statt  e^ren,  ba$  ift  bod?  mit  2ßorten  md)t 
au^jureben. 

Darum,  o  3efu  ßlmfte,  etDiger  unb  allmächtiger  ©ott, 
einiger  #eilanb,  ÜJiittler,  Serfö^ner,  Äönig  unb  £ol)er* 
priejler,  bu  gürjl:  bes  Sebenä  unb  einiger  23runn  ber  ®e* 
ted)tigfeit,  bü)\\tt  un8  burd)  beinen  ^eiligen  ©eift  oor  ber 
graufamen  Säfierung  ber  $apiften,  unb  erleuchte  unä  in 
beinern  2öort,  i>a%  tx>ir  beine  fiberfcf)tr>änglid^eri  2Bof)ltl)aten, 
bein  bitter  Öeiben,  331utt)ergie§en  unb  ©terben,  beinen  aller* 
fmligften  ©efjorfam  verfielen  unb  erfennen,  barin  unfere 
©erec^tigfeit  unb  allen  £rofi  fu$en,  unb  all  unfer  25er* 
trauen  nid)t  auf  unfer  2öerf,  uoeldje  unrein  ftnb,  fonbern 
auf  bein  allerfieiligjleö  SSerbienft,  na$  beinern  2ßort  jlet§ 
fegen,  unb  burd)  bid;  im  rechten  ©lauben  bie  ettuge  @e* 
ligfett  erlangen.    2lmen. 


fie  ftebcnic  frrtigt 


2)ic  t)icr  ©rünbe,  fo  mir  biäber  geführt,  unb  barauS  ftarf 
erwiefeu ,  ba§  mir  nicfyt  auS  Serbienft  ber  Söcrfc,  fonbern 
auö  lauter  ©nabe  ©otteä,  t>on  wegen  be8  DJitttlerS  3^fu 
(grifft,  allein  burd)  ben  ©lauben  an  it;n,  geregt  unb  felig 
werben,  finb  fo  ganj  mfy,  ba§  fte  bie  gange  ©dmft  in 
ftd)  faffen.  Denn  ba£  finb  geim§H<$)  bie  £auptlct;ren,  üon 
melden  bie  <5d;rift  banblet  ßrfllid)  öom  ©efefc,  welcbeg 
©ottcS  ©eriebt  offenbaret,  barnad)  t>on  ber  ©d;wad)f)eit 
unb  Derberbten  Statur  beö  Sttenfdjen,  jum  brüten,  *>on  ber 
2krl;eifnmg  beö  Güangelii,  barin  un8  ©ott  bie  ©cred&tig* 
feit  unb  Seligfeit  ofyne  iuubienft  aufä  gnäbigftc  anbeut, 
jum  Dierten,  t>om  9lmt  unb  2öol)ltbaten  %tfu  (ßjjrijtt, 
welcher  unö  aÜeS  #eii  unb  ©etigfett  erworben  f;at,  unb 
ber  einige  ©nmb  iji,  auf  weldjem  aller  £roft  beruftet. 
Herwegen  wirb  audj  obgefefcte  Argumente  niemanb  in  bk* 
fem  fiebert  Ieid)tlid)  auslernen  fonnen,  fonbern  ünmerbar 
mel;r  unb  mein  iroftS  unb  ©tärfung  barin  ftnbcn. 

9hm  wollen  wir  mit  ©otteö  #ülfe  nod;  etliche  me^r 
©rünbe  unb  23eweifung  unferer  Seine  öon  ber  {Rechtferti- 
gung, bie  nid)t  weniger  atö  bie  innigen  au$  ben  ©Triften 
ber  ^Jro^eten  unb  Kpojiel  genommen,  angießen«  80  füll 
nun  ber  fünfte  ©vunb  fein  ba§  3cugni§  be$  ^eiligen  ©ei* 
fteö  unb  aller  ©laubigen  ßvfalmmg;  barnad)  ber  fechte 
©runb  ber  übevfd)Wänglid)e  SKu$  unferer  {Rechtfertigung 
bind;  ben  ©lauben,  baß  ©ott  baburd)  aufS  I;öd)fte  gerül)* 


207 

niet  unb  unfere  ©eligfeit  auf3  geroiffefie  betätigt  wirb. 
3)er  ftebente  ©runb  ftnb  bie  l;cfJen  ©prüdje  unb  Beugniffe 
aller  ^vop^eten  unb  QlpofJel  &on  unfern*  SHecfytfertigung 
burd)  ben  ©tauben.  $>er  adE)te  fmb  aller  ©laubigen  unb 
93efe^rten  (Sjempef,  Don  2lbam  an  big  auf  ben  festen 
^eiligen,  ben  bie  ©djrift  fe(ig  fpridjt. 

©er  fünfte  ©runö, 
Seugnif?  6es  ^eiligen  ©eifies  fammt  6er  £rfal?rung. 

2)er  ^eilige  ©eift  fonbert  fid)  nimmer  t)on  ber  $ed)t* 
fertigung  be£  9Jtenf$en,  fonbern  tt)ie  er  ben  ©tauben  an* 
jünbet  unb  fdjaffet,  burd)  melden  tt)ir  geregt  werben,  alfo 
nimmt  er  aud)  burd)  ben  ©tauben  beö  9Jienfd)en  £erj  ein, 
als  feine  2öof)nung,  bamit  er  ferner  im  33efel;rten  erleuchte, 
regiere,  füfjre,  $reube,  triebe  unb  %tbm  in  if)tn  wirfe  unb 
il;n  mit  ©ott  üerbmbe.  3)enn  ©ott  madjt  bie  ©laubigen, 
fo  ftd)  ju  ©ott  belehren,  nid)t  allein  geregt,  fonbern  nimmt 
fte  auf  §ur  Äinbfcfyaft,  unb  ttufl,  ba§  fte  beö  götttidjen 
2eben3,  $reube,  ©eredjtigtett,  8id)t8  unb,  ftne  $etru§ 
2  $etr,  1  faßt,  ber  göttlichen  9iatur  tfjeitbaftig  toerben; 
bertoegen  geu§t  ber  emige  ©ott  feinen  fjeiligen  ©eifi  au* 
über  alle,  fo  an  %tf\\m  Sliriftum  glauben  unb  burdj)  btn 
©tauben  mit  ©ott  öerfö^net  unb  t>or  ifjm  geredet  werben. 
SZÖeldjer  ©eift  ©otteS  neben  bem,  ba§  er  im  ^e^en  ber 
©täubigen  ein  neueö  2id)t  unb  ©rfenntnifj  ©otteg  anjünbet, 
etoigeS  ßeben  fdwffet,  ju  aller  ©ottfetigfeit  rettet,  in  allerlei 
$ott)  unb  Xrübfal  tröftet,  in  allen  ©adjen  ben  ÜJlenfctyen 
untertoeifet,  in  aller  3(nfe$tung  ftärfet,  t)or  3rrt^um  unb 
<2ünbe  bewahret,  aud;  ba§  au3rid;tet,  ba§  er  ttne  ein  über* 
reidjteö  $fonb   ber  göttlichen  ©nabe  ben  2Jienf$en   t>er^ 


208 

fiebert  unb  bog  3*ugni§  im  £er$en  fpriefet,  ba£  tx>ir  mit 
<$ott  Derfö^net,  t>or  if)tn  gerecht,  jur  Äinbfdjaft  aufgenom* 
men  unb  ßrben  feien  ber  emigen  ©eligfeti  2öie  ber 
Stpojtel  $aulu3  an  Dielen  Orten  $euget,  al3  9Wm.  8: 
3^r  fmbt  nid^t  einen  fned)tli^en  ©eift  empfangen,  ba§  if)t 
eudj  abermal  fürd;ten  müßtet,  fonbern  ibr  f)abt  einen  finb* 
lieben  ©eift  empfangen,  burd)  meldten  mir  rufen:  2lbba, 
lieber  Sater;  berfelbige  ©eift  gibt  3e^(jni§  unferm  ©eift, 
ba§  toir  Äinber  ©otteg  ftnb. 

£ie  muffen  mir  nun  betrauten  unb  lernen,  mie  unb 
ixjoburcb  biefer  ©eift  @otte3  empfangen  mirb,  aud)  in 
tt)et$en  üflenfdben  er  fold?  3eugni§  gibt  Offenbar  ift, 
ba§  ber  ©eift  ©otteö  nt$t  bur$  bie  SBerfe,  fonbern  burefy 
ben  ©tauben  empfangen  toirb ;  be§gleii$en,  baf$  er  nidf)t 
in  benen  jeugt,  bie  mit  SBerfen  umgeben  unb  barin  bie 
©ered)tig!eit,  bie  öor  ©ott  gilt,  fu$en,  fonbern  t>ielmef)r 
in  benen,  fo  allein  bur$  ben  ©lauben  ofme  25erbienjl  ber 
SBerfe  in  3efu  Sbrifto  befennen,  ba§  fte  t)or  ©ott  geregt 
feien.  3)enn  $aulu§  fagt  auöbrücflid)  ©al.  3:  2luf  ba§ 
ber  ©egen  2lbrabam3  unter  bie  Reiben  fäme  in  Sljrifto 
3efu,  unb  tx)ir  alfo  ben  t)er^ei§nen  ©etjt  empfingen  bur$ 
ben  ©lauben.  ©o  benn  ber  ©eift  ©otte£  nid)t  burd)  bie 
SBerfe,  fonbern  burdE)  ben  ©lauben  empfangen  wirb,  unb 
berfelbige  ©eift  ©otteS  nimmer  jtd)  t)on  ber  ^Rechtfertigung 
beö  üRenfdjen  fonbert,  fo  folget,  ba§  auef)  bie  5Red)tferti* 
gung  be§  9Renfd)en  nid^t  gefd)ief)t  burd)  bie  2öerfe,  ba% 
aud)  baö  3eugni§  beö  ®eifte£  fc>on  ber  Äinbfdjaft  unb 
ewigen  @rbe  nid)t  leuchte  in  benen,  fo  burd?  bie  Sßerfe 
sollen  geredet  merben.  ©olcfceg  ifl  nid)t  allein  am  ber 
f>.  6$rtft  ju  bereifen,  alö  bie  ia  befennet,  ba§  bie,  fo 
tnit  Söerfen  umgeben,  unb  na$  bem  ©efe|  tooüen  geregt 


209 

toerben,  unter  bem  gtud?  be3  ©efe^eö  ftnb,  @al.  3,  unb 
t)on  ber  ©nabe  ©otteg  abgefallen,  ©aL  5,  fonbern  audj 
mit  aller  2öerf  ^eiligen  eigenem  $8efenntnij3*  £>enn  unfere 
SBiberfa^er  im  $abftt^)um  frei  befennen  unb  fagen,  fte 
tootlen  unb  fönnen  ft$  beffen  nid)t  rühmen,  ba§  ber  ^eilige 
©eifi  in  i^nen  moljne,  unb  atfo  gettu{3  in  iljrem  £erjen 
jeuge,  i*a%  fte  ©otteö  Äinber  unb  ßrben  ftnb  beö  ewigen 
SebenS;  menn  fte  ft$  au$  aufS  ^öd^jle  befleißen  aller 
guten  Sßerfe,  unb  bie  allerljeiligften  maren,  bennod?  bür* 
fen  fte  ni$t  fagen,  bafi  fte  ©otteS  ftinber  unb  Srben  ber 
©eligfeit  feien,  unb  ber  ©eifi  ©otteS  in  i^nen  toolme* 
SöeldjeS  ein  untt>tbertreibli$  Argument  ifi,  baß  niemanb 
burdt)  bie  SBerfe  fönne  &or  ©ott  gerecht  derben;  benn  in 
allen,  fo  mit  ®ott  öerfö^net  unb  t)or  ifjm  geregt  korben 
ftnb,  lebt,  too&net  unb  jeuget  ber  fjeilige  ©eifi,  i>a$  fte 
©otteö  Äinber,  ©liebmafcen  ßfmfit  unb  Srben  aller  l)imm* 
lifdjen  ©üter  ftnb,  unb  machet  fte  beffen  ganj  getxn{3,  ba§ 
fte  nic^t  baran  jtoeifeln,  als  bie  mit  bem  allertljeuerfien 
qSfanbe  ber  ©eligfeit,  baä  ifi,  mit  ©otteS  ©eifi  felbft, 
tterftcfeert  unb  üerftegett  ftnb;  toie  benn  bie  ^eilige  ©dEjrift 
an  fielen  Drten  un§  auf  biefeö  getxüffe  $fanb  unferS 
(Srbeö  reifet,  al#  @pf),  1:  £>urdE)  freieren  if)r  au$,  ba  t£r 
glaubtet,  üerjtegett  Sorben  feib  mit  bem  ^eiligen  ©eift  ber 
9)er^ei§ung,  tt)eld[)er  iji  i>a$  $fanb  unferö  (Srbeö  ju  unferer 
Grlöfung,  ba§  tx>ir  fein  6igenil)um  würben  su  2ob  feiner 
£errlid)feit.  (Srftlid^)  befennet  $auluS,  bafj  mir  atöbalb, 
menn  mir  glauben  unb  t>or  ©ott  geregt  werben,  im  Ijei* 
ligen  ©eift  empfangen;  baneben  nennet  er  um  baö  $fanb 
unfereö  ßrbeS  ju  unferer  (Srlöfung;  ia§  ift,  mie  ein  $fanb 
ben  ©laubiger  t>erftc|)ert,  bafy  i^m  feine  auSjieljenbe  ©$ulb 
ni$t  muffe  ausbleiben,  atfo  t>erft$ert  un§  ber  ^eilige  ©eifi, 

14 


210 

ba§  ung  bie  eroige  ©eligfeit,  in  ßfmfto  gefdjenft,  ni$t 
mag  fehlen.  %üm  2  (£or.  1:  ©ott  aber  ifl'ö^  ber  un3 
befeftiget  fammt  eudE)  in  (Sf;rifhim,  unb  unö  gefatbet  unb 
tterftegett  unb  in  unfer  #erj  baS  $fanb,  ben  ©eift,  gege* 
ben  Ijat  %km  2  (Eor.  5:  $)er  un§  aber  ju  bemfelbigen 
bereitet,  ba$  ift  ©ott,  ber  un3  ba§  $fanb,  ben  ©eift,  ge* 
geben  f)at  3tem  ©ad).  12:  3$  tr»tll  über  ba8  £au$ 
SDatoibS  unb  über  bie  93ürger  ju  ^erufatem  au£gie§en  tm 
©etft  ber  ©naben  unb  beä  ©ebetö.  £>en  ©eift  ber  ©na* 
ben  nennet  ber  $ropf)et  ben  ^eiligen  ©etft,  erfilicfy,  ba§  er 
auS  ©naben  gefdjenft  mirb,  jum  anbern,  ba$  er  unS  bie 
©nabe  unb  etoige  ©eligfeit  in  unfertn  $erjen  gert)i§  machet 
3tem  $öm.  5:  $)enn  bie  ßiebe  ©otteö  ift  au^gegoffen  in 
unfer  £erj  burd?  ben  ^eiligen  ©eift,  voelci)er  ung  gegeben  ift, 
3tem  @al.  4:  2öeil  i&r  benn  Äinber  feib,  &at  ©ott  ge* 
fanbt  ben  ©eift  feinet  ©of)n§  in  eure  £erjen,  ber  fdjreiet: 
2Ibba ,  lieber  $ater.  3^em  1  3°f)-  4-  Daran  erfennen 
tt)ir,  bafc  toir  in  if)m  bleiben,  unb  er  in  ung,  ba§  er  un§ 
üon  feinem  ©eifl  gegeben  fwt  9luö  biefen  ©prücfeen  er* 
fd)etnet  je  flärlid),  ba§  ber  ©eift  ©otteg  ntd)t  aHein  in 
allen,  fo  ftd)  ju  ©ott  befefjren  unb  burd)  bm  ©tauben 
öor  ©ott  geredet  werben,  tooI;ne  unb  fte  fübre,  fonbem 
aucE)  t>erfid)ere  unb  üerftegele,  ba§  fte  weiter  an  ©otteS 
©nabe  nidf)t  jtoeifeln,  fonbem  ba§  t)on  ifmen  fliegen  ©tröme 
beö  lebenbigen  2öaffer§,  fo  in  ba§  etoige  ßeben  quellen. 
3ol).  4  u.  7.  3Metoei(  nun  unfere  2Biberfad)er  im  $abft* 
iljum  nad;  aller  ifjrer  £eiligfeit  befennen,  fte  oerneI;men 
ba§  3^gni§  beö  ^eiligen  ©eifteö  nic^t  in  tfmen,  feien  nid^t 
getx)i§  ber  ©naben,  fonbem  jtoeifeln  an  bem  Srbe  ber 
©eligfeit,  fo  fd)(eu§t  ftd)1S  aufg  aflergeftaltigfte  unb  un* 
tt>tbetfpred)ltc$)fte,  ba§  fte  nicbt  gerecht  ftnb,  aud;  burd)  bie 


211 

Serfe,  al8  bie  bcn  2Renfd)en  fletö  im  3^)cifcl  (äffen,  nie* 
manb  oor  ©ott  möge  gerecht  werben, 

£ergegen  aber  rüfjmen  wir  mit  2öaf)rf)eit,  tüte  wtr'3 
benn  and)  auö  ©otteö  2Bort  gewi§  ftnb,  ba§  wir  (bie  wir 
nicf)t  burcf)  bie  2öerfe,  fonbern  aug  ©naben  twn  wegen 
be§  2Jtitt(erö  unb  £cilanbe§  Jjjefu  (£f)rifii,  allein  burd;  ben 
©lauben  Dor  ©ott  geregt  werben)  ba£  3eugni£  beö  ^eili- 
gen ©etfte£  in  un3  fjaben,  mit  ©ott  tterfofmet  ftnb,  einen 
gnäbigen  93ater  im  Fimmel  l)aben  unb  baö  Srbe  ber  ewi* 
gen  ©eligfett  unS  nicbt  fehlen  fönne.  $)enn  Weil  Wir  nic^t 
unfern  ©ebanfen,  fonbern  ©otte3  2öort  folgen,  unb  barau3 
fließen,  ba§  wir  in  (£f)rijto  Vergebung  ber  ©ünben  f)a* 
ben,  fo  mu§  je  foldjeö  beö  ^eiligen  ©eifte£  unb  nid)t  unfer 
3eugni§  fein;  fo  fjaben  wir  aud)  bie  ^ieubigfeit  in  Kfmfio, 
t)or  ©ott  ju  erfdjeinen,  unb  if)n  um  allerlei  ftot^burft  an* 
$ufpred)en.  2ßir  rufen  ju  ifjrn:  2lbba,  lieber  Sater;  wir 
Wiffen  unb  erfaf)reng,  ba§  er  un§  erhöre;  Weld>e§  a(ie3 
beö  ^eiligen  ©eifteö  3eugniffe  finb,  ba§  wir  ©otteö  Äinber 
ftnb,  fonft  tonnten  wir  im  ©lauben  nid)t  2lbba,  lieber 
SBater,  fdjreien.  3>a§  nun  bie  tl)örid)ten  $apiften  f;ierau3 
eine  5Bermeffenf)eit  machen  wollen,  wenn  ftd)  ein  Gtyrifl 
rühmet,  er  fjabe  ben  ^eiligen  ©eift,  fei  geregt  t)or  ©ott 
unb  ein  lebenbigeö  ©liebma§  beö  Üeibeö  3efu  (Sfmfii,  ift 
eitel  fmbnifcbe  33linbf;eit;  benn  ©ott  £at  augbrüdlid)  3oel2 
t>ert)et§eu,  ba§  er  feinen  ©eift  burd)  fein  2öort  über  alle, 
fo  baö  Jßort  annehmen,  gießen  Wolle,  2Iud)  fagt  $aulug 
mm.  8:  2Ber  (£t)riftuö  ©eift  nicf)t  f)at,  ber  ift  nid)t  fem. 
3tem  $au(u3  ^euget  1  (Eor.  12,  ba§  niemanb  fönne  3^5 
fum  einen  Ferren  nennen,  of)ne  burd?  ben  I;eiligen  ©eifi 
3tem  (Sfmfhiö  fprid)t  3<$,  14,  er  wolle  ben  2Sater  bitten, 
baft  er  unö  ben  Xröfter,   im  fjeiligen  ©eift,  gebe.    3tem 

14* 


212 

$aulu3  @al.  4:  ffieil  il)r  benn  ftinber  feib,  fo  fwt  ©ott 
bcn  (55eifl  fetneg  ©ofweä  gefanbt  in  eure  £erjen,  toeldjer 
f freiet:  9lbba,  lieber  23ater.  Unb  bie  ganje  ©dfjrift  jeuget, 
bafj  alle,  bie  an  Gfjriftum  glauben,  ben  Zeitigen  ©eifl 
empfangen.  Darum  tfi'g  feine  93ermeffenl)eit,  toenn  ein 
(Sfjrift,  ber  bem  ßtwngelio  glaubet,  ftd)  rühmet,  ba%  er 
eine  2Bol)nung  fei  be§  ^eiligen  ©eifle3,  fonbem  ifi  öietmefjr 
ein  getoif$  3^^^n  feines  redjtfdwffenen  ©laubenS,  ©o 
genrif  nun  einer  bei  jtdj  felbfi  fann  f$lie§en,  ob  er  bem 
(Sfcangelio  Jefu  G^rijii  glaube  ober  ni$t,  alfo  getoifji  fann 
er  audj  mit  2Bal)rl)eit  fagen,  ob  er  btn  Zeitigen  ©eift  Ijabe 
ober  ni$t.  Dietoeü  benn  bie  ^Rechtgläubigen,  fo  allein  in 
3efu  ßlmfto,  ofme  Serbienfi  unb  2ßerfe,  bie  @ered)tigfeit 
fu$en,  in  iljnen  empftnben,  t>a%  ber  ^eilige  ©eift  ifjrem 
©eifi  3^ugni§  gibt,  ba§  fte  Äinber  ©otte§  ftnb,  fo  ertoeift 
ft^'e  au*  gewaltig,  ba§  tx>ir  olme  23erbienjt  ber  2ßerfe, 
allein  burd&  im  ©lauben,  geredjt  unb  feiig  werben;  benn 
fonft  ttmrbe  ba§  3eugm§  beö  ^eiligen  ©etfieg  ntefet  folgen. 
S)a§  aber  folc^e  93erftdjerung,  SBerfiegelung  unb  Beugnij} 
iti$t  ein  Jrrtlmm  nod?  ein  gemalter  2öabn  fei,  erfdjeinet 
au3  bem,  ba§  e§  ni$t  mit  ber  Vernunft  fitmmt,  ober  auö 
berfelben  xvixtyöt,  fonbem  auf  ©otteg  Sffiort  fid)  grünbet 
unb  baS  £er$  jufrieben  pellt  2Bie  benn  au$  auf  bag 
3eugni§  beö  fjeiligen  ©eipeg  foldje  ©rfal;rung  folget,  ba% 
ber  ©laubige  im  ^erjen  ben  Irojl  be§  (Stmngelii  empftnbet 
unb  fügtet,  ba§  bie  Slngfi  beg  ©eft)iffen§  nachäffet,  bag 
^erj  fid?  jufrieben  gibt,  erf^rieft  ni$t  meljr  t>or  ©otteS 
3orn,  fonbern  t>erfiel;et  f\ü)  aller  ©naben  ju  ©ott,  ifi 
nimmer  be3  ©atanS  unb  ber  ©ünben  ©efangener,  fätjet 
an,  ©ott  ju  lieben,  erfreuet  unb  rühmet  fi$  in  ©ott; 
tteldjeS  eitel  $rü$te  finb,  fo  auö  ber  9iedE)tferttgung  folgen* 


213 

ÜBenn  mir  nun  burdf)  ben  ©tauben  an  (Sljrijlum  nid)t 
follten  geredet  werben,  (o  fönnte  foldjeö  Sieben  unb  greube 
au3  folget  ße^re  nic^t  folgen.  2Benn  man  eine  5?unjt  ober 
ßefjre  probtren  mill,  ob  jie  red)t  ober  falfcf)  fei,  fielet  man 
auf  bie  (Srfafjrung;  au3  ßügen  unb  93etrug  folget  nid)tö, 
2ßenn  bie  2llcfn;miften  vorgeben,  fte  motten  au8  ©über 
©olb  madjen,  läfjt  man  fte  eS  t)erfudE>en ;  trenn  man  nun 
fielet,  ba§  e#  mit  ifjrem  Mercurio  unb  quinta  essentia 
nirgenb  fort  mill,  fo  fpottet  if)rer  afle  Söelt,  unb  erfennt, 
ba§  e3  betrug  ifi  2öenn  aber  ber  2lr§t  fpric^i :  2>a3 
unb  baS  ift  gut  miber  bie  unb  bie  Äranffjeit,  unb  bemetfet 
fol$e3,  f)ilft  ben  Äranfen,  fo  fpüret  man  in  ber  Srfafjtung, 
ba%  bie  Äunft  re$t,  gemiß  unb  gut  fei.  2llfo  fönnen  mir 
unfere  ße^re  audt)  mit  ber  Srfafjrung  bemeifen.  3)enn 
Dormatö  im  $abfltf)um,  ba  mir  nod)  in  bem  3^um 
ftecften,  als  müßten  mir  burd)  unfere  guten  Jßerfe  gerecht 
unb  feiig  merben,  ba  blieben  mir  für  unb  für  Dotter  tfurdjt, 
9tngft  unb  ©djrecfen;  menn  mir  gleid)  atte§  gebeichtete 
ma§  mir  erbenfen  motten,  unb  atteö  getfwn,  ma§  un§ 
bie  Pfaffen  auflegten,  bennocf)  mar  ba  fein  triebe  beg 
©emiffen^,  empfunben  meber  $reube  nod)  ßeben,  ja,  je 
mel)r  ft$  einer  unterfianb,  mit  hartem  Älojterleben  feine 
©ünbe  su  hüfcn  unb  ©otte3  ©nabe  ju  Derbtenen,  je  mefjr 
bie  Slngjt  unb  gurc£)t  be3  £obe3  §unaf)m,  biö  ba§  enblid) 
Diele  barüber  in  25erömeiflung  gefallen  unb  fid)  felbjl  auS 
lauter  2lngfi  be3  ©emiffenS  umgebracht  Ijaben.  2öeld)e§ 
bod)  je  ein  gemiffe£  Slnjeidjen  ifi,  ba§  fot$e  päbfili^e 
Seljre  eitel  Öügen  unb  Setrug  fein  mu§.  Denn  au$ 
nochmals  Diel  unter  ben  ^apifien,  fo  über  biefem  3^rtl)um 
fleif  unb  fefi  Iwlten,  f^redlid)  Derjmeifeln,  unb  fann  feiner 
unter  allen  ^apifien  fagen  mit  2ßaf)rl)eit,  baß  er  au§  ifjrer 


214 

ßeljre  üon  ber  {Rechtfertigung  beftänbigen  Jroft  unb  $reube 
empftnbe,  al§  ba§  er  fein  $erj  ttor  ©ott  fttllen  fönnte. 
2öir  aber  empftnben'S  unb  erfafjren'S,  bafi  bie  2ef)re  t>on 
Vergebung  ber  ©ünben  unb  $ed)tfertigung  beö  ©laubenS 
magren  Jrofi,  $reube,  triebe  unb  Seben  an^ünbet;  alfo 
bafi  mir  mit  3efata  (L  61  fingen  fönnen:  Gaudens  gau- 
debo  in  Domino,  et  in  Deo  laetabitur  anima  mea;  quia 
induit  me  vestimentis  salutis  etc.  3$  fr^ue  m*$  *m  ^wrn, 
unb  meine  ©eete  iji  fröptf)  in  meinem  ©ott;  benn  er  l)at 
midE)  angezogen  mit  Kleibern  be§  £eil3,  unb  mit  bem  SRocf 
ber  ©ere^tigfeit  befleibet  it.  3tem,  mit  3)atrib  $f.  103: 
ßobe  ben  £errn,  meine  ©eete,  unb  ma§  in  mir  iji,  feinen 
{jettigen  tarnen;  ber  bir  ade  beine  ©ünbe  vergibt,  unb 
feilet  alle  beine  ©ebrecfjen  ic.  £)tefe§  ift  aber  mit  nidjten 
baJ)in  ju  üerflefm,  al§  festen  mir  unfern  ©lauben  t>on 
Vergebung  ber  ©ünben  bergeftait  auf  bie  ßrfafjrung,  ba§ 
mir  mdjt  efjer  bie  93erföl)nung  gtaubeten,  big  mir  im  £er* 
jen  füllten,  bafj  mir  mit  ©ott  fcerföfmet  mären.  Äeineg* 
mege§;  benn  unfer  ©laube  ru^et  titelt  auf  unferm  $üt)len, 
fonbern  auf  ©oiteg  Söort  unb  Sufagung,  unb,  mie  oben 
gemelbet,  ber  ©iaube  mu§  nict)t  allein  ba§  2öort  annef)* 
men,  menn  er  nifyt®  füllet,  fonbern  menn  er  gleich  ba$ 
2Biberfpiet  fügtet;  benn  er  mu§  l)offen,  ba  nid^tg  ju  tmffen 
ift.  2)a8  $üf)len  aber  folget  fjernacb;  menn  ber  ©laube 
ba§  2öort  angenommen  unb  ben  3ü>eifet  itn.  Äampf  über* 
munben  I)at,  aföbann  fommt  ber  Srofl,  rietet  fidE)  ba3 
#erj  auf,  ber  ©eift  ®otte§  jünbet  $reube  unb  triebe  an. 
Unb  foldEje  IjerrlidEjen  geiftlid^en  $rüdE)te,  fo  ber  Wlm\ä), 
ber  geredet  morben  ift  burdE)  ben  ©lauben,  empfinbet,  finb 
gemaltige,  unmiberleglic^e  Semeifung,  ba§  fotdEje  ße^re  unb 
©laube  redj)t  unb  t>on  ©ott  iji.    2öel$er  triebe  unb  l)of)e 


215 

$reube  ftrirb  in  ben  dEmfllidjen  SÄärtyrcrn  gefpüret,  in 
©tepfjamtS,  3gnatiu£,  JRomanu§,  $olt)carpu3,  23lanbina, 
2lgne§,  ßaurentiug  unb  berg(etd)en,  au$  in  ben  SMrtprern 
ju  unferer  3^,  ßeonf)arb  Äetfer,  |>einrid?  fcon  3ütpl;en, 
bie  ftcb  nur  beffen  gerübmet,  ba$  fte  allein  burdj)  ben  ©lau* 
ben  geregt  unb  feiig  ftmrben,  unb  ftnb  barauf  beftänbig 
blieben,  bie  allergrößte  harter  erlitten  unb  mit  großer 
^reubigfett  geftorben!  üftan  fpüret'3  aud)  ntdE)t  allein  bei 
ben  Unfern,  bie  mit  biefem  ©lauben,  baß  fte  ofme  $er* 
bienjl  allein  burd;  ba3  23(ut  3efu  6f)ri#i  fror  ©ott  geregt 
ftnb,  üerfc^eiben,  tote  fte  im  ^rieben,  fanft  rul)iglid)  ent* 
fdfjlafen,  unb  ben  Job  nt$t  fel)en,  fo  bo$  bagegen  bie* 
jenigen,  fo  ftd?  auf  tlire  äßerfe  unb  ^eitigfeit  in  £obe§* 
nöt^en  ttertrößen,  mit  großer  2lngfi,  Unruhe  unb  ©djretfen 
bafnn  fterben;  fonbern  ein  jebtoeber  ß^rift  fann  f)ie  fein 
eigen  £erj  fragen,  ob  er  ni$t  rae^r  £rofl§,  triebe  unb 
$reube  an  ©ott  empftnbe,  toenn  er  nad?  ©otteö  2öort 
glaubet,  baß  er  allein  auö  ©naben,  üon  toegen  be§  eini* 
gen  9Jtittler3  %tf\x  ßfmfli,  allein  bur<$  itn  ©lauben  mit 
©ott  t>erföfmet,  t)on  allen  Sünben  erlebigt,  t>or  ©ott  ge* 
re$t  unb  ein  getx>iffer  Srbe  ber  ettngen  $errlid)feit  fei,  ober 
aber,  wenn  er  ftd)  feiner  eigenen  SBerfe,  53uße,  Seilte, 
$afien,  33eten3,  5llmofengeben§,  &eufd)f)eit,  ^eiligfeit  unb 
©efjorfame  tröfiet,  ober  auf  anberer  Seute,  ber  üerftorbnen 
^eiligen  ober  ber  9Sftönd;e  Fürbitte,  Serbien^  unb  guten 
2öerfe  fcerläffet 

2ßer  bie  2Bat)rf)ett  befennen  ftutl,  ber  muß  fagen,  baß 
bie  2Berfe  ben  üJienfdjen  im  3ttwf#  liegen  laffen,  aber 
ber  ©laube  an  ßfmfium  richtet  ba3  ^er§  auf,  gibt  triebe 
unb  ßeben.  2öie  nun  t>om  ^rieben  be§  ©etoiffenS,  melier 
aller   9ttenfdE)en  Vernunft  übertrifft,    gefaßt  ifi,    baß   ber 


216 

bur$  bte  ^Rechtfertigung  beö  @lauben§  erlangt  toirb,  unb 
alfo  ein  ftarfer  ©runb  ift,  bag  unfere  ße^re  rec^t ;  gtetd)* 
fam  ftnb  aud)  alle  guten  SBevfe  unb  re^tfdjaffene  ©eljor* 
[am  ber  Stielten  ju  betrauten  a(3  ein  gewiffeS  Slrgument 
unb  9lnäeid)en,  ba§  unfere  Seljre  ©otteö  2öort  ift  £>enn 
n>eil  wir  buref)  (Xlniftum  baju  erlöfet,  baju  mit  ©ott  tter* 
föfjnet,  au$  t)or  if;m  gerecht  unb  mit  bem  fettigen  ©eijl 
gejiert  werben,  auf  ba§  Wir  in  einem  ©tanbe  guter  SBerfe 
erfunben  würben,  unb  i&m  bieneten  unfer  Sebenlang  in 
^eiligfeit  unb  ©eredjtigfeit,  bie  if)tn  gefällig  ift,  Sit.  3, 
Suc.  1,  fo  muffen  in  benen,  fo  geredet  worben  ftnb,  aud) 
re$tfd)affene,  wabrbafttge  Sugenben  unb  ^eilige  gute  2ßerfe 
lcudE)ten,  alö  Wafjre  Siebe  unb  $urd)t  @otte§,  Anrufung, 
$>anffagung,  2)emutf),  ©ebulb,  33efenntm§,  Äeuföfjeit, 
Sanftmut!) ,  SJiäßigfeit,  ber$lid)e§  Erbarmen,  2Bal)rl)ett, 
Siebe  be§  S^ädjjien  unb  bergleicfyen  gottgefällige  2öerfe* 
3)enn  ein  rechter  93aum  mu§  gute  $ru$t  tragen;  ntdjt 
baj?  ber  ©ered)te  ofme  alle  $ef)l  toixb  fein,  ober  atöbalb 
alle  ftrücfcte  sugleid)  tragen;  fonbern  mit  etlichen  redjt* 
fdjaffenen  ftrücbten  Ijeraugbredjen,  bei  melden  man  erfen* 
nen  möge,  ba§  ber  33aum  guter  2lrt  tfh  Jöenn  wir  un§ 
nun  umfeljen,  wag  bei  benen  für  gute  2Berfe  gefunben 
werben,  bie  ba  vorgeben,  ber  2Renfd)  werbe  burd)  feine 
2Berfe  gerecht,  fo  ftnbet  ftd}'3,  ba%  bti  ifjnen  eitel  £eud)elei, 
33etrug  unb  $alfd)l;eit  iji  $)a  ift  Weber  Anrufung  nod) 
$>anffagung,  feine  rechte  ©ebulb  no$  $)emutf),  fonbern 
flecfet  voller  eigen  iBertrauenS  unb  «doffart,  fte  lieben  unb 
fürd)ten  ©ott  nid)t,  wie  fwd)  fte  üon  ©ott  prallen;  benn 
foldjeö  weifet  ifjr  Seben  auö;  fte  lieben  ©otteö  2ßort  nid^t, 
fonbern  galten  me^r  t)on  $Renf$entanb.  2Benn  fte  ftd) 
aud)  ftellen,  als  fei  if;nen  ber  ©otteSbienp  f)o$  angelegen, 


217 

alö  lieben  fie  ben  $äd)j?en,  geben  Sllmofen,  feien  milbe 
unb  faflcn  oft,  fo  ifl'ö  bod)  eitel  £eud)elei,  tote  man  bd 
ben  $apiftcn  unb  2ftönd)en  augenfd)em(id)  ftefjet.  #ergegen 
bei  benen,  fo  allein  ftd)  auf  ©otteö  ©nabe  üerlaffen,  unb 
burd)  ben  ©tauben  an  Sfmjtum  hoffen  gerecht  unb  feiig 
ju  werben,  obrool;!  noef)  ©djmadjfjeit  fcorfjanben,  aud?  fte 
nicht  gro§eö  ©epränge  mit  il)ven  guten  Jöerfen  üor  ber 
2öelt  machen,  fo  finbet  man  bod)  bei  ü)nen  bie  allerfcfcön* 
jten  Slumen  unb  perlen  ber  guten  Söerfe,  bie  ju  ibrer 
3eit  red)t  f)ert>orleud)ten.  $>enn  ia  ift  nid)t  allein  rechte 
©otteöfurd)t  unb  Siebe  im  ^er^en,  fonbern  and)  öffentliche 
Danffagung  unb  f;errlid)e3,  beftänbigeg,  freubigeö  93efennt* 
ni§  beö  -ftamenä  Sf)rijtt  in  aller  ©efäf)rlid)feit.  Da  ftefjet 
man,  tx>ie  fie  alle  $reube  unb  Sßonne  an  ©otte§  2öort 
fjaben,  n>ie  fte  fxd^  mit  $lei§  t)or  Abgötterei  unb  falfdjem 
©otteöbienft  f)üten,  ttne  fte  bem  9iäd)ften  nad)  allem  25er* 
mögen  gern  tollten  bienen,  ba£  Äreuj  ©ott  ju  Sfjren 
gebulbig  tragen,  in  ifjrem  Seruf  o^ne  einigen  ©efud)  be3 
$Ku£e3  fleißig  unb  treulich  bienen,  alleö  ju  ©otteö  ö^ren- 
rtdjten,  unb  Öeib,  ®ut,  ßfjre,  2öeib  unb  Hinb  geringer 
adjten,  als  ©otte3  Sf)re  unb  it;re  ©eligfeit  3)tefe§  ftnb 
bie  lebenbigen,  ^eiligen,  toof)lried)enben  Opfer,  bie  ©ott 
angenehm  jtnb  in  6f)rifto  3efu-  9lu8  toeldjem  benn  fräf* 
tiglid)  erfolget,  bap  btefe  ßef)re  t)on  ber  {Rechtfertigung, 
nämlid)  ba§  toir  allein  burd)  ben  ©lauben  gerecht  werben, 
tx>eld)e  fo  iwrlidje  $rucf)t  bringet,  redjt  fein  mufc;  ber 
*ßaptften  2ef)re  aber,  au§  tx»elcf>er  eitel  faule,  ttmrmfHdE)ige, 
^)eud)elifd)e  grücbte  ttmd)fen,  falfd)  unb  unrecht. 

3u  biefem  Argument  gehört  aud),  ba3  $auluö  ben 
©alatern  üorfjält,  ba  er  fpridjt:  Da8  null  id)  t>on  eud) 
lernen:   £abt  i^r  ben  ©eift  empfangen  burd)  beö  ©efe£e§ 


218 

Sßerfe,  ober  burcb  bie  ^rebigt  beö  ©tauben^?  ©al.  3* 
2>ie  ftdjtbarlid^e  Senbung  be§  ^eiligen  ©eifie§  ttmr  bamalS 
*ine  befonbere  ©abe  bei  Äirdje  ^ur  Seftätigung  beö  Gtoan* 
gelii  ^au(u§  aber  n>itl  nun  alfo  fdE)lie§en :  2>ie  ©enbung 
beS  fmligen  @eifte§  ift  eine  %xn6)i  ber  $ed?tfertigung,  benn 
tocr  nid)t  geregt  ifl  dox  ©oft,  ber  mag  ben  ©eift  ©otte§ 
nid^t  empfatjen,  nun  fyaht  \t)x  aber  bie  ©abe  beö  ^eiligen 
©eifte§  nid;t  empfangen  burd)  be§  @efe£e3  2öerfe,  fonbern 
burd?  bie  $rebigt  t>om  ©tauben,  fo  mufj  je  folgen,  ba§ 
ibr  aucb  burd)  bie  Sßerfe  be§  ©efe|e§  nic^t  geredet  werbet, 
fonbern  nur  burd)  ben  ©tauben.  3)emnad)  erfebeinet  nun 
in  biefem  Argument  vielfältig,  ba§  unfere  Seigre  üon  ber 
(Rechtfertigung  bie  göttliche  2öat)rl)eit  ift,  ftntemal  ber  f)ei* 
lige  ©eifi  felbft  in  unfern  ^erjen  jeuget,  ba§  tx>ir  ttor  ©ott 
gerecht  finb,  mir  aud)  erfahren  unb  empftnben,  ba§  ber 
triebe  be§  @eft)iffen§,  Sroft,  $reube  unb  fieben  auf  foldje 
Sebre  folget,  unfere  ffiiberfadjer  fetbft  benennen,  ba%  fte 
au£  ifjrem  Jrrtbum  feinen  befiänbigen  Xroft  f)aben,  fonbern 
im  Steife!  bleiben,  jubem  bei  ben  2Berff)eitigen  eitel  f)eu$e* 
Ixfd^e  2ßerfe,  bei  ben  ©laubigen  aber  rechte,  toa^re  unb 
gottgefällige  Sßerfe  gefunben  fterben,  unb  bann  in  ber 
erften  Äir$e  ber  Zeitige  ©eift  nid)t  burd)  bie  2ßerfe  beö 
©efe|e§,  fonbern  burd)  ben  ©lauben  ift  ftdjtbarlid)  gege* 
ben  korben. 

Der  feiste  (Brunb. 
©ott  allein  gebührt  aller  Kufym  ber  Seligkeit 

$ür'3  fed)§te,  alle  ßel;re,  fo  ba  reid)t  ^ur  SSerfleinerung 
unb  ©$mälerung  ber  göttlichen  @f)re,  au$  bk  ©eligfeit 
ber  üRenfdjen  ungetoijj  machet,   bie  mu§  gett>ifjli$  falfö, 


219 

erlogen,  unrecht  unb  im  93oben  fein  nü#  nid;t  fein.  $a* 
gegen  bie  Se&re,  fo  ©otteö  tarnen  unb  S^re  auf3  l)en> 
lid)jle  rühmet,  ergebt  unb  mit  Sob  feiner  ©üte  alle  2Bclt 
erfüllet,  fonberlid)  nadE)  feinem  2Bort  unb  SBilten,  bie  mufj 
recht  unb  gett)i§  fein  unb  nur  öon  ©ott  l)erfommen. 
$>enn  alle  Sreaturen  ftnb  um  biefer  Urfad&e  willen  er* 
f^affen,  ba§  ©otteS  6l)re  unb  QSreiö  in  allen  Kreaturen 
fofl  leuchten;  aud)  ijt  barum  SfmftuS  t)om  Fimmel  ge* 
fliegen  unb  fcat  un§  erWfl,  auf  ba£  ©otte§  ©üte  befannt 
unb  fein  9tome  Ijerrlid)  gepreifet  tt>ürbe  unb  ber  Wlmföm 
©eligfeit  gett)i§  bejtünbe,  S^un  ifl  aber  unleugbar,  ba% 
unfere  Celjre,  barin  toir  befennen,  ba§  ber  Sftenfd)  ofme 
25erbienft  unb  Sßerfe,  allein  au§  ©naben  unb  göttlicher 
23arml)eräigfeit,  t>on  wegen  be§  SSTiittlerö  %t\\x  ©grifft,  allein 
burdE)  ben  ©tauben,  geregt  unb  feiig  toerbe,  ©otteg  ©üte, 
tarnen  unb  @l)re  am  fcerrltd&ften  greifet  unb  am  f)öd)ften 
rühmet.  2)enn  fte  lägt  bem  SRenfdfjen  überall  feinen 
$uf)m  bleiben,  jeudpt  ifm  naeft  au§  unb  befennt  feine 
©cfmnbe  unb  ©ünbe;  allein  aber  rühmet  fte  ©otte§  un- 
augfprecf)lidj)e  ©üte  unb  feine  grunblofe  23arml)ersigfett, 
bie  fo  toeit  reibet,  afö  ber  Fimmel  geltet  3)iefe  Öel^re 
jeiget,  toie  alle  Söelt  t)oll  fei  ber  (£t)re  ©otteö,  tt>ie  feine 
2Bet8&ett  unermeßlich,  feine  33arm^ersigfeit  unerfd)öpfttdj), 
feine  ©eredptigfeit  unerforf$(i$ ,  feine  Jreue  unenblid), 
feine  Wlafyi  unbegreiflich ,  aud)  ba§  er  allein  gerecht  fei 
unb  gereä)t  macbe  ben,  ber  ba  ift  beö  ©laubenS  an  3efu, 
Stöm.  3. 

$)tefe  göttliche  Sljre  unb  ajiajejtät  ©otteS  fdjeinet  fo 
fymliü)  burd)  unfere  ßefjre,  ba%  bk  ©laubigen,  ba  fte  Dor 
©ott  in  6fj)rijlo  gerecht  werben,  nidE)t  SBorte  genug  finben, 
bamit  fte  ©otte§  tarnen  greifen  mögen,  ttie  im  £>at)ib  ^u 


220 

fefjen,  ba  er  fingt  $f.  103:  2obe  ben  6errn,  meine  ©eele, 
unb  alleS,  tt)aö  in  mir  ift,  ben  tarnen  beö  £erm.  %tem 
$f.  35:  5lfle  meine  ©ebeine  muffen  fagen:  £err,  wer  ift 
bein  gleiten?  Unb  ba§  niemanb  gebenfe,  wir  erjeigeten 
©ott  meljr  (Sf)re,  als  if)tn  gebührte,  ober  er  t>on  un§  fmben 
wolle,  (o  jeuget  bie  ©d&rift  auSbrücf IidE> ,  baf?  ©ott  biefe 
Gljre  in  allewege  gebübre,  er  fte  aucf)  t)on  un§  forbere, 
unb  eben  barum  bie  ©ere^tigfeit  au§  bem  ©lauben 
fomme,  auf  ba§  ©ott  allein  gerü^met  werbe,  Dat)ib 
fprid)t  $f.  51:  5ln  bir  allein  fwbe  i$  gefünbigt,  unb 
liebele  t)or  bir  getrau,  auf  ba§  bu  $ed)t  befjaltefi  in  bei* 
nen  2Borten,  unb  rein  bletbefl,  wenn  bu  gerietet  wirfi 
3tem  $aulu§  iftöm.  3:  2öir  werben  geregt  auS  feiner 
©nabe,  bur$  bit  Srlöfung  :c;  auf  ba#  er  allein  geregt 
fei,  unb  gerecht  ma$e  ben,  ber  ba  ift  be#  ©laubeng  an 
3efu.  2ßo  bleibt  nun  ber  SRu^m?  er  ift  nid)t&  %tem 
(£pf),  2:  £)enn  au8  ©naben  feib  if)r  feiig  worben,  bur$ 
ben  ©lauben,  unb  bajfelbige  nid^t  au§  eudf),  ©otteö  ©abe 
ifi&  3tem  $1  71:  2Rein  üJiunb  foll  t>erfünbigen  beine 
©ered)tigfeit,  täglicb  bein  #eil,  bie  i$  ni$t  alle  jaulen 
fann.  3$  9^e  einfjer  in  ber  $raft  beä  #errn  #errn,  iä) 
greife  beine  ©ered^tigfeit  allein,  3tcm  2  üftof.  33 :  2öe§ 
ity  mid)  erbarme,  be§  erbarme  i$  mid),  ba$  ift,  alle  <Se* 
ligfeit  aller  SSftenfdjen  foö  man  nur  meiner  23armt)erjigfett 
jufc^retben;  benn  e$  liegt  nicf)t  an  jemanbeö  Söollen  ober 
Saufen,  fonbern  an  ©otteä  ßrbarmung,  9Wm.  9;  unb 
Körn.  11:  £)arum  f)at  ©ott  alles  unter  bit  ®ünb  be* 
fd)loffen,  auf  ba§  er  fxd)  aller  erbarme,  Herwegen  wer 
ft$  will  rühmen,  ber  foll  ftd?  nur  be§  £erm  rühmen, 
3er.  9,  ber  un§  t>on  ©ott  worben  ift  jur  2Bei3f)eit,  ©e* 
red;tigfeit,  (Srlöfung  unb  Heiligung.    1  Sor.  1.    2Beil  benn 


221 

©ott  ben  $uf)m  unb  Sfjre  allein  fjaben  will,  wie  fie  il)m 
audE)  gebühret,  unb  ntd^t  gemattet,  ba§  ftdj  ber  OMenfd)  im 
©eringflen  rülnne,  unb  benn  unfere  ßebre  ©ott  ben  iMjm 
allein  gibt,  bem  9ftenfcl)en  aber  nic^t  bleiben  lä§t;  fjergegen 
aber  ber  papifiifdE>en  ßef)re  üon  tf;ren  guten  2ßerfen,  ba* 
burd?  fte  t>or  ©ott  wollen  geregt  werben,  ni$t  aHein  ben 
armen,  fünbigen,  fraftlofen  ÜRenfdpen  über3  3i^  rühmet, 
fonbern  audE)  bem  allmächtigen  ©ott  feine  gebührliche  (£f)re 
nimmt,  als  ber  nic^t  allein  geregt  fei,  ber  au$  nic^t  fo 
gnäbig  unb  gütig  fei,  ba§  er  ben  2Kenfdf)en  oljne  23erbienfi 
geredet  ma$e,  ber  aud)  feiner  f)err(td)en  3**fage  nidE)t  nad)* 
fomme,  unb  voa§  ber  graufamen  ßäjlerung  mel)r  au3  iljrer 
ßef>re  folgen;  fo  ift  gewiß  unb  offenbar,  baf;  foldjer  3*i> 
tlmm  falfdj,  im  ©runbe  unrecht  unb  &om  Jeufel  fein  muß, 
ber  ©ott  feine  ß^re  nic^t  gönnet;  tjergegen  aber  unfere 
ßefjre  unb  93efenntni§  t)om  ©tauben  mu§  re$t,  fjeilig,  ge* 
wi§  unb  bie  ewige  göttliche,  in  ^eiliger  ©djrift  gegrünbete, 
unwiberleglidje  2öabrbeit  fein.  6in  bloßer  unb  lebiger 
©djein  ijt'S,  ba§  bie  $äbfilid)en  alg  2lnbrabiuö,  ßifengrein, 
ßinbanuä  unb  anbere  fcorwenben,  if)re  ßeljre  t)on  ber  9fted)t* 
fertigung  fdjmälere  fo  gar  nidjt  bie  l)ol)e  6l)re  ©otteö  unb 
unferö  £eilanbeg  %tf\x  (Xlmfti,  ba§  fte  bie  t)ielmef)r  au3* 
breite  unb  öerme^re,  fintemal  fte  befennen,  bafi  ba§  95er* 
bienfi  ber  guten  Söerfe  au$  bem  33erbienfi  Script  fliege 
unb  l)erfomme.  3)enn  baö  muffen  je  alle  Vernünftige 
befennen  unb  nachgeben,  bteweil  bie  Papillen  lauter  unb 
runb  fagen,  baß  ber  2ftenfd)  nid)t  son  wegen  beö  ©e^or* 
famö  ßbrifii,  fonbern  burd?  feine  eigenen  2öerfe  unb 
Jugenb  t>or  ©ott  muß  geregt  werben,  ba§  fte  in  bem 
(£t)rifto  bie  6t)re  unb  SRu^m  nehmen,  ba£  er  unfere  ©e* 
red;tigfett  ni$t  fei     £>enn   ob  fie  gleich  (S^riftum  ni$t 


222 

aller  @f)ren  nad)  iftrer  Sarm^erjigfeit  entfe|en,  unb  be* 
rauben  tooHen,  fonbern  geben  na$,  -bafj  (£f)rijtu3  für  un§ 
geworben  fei,  un3  mit  ©ott  fcerföfjnet,  t>om  Seufel  errettet 
unb  öom  ©efe£  erlöjt  fjabe,  fo  laffen  fte  if)tn  bocb  bie 
atler^öc^fie  (Sf)re  ni$t  bleiben,  ba§  er  unfere  @erecf)tigfeit 
al(o  fei,  bafj  un§  fein  ©efjorfam  jur  ©ered[)tigfeit  juge^ 
rennet  ttirb*  2tucf)  mirb  Sfmfti  2öof)ltl)at  nid)t  genug  in 
bem  gerüfjmet,  ba§  fte  nur  befennen,  ma3  unfere  2£erfe 
oor  ©ott  gelten,  iaS  Ijaben  fte  t)om  Ceiben  unb  Sterben 
(grifft;  bie  f)öcf)fte  (£f)re  beruhet  auf  bem,  ba§  un3  üot 
©ott  geregt  ma$et,  in  ©otteS  ©erid)t  bejl:e|>et  unb  ba§ 
etoige  öeben  tterbtenet.  2öeil  bie  $äbjiltd)en  foläjeg  bm 
unreinen  Sßerfen  ber  SKenf^en  jufdjretben,  fo  ifi  unoer* 
neinlid),  bafj  fte  ben  $eilanb  ßfmjlum  ber  J)ö$fien  ßfjren 
entfe^en  unb  berauben,  unb  bie  unreinen  Söerfe  anftatt 
ßfmfti  efjren;  berfmlben  tote  fcor  gefc^Ioffen,  unmöglich  ift, 
bafi  if)re  Sefjre  t)on  ©ott  fei,  fonbern  mu§  jtracfg  oom 
Teufel  fein,  ber  je  unb  atletoege  (St)rifio,  bem  ©ofjne 
©otteS,  nad)  feiner  @f)re  gejtanben,  2öie  nun  bie  päbjt* 
lid)e,  oerfü^rif4)e  Sefjre  oon  ber  ^Rechtfertigung  ©ott  im 
Fimmel  unb  ben  $eilanb  %tf\\m  Sfmjlum  fcpnbet  unb 
unefjret,  unb  benoegen  falfd)  fein  mu§ ;  atfo  erfinbet  jidj'8 
auc^,  bafi  berfelbige  2öal)n  unb  3rr$um  ber  üJienfcben 
©etigfeit  aüerbing  ungewiß  machet  unb  auf  einen  fanbigen 
©runb  fe|et  2)enn  werben  toir  ni$t  e^er  t)or  ©ott  ge* 
red)t  unb  (Srben  ber  ©eligfeit,  toir  ^aben  benn  bie  2Berfe, 
Sugenben,  ©efjorfam  unb  £eiligfeit,  bie  ©ott  oon  un$ 
forbert  im  ©efe£;  foer  fann  ober  barf  bann  bei  tf)m 
fließen,  baj$  er  fcor  ©ott  gerecht  fei,  fintemal  niemanb 
barf  rühmen,  ba§  er  folc^e  fjeüige  unb  ooüfommene  Sßerfe 
fwbe?  2Ber  fann  in  Xobe§nöt^en  ixe  ©eligfeit  gettnfi  hoffen? 


223 

2ßer  toirb  ©ott  atö  feinen  SBater  beflänbig  im  ©lauben 
anrufen  fönnen?  2ßer  fann  gemij}  fagen  aug  biefer  2ef)re, 
ba§  ein  einiger  ÜJtenfd;  fei  feiig  worben?  3)enn  bie  ©d)rift 
jeugei,  ba§  aud)  bie  allerbeitigften  $ropf)eten  unb  Stpoflel 
bennodj)  ©ünber  getoefen,  bem  ©efe£  nidjt  genug  getrau, 
md)t  ooüfommenen  ©efjorfan  geleiftet.  3of)anne3  fprtdjt 
1  2>of).  1:  ©o  um  fagen:  ttnr  fmben  !eine  ©ünbe,  fo  ifi 
bie  SZßafjrfjeit  nidjt  in  un&  $aulu8  flagt  5Röm.  7,  er  fei 
fcerfauft  unter  bie  ©ünbe.  3acob,  (gtia§,  3eföia8/  Daniel 
befennen  alle  i^re  ©ünbe.  2Ber  fann  benn  geimjj  fagen, 
ba%  fte  feiig  korben  ftnb?  3fi  aber  bie  ©eligfeit  fo 
jtoeifel&aft  bei  btn  atlerfjöcbfien  Zeitigen,  tt)ie  ganj  ungetmjj 
unb  forglirf)  ttnrb'3  um  unfere  ©eligfeit  fielen?  Unb  toenn 
Hoffnung  märe,  ba§  nur  Ijeute  motten  anfafjen,  ben  ©e* 
Ijorfam  be3  ©efe£e3  oollfömmlid)  ju  leijlen,  toie  balb  ijTS 
gefd)ef)en,  ba£  ber  SWenfd)  öon  toegen  feiner  großen  23lö* 
bigfeit  unb  ©d;tt>ad)f)eit  auf  bem  fc^lüpfrigen  unb  unebe* 
nen  2öege  ber  SBelt  ftraud)(e  ober  gar  falle?  Sllfo  rnadjet 
nun  bie  unfelige,  t)erfüf)rifd)e,  päbfilidje  ßebre  öon  ber 
Rechtfertigung  aller  S[Renfd)en  ©eligfeit  ganj  ungettrifc,  unb 
mad)t  auS  ben  G^rijlen  eitel  Reiben  unb  Surfen.  3)enn 
fo  wenig  ein  abgöttifdjer  £eibe  ober  Surfe  eine  getoiffe 
Hoffnung  ber  etxrigen  ©eligfeit  l)aben  fann,  alfo  toenig 
aud)  ein  $apifi,  ber  bie  ©eligfeit  in  feinen  2öerfen  fudtjet, 
fann  ber  6rbfd)aft  be§  ewigen  ßeben§  gemi§  fein.  5öie 
ijt  benn  nun  möglidE),  ba§  foldEje  unfjeilfame,  unfäglic^e, 
tjerbammte  2ef)re,  fo  au§  S&riften  Reiben  unb  Surfen 
mad)t,  aller  3ftenfd)en  ©eligfeit  in  einen  Btt^f^  f^t  unb 
bie  hungrigen  unb  burftigen  ©etoiffen  nur  §ur  33er§tt)eif^ 
lung  treibet,  follte  Don  ©ott  unb  bie  ewige  2öa^r^eit  fein? 
ßg  f)at  je  ber  ewige  unb  gütige  ©ott  barum  jtd)  nadv 


224 

bem  %aU  9lbam3  mieberum  offenbaret,  ba^u  alte  $ropl)eten 
ermecft,  burd)  fte  ben  ©ünber  jut  93u§e  rufen  laffen,  audj 
feinen  eingebornen  ©ofm  ber  2Belt  jum  SfRittlcr  unb  £et* 
lanb  gefdjenft,  feine  Bufagung  mit  bem  atlertfjeuerften  Gibe 
beftättget,  bie  l)odjmürbtgen  ©acramente  a\8  3^dj)en  bt9 
Sunbeö  gegiftet,  unb  kfytliä)  baju  ben  ^eiligen  <35eifl  ber 
ÄtrdEje  t>erf)ei§en  unb  gegeben  unb  in  aller  ©laubigen  £er$ 
au^gegoffen,  auf  bafj  unfer  #eil,  ©erecfytigfeit  unb  ©eligfeit 
ni$t  ungemt§  fein,  fonbern  t)on  unS  mit  flarfem  unb 
feftem  ©tauben  fönnte  gefaxt  unb  angenommen  werben. 
2öie  benn  unfere  Sefjre  unb  53efenntni§  t>on  ber  SRec^tfer* 
tigung  be§  2Jtenf$en  sor  ©ott,  allein  burd?  ben  ©lauben, 
ganj  unb  gar  baf)in  gerietet  tft,  unb  aud)  fotcfyeg  in  un§ 
fcljaffet,  ba£  mir  nidf)t  allein  t>on  anbem  großen  ^eiligen 
Patriarchen,  ^rop^eten,  Königen,  Slpojleln  gemi§  toiffen 
fönnten,  ba§  fte  ftnb  feiig  morben,  fonbern  au$  t)on  un* 
ferer  $erfon  ofjne  3toeifd  f$ ließen,  i>a§  wir  mit  ©ott 
t)erfßf)net,  in  bie  3<*!Jl  ber  itinber  ©otteg  gehören,  t)or 
©otteä  Slngeftcfyt  geregt  finb  unb  bie  ßrbf^aft  ewiger 
$reube  unb  #errli$fett  unS  ni$t  fehlen  foll.  £)enn  mir 
benennen  unb  jeugen,  ba§  all  unfer  #etl,  ©ered)tigfett  unb 
©eligfeit  flefje  unb  beruhe  auf  ©otteg  lauterer  ©nabe,  bie 
i>a  fefl  fielet,  mie  bie  Serge  ©oite§,  unb  auf  3efu  (grifft 
Serbien!?,  meldjer  alle  Wlafyt  be§  £eufel§  übertrifft;  item, 
auf  ©otteä  Bufagung,  meiere  in  ßmigfeit  bleibt,  unb  bafj 
©ott  tton  un§  jur  ©eligfeit  nur  ben  ©lauben  forbert 
$)ermegen  mie  mir  nun  mtffen  fönnen,  ob  mir  rec^t  bem 
Sßorte  ber  ©naben  glauben  ober  nid^t,  alfo  fönnen  mir 
aud)  gemtfj  mijfen  unb  fcpefjen,  ob  mir  t>or  ©ott  geregt 
unb  grben  ber  ©eligfeit  ftnb  ober  ni$t  anmaßen  bieg 
Argument  $aulu§  führet  §u  ben  Römern  am  4, :  £>erf)at* 


225 

ben  mufj  bie  ©eredjtigfett  burdp  ben  ©tauben  fommen, 
auf  t>a%  fte  fei  aug  ©naben,  unb  bie  2Serl)ei§ung  feft 
bleibe  allem  ©amen.  2llfo  folget  bi^^uö  fräftiglid) ,  ba§ 
unfere  ße^re  t>on  ©ott  unb  bie  etvige  Söa^r^eit  fei;  tvie 
fjergegen,  mit  ber  ^apijten  ßel)re  unfere  unb  aller  Oflen* 
fcben  ©eligfeit  ungettnfj  mad)et,  Dom  Jcufel  ijt,  ber  jar 
Skrjtveiflung  ber  DJlenfcben  ßufi  bat 

£>er  ftebente  (Bruno. 
Sprühe  6er  Sdjrtft  von  6er  Kedjtfertigung- 

$)er  ftebente  ©runb  von  ber  ©erecfytigfeit  8e3  ©lau* 
benö  finb  bie  gellen  lauteren  ©prüdje  ber  $ropl)eten  unb 
SlpofteL  2öie  alle  anberen  Slrtifel  beö  ©taubens,  al8  von 
bem  einigen  göttlichen  2öefen,  von  breien  $erfonen,  von 
beiben  Naturen  in  6f)rifio,  von  ber  ©eppfung,  vom  $atl 
beö  9Dlenfd)en  unb  Srlöfung  beffelben,  vom  2tmt  be§  Sftef* 
fta3,  von  ber  ÄirdEje,  ©acramenten,  t)on  2luferftef)ung  ber 
Jobten  ic  nur  auf  ben  3eugniffen  ber  $ropf)eten  unb 
Sipofiel  berufen  (benn  menfcf)lid?e  Vernunft  verfielet  fonft 
nicbt§  von  bem  verborgenen  ©e^eimni^),  alfo  ifi  au$  biefer 
unfer  2lrtifet  be§  ©tauben^  von  Vergebung  ber  ©ünben 
unb  ®ered)tigfeit  vor  ©ott  auf  bie  flaren  ©prüc^e  ber 
$ropf)eten  unb  9lpojlel  gebauet  unb  begrunbfeftiget  9Bie 
benn  $aulu8,  ha  er  biefe  ßeljre  ttnber  bie  ^arifäer  unb 
falfcfjen  Slpoftel  9töm.  4,  ©al  3  gewaltig  betveifet,  bie 
3eugniffe  ber  $ropl)eten  einführet  unb  jum  ©runbe  legt 
Unb  man  ftel;et,  bafj  er  ganj  au§erlefene  ©prücbe  vom 
©lauben  unb  ©ere^tigfeit  aug  ber  ganzen  ©$rtft  geglau* 
M  (gefammelt).  Site,  1-  SDlof*  15  fpric^t  äftofe«  von  Sibra* 
l>am§  Rechtfertigung :    Slbralwm  fyat  ©ott  geglaubt,  unb 

15 


226 

i>a8  ift  if>m  jur  ©eredjttgfeit  geregnet  morben.  3n  ber 
erfien  23erf)ei§ung,  bem  2tbam  gegeben,  ba§  ber  ©ame  beö 
2ßeibe§  ber  ©d)lange  im  Äopf  jertreten  foll,  1  SD^of.  3, 
unb  fjernad)  bem  Abraham  ^erneuert,  baß  in  feinem  ©a» 
men  füllten  alle  SBöIfer  gefegnet  werben,  1  2Jlof.  12,  mar 
genugfam  begriffen,  i>a%  ©ott  ben  ©lauben  forberte  unb 
burd)  ben  ©lauben  ofme  2öerfe  beö  ©efe£eg  molle  ben 
2Renf<$en  geregt  unb  feiig  machen,  £>enn  menn  ©ott, 
bie  emtge  2öal)rl)eit,  etma3  jufagt,  fo  ift'3  je  billig,  ba$ 
i&m  alle  Kreaturen  ©fauben  geben,  mie  im  britten  2lrgu* 
ment  t)on  ber  SBerfjeißung  mettläuftg  ermtefen.  2Itll)ie  aber 
fwt  ber  fjeilige  ©eift  ben  ©lauben  auebrücfen  mollen,  ba* 
mit  ba§  Mittel  befto  eigentlicher  erfannt  mürbe,  babiird) 
mir  bie  ©eredjtigfeü  annehmen,  aud)  ber  falfdjen  öer* 
füf)rifd)en  Meinung  ttom  eigenen  5Berbienfi  ber  Söerfe  befto 
ftarfer  begegnet  mürbe.  Unb  ift  mit  fonberem  $atf)  t>om 
^eiligen  ©eift  in  ber  $ifiorie  2lbraf)am§  gefegt,  meil  ben* 
felben  ©ott  motlte  fe^en  jum  SBater  vieler  gläubigen  23ölfer. 
Unb  ift  l)ie  mit  $(etß  ju  merfen,  ba$  bie  ©d)rift  an  biefem 
Drt  nid)t  rebet  t>om  Anfang  ber  Sefe^rung  unb  $e<|)tfer* 
tigung  2lbraf)am§,  ba  er  bie  d;albciifd)e  Abgötterei  fcerlaffen, 
fonbern  ba  er  nun  eine  gute  3eit  befetjrt  gemefen,  bie 
25er^ei§ung  langfi  fcon  ©ott  empfangen  unb  mit  fielen 
Imljen  tapfern  Jugenben  gelieret  mar.  Sftacfy  bem  93efe^I 
©otteg  fwt  et  fein  Sßaterlanb  fcerlaffen;  ©ott  l;at  ju  if)tn 
gefaßt :  3d)  mit!  fegnen,  bie  bid;  fegnen.  l  StRof.  12. 
Abraham  prebiget  ttom  Manien  be§  $errn.  1  9Jiof.  13. 
9Jtit  großer  ^reubigfeit  l;at  er  bie  t>ier  Könige  gefdjlagen, 
bem  9Jlel$ifebef  ben  Sehnten  gegeben.  1  9!Jtof.  14.  Unb 
©ott  fprid)t  felber  ju  ifjm:  3$  bin  bein  <5d)ilb,  unb  bein 
großer  ßobn.     1  Wlo\.  15-     ©°  muffen  je  große,  bol)e 


227 

Jugenben  unb  2Berfe  in  5lbral)am  geleuchtet  fwben;  noä) 
fpricbt  ber  f).  ©eift,  beibe  in  üJiofe  unb  *Pauto,  Slbraljam 
fei  nicbt  t>on  megen  feiner  guten  5öerfe  unb  lugenben 
tr>itlen  t)or  ©ott  geregt  morbcn,  fonbern  er  f>abe  ber  3u* 
fagung  ©otteö  geglaubt,  unb  ©ott  fwbe  if)tn  ben  ©lauben 
$ur  ©ered)tigfeit  geregnet.  1  9Jiof.  15.  ©o  benn  2lbraf)am 
mit  allen  feinen  ^of)en  unb  fjerrlidjen,  ^eiligen  Sßerfen 
ntd)t  bat  mögen  gerecht  werben  tmr  ©ott,  fonbern  f)at 
foldjeg  burd)  ben  ©lauben  erlangt,  fo  muffen  alle  (£reatu* 
ren  befennen,  ba$  feine  guten  JBerfe,  fte  gefd)el)en  gletd) 
nach  ober  r»or  ber  23efet)rung,  ofme  ober  burd?  ben  ^eiligen 
©eift,  un£  t)or  ©ott  mögen  geredjt  machen,  fonbern  ber 
©laube  allein  mu§  e£  tfmm  2lud)  ftnb  bie  Sorte  in 
biefem  Spruche  eigentltd)  unb  meifiertid)  gefegt  3)ie 
6d)rift  fagt  nid)t,  ber  ©laube  fei  2tbraf)am3  ©ered)tigfeit, 
fonbern  if)m  §ur  ®ered)tigfeit  gerechnet,  ba$  ift,  bie  ©e* 
red)tigfeit  ftefjet  in  Vergebung  unb  3u^cfung  ber  ©ünbe, 
unb  ©ott  rennet  bem  ©laubigen  bie  ©eredptigfeit  ju, 
nimmt  if?n  auf  Don  megen  beö  t>er^ei§cnen  9Keffta£.  Slud? 
ift  ber  ©laube  bag  einige  Mittel,  baburd)  mir  bie  ©nabe 
©otteö  annehmen,  £>a£  iji  fo  ein  fräftigeö  unmibertreib* 
lid)e§  Argument,  ba§  fein  *$apift  einige  ©opfnßeret  ba* 
miber  nid;t  fann  aufbringen.  9llfo  bemeifet  aud)  OJiofeg, 
ba§  mir  burci)  ben  ©lauben,  unb  nicbt  burd)  bie  Söerfe 
geregt  merben,  ba  er  t)on  ber  23efet)rung  3frae(3  meiffaget. 
3)enn  al£  er  5  sD(of.  30  lange  öom  ©tauben  geprebigt, 
mie  $autuö,  {Rom.  10,  ba£  ganje  Äapitef  t>on  ber  ©ered)* 
tigfeit  be§  ©laubeng,  unb  nid?t  be§  ©efet$e£  auflegt,  unb 
gefagt:  $)a$  Söort,  Derfte^e  be§  ßüangelii,  ift  faß  nal)e 
in  beinern  -SRunbe  unb  in  beinern  fersen,  ba£  bu  eö  tlmefl; 
befd)leu§t  er   enbltd):    3)a§  if)r  ben  ^errn,  euern  ©ott, 

15* 


228 

liebet,  unb  feiner  ©timme  gef)ord)et,  unb  if)tn  anfanget; 
benn  ba$  ift  bein  Seben  je.  6r  rebet  bie  nidt)t  t>on  ber 
Siebe,  fo  ba§  ©efefe  üollfommen  forbert;  benn  er  tteiffaget 
Don  benen,  bie  fidj  Don  ©ünben  befefjren  werben  unb 
©nabe  erlangen ;  fonbern  t)on  ber  Siebe,  fo  au£  bem  ©lau* 
btn  xoaü)8t;  ©otte§  ©timme  geborgen  unb  i&m  anfangen, 
ift  anberg  nidjtö,  benn  ©ottcö  2Gort  annehmen  unb  feft 
glauben,  auf  ©ott  ftd?  ocrlaffen.  2>a3  aber,  fprtd)t  er,  ifl 
bein  Seben,  t>a§  ift,  burd^  ben  ©lauben  toirft  bu  t)or  ©ott 
leben  unb  geregt  fein,  2Bie  aud)  ^abafuf  ftmd)t  (L  2: 
3)er  @ered)te  toirb  feinet  ©laubenö  leben.  3^  ben  $fal* 
men  $>at)ibö  Ijaben  tx>ir  fef)r  ttiel  l)elle,  lautere  ©prüdje, 
bie  flärli$  jeugen,  bafj  voir  bur$  ben  ©lauben  unb  nid)t 
burd)  bie  Serie  feiig  werben.  3118  $f.  2:  2Bobt  allen, 
bie  auf  ifm  trauen.  2)a§  ttrirb  niemanb  leugnen,  ba§ 
2)at)ib  in  biefem  anbern  $falm  t>om  $eid),  Seiben,  Ster- 
ben unb  2luferjkf)ung  Sfmfti  fjanble  unb  lel;re,  rote  ibm 
©ott  burcb  ßfmfium  eine  etmge  $ird)e  fammle.  9hm  t>er* 
Ijeifjt  er  aber  im  ©eifi  mit  bem  Sßorte  toof)l  bie  ©ered^ 
tigfeit  ttor  ©ott  unb  etoige  ©eligf eit,  tr)ie  eö  $autu8 
3töm.  4  felbft  erfläret:  Stilen,  bie  Sfmflo  vertrauen,  ba§ 
ift,  an  if)n  glauben.  2lu§  welchem  offenbar,  ba§  ber 
©laube  t)or  ©ott  geregt  mad)e;  benn  tt>er  ni$t  geregt  ift 
ttor  ©ott,  bem  mag  je  md)t  tt>ol)l  fein  ttor  ©otte§  2lngefid)t. 
Stlfo  ba§  ®attib  fpric^t  $f.  18:  ©ott  ifi  ein  ©d)ilb  aüen, 
bie  ibm  vertrauen,  ift  nid;t  allein  t>om  leiblichen,  seitlichen 
©ci)U§  unb  ©c|)itm  f)ie  aufßrben  toiber  alte  unfere  $einbe 
gu  t>erflef)n,  bafj  ©ott  alle  biejenigen,  fo  ü)tn  vertrauen, 
gnäbig  bemal;ren,  au§  aller  !Kotf)  führen  unb  toiber  alle 
$al;r  unb  Unglücf  befdjirmen  tootle,  fonbern  bie  f>ol;e  23er* 
ibeifmng  fielet  oorne^mlitf)   ba&in,   ba$  ©ott  aud)  unfer 


229 

Scbilb  fein  wölk,  fo  toir  if)m  vertrauen,  trenn  bxe  aller* 
fcfjrecflicfejien  geinbe  roiber  un8  ftrexten ,  wenn  unS  ber 
Satan  auflagt,  bie  Sünbe  baö  ©ewiffen  unruhig  madjt, 
irnfer  «Öerj  wiber  unö  jeuget,  ba§  ©efefe  un3  t>erflucf)t 
unb  Derurtljeitt ,  unb  mir  un£  ber  Sünben  falben  üor 
©ottee  3°tn  unb  ewiger  35erbammni§  fürcbten  muffen. 
3n  folcber  aflertiefjlen  9^otf>  will  ©ott  aucf)  unfer  ®d)ilb, 
baö  ift,  unfer  Sc&ufi,  Iroft,  Unfdjulb,  ©erecfttigfeit ,  £eil 
unb  Seligfeit  fein;  er  will  un8  recfttfprecften,  wenn  un3 
alle  Jßelt  oerbammt;  er  tt)itl  un§  feiig  machen,  wenn  t&it 
gleid)  bit  Serbammnijj  üerbienet  ftaben.  ©leictjer  ©eftatt 
wirb  bem  ©lauben  bie  ©eredptigfeit  t>or  ©ott  üer^et§en  in 
ben  Dielen  ©prüfen.  2H3,  <Pf.  25:  9Kein  ©ott,  icf)  fwffe 
auf  bid),  la§  mitf)  nicfyt  ju  Scftanben  werben,  ba§  ftcft 
meine  yeinbe  nicf)t  freuen  über  micf).  Denn  feiner  wirb 
ju  Stauben  werben,  ber  bein  fmrret,  aber  $u  Stauben 
muffen  werben  ixt  lofen  23eräd)ter.  QJf.  31:  Die  ©laubigen 
behütet  ber  £err,  unb  vergilt  reicf)licf)  bem,  ber  »pocftmutb 
üben  Seib  getroft  unb  unüer^agt,  alle,  bie  iftr  beö  »öerrn 
darret.  3tem  fßf.32:  Der  ©ottlofe  f)at  üiel  $lage,  wer 
aber  auf  ben  £erm  boffet,  ben  wirb  bie  ©üte  umfaften; 
baS  ift,  wer  an  (£f)riftum  glaubet,  ben  wirb  ©ott  mit 
©üte  unb  ©nabe  annebmen,  wie  ein  Bräutigam  feine 
33raut  umfaßt.  Jtcm  $f.  65:  ©r^öre  unö,  ©ott,  nacb 
ber  wunberlicften  ©erecfttigfeit,  ©ott,  unfer  6eil,  ber  bu 
bift  3uöerjtcbt  aller  auf  Srben,  unb  ferne  am  9tfteer.  3*ew 
$f.  84:  Qtnn  ©ott  ber  £err  ift  Sonne  unb  ©cftilb,  ber 
£err  gibt  ©nabe  unb  öftre,  ßr  wirb  fein  ®ute§  mangeln 
lernen  ben  frommen,  £err  3^baotf),  woftl  bem  2Kenfd)en, 
ber  ftd)  auf  bid)  oerläßt.  3*em  $f>  115:  Sfrael  ftoffe 
auf  ben  £>errn,    ber   ift  ifjre  #ülfe  unb   Scfnlb.     3tem 


230 

$f.  125:  Die  auf  ben  £erm  &  offen,  bie  »erben  nidjt  fallen, 
fonbern  e»tglicb  bleiben,  »ie  ber  93erg  3^°^- 

3)iefe  unb  berg(eid)en  Sprühe  in  $fafmen  emeifen 
ge»altiglid;,  ba%  »ir  burd)  ben  ©lauben  t»r  ©ott  geredet 
»erben;  benn  »er  oor  ©otteö  3lngeftd)t  in  (einem  ©ericbt 
nid)t  ju  ©cbanben  »irb,  »er  t)on  ©ott  befmtet  »üb  jum 
fieben,  »eldjen  ©ott  mit  ©üte  umfaßt  unb  jum  e»igen 
Öeben  aufnimmt,  »er  t»r  ©ott  Jpeü  unb  Irojt  f;at,  »er 
t>or  feinem  2lngeftd)t  ©nabe  unb  (Sl)re,  unb  feines  ©ute# 
Mangel  f)at.  »er  nimmer  fällt,  fonbern  t>or  @otte§  ©eridjt 
e»iglid)  bkibd,  ber  mu§  je  t)or  ©ott  geredet  fein.  3)ie»eil 
»ir  allen  biefen  Segen  burd)  hm  ©tauben  unb  ©ertrauen 
auf  ©ott  erlangen,  »er  fann  benn  anbtT$  fagen,  benn 
ba§  »ir  burd)  ben  ©lauben  t»r  ©ott  geregt  »erben? 
9iiemanb  folt  gebenden,  ba§  obgefeijte  ©prüdEje  nur  t)om 
jeitlidjen  ©egen  reben;  benn  in  allen  Verkeilungen  fielet 
©ott  t>ornel)mlid)  auf  bie  e»tgen  ©üter,  aud)  bie  seitlichen 
©üter  gibt  er  um  ber  e»igen  ©üter  »iüen.  35er»egen 
follen  »ir  in  allen  Zerreißungen,  »enn  ©ott  gleicf)  nur 
baS  tägliche  23rot,  ©d?u£  ober  #ülfe  nennet,  bie  Serge* 
bung  ber  ©ünben,  ©erecfytigfeit  unb  e»ige  ©eligfeit  mit 
üerfie^en. 

9tid)t  »eniger  bejeuget'3  and)  ber  ^ropbet  JefataS, 
ba§  »ir  burd)  htn  ©lauben,  unb  nid)t  burdj)  unfere  2Berfe 
t>or  ©ott  gered)t  unb  feiig  »erben.  21(3  im  7.  Aap.: 
©laubet  ibr  mcbt,  fo  bleibet  i^r  nidjt.  J)er  Ungläubige 
beftebet  in  feinem  Unglücf ;  benn  aüeö,  »orauf  )\d)  ber 
SDtenfd?  t>erlä§t  außer  ©ott,  ba$  trüget  unb  ift  falfdj. 
$ornebmlid)  gilt  biefer  @pmd)  in  ©otteS  @erid)t:  £Öer 
ba  nid^t  glaubet  an  G&rtfhnn,  ber  bleibet  unb  befielet 
nid)t,   »enn  er  gfeid)   aller  «peiligen  2öerfe  unb  öerbtenft 


23t 

angezogen  l;ätte;  tjergegen  mer  glaubet  unb  feinen  Irofl 
auf  Sljriftum  fe£et,  ber  bleibet  unb  befielet  m$t  allein  in 
allerlei  Unglücf,  Srübfal  tr>iber  bie  fteinbe  f)ie  auf  (Srben, 
fonbern  aud)  ba  bie  f)öd)fte  ftotb  ift  iß  ©otteS  @erid)t, 
fo  mu§  je  ber  ©laubige  üor  ©ott  geredet  fein,  3*em 
3ef.  25:  Stefje,  i>a$  ift  unfer  ©ott  auf  ben  wir  fjarren, 
ba§  mir  unS  freuen  unb  fröljlid)  feien  in  feinem  #eil. 
Stern  3ef.  26:  T>arum  üerlaffet  eud)  auf  ben  #erm  etoig* 
lid),  benn  ber  £err  ift  ein  $e(3  emigltcb.  3tem  3ef.  28: 
$>arum,  fpridjt  ber  #err  £err:  'Siebe,  id)  lege  in  3^ 
einen  ©runbftein,  einen  betoäfjrten  Stein,  einen  faßlichen 
Stein,  ber  mofjt  gegrünbet  ifl,  2ßer  glaubet,  ber  fleugt 
ni$t.  $k  roeiffagct  3efaia8  ttom  £errn  ßbrifio,  melier 
ber  (Scfftein  i|l  ber  ganzen  Sfjriftenfjeit,  unb  barauf  aller 
Iroft  gegrünbet  ift:  2Ber  an  tiefen  glaubet,  fpridjt  er, 
ber  fleugt  nicfjt,  i>a$  ift,  er  befielet  in  ©otteS  ©erid)t,  er 
ift  t)or  ©ott  geregt,  er  fleucbt  unb  fürdjtet  ftdE>  nid)t  öor 
©ott;  benn  txne  ein  bö3  ©etoiffen  gittert,  eilet,  fleugt  t)on 
©ott  unb  allen  Sreaturen,  aud;  üor  einem  raufdjenben 
Statte,  unb  mo  e3  möglid)  märe,  flöge  e§  burdE)  einen 
eifernen  23erg  unb  ganj  au3  ber  2öelt.  Solche  2lngjl  unb 
Sdjreden  füllet  t>a$  böfe  unb  ungläubige  ©eftuffen;  aber 
ber  ©taube  füllet  bie  $lud)t,  machet  ba$  £er$  fidber  unb 
beftänbig,  ba$  eö  audE)  ber  Rollen  Pforten  fpottet.  ^tzm 
3ef.  30:  £er  £en  ift  ein  ©ott  be§  ©erid)tö,  mobt  aüen, 
bie  fein  fjarrem  3tcm:  $)a  toirfl  bu  erfahren,  ba§  ic&  ber 
£err  bin,  an  meinem  nicfet  ju  Sdwnben  merben  alle,  bie 
auf  mid)  Darren.  3tem  3^remiaS  6.  17:  ©efegnet  ift  ber 
ÜKann,  ber  fnf)  auf  ben  Gerrit  verläßt,  unb  ber  «perr  feine 
3ut)erftd)t  ijl  SRa|um  (L  1 :  $)er  £err  ift  gütig,  unb  eine 
$efte  jur  3^it  ber  dlotf);  unb  fennet  bie,  fo  auf  il;n  trauen. 


232 

3tem  #abafuf  2 :  ©iefje,  wer  t)a(§fiarrig  ifi,  ber  wirb  feine 
gtufie  in  feinem  $er$en  fjaben,  benn  ber  ©erec^te  lebt  fei* 
ne§  ©tauben^.  $>iefe  unb  bergleief)en  Sprühe  ber  $ro* 
ptjeten,  weil  fxe  ben  ©laubigen  au§brücflidf)  ioer^)ei§en  hm 
göttlichen  ©egen,  Rettung  au3  alter  9iotf),  Seben  unb  ©e* 
ligfett,  fo  folget,  ba§  mir  na$  aller  ^ropfjeten  Swgmfi 
burcf)  ben  ©tauben  gerecht  werben,  wie  benn  $aulu§  etliche 
ber  obgefe|ten  3eugniffe  jur  Seweifung  ber  @ered)tigfeit 
be§  ©lauben^  eingeführt,  betrug  aber  biefe  unb  alle  an* 
beren  ©prü$e  ber  $ropf)eten  jufammen  in  an  Sünblein 
gefaffet  unb  auf  biefe  Meinung  beutet,  ba  er  fprid)t 
Styoft.  10:  $on  biefem  jeugen  alte  $ropf)eten,  ba§  in 
feinem  tarnen  Vergebung  ber  Sünben  empfafjen  alte,  bie 
an  tfm  glauben.  3m  neuen  Jefiament,  voetd^eö  wof)t  au§ 
bem  alten  quittet  unb  fleu§t,  unb  bod)  ein  2id)t  ift  über 
h>a$  alte,  ifi  bie  Sefjre  üon  ber  ©erec^tigfeit  be§  ©laubenS 
no$  Weiterer  erflärt  unb  öfter  wieberfwtet.  $>ie  Summa 
aller  ^rebigten  be§  ©o&ne8  ©otte§,  %tfn  ßljrifii,  ifi  in 
biefen  wenigen  QBorten  üerfaffet:  2Ber  glaubet  unb  getauft 
wirb,  folt  feiig  werben,  wer  aber  nict)t  glaubet,  ber  folt 
oerbammt  werben.  ÜRarc.  16.  %tem  3ob.  3:  2Ber  an 
ben  ©obn  glaubet,  ber  wirb  nid)t  gerietet;  wer  aber  nicbt 
glaubet,  ber  ifi  f$on  gerietet  2öeld)e  2öorte  ganj  ftar 
bejeugen,  ba§  unfere  ®ered)tigfeit  nicf>t  flefje  in  unfern 
2Berfen,  fonbern  ber  ©laube  an  Sfmftum  fei  e§,  baburdj 
Wir  t)or  ©ott  geregt  unb  ewig  fetig  werben.  Ttan  fielet 
auä),  wie  (S^irifiuö  immerbar  btn  ©tauben  geforbert,  al§ 
ber  am  t)on  ©ott  erlanget;  atö  Wtatti).  21:  5lfte8,  tvaä 
it)r  bittet  im  ©ebet,  fo  it)r  glaubet,  fo  werbet  ibr'3  em* 
pfa^en.  3tem  SWarc.  9:  2ttle  SMngc  ftnb  möglief)  bem, 
ber  ba  glaubet,    ©o  mufi  aud)   ber  ©laube   bie  @ere$* 


233 

tigfeit,  bie  oor  ©ott  gilt,  empfaben,  unb  bem  ©laubigen 
möglief)  fein,  ba§  er  als  gerecht  oor  ©otte§  Slngeficbt  be* 
iiefte.  3m*  Sünbertn  [priest  SfmfiuS  ßuc.  7:  Dir  ftnb 
beine  ©ünben  »ergeben;  ba  ifi  je  bie  ©ünberin  oor  @otte§ 
9fngeftd)t  gereebt  erfannt  worben.  3)arum  aud)  (S&rijhiS 
weiter  fagt:  ©ef)e  f)in  im  ^rieben.  9iun  bezeugt  er  aber, 
ba§  fie  fo(d)c  Vergebung  unb  ©eredjtigfeit  oor  ©ott  burd) 
ben  ©(auben  erlangt  f)abe:  bein  ©taube  f;at  bir  geholfen; 
au3  welchem  folget,  i>a$  mir  burd)  ben  ©(auben  geredet 
werben.  5)a§  unfere  2öiberfa<$er  a(lf)ie  vorwerfen:  3f)r 
finb  oiel  ©ünben  »ergeben,  benn  fie  bat  Diel  geliebet; 
barauf  wollen  wir  im  testen  Steile  richtig  mit  ©otte§ 
4>ülfe  antworten.  3tem  3°^-  1-  3B^  *>iel  fyn  &bcx  auf- 
nahmen, benen  gab  er  Oftacbt,  ©ottes  Äinber  ju  werben, 
bie  an  feinen  Kamen  glauben.  Stent  %ot).  3:  2llfo  f)at 
©ott  bie  28elt  geliebt,  ba#  er  feinen  einigen  @of)n  gab, 
auf  bap  alle,  bie  an  if)n  glauben,  "nid)t  oerloren  werben, 
fonbem  ba§  ewige  Öeben  fmben.  2>enn  ©ott  f)at  feinen 
<2ofm  nid)t  gefanbt  in  bie  2Öelt,  ba$  er  bie  SBelt  richte, 
fonbem  ba$  bie  2ßelt  feiig  werbe.  Jßer  an  ihn  glaubet, 
ber  wirb  md)t  gerietet,  baö  ifi ,  er  ifi  oor  ©ott  gerecht. 
3tem  3o^.  3:  2ßer  an  ben  ®ofm  glaubet,  ber  fyat  bag 
ewige  üeben;  wer  bem  Sofjne  nid)t  glaubet,  ber  wirb  ba$ 
Seben  nid)t  fefjen,  fonbem  ber  3^rn  ©otteö  bleibet  über 
if)m.  3tew  3°^  5:  2Saf)rlict;,  wafjrlid),  icb  fage  eud), 
wer  mein  2Öort  t)öret  unb  glaubet  bem,  ber  mieb  gefanbt 
t)at,  ber  fwt  baö  ewige  Seben,  unb  fommt  niebt  in  ba$ 
©erid)t,  fonbem  er  ifi  oom  £obe  jum  Seben  fjunburd)  ge* 
brungen.  3*em  3ob.  6:  3)a3  ifi  ber  Sßifle  be§,  ber  mid? 
gefanbt  f)at,  ba§,  wer  im  ®o^n  ftef;et  unb  glaubet  an 
if)n,  bcibe  ba§  ewige  Seben,  unb  id)  werbe  iljn  auferweefen 


234 

am  jüngfien  Sage.  3tem  3ofj.  6:  2öafjrtid),  tr)a^rüd^r 
iä)  fage  eud),  voer  an  mid)  glaubet,  ber  l)at  ba$  ewige 
Seben.  3tem  3^-  8:  2Bal)rlid),  wal)rlid),  id)  fage  eud), 
fo  jemanb  mein  2öort  wirb  galten,  ba3  tft,  meinem  @toan* 
gelio  glauben,  ber  wirb  btn  Zob  nid)t  fefjen  ewiglid). 
Stern  3of;.  11:  3$  bin  bie  2(uferftel)ung  unb  ba$  Seben, 
wer  an  micb  glaubet,  ber  wirb  (eben,  ob  er  gleich  ftürbe. 
Unb  wer  ba  lebet  unb  glaubet  an  mid),  ber  wirb  nimmer 
me^r  fierben.  ^km  ^ofy.  20:  Selig  ftnb,  bie  ni$t  fef;en 
unb  bod)  glauben.  3tem:  Tuefe  aber  ftnb  getrieben, 
ba%  i^r  glaubet,  ^tfuS  [ei  ber  6f)rift,  ber  ©o(;n  ©otteS, 
unb  baj}  ibr  burd)  ben  ©tauben  fjabt  ba§  Öeben  in  feinem 
tWamen.  2ßa3  fönnte  ober  möchte  bod)  beuttidjer  gerebet 
werben,  benn,  voie  alle  biefe  flaren  ©prüdje  jeugen,  ba$ 
wir  burd)  ben  ©tauben  ju  ©otteS  Äinbem  derben,  ewtgeä 
ßeben  erlangen,  üor  bem  ©ertdjt  ©otteS  unb  ewigen  £obe 
gefiebert  unb  feiig  werben?  <So  muffen  toir  aueb  burd) 
ben  ©tauben  geredjt  werben;  benn  wer  ni$t  gerecht  iff, 
ber  fommt  nidfjt  allein  in3  @erid)t,  fonbern  aud)  in  bm 
ewigen  Job.  3tem  9tyojL  13:  ©o  fei  e3  eud)  nun  funb, 
lieben  33rüber,  ba$  eud)  oerfünbiget  Wirb  Vergebung  ber 
©ünben  burd)  biefen,  unb  t)on  bem  allem,  burd)  weld)e3 
ibr  nic^t  fonntet  im  ©efefc  ÜJiofe£  geredjt  werben;  wer  an 
biefen  glaubet,  ber  ift  gerecht.  3tem  5lpojt.  15:  ©ott, 
ber  ^erjenefünbiger,  machte  feinen  Unterfd)ieb  jwifdjen 
bm  Reiben  unb  un8,  unb  reinigte  i^re  £erjen  buxtf)  ben 
©tauben.  $aufu8  aber  bat  biefen  Slrtifel,  ba§  wir  allein 
burd)  btn  ©tauben  an  (£f)riftum  ot)ne  äßerfe  be£  @efet$e3 
geregt  werben,  t)or  allen  anbem  2lpofteln  auf£  gewaltigjle 
getrieben,  unb  gteid)  wie  wir  ifm  jeijt  wiber  bie  papifti* 
feben   Sßerftyeiligen   üertfjeibigen  unb   auS  ber  Sdjrift  be* 


235 

Weifen,  alfo  fyat  ifm  $au(u3  wiber  bie  $f)arifäer  unb 
fallen  2lpojM  erftritten  unb  erhalten,  unb  mit  im  fjerr* 
lid)flen  3*ugnijfen  unb  (Sjempetn  ber  6d)rift  befräftiget 
unb  bewähret;  wie  wir  benn  ade  unfere  ©rünbe  auö  im 
©Triften  $auli  genommen  unb  nun  ?t\va$  weiter  erflärt 
unb  ausgeführt.  $ornel)mlid)  ift  biefer  Slrtifel  in  im 
(Spifteln  ju  im  Römern,  ^u  itn  ©afatem,  ju  im  6pbe* 
fem  gewaltig  unb  jjerrlid)  ausgeführt  ba§  eS  gro§  2öun* 
ber  (ift),  wie  bie  üerfiocften  ^apiften  fo  unöerfdjämt  fein 
mögen,  unb  ben  läjlerlidjen  3rrtyum,  bay  ber  OJfenfd)  burd; 
bie  Sßerfe  oor  ©ott  geredet  werbe,  we(d;en  ber  2lpofiet 
$au(u3  mit  fo  großem  g(ei§  unb  Sifer  wiberlegt,  unb 
babei  gefagt:  60  jemanb  ein  anbereS  Guangelium  prebiget, 
benn  id),  ^auluö,  gelehrt  f)abe,  ber  fei  t)erflud)t,  wenn  er 
aud)  ein  enget  auS  bem  Fimmel  wäre,  ©a(.  1,  wieber 
auf  bie  33af)n  bringen.  2ßir  wollen  aber  aüfne  nur  bie 
fetten  unb  Karen  £auptfprüd)e  öon  ber  ©erecbtigfeit  beS 
©laubenö  fefcen;  benn  ixt  mancherlei  ©rünbe  unb  2trgu* 
mente,  bamit  $aulu3  feine  unb  unfere  Öef>re  beweifet,  ha- 
ben wir  fdjon  in  ben  abgefegten  ©rünben  angezogen.  3u 
ben  SHömern  6.  3:  Sie  ftnb  aüjumal  6ünber  unb  man* 
geln  beä  9iu(;mö,  ben  fte  an  ©ott  fjaben  foüten,  unb  von* 
iv.x  o&ne  Serbienft  gerecht  au8  feiner  ©nabe,  Durd)  bie 
©rlöfung,  fo  burd)  %tfmn  Sfjriftum  gefc&e&en  ift,  weisen 
©ott  bat  oorgejMt  }u  einem  ©nabenftu&f,  burd)  ben  ©(au* 
ben  in  feinem  33  (ut,  bamit  er  bie  ©ere^tigfeit,  bie  oor 
if)m  gilt,  barbiete,  in  bem,  ba§  er  ©ünbe  hergibt.  Jtent: 
©o  galten  wir  e§  nun,  ia#  ber  9Ö?enfd)  gerecht  werbe 
ofjne  beä  ®efe|eö  2öerfe,  aüein  burd)  ben  ©tauben.  2>tem 
SRöm.  4 :  5)em  aber,  ber  nid)t  mit  Werfen  umgebet,  glau* 
bet   aber  an  ben,    ber  bie  ©ottlofen  geredjt  mactyt,  wirb 


236 

fein  ©taube  gerechnet  jur  ©eredjtigfeit.  3tem:  $>ert)alben 
mufj  bie  ©eredjtigfet  burd)  ben  ©tauben  fommen,  auf  ba§ 
fte  fei  au§  ©naben,  unb  bie  25er^ei§ung  feft  ftefje  allem 
©amen*  3tem  $öm.  5:  9iun  mir  benn  geredet  Sorben 
ftnb  burd)  ben  ©tauben,  fo  f)aben  mir  triebe  mit  ©ott 
3tem  @a(.  2 :  2ßeil  mir  miffen,  ba§  ber  3Kenf<$  burd)  be§ 
©efe^eö  2ßerfe  nieftt  gerecht  mirb,  fonbern  burd)  ben  ©tau* 
ben  an  Jefum  ßbriftum,  fo  glauben  mir  audb  an  3efum 
(£t)riftum,  auf  ba§  mir  gerecht  merben  burd)  ben  ©tauben 
an  G^rifUtm,  unb  nid)t  burd)  be§  ©efefceS  2Berfe;  benn 
burd)  be§  ©efetjeö  Söerfe  mirb  fein  $teifd)  gerecht*  3tem 
©al  3:  £>ie  ©djrift  fwt  alles  befcl)toffen  unter  ik  ©ünbe, 
auf  baj3  bie  $erf)ei§ung  fäme  bur$  ben  ©tauben  an  3^ 
fum  Stjrifium,  gegeben  benen,  tk  ba  glauben,  3^m 
gpf).  2:  316er  ©ott,  ber  ba  reid)  ifl  oon  23armt)erjigfeit 
burd)  feine  gro§e  Siebe,  bamit  er  uns  geliebet  bat,  ba  mir 
tobt  maren  in  ben  ©ünben,  (?at  er  un§  fammt  Stpriflo 
tebenbig  gemacht  (benn  aug  ©naben  feib  if)r  feiig  morben), 
unb  fyat  un§  fammt  if)tn  aufermeefet,  unb  fammt  iljm  in 
ba$  f)immlifcf)e  Jöefen  gefegt  in  6f)rifto  %tf\x;  auf  ba%  e 
erjeigete  in  bm  gufünftigen  Seiten  ben  überfcfymänglidjen 
Oieicbtbum  feiner  ©nabe,  burd)  feine  ©üte  über  unö  in 
ß^rijio  3efu-  3)enn  au§  ©naben  feib  ifjr  feiig  morben 
burd)  ben  ©tauben,  unb  baffelbige  niebt  aug  eud),  ©otte3 
©abe  ift  e§,  nic&t  au§  ben  Söerfen,  ba£  ftd)  nid)t  jemanb 
rüf;me.  3^em  $f)tf.  3:  3$  f)äbe  ^k§  für  ©dwben  ge* 
rechnet,  unb  ad)te  e3  für  3)recf,  auf  ba§  icb  6f)riftum  ge* 
mönne,  unb  in  if)m  erfunben  merbe,  ba§  idE)  nid)t  babe 
meine  ©ered)tigfeit,  bie  au§  bem  ©e(e£,  fonbern  bie  burd) 
btw  ©tauben  an  Stjrijtum  fommt,  nämlid)  bie  ©eredjtig* 
feit,  bie  t)on  ©ott  bem  ©tauben  zugerechnet  mirb.    3tew 


237 

Sol.  2:  3k  welchem  (Gtmfto)  \i)t  aud;  fcib  auferftanben 
burd)  ben  ©tauben,  ben  ©ott  wirfet  3tein  1  $etr.  1  : 
©elobet  fei  ©ott  unb  ber  SSater  unferg  £erm  3efu  Sfmfti, 
ber  un§  nad)  feiner  großen  Sarmberjigfeit  wiebergeboren 
I)at  ju  einer  lebenbigen  Hoffnung,  buvdE)  bie  2{uferftef)ung 
3efu  ß&rijii  öon  ben  lobten,  ju  einem  unvergänglichen, 
unbeflecften  unb  unverwelflicben  ßrbe,  ba§  behalten  wirb 
im  Fimmel,  eudj,  bie  if?r  au£  ©otteS  SDZad^t  burd)  im 
©iauben  bewahret  werbet  jur  ©eligfeit.  3tem  t^et.  2: 
3)arum  fielet  in  ber  Schrift:  2ßer  an  tfm  glaubet,  ber 
foll  nidpt  ju  ©Rauben  werben.  3tem  1  3o&.  5-  2ß^  ba 
glaubet,  ba§  %t\uä  fei  ber  Sfnift,  ber  ift  oon  ©ott  gebo* 
ren;  wer  aber  t>on  ©ott  geboren  ift,  ber  ift  aud)  gerecht. 
Stern:  Unfer  ©laube  ift  ber  Sieg,  ber  bie  Sßeft  über* 
wunben  l;at.  3ur  2örit  gehört  bie  Sünbe  unb  23erbamm* 
ni§;  fo  benn  ber  ©laube  bie  ©ünbe  unb  $erbammni§ 
unb  alles,  wa§  bie  2öelt  ift  unb  vermag,  überwunben  f)at, 
fo  muJ3  er  aud)  oor  ©ott  geredet  machen.  3tem :  ©otteS 
3eugni§  ift  ba§,  ia§  er  genüget  f)at  oon  feinem  ©ot)n. 
2ßer  ba  glaubet  an  ben  ®ofm  ©otteö,  ber  hat  fold?  3^gs 
m§  bei  tfnn;  wer  ©ott  nicfct  glaubet,  ber  ma$t  ibn  sum 
ßügner;  benn  er  glaubet  nid)tbem  3eugni|3,  ba§  ©ott 
jeuget  von  feinem  ©ofnu  Unb  baö  ift  ba§  3?ugniB,  i>a% 
un§  ©ott  ba$  ewige  Ztben  fwt  gegeben,  unb  fold)e3  ßeben 
ift  in  feinem  <Sof)n;  wer  ben  ©ol;n  ©otteö  fmt,  ber  I;at 
t)a#  ßeben.  3)iefe  vielfältigen,  gang  Weiteren,  flaren 
3eugntffe  ber  Sdmft,  fo  burd)  ben  ©eift  @otte§  felbfi 
gerebet  unb  getrieben  ftnb,  gef)en  allefammt  batyin, 
baft  fte  un§  teuren  unb  bezeugen,  ba§  wir  nid)t  burd) 
unfere  Jßerfe,  ©e^orfam  ober  ^eiligfeit  vor  ©ott  be* 
ftefjen,   fonbern  nur  auö   ©otte§    ©nabe    unb   33  armier* 


238 

jigfeit,   oon  megen  beö  $erbienjle§  3efu  Sfmfii,  allein 
burd)  ben  ©taubem 

2öenn  mir  nid)t  mefjr  a\S  einen  einigen  ©prud)  in 
ber  ^eiligen  ©d)rift  fjätten,  ber  ba  jeugete,  bafj  mir  burdj 
ben  ©tauben  geregt  mürben,  fo  müfcte  fein  üftenfd)  ba* 
miber,  bei  23ertufi  feiner  ©eligfeit,  nichts  reben.  SBie  ein 
fc&retfltd)  unträglid)  Urteil  mirb  btnn  ergeben  über  bie 
läfterlidjen  ^aptfien,  bie  miber  alle  biefe  ^errficfien  man* 
nigfaltigen  ©prü$e  ber  ©d)rift,  barin  fte  frören,  mie  Sbri* 
fiu§  jum  öfternmal  mit  eignem  SDUinbe  beenget,  bafj  mir 
burd)  ben  ©lauben  feiig  merben,  and)  befennen  muffen, 
ba§  alle  $ropf)eten  nnb  Stpofiel  gemaltig  in  bem  überein* 
jftmmen  unb  bie§  am  fjeftigflen  fireiten  (erfireiten),  ba§ 
ber  ©(aube  t>or  ©ott  geregt  ma$e,  —  nid)t  allein  fcer* 
meffentlid)  nnb  läfterlid)  lehren,  baj$  ber  Sftenfd)  ni$t 
bur$  ben  ©tauben,  fonbern  bur$  feine  2öerfe  tmr  ©ott 
geregt  merbe,  fonbern  au$  in  i^ren  läflertic^en  betreten 
be§  irientifdjen  ßoncifö  fe£en:  955er  ba  lehret,  ba§  ber 
©ottlofe  allein  burd)  ben  ©lauben  geregt  mirb,  ber  fei 
tterfluäjL  Unb  fd;ämen  ftd)  ni$t,  affo  alle  ^ropljeten 
unb  2lpojlet,  beren  3eugni§  toi*  gefegt,  unb  baju  bie 
ganje  ©emeine  3efu  (grifft  t)on  Anfang  ber  2öelt  biöfjer, 
bie  alfo  unb  nic^t  anber§  geleitet  unb  geglaubet,  ja,  ben 
©olm  ©otte§,  3efum  (Xfmfium,  ber  felbp  alfo  geprebigt, 
fammt  bem  emigen  SBater,  ber  biefe  Öefjre  t)om  Fimmel 
offenbart,  unb  ben  ^eiligen  ©eift,  ber  burd)  alte  $ropf)eten 
unb  5lpofiel  biefeg  bejeuget,  ju  fcerfludjen.  £>er  emige 
©olm  ©otte§,  %t\u$  ßfmftug,  molle  foldjer  graufamen 
©otte^täfierung  fteuern,  unb  feine  (Sfjre  unb  Söa^r^eit 
erretten. 


239 

Der  adjte  <ßrun6. 
ißjempel  6er  Ke^tfertigung. 

2öir  wollen  nun  aud;  bie  Sjempel  &efel;en,  wie  bie 
^eiligen  SBäter,  $ropl>eten  unb  2lpoftel  vor  ©ott  ftnb  ge* 
redjt  worben;  benn  barin  werben  wir  aueb  ffärlid)  ben 
2Beg  jur  Seligfeit  fef;en.  $aufu8  ber  Slpoftel  brauset 
nur  einö  ju  ben  Körnern  unb  ©alatern,  aber  ein  auSer* 
lefenee*,  unb  fd)ier  baS  23ornelnnfte  in  ber  ganzen  ©djrift, 
nämlicb  bee  2lbraf)am,  weld)e3  benn  au£  fielen  Urfadjen 
biefe  Sef)re  gewaltig  erfläret;  benn  er  ijt  mit  gar  vielen 
l;ot)en  unb  tyerrlidjen  Sugenben  gelieret  gewefen,  ba$  man 
niebt  balb  einen  ftnben  wirb,  wenn  er  gletd)  ber  unver* 
fd)ämtefie  3Renfd)  auf  ßrben  Ware,  ber  ftd)  im  ©efyorfam 
gegen  ©ott  mit  5lbral;am  wirb  vergleichen  bürfen.  3ubem 
fo  l;at  ©ott  ben  9lbraf)am  gefegt  ju  einem  23ater  aller 
©laubigen,  beibe  in  ber  53efd)neibung  unb  in  ber  93orf)aut. 
2ßie  nun  SIbrabam  geregt  worben  fei  vor  ©ott,  jeuget 
nid)t  allein  Sftofee  mit  bem  ©prud)  t  SJiof.  15:  3tbrabam 
bat  ©ott  geglaubet,  unb  ©ott  fwt  tfnn  ben  ©tauben  jur 
©erec^tigfeit  gerechnet;  fonbern  $aulu3  fe|et  t§  auet)  jum 
©runbe  feiner  Öef)re  SRöm.  4:  3ft  Slbra^am  burd?  Jöerfe 
geregt  worben,  fo  f>at  er  wof)l  $ul)m,  aber  nid)t  vor  ©ott. 
3tem:  2ßir  muffen  je  fagen,  ba{$  2(braf)am  fein  ©laube 
fei  jur  ©ered)tigfeit  geregnet  %tem  ©öl.  3:  ©leid)Wie 
2lbral;am  l;at  ©ott  geglaubet,  unb  e§  ift  if)tn  gerechnet 
jur  ©ered)ttgfeit.  5Diefe§  einige  ©jempel  wäre  genug  jur 
SBeweifung;  benn  e§  ift  nur  ein  einiger  2öeg  jur  ©ere$* 
tigfeit  unb  ©eligfeit;  fo  fd)leuJ3t  aud;  $aulu$  fräftiglid): 
SBeü  5Ibra^am  ein  Sater  ift  aller,  bie  ba  glauben,  in  ber 
23or$aut  unb  in  ber  SBefdjneibung,  unb  er  aber  nur  burd) 


240 

ben  ©tauben  gerecht  toorben  ift,  fo  muffen  alle  üftenfcben 
unter  allen  93ölfern,  fo  2lbral;amg  Äinber,  t>or  ©ott  ge* 
recf)t  unb  Gxben  fein  wollen  ber  uerbei§enen  ettngen  ©elig* 
fett,  in  ben  $u§jtapfen  beö  ©laubenS  2lbralwm§  ttxmbeln. 
2öir  wollen  aber  aud)  anbere  mef>r  ßjempel  belegen,  unb 
fefjen,  waö  bie  ©dmft  üon  benen  jeuget,  bie  ia  fmb 
jtt>eifel8otyne  gerecht  unb  feiig  worben.  933ie  benn  5lbam, 
ber  erjle  ©tamm  beö  menfd)lic^en  ©efdjledjtS,  fcor  ©ott 
geregt  fei  korben,  ift  nidE)t  fd^toer  ju  fel)en;  benn  weit 
burd)  feinen  Ungeftorfam  er  ftd)  unb  alle  feine  -ftacfjfom* 
men  in  bie  ewige  23erbammm§  bracht  t)at,  fo  ift  offenbar, 
ba§  ob  er  gleid)  olme  ©ünbe  in  öollfommener  ©eredjtigfeit 
unb  2öet0f)eit  erfdmffen  gewefen,  fo  ifi  er  bo$  barin  ni$t 
blieben,  unb  bermegen  burd)  feine  Söerfe  unb  ©etjorfam 
nid)t  geredet  worben.  3Me  55er^ei§ung  aber  t)om  ©amen 
beö  2Beibe3,  welker  ber  ©djlange  ben  Äopf  jertreten  fotl, 
Ijat  er  mit  gläubigem  £erjen  angenommen,  baburd?  95er* 
gebung  ber  ©ünben  erlangt,  unb  alfo  burd)  ben  ©tauben 
Dor  ©ott  gerecht  worben.  95on  2lbel  jeuget  Sftofee,  ba$ 
er  ©ott  fyabt  gefallen;  bie  (Spiftel  aber  ju  ben  Hebräern 
erfläret  foldjee  6.  11  unb  fpridjt:  3)aB  er  burd)  ben 
©lauben  ein  größer  Dpfer  getrau  fjabe  benn  Gain,  unb 
t)abe  ba$  3^gni§  t>on  ©ott  überkommen,  baß  er  geregt 
fei,  ©ott  fprid)t  felbft  ju  Dloaf)  1  ÜKof,  7:  3)id;  f;abe  td) 
gered;t  erfe^en  t>or  mir  $u  biefer  3t\L  Söotlen  wir  nun 
wiffen  wie  unb  woburd)  üftoal)  t)or  ©ott  ifi  geregt  korben, 
wirb  un8  bie  ©dmft  flärtid)  bartjjun.  ÜJlofeS  fpridjt: 
9?oal)  fanb  ©mibe  t>or  bem  £ervn.  Sft'3  aber  au§  ©na* 
ben,  fprid^t  ^JauluS  JRönu  11,  fo  ifi'3  nidpt  au§  23erbtenfi 
ber  353evfe;  fonjt  märe  ©nabe  nidpt  ©nabe.  $>a$u  bezeuget 
bie  ßpijtel  ju  ben  Hebräern  S.  11:    £>ur$  ben  ©tauben 


241 

hat  üftoaf)  ©ott  gee^ret,  unb  bie  Strebe  zubereitet  jum  £eit 
feineö  £aufe3,  ba  er  einen  göttlichen  23efef)l  empfing  t>on 
bem,  baä  man  nidE)t  falje ;  burd)  melden  er  üerbammte  bie 
2Belt,  unb  f>at  ererbet  bie  ©ere^tigfeit,  bie  burd)  ben 
©tauben  fommt.  93on  Slbra^am  l)aben  toir  broben  gehört, 
unb  bie  (Spijiel  ju  ben  Hebräern  geigt  an,  tt>ie  Slbratjam 
alleg  burdf)  ben  ©tauben  getf;an  unb  tton  ©ott  erlangt 
^jetbe.  2>nfonberf)eit  aber  metbet  bie  ©ebrift  1  9Jtof.  15, 
9lbrat)am  l)abe  ©ott  geglaubet,  unb  ©ott  {jabe  tt)m,  bem 
3lbraf)am,  ben  ©tauben  jur  ©ereebtigfeit  geregnet.  SffietdE) 
gettmltig  Beugniß  btt  ©dEmft  niä)t  rebet  t)on  ber  &\t 
Slbrafwmg,  ba  er  erft  befe^rt  korben,  fonbern  ba  er  t>ot* 
längfi  bem  29efef)t  ©otteS  gefotget,  in  toaljrer  ©ottfeligfeit 
lebete,  unb  tuet  guter  unb  feerrlid^er  2öer!e  beriefen  Iwtte! 
$)a§  aber  beö  9tpoftel3  3acobi  2ßorte  baf)in  lauten,  at§ 
follte  9lbraf)am  bur$  bie  Sßerfe  geredet  korben  fein,  ift 
t)on  ber  Rechtfertigung,  bie  nicfit  t>or  ©ott  in  feinem  @e= 
ri$t,  fonbern  t)or  üftenfdEjen  gefcfyief)t,  ju  üerfteljen,  tt>ie  in 
ber  legten  $rebtgt  mit  ©otteS  £ülfe  heiter  foll  bargetfjan 
werben»  $>a§  3faaf  nid)t  burd?  feine  Sßerfe,  fonbern 
burdt)  hm  ©lauben  t>or  ©ott  fei  geregt  unb  feiig  toorben, 
erfdjeinet  ni$t  allein  auö  bem,  haS  bte  ßptjM  ju  ben 
Hebräern  S.  11  jeuget,  toie  3faaf  burefy  hm  ©lauben  hm 
3acob  unb  Sfau  t>on  jufünfttgen  fingen  gefegnet  f)abe; 
fonbern  aud),  haS  ©ott  t)on  Fimmel  felbfi  ju  3faaf 
1  üJlof.  26  gefproetyen:  3$  ttritl  mit  bir  fein  unb  bid; 
fegnen;  toeld^e  2öorte  ©otteS  nic^t  allein  üom  jeitlid^en 
©dE)u|,  üfta^rung,  £ülfe  unb  ©egen,  fonbern  t)ornet)mlid) 
t>om  ewigen  unb  geifHt^en  £eü,  nämlid)  t)on  Srrettung 
auS  ber  ©ettmlt  ber  ©ünben,  £obe§  unb  beö  ©atan3, 
unb  üon  Vergebung  ber  ©ünben,  Buredjnung  ber  ©ered)* 

16 


242 

tigfeit,   6tf)enfung  be§  fjeiligen  ©eifte§  unb  ßrbfdwft  ber 
ewigen  Seligfett  reben. 

$)e£  $atriar$en  3afob  Sefenntnijj  unb  Beugnifi  fc>on 
i&m  felbft  1  2Rof.  12,  ifl  je  M  unb  Hat:    3$  bin  ju 
geringe  aller  29arm^er§igfeit  unb  aller  Jreue,   bie  bu  an 
beinern  Änedjt  getrau  l)aji.    Jafob  rühmet  fein  2öerf  nod) 
SSerbienfi  fcor  ©otte§  5lugen,  fonbem  befennt,  er  fei  ber  gro* 
fjen  23arm|)eräigfeit  ©otteö  triebt  würbtg.    2öeld)er  9ftenf$ 
will  benn  fo  unbefonnen  unb  fcermeffen  fein,  bafj  er  ft$ 
bem  ^eiligen  unb  l)ot)en  (£rjt>ater  will  t)orjiel)en,  unb  ft$ 
geregter  achten,  benn  %atoh  ftcf>  gefd)ä§t?    2öenn  irgenb 
ein  OJlenfcf)  follte,  fönnte  ober  möchte  burd?  bie  Jöerfe  be§ 
©efe^eg  oor  ©ott  gerecht  unb  feiig  werben,  fo  ptte  folcbeg 
bem  9Kofe  fcor  allen  anbern  nidj)t  allein  gebühren  wollen, 
fonbern  wäre  ilm  aud)  leichter,  benn  anbere  angefommen, 
{internal  ©ott  burd)  feine  #anb  ba§  ©efe|  gegeben,  erflart 
unb  bem  Solfe  vorgelegt,  er  au$  mit  ©ott  öon  2lngeft$t 
ju  2lngeft$t  gerebet,  unb  oon  ©ott  ba§  Beugnifi  gehabt, 
ba$  er  treu  fei  gewefen  im  ganzen  £aufe  ©otteS.    2)a{$ 
aber  nun  2Jtofe8  felbji,  ber  ©efe|geber,   nidjt  bur$  bie 
2ßerfe  be§  ©efe|e§,  fonbern  au§  ©naben  um  3efu  (grifft 
willen,   bur$  ben  ©lauben  geregt  unb  feiig  fei  worben, 
befennet  er  felbji  an  gar  fielen  Orten,  als  baj?  ©ott  ju 
2Rofe  gefagt  l)abe  2  2Rof.  33:    3)enn  bu  $ajt  ©nabe  \>ox 
meinen  5lugen  funben,  unb  ity  fenne  bid§>  mit  tarnen. 
Unb  StWofeS  bem  £erm  im  ©ebet  geantwortet:    $afc  i$, 
£err,  ©nabe  fcor  beinen  Slugen  funben,  fo  ge^e  ber  £err 
mit  unö,  bafj   bu  unferer  2J£iffetf)at  unb  ©ünbe  gnäbig 
feiejl;   bafj  au$  9Kofe§  bie  SBerljetfiung  ber  ©naben  twm 
SCRefftaö  immer  neben  bem  ©efe£  getrieben,  a\8  in  2  Sftof, 
33  unb  34.    3tem  4  3Jlof  14,  5  OWof  18  unb  30  it.; 


243 

item,  ba§  ©ott  befielet,  i>k  Äinber  3ftael  alfo  ju  fegnen: 
$)er  £err  (egne  bxcfe  unb  behüte  bi$,  ber  #err  erleuchte 
fein  2tngeft$t  über  bi$  unb  fei  bir  gnäbig,  ber  £err  er* 
Ijebe  fein  2lngeftdE)t  über  btd;  unb  gebe  bir  ^rieben.  %n 
toelc^en  2öorten  bie  ©ered)ttgfeit  be3  ©tauben§  ftarf  ge* 
grünbet;  benn  bie  2ßorte  fjaben  biefen  93erftcmb:  £>er 
£err  ©ott  Sater  fegne  biet),  ba§  ift,  errette  bi$  t)on  ©ünbe, 
oom  gtud)  beö  ©efe^eö,  t)on  ©ewatt  beö  SeufetS,  be§ 
£obe£  unb  ewiger  93erbammni§ ,  unb  bewahre  unb  be* 
fdjirme  btd)  t>or  biefen  unb  allen  graufamen  geinben. 
I>er  £err  ©ott  ©ot)n,  ^tfuS  d^rifiuö ,  ber  einige  #ei(anb 
ber  2ßelt,  erleud)te  fein  2tngeftd)t  über  bi$,  iaS  ift,  fef)e 
bieb  freunblid)  an  unb  fei  bir  gnäbig,  oerjeitje  bir  alte 
beine  ©ünbe,  mad)e  bid;  geregt  oor  ©ott  burd)  feinen 
©efjorfam,  unb  nefjtne  bid)  auf.  £)er  «Sperr  ©ott,  ber 
Zeitige  ©eift,  ergebe  fein  9lngefid)t  über  bid),  ba§  ift, 
toofjne  in  bir  unb  fdjaffe  in  beinern  ^erjen  neues  ßid)t, 
$reube,  triebe,  ßeben  unb  ewige  ©eligfeii  lieber  ba£, 
ba§  9ftofe3  i>a$  ©efetj  ©otte§,  fo  er  bofy  fetbfi  am  heftig* 
flen  getrieben,  nid^t  erfüllet,  befennt  er  felbft,  unb  erfd^einet 
lauter  au§  bem,  ba#  er  üon  wegen  feines  Ungef)orfam3 
unb  Unglauben^  twn  ©ott  geflraft  worben,  unb  in  i)a$ 
Der^ei§ene  Öanb  nid)t  f)at  fommen  mögen,  SDafc  aber 
Ijergegen  2Jiofe§  burd)  ben  ©tauben  fei  t>or  ©ott  geregt 
unb  feiig  worben,  bezeuget  nid)t  allein  bie  (Sfrifiet  ju  ben 
Hebräern,  Welche  auebrüdlid)  fe|t,  ba%  SJiofeg  burd)  ben 
©tauben  bie  ©d)ma$  Sfmjli  für  großem  $ei$t!)um  ge* 
achtet,  benn  bie  6d)ä£e  Sgt)pten§;  fonbern  erweiji  ft$ 
auf«  gewalttgjte  auö  bem  legten  ®tbtt  2Rofc8  5  SKof  33 : 
D  SBolf,  baö  bu  burd)  ben  £errn  feiig  wirft,  ber  beiner 
#ülfe  ©d)ilb  unb  ba§  ©djwert  beine§  ©iegeS  ift    ©leid)« 

16* 


244 

falls  ifi  ber  £of)epriej?er  Slaron,  ti)elcf)er  triebt  altem  bte 
§el)n  ©ebote  geprebigt  unb  fleißig  geübet  fonbern  aueb  bk 
fjoben  unb  faseren  ÜBerfe  be3  $rieftertl)um3  t>errid)tet, 
nid)t  burdE)  feine  2öerfe  ober  ©efjorfam,  fonbetn  au3  lauter 
©nabe  unb  burd)  ben  ©lauben  öor  ©ott  geredet  unb  feiig 
morben.  Denn  feine  erfc^retflid^e  Abgötterei,  fo  er  gejtiftet, 
unb  ba%  9Jiofe§  fpric&t,  5  9Kof.  9:  9Iuä)  toar  ber  £err 
fe^r  sornig  über  2Iaron,  ba$  er  ifm  vertilgen  tollte,  aber 
i$  bat  für  ifm;  bezeugen  genugfam,  ba§  er  baö  ©efe| 
nicJ)t  erfüllet,  fonbern  be§  2Serbienjte3  3efu  S&rifli  im 
©lauben  genoffen  Ijabe,  25on  Datrib  fpriäjt  ©ott,  er  ljabe 
einen  ÜKann  funben  na$  feinem  ^erjen;  unb  §toar  feine 
großen  Saaten  unb  f)errli$en  Söeiffagungen  geigen  an,  ttrie 
er  eine  Ärone  ber  ^eiligen  getoefen;  bennoä),  bafj  er  burefj 
feine  2ßerfe,  ©ef)orfam  ober  £eitigfeit  nic|t  fei  geregt 
toorben,  befennt  er  fo  gewaltig  unb  fo  oft,  ba£  fein  (£t)rift 
einige  Urfa^e  mag  fwben,  baran  ju  jtoeifelm  (Sr  befennt 
ni$t  allein  feinen  $all,  mit  ber  23att)feba  begangen,  unb 
ba§  er  in  ©ünben  empfangen  unb  geboren,  QJf.  51,  fon* 
bern  bittet  alterbinge,  ©ott  toolle  nic^t  mit  iljm  tn3  ©e* 
ridjt  geljen,  unb  faffet  eben  in  einem  Urteil  ba3  ganje 
menfdjttcfje  ©ef$le$i  Denn  t)or  bir,  fpric^t  er  $f.  143, 
ttrirb  fein  Sebenbiger  geregt  ^ergegen  aber  fe|et  er  $f.  32 
all  feine  ©eligfeit  auf  bte  Vergebung  ber  ©ünbem  2öof)t 
bem,  fpri^t  er,  bem  bie  ttebertretungen  vergeben  ftnb,  bem 
bie  ©ünbe  bebeeft  tfh  2Bo$l  bem  2ftenf$en,  bem  ber 
£err  bie  SRiffet^at  ni$t  jurec^net  Stern  $f,  51:  ©ott 
fei  mir  gnäbig  nadE)  beiner  ©üte,  unb  tilge  au§  meine 
©ünbe,  nadE)  beiner  großen  Sarm^erjigfeit.  &l\a$,  ber 
I)ol)e  $ropl)et,  im  ber  £err  im  Söetter  auf  einem  feurigen 
SBagen  gen  Fimmel  geführt,  rennet  ftd?  felbfi  unter  bk 


245 

3af)l  berer,  fo  au3  ©naben,  unb  nidf)t  burcf)  23erbienft, 
ftnb  geregt  unb  fetig  Sorben.  £err,  fprid)t  er,  icf)  bin 
nid)*  beffer  benn  meine  93äter,  1  Äön.  19.  2öirb  aud) 
jemanb  auf  Srben  fein,  ber  ftcf)  bem  $ropf)eten  3efaw 
ober  3eremia  °^er  kerntet  toirb  bürfen  gleidf)  achten? 
2ßirb  er  nicf)t  mit  foldjer  Sermeffen^eit  ftcb  fcor  aller  2öelt 
ju  ©cf)anben,  sunt  öofm  unb  ©pott  machen?  2öag  aber 
jei$t  gemelbete  ^rop^eten  t)on  iljrer  ©eredE)tigfeit  rühmen 
unb  betennen,  ifi  t)or  Stugen.  Sefaiaö  fpridfjt  (L  53 :  6r 
iji  um  unferer  Sftiffetfjat  willen  üerftmnbet,  unb  um  um 
ferer  Sünbe  miffen  $erfd)lagen ;  bie  ©träfe  liegt  auf  if)m, 
auf  t)a%  mir  griebe  Ratten,  unb  burcf)  feine  Söunben  ftnb 
mir  geleitet;  nur  gingen  alle  in  ber  3n*e  mie  ©<f)afe. 
3tem  (L  61 :  ßr  t)at  mtcb  angezogen  mit  Kleibern  be3 
#etl8,  unb  mit  bem  Otocf  ber  ©eredjtigfett  gefleibet  3tem 
(L  64:  2öir  ftnb  alle  mte  bie  Unreinen,  unb  all  unfere 
©ered[)tig!eit  ift  mie  ein  unptf)ig  Äleib.  3tem,  3eremiag 
(£.  14:  £err,  mir  erfennen  unfer  gottlofe§  2öefen  unb  un* 
ferer  sMter  DJiiffetbat;  benn  mir  ^aben  toiber  bi<$  gefün* 
biget,  aber  um  beineö  9tomen8  millen  la§  un§  nid)t  ge* 
fdmnbet  merben.  3tem  6.  9:  2Ber  ftd)  rühmen  mill,  ber 
rüf)me  ftdj  beö  £>erm,  bafj  er  mid)  miffe  unb  fenne,  ba§ 
td)  ber  ^err-bin,  ber  Sarmljersigfeit,  $ed)t  unb  ©ere$* 
tigfeit  übtt  auf  (ärbem  3tem,  2)aniel  (£.  9:  2ld)  lieber 
£err,  bu  großer  unb  fd)reclitd)er  ©ott,  mir  l)aben  gefünbi* 
get,  Unrecht  getrau,  ftnb  gottlog  gemefen  unb  abtrünnig 
morben,  mir  ftnb  t)on  beinen  ©eboten  unb  $ed)ten  ge* 
midjen.  Sllfo  bdä  au$  ber  ^ßrop^et  9Jlidw  (L  7:  6o 
td)  im  ginftern  ftise,  fo  ifl  bodj  ber  £err  mein  Stdjt;  id) 
mill  be§  £errn  3°™  tragen,  benn  icf)  fjabe  miber  ii)n  ge* 
fünbiget;   big   er  meine  ®ad)e  ausführe  unb  mir  3^ect>t 


246 

fdjwffe;  er  toirb  mid)  an§  ßid)t  bringen,  ba§  iü)  meine  Cuft 
an  feiner  ©nabe  fef)e.  9Jlit  tiefen  flaren  unb  öffentlichen 
33efenntni§  ber  ©ünben,  bergteidjen  fafl  in  allen  ^Jro^^eten 
ju  finben,  barin  fie  ft$  audj  fel&jt  mit  einfließen,  bezeugen 
bie  $ropl;eten  twr  alfer  Söelt,  ba§  Weber  jte  nod?  fein 
Sftenfd)  auf  6rben  burci)  eigne  Söerfe,  SSerbienft  nod)  ©e* 
rec^tigfeit  twr  ©ott  geregt  fei  korben,  fonbern  fte  Ijaben 
ft$  aflefammt  ber  Sarm^erjigfeit  unb  ®nabe  ©otteS,  unb 
beö  #eilanbe8  %tfu  6f)rifH  getröftet,  unb  burdj  ifw  twr 
©ott  geregt  werben  muffen,  2ßa§  tollen  ftdE)  benn  bie 
elenben,  unfauberen,  I;äfftgen  Wlöntyt  unb  Tonnen  ober 
anbere  werfljeilige  ^apijien  unterließen,  burdj  it)re  erbidjtete, 
befubelte  unb  pinfenbe  £eiligfett  oor  bem  lebenbigen  ©ott 
in  feinem  @erid)t  §u  befielen  unb  geredet  ju  fein?  9Hd)t 
weniger  finb  bie  gewaltigen  ßjempel  im  neuen  Jejlament 
twr  2lugen,  ba§  nid)t  allein  bie  armen  Sünber  ju  ©naben 
aufgenommen,  bie  üermeffenen  ^eiligen  twn  ©ott  tterwor* 
fen  finb  worben,  fonbern  ba§  audE)  bie  aHerf)öci)jlen  9lpoflel 
unb  bie  hochbegabten  liebften  ^eiligen  ©otteS  fxä)  aller 
eigenen  ©erec^tigfeit  begeben,  ißre  Unreinigfeit  erfannt; 
allein  aber  burdi)  ben  ©lauben  in  ßfmfio  3efu  ©nabe, 
£eü,  ©eredjtigfeit  t)or  ©ott  [unb  öeben  gefugt  Ijaben* 
3$  will  je§t  nifytS  fagen  twn  ber  armen  ©ünberin,  twn 
welcher  ßf)riflu§  fo  auöbrücflid)  jeuget,  eg  feien  ü)r  bie 
©ünben  vergeben,  unb  ißr  ©laube  fjabe  il)r  geholfen. 
2tu$  will  t$  idE)  twm  Söllner  nidjt  fagen,  bem  bodf) 
ßfmftug  ba§  3^ugniB  gibt,  bafi  er  fei  gerechtfertigt  in  fein 
£au§  gegangen  twr  jenem  ^ßarifäer,  welken  ©ott  mit 
feinen  Sßerfen  jur  £ötte  oerbammt  25ortrefflid^e,  auSer* 
lefene  ^eilige  £eute,  an  Weidjen  ©ott  ein  befonbere§  ©e* 
fallen   gehabt,    laffen   unö   anfeben   unb   if>r  23efenntni§ 


247 

f)ören,  toie  fxe  gerecht  toorben  ftnb.  betrug  ifi  je  ein  f)of)er, 
vortrefflicher  Styojiel  getoefen,  ber  ßfirifium  lieb  gehabt, 
unb  in  toeldjem  ©otteg  ©eifi  geleuchtet,  tt)ie  Sfmfiu§  felbfi 
befannt  l)at.  2)afj  nun  aber  ber  2tyoftel  betrug  nic^t 
bur$  feinen  ©eborfam  t>or  ©ott  fei  gerecht  korben,  fon* 
bern  auö  ©naben  bur$  ßfjriflum,  emeifet  fxd)  erjitxd) 
burd)  feinen  fd)recflid)en  $all;  barnad)  nod)  fiärfer  burd) 
fein  23efenntni§  unb  QSrebigt  2tyoft  15:  2öeber  unfere 
SBäter  nod)  noir  l)aben  ba§  3°$  be8  ©efe^eg  mögen  er* 
tragen,  fonbem  roir  glauben  burd)  bie  ©nabe  be§  $erm 
3efu  (grifft  feiig  ju  werben,  gleichem  eife  tote  aud)  fxe. 
@3  werben  je  alle  Vernünftigen  befennen  muffen,  bajü  ber 
Ijofje  Styofiel  $aulu3  allen  ^eiligen  öeuten,  fo  je|t  leben 
mögen,  mit  guten  2ßerfen  unb  £»eüigfeit  toeit  überlegen 
fei,  unb  er  felbfi  berühmt  fiü)  im  ^eiligen  ©eifi,  er  fei 
ü)tn  nid)t§  httvufyt,  l  Gor.  4,  nid?t§  befto  minber  aber 
lehret  er  nid)t  allein  aufe  geftaltigfte  in  allen  (Sjujleln, 
ba§  ber  üftenfdE)  allein  burd)  ben  ©tauben  an  Gfmftum, 
aug  ©naben,  ofjne  Serbienfi  ber  2öerfe  geregt  unb  feiig 
toerbe,  fonbem  fe|t  aud)  fxd)  felbfi  etliche  Wlalt  jum  6jem* 
pel,  auf  ba§  jebermann  Urfac^e  f)abe,  fotdjer  feiner  2)emutfj, 
©ottfeligfeit  unb  ©tauben  nachfolgen.  3u  bm  $l)xlip* 
pem  S.  3  fyricbt  er :  Steinen  $ul;m  unb  Söerfe  ad)te  i$ 
für  ©djaben  unb  3)recf,  auf  ba£  i$  Sfmfium  gewinne, 
unb  in  if)tn  erfunben  werbe,  ba$  itf)  ni$t  fyabt  meine 
©erec^tigfeit,  bie  auö  bem  ©efefj,  fonbern  bie  bur$  bm 
©tauben  an  ßfmfium  fommt,  nämlid)  bie  ©erec^tigfeit, 
bie  üon  ©ott  bem  ©tauben  jugeredEjnet  ttürb.  ^km 
1  Jim.  1:  $)a§  ifi  gett)ifjlx$  tt)af)r  unb  ein  treuer  toertf)e3 
2Bort,  ba§  3efu8  ßlmftuS  in  bie  Söett  fommen  ift,  bie 
©ünber  fetig  ju  machen,  unter  tt>eld)en  icf)  ber  Vorne^mjie 


248  . 

bin;  aber  batum  ifl  mit  23arml)eräigfeit  wiberfafjren ,  auf 
ba§  an  mir  t)ornef)m(id)  3efug  G&rifiuS  ergeigete  alle  ©e* 
bulb,  jum  Sjempef  benen,  bie  an  um  glauben  follen  jum 
ewigen  Sebem  Jo^anniö  be§  2äufer§  (Sjempel  iji  no$ 
gewaltiger  unb  Ijerrlidjer,  bieweil  er  (o  fd)recflidj)  ni$t  ge* 
fallen  mit  SBerleugnifi,  wie  $etru8,  audE)  fein  Verfolger  bet 
5tird)e  gewefen,  wie  $aulu§,  t)on  3efu  Sfmjto,  bem  ©ofme 
©otteS,  aber  i>a$  3eugni£j  empfangen,  bafc  fein  größerer 
tton  Jßeibem  geboren  fei,  benn  er,  %ofyannt$  ber  Käufer. 
Unb  bennod)  mag  au§  ^eiliger  ©djrift  md)t  erliefen  wer* 
ben,  baß  er  bur$  feine  2öerfe,  ©efwrfam  ober  #eiligfeit 
Dor  ©ott  fei  geregt  unb  feiig  Worten,  t)ielmef)r  aber  ift 
au§  feinem  35efenntni§  unb  ^rebigen  offenbar,  ba$  er 
feine  Unreinigfeit  erfannt  unb  burdf)  hm  ©tauben  an 
ßfjrifium  bie  ©erec^tigfeit  unb  ©eügfeit  gefugt;  iti)  bin 
nicbt  wertl),  fptid)t  er  3^-  l,  ba%  id)  mi$  t)or  ßfmjto 
bücfe  unb  ifjrn  bie  €>d)uf)riemen  aupfe.  3tem:  9Son 
feiner  $üHe  Ijaben  wir  alle  genommen  ©nabe  um  ©nabe* 
3tem:  ©iel;e,  ba§  ift  ©otteä  Öamm,  wel^eö  ber  2ßeit 
©ünbe  trägt  2ludj  ber  Jungfrau  StRaria,  ber  ßodjbegna* 
beten  9Jtutter  ©otte§,  bie  mit  bem  ^eiligen  ©eijt  erfüllt 
gewefen  unb  ben  ©ofm  ©otte§  jur  2öelt  gebraut,  gibt 
bennod)  bie  fjeilige  ©dmft  i>m  JRufjm  nid)t,  bajü  fie  buxä) 
ißre  2öerfe,  ©efjorfam  ober  Serbien^  t>or  ©ott  fei  geregt 
worben,  fonbern  ba%  fie  ©nabe  erlangt  f)abe;  wie  ©abriel 
jeuget  Suc.  1:  ^ür^te  btd)  nid^t,  OJlaria,  benn  bu  Ijaft 
©nabe  bei  ©ott  funben.  3fl'8  aber  au3  ©naben,  fpri$t 
qjaulug  0Wm,  11,  fo  iji'g  ntd&t  auS  »erbienjt  ber  2öerfe, 
2ßer  fid)  benn  nun  unterließet,  burd)  feine  2öerfe,  Serbien]!: 
ober  beiligeS  Seben  t)or  ©ott  gerecht  ju  fein,  ber  geratet 
in  fol^e  £f)orI)eit  unb  93ermeffenf)eit,  ba%  er  ftcb  über  alle 


249 

grjtmter,  2lbam,  $oaf),  2lbraf)am,  %atob,  über  aüe  fjeili* 
gen  Äönige,  3)atnb,  3ofapf)at,  £i8fia,  9)ianaffe,  über  alle 
$ropl)eten,  6lia,  (gfaiaö,  über  alle  Slpoftel,  über  S^anneg 
ben  Säufer  unb  über  Sftaria,  bie  Wlutteä  @otte£,  empor* 
f)ebt,  ja  melme&r  ftd)  mit  folgern  ©tofj  in  Slbgrunb  ber 
#ölle  jtürjet*  Unb  ba§  e£  nid[)t  nötfjig  fei,  alle  gjempel 
ber  Sdmft  ju  er§äl;len,  fo  fef)e  man  an  ben  gro§en  £au* 
fen,  ben  9Kofe§  jufammenfaffet,  in  bie  fecf)gmal  fjunbert 
taufenb  unb  mefjr  (Sjempet,  unb  bezeugt  flärlidj,  ©ott 
Ijabe  bem  ganjen  £eer  ber  3fraeliter  t>on  bem  Sage  an, 
ha  er  fte  au§  Sgtjpten  geführt,  big  auf  bie  geö,  ba  üftofeS 
für'ö  93olf  bittet,  ntd)tg  erzeigt  nod)  gegeben,  Weber  @e* 
red)tigfeit  nod)  seitliche  2öol)lfart,  nad)  ifjrem  $erbienfi, 
fonbern  auö  lauter  ©nabe  unb  SBarm^erjigfeit  mit  iljnen 
fei  umgegangen,  Unb  ba  biefer  £aufe  in  ber  2Bü|ie  um* 
gefommen  mar,  bezeugt  er  i^ren  Äinbern  jum  öfternmale, 
©ott  bringe  fte  nid)t  in  ba3  gute  Öanb  um  ifjrer  ©ere$* 
tigfeit  willen,  benn  fte  feien  ein  ungeborfam  23olf,  barum 
folien  fte  nicftt  geben!en,  ba§  fte  ©ott  in  baö  gute  ßanb 
fe£e  um  i^reS  ©e^orfamö  willen,  ©o  aber  bie  Äinber 
3frae(,  fo  ©otteg  »olf  waren,  @otte§  2Bort  unb  bie  $ro* 
p^eten  Ratten,  fo  t>on  ben  ^eiligen  Tätern  waren  fommen, 
md)t  fonnten  bur$  ifjre  2öerfe  unb  ©e^orfam  ba§  Öanb 
Sanaan  üerbienen,  öiel  weniger  finb  fte  mit  i^ren  Jöerfen 
öor  ©ott  gerecht  ix>orben,  ober  Ijaben  ba§  ewige  %thm 
burdf)  it)re  Jßerfe  erlangt  2)a8  ftnb  bo$  je  tuet  ^errli^e, 
gewaltige,  unfehlbare  Sjempet,  bie  alle  bezeugen,  ba£  bie, 
fo  ©ott  gefallen  unb  bie  ©eligfeit  erlangt  f)aben,  ftd)  nidE)t 
auf  if)re  2ßerfe,  fonbern  allein  auf  ©otte§  ©nabe  unb 
Sfjrifh  Sßerbtenfi  im  ©lauben  üerlaffen  fjaben.  (Sin  Krempel 
unter  ben  obgefe^ten  wäre  genug  gewefen  §ur  Seweifung 


250 

unferer  ßebre;  benn  e§  tfi  nic^t  meljr,  benn  ein  einiger 
2ßeg  jur  ©eligfeit,  unb  tote  ein  OJtenfd^  üor  ©ort  geregt 
toirb,  alfo  unb  auf  bie  SBeife  muffen  fte  altefammt  geregt 
t)or  ©ott  unb  feiig  werben;  benn  atiein  (£f)rifiuö  ifi  ber 
2öeg,  bie  2öaf)r|)eit  unb  ba§  ßeben.  3<>f)-  14.  9lber  auf 
ba§  ftcf)  bie  ttermeffenen  2öerfl)eiligen,  bk  ftd)  empor  ^eben 
über  bie  f)of)en  Sinter  ber  SBelt,  etoaö  fdjämen  lernen, 
unb  barum,  ba%  ein  jebe§  ßjempel  immer  eine  befonbere 
Öeljre,  23ermal;nung  unb  Srofi  in  fid)  faffet  unb  unö  t)or* 
legt  l)abe  iü)  befio  meljr  einführen  wollen;  ba§  aber  nun 
niemanb  gebenfe,  man  l)abe  nur  beren  Sjempel  angezogen, 
bie  tf)re  $ef)ter  unb  ©ünben  befannt,  unb  i^ren  Srofi  auf 
(Xljriflum  gefegt,  eg  motten  aber  au$  tool)l  ßfempel  fun* 
ben  werben  in  ber  ©d)rift,  berer,  bie  burdj  ü)re  2öerfe  üor 
©ott  wären  geregt  roorben.  3ü>ar  ttm§  unfere  päbjilidjen 
$erfef)rer  ber  6d)rift  für  ßfempet  auf  bie  Meinung  am 
gießen,  barauf  sollen  Wir  mit  ©otteö  £ülfe  orbentli$  in 
ber  legten  $rebigt  antworten,  baß  aber  fein  folc^eg  ßjem* 
pd  toeber  in  ^eiliger  ©djrift,  nodt)  in  aller  Seit  ju  ftnben, 
beffen  finb  wir  f$on  buref)  ben  ^rop^eten  $>at>ib  oerfic^ert, 
welker  fpric^t  $f.  143:  25or  bir,  #err,  wirb  fein  Öebenbi* 
ger  gerecht.  Stern  $f.  32:  $)afür,  ba§  ifi,  um  Serjei^ung 
i^rer  ©ünben,  werben  bid)  alle  ^eiligen  bitten.  3tem 
$auiu8  9Wm.  1 1 :  3iber  ©ott  &at  alleS  befc^toffen  unter 
bie  ©ünbe,  auf  bafj  er  ftd)  aller  erbarme.  Herwegen  ifi 
unmöglich,  auf  ßrben  ein  (Sjempel  ju  finben,  ba§  ein 
SJienfcf)  burd?  feine  guten  2ßerfe  ober  ©e^orfam  oor  ©ott 
geregt  Werbe.  Sielmeljr  aber  fyat  9Jugufiinuö  fe^r  Wobt 
gerebet,  unb  ftimmt  mit  $aulo  unb  aller  $ro:pf)eten  unb 
Stpofiel  3eugniJ3,  ba  er  ad  Bonifacium,  1.  3  c.  5  fpri^t: 
Omnium  igitur  piorum  sub  hoc  onere  corruptibilis  carnis, 


251 

et  in  istius  vitae  infirmitate  gementium  una  spes  est: 
quod  advocatum  habemus  apud  patrem  Jesum  Christum 
justum,  et  ipse  est  exoratio  peccatorum  nostrorum.  $)a§ 
ift:  £>iefeö  ift  bie  einige  Hoffnung  aller  ©ottfeligen,  fo 
unter  ber  Öafl  biefeö  fterblidpen  $leifdE)eg  unb  in  ber 
©d)Wad)l)eit  biefeö  2eben3  feufjen,  ba§  wir  einen  gür* 
fpredjer  bei  bcm  25ater  tjaben,  Jefum  Sbrifium,  ben  ©e* 
testen,  unb  er  ift  bie  23erföl?nung  für  unfere  ©ünbe. 
2llfo  fjaben  wir  nun  in  biefer  ftebenten  $rebigt  genugfam 
erliefen,  erjlticf),  au§  bem  3^ugni§  beö  §.  ©ctfleS  unb 
aller  ©laubigen  Srfalmmg,  barnad)  au§  bem,  ba$  bem 
allmächtigen  ©ott  feine  (Sfjre  nid)t  folle  nod)  muffe  genom* 
men  werben,  für'8  britte,  au§  ben  gellen  Haren  unb  fjei* 
tern  Sprühen  ber  beiligen  ©dmft,  beibe  alten  unb  neuen 
£eftament§,  unb  bann  le§tli$  mit  fo  üielen  gewaltigen, 
unwiberleglidjen  (Stempeln,  nämli$,  ba§  fein  SERenfdj  fönne 
ober  möge  burd?  feine  SBerfe,  ©elwrfam,  $römmigfeit, 
©ered)tigfeit ,  Serbienft  ober  öeiligfeit  t>or  ©ott  geregt 
unb  feiig  werben,  fonbern  alle,  ik  t)or  @otte§  ©eri$t 
befielen  unb  geregt  fein  wollen,  aud)  beö  ewigen  ßebenS 
tljeilbaftig  werben,  muffen  folc^eö  allein  bur$  ben  ©lauben 
in  G^rifto  3cfu,  au3  lauter  ©nabe  unb  Sarmfjerjigfeit 
©otte§  erlangen,  na*  bem  enbtidjen  23ef$lu§  be§  lebenbi* 
gen  ©otteö  2  Wlo\.  33:  2öe§  td)  mid?  erbarme,  be§  er* 
barme  id)  mid),  unb  wem  iti)  gnäbig  bin,  bem  bin  idj 
gnäbig.  9iad)  Wetter  feiner  ©üte  unb  33armf)eräigfeit  ber 
treue  ©ott  aud)  mit  un3  fjanbeln,  unb  un§  in  3efu  S^riflo 
bie  ©ered)ttgfeit  unb  ©eligfeit  geben  wolle,    Slmen, 


|ie  ttdjte  f  reMgt. 


3m  biefer  $rebigt  sollen  toir,  mit  SSerleiljmng  göttlicher 
©naben,  no$  oier  ftarfe  unb  fräftige  Argumente  unb 
©rünbe  anzeigen,  burdf)  tx>el<^)e  unfer  Sefenntnifj  unb 
©taube,  ba§  ber  9Kenftf)  mdf)t  burcb  feine  2öerfe,  ©e|)or* 
fam  ober  $römmtgfeit,  fonbern  au§  lauter  ©nabe  ©otteg, 
öon  megen  be§  93erbtenfie3  3efu  (Hjrijli,  allein  bur$  ben 
©tauben  uor  ©ott  geredet  unb  feiig  toerbe,  nod)  ferner 
betätigt  toirb.  2ll§  namlitf),  baj?  ©ott  nidE)t  allein  bie 
Äinber  %\xad,  fonbern  aud)  bie  Reiben  ju  ©naben  ange* 
nommen,  jur  ©ered&tigfeit  unb  ©etigfeit  in  (Stjrifto  §at 
fommen  taffen.  ftür'g  anbere,  ba£  bie  @erecf)tigfeit,  fo 
üor  ©ott  gilt,  unb  einige  ©etigfeit,  fo  gar  md)t  öon  un§ 
fjerfommt,  nod)  au8  ben  Söerfen  erfprie^e,  ba%  au$  ba§ 
einige  SRittel,  ber  ©taube,  burcfr  freieren  mx  bie  @ere$* 
tigfeit  un§  jueignen  unb  ber  ©etigfeit  tfjeilljaftig  werben, 
eine  pur  lautere  ©abe  unb  ©efdjenf  ©otteS  fei,  oljne  alle 
unfere  2Rtttt)irtung  unb  3^tf)un.  gür'g  britte,  bafj  alle 
©leicfmiffe  unb  SBitbniffe,  mit  melden  Sfmjtug,  t>k  $ro* 
p^eten  unb  5lpoftet  bie  Se^re  öon  ber  ^Rechtfertigung  un§ 
Ijaben  formalen  unb  erflaren  tootfen,  bem  päbjtltcf)en  3?*> 
tfjum  firacfS  jutoiber,  mit  unferm  35efenntni§  aber  ganj 
unb  gar  überanflimmen.  Unb  bann  le|tli$,  bievoeil  na$ 
ber  etoigen  2öat)l  unb  2Sorfaij  be§  allmächtigen  ©otteg  bie 
Slugemä^lten,  fo  jum  ewigen  ßeben,  nidP)t  allein  ba  fte 
toeber  ©ute§  nodj  33öfeö  getfwn,  fonbern  auef),  ba  fte  nod) 


253 

nie  geboren  gewefen,  üerorbnet  ftnb,  berufen,  gerechtfertigt 
unb  Ijerrlid)  gemalt  korben,  fo  mufe  je  bie  ©erecfjtigfeit 
ttor  ©ott  unb  ewige  ©eligfeit  nicbt  auö  ben  2Berfen  nod? 
auö  bem  SSerbienft  fein,  fonbem  allein  au§  ©otte§  2ßaf)l, 
9Sorfaf$,  (auter  ©nabe  unb  23armJ)eräigfeit,  in  3efu  S^rifto, 
bem  £ei(anb,  offenbaret.  £)iefe  ©rünbe,  fo  un3  bie  2lpofiel 
aixti)  neben  bem  vorigen  feigen,  wollen  mir  auf  bieömat 
erwägen. 

Der  neunte  (Bruno. 

Dom  Beruf  öer  öeiöen. 

2öenn  bie  ©erec^tigfeit,  fo  t)or  ©ott  gilt,  au£  ben 
Sßerfen  beö  ©efe|e§  fommen  follte  unb  nidf>t  burd)  bie 
$rebigt  beö  Soangelii  oon  ben  2Bof)ltljaten  3efu  (grifft 
an§  bem  ©tauben,  fo  wollte  folgen,  ba§  bie  Reiben  nidjt 
Ratten  fönnen  gerecht  nodj  feiig  werben,  fonbem  nur  ber 
€>ame  Slbra^amS,  bie  Äinber  Sfrael,  benen  ©ott  baö  @e= 
fe|  gegeben  unb  ilmen  feinen  Eitlen  offenbaret.  $)emt 
wer  mit  feinen  Söerfen  unb  ©efwrfam  twr  ©ott  geredet 
fein  unb  befielen  foll,  ber  mufj  t)or  allem  ©otteö  Sffiillen 
wtffen,  unb  feinen  23efef)l  fcerfteben,  aud?  beffen  au3  ©otte# 
ÜRunbe  t)erftc^ert  fein,  ba$  ©ott  ü)tn  alfo  unb  ni$t  anberg 
wolle  gebienet  fmben.  Wieweit  benn  bie  Reiben  ©otteä 
©efe|  nid)t  gehabt,  oiel  weniger  bamad)  gelebt,  fo  ptten 
fte  <xud)  nidE)t  fönnen  öor  ©ott  geregt  werben,  fonbem 
biefe  ^errlic^feit  würben  allein  bie  3uben  gel;abt  l)aben. 
$)enn  ba§  gletdf)  $aulu3  fpridjt  ju  ben  Römern  S.2:  £>ie 
Reiben,  fo  baö  ©efe£  nidjt  fjaben,  tl;un  benno$  bie  2Berfe 
beö  ©efe§e3,  bamit  fie  bezeugen,  baf$  ba§  ©efe£  in  iljrem 
£erjen  getrieben  fei,  ift  gar  nifyt  ba^in  ju  üerftefjen,  alö 
wollte  $aulu§  lehren,  ba§  bie  Reiben  ©otteö  ®efe|  ganj 


254 

gewußt  ober  gehalten  ptten,  fonbern  au§  bem,  ba$  bie 
Reiben  ettiä)  ermaß  en  etliche  2Gerfe  beö  ©efe|$e§  ttmn,  alö: 
ba§  ifjrer  etliche  ehrbare  öeute  finb,  rti^t  morben  nodf) 
fielen,  nityt  Un^t  treiben,  unb  bamit  bezeugen,  bafj 
nod)  etwaS  Uebrtgeg  fei  in  ifmen  t)on  ber  (Srfenntnig  be§ 
©efe|e§,  unb  baS  Urteil  beö  ©efe^eS  in  ifjrem  £erjen 
getrieben  ftetje,  Will  er  bereifen,  ba§  bie  Reiben  t>or 
©otte§  ©eridjt  nic^t  unfc^ulbig  ftnb,  ob  iljnen  gletd)  ba§ 
©efe|  aufS  neue,  wie  ben  3uben,  nic^t  tfi  gegeben;  benn 
baö  ttrtbeil  if)re3  ©ewiffen§  jeigt  an,  ba%  fte  bem  allmä$* 
tigen  ©ott  ©e|wrfam  ju  leiten  fc&ulbig,  unb  weil  fte  ber 
@ered)tigfeit  mangeln,  barin  fte  erfd^affen,  unb  bem  @efe£ 
uidjt  t)oHfömmen(idf)  gefwrfamen,  gleid)  ben  3uben  ber 
23erbammni§  unterworfen  ftnb.  ©o  benn  nun  bie  ©ere$* 
tigfeit,  bie  üor  ©ott  gilt,  in  unfern  SBerfen  fielen  follte, 
unb  aber  bte  Reiben  ©oite§  @efe£  (toetd^eö  allein  fagt, 
welken  @ef)orfam  ©ott  t>on  un§  forbere)  ni$t  gemußt, 
nod)  üerfianben,  no$  gehalten,  fo  ptten  je  bie  Reiben 
nid)t  fönnen  nod)  mögen  t)or  ©ott  gerecht  werben,  unb 
bie  ©etigfeit  ererben,  unb  müßte  alfo  ©ott  nur  ber  %ui)tn 
©ott  fein,  unb  ni^t  aucf)  ber  Reiben.  SRöm.  3.  9lun  be* 
geuget  aber  ©ott  in  ber  ^eiligen  ©dEjrift  buxtf)  alte  $ro* 
p^eten  unb  Styoftel,  bafi  m$t  allein  ber  ©ame  2tbraf)am8, 
fonbern  au$  bie  Reiben  alfo  jum  $eidj  S^rifti  gehören, 
ba£  fte  nid)t  weniger  benn  bie  3uben,  fo  bie  Saft  be§ 
©efeijeS  getragen,  t>or  ©ott  gerecht  unb  burcf)  S^rifium 
fetig  fönnen  werben,  wenn  fte  nur  bie  SSerljeißung  t)om 
9Keffia§  annehmen  unb  auf  ben  #eilanb  hoffen,  laut  ber 
unzählbaren  ©prüc^e  ber  ^eiligen  ©cbrift  1  3Jlof  22:  3n 
beinern  ©amen  folten  alle  Reiben  gefegnet  werben.  3tem 
1  2ftof  49:   35iö  ber  ©$ilo  (#elb)  fomme,  unb  bem  werben 


255 

bie  35ö(fer  anfangen.  Stern  $f.  2:  £eif$e  fcon  mir,  fo 
toil!  iä)  bxr  bie  Reiben  jum  6rbe  geben,  unb  ber  2Belt 
6nbe  jum  ßigentfmm.  3tem  *Pf.  72:  ©ein  Sftame  ttirb 
auf  bk  Utad)fommen  teilen,  unb  werben  burd)  benfelben 
gefegnet  fein.  3llle  Reiben  werben  ifm  greifen.  3*^ 
$f.  22:  ß§  »erbe  gebaut  aller  SBelt  ßnbe,  ba§  fte  ftd& 
jum  #errn  befetjren,  unb  t>or  if)tn  anbeten  ade  @efd){ed)ter 
ber  Reiben.  3^m  Cßf.  117:  ßobet  ben  £errn,  alle  Reiben, 
preifet  i^n,  alle  SSölf er ;  benn  feine  ©nabe  unb  2ßabrf)eit 
maltet  über  un3  in  ßttrigfeit.  Stent  $f.  69:  ©agt  unter 
ben  Reiben,  ba§  ber  #err  Äönig  fei,  unb  babe  fein  SKei$, 
fo  tx?eit  bie  SBett  ifl,  bereitet,  i>a^  e8  bleiben  fotL  %tem 
Sefaiag  S.  11:  3u  ber  3*ü  »irb'ö  gefdje^en,  ba§  bie 
SBurjel  3fai  jiefje  jum  panier  ben  Sölfern,  nadf)  ber  »er* 
ben  bie  Reiben  fragen.  3tem  3ef.  25:  3>ie  Stäbte  ge* 
»altiger  Reiben  fürchten  bi$;  benn  bu  bifi  ber  ©eringen 
©tärfe,  ber  9Irmen  ©tärfe  in  SrübfaL  3tem  3epf)anja 
6.  2 :  (£§  foüen  ifm  anbeten  alle  3nfeln  unter  ben  Reiben, 
ein  jeglicher  an  feinem  Drt.  2)e§gleicJ)en  limben  fafi  alle 
^rop^eten  ben  Strtifel  oom  Seruf  ber  Reiben  getrieben 
unb  getteiffagt,  ba£  S^rijiuS  mit  feinem  iReid^  ber  ©naben 
nicf)t  allein  über  bie  Äinber  Sfrael,  fonbern  aud)  über  bie 
Reiben  $errf<#en  toürbe.  2Bel<$e§  benn  S£rtftu8  nidjt 
allein  erfüllet,  ba  er  nad)  feiner  3ufagung  auf  (ärben  er* 
f dienen,  bie  Reiben  jum  SBolf  ©otte§  angenommen,  unb 
ben  2>uben,  fo  üiel  feine  ©üter  unb  2öof)Itf)aten  betrifft 
gleid)  geartet,  fonbern  für  unb  für  üon  ber  $ät  an,  ba 
n  9lbral)am  unb  fein  ©eftnbe  jum  eigenen  23oIf  ermäßet 
unb  öon  ben  Reiben  burd)  bie  öefdmeibung  abgefonbert, 
^at  er  au$  unter  ben  Reiben  feine  21u§emmf)tten  geba&t, 
bie  er  bur$   ben  ©lauten  fyat  feiig  -gemadjt.    Slbimeled), 


256 

ber  $f)ilifler  $önig,  ^arao  jur  $üt  5lbral)am3,  $l)arao 
jur  3eü  3ofepf)3,  bte  dürften  in  (Sgtjpten,  (o  t>on  3ofep^ 
2ßei3!)eit  gelernet,  bie  #ute  SRa^ab,  9trafna,  ber  3^uftter 
ÄontQ,  ftaeman  ber  ©t)rer,  bie  Königin  au3  föetdj  2Ira* 
bten,  ber  Äönig  ju  ^iniüe,  2fterobac|)  23afaban,  Sftebucab 
IJiejar,  @tul  SDtoobad),  3)ariug  3J?ebu§,  ßijrue,  Slrtayerjeö 
ßongimattuS,  ber  Äämmerer  ber  Königin  (£anbace§  unb 
anbere  fe|)r  üiel  $äbm  werben  in  ber  ^eiligen  ©djrtft  ge* 
rühmet,  ba§  fte  §u  magrer  ©rfenntni§  @otte3  fommen 
ftnb,  ©ott  im  ©tauben  rec£)t  angerufen  unb  äWetfetöol)ne 
in  bem  ©lauben  ofme  Sßerfe  beö  ©efe£e§  etotg  ftnb  feiig 
worbem  $)amit  benn  ©ott  ju  allen  Reiten  §at  anjetgen 
wollen,  ba§  er  ben  3^ben  nid)t  ba3  ©efe|  barum  gege* 
ben,  bafj  fte  baburcf)  follten  t)or  ©ott  geredet  unb  feiig 
derben,  fonbern  öielme^r  jur  @rfenntni§  itjrer  ©ünben 
fommen,  unb  ba§  alle,  fo  t>or  i^m  geregt  unb  feiig  fein 
wollten,  fte  wären  3u^n  °^er  Reiben,  bie  müßten  i^re 
ttnreinigfeit  erfennen,  unb  auf  ben  $teffta§  fjoffem  $)enn 
weil  Slrafna,  9iaeman  ber  ©tjrer,  ßüil  9fterobadj,  $)artu£ 
3Jlebu3,  fo  Reiben  gewefen,  unbefcfmitten  geblieben,  ba$ 
©efe§  2Rofe§  m$t  gehabt  nodE)  gewußt,  au$  nid)t  barnad) 
gelebt,  fonbern  tuelmefjr  na$  Ijeibnifc^er  2Beife,  mit  fielen 
©ünben  unb  Safiern  befubett  gewefen,  eben  fo  too^I  *>or 
©ott  fromm,  geregt  unb  feiig  werben,  unb  nid)t  weniger 
aller  ©üter  beö  $ei$e£  6t)rifti  tf)eilf)aftig  worben,  als 
£a»ib,  ftat&an,  3lffap&,  <8iia8,  $i8fia8,  3ona8,  bie  niä)t 
allein  t)om  ©ef$le$t  Slbra^amS  unb  befdEmitten  gewefen, 
fonbern  au$  ba§  ©efe|  gehabt  unb  barnad)  gelebt  fjaben, 
fo  erfreutet  je  offenbar,  bafj  bie  Suben  t>or  ben  Reiben, 
fo  t)tel  bie  ©ered?tigfeit  betrifft,  feinen  95ort^eil  fjaben,  unb 
ba$  bie  ©ere^tigfeit,  fo  t?or  ©ott  gilt,  unb  bie  ßrbf^aft 


257 

ber  ewigen  ©eligfeit,  ni$t  fomme  auS  ben  2Berfen  beö 
©efe|eä,  aud)  nid^t  We  in  unferm  ©e^orfam,  fonbcm 
werbe  t>on  ©ott  au8  ©naben  jugeredEmet  bem  ©lauben, 
ber  2tffaw  Gtniftum  fammt  feinem  SReicf)  unb  2Bof)ltl)aten, 
im  (Süangelto  vorgetragen,  ergreift,  fo  Wof)l  unter  btn 
Reiben  als  unter  ben  3uben.  2)aljer  $aulu§  $öm.  4  ben 
Slbrafjam  ni$t  weniger  einen  Sater  nennet  aller,  bit  t>a 
glauben  in  ber  93orf)aut,  bafj  benfelben  fol$e3  au$  ge* 
rennet  werbe  jur  ©eredjtigfeit,  al3  berer,  bie  in  ber  93c* 
fdmeibung  ben  gu&fiapfen  beS  ©laubeng  9lbraf)am3  folgen. 
2llä  aber  bie  SRitterfdjaft  ber  fiinber  3fraet  ein  Snbe  gehabt, 
(S^rijlug  mit  feiner  3ufunft  bie  e?etnbf^)aft  geftillet,  unb 
bie  2Banb  $wtfd)en  beiben,  3uben  unb  Reiben,  f)inweg 
genommen,  aud?  bie  ganje  $olijet  ber  3uben  mit  bem 
©efe£  SQtofeS  aufgehoben,  bie  Reiben  öffentlich  jum  95otf 
©otte§  angenommen,  bie  Sipopcl  in  alle  2Belt  au^gefanbt, 
Su§e  unb  Vergebung  ber  ©ünben  in  feinem  tarnen  pre* 
bigen  laffen  unter  allen  93ölfern,  baburd)  benn  bie  Reiben 
in  großer  Slnja^l  jum  #errn  ftnb  befe^ret  worben,  ©ott 
a\xä)  bie  ©aben  beö  ^eiligen  ©eifieö  nidE)t  weniger  über 
bie  Reiben,  fo  ixt  $rebigt  ber  Styoftel  angenommen,  benn 
über  bie  gläubigen  ^utett,  ftd)tbarli$  auögegoffen,  jum 
3eugni§,  ba§  er  waf>rl)aftig  mit  ifmen  burd[)  Sfmftum 
t>erföf)net,  unb  fte  jur  6rbf$aft  be$  ewigen  2eben§  auf* 
nefjme:  ba  f>at  ©ott  aufS  aüerrei^lic^pe  unb  gewattigfte 
ber  2ßelt  bewiefen  unb  funb  gemalt,  wie  bo$  bei  il>m 
Weber  Serbien^  nocf)  2Serfe  gelten,  bie  ©eligfeit  ju  erlan* 
gen,  unb  baf$  fein  üftenfdE)  burcf)  feinen  ©efwrfam  vor  tfjm 
geregt  fei,  fonbern  allein,  wefc  er  ft$  erbarme,  bef?  erbarme 
er  ftd?;  2  üRof*  33;  unb  ba§  er  barum  atleS  unter  bie 
&ünbt  befc^lojfen  fwbe,   auf  bafj   er  ftc^>   aller  erbarme. 

17 


258 

{Rom,  IL  $enn  toeil  bie  t>erbammten  ©oim,  (Reiben) 
fo  in  fetyreef liefet  33linbl?ett  fo  lange  3^  gelegen,  tton  bem 
ttmfnren  ©ott  m$t3  geixm§t,  fo  erf$recflt<f)e  Abgötterei, 
©reucl,  Unsudjt,  23lutfcf)anbe  unb  bie  allerl)ä§licl)flen  ßajler 
getrieben,  ben  befdjnittenen  Juben,  fo  ba§  @efe|  ©otieS 
gehabt,  ntit  gro§em  $let§  barna$  gelebt,  aud)  ben  ferneren 
©otte§bienfl  mit  Opfern  unb  $äud;em  geübet,  aüerbingg 
gleid)  geartet  korben,  unb  bur$  (Efmflum  ©ott  ni$t 
weniger  gefallen,  benn  bie  gläubigen  3uben,  fo  ijt  je 
offenbar,  ba%  ber  Wltnfö  ntdjt  bur$  bie  2ßer!e,  ©eborfam 
ober  SBürbigfeit,  fonbern  allein  au§  lauter  ©üte  unb 
©nabe  ©otteg,  be§  Allmächtigen,  um  be§  $erbienfte£, 
231ute§,  Sobe§  unb  Auferfteljung  Sefit  G^rijli  ttnllen,  allein 
burd?  ben  ©lauben,  t>or  ©ott  gerecht  unb  ett)ig  feiig  toerbe. 
2Ber  bk  l)eibnifd)en  33ü$er  unb  #iftorien,  barin  fte,  bie 
Reiben  fetbjl,  t)on  if)rer  greulichen  Abgötterei,  Aberglauben, 
3auberei,  ©emeinfe^aft  mit  ben  bofen  ©eijiern,  allerlei 
®ci)anbe  unb  ßafier,  fo  fte  o^ne  ©djeu  getrieben,  öffentlich 
jeugen,  m$t  gelefen,  ber  mag  nur  ba§  erfte  Kapitel  beö 
Apofiel3  QJauli  ju  ben  Römern  erfe^en,  barin  er  finben 
ttirb,  n>a§  hk  Reiben  f)in  unb  lieber  ju  (Eorintf),  ju 
$om,  ju  Sitten,  ju  ßpl)efu§,  gu  Antiodjia  für  ein  fdjänb* 
lt<§  Öeben  geführt  ^aben.  Unb  l)<\t  bo$  ©ott  au§  großer 
(Srbarmung  au§  folgen  greulichen  ©ünbem  burd^  btn 
3)ienfi  ber  ApojW  il>m  eine  ^eilige  Äirdje  gefammelt,  bie 
er  geregt  unb  etoig  feiig  gemalt,  unb  foll  niemanb  ge* 
benfen,  e§  toären  tt)o^){  etlid&e  grobe  ©ünber  unter  ben 
Reiben  getoefen,  Ratten  aber  ni$t  alle  fotd)  fd)änb(id)  Se- 
ien gefü^ret,  unb  ©ott  f)ätte  nur  bie  el)rü$fien,  eljrbarpen 
Seutc  heraus  gebadet  S)enn  $aulu§  jeuget  augbrüdffi$, 
e3  feien  unter  ben  Reiben  befefjrt  unb  geregt  korben,  bie 


259 

mit  ben  groben  8aflern  bejubelt  gemefen,  toie  er  benn  bie 
Gortntfjer  1  Gor.  6  bejfen  erinnert:  Unb  fotdje,  nämlid) 
£urer,  2lbgöttifd)e,  @l;ebred)er,  Jßetcpnge,  Änabenfdjänber, 
3)iebe,  ©einige,  Srunfenbolbe,  ßäjierer,  SRäuber  ftnb  euer 
etliche  gemefen ;  aber  if)r  feib  abgemafdjen,  \))x  feib  geseilt* 
get,  iijx  feib  geregt  korben  burd)  ben  Flamen  be§  £errn 
Jefu,  unb  burd)  ben  ©etjt  unferg  ©otteS.  tiefer  munber* 
barüdje  Rati)  ©otteö  ifl  nid)t  allein  ben  beerten  2>uben 
unb  $f)arifäern  ganj  fremb  getoefen  im  Anfang,  alfo  ba{$ 
fte  aud)  mit  bem  StyojW  QJetro  barüber  auffiö§ig  merben 
unb  if)m  t>erl)eben,  ba§  er  bie  Reiben  ben  3uben  gleich 
geregnet,  fonbern  aud)  ben  2tpofieln  felbfl  fetter  ju  glau* 
ben,  ttne  $etruf  felbft  t>on  fid)  befennt  2fyofr.  10:  D  mein 
#err,  benn  id)  I)abe  no$  nie  etoa§  Unreine^  ober  ©erneu 
neS  gegeffen.  Unb  obgleich  bk  ©timme  t>om  £immel  ju 
i^m  gefd>af):  2Ba3  ©ott  gereiniget  fjat,  ba$  mad)e  bu 
nidf)t  gemein;  bennod)  ftd)  befümmert,  bi£  ber  ©eiji  @otte§ 
auSbrücf(id)  ju  ifjm  fprid)t:  ©tetje  auf  unb  jeud)  mit 
iljnen  unb  jtxjeifeie  nid)t,  benn  id)  l)abe  jte  gefanbi  ÜRit 
toeldjem  3Befef)l  betrug  beibe,  feinen  unb  be§  ßornelii 
©lauben  jiärfet  unb  fdjleufct,  ba§  bie  Reiben  in  (Efmfto 
nid)t  weniger  ©ott  gefallen,  benn  bie  Suben,  fpric^t  audj, 
©ott  Ijabe  ifjn  gezeigt,  feinen  ÜJienfdjen  gemein  ober  unrein 
ju  l)ei§en.  Unb  ia  er  öom  ßornefio  baS  ©eftc^t  f)öret, 
fd)leuBt  er  weiter  mit  25emunberung :  9hm  erfahre  \§ 
mit  ber  SCßa^r^eit,  ba§  ©ott  bie  $erfon  nidjt  anfielet, 
fonbern  in  allerlei  $olf,  mer  i^n  fütd;tet  unb  red)t  t£ut, 
ber  \]t  i^m  angenehm,  Unb  atö  fjernad)  in  ber  $rebigt 
Jßetri  ber  ^eilige  ©eifl  auf  bie  Reiben  fällt,  entfern  ficf) 
bie  ©laubigen  aus  ber  33efdmeibung,  ba%  aud)  auf  bie 
Reiben  bie  ®ah<^  be§  ^eiligen  ©eifteö  auSgegoffen  toarb; 

17' 


260 

betm  fte  f)öreten,  ba£  fte  mit  Bungen  rebeten  unb  ©ott 
fyoty  preifetem  Unb  mit  biefem  93efef)l,  Sßunbermerf  unb 
Seugnifc  ©otteS  üom  £immel  oeranttoortet  fld^>  f)ernadj 
betrug  gegen  bie  ©laubigen  au3  ber  Sefdjneibung  unb 
fprid^t  2tyojt  lt:  60  nun  ©ott  ifjnen  gleite  ©aben  ge* 
geben  f)at,  ttrie  auä)  un§,  bie  t>a  glauben  an  ben  #erm 
3efum  Sfirift,  toer  toar  i$,  bafi  i$  fonnte  ©ott  toe^ren? 
$)a  fte  baS  Röteten,  fliegen  fte  ftille,  unb  lobeten  ©ott 
unb  fpradEjen:  ©o  f)ai  ©ott  aud)  ben  Reiben  93u§e  gege* 
ben  jum  Seben.  2llfo  l)at  ©ott  oom  Fimmel  bezeugen 
muffen,  ba§  bie  3nben  jur  ©efigfeit  unb  SReidE)  Sfmftt 
fcor  ben  Reiben  feinen  35or§ug  ptten.  Unb  bamit  ift  ber 
2ßelt  gang  flattti^)  bargetfwn,  ba§  ber  SRenfcf)  ofme  95er* 
bienft  muf;  au§  ©naben  bur$  Sljriftum  fetig  werben.  Db 
jemanb  aflfjie  toollte  oorgeben,  ©ott  fyixttt  bie  guten  SJÖetfe, 
ba$  33eten  unb  Slümofen  geben  in  bem  Jjeibmfdjen  #aupt* 
mann  Sornelio  angefeuert,  unb  üon  belegen  um  geredet 
gemalt  ber  foll  nnffen,  ba§  Slpoft  10  ni^t  t>on  ber  erfien 
93efef)rung  (Sornelii,  fonbern  nne  er  ju  ber  (Menntni§  ge* 
bra^t  Sorben,  baf}  SfmftuS  erfc^ienen  fei,  getjanbelt  toirb, 
2)enn  weil  bie  <S$rtft  jeuget,  ba§  er  gottfelig  unb  gotteS- 
fürd^tig  getoefen  fei  mit  feinem  ganjen  £aufe,  tnel  9lümo* 
fen  gegeben,  unb  immer  ju  ©ott  gebeten  Ijabe,  fo  mu§  er 
ben  wahren  ©ott  erfannt  unb  an  ben  SRefftaS,  ben  bk 
$ropf)eten  öerfünbigt,  geglaubt  f)aben;  benn  toa$  o^ne 
©lauben  gefdjief)t,  $>a&  ift  ©ünbe.  Söeil  er  aber  auf  bert 
jufünftigen  9Äeffta3  gefjoffet,  ifjut  tym  ©ott  funb  bur$ 
ben  üRunb  $etrt,  bn%  ßfmjforö  crfdjienen,  für  unfere  ©ünbe 
getöbtet,  unb  ju  unferer  ©ere^tigfeit  auferftanben  fei; 
ttrirb  atfo  bie  Srfenntni§  ©otteS  in  ü)tn  öermefjret  unb 
betätiget     2)a§    er  aber  md)t  bur$   feine  ©otteSfurdjt, 


261 

Slflmofen,  33eten  ober  anbere  guten  2öerfe,  fonbcrn  au3 
©naben  burd)  ben  ©lauben  an  Sfmftum  t>or  ©ott  fei 
geredet  korben,  bezeuget  nid)t  allein  bie  ganje  ©$rift,  fo 
mx  biSber  puftg  in  biefem  £anbel  gegeigt,  unb  aller 
StuSertt) aalten  (Sjempel,  fonbern  aud[),  ba§  er  als  ein  un* 
befdjmttener  unb  juoor  blinber  £eibe  ju  @otte§  (Srfenntnifc 
fommen  unb  befeljrt  korben  ift,  unb  bafj  er  bem  2ßort 
$etri  Slpofl,  10  ©lauben  gibt:  93on  biefem  jeugen  alle 
^ropljeten,  ba§  burdE)  feinen  tarnen  alle,  bie  an  ifm  glau* 
ben,  Vergebung  ber  ©ünben  empfal)en  follen.  Unb  eben 
um  biefer  Urfad^e  willen  erjagtet  ßucag  in  ben  ©efdnc&ten 
ber  Sipofiel  fo  gar  tnele  Stempel  ber  Reiben,  bie  ni$t 
weniger,  benn  ik  3uben  ju  ©ott  belehrt,  unb  üor  if)m 
burd)  bm  ©lauben  geredet  korben  finb.  211$:  ber  Ääm* 
merer  (ber  Königin)  Ganbaceg  Slpojt  8,  bie  ßtjbta  Slpojh  16; 
item  bie  ©rieben  ju  2lntiod)ia,  Serben,  Ötjjfta,  ju  6orint|), 
9Itl)en,  5Rom  unb  allenthalben  tt>o  bie  Sipofiel  geprebtget, 
tton  meieren  allen  $etru§  2lpofh  15  jeuget,  unb  faffet 
2>uben  unb  Reiben  jugleic^ :  2Bir  glauben  burd)  bie  ©nabe 
beS  £errn  3efu  feiig  ju  toerben,  glei$ertt>eife  ttue  aud)  fie, 
nämlid)  bie  Reiben.  Unb  $aulu3  beögleicben  benen  ju 
2lntiod)ia  2lpofi  13,  $tftbia,  beibe  3uben  unb  Reiben: 
©o  fei  eud)  nun  funb,  lieben  ©rüber,  ba§  eud)  öerfünbi-- 
get  roirb  Vergebung  ber  ©ünben  bur$  biefen,  unb  üon 
bem  allen,  bur$  roelc^eö  if)r  nic^t  fonntet  im  ©efe|  üJlofeg 
gerecbt  werben;  wer  aber  an  biefen  glaubet,  ber  ifi  geregt 
3)a  e$  aber  bie  Reiben  fjöreten,  fprid)t  Sucaö,  mürben  fie 
frof)  unb  preifeten  ba§  2ßort  be3  #errn,  unb  mürben 
gläubig,  ttne  t>iel  ifjrer  jum  ettngen  ßeben  oerorbnet  ttmren, 
£)ie£  Argument  fdjärfet  ber  Slpoflel  $auluS  bermafcen, 
ba§  er  an  etlichen  Orten  bie  Reiben  ben  3uben  öorjeuc^t, 


262 

atö  bie  ef)er  jur  ©ere^tigfeit  fommen  ftnb ;  benn  bie  95er* 
meffen^eit  auf  i^re  eigenen  2Berfe  bat  fte  toenig  gefunbert, 
unb  ©ott  fyat  feine  ©üte  befio  reichlicher  bartfmn  n>oüen- 
iftöm.  9 :  Die  Reiben,  bie  m$t  ^aben  naä)  ber  ®ered)tig* 
feit  geflanben,  bie  fyahm  bie  ©ere^tigfeit  erlanget;  idj 
fage  aber  t)on  ber  ©ere^tigfeit,  bie  auS  bem  ©tauben 
fommt  3frael  aber  f)at  bem  ©efe§  ber  ©ere^tigfett  nad)* 
gejtanben  unb  ^at  ba§  ©efefj  ber  ©eredjtigfeit  nid^t  über* 
fommen.  2Barum  ba§?  Darum,  ba$  fte  e3  ni$t  au£ 
bem  ©lauben,  fonbern  als  au§  b^n  2ßerfen  fu^en.  ©o 
benn  ©ott  bie  ^ubtn  Derbammt,  fo  na$  ber  ©eredEjtigfeit 
beö  ©efe|e§  mit  ©e^orfam  geftrebet,  unb  aber  bie  Reiben, 
fo  ni$t  nadj)  bem  @efe£  gelebt,  fonbern  nur  an  ben  9la* 
men  be§  ®ot)ne3  ©otte§,  Jefu  S^rifti  geglaubt,  üor  üjm 
gerecht  unb  feiig  mac^t,  fo  folget  je  auf§  gemaltigfte,  i>a$ 
e§  unmöglich  fei  auS  ben  SBerfen  t>or  ©ott  geregt  ;u 
werben,  unb  ba%  tt>ir  nur  bur$  btn  ©lauben  an  ben 
tarnen  Jefu  S^rijti  bie  ©eligfett  erlangen  muffen,  Unb 
tote  ©ott  au$  tiefer  UrfadE)  anfänglich  bie  ftinber  Sfrael 
jum  9?olf  ertDÖblet,  unb  i^nen  ba§  ©efefc  gegeben,  ba§  fte 
baburd)  jur  @rfenntni§  ber  ©ünben  fommen,  unb  t)or 
23ermejfenf)eit  eigener  £eiligfeit  fotlten  betoabret  werben. 
2llfo  ba  6fmftu3  erfdnenen,  auf  ba§  niemanb  gebenfe,  bie 
3uben  Ratten  einigen  Sorjug  be3  @efe|e3  falben  t)or  ben 
Reiben  ^ur  @ered?tigfeit  unb  Seligfeit,  bat  ©ott  bie  gan^e 
^olijei  ÜJlofeö  rein  aufgehoben,  im  Tempel  ju  3eru(alem 
Dertoüflen  laffen,  unb  ba$  jübtfc^e  25olf  vertilget,  unb 
fammelt  ü)tn  nun  eine  etoige  ÄirdEje  in  aller  2Belt,  betbe 
auö  3uben  unb  Reiben  ofjne  Unterfc^ieb,  bur$3  (Spange* 
lium  oon  Vergebung  ber  Sünben. 

£>ie§  Argument  t)om  SScruf  ber  Reiben,   »elc^eS  bie 


263 

$rop£eten,  $)at>ib  unb  3efaiaö  gewaltig  gefügt,  beg* 
gleiten  ÖucaS  in  im  ©efd)id)ien  ber  2lpoftel  unb  <ßau[uS 
ju  ben  Römern,  foll  un§  aus  fielen  l)o$tt)id)tigen  Utfad;en 
ganj  lieb  fein»  $)enn  erjtti<$  tt>ie  gemelbet,  i|T3  ein  jkrf 
gewaltig  3wgnt§,  ba§  ber  2Kenfd)  nidjt  butdj  feine  gu,en 
2öerfe  ober  ©el)orfam,  fonbern  allein  bur$  im  ©lauben 
an  3^fum  (££riftum  gerecht  unb  etoig  feiig  toerbe.  So 
triel  nun  Sprühe  in  ber  Schrift  ftnb,  fo  t>om  Seruf ■  ber 
Reiben  seugen,  beren  fd)ier  ungä^lige  ftnb,  a\8  ba§  £>atub 
immer  finget  $f.  67:  £a§  tr>ir  auf  ßrben  erfennen  feine 
Söerfe,  unter  aOen  Reiben  fein  £eil.  3tem  $f,  87:  3d> 
null  prebigen  (äffen  jRa^ab  unb  33abet,  bafj  fte  mid)  fen* 
nen  follen,  ftelje  bie  ^ififter  unb  Xt)m,  fammt  ben  ÜWofj* 
ren,  werben  bafelbfi  geboren.  3*em  $f.  102:  3>a§  bie 
Reiben,  £err,  beinen  $lamm  füllten,  unb  alle  Könige  auf 
Grben  beine  @&re.  T>amit  audE)  Simeon  ftimmet  ßuc.  2: 
£>enn  meine  2lugen  l)aben  beinett  #eilanb  gefel)en,  im 
bu  bereitet  fjaft,  ein  fiicfyt  ju  erleuchten  bie  Reiben,  unb 
jum  $rei3  beutet  sBolfcö  Sfrael;  bieS  ftnb  allefammt  3^ug* 
niffe  unb  ummberleglicf)e  ©rünbe,  ia$  toir  au§  ©naben 
burd)  im  ©tauben  bie  ©ered)tigfeit  unb  endige  Seligfeit 
erlangen.  tfürS  anbere,  tt>eit  toir  na$  bem  $leif$  ni$t 
t)om  Samen  SlbrafjamS,  fonbern  öon  im  geworfenen 
Reiben  fjerfommen,  unb  unfere  Voreltern  in  greulicher  Ab- 
götterei unb  $tnfterni§  gelebt  Ijaben,  fo  feljen  tvit  allste, 
n)eldE>e  ©nabe  unö  toiberfal)ren,  werben  t>erft$ert,  bajj  toir 
jum  SReicf)  (Xfmfti  gehören,  au$  erinnert,  ba§  rvix  ftleijjj 
anfebren  foüen,  burd)  ben  ©tauben  an  foldjer  ©üte  ju 
bleiben.  gür3  brüte,  ba§  $auluö  fprid)t:  Ubi  abundavit 
peceatum,  ibi  superabundavit  gratia;  too  bie  Sünbe  mädj* 
tig  korben  tft,  ba  ift  bie  ©nabe  unfetS  £erm  3efu  (grifft 


264 

no$  triel  mächtiger  korben;  folc^eö  ertoeifet  ftcf)  ganj  ge* 
ttmltig  im  33eruf  ber  Reiben,  toeld&e  in  fo  greulicher  2lb* 
götterei,  3<*uberei,  Slutfcfwnbe,  SBKnb^etf  unb  ßafler  ge* 
lebt,  unb  boe|>  unt)erbienter  ©a$en,  ja  be§  jxe  nimmer 
gefjoffet,  $u  fol$er  ©nabe  fommen,  ttor  ©ott  geregt  toor* 
ben,  ju  Äinbem  unb  (Srben  ber  ©eligfeit  gefegt  jtnb,  audE) 
gleid)  ben  SlpojMn  mit  bem  Zeitigen  ©eift  jtdfctbarli$  be* 
gäbet  $>ertoegen  benn  fein  9Jienf$,  tt)ie  tief  er  gefallen, 
unb  tt>ie  ferner  er  roiber  ©ott  gefünbigt,  einige  Urfac^e 
l)at  an  ©otte§  ©üte  ju  jtoeifeln.  3wn  werten  erf^einet 
au§  bem  Argument  Dom  Seruf  ber  Reiben,  beibe§,  bafi 
(Sfmfli  $eid)  fo  tx>eit  gef)e,  atö  ftcf)  ber  2öeltfrei§  erftrecfet, 
über  alle  95ölfer,  unb  nimmer  aufhöre,  fonbem  für  unb 
für  bleibe,  unb  bann,  bafj  unfer  SSRittler  allmächtiger  unb 
ewiger  ©ott  fei,  bem  Fimmel  unb  Srbe  unb  alle  Srea* 
turen  unterworfen  ftnb.  SDie§  afle§  toirb  unä  in  bem 
Slrtifel  t>om  35eruf  ber  Reiben,  melden  bte  ^rop^eten  unb 
Styoftel  fo  fleißig  getrieben,  oorgefwlten  unb  bargetfjan; 
berljalben  biefer  ©runb  allen  ©otte§fürd)tigen  lieb  fein  folle* 

3Der  ^etmte  (Bxunb. 

&a%  öer  (Blaube  eine  pur  lautere  <babe  (Bettes  fei* 

Sllfo  rein  Ijat  ©ott  bie  ©erec^tigfeit,  bie  oor  ©ott 
gilt,  au§  unfern  £änben  genommen,  unb  ibm  allein  ju* 
getrieben,  ba§  er  aud)  iaS  einige  9Jtittet  auf  unferer 
©eite,  bamit  mir  bie  Vergebung  ber  <5ünben,  in  Sfmjto 
öerfproc^en,  annehmen,  bie  ©ered&tigfeit  unb  ben  @ef)or* 
fam  %tf\x  G^rifii  an  un§  bringen  unb  juetgnen,  nämli$ 
ben  feligmadjenben  ©tauben,  nid)t  läßt  unfer  Zi}nn  unb 
2öerf  fein,   ba3  tton  unS  fjerfomme,   unb  un§  wäre  ju* 


265 

auftreiben,  fonbern  geuget,  tote  öon  \i)m  allein  baS  Söort 
ber  ©naben  fommt,  barin  er  unö  bie  ©ered)tigfeit  unb 
©eligfeit  anbeut  unb  barreidjt,  alfo  fei  aud)  ber  ©taube, 
burd?  melden  mir  feine  ©nabe  annehmen,  beö  SerbienjkS 
(grifft  tfmlljaftig  werben  unb  bie  3ured)nung  ber  ©ered)* 
tigfeit  erlangen,  nid)t  unfer  2ßer!  ober  Äraft,  fonbern  feine, 
beö  aUmäd)iigen  ©otteö,  lautere  ©abe,  SBirfung  unb  @e* 
f$enf,  obne  all  unfer  3utfmn  unb  ÜKit&ülfe.  2öeld[)e3 
benn  abermal  ein  fräftiger  ©runb  ijt  unferer  ßefjre,  ba§ 
mir  ofme  Serbienft  unb  Sßerfe  geredet  werben;  benn  mo* 
fern  ber  ©laube  a\x§  unfern  Gräften  unb  freiem  2öillen 
fommen  foll,  ober  mir  im  2Benigfien  t)ermöd)ten,  üon  un3 
felbfi  ©otteS  Sßort  anjunefwten,  fo  fjätte  ber  9ftenfd), 
beffen  er  ftd)  rühmen  unb  t>ormenben  fönnte,  obgleid)  bie 
©eredjtigfeü,  bie  ttor  ©ott  gilt,  nid)t  in  feinen  £änben 
jlünbe,  fo  fäme  bo$  t)on  it)tn  ba§  Mittel,  baburd)  bie 
©eligfeit  erlangt  mürbe,  unb  märe  je  ber  ©taube  ein  Jf)eil 
beö  ©eljorfamS  gegen  ©ott.  Slber  ©ott  ift  ber  falfdjen 
Meinung  juüor  gefommen,  unb  flar  bezeuget,  ba§,  mie 
öon  ü)m  bie  ttrfad)  unfer§  |>eil3  fommt,  mie  allein  bei 
(Xfjrijlo  alle§  35erbienft  fteljet  unferer  ©eligfeit,  mie  er  aud) 
allein  ba$  2ßort  ber  ©naben  gegeben,  alfo  fei  eS  aud) 
allein  beä  ^eiligen  ©eifie§  ©efdmpf,  Sßerf  unb  ©abe,  ba§ 
mir  bem  ßtmngelto  glauben,  unb  btn  £errn  (£f)rijhtm 
annehmen,  in  bem  mir  geregt  merben.  23leibt  alfo  un§ 
unb  unfern  Gräften  überall  ni$t§,  ma§  bie  Rechtfertigung 
betrifft,  benn  nur  bie  $rud)t  unb  ber  $u|  ber  überfcfjmäng* 
liefen  ©üte  ©otteö,  meldijeg  mir  ofme  unfern  SRufjm  mit 
fjer^lidjer  2)anffagung  gegen  ifm  gebrauten  fotlen.  £>a§ 
aber  bie  5lnnef)mung  beö  (S&angelü,  ba$  iji,  ber  ©laube 
an  2>efutn  (£f)rijhim,   burd)  melden  mir  t>or  ©ott  geregt 


266 

Werben,  nic^t  auS  unfcrm  freien  2öillen  fomme,  fonbern 
allein  ©otteS  ©abe,  unb  ein  2öerf  beö  Reuigen  ©eifieö  fei, 
o^ne  unferc  9JJit^ülfe  unb  3^un,  bezeuget  bie  fettige 
6<$rift  an  fef)r  fielen  Drten  fo  Reiter  unb  gewaltig,  bafj 
eS  audj  unfeve  2öiberfad)er,  bie  päbftlid^en  ©erf (jetligen, 
nxi)t  leugnen  fönnen.  $aulu3  fc^reibt  Spf).  2:  Denn  au§ 
©naben  feib  i^r  feiig  worben  burdE)  ben  ©lauben,  unb 
baffelbige  ni$t  auö  eud),  ©otteS  ©abe  ifl  c$,  nid)t  au$ 
ben  5Serfen,  auf  baß  fidf)  nidjt  jcmanb  rüfjrne.  #ie  jeuget 
*ßaulu3,  baß  unS  nidjt  allein  bie  ©eligfeit  auö  ©naben 
oljne  Serbien}!  wiberfal;re,  fonbern  aud)  ba#  Mittel,  ba* 
burdj  wir  bie  ©eltgfeit  annehmen,-  nämlich  ber  ©laube, 
fei  nidf>t  au#  un3,  fonbern  ©otteS  lautere  ©abe,  auf  baß 
alfo  unö  aller  Otu^ra  benommen  würbe.  Datwn  unter* 
rietet  er  au$  bie  $f)ilippenfer  6.  1 :  Denn  eud)  ijl  ge* 
geben  um  @f)riftu3  willen  ju  tlmn,  baß  i^r  nidjt  allein 
an  ilm  glaubet,  fonbern  aud;  um  feinet  willen  leibet 
3tem  (£.  2:  Denn  ©ott  ift'ö,  ber  in  eucb  wirfet,  beibe 
i>a3  2öollen  unb  Vollbringen,  auf  baß  etwaö  gefd[)e]je, 
t>aä  if)tn  wohlgefällig  fei.  Damit  aud)  betrug  ftimmt 
1  <ßet.  1  :  $f)ri|lug  ijt  offenbaret  ju  ben  legten  3eiten  um 
euert  Willen,  bie  ibr  burd)  i^n  glaubet  an  ©ott,  ber  ifm 
auferwetfet  f)at  t)on  ben  lobten,  3n  ber  ßpifbl  ju  t>m 
Hebräern  @;  12:  fiajfet  un3  auf  3?fum  fel)en,  ben  5ln* 
fängcr  unb  Vollenber  be$  ©laubenS.  3tem  Slpoft  3: 
Unb  ber  ©laube  burd)  if)n  tjat  biefem  gegeben  biefe  ©e* 
funbfjeit.  Stern  $aulu$  Möm.  12:  Macfcbem  ©ott  auö* 
gett;eilet  Ijat  einem  jeglichen  ba$  Wlafy  beö  ©laubenS, 
3tem  1  (lor.  12:  (Sinem  anbern  wirb  gegeben  ber  ©laube 
in  bemfelben  ©eijte,  biefeö  aber  alleö  wirfet  berfelbige 
einige  ©eift,   unb   teilet  einem  jeglichen  feinet  $u,   na<$ 


267 

bem  er  null.  3&m,  $aulu§  unb  $3arnaba3  uerfünbigtea 
Der  ©emetnbe  2(poft.  14,  toie  üiet  ©ott  mit  ifjnen  getrau 
tjätte,  unb  roie  er  ben  Reiben  bie  If)ür  beö  ©laubenä 
l)ätte  aufget&an.  Jtem  Gpf).  6 :  triebe  [et  ben  Srübern 
unb  Siebe  im  ©lauben,  t>on  ©ott  bem  Sater  unb  bem 
£errn  3*fu  Gtyrifto.  ^stem  2  J^eff.  3 :  Denn  ber  ©faube 
ift  nid)t  jebermannS  Ding,  aber  ber  £>err  ift  treu,  ber 
toirb  eudE)  fiärfen  unb  betoafnen  bot  bem  2trgen.  3^w 
Gol.  2:  3k  welchem  ifjr  aueb  feit)  auferjtanben  burd)  ben 
©lauben,  ben  ©ott  toirfet.  3tem  2  X^eff  1 :  Sffiu  beten 
für  eud)  allezeit,  ba§  unfer  ©ott  eud)  roürbig  mad)e  be3 
aBerufe,  unb  erfülle  alle3  äöo^Igcfaüen  ber  ©fite,  unb  ba# 
2Berf  beö  ©lauben*  in  ber  Äraft.  2ßie  benn  aud)  (Jfjtfr 
fluö  jeuget  3^-  6:  9liemanb  fommt  ju  mir,  eö  fet  benn, 
ba§  i&n  ber  95ater  jiefce.  ©iefe  fiaren  unb  gellen  Sprücfte, 
toie  fxe  fräftiglid)  bartfmn,  ka$  ber  ©laube  an  ©ott  md)t 
beö  sJJJenfd)en  SSerf  fei,  fonbern  ein  pur  (auteieö  ©efefcenf 
unb  ©abe  ©otteö,  tute  aud)  Petrus  ßombarbuö  au3  alten 
Scribenten  anjeuefct:  Fides  donum  Dei  pure  est;  alfo  er* 
ttmfen  jie  aud)  untoibertretblid),  bafj  ber  DRenfd)  feineäroegä 
burd)  fein  Serbien)!,  JJrömmigfcit,  ©efjorfam  ober  heilig* 
feit  fönne  gercdjt  werben.  Denn  fo  Diel  ift  nid)t  im  2Hen* 
feben,  ba§  er  nur  baö  ©erzeug  ober  Mittel,  baburd)  Qfytu 
ftu3  mit  all  feiner  ©erec^tigfeit  unb  ewigen  ©fitem  an* 
genommen  toirb,  am  i&m  felbft  fönnte  ^utoege  bringen, 
fonbern  baö  gan$e  2ßerf  unferer  Srlöfung,  23erföf)nung, 
^Rechtfertigung,  fammt  ber  ganzen  Seligfeit  flehet  unb  be* 
rufjet  allein  auf  ©otteö  bloßer  ©üte  unb  23armf)er$igfeit, 
be§gleid}en  allein  auf  bem  Serbienft,  ßeiben,  Sterben  unb 
5luferftel)ung  bee  2o\)mz  ©otteö,  3efu  KJtifK,  unb  bann 
allein  auf  bie  feiige  Erleuchtung,  2ßirfung  unb  Erhaltung 


268 

beö  ©laubeng  burdE)  ben  ijeiligen  ©eiji  £>ermegen,  fo  triel 
ixt  ©erec^tigfeit  unb  ©eligfeit  betrifft  bet  9ftenf<f)  ftd^>  im 
allermenigften  t>or  ©ott  nidE)t  ju  rühmen  fjat,  in  afle  Smig* 
feit  aber  bem  gütigen  ©ott  für  biefe  unauSfprec^lic^e  ©nabe 
jum  f)ödf)jlen  ju  banfen  fc^ulbtg, 

£>er  eilfte  (Bruno. 

<Blei<$niffe. 

3um  eilften,  ber  £err  (SljrifhiS  unb  feine  Apoftel 
Ijaben  bie  ^eilfame  Öe^re  t)on  unfern  9iedf)tferttgung  auf 
allerlei  SBeife  aufs  beutlidjfle  unS  öorgebilbet,  nid)t  allein 
mit  gellen  flaren  Sorten  erflärt,  in  furje  unb  runbe  ©prücfje 
gefaxt,  mit  jkrfen  unmiberleglidjen  Argumenten  unb  ©rün* 
ben  befefligt,  fonbem  audj  mit  allerf)anb  33ilbniffen  unb 
©leidmiffen  t)or  Augen  gemalet,  ba$  mir  biefe  alleweil* 
famfle,  nötfngjk  Öe^re  je  tt>of)i  öerflefjen  follten,  JBelc^e 
©lei^niffe  triebt  ein  geringer  ©runb  ftnb  unferer  Se^re  oon 
ber  ©eredf)tigfeit  beö  ©laubenS.  Unb  fjat  allste  mfyt  ©tatt 
no$  Raum,  ba$  jemanb  mollte  fagen,  mit  blo§en  Silbern 
unb  ©leidjniffen  fei  niefetö  ju  bemeifen ;  benn  mir  f)ie  nid^t 
t)on  blo§en  23ilbniffen,  ungemiffen  Figuren  unb  Allegorien, 
au$  nicf)t  tmn  ungemiffen  ©leidjniffen,  oon  9Jienfd?en  er* 
funben,  bie  auf  mancherlei  SBeife  möchten  gebeutet  merben, 
fonbem  oon  folgen  ©lei<$niffen  reben,  bie  Sf)rijlu§,  ©otteS 
©ofm,  unb  ber  ^eilige  ©eifi  in  ben  $ropbeten  unb  Sipo* 
fleht  al§  ©otteä  2ßort  un§  öorgeftellt,  bie  Sefjre  oon  ber 
Rechtfertigung  baburc^  ju  erflären,  unb  ben  Einfältigen 
oor  Augen  ju  malen;  au$  felbjl:  bie  ©leidjmiffe  aufgelegt 
unb  aecommodirt,  unb  ftet8  aud)  in  ben  fttguren  barauf 
gebrungen,  ba£  mir  ofme  allen  SSerbienfi  t)or  ©ott  geregt 


269 

unb  feiig  toerben ;  bertoegen  jte  ntd^t  weniger  flarfe  ©rünbe 
fwb,  benn  bie  gellen  ©prüdE)e  t>on  ber  Rechtfertigung. 
2öir  tootlen  aüf)ie  etliche  ©leic^niffe  emmgen,  unb  barauf 
9tdE)t  geben,  ob  fie  ba§  mit  unferer  ße^re  unb  93efenntni§, 
ober  einigertei  Seife  mit  ben  päbfltic^en  3rrt&ümem  über* 
ein  fommen.  Suc.  15  führet  SfmftuS  breierlei  ©leidjmiffe: 
t)om  oerlornen  ©$af,  verlornen  ©rofd^en  unb  oerlomen 
©olm.  £ie  ift  offenbar,  ba§  6f)riftu3  t)on  ber  9ied)tferti* 
gung  beö  ©ünber3  üor  ©ott  l)anbelt;  benn  bie  ^arifäer 
murreten  barüber,  ba§  er  bie  ©ünber  annahm;  toenn  aber 
©ott  bie  ©ünber  annimmt,  fo  jtnb  fie  aud?  gerecht  t)or 
if)m.  $)a§  nun  bie  ©teicbniffe  mit  unferer  ßef)re  ftimmen, 
unb  ber  päbftlic^en  ftratfö  jmxüber  ftnb,  ift  t>or  Stugem 
G^riftuS  fpricbt,  baS  ©djaf  ^abe  fxfy  oerirret  in  ber  2öüjk, 
ber  ©rofcfye  fei  verloren,  ber  ©ofm  l)abe  baS  ©eine  fdEmnb* 
liä)  umgebracht;  fne  ijt  je  fein  23erbienft,  aud?  fommt  taS 
©Coffein  ni$t  t)on  i^m  felbft  txneberum  juredjt,  ber  @ro* 
fd^e  pnbet  jtdE)  au$  m$t  felbil,  ber  ©ofm  bef leibet  fid^ 
nid)t  felbft,  fonbern  ber  £irte,  nämlid)  ber  £eilanb,  läuft 
bem  oerirrten  ©djäflein  nadD,  h\8  er'S  finbe,  unb  legt'S 
auf  feine  2t$feln;  baö  2Beib,  bk  $riftlt$e  Ätrcfte  günbet 
bac  ßid^t  beS  göttlichen  2Borte3  an,  bi§  fie  ben  oerlornen 
©rofd^en  finbe.  3)er  25ater  gef)et  bem  verlornen  ©ofme 
entgegen,  nimmt  um  auf,  fleibet  um  unb  gibt  i^m,  baä 
er  nie  gefjoffet  bat.  2Ufo,  fpridjt  nun  Gtmfhtö,  toirb 
§reube  fein  t)or  im  Sngetn  ©otteö  über  einen  ©ünber, 
ber  93u§e  tfjut.  ©o  benn  unfere  9ied?tferttgung  alfo  ju* 
gefjet,  toie  unS  (ümfluS  in  ben  ©leidEjniffen  t>or  bilbet,  fo 
tfi'8  je  nur  ©nabe  unb  fein  Serbtenft  ©anj  gebräuchlich 
ift'8  bem  £erm  Glirijio,  ben  ^rofcfjeten  unb  Styofleln,  ba§ 
fte   unfere  $e$tfertigung,   Slufne^mung  jur  ©eligfeit  unb 


270 

93ermanbnij$  mit  ©ott  einem  @£everlöbm§,  £eiratf)  unb 
£o$$eit  vergleichen,  unb  bamit  un§  vorbilben,  tvelc^e  reiche 
©nabe  un3  ©ott  erzeige,  unb  tvelcfje  brunftige  Siebe  »ber 
allmächtige  ©ott  ju  unS  trage.  2113  im  £ofea  6.  2  [priest 
ber  ^>err :  3$  tviö  miti)  mit  bir  verloben  in  ©ered[)tigfeit 
unb  ©eri$t,  in  ©nabe  unb  33armf)erjigfeit,  ja  im  ©lau* 
ben  ivill  iti)  mid)  mit  bir  vertrauen.  3tem  3o^anne§  G.  3 
fpric^t:  2ßer  bk  23raut  l)at,  ber  i{t  ber  Bräutigam,  rebenb 
von  ßljrifto  unb  feiner  ©emeine.  $amit  aber  niemanb 
|)ierau§  bie  ©ebanfen  fd^öpfe :  tvetl  mir  benn  ju  fol$er 
#errfid)feit  ergaben  tverben,  fo  muffe  je  eine  SBürbigfeit 
bei  un§  fein,  ober  al8  brächten  tvir  aud)  unfere  ©üter  ju 
G^rifio,  mie  e3  auf  ßrben  guge^et,  ba  eine§  beö  anbem 
toertl),  unb  beibe  Jfjeile  tf)r  $ab  unb  ©ut  jufammen  legen, 
iji  un§  ©ott  juvor  fommen,  bie  grojje  Ungleichheit,  unfere 
Untoürbigfeit,  Unvermögen  unb  95lö§e  un§  vor  Slugen 
gejMt  unb  erinnert,  ba$  nur  feine  unau§fpredf)lidf)e  ßiebe 
un§  enväf)let  fwbe.  $>enn  unfer  Bräutigam  ifl  ber  #err 
m\i  Schöpfer  £immel3  unb  ber  (Srben,  tvir  aber  ganj 
arme  ßreaturen.  3BaS  fann  bie  6|lf)er,  ein  arme§  gefan* 
gene§,  elenbeö  ÜJlaiblein,  für  ©üter  rüfjmen,  bie  fte  bringe 
ju  bem  mächtigen  SJlonardjen  2lrtajer$e3.  ÜBaS  fann  bie 
Gubojia,  eine  arme  2)ienfhnagb  rühmen,  i>a$  fte  von  £f)eo* 
bojtu§  IL,  bem  gewaltigen  Äaifer,  jur  Königin  unb  6f)e* 
gemal)l  tvirb  aufgenommen.  -ftun  ijt  aber  bie  Ungletd^eit 
in  unferer  geipli^en  £eirat£  mit  ©ott  unaugfpredjlid)  viel 
größer;  benn  ttrir  nic^t  altein  arm,  etenb,  naeft  unb  bloß, 
fonbern  au$  voller  <&xmbt  unb  ©djanbe  ftnb,  liegen  in 
unferem  ©djlamm  unb  Unreinigfeit,  tvie  ©ott  im  £efefiel 
(L  16  un§  vorhält:  3$  fa^e  bi$  in  beinern  23lute  liegen, 
man  fjatte  btdj  ni$t  mit  SBajfer  gebabet,  bu  ttmreß  nadft 


271 

unb  blo§,  unb  fonnteft  beine  ©djam  nidE>t  bebedfen;  ia 
babete  idj  bi<$  mit  $?ajfet,  unb  mufd)  bid?  t)on  beinern 
SStute,  unb  falbete  bid;  mit  33alfam,  unb  fleibete  bid)  mit 
getieften  Kleibern,  t$  jierete  bi$  mit  Äfeinoben  ic  2ßie 
reimet  ftd)  nun  biefeö  mit  ber  päbfilidfeen  ßefjre,  ba$  ber 
2Renf$  burd?  feine  Söerfe  »or  ©ott  gerecht  fei?  ©o  mu§ 
@ott  ben  2Jtenfd)en  nid)t  ganj  naeft  unb  bto§  ftnben. 
llnfere  ße^te  aber  jiimmt  mit  allen  Runden  foldjeg  ©leid)* 
niffeg,  bie  ber  $ropf)et  auöfübrlicf)  erflärt;  benn  tx>ir  be* 
fennen,  ba§  mir  o^n  aü  unfer  SBerbtenft,  Don  @f)rifto  au£ 
feiner  unau3fpred)lid)en  Siebe,  ftnb  aufgenommen  unb  ge* 
redit  gemacht;  mir  ^aben  nid)tS  benn  Unreinigfeit  unb 
©ünbe  ju  i|)m  gebraut,  alle  ©üter  aber  {jaben  mir  t>on 
if)m  empfangen,  er  Ijat  mit  ©ered)tigfeit  unb  #eil  unS 
bef leibet  28ie  audb  JefaiaS  6.  61  mit  ^erjlid)er  ftreube 
©ott  alfo  banfet:  £er$lic|)  freue  idb  tm<$>  im  £erm,  unb 
meine  Seele  iji  fröpd)  in  meinem  ©ott;  benn  er  f)at  mi$ 
angezogen  mit  Äteibern  beö  £eifö,  unb  mit  bem  iftoef  ber 
©eredjtigfeit  befteibet.  2ßie  ein  Bräutigam  in  prieflerli* 
djem  ©$mucf,  mie  eine  SSraut  in  ü)rem  ©efd)meibe  berbet 
2lnber3mo  bübet  une  ber  £err  G^rifhtf  unfere  (Rechtfertig 
gung  üor  ©ott  alfo,  ba§  fxe  m$t  anber§  fei,  benn  eine 
gnäbige  Grlaffung  ber  großen  ©dbulb,  bie  mir  gemalt 
Jmben.  £uc.  7.  J)q8  ^immelreid),  ftm$t  (Ef)riftu3  9Jtattf). 
18,  ijt  gleid)  einem  Äönig,  ber  mit  feinen  fined)ten  rennen 
motlte;  unb  afö  er  anfing  ju  rennen,  fam  if)tn  einer  fcor, 
ier  mar  i£m  je&n  taufenb  $funb  fdjulbig*  3)a  er'£  nun 
nifyt  l)atte  ju  bejahen,  f)iej$  ber  ^err  fcerfaufen  ifm,  fein 
SBeib  unb  feine  Äinber,  unb  atle£,  ma§  er  fyatte,  unb  be- 
gasten. £>a  fiel  ber  ftuefyt  nieber  unb  betete  0)n  an  unb 
fyrad):    £err,   fjabe  ©ebulb  mit  mir,  t$  toW  -btr'S  alle? 


272 

bellen.  5)a  jammerte  ben  &erm  beffelben  ÄnedjtS,  unb 
lie§  it)n  log  unb  bie  @$ulb  erlie§  er  ifym  and).  $)a  ifi 
bodE)  unfere  Rechtfertigung  aufö  beutltdjfte  abconterfeiet 
Denn  ha  mirb  bie  ©röfje  unferer  ©djulb,  fo  mir  mit  un* 
fern  ©ünben  gemacht  Ratten,  angezeigt,  aud)  auSbrücflicfy 
oermelbet,  ba%  mir  bie  ©$ulb  ni$t  vermögen  ^u  beja^len, 
unb  nur  ©ott  im  Fimmel  au§  ©naben  alle  ©djmlb  na$* 
laffe  unb  fdftenfe.  £ie  jtefjet  je  ©ott  meber  2öerfe  noc$ 
SSerbienft  an,  fonbern  allein  feine  Sarm^erjigfeit.  Sllfo 
bilbet  er'3  aud)  2uc.  7.  $)a§  aber  biefe  9tadE)laffung  itx 
€>d?ulb  unfere  ©ere^tigfeit  oor  ©ott  fei,  ermeifet  ber  ©pruäj 
(grifft  jur  ©ünberin:  Fides  tua  salvam  te  fecit.  (2>em 
©laube  J)at  bir  geholfen.)  (Sr  fprid^>t  fte  atöbalb  feiig, 
i>a§  tfi,  üor  ©ott  gerecht  unb  ein  Srbe  ber  ©eltgfeit,  meil 
ifjr  bie  ©$ulb  erlaffen  unb  bie  ©ünben  »ergeben  ftnb- 
Sfttt  biefem  @lei$ni§  erftäret  au$  $aulu$  unfere  Re$t* 
fertigung,  ftm$t  SoL  2,  ©ott  I;abe  unfere  #anbf$rift, 
barin  unfere  ©dmlb  oerjei^net,  aufzulegen,  benn  unfer 
«igen  ©emiffen  überjeugt  un£  nadj  bem  ©efetj ;  aber  6fm* 
fiuS  Ijat  bie  #anbfd)rift  burd)ftod)en  am  Äreuj  unb  für 
un§  bejahtet,  unb  fwt  un£  gef^enfet  alle  ©ünben,  3llfo 
unb  ni$t  anber§  werben  mir  tmr  ©ott  geregt  $aft  ge* 
mein  ifVS  allen  $ropf)eten  unb  Slpofietn,  ba§  fte  unfere 
Rechtfertigung  l)ei§en  eine  (Srlebigung  auö  bem  ©efängnif) 
unb  Srrettung  t)on  mächtigen  fteinben,  3ef.  52,  61;  $f.  68, 
126,  14;  ©ad).  9;  Sol,  l.  2Bie  nun  ein  ©efangener  unter 
fiarfen  mächtigen  $einben,  ber  im  Äerfer  l;art  »ermaßet 
mirb,  if)tn  felbji  nid)t  fann  Reifen,  bafj  er  lebig  merbe; 
alfo  fann  aud)  ein  armer  ©ünber,  mie  mir  alle  t)on  Ratur 
ftnb,  melier  unter  ben  fe^r  mächtigen  fteinben,  unter 
©otteS   Born,   $lu<$    be§  ©efe|eö,   ©emalt   beä  2obe3, 


273 

Scannet  be3  SeufelS  t>erfiridt  unb  gefangen  liegt,  tf)m 
felbft  nid&t  Reifen,  ba§  er  erlebigt  unb  oor  ©ott  geregt 
unb  feiig  werbe. 

2lbermal  bilbet  ber  £err  St)riftu3  bie  öe^re  oon  ber 
^Rechtfertigung  Suc.  10  in  bem  SBanberer,  welker  unter 
bie  Sftörber  geraden,  t>on  ibnen  ausgesogen  unb  fcerwun* 
btt,  aber  Dom  ©amariter  üerbunben  unb  in  bie  Verberge 
gefüfjret  warb.  2öaö  vermag  ber  arme  Serwunbete,  ber 
fjalb  tobt  t)on  ben  SRörbern  getaffen  worben?  2Ba§  t)er* 
bienet  er  um  ben  ©amariter?  2Ba§  tbut  ober  ftilft  er  ju 
feiner  ©efunbljeit?  £RidE>tö.  9llfo  wir  allefammt,  bie  wir 
in  2lbam  unter  bie  ÜJiörber,  ben  Jeufei,  geraden,  t)on  if)m 
ber  göttlichen  ©naben  beraubt,  unb  an  ber  Seele  bi3  auf 
ben  Job  üerwunbet  ftnb,  vermögen  je  ni$t§,  öerbienen 
aud)  ni$t§,  Reifen  unb  wirfen  aud?  md)t8  ju  unferer  SRedjjt* 
fertigung.  Stllein  aber  l)ilft  unS,  bafi  ben  ©amariter,  3e* 
fum  6f)rijtum,  unfer  jammert  unb  ftdE)  unfer  erbarmet,  ia 
bo$  2Rofe§  unb  Slaron  beibe  vorüber  ge^en,  unb  un8 
liegen  laffen,  ob  fte  un§  gleich  fefjen.  Sr  aber,  ßl)rifiu§, 
öerbinbet  unfere  2öunben,  geufjt  Del  unb  2Bein  brein, 
legt  un3  auf  fein  £f)ier  unb  führet  un§  in  bie  Verberge 
ber  d&rijtttdjen  Äircbe,  unb  befielet  un3  berfelben.  ©o 
iji'S  je  eitel  ©nabe  unb  ©üte  ©ottes,  ofme  unfer  23erbienfi 
unb  Sßerfe,  ba§  un§  geholfen,  unb  wir  arme,  im  ©ewiffen 
i^art  tterWunbete  ©ünber  t)or  ©ott  geregt  unb  feiig  werben. 

$)a§  aber  nodt)  flarer  ba§  ganje  2öerf  unferer  SRec^t* 
fertigung  un§  ganj  unb  gar  aug  ben  £änben  genommen 
werbe,  unb  alle  Urfa$  ber  23ermeffenf)eit  abgefdmitten,  fo 
geuget  bie  ©d)rift,  bafy  unfere  ^Rechtfertigung  nid^t  nur 
einer  Slrsnei,  fonbern  einer  Stuferwecfung  t)on  Jobten  gleidE) 
fei,  aI8  ba  $autu§  fpri^t  ©p&.  2 :  ©ott  f)at  eu$  mit  ü)m 

18 


274 

le&enbig  gemacht,  ha  tf)r  tobt  toaret  in  ©ünbem  3tem 
6ol  2:  ©ott  fwt  un3  geliebet,  ha  Kur  tobt  n>aren  in  btn 
©ünben,  unb  l)at  un3  fammt  ßfmjto  lebenbig  gemalt 
2öa§  Derbienct,  vermag,  tljut  ober  f)ilft  ibm  ÖajaruS  ba^u, 
ba§  er  lebenbig  ttnrb?  Ueberall  nidjR  Sltlein  (Sljriftug 
jünbet  burd)  feine  ©timme  ein  neues  ßeben  an  im  Sajaro. 
Sllfo  verbienen  unb  nrirfen  wir  autf)  n\ü)i§  ba^u,  ba%  tvir, 
bie  toir  in  ©ünben  tobt  getoefen,  vor  ©ott  geregt  unb 
lebenbig  werben,  fonbem  e§  ift  nur  ©otteS  ©efdjöpf  unb 
©abe.  * 

(5§  ftnb  gtoar  ber  ©feidEjniffe  fef)r  viel,  fo  bie  ©djrift 
jur  ßrflärung  biefer  ßeljre  brauset,  a(8  bie  bie  aller!)  öcf)fle 
unb  nötfrigjte  ift;  aber  in  etlichen  toirb  unö  ©otte§  über* 
fdJjtoängttcbe  ©üte  aufg  reic^lic^jte  vorgemalet,  in  etlichen 
ba§  Serbienjt  SfjrifH  gezeigt,  in  eiligen  unfer  Unvermögen 
unb  große  llnreinigfeit  un§  vorgebilbet,  in  etlichen  ftrirb 
un£  ber  ©taube  gebeutet,  baburefj  tvir  Sfmfium  aufbauen 
muffen,  ©inb  aber  allefammt  bafyin  gerietet,  ba§  toir 
oljne  33erbienft  unb  2ßerfe  vor  ©ott  geregt  toerbem  2lffo 
führet  d^rifiuö  felbft  ba§  ©leid)ni§  in  9Jtofe  jur  Srftärung 
unb  Seftätigung  feiner  2el)re,  3^-  3:  ©leicfwie  9D?ofe3 
in  ber  Söüjte  eine  Solange  erfjöfjet  l)at,  alfo  mu§  be§ 
9Kenfcf)en  ©of)n  er^ö^et  toerben,  auf  bafj  alle,  fo  an  ilm 
glauben,  nid^t  verloren  toerben,  fonbem  ba§  einige  Ceben 
Ijaben.  ©o  toenig  nun  ba§  5lnfd?auen  für  ein  Sßerbienjt 
ober  9Berf  mag  geregnet  werben,  unb  nur  ein  SUiittel  ift, 
ba§  ©ott  georbnet,  alfo  tvenig  tljun  ober  verbienen  tt>ir, 
ba  ttur  vor  ©ott  burd)  ben  ©lauben  an  3efum  Sljriflum 
geregt  derben.  Unfere  ^äbjtler  tollen,  ber  ©laube  allein 
madje  nid)t  geregt,  ba§  ift  fo  viel  gerebet,  e§  fei  ntdjt 
genug,  ba§  man  bie  efjerne  ©ä)lange  aufbaue,  man  müjfe 


275 

mebr  baju  tfmn,  molle  man  gefunb  toerben,  2I(fo  t>erfef)ret 
ber  päbjilidje  3rrtfmm  bie  gange  ^eilige  ©cfjrift.  2öa3 
fann  benn  aud?  beutlicfjer  toiber  ber  $apiften  Säfterung 
tton  eigener  ©eredjtigfeit  unb  £eitigfeit,  fo  fte  auf  tfjr  2öerf 
bauen,  gerebet  werben,  benn  bafi  3^faia^  @-  55  mit  t>er* 
blümten,  aber  bocf)  gang  l;eüen  2öorten,  fcon  ber  5Rec£)tfer* 
tigung  rebet:  2ßol)lan  alle,  bie  i^r  burfiig  fetb,  fommt 
^er  gum  Sajfer,  unb  bie  ü)r  nid)t  ©elb  l)abt,  fommt  f)er, 
faufet  unb  effet,  fommt  f)er  unb  faufet  ofme  (Selb  unb 
umfonft,  beibe  2öein  unb  2Ril$.  2Barum  gältet  \i)i  ©elb 
bar,  ba  fein  33rot  ift,  unb  eure  Arbeit,  ia  ibr  nicf)t  fatt 
t)on  werben  fönnet?  £öret  mir  bod)  gu  unb  effet  bag 
©ute,  fo  ttnrb  eure  ©eele  in  SBotluft  fett  werben.  2)amit 
aud)  bie  Sabung  Sfmjlt  jtimmet  2Fcattf).  22:  Saget  ben 
©äjten:  ©ie&e,  meine  9Jtaf)lgeit  babe  idj  bereitet,  meine 
Dcfyfen  unb  mein  üftajtoie^)  ifi  gefcf)lacf)tet,  unb  alles  be- 
reitet, fommt  gur  £oc$geit.  ©o  benn  ©ott  alle§  umfonft, 
ofjne  unfer  ©elb,  ba§  ift,  ofme  unfere  2ßerfe,  einige  ©peife 
unb  Iranf,  ba$  ijl,  @ered)ttgfeit  unb  ©eligfeit,  barbeut, 
aud)  unfere  9ftünge  öor  ©otteö  Slugen  falfcb,  unb  unfere 
JBerfe  in  feinem  ©erid)t  unrein  jtnb,  biemeil  aud)  ©ott 
aüe§  bereitet  in  feinem  ®of)n,  ben  er  gum  Opfer  fcerorbnet, 
fo  mögen  je  unfere  2öerfe  un§  t)or  ©ott  nidjt  geregt 
madjen,  fonji  fyatte  ©ott  foldje  üftül;e  »ergebend  auf  ftd) 
genommen, 

Slber  ba%  unfere  @ere$tigfeit  ttor  ©ott  ntd)t  in  un* 
fem  Sßerfen,  fonbern  im  $erbienfi  3efu  (£l)rifii  allein  fielje, 
bereifet  i>a§  ©letdjnifj,  fo  unö  bie  ^eilige  <ScS>rift  öorfteüet, 
nämlid),  ba§  unfere  Rechtfertigung  nid)t  anberS  gugelje, 
benn  al8  toenn  ein  armer  Uebeltfjäter  t>or  einem  geftrengen 
9ftid)ter  auf8  ^cftigjie  mirb  üerflagt  unb  ber  Uebelt^at  über* 

18* 


276 

jeugt,  unb  bod^  burd)  ben  ^ürfprec^er  alfo  vertreten,  bafj 
er  ttom  SKidfjter  log  unb  lebtg  erfannt  unb  gegeben  ttmrbe* 
(Sott  ift  je  ein  firenger  $t$ter,  ber  bie  ©ünbe  Raffet  unb 
nid)t  ungeflraft  läßt,  ber  ©atan  üerflagt  un3  £ag  unb 
9lafyt,  Dffenb.  12.  Unfere  £anbf$rift  fielet  ba  in  unferm 
©etx)iffen,  ttetcbe  un§  «überzeugt,  bafj  mir  bie  ©ünbe  nid)t 
leugnen  fönnen,  SoL  2.  ®a§  ©efe^,  ber  ©erid[}t3f$reiber, 
fjat  ba§  Urteil  fd;on  gefaßt:  $erflu$t  fei  jebermann,  ber 
ni$t  ptt,  tt)a§  im  ©efe§  gefdjrieben  fielet ,  5  üftof,  27. 
9hm  !ann  je  niemanb  fagen,  ba$  er  in  biefem  allerl)öd)ften 
(geriete  wolle  unfdjulbig  erfunben  werben;  benn  bie  ©cfyrtft 
^at  atleg  unter  ben  Unglauben  befdjtoffen,  ©al.  3.  2Ufo 
aber  toirb  un§  geholfen,  ba§  unfer  $ürfpre$er,  %t\vi$ 
(Sljriftug,  mit  feinem  ©efjorfam  ben  ©atan  unb  unfere 
Stnfläger  tl)ut  fdweigen  unb  un£  t>or  ©ott  vertreten,  alfo 
ba§  un§  ©ott  .felbji  redjt  fpric^t,  loa  unb  lebig  erfennt, 
unb  ju  feinen  Äinbern  annimmt,  tote  auf  tiefe  SBeife 
$aufu3  bat)on  rebet  9töm.  8:  2Ber  miü  bie  2lu3ertt)  aalten 
©otteö  befdjmlbigen?  ©ott  ifi  fne,  ber  ba  geregt  maä)t 
2ßer  null  üerbammen?  6f)rij!u3  ifi  f)ie,  ber  geworben  \% 
ja  öiel  met)r,  ber  audE)  aufertoecfet  ifi,  melier  ijt  jur  Cfted^^ 
ten  ©otte§  unb  vertritt  ung.  $>e§glet$en  aud)  3o^anne§ 
1  3o^  2 :  Dh  jemanb  fünbiget,  fo  fwben  wir  einen  ftür* 
fpredjer  bei  bem  2Sater,  3efum  Sfmjtum,  ber  geregt  ift, 
unb  berfelbige  ifi  bie  $erföf)nung  für  unfere  ©ünbe.  2öer 
benn  nun  burd)  feine  2öerfe  tx>iü  t)or  ©ott  gerecht  fein, 
ber  t>em>irft  biefen  $ürfpred)er  Gt)rifhmt,  unb  toirb  burd? 
feine  S5ermeffent)eit  ein  unträgltcb  Urzeit  empfa^en. 

Äein  3»eifel  ijl'3,  ba§  ber  ^err  6&riffu8  SRatty.  20 
burd)  ba§  ©lei(^ni§  Don  ben  Arbeitern  im  2Betnberge,  fo 
ungfetd)   arbeiten,   unb  bodE)  gleiten  Cotm  empfaljen,   bie 


277 

ßebre  oon  ber  ©ereci)tigfett  unb  Seligfeit  fyat  sollen  er* 
ftären.  Db  nun  gleicf)  unfere  2öiberfad)er  im  $abfttf)um 
ft$  I)art  bemüljen,  \\)\t  falfc^e  unb  irrige  SEReinung  twn 
ber  ®ered)tigfeit  ber  2ßerfe  mit  biefem  @leidmi§  ju  be* 
(Königen,  weil  S^rijiuS  ber  9Irbeit  unb  beg  2o^n§  gebeult, 
fo  erzwinget  bod)  bie  gan^e  $rebigt  ß&rijii,  i>a$  t)ie(  mel;r 
unfere  Öefjre  twn  ber  @ered)tigfeit  be§  ©laubeug  baburdj 
erflärt  uub  betätigt  wirb,  ber  pabfllidje  3^um  aber  ba* 
burd)  umgeflogen  uub  verworfen.  T)enn  ber  öofm  !auu 
weber  bie  @ered)tigfeit  nod)  baö  ewige  Seben  bebeuten, 
bieweil  bie  verworfen  werben,  bie  bm  ßofm  nid)t  weniger 
empfangen  Ijaben,  beuu  bie  iu  ©uabeu  bleiben,  2)a3  aber 
gibt  ba3  ©leicbniB  Ijefl  unb  flar,  ba§  ©ott  feine  9kd)nung 
nid)t  madje  na$  unferm  93erbienft  ober  Slrbeit,  fonbem 
nad?  feiner  ©üte;  benu  6wige§  uub  3eitlict)e§  ifi  atleg 
fein,  unb  er  mag  mit  bem  ©einen  machen,  \x>a$  er  will, 
uub  bat  niemanb  9ftad)t,  oon  ©ott  5Re$enfd)aft  ^u  forbern, 
warum  er  fo  tfme.  So  benn  ©ott  allein  nad)  feiner 
©üte  Rubelt,  unb  feine  5Red?nung  nid)t  mad)t  na$  unferer 
Slrbeit  ober  23erbienfl,  fo  mu§  je  folgen,  ba§  wir  niebt 
auö  Serbien]!,  fonberu  allein  au§  ©naben  geregt  unb 
feiig  werben,  Daf$  nun  S^rifiuö  ft>rid)t,  man  folle  im 
Arbeitern  ben  ßofm  geben,  iamit  gibt  er  ju  t>erjl:ef)en,  ba£ 
©ott  nid)t  allein  alle  guten  2Serfe  in  allen  9JJenf$en  be^ 
ja^le,  fonberu  aud)  alle  Sünbe  firafe  nad)  feinem  ©efe|; 
benn  ber  £ob  ijt  ein  ßofm  unb  Solb  ber  ©ünben;  wer 
nun  ©uteö  ober  93öfe§  gearbeitet  im  Sßeinberg,  ber  be* 
fommt  ben  ßoljn,  ber  im  ©efe$  üerft>rod)en  ifi.  Jßa8 
aber  bie  ©ered)tigfeit  unb  Seligfeit  betrifft,  bie  niemanb 
Derbienet,  batwn  fagt  ßfmftuS:  2JJag  id)  nid)t  tf)un  mit 
bem  deinen,  wag  id)  will?    Siefjefi  bu  barum  fc^eet,  bafc 


278 

iä)  fo  gütig  bin?  £ie  foll  nic^tö  benn  ©otteö  Sßille  unb 
©üte  gelten;  benn  öiel  jtnb  berufen,  toenig  fmb  auSer* 
toastet  $>a§  f>ei§t  je  jfarf  ben  päbftlidjen  Srrtfmm  abge* 
leimet,  ftntemal  ©ott  au§  ben  Seiten  bie  (Srften  machet, 
unb  benen,  fo  am  wenigften  gearbeitet,  nidjt  allein  gleiten 
2o£n  gibt,  fonbern  fie  für  bie  (Srfien  unb  9lu3ermäl)lten 
rennet,  unb  folcf)e3  feiner  ©üte  auftreibet,  benen  aber, 
bie  am  meifien  gearbeitet,  unb  bie  Saft  be3  Jageö  getrau 
gen  l)aben,  an  ifjrem  üerfprotöenen  Sofm,  na$  bem  ©efe|, 
nicfetö  abbricht,  aber  bo$  auö  ifmen  bie  Seiten  machet 
unb  fprid[)t:  D^imm,  toaS  bein  ift  unb  gef)e  l)tn.  9llfo 
bleibte  bei  bem  ©prud),  ben  ©ott  gu  2Jlofe  gerebt  2  ORof.  33 : 
2öe§  icf)  midE)  erbarme,  befj  erbarme  td)  rnid)*  2öag  toollen 
benn  au$  bie  blinben  QJapiften  ju  ber  #ijbrie  ober  ©leid)* 
ni§  fagen  t)om  $&arifäer  unb  Saliner?  Suc.  18.  ©ütb 
nid)t  bie  päbjlli^en  Söerf^eiügen  bem  ^arifäer  gleid),  in* 
bem  fie  iljre  SBerfe  rühmen  unb  ftcf)  felbfl  rechtfertigen? 
2)e3  SöüntxS  ©ered)ttgfeit  üerläftern  fte.  S)enn  ganj  lä* 
fierlid)  reben  unb  fd^reiben  fte,  bie  Vergebung  ber  ©ünben 
fei  ni$t  unfere  ©eredjtigfeit.  Unfere  ßeljre  t>on  ber  ©e* 
red)tigfeit  be§  ©laubeng  freuet  man  in  biefem  ©leidmifi 
t)om  $fmrifäer  unb  3öHner,  toie  in  einem  fjetten  ©pieget, 
benn  xvix  lehren  unb  befennen,  ba§  ftdj  niemanb  fetbfl: 
rechtfertigen  foll,  nod?  auf  feine  #ei(igfeit  ftdj  fcerlaffen, 
alle  aber  muffen  toir  mit  bem  BöÜner  fagen:  #err,  fei 
mir  armen  ©ünber  gnäbig.  2luf  miü)  ®tbtt  6fmfiu3 
ba3  Urteil  fället,  i>a%  ber  3öüner  gerechtfertigt  in  fein 
£au3  ging  t>or  jenem.  2)en  blinben  $apifien  gefällt  baö 
@leidjmi§  nidbt  üom  £f)on  unb  Töpfer  in  biefem  £anbel, 
aber  tx>eil  e§  ber  ^eilige  ©etji  felbft  im  Sefaia,  3^wia 
unb  $auto  gebraust,  unb  auf  bie  ^Rechtfertigung  gebogen, 


279 

führen  mir  e3  billig,  ba§  eö  ben  SZßerffreiligen  ein  ©tacket 
in  Slugen  fei.  $)enn  fo  menig  ber  Zfyon  baju  tnlft  ober 
müfet,  ba$  er  jum  el)rliä)en  ©efä§  gemalt  roirb ,  alfo 
menig  l)i(ft  ober  mirfet  ber  ©ünber  aud?  baju,  ba&  er  t)or 
©ott  geregt  unb  fetig  mirb. 

ße|tli$,  t>a§  mir  i>a$  Argument  öon  ©lei^niffen  be* 
fcpefcen,  fo  bezeuget  ber  ^eilige  ©eifi  in  $aulo  SRöm.  5, 
ba§  Stbam  fei  ein  23orbitb  fifjrifli  gemefen;  unb  mie  mir 
burcf)  3tbam3  Ungelmrfam  alle  fcerbammt  morben  ftnb, 
alfo  merben  mir  bur$  Gfmfti  ©efjorfam  geregt  unb  feiig; 
unb  mie  mir  in  9Ibam  alle  fierben,  alfo  merben  mir  in 
(Etjrifto  (ebenbig  gemadjt  £ie  ift  abermal  unfere  ©erecf)* 
tigfeit  fcorgebübet,  ba§  fte  ni<$t  ftef)e  in  unfern  Söevfen, 
fonbern  im  23erbienft  (grifft.  (Sine  frembe  ©cfwlb  bringt 
un3  in  emige§  93erberben,  eine  frembe  ©ered)tigfeit,  näm* 
lidE)  ßbrifii,  bringt  un3  jur  emigen  ©eligfeit;  bermegen 
macben  un3  unfere  Sßerfe  nidf)t  geregt  Db  nun  einer 
f)ierau§  folgern  unb  fdf)lie§en  mollte,  ba§  mir  bann  aud) 
feine  eigene,  fonbern  nur  frembe  6$ulb  Ritten,  ber  mürbe 
ficfe  ju  meit  verlaufen,  benn  $aulu3  aud?  erinnert,  ba§ 
biefe  23ergleicbung  2lbam§  unb  Script  nur  in  etlichen  $uno 
ten  befiele,  baneben  aber  audE)  gro§e  Ungleichheit  fei.  T>enn 
nicbt  mie  bie  ©ünbe,  alfo  a\xä)  bie  ©nabe;  benn  bie  ©nabe 
2>efu  (grifft  ift  oicl  mächtiger  atö  bie  ©ünbe,  unb  bie 
©ered)tigfeit  fjerrfdjet  triel  mef)r  jum  Ceben.  Sllfo  tjt  au$ 
biefe  Ungleichheit  bie.  2ßir  f)aben  jugleic$  frembe  unb 
aud)  eigene  ©dpulb,  barum  mir  fcerbammt  merben;  allein 
aber  bie  frembe  ©eredE)ttgfett  ßfjrijli,  ofme  unfer  eigen  23er* 
bienft,  machet  unS  geredet  unb  feiig;  unb  ftefjet  alfo  ba§ 
©leicfmip  in  bem,  ba§  mie  bur$  eineS  ©ünbe  bie  25er* 
bammnifi   über  alle  üKenfd?en  fommen  ift,   alfo  ift  au$ 


280 

burcf)  eine§  ©eredjtigfeit  bie  ^Rechtfertigung  be§  ßebenS  über 
alle  üftenf^en  fommen,  £>enn  glei^mie  burcb  eines  SJien* 
fcfjen  Ungefmrfam  mel  ©ünber  korben  fxnb,  alfo  aud) 
bur$  (SineS  ©eljorfam  derben  t)iel  ©eredjte,  $)a§  ^ei§t 
je  beutli$  unfere  5Ked)tfertigung  t)or  2lugen  malen  unb 
jeigen,  bafc  mit  fte  in  unfern  2öerfen  nid)t  fudjen  bürfen* 
2öte  benn  alle  oberjä^Üen  ©leidmtffe  bal;in  bringen  unb 
fingen,  ba§  mir  benennen  muffen,  ber  üftenfd)  merbe 
nid)t  geregt  t>or  ©ott  burd)  feine  SGBerfe,  ©e^orfam  ober 
#eittgfeit,  fonbern  allein  au$  lauter  ©nabe  olme  93erbienfl, 
um  be§  ^eiligen  @ef)orfam§  3efu  Sfmjlt  mitlen,  allein 
burd)  ben  ©tauben. 

©er  zwölfte  (Bruno* 
Don  öer  ewigen  Derfelmng. 

$a$bem  ber  Styojlel  $aulu8  in  ber  ßptjiet  ju  bm 
Römern  bie  gemaltigen  unb  tröfilicfjen  Argumente  geführt, 
als :  t)om  @efe£  ©otteS,  t)on  ber  25erl;ei§ung  ber  ©naben, 
t)om  8lmt  unb  2öo^lt^aten  3efu  (£f)riflt,  t>om  3eugni§ 
beö  ^eiligen  ©etfieS,  txm  ber  $rud)t  unb  Äraft  beö  ©lau* 
Un8  unb  bergleidjen,  jeigt  er  aud)  julc|t  ben  gar  Warfen 
unb  fräftigen  ©runb  unferer  Sefjre,  i>a$  mir  auS  ©naben 
ol)ne  93erbienj1  gerecht  merben,  nämlid)  ©otteS  emige  9Ser^ 
fefmng  unb  ©nabenmafjl,  burd)  meiere  er  bie,  fo  feiig 
merben,  o^ne  alles  Sßerbienfi,  ef)e  ber  Sßelt  ©runb  gelegt 
morben,  in  S^rijio  jum  emigen  %tbm  t)erfef)en  unb  t>er* 
orbnet  l)at,  auf  batf  er  mit  folgern  mächtigen  ©runb  aller 
SBermeffenljeit  unb  JRuljm  ber  Vernunft  mefjre,  alle  ©e* 
banfen  öon  eigenem  95erbienfi  abfdmeibe  unb  alle  ©eligfeit 
aller  9[Renfd)en  allein  ©otteS  ©üte  auftreibe.  2Beil  mir 
benn  fol$  apoftolif$  Sjempef  t>or  un§  fjaben,  fönnen  mir 


281 

bem  ftdjerlicf)  folgen,  ungeachtet,  i>a$  bie  ttermeffene  unb 
tro§ige  Vernunft,  fo  ]\ti)  bem  gellen  Karen  2Bort  nt$t 
gern  untergibt,  fauer  baju  fef)en  möchte.  9ßir  f)aben  big 
baljer  burd)  ©otteS  ©nabe  Zxofttö  genug  oermelbet,  bar* 
auf  jtcf)  ein  gläubig  ^>er§  folt  unb  fann  füf)nli$  tterlaffen, 
J)ie  25erfteiBung  beö  Stmngelü  oon  Vergebung  ber  ©ünben, 
auf  toelc^eö  ein  ängftig  ©ewiffen  jlracfg  fe^en,  unb  ftd) 
batwn  niebt  füll  treiben  laffen,  ^aben  wir  weitläufig  ge* 
banblet,  3)ie  unaitöfprecblidfje  ßiebe  ©otte§,  unö  in  ßljrifio 
3efu,  bem  gefreujigten  unb  auferweeften  £ei(anb,  bewiefen, 
Ijaben  wir  mit  tnelen  2öorten  twr  3lugen  gejiellt,  unb 
baljin  alle  belabenen  ©ewiffen  qewiefen;  auef)  baneben 
allerlei  £rojt  unb  3eugniffe  ber  ©cfjrift,  an  melden  ba$ 
£er$  haften  unb  fangen  mu§,  Iwufenweife  geführt  2Ber 
nun  fol$e  Öeljre  mit  gläubigem  unb  bemüt^igen  ^erjen 
gefafct,  ber  ijt  gefcf)icft  genug  auef)  tm  ©runb  t)on  ber 
ewigen  93erfe|mng  in  ©otte3fur$t  ^u  betrachten.  2)enn 
weil  je  bie  $offal)rt  menfcf)lid)er  Vernunft  härter  ifi,  al§ 
fein  $e(3  nod)  9lmbo§  mag  fein,  fo  ijt  biefe  Öe^re  oon 
ber  23erfef)ung  ber  rechte  Jammer,  ben  fwrten  jtoljen  Reifen 
gänjlicf)  gU  jerfdjmettem  unb  jerma^ten,  i>a%  er  lerne,  wie 
alle  Seligfeit  nur  in  ©oiteS  £anb  ftel)e.  3)a§  etliche  ob 
biefer  Se^re  einen  2lbfd)eu  l)aben,  gefc^ie^t  au3  lauter  Un* 
tterjtanb,  S)a§  aud)  etliche  biefe  ßeljre  mißbrauchen,  tnt* 
Weber  ju  fleifdjlidper  ®i$erf)eit,  ober  ju  SSersweiflung,  weil 
jte  ©otteS  ©erid)t  obne  ©otteö  Jöort  erforfdEjen  wollen, 
barauä  folget  mit  nidjten,  baj?  fie  unrecht  fei,  ober  in  ber 
Äirdje  nid)t  foll  geleitet  nodE)  getrieben  werben,  ©ott  I)at 
jxe  felbft  t)om  £tmmel  offenbaret,  unb  bie  ^ropbeten  9Jto* 
feg,  3)at>ib,  Sefaiag,  ßbrijtug,  3of)anne3,  $aulu£  fyahm 
jte  oft  unb  gewaltig  geführt;  barum  mu§  fie  nid>t  allein 


282 

getoi§  unb  toaf)rf)aftig,  fonbern  aud)  ber  Äircbe  fel;r  nü^ 
li$,  tröflli^,  I)eilfam  unb  gan^  erbauli$  fein*  2Bie  benn 
aud)  in  @otte§  2ßort  ju  ftnben,  toelc&er  ©ejlalt  unb  9Jta« 
fien  biefe  2ef)re  ju  führen,  toie  tx>eit  hierin  fortjuf^reiteit, 
über  tt)et<^eö  3iel  ni$t  ju  fahren,  Vüoju  biefe  ßef)re  fei 
offenbaret  unb  toeldjen  I)errltd)en  9tu|  man  barauä  fc^öpfen 
foll  Unter  toelc^en  audE)  biefer  ifi,  namli$,  ba§  biefe 
£eJ)re  oon  ber  ewigen  SSerfe^ung  unb  göttlichen  ©naben* 
xoafyl  un§  f(ar  unb  lauter  t>or  Stugen  legt,  toie  ftdb  ber 
2ftenf$  fo  gar  ntd^tö  feineä  SSerbienfieS  ober  2Berfe  ju 
rühmen  l)abe,  fonbern  baß  alt  unfere  ©eligfeit  atiein  auf 
©otieö  lauterer  ©nabe,  ©üte,  ewiger  (Srbarmung  unb 
göttlichem  9Sorfa£  fielje,  unb  bemnad)  ber  üftenfd)  nidjt 
bur$  feine  2öerfe,  ©eborfam  ober  äöürbtgfeit,  fonbern 
allein  aug  ©naben,  um  3cfu  (£f)rijii  teilten,  allein  burd) 
ben  ©tauben,  geregt  unb  feiig  toerbe.  2)enn  fo  bie  allein 
feiig  werben,  bie  ber  allmächtige  ©ott  nad)  feinem  95orfa| 
unb  einiger  ©üte,  nicf)t  allein  ef)e  fte  toeber  ©ute§  nod) 
23öfe§  getrau,  fonbern  aud)  el)e  fie  ftnb  geboren  toorben, 
aud)  e^e  ber  Söelt  ©runb  gelegt  ifi  toorben,  if)tn  fjat  au§* 
erttm^tt  unb  jum  etoigen  Seben  oerorbnet,  unb  hierin  nidE>tö 
benn  feine  ©nabe  unb  göttliches  2öot)lgefalten  angefe^en, 
fo  muß  bod)  alle  SBcIt  befennen,  ba§  fein  Serbienft  nod) 
Söerf  jur  ©eligfeit  Reifen,  au$  fein  SJtenfd)  im  gertngfien 
mag  rühmen,  bafi  er  burd)  feine  2Serfe  ober  SBürbigfeit 
jur  ©eligfeit  fomme,  fo  toenig  ber  SJftenfd)  mag  rühmen, 
bafj  er  etoaS  getrau  ober  fcerbienet,  e^e  er  geboren,  ober 
el;e  benn  ber  2Selt  ©runb  gelegt  toorben,  2)a3  ifi  bod) 
ein  red)t  fdf)arfeö  Äapitel  für  bie  flogen  oermeffenen  Söerf* 
^eiligen,  bie  ©otteS  unermeßliche  Sarm^erjigfeit,  in  ber 
SBerbeifmng  be§  (Stwngelü  unS  fo  reid)lid)  offenbart,  au$ 


283 

feine  göttliche  2iebe  in  bem  £errn  (£()riflo,  ber  fein  93lut 
für  un3  fcergoffen,  un3  oorgebübet,  fcernidjtigen,  unb  i^r 
öermeinteö  Serbien]!  bagegen  rühmen;  über  welker  2el)re 
bie,  fo  in  ifjrer  $ermeffenl)eit  üerfwrren,  ntd;t  allein  f$am* 
rotb,  fonbern  aud)  toll  unb  unftnnig  derben  muffen,  bie* 
weil  iljnen  unmöglich,  folcf)e3  ju  begreifen.  2)ie  ©laubigen 
unb  3>emütl)igen  aber  üerfkfjen  ni<$t  allein  fold)e  f)of)e 
2ef)re,  fo  ttiel  in  ©otte3  2öort  erflärt  worben,  fonbern 
nehmen  fxe  an  mit  l)er§li$er  $reube  unb  £)anf  barfeit,  unb 
brausen  ifjr  jum  fräftigen  unauSfpredE)ltd)en  Srofi,  fintemal 
fte  barin  finben:  bietoett  unfere  Seligfeit  nicfrt  in  unfern 
£änben,  ha  fte  gan^  ungett)i§  wäre,  fonbern  auf  ©otteS 
ewiger  ©nabenwal)l,  SrWäl)lung  unb  göttlichem  23orfai$, 
tx>eldE>er  in  ßwigfeit  nidjt  mag  fceränbert  nod;  umgejiofjett 
Werben,  beruhet  unb  gegrünbet  ifi,  fo  mag  aud?  feine 
2tnfed)tung,  feine  Kreatur  Weber  im  Fimmel  nod)  auf 
ßrben,  unfere  öon  ©ott  in  ßwigfett  befd)toffene  ©eligfeit 
nidjt  t)erl)inbern.  $)a§  aber  ©ott  bie,  fo  t)or  tt)nt  geregt 
unb  ewig  feiig  werben,  e^e  ber  2ßelt  ©runb  gelegt  worben, 
na$  feinem  2öo^lgefaüen  unb  göttlichem  23orfa£  ba%u  t)er* 
feljen,  au§ettx>ä^lt  unb  fcerorbnet  fjabe,  bezeuget  bit  ^eilige 
©d)rift  an  gar  fielen  Orten.  $aulu§  führet  biefen  ©runb 
gewaltig  ^u  ben  Römern  (£.  9,  unb  betätigt  i^n  mit  Dielen 
3eugniffen  ber  8d^rift:  @l)e  bie  Äinber  geboren  waren, 
unb  tioeber  ©uteö  nodE)  93öfeö  getrau  Ratten,  auf  bafj  ber 
$orfa|  ©otte^  bepünbe  na*  ber  2ßal;l,  Warb  ju  ii}i  ge* 
fagt:  9üdi)t  au§  QSerbxenfi  ber  Jöerfe,  fonbern  aug  ©nabe 
beö  23erufer3,  alfo:  $)er  ©rögefte  foll  bienpar  werben 
bemÄleinen;  mt  benn  getrieben  flehet :  3afob  fyabz  id) 
geliebet,  aber  ßfau  babe  id)  geljaffeh  1  9DZof.  25,  9ttal.  1. 
Stern,   ©ott  fyric^t  ju   Sölofe  2  9Jiof.  33:    2Bel$em  i$ 


284 

gnäbig  bin,  bem  bin  idf>  gnäbig;  tx>e§  \ä)  midf)  erbarme, 
be§  erbarme  idE)  mid).  ©o  liegt  e3  nun  nid)t  an  jemanbeS 
SBolIen  ober  Saufen,  (onbern  an  @otte§  Erbarmen.  Unb 
abermal  SRöm.  9:  2luf  ba§  er  funb  tf)äte  ben  $ei$tl)um 
feiner  ^errlicfjfeit  an  ben  ©efäfjen  Der  23armf)ersigfeit,  bie 
er  bereitet  f)at  jur  #errli$!eit.  £>a£  f)ci§t  bod)  alle§  9Ser^ 
bienjt  unb  Sßürbigfeit  ber  9ftenfd)en  rein  aufgeljmben, 
fintemal  bie  ©eligfeit  allein  auf  @otte#  (Srbarmung  unb 
©nabemxml)t  beruhet  ©leider  ©eftalt  jeigt  er  biefen  ©runb 
9Wm.  8 :  2ßir  toiffen  aber,  ba§  benen,  fo  ©ott  lieben,  alle 
$)inge  jum  93eften  bienen,  bie  na$  bem  55orfa<$  berufen 
finb.  $)enn  toelcfee  er  jut>or  t)erfe^en  t)at,  bie  f)at  er  aud? 
oerorbnet,  ba§  fte  gleich  fein  foüten  bem  ßbenbilbe  feine§ 
(Sofmeg,  auf  bafj  berfelbige  ber  (Srjtgeborne  fei  unter  Dielen 
SSrübem.  Sßeldje  er  aber  Derorbnet  f)at,  bie  f)at  er  aucf) 
berufen ;  ioeld^e  er  aber  berufen  fyat,  t>k  f)at  er  audE)  gerecht 
gemalt;  toelcbe  er  aber  Ijat  gerecht  gemalt,  bie  f>at  er 
aud?  fjerrlid)  gemacht.  2m  welchem  ©prud)  $aulu§  Flärlidf) 
fe£et,  ba§  ber  ttrfprung  unferer  ©eligfeit  fei  ©otteS  93er* 
fet;ung  unb  ©nabemtmfjl,  nadE)  toeldjer  er  bie  ©efä§e  ber 
Sarmberjigfeit  jum  ewigen  ßeben  oerorbnet  f)at  3)a§ 
aber  fold[)e  Sffia^l  unb  93erfel)ung  nacf)  feines  9ftenf$en 
93erbienfi  gerietet  fei,  fonbem  allein  au#  ©naben  Ijerfliefje, 
bezeuget  ber  Styofiel  $aulu3  abermal  SRöm.  11:  3llfo  gef)et'§ 
aud)  je£t  ju  biefer  3^t,  ba§  bennod)  etliche  bleiben,  nadj 
ber  2öaf)l  au§  ©naben,  3jT8  aber  auS  ©naben,  fo  ifTS 
nid)t  auS  93erbienfi  ber  2Berfe,  fonjl  ttmrbe  ©nabe  nidf)t 
©nabe  fein.  3ft'g  aber  au§  93erbienft  ber  2öerfe,  fo  ift 
bie  ©nabe  nid)tS;  fonft  toäre  93erbienft  nid)t  Serbien^ 
68  flautet  ftdE)  au$  ber  Styoftet  $aulu3  gar  md)t,  feine 
Xroftfc^riften  an  bie  ßptjefer,  bie  stoar  bie  Se^re  beö  (Stwn* 


285 

geüi  üon  %t\u  S^ifio  fdjon  gelernet  Ratten,  Don  biefem 
£auptyunct  bev  ewigen  Serfebung  angufaben  unb  fprid^t: 
©elobet  fei  ©ott  unb  ber  $ater  unferS  #errn  3efu  S^ripi, 
ber  un3  gefegnet  fyat  mit  allerlei  geijtlicf)em  ©egen  in 
f)immlifdE)en  ©ütem  burdE)  ©bviftum;  tote  er  unö  benn 
ertoäl;lt  f)at  burä)  benfelben,  efje  ber  Söelt  ©runb  gelegt 
toar,  ba#  mx  follten  fein  Ijeiltg  unb  unfiräflidj  t)or  ibm 
in  ber  Siebe,  unb  fyat  un£  fcerorbnet  jur  Äinbfcbaft  gegen 
ibn  felbft  burd)  3efum  Sbnfium,  nad)  bem  Sßoblgefalten 
feinet  2Men3,  ju  Sobe  feiner  t)errU$en  ©nabe,  burcb 
xvdfyt  er  unS  l)at  angenehm  gemadjt  in  bem  ©eliebten. 
fünferlei  lehret  un§  f)ie  ber  Stpojtel  t>on  ber  23erfefmng: 
ßrfilid),  bafj  bie  göttliche  2ßaf)l  unb  9Serfef)ung  eine  Urfad[) 
fei  unferer  93efef)rung,  @fauben§,  Äinbf^aft  unb  ©eligfeit; 
benn  ©ott  fyat  un§  511  biefer  ©eligfeit  ertoäfjlet  unb  jur 
ßinbfcbaft  üerorbnet;  fonft  bätte  fein  Sftenfd)  su  fold^er 
«£>errlid)fett  nidj)t  fommen  mögen. 

3um  anbern  geigt  er  an,  ba§  bie  ßrtoäblung  nidpt 
gefd^ebe,  toenn  bie  9Kenfd)en  fd)on  geboren,  unb  fid)  er* 
geigen,  ob  fte  glauben  ober  oergweifeln,  ©uteg  ober  33öfe8 
tfmn  sollen;  fonbern  ebe  ber  2öelt  ©runb  gelegt  toorben, 
ba  no$  fein  9ttenfcb  erraffen  getoefen,  ^at  ibm  ©ott 
auöerfe^en  unb  enxmblet,  bie  bur$  Sb^iftum  etoig  feiig 
werben  fallen. 

3um  britten  lehret  er,  bap  ©ott  in  feiner  95erorbnung 
fein  Serbien]!  nod)  SBürbigfeit  einiget  2Jienfd;en  angefel)en, 
fonbern  allein  fein  göttlid)  Sßoblgefallen,  feine  ©üte  unb 
©nabe;  ba§  aud)  ©ott  au$  biefer  Urfacbe  in  bem  menf$* 
liefen  ©efcbled)t  bie  2tu£emmblten  jum  eftigen  ßeben  unb 
£errüd?feit  ^>abe  üerorbnet  unb  bereitet,  auf  ba§  barauS 
©otteö  berrii$^  ©nabe  erfannt  unb  gerühmt  toürbe. 


286 

£)ie  trierte  Sefjre  ifi,  bafj  bie  $erfef;ung  unb  ©naben* 
waljl  alfo  in  ßfmflo  unb  burd)  ifm  gefdjeljen,  bafi  er  um 
feinet  ©oljneö  S^fa  S^rifii  willen  i^m  ein  Häuflein  er* 
Wägtet,  baö  ba  feltg  fotl  werben,  unb  ba§  au§er  biefem 
feinem  ©otme,  Sefa  ßlmflo,  niemanb  follte  feiig  werben* 

3um  fünften,  woju  un§  ©ott  öerfefjen  unb  öerorbnet 
babe,  nämlid)  jur  Äinbf^aft,  bafj  tt>xr  if)tn  burd)  (£l)riflum 
lieb  unb  angenehm  feien,  t)or  \^m  Ijerrlidj  unb  unjMflid) 
in  ber  %itbt  leben,  unb  alle  |)tmmltfd)en,  ewigen  ©üter 
fammt  (Slmfto  erben  follen,  2ßie  benn  $aulu§  jum  an-- 
bernmal  im  felben  Äapitel  wieberfwlet,  unb  ferner  erfläret: 
$)urd)  melden  wir  audj)  $um  ßrbtfjeil  fommen  jxnb,  bie 
wir  jut)or  öerorbnet  jtnb  nacf)  bem  9Sorfa|  be§,  ber  alle 
$>ütge  wirfet  nad)  bem  9tatf)  fernes  JBillenS ;  auf  ba§  wir 
etwa§  feien  ju  Sobe  feiner  £errlid)feit,  bie  wir  juüor  auf 
(Efmjlum  hoffen,  Ebener  ©ejlalt  führet  aud)  35atrib  in 
ben  ^Pfalmen  bie  Se^re  t>on  ber  göttlichen  ©nabenwa^l 
unb  ewigen  Serfefmng,  als  ba  er  fpridjt  $f,  33:  2öol)l 
bem  Solf,  be§  ber  £err  ein  ©ott  ijl,  ba§  »olf,  baä  er 
jum  Grbe  erwählet  ^at.  S^w  $f.  65:  2ßol)l  bem,  ben 
bu  erwäfjlejl:  unb  ju  bir  läffeft,  ba§  er  wofme  in  beinen 
#öfen,  ber  t)at  reidjen  £roj!  t>on  beinern  £aufe,  beinern 
^eiligen  Semmel  Stern  $f.  80 :  2)eine  £anb  fdjü^e  ba§ 
5Bolf  beiner  $ed)ten,  unb  bk  Öeute,  bie  bu  bir  fejttglidj) 
erwählet  l)aft  Stern  #f.  105:  Stlfo  führet  er  fein  Soff 
au3  mit  $reuben,  unb  feine  SluSerWäljlten  mit  2öonne. 
Stern  $f-  106:  Seweife  un§  beine  #ülfe,  ba§  Wir  fef)en 
mögen  bie  2Gof)lfal)rt  beiner  2lu§erWäf)lten,  unb  un§  freuen, 
ba§  (e§)  beinern  35olf  wof)l  gefjet,  unb  un§  rühmen  mit 
beinern  ©rbt^eil  SJiit  biefen  3^gniffen  gibt  ber  ^rop^et 
3)atrib   ju   t>erflef)en,    i>a%  ben   9ftenfd)en  alle  Söo^lfart, 


287 

£eil,  ©eredf)tigfeit  unb  ©eligfeit  nur  bafjer  fommen,  ba§ 
if)tn  ©ott  eilige  au§ermä^)let  unb  jum  emigen  ßeben  t>er* 
otbnet  $at.  Der  #err  SfmfluS  felbfi  I>at  un§  biefen  ge* 
wattigen  unb  mächtigen  ©runb  nicf)t  t>erfd?meigen  nod> 
verbergen  mollen,  auf  ba§  mir  ju  allen  3^en  in  aller 
Demutf)  befenneten,  ba§  mir  unfere  ©ere^tigfeit  unb  ©e* 
ligfeit  nidjt  t)on  un§  fetbfl  fmtten,  fonbern  ber  großen  ©üte 
unb  23arm^eräigfeit  be§  emigen  ©otte§,  ber  unS  üon  (Smig* 
feit  jum  emigen  ßeben  fcerorbnet,  auftreiben;  au<$  unfere 
©etigfeit,  bie  ni$t  in  unfern,  fonbern  in  ©otteö  #anb 
fefi  fielet,  fefligticb  glaubeten.  Dertjalben  fyric^t  er  ju  ben 
2tyofteln  unb  ju  alten  ©laubigen  3^.  15:  3^  fy^t  mi$ 
nid)t  ermäßet,  fonbern  idj  f)abe  eud)  ermäßet  unb  gefegt 
ba§  ibr  l)ingel)et  unb  $ru$t  bringet,  unb  eure  gru$t  bleibe. 
3tem:  Diemeil  tt)r  aber  nidjt  üon  ber  2öelt  feib,  fonbern 
id)  f)abe  eu$  t)on  ber  2öelt  ermäßet,  barum  Raffet  euä> 
bie  SBett.  Stern  Ttaitf).  22:  Denn  met  ftnb  berufen,  aber 
menig  ftnb  au£ermäl)lt.  2Ber  miß  ober  barf  benn  fagen, 
ba§  bie  Se^re  öon  ber  (Srmäfjlung  ber  ©laubigen  ungemift 
ober  ber  Äir$e  unbienftlid)  fei,  nad?bem  ber  allmächtige 
©ott,  3efug  S&rijhiS,  ber  Srunn  aller  2öei^)eit,  felbfi 
tterfünbiget,  bafj  ©ott  üjm  ein  Häuflein  augerfe^en,  unb 
au§  bem  menf$lid)en  ©efdjled)t  etliche  au§ermäl)let  tjabe, 
bie  er  au§  ber  Serbammnifj  erretten  unb  §ur  emigen  ©e* 
tneinfdjaft  mit  ©ott  führen  motte?  Dermegen  aud)  bie 
2lpofM  folc^e  Se^re  ni$t  üerfcfjmeigen  motten,  fonbern  jum 
Unterrid^t  unb  £rofi  il)ren  3ul)örem  offenbaret,  aud)  jt<$ 
fetbfl  oftmals  bamit  in  ifjrem  23eruf  getröftet,  mie  2lpoflel* 
©efdndjte  13  ju  fef)en,  ba  2uca§  ftmd)i:  Da  e§  aber  bie 
Reiben  t)öreten,  mürben  fic  frol)  unb  preifeten  ba§  2ßort 
be§  £errn,  unb  mürben  gläubig,  mietnel  it)rer  sunt  emigen 


288 

Sebett  t>erorbnet  waren.  SDievx>ei[  benn  ber  £err  6l)ri{tu3 
felbft,  bie  $ropI)eten  unb  Sl^ofiel  fo  Reiter  unb  flar  be* 
jeugen,  ba§  bie  t>or  ©ott  geregt  unb  feiig  werben,  bie  er 
nad)  feinem  2)orfag  unb  2Gof)(gefallen  in  ßl;rijlo,  t\)t  ber 
Söelt  ©runb  gelegt  korben,  üerfefjen,  augertoäljtt,  tterorbnet 
unb  jum  ewigen  Seben  bereitet  fmtte,  ba§  and)  foldje  2öaf)l 
nur  au8  ©naben  gefcbelje,  niemanb,  ber  oon  ©ott  nid)t 
t>erfef)en  no$  üerorbnet,  Weber  ba3  2ßort  ber  ©naben 
annehme,  nocfy  an  3efum  (Sfmfium  glaube,  bemnacb  audp 
lieber  fcor  ©ott  geregt  werbe,  nodE)  bie  ewige  $reube  unb 
$errli(J)teit  erlange;  fo  folget  unwiberfpredjlid),  unauflögltä) 
unb  unwibertreibliä),  ba§  fein  üftenfcf)  auf  ßrben,  weber 
jemals  burd)  feine  üöerfe,  ©efjorfam,  ©erbienfi  ober  2öür* 
bigfeit  gerecht  t)or  ©ott  korben  fei,  no$  immerme^r  wer* 
ben  fann,  fonbern  aller  SWenf^en  £eil,  ©erec^tigfett,  %tbm 
unb  ßrbfdjaft  ewiger  ©eügfeit  fleugt  allein  au3  ©otteS 
lauterer  ©nabe  unb  33arml)erätgfeit,  nad)  melier  er  un§, 
d)e  wir  ftnb  geboren  worben,  in  ßljrifto  %t\n  jur  ©eligfeit 
erwählet  unb  üerorbnet,  unb  nacb  folgern  feinem  3Sorfa| 
un§  bur$  fein  (Stmngelium  berufen,  im  ^eiligen  ©eifi  er* 
leuchtet  unb  befebret,  ben  ©lauben  gegeben  unb  erhalten, 
jur  ©emeinfdfwft  mit  ©ott  felbft  heiliget,  unb  alfo  ba8 
gange  2ßerf  unferer  ©eligfeit  felbft  allein  fc)erri$tet,  unb 
bie  Srbfc^aft  be§  ewigen  Öeben§  fdjenfei  tiefer  fjofjen 
unb  in  ©otteg  2Bort  gegrünbeten  ßeljre  t)on  ber  ewigen 
$erfel)ung  foll  niemanb  jum  2>orwi|  ober  SBerjWeiflung 
mipraudjen,  ba§  er  olme  unb  au£er  ©otteö  Söort  wollte 
grübeln  unb  forden,  ob  er  öerfeben  ober  ntd)t,  ober  ftdj 
in  bie  freie  6$an$e  fdjlagen  unb  fprec^en,  fei  er  fcerfeljen, 
fo  muffe  er  feiig  werben,  fei  er  nidj)t  tterfefjen,  fo  Ijetfe  e# 
nicfyt,   voa$  er  tljue,  er  fönne  weber  glauben  nocf)  feiig 


289 

werben.  Sollen  $orwi£,  $ret)el,  $erad)ttmg  ©otteg  unb 
S&fterung  f)at  ©ott  ernfHitf)  verboten,  tt>xe  ©atomon  fpridjt: 
Qui  scrutator  est  maiestatis,  opprimetur  ä  gloria.  (2öer 
fc&n?ere  $)inge  fordet,  bem  roirb'ö  ju  fcfjwer).  3um  2öort 
aber  weifet  unS  ©ott,  unb  51t  feinem  ©obne,  ^tfu  ßbrijto: 
biefen  foüt  ifjr  f)ören.  ©erwegen  fobalb  jemanb  üon  ber 
93erfefmng  angefochten  wirb,  foll  er  ba$  ^eilige  ßttangelium 
t)or  bie  £anb  nehmen,  barin  ftd)  ©ott  auf3  allergnäbigfte 
t)at  offenbaret  unb  Vergebung  ber  Sünben  üerfjei&en,  al§, 
ia  ©ott  fcbwöret:  ©0  wal)r  icf)  lebe,  will  icb  ni#t  ben 
Sob  be§  <3ünberS,  fonbem  ha$  er  ftd>  befeljre  unb  lebe» 
Die  allgemeine  3Serf)ei§ung  fott  er  betrauten,  ia  ©ott  bie 
6e(igfeit  atten  ©laubigen,  niemanb  au§gef Stoffen,  anbeut, 
als,  ha  ßfmftuS  rufet  SDtaify'*  1 1 :  Äommt  l)er  ju  mir  alle, 
bie  ifjr  muffelig  unb  belaben  feib,  id)  will  eud)  erquicfen. 
2>tem  9Wm.  11:  ®ott  fyat  alles  unter  im  Unglauben  be* 
f<$loffen,  auf  ba§  er  ftdE>  aller  erbarme.  3wbem  faffe  er 
ßljriftum  3efum  mit  feinem  bittern  Setben  unb  Sterben, 
auü)  fröl)tt$e  Sluferfteljung,  in$  @efi$i  ßr  betrachte  mit 
rechtem  (Srnjl,  wie  eine  grofie  unau3fpreä)(td)e  Siebe  ©ott 
ber  35ater  gegen  ba§  arme  menf^lidEje  ©efd)led)t  unb  fein 
©efdjöpf  muffe  tragen,  himäl  er  aud)  feinet  einigen  ©ol)n§ 
nidjt  üerfd^onet,  fonbem  iljn  für  un§  in  bm  £ob  gegeben 
))at  ßr  fü^re  ju  ©emütl),  wel$  ein  $euer  ber  Siebe  ge- 
gen un§  in  ßljriflo  brennen  mu§,  unb  wie  ifm  nadE)  un* 
fem  ©eligfeit  muffe  bürfien  unb  verlangen,  weil  er  alt 
unfere  ©ünbe  auf  \\ti)  genommen,  ©otte§  3om  getragen, 
ben  f$mäf)tid)en  Job  erlitten  unb  fein  93fut  für  un3  t>er^ 
gojfen  fcat.  ßr  bewege  mit  rechtem  ßrnfi,  wie  treulich, 
wie  gnäbiglidE),  Wie  t)äterlt$  unb  ^olbfelig  ßf)rif!u§  allen 
Sünbem  jur  23u§e  rufet,  unb  ik  ©nabe,   ben  ^eiligen 

19 


290 

©eifl  unb  alle  ©eligf  eit  anbeut,  fo  billig  barretd^t,  fo 
treulich  t)er^ei§et  unb  fo  treuer  mit  feinem  (Sib  betätiget» 
ßr  ttriffe  unb  fcpe§e  fefi  in  feinem  £erjen,  bafi  ©ott  nidE)t 
anberS  gefinnet  fei,  als  n>ie  er  im  SÖort  jtdj  erffäret. 
3ubem  bebenfe  er  bod),  ob§  möglief)  fei,  ba§  ein  5Renf$ 
fönne  frömmer  ünb  ^eiliger  fein,  benn  ©ott  felbji  tft. 
©o  benn  ein  2Renfcb  ift,  ber  if)m  ©ebanfen  wollte  machen, 
er  möchte  ntcf)t  fcerfeljen  fein,  unb  wollte  bod)  gern  feiig 
fein,  ber  foll  ftd)  erinnern,  ba§  ©ott  taufenbmal  gütiger, 
frömmer  unb  beiliger  ift,  benn  fein  OJJenfd)  fein  mag. 
Partim  tt)o  ein  günflein  ift  im  2ftenf$en  ber  Segierbe 
jur  ©eligfeit,  ba  brennet  unb  lenktet  Wie  eine  gro§e  ©onne 
in  ©ott  bie  ßiebe  unb  93egierbe,  ben  9ftenfd)en  jum  eitrigen 
Seben  ju  bringen.  Sltfo  foll  er  alle  ©ebanfen  feiner  tf)ö* 
richten  Vernunft  aus  bem  ©inne  fragen,  unb  oljne  Un* 
terla§  bie  23erf)et§ung  ber  ©naben  betrauten,  annehmen, 
glauben  unb  ftd^>  barauf  t>erlaffen,  unb  bann  na$  bem 
nid)t  forden,  wa§  ©ott  im  SBort  ni$t  fwt  offenbaret 
aud)  nid)t  gesollt,  ba%  wir1§  wiffen  follten.  2öer  fxfy 
biefer  ©eftalt  in  bie  ©ad[)e  fc^iefet,  ber  wirb  ni$t  twrwi^ig 
werben,  fid)  ni$t  in  bie  freie  ©cfjanje  fdblagen,  no$  in 
Verzweiflung  fallen,  fonbern  mit  £ütfe  be§  ^eiligen  ©ei|ie§ 
an  (£t)riflum  glauben,  unb  bann  au§  ber  2ef)re  t)on  ber 
ewigen  SSerfeljung  jtarfen  unb  mächtigen  Zxo^t  faffen, 
nctmli$,  ba§  niemanb  un8  au§erwäl)lte  Sdjäftein  aug  ber 
#anb  (S^rifii  nimmermehr  reiben  fönne.    3^.  10. 

2öie  nun  biefe  l)of)e  2ef)re  benen,  fo  i^r  na$  Stnlei* 
tung  prop^etif^er  ßeljre  in  ©otteöfurc^t  re$t  brausen, 
ganj  tröftti^  ift,  alfo  ift  fte  aud)  ber  rechte  Jammer,  bie 
garten  ftotjen  Äöpfe  unb  üermeffenen ,  Ijaljtarrigen  Sßerf* 
^eiligen,  fo   bem  allmäd;tigen,  gütigen  ©ott  feine  (£l)re 


291 

nidt)t  geben,  ba§  er  un§  auä  ©naben  otjne  unfer  93erbienft 
unb  2ßerfe  gerecht  unb  feltg  ma$e,  fonbern  if)ren  eignen 
Äräften  unb  2ßerfen  foldj  f)of)e§  2öerf  gufd^retben,  mürbe 
gu  madjen  unb  jerfc^mettem ,  bamit  fte  lernen,  ftd)  ttor 
©ott  bücfen  unb  ben  großen  #odjmutl)  falten  laffen.  £>a§ 
finb  alfo  unfere  ©rünbe  unb  93eit)eifung  unferer  2et)re  tton 
ber  Rechtfertigung  beö  ©ünberö  t>or  ©ott,  auf  toelcfje  ein 
frommeä  #ers  ft$  fann  unb  foü  fcerlaffen,  angefeljen,  ba§ 
jte  allefammt  allein  auö  ©otte§  2ßort  genommen,  unb  auf 
feinet  2Jlenfcf)en  Slnfe^en  berufen.  2)arum  jte  benn  aud) 
ni$t  allein  toiber  bie  päbftli^en  ßäfierer  unb  anbere  ab* 
göttifc^en  2öerf  ^eiligen,  fonbern  audj  toiber  bie  Pforten 
ber  Rollen  befielen  werben.  2)er  etoige  unb  gütige  ©ott, 
ber  unS  biefeS  ©e^eimni§  feines  SBiüenö  in  (Sjjrifio,  fei* 
nem  ©of)ne,  gnäbiglic^  tjat  offenbaret,  unb  un§  jur  @e* 
meinfc^aft  beö  Gtoangelü  berufen,  gebe  unS  feinen  ^eiligen 
©eift,  folgen  Ijoljen  Srofi  mit  rechtem  ©lauben  ju  faffen, 
bei  biefer  Ijeüfamen  2ßal)rf)ett  big  an  unfer  Snbe  bejiänbig 
ju  Dekanen  unb  bur$  3efum  Gtyrifium  bie  etoige  greube 
unb  ©eligfeit  ju  ertoerben.    Slmen- 


19* 


|ie  neunte  freMgt 


$urd)  toeldje  Sttfytx  unb  tote  bk  Seljre  Don  ber  ©eredj- 

tigfett  be3  ©faufeenS  öerfälf^t  toorben  fei,  unb  toeldje 

treue  Sekret  ©Ott  batmber  ewetfet,  unb  burd)  fte  hu 

MtüerfSIfdjie  2Saljri)eit  erhalten  §at 

2)ie  f)of)en  Strtifel  unfereS  djrifllidjen  ©laubeng  grünblicfc 
gu  t>erfief)en,  au$  in  ben  fetteren  »erttoirrten  $eligton$* 
fireiten  eigentlich  ju  fefjen,  toetd^er  £f)etl  redjt,  welker  un* 
recf)t  fjabe,  unb  bann  bie  fct>äblid^en  t)erberblt$en  Srrtljü* 
mer,  fo  ber  ©atan  mit.  großer  ßifl  unb  gefdjtmnber  ©o* 
pf)iflerei  üermäntelt  unb  färbet,  vermöge  @otte3  Sefe^Iö 
ju  fliegen,  ift  fe&r  nüije,  ba§,  naefcbem  toir  ien  regten 
23erftanb  unfereS  ©laubenö  gefaßt,  unb  ©otteS  2öi0en 
unb  Meinung  erlernet,  avai)  folgen  unfern  ©tauben  mit 
fetten  (autern,  ungejtoeifelten,  jiarfen  3eugniffen  ber  Ijeilt* 
gen  göttlichen  ©$rift  betoä^rt  unb  befräftiget  fjaben,  atö* 
bann  au$  jurüdf  auf  bie  ©efd)id)te  ber  Äir$e  fe&ett  unb 
fleißig  na$forf$en,  freierer  ©eftalt  unfer  unb  aller  Sfmfien 
©laube  burd)  Slnftiftung  beg  ©atan3  t)on  im  Srrgeiftem 
fei  angefochten,  berfälfdjt  unb  fcerbunfelt  toorben;  toaö  für 
$arbe  unb  ©opt)ifleret  ber  ^atan  jur  93efd)ömgung  feiner 
ßäfierung  gebraust;  fjergegen  wie  ©ott  burd)  feine  treuen 
Wiener  bie  liftigen  3rrtf)ümer  unb  $erfüfjrung  entbeefet, 
au§  ©otteö  2öort  mtberlegt  unb  ju  ©Rauben  gemalt, 
enbticf)  aud)  vertilget,  aber  bie  ^etlfame,  unt)erfälf$te  2ßaf>r* 


293 

fjeit  für  unb  für  in  ber  fttrcfye  erfjaften,  unb  au§  großer 
SJiilbe  unb  ©üte  aud)  auf  unS  fwt  fommen  laffen. 

$)en  nötigen  Slrtifel  üon  bem  Unvermögen  menfcfy' 
Iicf>er  Dktur  in  geifilidEjen  ©adjen  ju  fcerfteljen,  unb  bie 
gefcfywinbe  $erfüf)rung  ber  ©tjnergifien  ju  meiben,  baju 
bilft  fef)r  tuet,  ba§  man  fleißig  erfunbige,  n>a§  bie  $fmri* 
fäer  oon  menfd)licl)en  Gräften  gelehrt  unb  gehalten  fwben, 
n>ie  tyr  Jrrfal  t>om  «öerrn  ß^rifto,  3ö^nne§  bem  Käufer 
unb  ben  SHpofiefn  fei  wiberlegt  worben.  £ernad)  toie  $e< 
lagiuö  unb  Gölefiiuö  vom  freien  2öiüen  gefd)Wärmet  unb 
©otteö  Sßort  verfällt;  unb  ^erwiber  wie  Slugufiinug  ftd) 
bawiber  gelegt  unb  if)re  ßäfterung  mit  ben  3eugniffen  ber 
^eiligen  ©cfyrift  ju  33oben  geflogen  fcat.  Stern,  vt>elc|>er 
©eftalt  bie  falben  $e(agianer,  ßaffianuS  unb  anbere  i^ren 
3rrtf)um  etwaö  fubtiler,  benn  t>on  $elagiu§  gefdjefjen, 
fjerttor  gebraut,  unb  bodj  öom  $rofperu§  roiberlegt  worben 
ftnb,  9llfo  fiärfet  unS  feljr  in  unferm  ©tauben  fcon  ber  ewi* 
gen  ©ottfjeit  be§  ©of)ne#  ©otteö,  3efu  Sfmfli,  Wenn  wir 
fleißig  nad)fucf)en,  tote  biefer  unfer  in  ©otteö  2öort  ge* 
grünbeter  ©laube  twn  (Sbion,  (£erintf)u§,  ©amofatenu§, 
*ßf)otinue,  2trtu§,  falben  Strianern  ift  angefochten  unb  t)er- 
fälfdjt  werben,  wie  fte  bie  ©cfjrift  gelungen  t)aben;  aber 
von  treuen  Seinem,  unb  fonberlid)  t>on  9ltf)anaftug,  bie 
ßäfterung  umgeflogen,  unb  bie  ewige  2öafrrf)eit  mit  ftar* 
fem  ©rnnb  ber  ^eiligen  ©c^rift  ift  erhalten  worben.  3n 
foldjer  SJiad)forfd)ung  fdjeinet  bie  2ßaf)rt)eit  befto  gelter 
I)ert>or,  bieweü  bie  23erfätfdE)ungen  rein  abgefonbert,  bie 
3eugniffe  ber  <Sd)rift  tiefer  bewogen  werben,  unb  alfo  fann 
man  bie  3n*tf)ümer  befto  leidster  fliegen,  benn  man  fpüret, 
ba§  fte  feinen  ©runb  noef)  93ef>elf  I;aben. 

SMeweil  wir  benn  in  ©otteö  £>ü(fe  bie  f)ei(fame  ßefjre, 


294 

bafy  ber  2ftenf$  au§  ©naben  t>on  toegett  be§  23erbienfte§ 
3efu  Sfmfli,  allein  burdE)  ben  ©lauben  geredet  unb  fetig 
nnrb,  ni$t  allein  nadj  D^ot^burft  erflärt,  fonbern  au$  mit 
f$ier  unzählbaren,  unttuberleglic^en  ©rünben  unb  Beug* 
niffen  ber  ^eiligen  ©$rift  emriefen  unb  bekräftiget  fwben, 
battriber  alle  Motten  unb  ©ecten,  ja  bie  Pforten  ber  £öHe 
nichts  aufbringen  fönnen;  fo  sollen  fcrir  nun  audj)  befefjen, 
bur$  toeldje  Srrgeifier,  unb  auf  tt>a§  Söeife  biefe  ßefjre  ju 
jeber  3^t  oerfälfd)t  fei  toorben,  unb  ^ergegen  toelc^e  Sßerf* 
jeuge  ©ott  toiber  bie  Verführer  ertoedfet  fwbe,  burcl)  tt>el$e 
bie  reine  ßefjre  oon  ber  ©ere^tigfeit  be§  ©laubenS  ifl  er* 
galten,  unb  bis  auf  un8  ifl  gebracht  unb  geerbt  toorben. 
3n  ber  Setoeifung  biefer  unferer  ßeljre  fcon  ber  JRed^t* 
fertigung  ijl  etlid)emale  mit  fattem  ©runbe  angezogen  unb 
bargetfwn  korben,  ba§  biefe  ßefjre,  baj?  ttrir  allein  burd) 
ben  ©lauben  an  @f)rifl:um  üor  ©ott  gerecht  derben,  balb 
im  ^arabiefe  bem  2Ibam  na$  bem  $atl  in  ber  93erf)ei£jung 
fcom  ©amen  be§  2ßeibe§  fei  offenbart  toorben,  1  9Jiof.  3, 
nadj  toeldjer  audj  Sibam  unb  ßoa  bie  ©eltgfeit  erlangt. 
£)ie  erfie  93erfälfd?ung  aber  f)at  Sain,  ber  £eu$ler  unb 
Ijernad)  SSrubermörber,  eingefü^ret ;  benn  bie  Verheißung 
üom  ©amen  beö  2öeibeö  fyat  er  ni$t  geartet,  ben  ©lau* 
ben  an  Sf)rijlum  unterlaffen,  unb  nitytä  befto  minber  ©ott 
opfern  motten.  Darauf  man  fielet ,  toie  er  ftd)  auf  feine 
2ßerfe,  Dpfer  unb  ^eiligfeit  öerlaffen;  ba  ifm  aber  ©ott 
t)om  £tmmel  mit  feinem  Opfer  ofjne  ©lauben  fcertoirft, 
tfmt  er  ni$t  Vuße,  fonbern  ttrirb  jum  Vrubermörber  unb 
fcerjtoeifett  in  feinen  ©ünben.  Snmafjen  eS  fafi  allen  Der* 
meffenen  2ßerff)etligen  ge^et,  i>a%  fie  ^u  Verfolgern  ber 
Äircfye  werben,  unb  enbli$  mit  Sam,  bem  Vater  aller 
Ungläubigen,  t>erjtt>etfeln. 


295 

9ladE)  ber  ©ünbflut,  in  meldet  ia§  ©ef^ledjt  6ain 
fammt  bem  cainfdjen  ^rrtfmm  vertilget  morben,  ifl  ber 
$am  balb  gottloä  geworben,  f)at  bie  iöerfjeifiung  t)om  ©a* 
men  beö  2Beibe3  üertoorfem  T>eJ3gleidE)en  fwben  bie  -ftadE)* 
fommen  ©em,  in  Ur  ßbalbeorum  baä  2ßort  ©otteö  fahren 
laffen  unb  Abgötterei  gefhftet.  3)ie  Äinber  3a^f>et  fmb 
au$  bei  ber  $erf)ei§ung  beö  Gtoangelü  mdE)t  geblieben, 
fonbern  (fyaben)  mancherlei  $erfüf)rung  erbaut  2)ocf)  tjat 
©ott  immerbar  bof)e  ßeute  emecfet  unb  erhalten,  fo  oorn 
©amen  be3  2öeibe3  unb  ©eredjtigfeit  be§  ©laubenö  t)or 
aller  2öelt  gezeugt  Ipaben,  al§  91oaf),  ©em,  Slrpfjajab,  (aber. 
2>a  aber  bie  2Belt  gar  in  fceümiföe  Abgötterei  unb  Aber* 
glauben  gerate  bat  ©ott  ben  Abraham,  3factf  unb  %aloh 
erroecfet,  ifmen  bie  25er^ei§ung  Dom  ÜJiefftae  erneuert,  mit 
ifjnen  tm  öunb  aufgerichtet,  bie  bann  ba§  3^gni§  öon 
ber  ©ered)tigfeit  beö  ©lauben§  gewaltig  gefüfjret  unb  mit 
if)rem  ßjempel  beriefen,  ttne  im  1  2ftof  15  u.  32  ju  fe&cn  ift 

2öa§  nun  bie  abgöttifd)en  Reiben,  na^bem  fte  bie 
SSetfjeifwng  ber  ©naben  verloren  unb  i^ren  eigenen  ©e* 
banfen  gefotget,  für  üfteinung  t)on  ber  ©eredjttgfeit,  bie 
üor  ©ott  gilt,  gehabt,  al§  ba§  fte  ftdE)  nid)t  auf  (£f)riftum, 
beffen  (Srfenntniß  fte  verloren,  fonbern  auf  if)re  eigenen 
Sßerfe  unb  grömmigfeit  ^aben  üerlaffen,  unb  baburc^  ttor 
©ott  geredpt  ju  fein,  unb  feine  ©üter  ju  erlangen,  fielet 
man  öffentlidE)  in  if)ren  vielfältigen  ©Triften,  fonberli$ 
aber,   ta  fte  t^re  ©öijen  anrufen,   tt>te  jener  bort  betet: 

Aspice  nos;  hoc  tantum  et  si  pietate  meremur 

Da  deinde  auxilium;  pater  atque  haec  omnia  firma. 

©ie^e  uns  an,  25ater,  baö  allein  hiit^n  mir, 
unb  fo  tt)ir'3  mit  ©ottfeligfeit  öerbienen,  fo  gib 


296 

ferner  £ülfe,  unb  befiättge  bieä  95orne^men* 
Cicero  fpricfyt  in  Somnio  Scipionis:  Justitiam  cole  et  pie- 
tatem;  ea  vita  via  est  in  coelurn.  2)a§  ifi,  liebe  ©ered)* 
tigfeit  unb  ©ottfeligfeit,  fold)  ßeben  ifi  ber  2öeg  gen 
Fimmel.  3)ie8  ift  faft  aller  Reiben  falfd)er  ©laube  ge* 
toefen,  bafj  fie  vermeinet,  ©ott  würbe  iljre  Sugenb  unb 
guten  2öerfe  anfeljen,  unb  berwegen  fte  für  geredjt  Ratten, 
llnb  bieweil  fie  ©otteg  @efe|  nic^t  gehabt,  fonbern  nur 
na$  ber  Vernunft  gelebt,  fyabm  fie  bie  intoenbigen  böfen 
ßüfie,  aud)  Abgötterei,  S^tlmm  unb  ttnjuc^t  für  feine 
©ünbe  gehalten,  fonbern  ttermetnt,  wenn  fie  äußerlich  ef)r* 
bärtig  lebten,  niemanb  ©ewalt  traten,  n>a^r^aftig  unb 
gütig  wären,  fo  müßten  fie  ©ott  gefällig  fein.  Slber  alle 
^Sropfjeten  |wben  foldje  23linbf)eit  ber  Reiben  tterbammt 
unb  verworfen,  unb  flar  bargetf)an,  baß  fie  mit  allen  üjren 
Jugenben  t)or  ©ott  md)t  befielen,  wie  3efaia$  oftmals 
ben  Reiben  brofjet  3ef.  34:  Äommt  ^er^u,  i^r  Reiben, 
unb  l)öret,  benn  ber  £err  ijt  jornig  über  alle  $tibm,  unb 
grimmig  über  alle  if)r  £eer.  (Sr  wirb  fie  verbannen  unb 
jum  ©d)lad)ten  überantworten.  3tem  3ef.  45:  Saß  fi$ 
tterfammeln  unb  !ommen  mit  einanber  ^erju  bie  gelben 
ber  Reiben,  bie  nid^tö  wiffen,  unb  tragen  ft$  mit  im 
Älö^en  i^rer  ©ö£en,  unb  flehen  bem  ©ott,  ber  ni<$t  I;elfen 
fann.  3tem  3ef  60:  2öeld)e  Reiben  bir  nic^t  bienen 
wollen,  bie  follen  umfommen.  3^nt  $)atub  $f  9:  21$, 
baß  bie  ©ottlofen  jur  $ölle  müßten  gefefjret  werben,  alle 
Reiben,  bie  ©otteS  fcergeffem  2öiemof)l  nun  ©ott  feine 
23ert)eißung  t)on  Vergebung  ber  ©ünben  unb  ©erec^tigfeit 
be§  ©laubenö  burdb  bie  Gr^äter  erneuert,  unb  ber  Reiben 
3rrtf)um  uerbammt  t)at,  fo  ^aben  ftd)  bod)  aud)  mel  unter 
ben  Äinbern  3ftael  gefunben,  bie  ft<$  m$t  auf  ßlirijlum 


297 

im  ©lauben,  fonbern  auf  ifjre  guten  JBerfe,  23cfcbnexbung 
unb  fielen  Opfer  nad)  fjeibnifdjer  Meinung  Derlaffen  fjaben, 
SDa^er  9Jiofe3  unb  anbere  $ropbeten  Derurfad)t  korben, 
if)r  eigen  33olf  biefeö  3^umö  fwlben  ju  firafen,  Wie  man 
fielet  5  SRof.  9,  ha  2Rofe8  balb  auf  einanber  jum  brüten* 
male  toieberfjolet,  ©ott  füt;re  Sfrael  nicfyt  in  ba$  gute 
ßanb  um  feiner  ©ered)tigfeit  Tillen,  ©o  wiffe  nun,  fprid)t 
er,  ba§  ber  £err,  bein  ©ott,  bir  nic^t  gibt  bieö  gute  Öanb 
einjune^men  um  beiner  ©eredjtigfett  willen ,  ftntemal  t>u 
ein  Ijalöftarrig  $olf  biß.  ©o  aber  Sfrael  ba§  ßanb  Sa* 
naan  nid)t  fwt  mögen  einnehmen  burd)  feine  ©ered)tigfeit, 
Diel  weniger  baö  ewige  2eben.  3tem  3)aDib  $f  53:  ©ie 
ftnb  alle  abgefallen,  unb  aliefammt  untüchtig  worben;  ba 
ifi  feiner  ber  ©uteö  tfjue,  aud)  nid)t  (Siner.  %Um  3^föiciS 
(£.  59:  68  iß  niemanb,  ber  Don  ©ered)tig!eit  prebige,  ober 
treulid)  richte.  3Jtan  vertrauet  aufö  Sitte,  unb  rebet  ni<fit3 
Jüd)tigeö;  mit  Xlnglütf  ftnb  fte  fd^wanger  unh  gebären 
2ftül)e.  ©ie  brüten  33aßli8feneier,  unb  Wirten  ©pinnmebe. 
3ffet  man  Don  i^ren  Siern,  fo  mu§  man  fterben;  gertritt 
man'§  aber,  fo  fät;rt  eine  Otter  tjerauö.  2$re  ©pinnwebe 
taugt  nid)t  ju  Äleibern,  unb  ii)i  ©ewirfe  taugt  nid)t  jur 
2)ecfe.  3tem  3ef.  28:  £öret  be§  £errn  SBort,  i|t  ©pötter, 
bie  \f)x  fprec^t :  2ßir  Ijaben  bie  Süge  unfere  3uflud)t,  unb 
bie  £eud)elei  unfern  ©d)irm  gemacht  2lu8  biefen  unb 
bergleidjen  ©trafprebigten  ber  ^ropfjeten  fielet  man  öffent* 
1x6),  wie  nid)t  allein  bie  abgötttfd)en  Reiben,  fonbern  au$ 
Diele  oom  ©amen  Sfrael  auf  iljre  guten  SZßerfe,  Opfern, 
JRäuc^ern,  33efd)neibung ,  $aßen,  23eten,  2Wmofen  if)re 
falfd^e  Hoffnung  gefegt,  bie  ©ünbe  nid)t  erfannt,  ik  23er* 
f)ei§ung  oom  2Reffta£  nur  fleifc^lid)  Don  seitlicher  Söo^lfart 
gebeutet,   unb   alfo   bie  8ef)re   Don  Vergebung  ber  ©ünbe 


298 

unb  @ered)tigfeit  be§  ©laubenS  t>erbunfelt  unb  t>erfalfc|)t 
l)aben,  5lber  ©ott  ^at  bie  $ropl)eten  Samuel,  $)amb, 
(SliaS,  Slifa,  3efaia§,  SeremiaS,  Daniel,  ©adjariaS  unb 
anbete  ermecfet,  bie  alle  mit  gro§em  ftleifj  biefem  fd)änb* 
liefen  Jrrtljum  genoe^ret,  unb  bagegen  bie  ©nabe  3efu 
ß^rtjtt  ganj  getxmltig  erflärt,  unb  ben  ©lauben  gefovbert 
t>aben,  ttne  benn  broben  bie  3eugniffe  ber  $ropf)eten  t)on 
ber  ©ered^tigfeit  beö  ©laubeng  mit  Raufen  gefütjret  ftnb. 
3ut  $ät  S&rifh  unb  ber  SlpojM  ifi  bk  ße^re  oon 
ber  Rechtfertigung  bei  ©ünberS  t)or  ©ott  gleicher  ©eftalt 
im  iübifcfjen  33olf  Don  bm  $fwrifäern,  ©abucäem  unb 
(Sffäem  uerfälfcfyt  morben,  als  bie  if)re  ©eligfeit  unb  @e* 
teebtigfeit  t)or  ©ott  nur  in  ben  Serien  beö  ©efe|eS  ge* 
fu$t  unb  bm  ©lauben  an  ßfmfium  ganj  unüonnötfjen 
geartet.  2Biett)of)l  fte  täglich  mit  lölofe  umgingen,  fwben 
fie  bod?  bie  2ef)re  be§  ©efetjeg  nid^t  üerftanben,  Ijaben 
öffentlich  gele^ret,  xvmn  ber  SJtenfcfe  nid)t  mit  öffentlichen 
Saftem  vx>iber  bie  ©ebote  tjanbele,  fo  l)ätte  er  ba§  @efe£ 
gehalten,  bie  innerlichen  ©ebrec^en  Ijaben  fte  nid)t  für 
©ünbe  erfannt;  in  bem  fallen  2öaf)n  finb  fte  gefieeft, 
als  forbere  ©ott  meljr  nid;t  t)on  unS,  btnn  bie  Statur 
fönne  leiten.  2öie  benn  üfticobemuS,  ein  Dberfter  ber 
QJ^arifäer  ^  in  ber  Unterrebung  mit  ßlmfto  3^*  3  auS* 
brücflidE)  befennt,  er  tterjtelje  mcäftt,  mt  ©ott  bte  neue 
©eburt  jur  ©eligfeit  möge  forbern,  meil  eS  in  ber  3Jlen* 
fd)en  Gräften  ni$t  ftelje,  fldE)  felbjt  ju  änbetn.  £>a  nun 
ber  OJienfdE)  in  täflltdje  ©ünbe  unb  ©ebred^en  fiele,  metn* 
kn  fte,  ©ott  fyixttt  bie  Opfer  baju  eingefe|t,  biefelbige 
©ünbe  baburd)  abjutxmfdjen  unb  ju  bü§en.  2ludj)  gelten 
fte  für  eine  fonberltdtje  £errlicbfeit  unb  £eiligfett,  ba§  fte 
öom  ©amen  2lbratyam§  unb  befdEmitteu  waren,    S)ie  23er* 


299 

fjeifjung  üom  9JZefftaö  üerjhtnben  fte  t)om  toettlic^em  Äö* 
nigreid),  nidjt  ba§  GfmftuS  ein  Dpfer  für  bie  ©ünbe  fein, 
©oiteä  3°™  füllen,  unb  ba§  Oieidi)  be§  ©atanS  jerfiören, 
fonbern  baö  jerfaltene  jübifdf>e  $et$  lieber  aufrichten,  bie 
2>uben  frei  unb  ju  Ferren  über  alle  Reiben  machen  ttmrbe, 
Ratten  atfo  i>a$  @efe£  üerbunfett,  unb  baS  Stmngelium 
t)on  Vergebung  ber  ©ünbe  gan$  auögelöfdjjt;  auf  toelc^e 
pf)arifäif$e  2öeife  bie  päbftlidjen  ©erführet*  beibe  @efe§ 
unb  Stmngelium  t>erfälfc^)t  l)aben.  liefen  f^änblidjen  3rr* 
tf)um  f;at  nun  6f)rijlu§,  unb  neben  ifmt  3o^annc8  ber 
Säufer,  gewaltig  miberlegt,  ftriein  allen  $rebigten,  fon* 
berück  SRatty.  5  u.  9,  öuc.  13  u.  18,  3o&.  8,  3o&.  10  unb 
anber§tt)o  flarlid)  ju  feljen  unb  gewaltig  bezeuget,  ba$  ber 
<P&arifäer  ©ere^tigfeit  *ox  ©ott  nicfct  beftünbe,  Wlatti).  5, 
SWatt^.  23,  ba§  niemanb  ba$  ©efe£  Riefte.  3*>&*  7,  ba§ 
fte  in  i^ren  ©ünben  flerben  würben,  Sofern  fte  ber  <5of)n 
©otteS  nidE)t  frei  macbte,  3o^.  8,  ba§  fte  einer  neuen 
©eburt  bebürften  jum  $eid)  ©otteg,  unb  ba§  fte  an  ben 
©o&n  @otte§,  ben  ©ott  jum  Dpfer  gefegt,  glauben  mü#* 
ten,  unb  ba$  man  allein  burd)  ben  ©lauben  t>or  ©ott 
gerecht  mürbe,  unb  bem  ©erid)t  ©otteS  entginge.  3^.  3, 
tote  mx  benn  bie  3eugniffe  btefer  ßefjre  au§  ben  $rebig< 
ten  G&rifli  unb  %ofyann\$  brobcn  eingeführt. 

9iad?  ber  2luferftef)ung  Sfjrifii,  ba  bie  Slpoftel  bie 
©nabe  %t\u  ßfmfit  geprebigt  unb  im  ©lauben  geforbert 
fwben,  ift  ber  pl)arifäifcf)e  3r^u^t  mit  neuen  färben  an* 
gefiri^en  roorbem  £)en  Jraum  oom  weltlichen  9ietd)  beö 
9Jteffta3  l;aben  fte  fallen  laffen,  bie  ßefjre  t)on  (Sfmfio  an* 
genommen;  aber  baneben  baben  bie  getauften  ^arifäer, 
unb  Ijernad)  bie  fallen  Stpoftel  gejWtten,  bafj  and)  baö 
©efe§  jur  Seligfeit  nötfng  ttmre;   bie  Reiben  müßten  ft$ 


300 

aud)  befdmeiben  laffen  unb  baö  @efe£  9J?ofe§  galten,  fonft 
formten  fte  ntd)t  feiig  Serben.  Söollten  alfo  bie  2öerfe 
be3  ©efe£e3  unb  ben  ©lauben  an  (Xbrifium  in  t>er  $ed)t* 
fertigung  jufammenflirfen;  allerbingg,  toie  Ijeutigeö  Sageg 
baS  Interim  unb  tribentinifcbe  Soncilium  bte  Sßerfe  beö 
©efe|$e§  unb  ben  ©tauben  an  ßbrtftum  jur  Rechtfertigung 
jugleid)  für  nötfng  ad)tet.  63  l)aben  aber  bie  2lpofiel  ben 
3rrtf)um  ftattlid)  toiberlegt,  unb  bie  93erfüf)rung  ber  fal* 
fdjen  ?tyoftel  ju  nickte  gemalt;  benn  in  bem  erften  Son* 
citio  ber  Slpoftel,  meldjeS  um  je|t  gemelbeten  3^um§ 
willen  ifi  gehalten  morben,  2tpoft.  15,  befd)lie§en  fie  fammt 
bem  heiligen  ©eift,  ba§  bie  2Berfe  beg  @efe|eg  nic^t  nötfjig 
finb  pr  ©eligfeit,  fonbem  man  folte  glauben,  burcf)  bie 
©nabe  3efu  6f)vifti  feiig  ju  toerben.  Serbammen  alfo 
ben  3nt^um  ber  fallen  3tpoftel,  unb  bezeugen  im  ganzen 
ßoncilio  burd)  ben  beiligen  ©eift,  ba§  mir  allein  burcfy 
ben  ©lauben  geregt  werben,  ©leider  ©eftalt  fwben  bie 
fallen  2XpofteI  aud)  bem  Sipofiel  $aulo  gu  fdjaffen  ge* 
mad)t,  feine  Öetjre  üerMjrt  unb  bie  Äirdje  üerfüfjret  unb 
geteert,  atö  matten  bie  2'ßerfe  be§  ©efeijeg  neben  bem 
©lauben  geregt;  bamiber  benn  $auluö  in  gro§em  (gifer 
bie  (SptjW  ju  ben  ©alatern  gefdmeben,  ben  Jrrt^um 
nnberlegt,  bie  faffdjen  2lpofW  öerbammt  unb  bie  ©alater 
toieber  §ured)t  gebraut  Ijat,  unb  oermaljnet,  ba$  fte  bei 
biefer  2ef>re  bleiben  follten,  nämlicb,  i>a§  ber  9Jienfd)  ofme 
2ßerfe  be§  ©efe£e§,  allein  burd)  ben  ©lauben,  geredet 
merbe ;  wofern  au$  ein  ßngel  Dorn  Fimmel  anberö  mürbe 
lehren,  follten  fte  i^n  für  einen  $lud)  galten.  2llfo  fmben 
bie  Stpoftel  ju  i^rer  3*it  ben  $fmrtfäern,  fallen  Slpofteln 
unb  Heuern  2ßiberflanb  getyan,  unb  biefen  Slrtifel  rein 
erhalten. 


301 

SJJad)  Slbfterben  ber  Slpoftel  ftnb  alebaib  mancherlei 
Äe|er  aufgefianben,  alS:  Basilides,  Saturninus,  Carpocrates, 
Valentinus,  Marcion ,  Manes,  toeld^e  fefjr  t)iele  Slrtifet  be§ 
©laubenö  toerfälfd^t  fjaben,  unb  audE)  biefen  t>on  ber  9fledpt^ 
ferttgung  nid^t  rein  geiaffen,  fonbern  iljre  3ul)örer  entnoeber 
auf  erbidjtete  2Berfe,  ober  tfjöricbte  fabeln  getxnefen.  9ftd)t 
allein  aber  bie  ungeheuren  Äe|er,  fo  jefjt  gemelbet,  fon* 
bem  audj  in  ber  Äircbe  namhafte  unb  berühmte  Öe^rer 
ftnb  Don  bem  2Bege  ber  28al)rf)eit  in  biefem  2lrtife(  ab* 
getreten.  2öeld?e3  benn  bafjer  gefommen  tft,  ba§  fte  $f)i* 
lofopf)i  getoefen,  unb  jum  3#eil  im  Sllter  befeljrt  korben, 
unb  üon  wegen  ilirer  ©elebrtfjeit  unb  ffunft  ju  ben  Äirc^en* 
ämtern  gebogen  morben;  aber  ben  Unterfd;ieb  $tx)ifd)en 
t)eifcmfd)er  ^üofopbia  unb  apoftofifdjer  unb  propljetifdjer 
Öefjre  item  $ft)if$en  bem  ©efe£  unb  (Stmngelto  fpaben  fte 
nitfyt  üerjianben. 

21(3  Clemens  Alexandrinus ;  toeld)er  balb  nad)  im 
9lpofieln  gelebt,  ein  berühmter  $f)ilifopf)u3  gewefen,  unb 
im  5t(ter  ben  cfcriftlidjen  ©tauben  angenommen,  fcbreibt 
gan$  falfd)  unb  unrecht  t)on  ber  ^Rechtfertigung ;  gleid)tt)ie, 
fprid)t  er  1.  1  ström.,  ben  Juben  ba3  @efe|  ein  Sufyt* 
metjler  getoefen  ift  in  Gfmjium,  alfo  aud)  t>m  ©riedjen 
ifjre  ^ifofopl)ia*  3tem:  3)ie  ^ilofop^ia  £at  t>ormat3 
für  ftd)  felbfi  bie  ©rieben  geregt  gemadjt;  benn  e3  ftnb 
ttiet  2Bege  jutn  £eben.  3tem:  ba$  ®efe£  förbere  bie 
Seligfeit  unb  madje  ©ered)te  au§  Ungerechten ,  toer  nur 
bem  ©efetj  folgen  toolle,  3)ie§  ift  nidtjt  anber3,  benn  ein 
f)eibnifcf)er  unb  pf)arifäifd)er  3^um,  ber  bie  ©eligfeit 
nur  auf  bie  guten  2öerfe  fe£et,  unb  nt$t  in  Sfmfto  fudjeh 

tiefer  (Slemenö  ift  beö  Origenes  ^räceptor  getoefen. 
2Bie  er  nun  felbfi  bie  Öefjre  t)on  ber  Rechtfertigung  nid)t 


302 

grünblicf)  Derjlanben,  alfo  fwt  er  aud)  feinen  2)ifcipel  nidjt 
red)t  unterliefen,  fonbern  eitel  pf)itofopl)ifd)e  ©ebanfen  in 
ifm  gegoffen,  unb  ifi  alfo  f)emad)  bur$  biefen  Origenes 
bie  Öe^re  Don  ber  Rechtfertigung  Dornefjmlid)  Derfälfcbt 
worben ;  benn  er  f)at  ftd)  ganj  auf  bie  pt)ilofopf)ifd)e  9Ret* 
nung  begeben,  fo  er  Don  GlemenS  gefogen,  unb  bie  ©djrift 
burd)  allegortfdje  Auslegung  feltfam  gebre^et  unb  Derbunfeli 
£)ieftml  er  aber  ein  febr  fleißiger,  gelehrter,  weltberühmter 
unb  Dortrefflidjer  9D?ann  getoefen,  ber  etliche  taufenb  93ü$er 
gefdEjrieben,  unb  in  allen  ©pradjen  erfahren  Doar,  f)at  alle 
2ßelt  auf  ifm  gefefjen,  unb  fwben  alfo  Diele  ße^rer  in  ber 
\$ird)e  ba3  ©ift  Don  il;m  gelernet;  benn  feine  ©Triften 
ttmren  jebermann  lieb,  2Bietool)[  nun  biefer  Origenes 
ganj  nnberftnmge  Meinung  fe|t  Don  ber  {Rechtfertigung 
an  fe^r  Dielen  Orten,  unb  bisweilen  unfere  ßefjre  richtig 
befennet,  f)emteberum  bie  pabflltc^e  falfdje  Meinung  Der* 
tf)eibigt,  fo  ijl  bo$  ba3  fein  ©ebi^t,  e§  fei  jtDeierlei 
Rechtfertigung,  eine,  hu  auö  bem  ©lauben  fommt,  unb 
bie  anbere,  fo  bur$  bie  SBerfe  gefdjefje.  2)a§  if)tn  alfo 
ber  ©laube  nur  .ber  Anfang  ifi  jur  @ered)tigfeit,  unb  er 
bie  2Berfe  be§  ©efe|e£  für  bie  ©ere^tigfeit  plt  bie  Dor 
©ott  gilt.  £>iefe§  ftnb  fafi  feine  2Borte,  unb  man  flehet 
toie  er  in  feiner  SReinung  oft  ift  irre  toorben;  benn  bie 
©ered)tigfeit  beö  ©laubeng  f)at  er  nidjt  toofjt  Dem>erfen 
fönnen,  »eil  fie  im  $aulo  fo  gewaltig  gegrünbet,  unb  l)at 
bocb  bie  fmbnifdjen  pfntofoplnfc^en  ©ebanfen  unb  im 
p^arifäifdjen  2öafm  Dom  ©efe|  ntd)t  toolten  fallen  laffen. 
J)arum  bietet  er  au3  feinem  £er$en  gtoeterlet  Rechtfertigung. 
£>ieS  ift  barum  fo  Diel  mef)r  ju  merfen,  ba§  toir  fefjen, 
toof)er  bie  $cibjtltd)en  x|)re  ©oplnjterei  entlehnet  fyabtn; 
benn  ebener  ©ejtalt,   ttue  Origenes  Dor  3^n  gebietet, 


303 

alfo  bieten  je£t  ßifengrein,  Andradius  unb  Concilium 
Tridentinum  aud)  jtoeierfei  Rechtfertigung,  eine,  fo  au8 
©naben  burd)  ben  ©lauben  fomme,  bie  anbere,  fo  in 
guten  2ßerfen  fief)e,  unb  fleu§t  alfo  ber  päbfllidje  Jtrt^um 
au§  ber  fmbnifcben  $l)ilofopf)ia. 

Origenes  jwar  ifi  mit  feiner  $erfdlfd)ung  ber  ^eiligen 
©djrift  fo  toeit  gegangen,  ba§  er  bie  ©ottfjeit  (Sfmftt  in 
S^eifcl  gefegt,  bie  2luferftef)ung  ber  lobten  verleugnet, 
ben  freien  2öiüen  ju  fyoä)  gerüfjmet,  unb  fjaben  bie  vor* 
nebmjkn  Äe|er,  alö  9Iriu§,  $elagtu§,  unb  fjernacf)  bie 
9ftönd)e  au£  feinen  Schriften  Urfadje  genommen;  ba$  #ie* 
ronpmug  nic^t  unbillig  fpridpt:  Venenata  sunt  eins  dog- 
mata,  (feine  2ef)ren  ftnb  votier  ©ift),  Epiphanius  aber  il)n 
unter  bie  Äe|er  rennet,  unb  mit  garten  2ßorten  Verbammt* 

£)a§  aber  ©ott  jur  &\t  Clemens  unb  Origenes  bie 
reine  unb  unüerfälfdjte  Sebre  toiber  foldje  2Serfüf)rung  fjabe 
erhalten,  i ft  fein  Steife!,  unb  erfc^eint  jum  £f)eil  aud) 
auö  bem,  ba§  eben  Clemens  unb  Origenes  felber,  unge* 
aebtet  mie  fie  in  bm  f)eibnifd)en  ©ebanfen  erf offen  getvefen, 
benno$  jum  öfternmafe  recf)t  vom  ©lauben  gerebet,  unb 
bamit  befannt,  tvaS  ber  d)riftlid)en  flirre  ©(aube  unb 
Meinung  tväre ;  benn  alfo  fprid)t  Sternen^  ström.  5 :  ©elig 
ftnb  alle  bie,  fo  if)r  Vertrauen  auf  ßlmjlum  fe^en.  3*em 
ström.  1 :  Stbrafjam  ifi  nid)t  au§  ben  Werfen  gerechtfertigt 
korben,  fonbern  au3  bem  ©lauben;  barum  tvirb  ifmen 
nicf)t  Reifen  nad)  biefem  Seben,  tvenn  fie  gleid)  gute  Sßerfe 
tfjun,  t$  fei  benn,  bafj  fie  glauben,  Jtem  ström.  7:  21(lein 
burd)  itn  ©lauben  ttnrb  ber  ©laubige  vollkommen.  2llfo 
rebet  aud)  Origenes  jutveüen  red)t  vom  £anbel,  in  ber 
Sluölegung  ber  (Spiftef  ju  ben  Römern  K,  3 :  Dicit  sufficere 
solius  fidei  justificationem,  ita  ut  credens  quis  tantummodo 


304 

justificetur ,  etiamsi  nihil  operis  ab  eo  fuerit  expletum. 
£>aä  ifl:  @r  fpricf>t,  bafj  allein  be§  ©fauben§  fted)tferti* 
gung  genug  fei,  alfo  ba$  ber,  fo  allein  glaubet,  geregt 
werbe,  obgleich  feine  2öerfe  von  if)tn  votlbra^t  jtnb.  31(1* 
fjie  l>at  er  $autum  recht  erflärt,  unb  unfere  Meinung  ge* 
fe|t,  unb  bei  biefer  Meinung  ftnb  ofme  3toetf^  ted)te 
Cefjrer  unb  gläubige  Sfmften  geblieben. 

^elagiuö  f)at  fein  ©ift  au£  bem  Origenes  gefogen, 
wie  oben  gemelbet,  §at'8  aber  nod)  ärger  gemalt;  benn 
er  ©otteö  ©nabe  unb  ben  ©tauben  aüerbingS  verworfen, 
unb  gelebret,  bafj  ber  9J?enfd)  feine  vollkommenen  Gräfte 
f)ätte,  bat  btc  örbfünbe  verleugnet,  alle§  bem  freien  2ßttfen 
Sugefdmeben,  unb  vorgegeben,  wir  Ratten  nid^t  weniger 
einen  freien  2Mlen,  ©otteS  ©ebot  ju  galten,  benn  9tbam 
gehabt  vor  bem  #all,  belegen  müßte  ber  9ftenf$  burcf) 
feinen  ©efwrfam  unb  guten  SSerfe  vor  ©ott  gerecht  unb 
feiig  werben,  tiefer  l)at  Sfmftum  mit  allen  feinen  SBofcl* 
traten  verworfen,  unb  ba§  gan^e  Evangelium  vertilgen 
wollen;  aber  9tuguftinu3  unb  ^teron^muS  Ijaben  biefem 
Öäfterer  2öiber|lanb  getrau,  feine  Sügen  a\x§  ©otteS  2öort 
wiberlegt ,  unb  bagegen  erhalten ,  ba§  ber  3ttenfd[)  nicf)t 
burd)  (einen  freien  Söillen  unb  Gräfte,  fonbern  au3  ©na* 
ben  um  3efu  Sfjrifti  willen,  bur$  im  ©fauben,  geregt 
werbe. 

2Ber  benn  nun  eigentltd)  befefjen  unb  erforfdjen  will, 
wie  unb  welcher  ©eftalt  bie  alten  Selber  (fo  man  $atre3 
l)ei§t),  al§  Athanasius,  Nazianzenus,  Basilius,  Epiphanius, 
Chrysostomus,  Ambrosius,  Hieronymus,  Augustinus,  Von 
ber  Rechtfertigung  gelehrt  unb  getrieben  f)aben,  ber  wirb 
eine  große  Ungleichheit  finben;  imn  tf)rer  etliche  fafl  un* 
getiefte,  gefährliche  unb  jum  ^F>eit  unrechte  Rebe  von  ber 


305 

Rechtfertigung  führen;  tt>eld^eö  benn  bal?er  fommt,  ba§  fte 
bem  Origenes  ju  \t\)x  nachgegangen,  unb  bie  ^fnUfopfnam 
mit  ber  ©djrift  vermengt  l)aben.  £>ertt)egen  mu§  man  audj 
foläje  ©cribenten  mit  gro§er  $orftd;tigfeit  lefen,  unb  tt)o 
fte  mit  ber  t>eü.  ©$rtft  flimmern,  foIdf>eö  mit  ReDerenj  üon 
üjnen  annehmen,  wo  fte  aber  trüber  unb  of)ne  bie  Reuige 
©dmft  reben,  foldjeS  ber  menfcfylidjen  <Sdf)tt)ad)^eit  jumeffen; 
tnma§en  bie  $atre£  felbfi  anberer  dEjriptidjen  ßefjrer  ©dmf* 
ten  getefen  unb  au$  barum  gebeten,  ba$  man  i^re  Sucher 
mit  foldt>er  gretljett  unb  Sefdjetben&ett  lefen  wollte*  ÜJttt 
biefen  2Borten  fdpreibt  Augustinus  contra  Cresc.  1.  2  c.  32 
öon  ben  ©Triften  (£t)prianu§,  beö  üJiärttjrerä  unb  93tfd^of8: 
Ego  huius  Epistolae  authoritate  non  teneor,  quia  eius 
literas  non  ut  canonicas  habeo;  sed  eas  ex  canonicis 
confidero,  et  quod  in  eis  divinarum  scripturarum  authori- 
tati  congruit,  cum  laude  eius  accipio,  quod  autem  non 
congruit,  cum  pace  eius  respuo.  2)a3  ift:  3$  6in  an 
be3  (£t)priam  Briefe  niä)t  üerbunben,  benn  \6)  Ijalte  feine 
33riefe  ben  betörten  Supern  Reuiger  ©$uft  nid)t  gleidj, 
tuelme^r  aber  erwäge  iü)  fte  nacb  ber  Olegel  ber  belügen 
Schrift;  ma§  id)  nun  ftnbe  mit  ^eiliger  ©$rift  flimmenb, 
neunte  td;  mit  £>anf  unb  ßob  ßtjpriam  an,  tt>a3  aber 
nid)t  ftimmt,  öettx>erfe  iti)  mit  (einem  ^rieben.  Unb  alfo 
(treibt  er  im  93u$  de  Trinitate  üb.  3:  3$  tt)ünfd?e 
mir  in  allen  meinen  ©Triften  ni$t  nur  einen 
gottfeligen  ßefer,  fonbern  aud)  einen  freien 
Rietet-  ©oll  unS  bewegen  niemanb  üerbenfen,  ba§ 
wir  ber  alten  Öe^rer  ©prücfte  t>on  ber  Rechtfertigung  nid^>t 
gleid)  achten,  fonbern  mit  Unterfc^ieb  unb  cbriftlidjer  93e= 
fc&eibenfjeit  erttmgen  unb  anjte^en,  S3  ift  unoerneinlidE), 
ba§   etliche  $atre3,  fo   bei  ben  ^eibntfdjen  $|)l)itofo{)fn£ 

20 


306 

erjogen,  t)iel  ungefcf)icfter  opiniones  (Meinungen)  au§  ber 
<Pf)itofopf)ia  in  bie  Äirdje,  nic^t  oljne  9^ac^)t^eil  ber  2ßaf)r* 
Ijeit,  eingefüljrei  3lud)  ift  offenbar,  ba§  oielen  etlid&e 
unbebäc^tige  unb  unnötige  2Borte  uni  SReben,  fo  ber 
^eiligen  ©d)rift  nidjt  ä^nlid?,  entfahren  ftnb,  n)eld^)e§  oft 
©ottfeligen  unb  ©eleljrten  miberfafiret ;  menn  fle  aucf)  beffen 
öftren  erinnert  morben,  mürben  fte  folc^eö  miberrufen,  unb 
ftcf)  beutlidjer  erffärt  fjaben.  3nfonberf)eit  fwt  ber  gott* 
feiige,  oerflänbige  ßefer  barauf  2ldE)t  ju  geben,  ba§  bie  tte* 
ben  $atre3  ganj  richtig  unb  gottfeltglidf)  bie  ßeljre  oon  ber 
^Rechtfertigung  beg  2Renfd)en  oor  ©ott  befennen  unb  fe|en, 
fo  oft  fte  t>om  Streit  tyteS  ©emiffenS  reben,  unb  t(jre  felbjl 
Hebung  ber  93u§e  unb  @lauben§  melben;  benn  bafelbjl: 
begeben  fte  fid)  aller  95erbienjie  unb  2ßerfe,  befennen  ifjre 
Unreinigfeit  unb  fefcen  all  iljr  Vertrauen  auf  ©otte§  lau* 
tere  ©nabe,  fud?en  allein  bie  ©eredjtigfeit  in  3efu  Sfmfto, 
bem  einigen  Mittler  burcb  im  ©lauben.  2öenn  fte  aber 
au§er  ber  Hebung  ber  3Sufie  etma  in  (Srflärung  ber  ©djrift 
ober  in  einer  Disputation  auf  im  Slrtifel  t)on  ber  5Re$i* 
fertigung  geraden,  ba  entfallen  tfmen  biömeilen  SReben, 
bie  mit  ber  9ft<$tfd)nur  göttlicher  ^eiliger  ©d)rift  nidE)t 
aüerbingö  flimmern  #ieront)tnu3  fdjreibt  nid)t  oergebenS, 
ba  er  fcermafmet,  mit  melier  23orftd)tigfeit  bie  ©Triften 
ber  Äirdpenle^rer  ju  lefen  ftnb:  Magnae  prudentiae  est, 
aurum  in  luto  legere;  e3  gehört  eine  grofie  93orjt$tigfeit 
baju,  ba§  man  ©olb  au§  bem  Äotf)  lefe.  Ober  ba§  mir 
Dielmeljr  mit  $aulo  reben  1  Sor.  3:  tlnterftfjeiben  muffen 
mir,  an  meinem  Drte  ©olb  ober  ©belgeflein,  an  meinem 
#eu  unb  ©toppein  auf  im  ©runb  gebauet  morben.  £>amit 
benn  bie,  fo  etma  bie  $atreS  motten  lefen,  burd)  etliche 
frembe  unb  unnötige  iReben  nid)t  irre  gemalt  merben, 


307 

cmd)  bie  (Einfältigen  nidfot  alöbalb  jup'ta|cn  unb  ftcf)  bereben 
laffen,  bie  alte  Äircbe  fei  in  biefem  f)ol)en  Slrtifel  ber 
pabjttidjen  abergläubifc&en  üJteinung  burd)au§  gewefen, 
wenn  bie  2Biberfad)er  etliche  ©prüdfje  ber  33äter  ju  33e^ 
fdwnigung  ibreö  3rrtbum§  anjiefjen,  t>telmef>r  aber  nai) 
bem  Sefe^l  ©otteg  alle3  prüfen  unb  bag  ©ute  allein  be* 
galten,  fo  sollen  wir  aflliie  etliche  Sprühe  erjagten,  fo 
ber  9ttd)tfd)nur  göttlichen  2öortS  ungemä§,  unb  berfjafben 
ju  verwerfen;  bernacf)  audE)  richtige,  reine  3eugmffe  r>on 
ber  Rechtfertigung  be3  ©ünberö  öor  ©ott,  bie  aQerbinge 
mit  ©otteö  Söort  fiimmen,  anheben,  auf  ba§  bie  ©ott* 
feiigen  feljen,  ba$  ©ott  bennod)  [ein  beüfam  Öid^t  in  ber 
ÄirdEje  erhalten,  unb  bie  t>ornef)tnften  Öe^rer  ber  ÄirdEje 
einerlei  fcon  ber  Rechtfertigung  mit  un§  unb  allen  Triften 
geglaubt  f)aben. 

Epiphanias  fdireibt  contra  Manichaeos,  $>a§  bie  Srj* 
tmter  2lbet,  ßnocf),  ?loal),  2lbraf)am  burdjS  ©efetj  ber 
Ratur  ©ott  gefallen  fjaben,  unb  gerecbt  worben  ftnb; 
Ijernacf)  unter  2Kofe  fei  ein  größer  Sidpt  im  ©efe§  aufge* 
gangen,  weldjeä  bie  -^erjen  ber  ©laubigen  erleuchtet  ^abe; 
julc|t  l)abe  ba$  große  Öi$t,  3cfu8  (£f)rifiu§,  in  bie  SBelt 
gefcf)ienen,  welker  ben  ©einen  Wlafyt  gegeben,  ©otteö 
Äinber  ju  werben.  £>a§  alll)ie  Epiphanius  gefettet  unb 
unrecht  üon  ber  Rechtfertigung  gerebet,  ifl  nid)t  allein  mit 
©otte§  2Bort  lauter  ju  beWeifen,  als  barin  nur  ein  einiger 
2öeg  ber  ©eligfeit  allen  2Renfcf)en  fcorgejMt  wirb,  fonbern 
aud)  mit  Augustino  ju  bezeugen,  weiter  biefen  3n:tf)um 
de  pecc.  or.  1.  2  c.  26  Pelagio  jufdjreibet,  unb  füljnlid) 
verwirft.  Non  igitur  sicut  Pelagius  et  eius  discipuli  tem- 
pora  dividamus,  dicentes  primum  vixisse  justos  homines 
ex  natura ;   deinde  sub  lege;  tertio  sub  gratia.     SDaä  iji: 

20* 


308 

£a§t  un§  nicfjt  bie  3^t  feilen  toie  Pelagius  unb  feine 
jünger,  toetcbe  fagen,  ba§  erfili^)  bie  SDienfdpen  au$  ber 
Natur  gerecht  ftnb  gen>efen,  barnadE)  unter  bem  @efe£, 
jum  brüten  unter  ber  ©nabe.  Sßtberlegt  aud?  biefen  3**> 
tfjum  mit  bem  ©prud)  $ault  1  (£or.  15:  2Bie  fie  alle  in 
2lbam  fterben,  alfo  derben  fte  aud)  alle  in  Sfmfto  leben* 
big  gemacht. 

Lactantius  feblet  jumal  mit,  ba  er  t)on  ber  ettngen 
©eligfeit  alfo  fdjreibt:  Erudiat  se  quisque  ad  justitiam, 
firmet  ad  continentiam ,  instituat  ad  virtutem,  ut  possit 
deo  jndice,  pro  virtutis  suae  meritis,  vel  coronam  fidei 
vel  immortalitatis  praemium  adipisci.  3)a3  ift:  Sin  jeb-- 
toeber  untertoeife  ftd)  jur  ©eredjtigfeit,  fMrfe  ft$  jur  Wlä* 
Bigfeit,  rüfie  ft$  jur  Jugenb  tt.t  auf  ba§  er  üon  ©ott, 
bem  Siebter,  für  ba3  25erbienjl  feiner  Jugenb  entoeber  bie 
Ärone  be§  ©laubenö  ober  ben  2ofm  ber  Unjlerblicbfeit  er* 
lange.  ^Dergleichen  SReben,  barin  er  baS  Serbien]!  ber 
2öer!e  ju  f)o$  rüfjmt  unb  bie  Seligfeit  ben  Söerfen  %\x* 
fdjreibet,  ftnb  mef)r  im  Lactantio.  2öie  jiimmt  aber  folc^eS 
mit  ber  ^eiligen  ©djrift?  Ueberall  nid^tö,  Stmjtuä  fpridjt 
£uc.  17:  2öenn  ibr  alles  getrau  l)abt,  ft)a§  if)r  fc^ulbig 
feib,  fo  fprecbt:  2öir  ftnb  unnü^e  Anette.  Unb  $aulu3 
fpric^t  3Wm*  6:  ßine  ©abe  ©otteS  ifl  baä  einige  ßeben. 
Unb  abermat  $autu3  $xt.  3:  ©ott  machte  un§  feiig,  ni$t 
um  ber  2öerfe  willen  ber  ©erec^tigfett,  bie  mx  getrau 
Ratten,  fonbem  na$  feiner  23arml)eräigfeii  -ftad?  biefer 
getoiffen  SRidE)tf^)nur  beö  ^eiligen  ©eifieg  f)at  ein  ß^rift 
äftad^t,  nicf)t  allein  Lactantii,  fonbem  alfer  Äir^enle^rer 
©prü$e  ju  urteilen.  &t)pTianu$  ift  auti)  biömeilen  au3 
bem  2Bege  ber  gefunben  Sefjre  getreten  in  feinen  heftigen 
Sermafjnungen,  unb  bem  Serbien)!:  ber  2Berfe  ba^jenige 


309 

jugemeffen,  bctS  allein  bem  93lut  &f)T\fti  gehört.  Sr  fpridpt 
serm.  5  de  lapsis:  Ad  Dominum  toto  corde  redeamus, 
iram  et  offensam  eius  ieiuniis,  fletibus,  planctibus,  sicut 
admonet  ipse;  placemus.  2)a3  ifi:  %a$t  un£  mit  ganzem 
^er^en  jum  #errn  feieren,  feinen  3<>™  unb  Ungnabe  mit 
$aften,  Reuten  unb  SBeinen,  rote  er  üermaf)net,  üerföbnen* 
3tem :  Remedia  propitiando  Deo  ipsius  Dei  verbis  data 
sunt:  Operationibus  justis  Deo  satisfieri,  misericordiae 
meritis  peccata  purgari.  2)a3  tfi:  3^  ©otteS  2öort  tfi 
un$  bie  2trjnei,  ©ott  ju  t>erföf)nen,  gezeigt,  ba§  man  mit 
geregten  Söetfen  ©ott  möge  bellen,  unb  mit  93erbienji 
ber  SWmofen  bie  ©ünbe  reinigen.  £)ie§  ifi  bem  Haren  2öort 
©otteS  firacfö  juroiber;  benn  3^anne§  fprid)t  1  Jof).  1- 
£a£  35(ut  beö  ®of)neö  ©otie£  reiniget  unä  öon  unfern 
©ünben.  3^m  1 3°^  2:  3eU*3  Sfirifiug  ifi  bie  SBerfölmung 
für  unfere  ©ünbe,  nicfjt  allein  für  bie  unfere,  fonbern  für 
bie  Sünbe  ber  ganzen  2öelt  £ieront)mug  tfi  je  ein  be* 
rüfjmter  Öe^rer  in  ber  Äirdje,  ba%  er  aber  auö  Unbebaut 
fpridpt,  Someliuö  t)abe  ben  ^eiligen  ©eifi  au3  ben  Söerfen 
empfangen,  unb  ba§  2lbraf)am,  OJiofeS  unb  anbere  £eilt* 
gen  bur$  Die  2öerfe  be§  natürlichen  ©efe£eS  ftnb  geregt 
toorben,  ift  mebr  al$  ein  menfd)licf)er  $ef)l  ju$ubecfen,  benn 
aiö  eine  gefunbe  ßef)re  ju  galten;  benn  ©ottes  2Bort  jeu* 
get  ba£  2öiberfptel  1  2Rof.  15:  2lbraf)am  fwt  ©ott  geglaubt, 
unb  ©ott  f)at  i^m  ben  ©lauben  $ur  ©eretöttgfeit  geregnet 
Unb  $tt>ar  ^ieromjmug  felbfi  üemnrft  obgefe|ten  ©prudj, 
inbem  er  an  tnelen  Orten  bie  ©ered)tigfeit  nur  ©otteS 
©nabe,  Sl)rifii  Serbienfi  unb  bem  ©lauben  jufc&reibt,  roie 
fjernad)  mit  ©otteö  £ülfe,  aud?  fein  rid)tigeö  3eugmJ3  foll 
geführt  derben. 

Hilarius  £at  je  au<f)   beeilen  gefiraudEjett  in  biefem 


310 

Slrtifet,  als  ba  er  in  Math.  cap.  7  fdE>retbt :  De  nostro 
beata  illa  aeternitas  promerenda  est,  prestandumque  est 
aliquid  de  proprio,  ut  bonum  velimus  et  malum  omne 
vitemus.  2>a8  ift:  25on  bem  Unfern  muffen  tt)ir  bie  ewige 
©eligf  eit  tterbienen,  unb  ettxmS  üon  unferm  Eigenen  be* 
keifen,  ba%  toir  ©ute§  sollen,  unb  aUe§  23öfe  meiben* 
3tem  in  prologo  Psalmorum:  Prestat  ergo  Dominus  sapi- 
entiam  his,  qui  per  meritum  operum  gratiam  intelligentiae 
consequuntur.  2)a3  ift:  3)er  $m  gibt  benen  bie  2öei3t)eit, 
belebe  burd?  >£erbienfl  ber  Söerfe  bie  ©nabe  be§  SSerftänb* 
niffe§  erlangen,  £ie  ifi  $üariu§  bä  bem  SSorbilb  gefunber 
apoftoltfdjer  2ef)re  nidE)t  geblieben;  benn  biefelbe  jeuget 
9töm.  3,  ba§  burd)  bie  2öerfe  be§  @efe|$e§  fein  ßebenbiger 
öor  ©ott  geredet  toerbe.  3tem  Splj.  2:  5lu§  ©naben  fetb 
iljr  fetig  korben  bureb  ben  ©tauben,  unb  baffetbige  nidjt 
auS  eud),  ©otteö  ©abe  ift  e8,  nic^t  au§  ben  2Berfen,  auf 
ba§  fxd)  nidjt  jemanb  rüfjme.  @g  mag  aud)  niemanb 
leugnen,  ba§  ß&rpfoflomuS  an  tnelen  Drten  gan^  unge* 
f^ieft  unb  ftracfS  toiber  bie  ^eilige  ©d?rtft  t>on  ber  $e$t* 
fertigung  gerebet  fjabe;  benn  alfo  fprt$t  er  hom.  20  in 
Joh. :  Nostris  ipsorum  operibus  salutem  consequi  totis 
viribus  annitamur,  ne  spe  nostra  frustrati,  tum  demum 
intelligamus ,  cum  nulla  nobis  erit  poenitentiae  utilitas. 
$>a3  ift:  ÜRit  allen  fräften  la§t  unS  barnacb  trauten, 
ba§  toir  burd?  unfere  felbjt  2öerfe  bie  ©eligfeit  erlangen, 
bamit  mir  nidjt  unferer  Hoffnung  fehlen,  unb  bann  alter* 
erft  oerfteben,  mann  unS  bie  SSuge  nid)t  metjr  nü£e  fein 
mirb.  2llfo  irret  er  ftd)  am  anbern  Ort  hom.  6  in  Joh.; 
ba  er  mancherlei  2öege  erjäljtt,  mie  man  ju  Slblegung  ber 
©ünben  fomtnen  möge,  unb  axx  tnelen  Drten  lm§t  er  ba$ 
Vertrauen  auf  bie  2öerfe  fe^en.    2öeil  aber  bie  Stimme 


311 

t)om  £immel  rufet,  tüir  follen  nidpt  Chrysostomum,  fonbern 
(Xtmflum  felbft  f)ören,  ©^rifluö  aber  jeuget,  ba§  tüemanb 
gen  £immel  faljre,  benn  ber  twm  Fimmel  geftiegen  ift 
3of).  3,  unb  ba§  ber  ©laute  unb  ntc^t  bie  Söerfe  feiig 
machen,  2uc.  7,  fo  fyat  ein  6f)rift  leicht  ju  urteilen ,  ba§ 
bem  ©ofjn  ©otte3  mel)r  ju  glauben  fei,  Weber  Chrysostomo 
ober  einigem  ßebrer;  benn  wer  fann  unö  gewiffer  t)on 
@otte§  Söillen  unb  ewiger  ©eligfeit  jeugen,  benn  ber  2öelt 
#eilanb  felbft,  fo  un3  bie  Seligfeit  erworben. 

2öir  sollen  and)  niä)t  oerfdjweigen ,  ba%  ber  Iwdpbe* 
rühmte  unb  vortreffliche  Se^rer  Aurelius  Augustinus  big* 
seilen  frembe  unb  ungleiche  SRebe  t)on  ber  Rechtfertigung 
gefüfjret,  bie  ni$t  allerbing§  mit  bem  SSorbilb  gefunber 
ßef;re  ftimmen,  alö  ba§  er  serm.  162  de  temp.  fpridjt: 
Tunc  dabitur  fidelibus  vera  vita;  veraque  laetitia,  tunc 
Deus  pro  meritis  fidei  atque  bonorum  operum  dabit  suis 
fidelibus  regnum  coelorum.  $)a3  ift:  5lt§bann  Wirb  ben 
©laubigen  gegeben  werben  waljreö  Öeben  unb  wafjregreube; 
bann  Wirb  ©ott  feinen  ©laubigen  für  ba§  2)erbienfl  be8 
©laubenö  unb  guter  3Berfe  ba$  ^immelreid?  geben.  9tm 
anbern  Drt  tr.  in  Joh.  \px\fyt  er :  Cum  promerueris  Deum 
vivendo  ex  fide?  accipies  premium  immortalitatem  et  vi- 
tam  aeternam.  2)a3  ift:  2öenn  bu  bid?  Wol)l  um  ©ott 
t>erbienet  twfl,  inbem  bu  au§  bem  ©lauben  lebeft,  wirft  bu 
ben  ßofm  empfa&en,  bie  Unfterbltdtjfeit  unb  ba$  ewige  ßeben. 
2lber  bodj)  balb  barauf  wiberruft  er'3  unb  erkläret  ftdj),  bafi 
feine  Meinung  nicf)t  fei,  bafj  wir  i>a$  ewige  %tbm  tterbienen* 
(£r  fprid)t:  Et  illa  vita  aeterna  gratia  est;  non  pro  me- 
rito  quidem  accipies  vitam  aeternam  ?  sed  pro  gratia. 
$)a§  ift:  Unb  ba3  ewige  ßeben  ift  ©nabe;  um  beö  25er* 
bienfieS  willen  wirft  bu  ba$  ewige  ßeben  nidE>t  empfa^en, 


312 

fonbern  um  ©nabe.  £>tefe  ungleichen  unb  fremben  (Äe* 
ben  ber  5Mter  in  biefem  Slrtifet,  beren  benn  mefjr  auö) 
bei  anbern  $atribu§  gefunben  werben,  fwbe  i<$  barum 
allfjie  angezogen,  ba§  man  jt$  nidE)t  balb  irre  madjen 
laffe,  toenn  etliche  ©prüdbe  ber  SSäter  toiber  unfere  ßefjre 
angezogen  werben,  unb  bafy  ein  (Sfmjt  ttriffe,  tt>ie  er  ben 
gegriffen  ©runb  feineg  ©(auben£  allein  in  propf)ettfd)er  unb 
apoftolifcber  ©dmft  jucken,  unb  naü)  folc^er  5Rid)tfd^nur 
afle  Öefjren  unb  Oteben  prüfen  unb  rieten  foH  Unb  fol* 
dje§  gereicht  ben  lieben  Tätern,  fo  im  Äirdjen  na$  ifjren 
©aben  gebienet,  feineömegg  jur  SBerfleinerung  ober  Unehre, 
ba%  man  jte  bm  Slpofieln  unb  $ropf)eten  ni$t  glei$ 
achtet;  benn  fte  felbfi  folcf)e3  niemals  begehrt,  t>ietmef)r 
unö  in  bie  ^eilige  6d)rift  gemiefen,  ftrie  benn  unfere  ©e* 
ligfeit  feinem  2Renfd)en,  fonbern  allein  ©otteg  2öort  ju 
vertrauen. 

$)a§  aber  niemanb  au§  etlichen  fremben  Sieben  fd)liefje, 
e§  fei  unfere  Sebre  unb  93efenntni§  t)on  ber  Rechtfertigung 
beö  ÜJienfdjen  t>or  ©ott  burd?  ben  ©tauben  ben  lieben 
Tätern  atlerbingS  verborgen  unb  unbefannt  gemefen,  fo 
sollen  mir  mit  ©otteg  £ülfe  ba£  Sßiberfpiet  bartfmn,  unb 
Mrli$  bemeifen,  ba§  bie  t)ornef)men  unb  bemalten  $atre3 
einerlei  mit  un3  fcon  ber  Rechtfertigung  unb  ©eltgmadjung 
be£  2RenfdE)en  geglaubt  unb  gelehrt  f)aben,  unb  bem  papt* 
fiifdE)en  3rrtf)um  ni$t  Seifall  geben.  Unfer  ©laube  unb 
ßebre  tton  ber  Rechtfertigung  ftefjet  t)ornef)mtt$  in  biefen 
Runden: 

1,  £>a§  mir  obne  Serbienft  unb  eigene  Slßerfe  t>or 
©ott  geredet  werben. 

2.  SDa§  ©ott  aus  lauter  ©üte  unb  ©nabe  un$  ge* 
red)t  mad)e  unb  bie  ©eligfeit  fdjenfe. 


313 

3.  $)a§  3efu$  S^rifiuS  alleg  fmbe  aerbtenet,  unb 
tt>ir  um  feines  ©etjorfamS  mitten  gerecht  unb  feiig  merbem 

4.  $)afj  unfere  @erecf)tigfeit  fletje  in  Vergebung  ber 
©ünben. 

5.  2)a§  tt)ir  aliein  bur$  ben  ©tauben  bie  2ßof)l* 
traten  Gfmjii  annehmen  unb  ttor  ©ott  geregt  werben* 

$)tefe  $uncte  altefammt  fjaben  mir,  fo  triel  ©ott 
©nabe  t>erlieljen,  in  ben  vorigen  $rebigten  mit  ftarfen, 
gemattigen,  unmiberleglidjen  unb  allein  au§  göttlicher  t)ei* 
liger  ©djrift  genommenen  ©rünben  bemiefen  unb  bekräftiget 
$)a§  aber  nun  bie  ©utfjer^igen  fefjen,  mie  ©ott  je  unb 
allemeg  foldt)  Sidjt  in  feiner  Äirdje  ermatten  unb  alte  ©lau* 
bigen  biefen  Jrofi  gehabt,  fo  la§t  un§  ber  Sater  3eugniffe 
Don  einem  jeben  je£t  gefegten  $uncte  fmren,  fo  tuet  in 
einer  $rebigt  gefdje^en  mag. 

&eti$m#  het  S&atev. 

1. 

£>afs  nur  ofyne  (Befet^  olme  t>er6ienfi  unb  VOatt  t>or 
(Bott  geregt  un6  feiig  u>eröen- 

Slmbrofti  ©prurf)  lib.  5,  71  ijl  beller,  als  ber  amttag: 
Ex  praescripto  legis  omnes  convincuntur,  et  ex  operibus 
legis  nemo  justificatur,  id  est,  qula  per  legem  peccatum 
cognoscitur,  sed  culpa  non  relaxatur;  et  ideo  nemo  glo- 
rietur  in  operibus,  quia  nemo  factis  suis  justificatur,  sed 
qui  justus  est  donatum  habet  etc.  £)a3  ift :  5lu3  bem 
©efe|  merben  fte  alle  überzeugt,  unb  a\\S  ben  QBerfen  be3 
@efe£e3  mirb  niemanb  gerecbt;  baä  ift,  burd)'3  ©efe£  mirb 
bie  ©ünbe  erfannt,  aber  bie  ©dmlb  nid)t  auggelöfd^i 
3tem,  barum  rüfjme  ftd)  niemanb  feiner  2öerfe,  benn  nie* 


314 

tnanb  ttrirb  bur$  feine  fetten  geregt,  fonbern  rner  gerecht 
ift,  bem  ifi'8  gefdEjenft.  3tem  Ambrosius  ad  Rom.  3: 
Justificati  sunt  gratis,  quia  nihil  operantes,  neque  vicem 
reddentes,  sola  fide  justificati  sunt,  dono  Dei.  £)a§  ifi: 
©ie  ftnb  ol;ne  23erbienjt  gerecht  korben,  benn  bte  feine 
SBerfe  traten,  noeb  einige  Sergeltung  betoeifeten,  ftnb  allein 
burd)  ben  ©tauben  geregt  korben,  burti)  ©otteg  ©abe* 
Unb  abermat  ad  1  Cor.  1:  Hoc  constitutum  est  ä  Deo, 
ut  qui  credit  in  Christum,  salvus  sit  sine  opere,  sola  fide, 
gratis  aeeipiens  remissionem  peccatorum.  2)a§  ifi:  23on 
©ott  ift'8  bef^toffen,  bafi,  ton  an  Sfmjlum  glaubet,  feiig 
fei  otme  Jöerfe,  _atlein  burd)  ben  ©tauben,  obne  QSerbienfl 
Vergebung  ber  ©ünben  empfabenb, 

Basilius  ad  Ps.  33:  Non  in  virtute  nee  in  sapientia 
humana,  sed  in  gratia  Dei  est  salus.  $)a8  ifi :  9M$t  in 
menfcJ)tid)er  Sugenb,  Äraft  ober  2Beiäl)eit,  fonbern  in  ©ot* 
US  ©nabe  flehet  bie  ©etigfeit 

Theodoretus  lib.  7  de  sacrifieiis:  Neque  enim  ullis 
operibus  nostris,  sed  per  solam  fidem  mystica  bona  con- 
secuti  sumus.  Hinc  et  Apostolus  manifeste  testatur:  Gra- 
tia salvi  facti  estis,  et  hoc  non  ex  vobis,  dei  donum  est, 
ne  quis  glorietur.  $>a§  ift:  3)enn  toir  Ijaben  t)k  getjt* 
ticken  ©üter  ntdjt  erlangt  mit  einigen  unfern  2ßerfen,  fon- 
bern allein  burdE)  ben  ©tauben;  baber  ber  Sipofiel  öffentlid) 
jeuget:  2lu§  ©naben  feib  iljr  fetig  korben,  unb  ba§  nidEjt 
auö  eudj,  ©otteS  &aht  i{i  e§,  ba§  fieb  nid^t  jemanb  rüf)me. 

Hieronymus  in  Rom.  4 :  Convertentem  impium  per 
solam  fidem  justificat  Deus,  non  per  opera,  quae  non 
habuit,  ©ott  machet  ben  ©ottlofen,  ber  ftd>  befefjret,  geregt, 
allein  bureb  ben  ©tauben,  nidE)t  burdE)  bie  guten  2öerfe, 
bie  er  nidf)t  gefmbt. 


315 

Chrysostomus  hom.  5  ad  Col.  1 :  Homines  enim  la- 
pidibus  stupidiores,  ad  Angelorum  subito  dignitatem  eve- 
here;  simpliciter  nudis  verbis,  solaque  fide,  sine  omni 
operum  adminiculo,  revera  gloria  est.  $)a§  ift:  £)ie  9tten* 
fd?en,  fo  prter  unb  bümmer,  toeber  Steine  fmb,  halb  ju 
ber  Gngel  Sßürbe  ergeben,  nur  mit  Söorten,  aüein  bur$ 
ben  ©täuben,  ofjne  alle  9J?itf)ülfe  ber  SBerfe,  tfi  ja  eine 
£errlicf)feit. 

2)or  allen  anbern  ^atribuö  aber  fdjleufct  Augustinus 
aQeS  25erbieni1,  2Berfe  unb  2ßürbigfeit  au§  ber  9tec$tferti* 
gung  an  Dielen  Drten.  De  spir.  et  lit. :  Colligimus,  ho- 
minem  non  justificari  praeeeptis  bonae  vitae;  nisi  per  fidem 
Jesu  Christi;  hoc  est,  non  lege  operum,  sed  lege  fidei; 
non  litera  sed  Spiritu;  non  factorum  meritis;  sed  gratuita 
gratia.  3)a§  ift:  ©o  festlegen  tt)ir#  ba§  ber  2Kenfd)  nidjt 
gerecht  ttürb  buret)  bte  ©ebote  eineä  guten  ÖebenS,  benn 
nur  burd)  ben  ©täuben  Sefu  Sfmfti,  i>a$  r$,  nidjt  burc&'S 
©efe£  ber  2Öerfe,  (onbern  burd)'§  ©efe£  be3  ©täuben§; 
nidjt  burdf)  ben  33ucf)fiaben,  fonbern  bur$  ben  ©eift;  niefct 
burd)  aScrbtenfi  ber  Söerfe,  fonbern  au§  frei  gefdfjenfter 
©nabe. 

3tem  ad  Ps.  31:  Si  vis  alienus  esse  ä  gratia,  iaeta 
merita  tua.  SBiüft  bu  fremb  fein  t)on  ber  ©nabe,  fo  rnagft 
bu  bein  Serbienfi  rühmen. 

3tem  ad  Bonif.  1.  2  c,  6:  Justificandis  impiis  prop- 
terea  merita  non  sunt,  quia  Dei  gratia  est.  2)a3  ift: 
SDa§  bie  ©ottlofen  gmtf)t  werben,  fann  barum  nid^t  35er* 
\  bienft  fein,  {internal  e§  ©otteö  ©nabe  ift. 

Jtetn  ad  Ps.  105:  Quaerimus  meritum  misericordiae 
nee  invenimus;  quia  nullum  est,  ne  gratia  evacuetur;  si 
non   gratis    donatur,    sed   meritis   redditur.      2öir   fu$en 


316 

23erbienft  ber  SBarmfjerjigfeit,  unb  finben  feinö,  benn  e§ 
i#  fein§,  auf  bafj  bie  ©nabe  md)t  $u  nickte  toerbe,  fo  fte 
nid[)t  umfonfl  gegeben,  fonbern  bem  93erbtenjt  vergolten 
tt)irb, 

3tem  de  gratia  et  libero  arb.  c.  9:  Gratia  autem 
Dei  vita  aeterna;  ut  hinc  intelligeremus ,  non  pro  me- 
ritis  nostris  Deum  nos  ad  aeternam  vitam,  sed  pro  sua 
miseratione  perducere.  ©otteö  ©nabe  aber  ift  ba§  einige 
Seben,  auf  bafy  mx  fnerauö  fcerftefjen,  ©ott  fütjre  un§  jum 
etoigen  ßeben,  nid)t  um  unferer  QSerbienfie  mitten,  fonbern 
na$  feiner  93arml)er$igfeit. 

Bernhardus  super  cant.  serm.  67  t>ertt)irft  aud)  atte§ 
Serbien]!,  ba  er  fprtc^t:  Deest  gratiae,  quidquid  deputas 
meritis;  nolo  meritum,  quod  gratiam  excludat.  S§  man* 
gelt  ber  ©naben,  tt>a§  bu  bem  Serbien  ji  jufc^reibefi ;  i$ 
null  beS  SerbienjleS  ni$t,  i>a8  bie  ©nabe  au§f$leufjt. 

tiefer  ©eflalt  fiimmen  bie  $atre§  mit  un§  im  erjten 
<{htnct;  unb  ob  fte  gleich  ba§  2Bort  Serbienjt  breiten 
brausen,  barin  fte  mef)r  ber  ©etoofmfjeit  alö  itjrem  ©tau* 
ben  gefolget,  fo  linbern  unb  beuten  fte  e§  bocf)  immerbar, 
bafj  man  fteljet,  wie  fte  nicf)t  atterbingS  bamit  jufrieben 
getoefen,  baf)er  Augustinus  fo  oft  mieber^otet:  Non  merita 
tua,  sed  dona  sua  coronat  Deus,  ©ott  frönet  ni$t  baS 
Serbienft,  fonbern  fein  felbfl  ©aben.  folget  ber  anber 
qjunct : 

II. 

©afj  (Bettes  (Bnabc  unb  Sarmtjer^igfeit 
uns  geregt  ma<f)e. 

Augustinus  de  nat.  et  gr.  1.  1  c.  1 1 :  Fateor  dilec- 
tioni  vestrae,  cum  ista  legerem,  laetitia  repente  perfusus 


317 

sum,  quod  Dei  gratiam  non  negaret,  per  quam  solam 
homo  justificari  potest.  2)aS  ifl :  3$  benenne  eurer  Siebe, 
ta  iä)  fotdfjeö  lag,  toaxb  iti)  alöbalb  fyoü)  erfreuet,  ba§  er 
©otteS  ©nabe  md?t  leugnete,  burd)  tt>eld)e  allein  ber  Sftenfd) 
mag  gerechtfertigt  werben, 

3tem  de  pecc.  or.  1.  2  c.  24 :  Non  enim  gratia  Dei, 
gratia  erit  ullo  modo,  nisi  gratuita  fuerit  omni  modo. 
2)a3  ifl:  £>enn  ©otteS  ©nabe  mag  nicfyt  ©nabe  fein  auf 
etntgeriei  SBeife,  wenn  fte  nic^t  burd)au3  obne  25erbienft 
unb  gänjiid)  umfonjt  gegeben  toerbe. 

3tem  ad  Ps.  70:  Domine,  memorabor  justitiae  tuae 
solius.  0  solius.  Quid  addidit  solius,  rogo  vos?  suffi- 
ceret:  memorabor  justitiae  tuae.  Solius,  inquit,  prorsus 
ubi  meam  non  cogito.  Justitia  tua  sola  liberat  me,  mea 
sola  non  sunt  nisi  peccata.  2)a3  ifi:  £err,  iü)  ft)ill  beiner 
©eredptigfeit  allein  gebenfen.  D  allein.  SBarum  fe|t  er 
fnnju:  allein?  iä)  frage  eud);  eS  toäre  je  genug  getoefen: 
td)  null  betner  ©ered)tigfeit  gebenfen;  aber  beiner  allein, 
fprtcbt  er;  benn  iä)  toeifj  bie  meine  mc$t.  £>eine  ©ered)* 
tigfett  allein  erlöfet  mtd);  meine  allein  finb  nur  bie 
©ünben. 

Basilius  ad  Ps.  114:  Manet  enim  sempiterna  quies 
illos,  qui  in  hac  vita  legitime  certaverunt,  non  ob  eorum 
merita  factorum,  sed  de  munificentissimi  Dei  gratia,  in 
quem  sperarunt.  3)a§  ift:  2öeld)e  in  biefem  ßeben  ritter* 
ltd)  gefämpfet  Iwben,  bie  l)aben  ewige  $uf)e  ju  erwarten; 
nicfjt  auS  Serbien  jt  il)rer  Söerfe,  fonbern  auö  be§  aller* 
milbefien  ©otteä  ©nabe,  auf  ben  fte  gel)offet  f)aben. 

Augustinus  de  civit  Dei  1.  10  c.  22:  Peccatorum  in 
hac  vita  non  fit  nostra  virtute  sed  divina  miseratione  pur- 
gatio,  per  indulgentiam  illius,  non  per  nostram  potentiam. 


318 

35a§  ijl:  Die  Reinigung  üon  ©ünben  in  biefem  %ebtn 
gefdE)ief)t  ni$t  burdE)  unfere  Sugenb,  fonbem  buref)  @otte§ 
ßrbarmung,  burd)  feine  gnäbige  (Majfung,  nidjt  burcf> 
unfere  Ärafi 

3tem  contra  Cresc.  I.  3  c.  80:  Ad  existimationem 
hominum  magna  testium,  qui  me  noverunt,  suppetit  copia; 
ad  Dei  vero  conspectum  sola  conscientia;  quam  contra 
vestras  criminationes  cum  intrepidam  geram,  non  me  ta- 
rnen sub  oculis  omnipotentis  justificare  audeo ;  magis  ab 
illo  effluentem  misericordiae  largitatem,  quam  judicii  sum- 
mum  examen  expecto.  $)a§  ift:  €>o  triet  ber  Sftenfdjen 
Urzeit  betrifft  ftnb  tuet  Beugen  üorljanben,  bie  mief)  fen* 
neu,  fcor  ©otte§  2tngeft$t  ift  allein  mein  ©etoiffen  genug; 
toeldjeS  ob  id)  tt>of)l  toiber  eure  $erleumbung  unerfdiroefen 
füt)re,  jebo$  barf  \ti)  mid)  felbfi  t)or  im  2lugen  be§  51U* 
mächtigen  triebt  rechtfertigen ;  triel  mef)r  erwarte  id)  im 
xää)i\ä)  flie§enben  SBrunnen  feiner  ©arm^erjigfeit,  toeber 
ba$  93erl;ör  feine§  firengen  ©ertd[)t§.  3n  biefen  ©prüden 
fielet  man  je  eigent(id),  wie  fxfy  Augustinus  in  @otte£ 
©erid)t  nicf)t  auf  feine  Unfdmlb  unb  @ef)orfam,  fonbem 
allein  auf  ©otteä  ©nabe  unb  23armf)ersigfeit  öerlä&t.  Unb 
biefe  ©prü$e  follen  im  ßlirijten  befio  lieber  fein,  barum, 
bafi  fte  alles  auf  ©otteg  Sarm^ersigfeit  fe|en.  3)aS  2öort 
©nabe  öerfalfdjen  bie  $apiften,  unb  beutend  auf  bie 
eingepflanzte  Sugenb,  2llJl)ie  aber  befennt  Augustinus 
©otteg  £ulb,  ©üte  unb  ßrbarmung,  madjt  allein  feine 
Hoffnung  t>on  ber  ewigen  ©eligfeit  gettrifj. 

Bernhardus  in  annunt.  b.  Mar.  serm.  1:  Necesse  est 
enim  primo  omnium  credere;  quod  remissionem  peccato- 
rum  habere  non  possis,  nisi  per  indulgentiam  Dei.  95or 
allem  ift  erftlid)  üonnötfjen,  baß  bu  glaubej?,   in  fönneft 


i 


319 

Vergebung  bei  Sünben  nid)t  baben,  benn  nur  burdt)  @otte§ 
93armf)eräigfett. 

Anseimus:  Verum  est,  conscientia  mea  meruit  dam« 
nationem,  et  poenitentia  mea  non  sufficit  ad  satisfactionem ; 
sed  certum  est,  quod  misericordia  tua  superat  omnem 
offensionem.  Da£  ift:  2öal)r  ift'ö,  mein  ©ennffen  I;at 
bie  $erbammnt§  üerbienet,  unb  meine  23ufie  ift  nid)t  ge* 
nug  jut  ©enugtfjuung;  aber  gettri§  ift 8,  ba$  beine  25arm* 
^erjigfeit  alle  ©dmlb  übertrifft. 

Augustinus :  Universa  enim  salus  nostra  magna  mise- 
ricordia tua.  2)aS  iji:  Unfere  ganje  ©eligfeit  fielet  nur 
in  beiner  großen  9Barmbersigfeii 

III. 

£>a§  mir  allein  um  0efu  Ctyrifti  Ceiöens  unö  (ßefyor- 
fams  nullen^  t>or  (Bott  geredjt  unb  feiig  werben. 

Diemeil  3^fu  ß&rifli  ßeiben  unb  ©efjorfam  ber  einige 
33runn  afle§  Srojieg  ifi,  barauf  ftd)  aucf)  alle  ©laubigen 
t)on  2lnfang  ber  Söelt  in  aßen  Anfechtungen,  fonberlirf) 
t>or  ©otteg  ©erid)t,  üerlaffen  Ijaben,  mären  unsäf)licf;e 
Sprühe  an^ujie^en,  barin  bie  gottfeligen  Selber  biefen 
Sroft  gezeigt  f)aben,  bamit  fxe  gleich  alle§  Serbien]?  ber 
2ßerfe  &ernidE)tiget ;  benn  ßfmfii  ©erbienft  unb  9Jtenf$en 
2ßerfe  in  ber  Rechtfertigung  mögen  nidjt  neben  einanber 
fielen.  2ßir  sollen  aber  allfrie  nur  beren  ©prüdje  etliche 
einführen,  au§  melden  ju  fel)en,  bag  bie  $atre§  allein  auf 
Gfjrifti  ©e^orfam  unb  Serbienji  ft$  üerlaffen,  unb  toeber 
in  itnen,  notf)  in  einiget  9ftenfd)en  2Berfen  fonjl  bie  Se* 
ligfeit  gefugt  2Bie  ptte  benn  Augustinus  feinen  tyxifi* 
li^en  ©tauben   unb   unfer  aller  Rechtfertigung  beutliäjer 


320 

geben  formen,  benn  ba  er  ad  Bonif.  1.  3  c.  5  fprid)t : 
Omnium  igitur  piorum  sub  hoc  onere  corruptibilis  carnis 
et  in  istius  vitae  infirmitate  geraentium  spes  una  est:  quod 
advocatum  habemus  apud  patrem,  Jesum  Christum  justum, 
et  ipse  est  exoratio  peccatorum  meorum.  J)a8  ifi:  $)a* 
tum  alle  ©ottfeligen,  fo  unter  ber  Saft  biefeö  fterblidEjen 
$leifcf)eö  unb  in  ber  ©ä)tt)adE)ljeit  biefeö  ßebenS  feufjen, 
f)aben  nur  biefe  einige  Hoffnung,  bafy  tt>ir  einen  $ürfprecf)er 
bei  bem  25ater  fjaben,  ^t\nm  (£l)rifium,  ben  ©eredjten, 
unb  ber  ifi  bk  23erföf)nung  für  unfere  <5ünbe. 

3tem  Manuale  c.  22:  Tuta  et  firma  requies  est  in- 
firmis  et  peccatoribus  in  vulneribus  saluatoris.  Tota  spes 
mea  est  in  morte  Domini  mei.  Mors  eius  meritum  meum, 
refugium  meum?  salus,  vita,  et  resurrectio  mea;  meritum 
meum  miseratio  domini.  Da§  ifi:  Sichere  unb  befiänbige 
IRu^e  Ijaben  bie  €>d)tt)ad[)en  unb  ©ünber  in  ben  2öunben 
be§  ©eligmad)er§.  2llle  meine  Hoffnung  liegt  im  %oi>t 
meine§  £errn;  fein  Job  ifi  mein  23erbienfi,  meine  3uflud[)t, 
mein  #eil,  mein  Seben,  meine  2luferfiet)ung ;  mein  23er* 
bienfi  ifi  be§  £erm  Sarmbersigfeit. 

2>tem  ad  articulos  sibi  falso  impo.:  Quod  ergo  ad 
magnitudinem  et  potentiam  precii,  et  quod  ad  unam  per- 
tinet  causam  generis  humani,  sanguis  Christi  redertiptio 
est  totius  mundi.  S)a8  ifi:  2öa§  nun  bie  ©röfie  unb 
Äraft  biefer  33esal){ung  unb  bie  eine  ©a$e  be§  ganzen 
tnenfölufren  @ef$ie$tö  betrifft,  fo  ifi  ba§  »tat  3efu  S&riftt 
bie  Srtöfung  ber  ganzen  SBelt, 

3Ufo  befennt  audf)  Epiphanius,  (£l)rifiu§  fei  feine  ©e* 
red&tigfeit :  Cum  infirmarer  ego  per  carnem,  missus  mihi 
est  salvator,  in  similitudine  carnis  peccati,  officium  tale 
implens,   ut   me   ex   Servitute  redimeret,    ex  corruptione, 


321 

ex  morte,  et  factus  est  mihi  justitia,  sanctificatio,  redemp- 
tio:  justitia  quidem  per  fidem  ipsius  dissolvens  peccata; 
sanctificatio  vero,  per  aquam  et  Spiritum,  et  verbo  suo 
liberans;  redemptio  vero  sanguis  ipsius,  dum  pretium 
redemptionis  agni  veri  pro  me  seipsum  tradidit,  propitia- 
tionem  purgationis  mundi  et  reconciliationis  eorum,  quae 
in  coelo  et  in  terra  sunt.  £>a3  ifi:  "Da  iä)  nun  f$tt)Ctd) 
toax  im  $leif$,  ift  ju  mir  gefanbt  Sorben  ber  ©eligmad&er, 
in  ber  @*fialt  be3  [anbüken  ftläfätö,  ber  foldf)eg  5lmt 
erfüllet,  ba§  er  mid?  erfaufte  tton  ber  3)ienfibarfett,  fcon 
ber  ©terblic^feit  unb  üom  2obe,  unb  ifi  nun  korben  bie 
@eredf)tigfeit,  bie  Heiligung  unb  tu  Srlöfung :  bit  ©eredj* 
tigfeit,  bamit  ba§  er  bie  Sünbe  bur$  ben  ©tauben  auf* 
löfet;  bie  Heiligung,  ba§  er  mtd)  burd)'3  2öaffer  unb  ©eifi, 
unb  in  feinem  Sßort  frei  machet;  bie  ©rtöfung  ifi  fein 
93lut,  benn  jur  23esa£)lung  eine§  ftmljrtjaftigen  ßammS  £at 
er  ftd)  felbft  für  mi$  gegeben,  freierer  ifl  ber  @nabenfiul)l, 
ber  2öelt  Reinigung  unb  ber  Serföfjnung  aüeö  be§,  fo 
im  Fimmel  unb  auf  (Srben  ifi. 

5llfo  fdjreibet  aud?  Ambrosius  1.  9  ep.  71  aller  JBelt 
©erec^tigfeit  unb  ©eligfeit  bem  Stute  %t\\x  G&rifK  ju: 
Veniens  Dominus  Jesus  peccatum  omnibus;  quod  nemo 
poterat  evitare,  donavit  et  chyrographum  nostrum  sui  san- 
guinis eftusione  delevit;  hoc  est  quod  nostrum:  supera- 
bundavit  peccatum  per  legem,  superabundavit  autem  gratia 
per  Jesum  Christum,  quia  postquam  totus  mundus  subditus 
factus  est,  totius  mundi  peccatum  abstulit,  sicut  Johannes 
testificatus  est,  dicens:  Ecce  agnus  Dei,  qui  tollit  peccata 
mundi.  2)a  aber  ber  £err  3^fu^  ?am/  fäienfet  er  bie 
&ünbt,  bie  niemanb  fonnte  metben,  aüen,  unb  tilget  un* 
fere  ^anbfd^rift  au$  burd?  bie  $ergie|3ung   feinet  93(ut& 

2L 


322 

DaS  ift,  bag  er  fymdjt:  "Die  ^üntt  ifi  mächtig  tootben 
J)ur<^ö  ©efe^,  bie  ©nabe  tji  aber  nocf)  t)iel  mädjttger  toor* 
ben  burdE)  3efum  Sfmftum;  benrt  tt>ei(  bie  gan^e  2öelt 
©ott  fdjulbig  toorben  ifi,  fo  fwt  er  ber  ganzen  Söelt 
6ünbe  fnntoeg  genommen,  wie  %ofyannt§  bezeuget  ba  er 
fpridjt:  ©iefje,  ba3  ift  ©otteö  ßamm,  ba3  ber  2öelt 
6ünbe  trägt 

Anseimus  tioill,  ba§  man  bie,  fo  in  £obeSnötf)en  ftnb, 
mit  biefen  SSorten  tröften  fott:  Age  ergo,  dum  in  te  est 
anima  tua;  ei  semper  gratias,  et  in  hac  sola  morte  Jesu 
Christi  totam  fiduciam  tuam  constitue,  in  nulla  alia  re  fidu- 
ciam  habe,  huic  morti  te  totum  comitte,  hac  morte  te  totum 
contege,  eique  te  involue.  Si  Dominus  voluerit  te  judi- 
care,  die:  Domine ;  mortem  Domini  nostri  Jesu  Christi, 
obiicio  inter  me  et  te  et  Judicium  tuum,  aliter  tecum  non 
contendo;  si  dixerit,  quod  merueris  damnationem,  die: 
mortem  Domini  nostri  Jesu  Christi  obiicio  inter  me  et 
mala  merita  mea;  ipsiusque  passionis  meritum  adfero  pro 
merito,  quod  ego  habere  debuissem  et  heu  non  habeo; 
si  dixerit  tibi;  quod  tibi  est  iratus,  die:  Domine;  mortem 
Domini  nostri  Jesu  Christi  pono  inter  me  et  iram  tuam  etc. 
Et  securus  morietur,  nee  videbit  mortem  in  aeternum. 
Dag  ifi  r  Darum  fo  lange  bie  ©eele  in  bir  ifi,  fo  banfe 
xf)m  für  unb  für,  unb  allein  in  biefem  Jobe  3efu  Sfmjli 
fef$e  beine  ganje  3ut>erftd)t,  unb  fonfi  fcerlaffe  bidj  auf 
nitf)t§,  befehle  biet;  ganj  biefem  £obe,  mit  biefem  £obe 
btbtdt  bidj  unb  üertoicfele  ganj  in  ifm.  235x11  benn  ber 
#err  bief)  rieten,  fo  fyrid):  #err,  im  £ob  unferg  £errn 
3efu  ßfmfh  fielle  icf)  gmtfcijen  mir  unb  bir  unb  bein  @e* 
ridjt,  anberer  ©eftalt  redete  id)  mit  bir  mä)t  2öofem  er 
fagt,  bu  fwbefi  bie  $erbammnifi  Derbtenet,  fo  fprid? :   Den 


323 

£ob  unfer3  £errn  %t\\x  ßfmjtt  fe£e  td)  smifdtjen  mir  unb 
mein  böfeö  Seben,  unb  feineö  ßeibenö  Serbien!?  bringe  i$ 
anfhitt  meinet  $erbienfie3,  tt)clcl)eö  id)  je  fjaben  follte  unb 
boä)  leiber  nid)t  f)abe.  ©priest  er,  er  fei  über  bief)  erjüt* 
net,  fo  fprid):  £err,  ben  Job  unferg  £errn  3efa  G&rifH 
ftelle  id?  §tx)ifdt)eri  mir  unb  beinern  3°™  *fc  Unb  alfo 
ttrirb  er  fieser  fierben  unb  ben  Xob  nirf)t  fetjen  emiglic^. 
3n  biefen  ebeln,  frönen  ©prücben  fteljet  man  eigentltd), 
mie  ade  ©ottfeHgen,  menn  fxe  oor  ©otteö  Stngeficbt  er* 
fdjienen  jtnb,  alle  if)re  3ut)cr{i^tf  Hoffnung  unb  £roft 
nid)t  auf  tf)re  Serfe,  fonbern  allein  auf  baS  tljeure  931ut^ 
Job  unb  9luferftef)ung  beö  8of)neä  ©otteg,  3efu  G&rijti, 
gefegt  ^aben,  ftrie  mir  aud?  tfmn  muffen,  mofern  mir 
fräftigen  Sroft  miber  bie  ©ünbe  unb  ©otteS  3^tn  in 
©otteö   @ertd[)t  fjaben   mollen. 

IV. 

£>af*  unfere  (Beredjjtigfeit  fiefye  in  Vergebung 
öer  ©ünben. 

2ludE)  in  biefem  $uncte  fmb  bie  lieben  QSäter  mit  un3 
einig  an  oielen  Drten,  benn  er  fleußt  au§  bem  näc^ften. 
3ft  ßfmfh  ©eljorfam  unfere  ©erecfjtigfett,  fo  muß  bte 
Rechtfertigung  in  Vergebung  ber  ©ünben  fielen» 

Ambrosius  ad  Rom.  8:  Quomodo  autem  impletur  in 
nobis  justificatio  ?  nisi  cum  datur  remissio  omnium  pec- 
catorum.  3)aö  ift:  2ßie  mir?)  bie  Rechtfertigung  in  un§ 
erfüllet?    2öenn  alle  Sutnben  »ergeben  merben. 

Hieronymus  contra  Pel.  1.  1 :  Tunc  ergo  justi  sumus, 
cum  nos  peccatores  esse  fatemur,  et  justitia  nostra  non  ex 
proprio  merito,    sed   ex  Dei  consistit  misericordia.     £>a§ 

21* 


324 

tfi:  £)ann  jtnb  toir  geredet,  toenn  Voir  unä  für  Sünber 
erfennen,  unb  unfere  @erec$tigfeit  nirf)t  in  unferm  95er* 
bienft,  fonbern  in  ©otte§  93armf)er$igfeit  flehet. 

3tem  ad  Just.:  Quod  si  quidam  justi  adpellantur  in 
scripturis,  et  non  solum  justi,  sed  justi  in  conspectu  Dei, 
juxta  illam  justitiam  adpellantur  justi,  juxta  quam  supra 
dictum  est:  septies  cadet  justus  et  resurget.  2)a3  tfi: 
Senn  in  ^eiliger  6d^rift  etliche  ©erecbte  genannt  werben, 
unb  nid)t  allein  ©erecbte,  fonbern  ©erecbte  t>or  ©otteS 
$lngejtd)t,  biefelben  derben  nad)  ber  ©eredjttgfeit  gerecht 
genannt,  na$  toeldjer  gefagt  ijfc  3>er  ©erecf)te  fällt  fteben* 
mal  unb  fielet  lieber  auf.  2öa§  ift  ba3  anberö  gerebet, 
benn  bie  ©dmft  Reißet  bie  geregt,  benen  bie  ©ünbe  üer* 
geben  jtnb.  9llfo  aud)  Epiphanius,  toie  furj  f)ieüor  ange* 
jogen  korben,  fprtdjt:  GljrijluS  fei  alfo  unfere  ©erecijtigfeit, 
ba§  er  un§  bttrd?  im  ©tauben  an  ifjn  bie  ©ünbe  auflöfet. 

2luf  bie  Sßetfe  rebet  au$  Oecumenius  in  Rom.  3: 
Justitia  Dei  est  justificatio  ex  Deo,  absolutio  et  liberatio 
a  peccatis,  a  quibus  lex  ipsa  absolvere  non  potuit.  $)a# 
ifi:  2)ie  ©erecf)tigfeit  ©otteö  ift  bie  Rechtfertigung  au$ 
©ottf  nämli$  Öoöfpredjung  unb  ©rlöfung  t)on  ©ünben, 
t)on  tt>eld)en  ba$  ©efefc  un3  nic^)t  fonnte  (oöfpredjen.  Unb 
abermal:  Quomodo  fit  justificatio?  per  remissionem  pec- 
catorum,  quam  per  Christum  consequimur.  üöie  gefcf}iel)t 
bie  Rechtfertigung?  Durd)  Vergebung  ber  ®ünben,  bie 
nnr  in  (Sfmfio  3efu  erlangen. 

Augustinus  ad  Ps.  31:  Quif  sunt  beati?  non  in  qui- 
bus Dens  peccatum  non  invenit;  nam  in  omnibus  invenit, 
omnes  enim  peccaverunt,  et  egent  gloriaDei;  si  ergo  in 
omnibus  peccata  inveniuntur,  remanet  ut  non  sunt  beati, 
nisi   quorum  remissa   sunt  peccata.     Hoc    ergo  Apostolus 


325 

sie  commendavit:  credidit  Abraham  Deo  et  reputatum  est 
illi  ad  justitiam.  Dag  ift:  9ßelci)e  ftnb  feiig  ?  9tt$t  bie, 
in  welken  ©ott  feine  ©ünbe  finbet,  benn  in  allen  finbet 
er  ©ünbe,  benn  fte  ^aben  alle  gefünbiget,  unb  mangeln 
beö  $uf?mg,  ben  fte  an  ©ott  fjaben  follten.  So  benn  in 
allen  ©ünben  erfunben  werben,  fo  folget,  ba§  bie  allein 
feiig  ftnb,  freieren  allein  bie  ©ünben  hergeben  ftnb.  3)a3 
bezeuget  $aulu3  mit  bem,  bafy  er  fpri^t:  Slbrafwm  f)at 
©ott  geglaubt,  unb  ba§  iji  if)tn  jur  ©ere^ttgfeit  geregnet 
Unb  am  anbem  Ort  de  civitate  Dei.  1.  19  c.  29:  Justitia 
nostra  in  hac  vita  potius  constat  remissione  peccatorum, 
quam  perfectione  värtutum.  J)q8  ift:  Unfere  ©ered)tigfeit 
in  biefem  öeben  fielet  t)iel  meljr  in  Vergebung  ber  ©ün* 
ben,  benn  in  2Soltfommenf)eit  ber  %ugenben. 

V. 

£>af?  tt>ir   allein   öurä)  ben  (Blauben  6ie  IDotyltfyaten 
Ctyrifti  annehmen  unb  t>or  ©ott  geregt  u>er6en. 

23on  biefem  $unct  ift  of)ne  $0$,  t>iel  3eugniffe  ber 
33äter  allf)ie  einzuführen,  bietoeil  beren  ein  äiemtidje  Stnjatjl, 
ganj  (auter  unb  f)ell,  in  ber  vierten  $rebigt  broben  ange* 
jogen  korben  ftnb;  bod)  sollen  ttur  f>ie  aud)  no$  etliche 
melben,  toeil  bie  $äbftli$en  biefen  $unct  am  ^eftigften 
anfed)ten,  ba§  bie  ©utfjerjigen  erfennen,  tt)ie  für  unb  für 
biefe  Sefjre  in  ber  Äirdje  geleuchtet  fjabe. 

Primasius:  Propositum  Dei  est,  ut  sine  operibus  legis 
vel  quibuseunque  aliis  meritis;  per  fidem  solam,  justficaret 
impios;  quae  fides  non  ex  natura ;  sed  Dei  donum  est. 
$>aö  ifi:  ©otteg  $orfa£  ift,  ba$  er  bie  ©ottlofen  ofjne 
äßerfe   beö   ©efe^eg,    unb   olme   alle  anberen  33erbienfle, 


326 

allein  burdE)  ben  ©lauben  toitl  gerecht  machen.  Stent: 
Impium  per  solam  fidem  justificat,  non  opera,  quae  non 
habuit;  si  enim  secundum  opera,  puniendus  est,  non  libe- 
randus.  2)a3  ift:  2)en  ©ottlofen  matyt  er  gerecht  allein 
burd)  ben  ©lauben,  nic&t  burd)  bie  2Berfe,  bu  er  ntcbt 
gehabt  f)at;  benn  fo  er  na$  ben^Söerfen  follte  gerietet 
toerben,  nmre  er  ju  firafen,  nidE)t  ju  erlöfen*  3tem:  Ita 
et  vobis  fides  sola  sufficit  ad  justitiam.  £>a§  ifl :  2ltfo  ifi 
aucb  eu$  allein  ber  ©laube  genug  jur  ©ered^tigfeit. 

Theodoretus  in  %  cap.  ad  Eph. :  Non  nostra  sponte 
credimus,  sed  vocati  accessimus7  et  cum  accessissemus, 
non  exigit  vitae  puritatem  et  innocentiam,  sed  sola  fide 
suscepta  condonavit  peccata.  $)a§  ifi :  2öir  glauben  nid)t 
üon  unö  felbfi,  fonbern  er  f)at  un§  berufen,  unb  atfo  ftnb 
ttrir  ju  il)m  getreten;  ba  mir  aber  ju  tf)tn  gekommen  ftnb, 
Iwt  er  nifyt  bie  fReinigfeit  be§  ßebeng  unb  Unf^ulb  ge* 
forbert,  fonbern  allein  ben  ©lauben  angenommen  unb  bie 
Smxbe  vergeben. 

Chrysostomus  in  2.  cap.  ad  Eph. :  Ex  sola  quippe 
fide  nos  salvavit,  $)aö  ift:  $)enn  allein  auö  bem  ©lau* 
ben  bcit  er  un8  feiig  gemalt. 

Silfo  fyahm  toir  nun  ©prüc&e  genug  gefübrt,  au§ 
foeic^en  flärlidj  ju  fefjen,  ba%  bie  $atre3  in  ben  £aupt< 
puneten,  barin  ber  ©trett  t)on  ber  ^Rechtfertigung  beg  ÜRen* 
fdjen  öor  ©ott  fielet,  mit  un§  einig  ftnb.  Unb  burd) 
biefe  red)tfd)affenen  Server  f)at  ©ott  ben  3rrtt)um  Origenis, 
Pelagii  unb  if)re§  ©leiten  toiberlegt,  unb  bm  £roji  t)on 
Vergebung  ber  ©ünben  in  ber  Äirdje  erhalten. 

2)urd)  bie  SRöndje  aber  unb  ©d[)ultf)eologen  ift  bie 
Ijeilfame  ße^re  t>on  ber  ^Rechtfertigung  ttneberum  t)erfälf$t 
unb  ganj  t>erbunfelt  morben.    $)enn  bamit  ifjre  ^euc&elei 


327 

befio  mein*  2tnfeben3  bei  bem  $öbel  gewönne,  fjaben  fie 
gebietet,  ba§  xi)x  ljarte3  Älofterlebert,  Saften,  23eten,  Äeuf$* 
l)eit,  Slllmofen,  ©efjorfam  unb  bergleidjen  ©ott  üerföljnete, 
©ered)ttgfeit  üor  ©ott  txmre  unb  ett)ige§  ßeben  unb  ©e* 
ligfeit  üerbienete.  Sllfo  aud)  bie  6$uttl)eologen  Scotus, 
Occam,  Thomas  Aquinas  unb  if)re§  ©leiten  l)aben  ftc^ 
mefjr  ber  $f)ilofopf)ie,  benn  ber  ^eiligen  ©djmft  befliffen; 
babur$  fte  audE)  ben  l)eilfamen  Srofi,  t)on  Vergebung  ber 
©ünben  burd)  ben  ©tauben,  verloren,  unb  bie  2ßelt  mit 
üiel  Säumern  erfüllet  l?aben.  25a  mir  nun  allfne  foüten 
anzeigen,  toie  gar  abfd)eulid)e,  grobe  unb  mannigfaltige 
3rrtf)ümer  beibe,  Wlönfyt  unb  ©d^ultfjeologen  'ttiber  bie 
apofblifdje  ße^re  üon  ber  Rechtfertigung  be§  ©ünberS  fcot 
©ott  auf  bie  23al)n  gebraut  fjaben,  motlte  e§  tuet  ju  lang 
fallen;  benn  toie  e§  pflegt  §u  gef)en,  menn  man  einmal 
üon  @otte§  2ßori  fteidjet,  alfo  l)at  ftd)  ein  3r*tl)um  na$ 
bem  anbern  angelegt;  aud)  ftnb  fte  nid)t  allein  ber  @ad;en 
uneinö  unter  tlmen,  fonbern  lehren  jum  öfternmale  ttiber* 
»artige  $)inge,  unb  ftnb  ifjnen  felbft  ftracfe  entgegen. 
£)a3  ift  aber  tf)re  Meinung  unb  ©ericbt  Don  ber  Otec^t^ 
fertigung:  Söenn  ber  9ftenfdE),  ber  in  Jobfünben  liegt, 
tfmt,  fo  triel  er  vermag  au3  natürlichen  Gräften,  atöbann 
»erbe  if)m  ©otteö  ©nabe,  i>a§  ift,  bie  Äraft,  ©ott  ju  ge* 
^orfamen,  gegeben ;  nad)bem  er  aber  bu  eingegoffene  ©nabe 
empfangen,  alöbann  fönne  er  bie  ©ebote  ©otte§  burd)au§ 
galten,  ©ott  über  alle  3)inge  lieben,  unb  bemnadE)  tterbtene 
ber  aJienfd)  burdj  feinen  ©e^orfam  ber  Sßerfe  Vergebung 
ber  ©ünben,  -fei  t>or  ©ott  gerecht  unb  üerbiene  baö  ettnge 
2eben.  T)te3  fjaben  fte  genannt:  meritum  congrui  unb 
meritum  condigni.  Jtetn:  Gratiam  gratis  datam,  et  gra- 
tiam   gratum   facientem.      £>a   nun    jemanb    fte    gefragt, 


328 

noogu  benn  (£f)rijk§  tt^dre  gefommen  unb  gefiorben,  ift 
tfjnen  ctngft  unb  bange  korben,  mag  fte  jur  2lntmort 
geben  füllten.  (5tlic|e  fjaben  gefagt,  er  fei  für  bie  Srb* 
fünbe  geftorben;  etliche:  für  bie  ©ünbe,  fo  t>or  ber  Saufe 
gefc^efjen;  etliche:  ba§  bie  etoige  ©träfe  in  geitlicf>e  t>er^ 
änbert  mürbe;  etliche:  ba§  vt>ir  ein  fcoflfommeneg  ßjempel 
ber  ©ebulb  Ratten;  Summo :  Sfmjft  33erbienfi,  Seiten 
unb  Sterben  fmben  bie  SJtöndje  unb  ©d&ultfjeologen  mit 
ifjren  Säumern  begraben  unb  unter  bie  6rbe  t>erf$arret, 
ba§  fte  ifjre  vermeinte  ©ere^tigfeit  empor  fcöben. 

$alf$  unb  unrecht  ifT3,  baS  Petrus  Lombardus  fprid)t: 
Mors  ergo  Christi  nos  justificat,  dum  per  eam  charitas 
excitatur  in  cordibus  nostris.  £)a§  ift:  "Der  %ob  (Sljrifti 
machet  un§  alfo  geregt,  biemeil  baburd)  bie  Siebe  in  un* 
fern  £er$en  ermecfet  mirb.  2>ie§  ifi  nidbt  ber  Sipofiel 
Meinung,  fonbern  ba$  un§  um  beg  lobeg  3efu  (Sfmfti 
neiden  bie  ©ünbe  »ergeben,  (£f)rifti  ®ef)orfam  ung  ^uge* 
rennet  unb  ba§  eftuge  Seben  gefdjenft  mirb.  2öie  berna$ 
Lombardus  felbft  befennt,  unb  feine  vorige  Meinung  mit 
biefen  Sorten  miberruft:  Dicimur  quoque  et  aliter  per 
mortem  Christi  justificari ;  quia  per  fidem  mortis  eius  ä 
peccatis  mundamur.  2öir  merben  au&)  auf  eine  anbere 
2ßeife  burd)  ben  lob  (Xbrijii  gerec^tfertiget,  ba§  mir  bur<$ 
ben  ©lauben  an  feinen  Job  t>on  ©ünben  gereiniget  merben. 

$)ie§  ijl  bie  rechte  fjeilfame  Sefjre  ber  $rop£eten  unb 
5lpoftel,  menn  er  nur  babei  märe  geblieben;  aber  bie  $f)i- 
fofopfna  fyat  üw  unb  anbere  irre  gemalt,  ba§  fte  immer* 
bar  auf  bie  ©eredjtigfeit  fwben  gefeljen,  bie  in  unferer 
Jugenb  ftünbe,  SDte  ©dmltljeologen  aber  finb  immer  tiefer 
in  ben  3^wm  geraden,  ba§  fte  öffentlich  gele^ret,  ber 
2Henf$  fönne  au§  natürlichen  Äräften  ©ott  über  alle  Dinge 


329 

lieben,  unb  alle  ©ebote  ©otteS  galten,  unb  bie  Jugenben, 
fo  in  bem  QKenfcfcen  leud;tetcn,  mären  bie  ©ered)tigfeit, 
bie  fcor  ©ott  gilt,  unb  ftnb  enblid)  fo  toeit  gefommen, 
i>a%  bie  2ftönd)e  öffentlich  geleitet,  ber  9Jienfd)  fönne  meljr 
ifcun,  benn  er  fdjulbig  märe,  ober  ©ott  t)on  ibm  ptte  ju 
forbern;  bertoegen  er  feine  übrigen  SBerfe  anbern  fönnte 
fcerfaufen.  2l(fo  gar  ift  bei  ifmen  bie  apofiolifdje  ßeljre 
x>on  ben  2Bo^ltf)aten  6f)rijtt  unb  Vergebung  ber  ©ünben 
erlofcfyen  unb  begraben  gewefen. 

9lu§  biefen  greufidjen,  fcerbammlicben  ftmfierniffen  ber 
Sötöncf)e  unb  Sdmltfteologen  l>at  unS  ber  treue  ©ott  ju 
biefen  3?iten  gnäbig  geführt  burd)  fein  au§em>äf)lte§  2öerf* 
jeug  iDiartinum  ßutljevum,  unb  baS  Ijetlfame  ßid)t  t>on 
Vergebung  ber  Sünben  burd)  Jefum  Gljrifium  lieber  t)er* 
t>or  leuchten  laffen,  bafür  mir  il;m  billig  in  alle  (Swigfeit 
banffagen  follen.  2Bie  aber  ber  $einb  unferer  ©eligfeit 
ju  allen  3^ten  ftd;  jum  l)öd)fien  beffiffen,  biefe  ße^re  t>on 
ber  Rechtfertigung  ju  fcerbunfeln,  alfo  Ijält  er  ftd)  feiner 
9lrt  unb  Jude  aud)  ju  unferer  biefer  legten  3^t  unb 
türmet  auS  allen  2öinfeln,  ob  er  un§  ben  t)of)en  Sroft 
nehmen  unb  in  bie  vorige  93linbf)eit  lieber  bringen  mödjte* 
$)amit  ftd)  nun  ein  Sljrift  bat)or  toifje  gu  Ritten,  wollen 
mir  l)ie  bie  $erfälf$ungen,  fo  jefjiger  3^t  im  ©dränge 
getyen,  melben,  unb  jebermann  bat>or  gemarnet  fjaben. 

3n  ben  vorigen  ^rebigten  ift  etlichemal  gebaut  roor* 
ben,  toie  bae  läfterlidf)  ßoncilium,  ju  Orient  gehalten,  biefen 
Ijoljen  Slrtifel  fo  ganj  t>erfef>re  unb  nid)t3  ©efunbeS  bat>on 
letyre;  fte  befleißen  ft$  *t>ol)l  neuer  Sorte  unb  5lrt  ju 
reben,  bie  einen  Schein  fjaben,  a\8  ftimmten  fte  mit  ber 
apoftolifdjen  ßeljre,  aber  im  ©runbe  bringen  fte  nidjtS  auf 
bie  Safjn,  toeber  ben  alten  Janb  ber  ©djultfjeologen  unb 


330 

üftönc^e.  2)enn  fte  bieten,  ber  SRenfdE)  fönne  au§  natür* 
liefen  Gräften  fidE>  felbft  jur  Rechtfertigung  bereiten ;  item, 
©otteS  ©nabe  fei  nicf)t  feine  23arml)ersigfeit,  fonbern  bie 
mitgeteilte  unb  eingepflanzte  (Äraft)  ©ott  ju  lieben;  item, 
<£fmfiu§  %tfu§  mad)e  un3  nidE)t  gerecht  mit  feinem  @e* 
fjorfam,  fonbern  i)abe  baß  tterbienet,  ba§  un§  bie  erjle 
©nabe  ftmrbe  eingegoffen;  item,  unfere  ©eredjtigfeit  bie 
t)or  ©ott  gilt,  fei  nicf)t  bie  Vergebung  ber  ©ünben,  nodE) 
ber  ©eljorfam  (Efmfit,  fonbern  unfere  Jugenb,  neue§  %&tn 
unb  ©eljorfam  gegen  ©otte§  ©ebote;  item,  ber  2Renf<$ 
t>erbiene  buref)  feine  2öerfe  ett)ige§  ßeben  unb  ©eligfeit; 
item,  ber  SRenfcf)  fönne  nid^t  Riffen,  ob  er  bei  ©ott 
in  ©naben  fei,  fonbern  muffe  immerbar  im  S^eifel 
ftefjen. 

2)a§  f)ei§t  ja  auf  einmal  ba§  ganje  ©tmngelium  t>on 
Vergebung  ber  ©ünben  gänjlid?  vertilgen  unb  Sefum  (£f)ri* 
[tum  mit  allen  feinen  2öol)lt^aten  begraben.  £>ie  graufa* 
men  Säfterungen  beö  tribentinifdjen  Goncitü  mag  man  au3 
biefen  if)ren  wenigen  SBorten  abnehmen: 

Si  quis  dixerit,  sola  fide  impium  justificari,  ita  ut 
intelligat  nihil  aliud  requiri,  quod  ad  justificationis  gra- 
tiam  consequendam  cooperetur;  et  nulla  ex  parte  necesse 
esse,  eum  suae  voluntatis  motu  praeparari  atque  disponi, 
anathema  sit. 

Si  quis  dixerit,  homines  sine  Christi  justitia;  per  quam 
nobis  meruit,  justificari,  aut  per  eam  ipsam  formaliter 
justos  esse,  anathema  sit. 

Si  quis  dixerit,  hominem  justificari  vel  sola  imputa- 
tione  justitiae  Christi,  vel  sola  peccatorum  remissione, 
exclusa  gratia  et  charitate,  quae  in  cordibus  eorurn  per 
Spiritum    sanetum    diffundatur    atque    illis   inhaereat,    aut 


331 

etiam  gratiam,  qua  justificamur  esse  tantum  favorem  dei; 
anathema  sit. 

Si  quis  dixerit,  fidem  justificantem  nihil  aliud  esse, 
quam  fiduciam  divinae  misericordiae,  peccata  remittentis 
propter  Christum,  vel  eam  fiduciam  solam  esse,  qua  justi- 
ficamur, anathema  sit. 

Si  quis  dixerit,  omni  homini  ad  remissionem  pecca- 
torum  adsequendam  necessarium  esse,  ut  credat  certo  et 
absque  ulla  haesitatione  propriae  infirmitatis  et  indisposi- 
tionis,  peccata  sibi  esse  remissa,  anathema  sit, 

Si  quis  dixerit,  hominem  ä  peccatis  absolvi  et  justi- 
ficari  ex  eo,  quod  se  absolvi  et  justificari  certo  credat, 
aut  neminem  vere  esse  justificatum,  nisi  qui  credit  se  esse 
justificatum,  et  hac  sola  fide  absolutionem  et  justificationem 
perfici,  anathema  sit.     Sessio  6.  can.  9 — 14. 

2)ag  ijt:  ©o  jemanb  fagen  mürbe,  ba§  ber  ©ottlofe 
allein  burd)  ben  ©lauben  gerecht  merbe,  alfo  gu  öerfie()en, 
ba$  nickte  anberee  geforbert  merbe,  ba$  bie  ©nabe  ber 
Rechtfertigung  ju  erlangen  mitmirfe,  unb  ba§  feineetoegg 
t)onnötf)en  fei,  ba§  ber  2ftenfcb  bind)  93emegung  feineg 
2Billen#  bereitet  unb  gefdncft  merbe,  ber  fei  öerfludjt. 

©o  jemanb  fagen  mürbe,  ba§  bie  aftenfdjen  ofme 
Gfmfii  ®erecf)tigfeit,  burd?  meldte  er  un3  Derbient  f>at,  ba§ 
mir  geredet  werben,  ober  burd)  biefelbe  formaliter  gerecht 
feien,  bau  ijt,  ba§  Glmfh  ©ef;orfam  unfere  ©ere^tigfeit 
fei,  bamit  mir  t>or  ©ott  befielen,  ber  fei  Derfludjt. 

6o  jemanb  fagen  mürbe,  baß  ber  2ftenfd)  geredji 
merbe  entmeber  allein  bmü)  3ttreci)nung  ber  ©ered)tigfeit 
G&rifh,  ober  allein  burd)  Vergebung  ber  ©ünben,  au§ge* 
fd^loffen  bie  ©nabe  unb  Siebe,  meiere  in  tf)r  «perj  burd) 
ben  belügen  ©eifl  wirb  auögegoffen  unb  in  tarnen  bleibet; 


332 

ober  meldjer  fagen  mürbe,  ba§  bie  ©nabe,  babur$  mir 
gerecht  werben,  fei  allein  bie  göttliche  £ulb  ober  ©unjl, 
ber  fei  t>erflud[)t 

©o  jemanb  fagen  mürbe,  ba%  ber  ©laube,  ber  un§ 
gerecht  mad[)t,  nichts  anbereg  fei,  benn  ein  Vertrauen  auf 
bie  göttliche  93arm^erjigfeit,  meldte  bie  ©ünbe  um  6fm* 
ftu§  mitten  »ergibt,  ober  baffelbige  Vertrauen  allein  fei  e8, 
burd)  meines  mir  gerechtfertigt  werben,  ber  fei  »erflu^t, 

60  jemanb  fagen  mürbe,  e3  fei  bem  ÜJlenfc^ert  fcon* 
nötyen,  Vergebung  ber  ©ünben  ju  erlangen,  ba§  er  gemifc 
glaube  unb  oljne  allen  Bttwfrl  fein  er  eigenen  ©djma^eit 
unb  Unmürbigfeit,  ba§  if)tn  bie  ©ünbe  »ergeben  feien,  ber 
fei  oerflucf)t. 

•So  jemanb  fagen  mürbe,  ba£i  ber  9JJenf$  fcon  ben 
©ünben  lo§  unb  lebig  unb  geregt  merbe,  barum  ba§  er 
für  gemi§  glaubt,  ba§  er  fei  t)on  feinen  ©ünben  erlebiget, 
unb  geregt  morben,  ober  ba$  niemanb  maljrfmftig  geregt 
morben  fei,  benn  allein  ber,  fo  ba  glaubt,  ba§  er  ge* 
rechtfertigt  fei,  unb  ba§  buxti)  biefen  ©lauben  allein  bie 
Stbfolution  unb  föedjtfertigung  Doöenbet  merbe,  ber  fei 
»erfludjt. 

©oüte  ji<$  bod)  ber  Fimmel  tmr  biefer  graufamen 
Öäfterung  be§  tribenttnifctjen  ßoncilii  entfern!  $erflu$en 
fte  bod)  alle  ^rop^eten  unb  Slpoftel,  ben  fettigen  ©eijl, 
3efum  Gtmjlum  unb  ben  lebenbigen  ©ott  im  £immel, 
ber  folci?e§  alles  gerebet  unb  gelehrt  f)at,  maö  bie  £eufel§* 
mäuler  oerbammen!  Wlan  fwlte  nur  bie  erfcf)recfli$e  Sä* 
fterung  gegen  ber  ßef)re,  fo  broben  meitläupg  au§  ©otteS 
2© ort  erflärt  unb  ermiefen  ijt,  fo  mirb  man  fe^en,  mie  bie 
feinte  ©otteS  alle  $)ecreta  ftracfö  miber  ©otteö  2öort  ge* 
ricbtet  fwben !   ©ott  fpridjt  felbfi  burd)  btn  2tyoftel  $aulum 


333 

Oiöm.  3:  Sie  ftnb  alljumal  ©ünber,  unb  werben  o^ne 
$erbienft  gerecht  auS  feiner  ©nabe,  bur$  ixt  (Srlöfung, 
fo  burd)  3efum  ßljriftum  gef$el)en  ijl  k.  "Dagegen  flu* 
cfjet  baö  Goncilium:  2ßer  ba  fagt,  bag  toir  of)ne  ©er* 
bienfi  gerecht  werben  burd)  ©otteS  39armf)er$igfeit,  ber  fei 
t>erfluci)t. 

©ott  fpricbt  burd)  ÜJiofen  1  9ftof.  15,  unb  $aulum : 
Slbraljam  f)at  ©ott  geglaubt,  unb  ift  ilmt  jur  ©erecfctigfeit 
gerechnet,  dagegen  läßert  iaS  l)eibnifd)e  trtentifdje  (Jon* 
citium:  2öer  t>a  fagt,  ba$  ber  9ftenfd)  bur$  bie  3urecf)« 
nung  ber  @ered)tigfeit  6(;rifti  geregt  nwbe,  ber  fei  t>erflud)t. 

©ott  fprid^t  abermal  burd)  3^^anne§  ben  Säufer 
3of).  3:  2öer  an  ben  <Sofm  glaubet,  ber  f)at  baS  ewige 
ßeben;  wer  an  ben  ©o^n  nid)t  glaubet,  ber  toirb  ba8 
ßeben  nicbt  fef)en,  fonbern  ber  3^rn  ©otteö  bleibet  über 
tfjm  emigltd).  Stent  1  3of).  5:  2ßer  ©ott  nidjt  glaubet, 
ber  mad;et  i^n  jum  ßügner.  £>att)iber  flutet  ba$  teuf* 
lifd^e  (Eoncilium:  ©o  jemanb  fagen  mürbe,  ba§  jur  ©e* 
redjtigfeit  nötf)ig  fei  ju  glauben,  ba$  unS  ©ott  bie  ©ünbe 
vergeben  fjabe,  ber  foüe  uerfludjt  fein.  2Ber  toill  benn 
länger  baran  jmeifeln,  baß  nid)t  ber  fjeilige  ©eift,  fonbern 
ber  leibige  Jeufel  au$  ber  $oUt  baS  läjlerlidje  ttibentifdjje 
ßoncilium  regiert  unb  gefü^ret  l)abe!  3>enn  fte  mit  ob* 
gefegten  3rrtf)ümern  bie  ganje  Religion  auf  einmal  rein 
aufgeben,  ©ott  im  Fimmel  ßügen  jlrafen  unb  t>erf(ud)en, 
ben  betrübten  ©erciffen  allen  Xrojt  nehmen,  ni$t3  benn 
fjeibnifdje  23linbf)eit,  epicurifcbe  Si$erl;eit  unb  enbltd)  oer* 
bammlidje  aSerjtoetffung  lehren. 

$lod)  fdjämet  ft$  nidjt  ber  l)etlofe  9Ramt>  iO^arttnuö 
Gifengrein,  foldje  erfd&recfltdje  ßügen  unb  ©otteStäjkrung 
beö   trientif^en    Goncilii   unter   fein   ©ewiffen   in   feinen 


334 

Säfierprebigten  ju  befdt)ömgen  unb  mit  neuen  färben  an* 
$uftreicf)en*  6r  {)eudf)elt  bem  2lnticf)rifl  ju  9fom  unb  fcbmä* 
bet  ben  lebenbigen  ©ott ;  er  fjofteret  ben  $einben  ©otteö,  I 
unb  beraubet  bie  ifjreg  SrofteS,  bie  Sbrijtug  mit  feinem 
93Iut  erfauft  fjat;  er  läfiert  um3  23aud)e3  nullen,  um  eine 
$anb  öoll  ©erften,  um  eine  feifte  *Prä(atur,  unb  tterfdjerjt 
(eine  etoige  ©eligfeit  £>arum  feien  bie  gutherzigen  Sbriften 
uor  be§  2Ranne§  ©Triften  getoamei  2tnfang§  üerfieüt  er 
ficf)  in  einen  ®ngel  be§  ßic^tö,  tt>ettf)e§  er  öom  93ater  ber 
Sügen  gelernet,  rübmet  ©otte§  ©nabe  unb  S^rifii  35er* 
bienft;  aber  enblidj  lenbet  er  ftd^  balnn,  ber  9ftenf$  toerbe 
burcb  feine  2ßer!e,  35u§e,  SReue,  Seilte,  ©enugt^uung  unb 
©eborfam  geregt,  gaufeit  atfo  mit  ©otteS  2öort,  ifi  iljm 
felbfi  jumiber  unb  fpottet  ©otteS  im  £immet  unb  ber 
ganjen  (Sfjriften^eit  63  gilt  nichts  bei  bem  fjeiflofen  üftann, 
ba§  Paulus  fagt  ©aL  2:  2B  erben  ttrir  bur$  bie  Sßerfe 
geregt,  fo  ifi  SfmftuS  oergeben§  gefiorben*  2öiber  bieg 
3eugni§  beö  beiligen  @eifie§  hoffet  er  bie  Öeute  ju  bereben, 
bafj  mx  jugleicb  burd?  (£f)riftum  unb  burdr)  unfere  Sßerfe 
geregt  werben.  S)a§  aber  biefer,  beö  Sifengreing,  93etrug 
falf$  unb  bem  2ßorte  ©otte§  smxuber,  ifi  broben  in  etli* 
<f)en  $rebigten  Reiter  unb  War  bargetban,  ßineS  ©cf)lagg 
finb  aud)  Tapperus,  Lindanus ;  Andradius,  Canisius,  Tor- 
rensis,  unb  ber  Apostata  unb  Neophytus  in  beö  $abfi£ 
©pnagoga,  (Safyar  $rancf, 

$)ie  2ßiebertäufer  finb  ben  $äbfilicf)en  nid)t  fafi  toeit 
in  obgebad)tem  Jrrifmm;  benn  fte  ifjre  ©ered)tigfeit  unb 
©eligfeit  öor  ©ott  nid)t  burd)  bm  ©lauben  an  Sljrifium, 
fonbem  in  if)ren  f)eud)lifcf)en  Sßerfen,  angemaßter  £eüigfett 
unb  eigenem  ÜKut^noiQen  obne  ©otteS  SBort  fudpen,  finb  niä)t 
beffer  toeber  bie  9DWnd)e,  nur  ba%  fte  ni$t  Wappen  tragen. 


335 

2Iu$  \)<xt  Osiander  ju  unfern  Seiten  einen  föbrlicfjen 
(Streit  oon  ber  {Rechtfertigung  erregt,  unb  öffentlich  oorge* 
geben:  Jöeber  bie  Vergebung  ber  ©ünben,  nod)  ber  ©e* 
^orfam  %t\u  (H)rifli  ttmre  unfere  ©erec^tigfeit  oor  ©ott, 
fonbern  bie  toefentlicfje  ©ered)tigfeit  ©otteS,  fo  in  un$ 
too^nete,  unb  un§  machte  redE)t  tf)un,  toäre  unfere  ©eredf)* 
tigfeit,  bamit  tt>ir  oor  ©ott  beftünben.  Unb  jur  93efdE)ö* 
nigung  biefeS  3rrtl)um3,  melier  benn  im  ©runb  päbftlidE> 
getoefen,  f)at  er  ni$t  allein  bie  ©prüc^e  $auli  SRötm  3 
unb  4  mißbraucht,  fonbern  aud)  bie  2ef)re  $au(i  gän§Iidf) 
t>erfä[fd;t  unb  t)erfef)ret  SDafj  nun  ber  3ntf)um  Osiandri 
unrecht  unb  bem  2Bort  ©otteS  suttriber,  ift  mit  biefem 
©runbe  fiattlidE)  unb  untt>iberleglidj)  ju  bereifen.  $aulu3 
bezeuget  föötm  3,  ba§  unfere  ©rrec^tigfeit,  bie  oor  ©ott 
gilt,  obne  Butfmn  beö  ©efe|e§  fomme,  unb  mit  bem  ©e* 
fefce  nid)t  fiimme;  ha§  ©efe|  tjt  mdjt  be3  ©laubeng,  fprid)t 
er  ©al  3.  SDie  toefentlidje  ©eredjtigfeit,  fo  Oslander  ge* 
lehret,  ftimmt  allerbing§  mit  bem  ©efefc,  unb  ift  nidE)t 
obne  bae  ©efefe,  fonbern  Diel  ber  Urfprung  beffelben; 
barum  ifl  unmöglid),  ba$  toir  nad)  ber  Se^re  $auti  burd) 
bie  toefentlidje  ©ered)tigfeit  ©otteö  oor  ©ott  geregt  derben* 
£>a#  fei  genug  jur  Söarnung  toiber  je|$tgebad)ten  3*rtf>um; 
benn  toer  bie  ßefjre  in  ben  vorigen  ^rebigten  t)on  23erge= 
bung  ber  ©ünben  re$t  ftrirb  erfragen,  ber  nnrb  SeridjtS 
unb  ©runb§  genug  finben,  toie  bem  Dftanbrifc^en  ©$tt)arm 
mit  ©otte§  ©ort  ju  begegnen. 

2e|tli$  ift  aud)  ber  ^eilfame  Strtifel  tton  unferer 
(Rechtfertigung  t)or  ©ott  burd)  Georg  Major  mit  Setrübung 
ber  Ätrdje  unb  Seüxnrrung  vieler  ©etoiffen  t>erbunfelt  unb 
öerfcüfc&t  korben,  als  ber  jur  3^it  be§  leibigen  3nte.rim8 
bie  päbfllidje  propositiones:   ©uteSöerfe  fi  nb  nöt^ig 


336 

$ur  ©engfeit,  unb:  niemanb  i fl  jemaU  ofjne 
gute  SB  er  f  e  feiig  korben,  unb:  e3  i  fl  unmög* 
Hdj,  ba$  jemanb  of)ne  gute  2öerfe  fetig  werbe, 
nic^t  allein  auf  bie  23afm  gebraut  bat,  fonbern  au$  mit 
großem  Ungeftüm  tmtfjeibiget,  unb  bis  auf  ben  heutigen 
Sag  nod)  ntd^t  wiberrufen,  no$  al£  fd^äblicf)  ber  Äir$e 
verworfen. 

Sfluß  berwegen  meine  3ut)örer  unb  gottfetige  #erjen 
t)or  folgern  ©ift  aud)  tarnet  unb  i^r  follet  betbeS  wiffen : 
Srfllici),  baß  bie  oorgefeijten  $iebm  Majoris  an  ftd)  felbft, 
tt)ie  fte  lauten,  irrig,  falf$  unb  ber  ÄirdEje  fctjäbticij  ftnb; 
benn  fte  ftnb  bm  ©orten  $auli  $öm.  3:  <5o  galten  wir 
H  nun,  ba§  ber  9ttenfd[)  ol)ne  2öerfe  b?3  ©efeijeS  t>or  ©ott 
geregt  werbe,  allein  burd)  ben  ©tauben;  item,  9töm.  4: 
$)em  aber,  ber  m$t  mit  SBerfen  umgebet,  glaubet  aber 
an  ben,  ber  ben  ©ottlofen  geregt  machet,  wirb  fein  ©taube 
jur  ©eredjtigfeit  geregnet  it.,  flracfö  juwiber.  ßubem 
rauben  fte  ßfmfto  feine  göttliche  (Sfjre,  al$  fei  er  ntd^t 
allein  mit  feinem  93erbienf!  unfere  ©ered)tigfeit  unb  ®e* 
ligfeit,  fte  üerfleinern  ©otteä  unauöfpre$li$e  Sarm^erjigfeit, 
fte  üerbunfeln  btn  tlnferfcftieb  swifdjen  bem  ©efe§  unb 
ßtwngelio,  fte  machen  bm  %xo\t  t)on  Vergebung  ber  €ntn* 
btn  unb  ewiger  ©eligfeit  an§  ©naben  ungewi§,  unb  trei* 
ben  enbli$  bie  belabenen  unb  ^agtjaften  ©ewiffen  $ur 
Verzweiflung;  berwegen  fte  feine^wegö  in  ber  $irdE)e  ju 
gebulben,  fonbern  öffentlich  ju  t>erbammen*  2Bie  benn 
bie  9tyoflel  felbft  in  it;rem  ßoncilio,  Styoji.  15,  bie  falfcfce 
ße&re,  ba%  gute  SBerfe  jur  ©eligfeit  nötf)ig  wären,  in  bem 
^eiligen  ©eijl  verworfen  unb  öerbammt  ^aben, 

$üx$  anbere  ift  aueb  ju  wiffen,  ba§  bie  mancherlei 
©loffen  unb  ^Deutungen,   fo  t)on  Majore  unb  feinem  %n* 


337 

f)ang  erbaut  werben,  bie  läfiertidjen  Proposition:  ©ute 
SSerfe  ftnb  nötf)ig  jur  ©eligfeit,  ju  bemänteln 
unb  ju  befd)önigen,  mit  nieten  beftetjen,  no$  mit  ®otte§ 
2öort  ftimmen,  fonbern  iRebe  unb  ©loffen  äugteid)  ju  t)er* 
werfen  ftnb.  Da§  man  proteftirt,  bie  Sßerfe  feien  fein 
23erbienft  nocb  Urfacfje  unferer  ©eligfett,  man  roolie  bie 
SRebe  batjin  nid)t  gemeint  ^aben,  fyat  wof)t  feinen  2ßeg. 
Dieweil  e§  aber  unmöglich  tfi,  ba§  SÖerfe  unb  23erbienft 
im  £anbel  ber  Rechtfertigung  t)on  einanber  gefdE)ieben  wer- 
ben, barum  ba§  ©ott  im  ©efe£  ben  Sßerfen  ba§  ewige 
Seben  t)erfprod)en;  bafjer  aucf)  $aulu§  fpridjt:  Dem,  ber 
mit  Jöerfen  umgebet,  Wirb  ber  ßofnt  niä)t  au§  ©naben 
zugerechnet,  fonbern  au§  $flicf)t;  fo  fnlft  bie  Protestation 
gar  wenig,  öielme^r  folget  notfjwenbig:  jtnb  bie  2öerfe 
nötfng  jur  ©eligfeit,  fo  ftnb  fte  etlicberma^en  Serbienft 
unb  Urfacf)  berfelben,  unb  wirb  ba§  #erj  ia§  Vertrauen 
auf  jte  fegen  wollen.  2öenn  aber  gleidE)  je|tgebacbte  iRebe 
ben  Sßerftanb  t>om  Serbienjt  nid)i  mit  ftdj  brächte,  fo  ftnb 
bod)  bie  anberen  Deutungen  aucf)  falfd)  unb  unrecht;  al§, 
ba§  man  ©erecfjtigfeit  unb  Seligkeit  in  biefem  2lrtifel 
trennet,  ifi  wiber  $aulum,  welker  auf  einerlei  Söeife  öon 
ber  ^Rechtfertigung  unb  t)on  ber  ©eligfeit  rebet.  5Röm.  4 : 
Dafcib   fprid)t,   ba§  bie  ©eligf  eit  fei  allein  beS  2Renf$en, 

I  welkem  ©ott  zurechnet  bie  ©ered)tigfeit,  ofjne  3tttf)un  ber 
2öerfe.  3tem  Spf)-  2,  ba  er  eigentlich  öon  unferer  iRedjt* 
fertigung  fjanbelt,  fpridijt  er:  Denn  au§  ©naben  feib  tf)r 
feiig  worben  burdE)  ben  ©lauben,  unb  baffelbige  nidE)t  au3 

|  eud),  ©otte§  ©abe  tji  eg,  nidE)t  au§  ben  SKerfen,  auf  ba§ 
ftdE>  ni$t  jemanb  rüfjme,  SBie  er  ju  ben  SRömern  unb 
©alatern  gefagt:    D^ne  2öerfe  werben  wir  geregt,   alfo 

;fprid)t  er  f)ie:  Dirne  SBerfe  werben  wir  fettg.    Dafj  etliche 

|  22 


338 

üortoenben,  ber  ©laube  unb  bie  ©eligfeit  mürbe  burcf)  bie 
guten  Qßerfe  ermatten  unb  beförbert,  ifi  aud)  ein  Ungrunb. 
betrug  fpri^t  1  $et.  1 :  Die  if>r  auS  ©otteg  2TCa$t  burd) 
t>m  ©lauben  hmafyxä  werbet  jur  ©efigfeih  Die  2öur§el 
be£  ©laubeng  trägt  t)ielmef)r  bie  ^rüc^te  guter  SSerfe,  bie 
2öerfe  aber  tragen  ben  ©lauben  nid)t,  jtnb  toiber  iaS 
©ennffen,  flogen  ben  ©lauben  unb  ©eift  au§,  unb  t)er* 
f)inbern  bie  ©eligfeit;  aber  ©otteS  ©nabe  unb  ber  ©eifi 
(Efmfti  ofme  unfere  2ßerfe  erhalten  unb  bettmbren  ba§  (Srbe 
ber  ewigen  ©eligfeit 

Slbermal  geben  etliche  t>or,  bie  guten  2öerfe  feien  je 
ein  £f)eil  ber  ©eligfeit,  unb  bemnacf)  aud)  jur  ©eligfeit 
nötbig,  als  otjne  noetdje  fte  ntdjt  befielen  fönne.  9(ber 
bieg  ©löglein  f)ält  ben  ©tidj  fo  toenig  als  bie  vorigen. 
$aulu3  bereifet  au£  bem  $falm  3)amb8,  ba§  ber  ÜRenfcfc, 
ber  nur  Vergebung  ber  ©ünben  fjabe,  t>or  ©ott  gerecbt 
unb  feiig  fei:  ©elig  finb  bie,  toeldjen  i&re  Ungered^tigfeiten 
vergeben  finb,  unb  beleben  ifjre  ©ünben  bebeefet  ftnb/ 
©elig  ift  ber  2Rann,  ix>elct)em  ©ott  feine  ©ünbe  jure^net 
2öaf>r  ijTS,  toenn  ber  SKenfcf)  ofme  2öerfe,  allein  burd) 
ben  ©lauben  ttor  ©ott  tn  (£f)rijlo  3efu  au£  ©naben  ge* 
reefvt  unb  feiig  toirb,  afö  toirb  er  aud?  erneuert,  empfäfjet 
hm  ^eiligen  ©eijt,  meiner  in  if)tn  neuen  ©efjorfam  an* 
fäf)et;  aber  er  ifi  fd)on  üor  ©ott  geregt  unb  feiig,  al* 
lein  in  (Elmfio  3efu>  ftflew  burd)  ben  ©lauben  obne 
2Berfe,  unb  ef)e  bie  Stütze  ber  guten  2öerfe  ftc^>  fjerüor 
tfjun  fann;  unb  ba$  ©etoiffen  im  Äampf  tnu§  allein 
auf  ©otteg  ©nabe  unb  S^rifti  ©e^orfam  fef)en,  bar* 
auf  berufen,  ob  e£  gleid)  nodj)  feine  gute  2öerfe  em* 
pftnbe* 

SKMeberum  toirb  aud?  biefe  ©Joffe  geführt:   (Buk  2öerfe 


339 

feien  nötfjig  jur  ©eligfeit,  als  ^rürf)te,  bie  bem  lebenbigen 
©hüben  folgen  muffen.  2lber  ein  t>erfiänbiger  Sfjrifl: 
merft  tx>of>{,  ba§  foldje  Cftebe  nid)t  allein  ttüber  bte  Ijeilige 
©cftrift,  fonbern  aud)  toiber  bie  Vernunft  ifi.  2Ba3  ju 
einem  3)mg  nötf)ig  ijl,  mu§  t>or  ober  jugleid;  ba  fein, 
unb  nidbt  erji  bernad)  folgen.  fRiemanb  fpridbt :  bie 
grüßte  finb  nötfng  jum  Saum,  bie  5irbett  i|t  trotzig  jum 
9ftenfd)en,  fonbern:  ber  93aum  ifi  nöt^ig  §u  ben  tfrücf^ten, 
unb  ber  Sftenfd)  jur  Arbeit;  alfo  ift  @ered)tigfeit  unb 
©eligfeit  in  Sl)rijto  bem  9ttenfd)en  nötlng,  ba§  er  möge 
©ute§  ifmn.  2)emnad)  toill  gemelbete  Deutung  ni$t 
$arbe  galten. 

Die  bann  aud)  fprecben:  Bona  opera  sunt  causa, 
sine  qua  non,  salutis,  gute  SBerfe  finb  nur  ttvoag,  o^ne 
toeldjeö  bie  Seligfeit  bem  2ftenfd)en  nid)t  toib erfahren  mag, 
irren  fid)  toext,  unb  fireiten  tt)iber  ben  Sipofiel  $aulum 
unb  gange  ^eilige  ©d&rift,  roeldje  au§brücflid)  lehret  unb 
jeuget,  wie  in  ben  vorigen  Cßrebigten  mit  fattem  ©runb 
erliefen  ift,  baf$  ber  9ftenfd)  ofme  Serbien  jt,  unb  ofjne 
alle  Sßerfe  au§  ©naben  in  6f)riüo  3efu,  allein  burd)  bm 
©tauben,  t)or  ©ott  gerecht  unb  feiig  toerbe;  unb  finb  bie 
guten  2Berfe  fo  gar  nid)t  nötlng  jur  Seligfett;  ba%  ber 
9Kenfd)  burd)  (E&rifhim  im  ©hüben  tx)a^rf;aftig  üor  ©ott 
gerecht  unb  feiig  tvixb ,  wenn  gleidj  überall  fein  gute§ 
2öerf  oorf)anben  ifi,  ober  je  ba§  ©etoiffen  fein§  finben 
fann,  fonbern  eitel  Sünbe  ftebet  unb  füllet;  nid)t  ba$ 
ein  SRenfd),  ber  in  Sünben  trüber  ba§  ©eftuffen,  al§ 
Abgötterei,  falfdjer  Öe^re,  £urerei,  (Jfjebrud)  2c.  lebet  unb 
fortfahret,  fönne  glauben  unb  gerecbt  fein,  fonbern,  toenn 
ber  Sünber  fid)  ftmf)rf)aftig  ju  ©ott  befetjret  unb  an  3'e* 
fum  Sfjrtflum  oon  £er§en  glaubet,   erlangt  er  Vergebung 

22* 


340 

aller  ©ünben,  bte  vorigen  ©ünben  n>iber  ba$  ©emiffen 
unb  alle  ©3)tt)a$f)eiten  werben  jugebecft  unb  mit  bem 
23lute  (£f)rifti  abgemafdEjen,  unb  menn  glei$  fein  gutes 
2öerf  t)orl)anben  ijl,  mie  ber  ©cpdjer  am  Äreuj,  ber 
Böllner,  bie  ©ünberin  in  if)rem  ©emtffen,  ba  fte  üor 
©otte§  9lngeftd)t  fielen,  ni$t  bie  gertngfte  Satgenb  bei 
i^nen  pnben  !önnen;  benno$  ttrirb  ber  2Renf$  t>or  ©ott 
geregt  unb  feiig,  ber  an  ©ott  glaubet;  benn  er  mirb 
angezogen  mit  bem  ©eborfam  unb  ©eredjtigfett  3efu 
ßlirtfti.  Der^alben  foll  fein  SftenfdE)  auf  (Srben  oerjagen 
feiner  Unreinigfeit  ober  Unftürbigfeit  falben,  fonbern 
jebermann  foll  Riffen,  ba§  %c\\x§  S^rijiuS  allein  un* 
fere  üöllige  unb  üollfommene  ©erecfetigfeit  unb  ©eügfeit 
fei 

2llfo  l)aben  mir  nun  bi§^er  in  biefer  $rebigt  üer* 
melbet,  mie  unb  burd)  meiere  t)on  Slnfang  ber  Seit  bis 
auf  unfere  3*ü  ber  Slrtifel  Don  unferer  Rechtfertigung  fcor 
©ott  fei  tterbunfelt  unb  t)erfälfd)t  toorben,  üor  melden 
3rrtt)ümern  unb  Corruptelen  (9Serfätfd?ungen)  ein  gottfeli* 
geä  £erj  fief)  l)üten  foll;  caxü)  buref)  meiere  3Berfjeuge 
unb  treue  ßefjrer  ber  fromme  ©ott  ber  Äeijer  3rrtt)ümer 
miberlegt  unb  jurücf  getrieben,  bk  emige  2öabrf)eit  aber 
unb  t)tn  fjeitfamen,  nötigen  Srofi  üon  Vergebung  ber 
©ünben  für  unb  für  in  ber  $ird?e  offenbaret,  nueberfjokt, 
erfläret,  erhalten  unb  t>ertf)eibiget. 

2)er  allmächtige  unb  treue  ©ott,  fo  unS  au§  ©naben 
feinen  ©olm,  Jefum  (£l)riftum,  gefcfjenft,  ba%  mir  burdE) 
i^n  ber  ©eligfeit  tt)eill)aftig  mürben,  bemaf)re  un3  gnä* 
bigli$  burd)  feinen  ^eiligen  ©eifi  üor  allerfei  Srrtbümern 
unb  $erfalf$ungen,  erleuchte,  lefjre  unb  bemabre  unö  in 
feinem  fjeüfamen  2Bort,   auf  ba§  mir  unfere  Sünbe  unb 


341 


Unreimgfeit  aüejeit  bemütfnglicf)  t>or  ifjrn  befennen,  alle 
unfere  3ut>erfxcf)t  allein  auf  feine  gtunblofe  23atmf)et* 
jigfeit  uub  auf  t>m  ©nabenfiuf)!,  3efam  (£f)rifhun,  fe|en, 
unb  alfo  burcf)  ifjn  o^ne  Serbienfi  in  rechtem  ©lauben 
bie  ©erecf)tigfeit,  eteige  Jreube  unb  Seligfeit  erlangen. 
2lmen. 


|ie  jedttte  flreMgt 

SBiberlegnng  ber  jjcföfilidjen  Ungrimbe,  bamtt  fic  bie  ©e= 

red)iigfett  iwr  ©Ott  au§  ben  Serien  be§  ©efe^eS 

toermeüten  p  erhalten. 

2mcf)t  allein  ben  Sehern  gebübref  §,  ba§  fte  natf)  Ijetffamet 
Untemmfung  ber  3ul)örer  üon  allen  Slrtifeln  beö  d^riftttd^en 
©taubenS  ben  fallen  ©eiftern  unb  $erfüf)rem  ba§  üftaut 
fbpfen,  unb  tl)ren  üermeinten  ©$ein  au3  re^tem  ©runbe 
göttlichen  SBortS  ftnbertegen,  fonbern  aud)  alle  anbeten 
(£l)rij?en,  fo  nic^t  jum  Sefjramt  berufen  ftnb,  fotlen  mit 
folgern  $teif$  unb  (grnfl  @otte§  2Bort  lernen,  ba§  fte  nidjt 
allein  bie  gemeinen  £au:ptartifel  siemli(f)erma§en  t>erftef)en, 
aud)  au§  göttlicher  ^eiliger  ©djrift  emeifen  unb  feften 
©runb  tt)re3  ©laubenS  anzeigen  fönnen,  fonbern  and)  fo 
tnel  immer  möglich  unb  ©ott  ilmen  23erftanb  unb  ©nabe 
t>erleil)et,  barnacb  txaä)kn,  bafj  fte  benen  bie  fi$  ©otteS 
SSortS  niebt  weniger  atö  mir  rühmen,  unb  iljre  üerfü^rtfe^e 
SKetnung  mit  ben  3eugniffen  ber  Sdbrift  bef^önigen  sollen, 
Hdjtig  antworten  mögen,  tljre  llngrünbe  überlegen  unb 
bie  Söaln'beit  üertfjeibtgen  mögen.  60  ijt  tool)l  nidf>t  tt>e* 
niger,  toer  nur  einfältig  hü  ben  2lrtifeln  beä  d)rifiltd)en 
©laubeng,  bei  bem  lieben  (£ated)i§mo  unb  bei  bem  ein* 
fältigen,  lauteren  25erfianbe  ber  ^eiligen  ©ebrift  befiänbig 
beharret,  ob  er  gleich  bie  liftigen  unb  üemurrten  ©egen* 
toürfe  ber  SBiberfa^er  nid^t  alle  tr>eig   abzuleisten,  no$ 


343 

ifjnen  ba§  ÜJiaui  ju  fiopfen,  fo  ift  er  bo$  feiner  ©eligfett 
gen)i§ ;  benn  fein  ©laube  beruhet  einfältig  auf  bem  SBort 
Cbrifii  3of).  3:  2Ber  an  ben  ©of)n  glaubet,  ber  wirb 
nid)t  gerietet  9tud)  ifi'ö  eine  befonbere  unb  fjotje  ©abe 
©otteg,  ba§  man  bie  ©eifter  fönne  unterfc&eiben ,  unb 
nid)t  allein  bie  2Baf)rf)eit  t>ertf)etbtgen,  fonbern  aud)  bie 
Srrtfcümer  unb  ©erfalfdjung  auö  @otte§  2Bort  nnberlegen; 
tteldje  ®aht  ntd^t  einem  jeben  Sfmften  in  gleicher  StRaße 
unb  ©ejlalt  gegeben  toirb.  £>od)  foll  ü)tn  ein  iebweber 
Gbrift  fold)eö  ernftltd?  angelegen  fein  (äffen ,  ©ott  fleißig 
birum  anrufen,  auf  bie  täglichen  $rebigten  befto  größer 
2ltf)tung  geben,  ba§  er  naef)  bem  9ftaß  feiner  ©aben  fo 
t)iel  lerne,  baß  er  etlicfyermaßen  aud)  ben  SBerfü&rern  ober 
tterfüfnten  Sänften  mit  @otte8  SBort  begegnen  möge; 
toelcbeö  benn  baju  f)od)bienfllicf),  ba§  man  hm  ©runb 
unfers  ©lauben§  befto  reichlicher  t>erfief)et,  hen  betrug  be§ 
leibigen  Satans  befto  leidster  meiben,  audj  etliche  t>erfüf)rte 
einfältige  #erjen  ttneberum  gettoinnen  unb  jurec^t  bringen 
mag. 

Db  bann  aud)  gleich  ber  $etnb  ber  2öabrf)eit  feine 
Jrrifmmer  unb  $erfübrung  mit  großer  ßift  meiß  Iperüorju* 
bringen,  mit  f)übfcben  färben  ju  fd)mücfen  unb  ©otteö 
2öort  ju  öerfe&ren,  bamit  er  benn  bie  Ungeübten  balb  irre 
macbet,  fo  fwben  bodb  bie  ßfjriflen  einen  großen  93ort&eü 
in  folgern,  namlid),  bay  ber  liebe  Sated)iömu§  genugfam 
i|l  ju  Söiberlegung  ber  Jrrtfjümer;  ftntemat  barin  alle 
nötigen  Slrtifel  auf§  flarfte  oerfaßt  ftnb,  unb  er  in  ©otteS 
2Bort  aufö  gettmltigfle  gegrünbet,  barum  au£  bem  &ate* 
dnämo  allen  ^Rotten  ftattlid)  ju  begegnen,  ßubem  ift  bie 
^eilige  Sdmft  f)ell  unb  lauter,  baß  fte  audj  oon  bem  aller- 
einfältigften  9ftenfd)en  mag   oerftanben  werben,  Vx>er  nur 


344 

bie  Sprüche  beö  alten  unb  neuen  £efiament§  in  ©otteö* 
furcfjt  erwägt  Ueber  ba§  l)aben  wir  gläubige  (£f)riflen 
jum  fjoben  Seifianb  bm  ^eiligen  ©etfl,  welker  aüen  93e* 
trug  unb  ßiji  aller  JRottengeifler  offenbar  unb  ju  <Scf)anben 
machet,  bagegen  regten  93erflanb  geigt  btä  göttlichen  JöortS, 
mit  meinem  ©djwert  be§  ©eifieg  alle  Sügen  be§  leufel? 
gefcE)iagen  unb  wiberlegt  werben.   Spf).  6. 

2)a§  wir  nun  fneju  eine  giemlidje  Anleitung  geben, 
aucf)  bartfmn,  ba$  nifyt  allein  wir  fatten,  flarfen,  unwibeo 
leglicfjen  ©runb  fwben  unferer  ße^re  unb  Sefenntnifj,  bo§ 
ber  Sftenfdj  nur  au§  ©naben,  t>on  wegen  be#  93erbienfte8 
3efu  (grifft,  allein  burdj  btn  ©lauben  öor  ©ott  gerecht 
werbe,  fonbern  and),  ba$  unfer  2Bibert(;eil  im  $abfttlmm 
überall  feinen  Schelf  nod)  ©djein  fyabt  feine§  3^um§, 
ba§  ber  9Jtenf$  burdE)  bie  Serfe  oor  ©ott  fotlte  geredet 
fein,  unb  ba%  oon  ifjnen  bk  <Sd)rift  nur  t>erfef)ret  unb 
freoentlid)  angezogen  wirb,  fo  wollen  wir  mit  ©otteS 
#ülfe,  jum  93ef$lu§  biefe§  2lrtifel§  t>on  ber  ^Rechtfertigung, 
bie  öornefjmfien  ©egenwürfe  ber  2öiberfa$er  richtig  au3 
©otteö  2Sort  ablehnen  unb  jeigen,  worin  bei  ifwen  ber 
&e$l  fei. 

Stuf  §  erfie  werfen  nnS  bie  $äbfili$en  t)or  bk  Sprühe 
beö  ©efe|e$,  in  welken  unfer  ©eborfam  unb  gute  2öerfe 
ernftlidE)  geforbert,  unb  benen,  fo  ba§  @efe£  galten,  baS 
ewige  Seb.cn  oerf)ei§en  wirb,  als  ba§  9ttofe§  fpridE)t  3  Üftof. 
18:  3for  follt  meine  ©a^ungen  galten  unb  meine  (Rechte; 
benn  welker  9ftenfdE)  biefelbige  tfyut,  ber  wirb  babureb 
leben.  %km  £efef.  20:  3$  9Ö&  ^nen  meine  ©ebote 
unb  leitete  fte  meine  $e$te,  burdE)  welche  lebet  ber  äftenfcf), 
ber  fte  $&%  3tem,  S^riftuS  Wlattf).  19:  SBittfl  bu  jutn 
Seben  eingeben,  fo  f)alte  bie  ©ebote.    3*em  Suc.  10:   %\)\xt 


345 

ba§,  fo  mirfi  bu  leben.  %ttm  $aulug  (Rom.  2 :  ©internal 
oor  ©ott  triebt  bie  ba§  ©efetj  frören,  gerecht  jtnb,  fonbem 
bie  baä  ©efe|  tfrun,  werben  gerecht  fein.  3tem  iRöm.  2: 
23eld)er  geben  wirb  einem  jeglichen  nad)  (einen  2öerfen. 
9tu§  biefen  unb  bergfeid)en  Sprüdje  be§  ©efe|e§  öermeinen 
jte  ju  fd)lie§en,  t>a§  ber  ÜRenfd)  ntd)t  burd)  ben  ©lauben 
aliein,  fonbern  aucf)  burd)  bie  Jßerfe  gerecht  werbe.  9(ber 
auf  biefe  unb  alle  bergleidjen  ©prüdje  beö  ©efeijeS  ijt 
biefe  richtige  Antwort  ju  geben:  2öir  befennen,  ba$  ©ott 
nad)  feinem  @erid)t  unb  Urteil  t)on  allen  sIRenfd)en  t)olt* 
fommenen  ©efrorfam  forbere,  wie  benn  ber  2Renfd)  ba^u 
erfcbaffen  ift,  unb  ba§  ©efe£  jeuget;  aud)  ijt  gewi§,  ba% 
ber,  fo  baö  gan^e  ©efeij  wirb  galten,  baburd)  wirb  twr 
©ott  leben,  «fueraus  aber  folget  feine§weg§,  ba%  wir  bie 
©ebote  in  biefer  fd^wadjen  ftatur  galten,  unb  burd)  unfere 
Sßerfe  üor  ©ott  gerecht  werben;  t)ielmef)r  aber  folget  ba§ 
barauö:  $ad)bem  bie  menfd)lid)e  9iatur  burd)  ben  galf 
2lbam3  bermapen  gefd)Wäd)t  unb  ganj  üerberbt,  ba§  fxe 
bem  ©efe|  ©otteö  ben  ©ef;orfam  ntd)t  leiftet  nod)  fann 
leiften,  wie  $aulu§  SRöm.  8  f(ärli$  bezeuget:  $leifd)li$ 
geftnnet  fein  ifi  eine  geinbfdjaft  wiber  ©ott,  benn  e§  ift 
bem  ©efeij  ®otte§  nidjt  unterbau,  benn  eä  vermag  e§ 
aud)  mit.  Unb  3S«ofeä  felbft  1  9Jlof.  6  befennt,  ba$  alleg 
2)id)ten  unb  £rad;ten  beö  menfd)lid)en  ^erjeng  nur  böfe 
fei  immerbar,  t>a$  ©otte§  ©efe§  ung  nur  öor  ©ott  t>er* 
flage,  befdwlbige,  ba3  ßeben  abfpredje  unb  Derbamme, 
barum  ba$  wir  nidjt  fjaben  gehalten  nod)  galten,  wag 
im  ©efe$  befohlen  ifi ;  wie  benn  baä  ©efe§  nid)t  allein 
ba£  Seben  jufagt  benen,  bie  barnad)  tfrun,  fonbern  aud) 
ben  tflud)  unb  2ob  brofret  allen,  fo  bie  ©ebote  nid)t  galten. 
Verflucht  fei  jebermann,   fpridjt  2Rofeg  5   üftof.  29,   ber 


346 

nidjt  f)ält  aüc8,  m§  im  53udE)  beS  ©efe£e3  gefdjmeben 
fielet.  Unb  ba&er  lehret  $aulu§  @al.  3,  ba§  ©efe|  fei 
ni(J)t  baju  gegeben,  ba§  e§  unS  gerecht  unb  fetig  madje, 
fonbern  i>a§  e§  unö  su  @rfenntni§  ber  ©ünben  bringe, 
unb  wir  alfo  anber§wo,  nämliä)  bei  bem  £eitanb  Sfmfto 
#ülfe  unb  Srofi,  ©ered)tigfett  unb  ©egen  fucfjen.  5tuf 
biefe  2öeife  unb  Meinung  antwortet  Augustinus  lib.  4  ad 
Bonif.  c.  5  auf  bie  ©prü$e  be3  ©efe£e§:  Qui  fecerit  ea; 
vivet  in  eis.  Ideo  sie  expressum  est  legis  imperium,  ut 
infirmitas  hominis  in  seipsa  deficiens  ad  facienda,  quae 
lex  imperat;  de  gratia  Dei  potius  ex  fide  quaereret  adiu- 
torium;  cuius  misericordia  etiam  fides  ipsa  donatur.  £)a§ 
ift:  ©er  foldjeö  tf)ut  wirb  baburd)  leben.  SDer  SBefef)!  beS 
©efe|eg  ift  barum  alfo  auSgebrücft,  auf  ba%  menfd)Iid)e 
@d)wa$I)eit,  inbem  fte  an  ibr  felbft  baS  Unvermögen  be* 
ftnbet  ju  tljun,  tt)a§  ba§  ©efeg  forbert,  vielmehr  t)on  ber 
©nabe  ©otte§  au§  bem  ©lauben  #ülfe  fudjete,  bureb 
welche  23armberjtgfeit  auä)  ber  ©laube  felbft  gefdjenft  wirb. 
3tem  de  gratia  Chr.  1.  1  c.  8:  Lex  jubet  magis  quam 
juvat,  docet,  morbum  esse,  non  sanat.  2)a8  ©efef}  gebeut 
me^r,  benn  e§  f)ilft,  e§  geiget  unfere  Äranffjeit,  feilet  aber 
md)t.  ßö  bat  eben  eine  Meinung  mit  biefem  Slrgument 
ber  $aptfien,  al§  Wenn  jemanb  taufenb  ©ulben  feinem 
©laubiger  fcfjufbig  wäre,  unb  ba  er  gemannt  würbe  jur 
23e§af)lung,  wollte  er  ftcf)  auf  feine  #anbf$rift  berufen, 
al§  wäre  bamit  beriet  2öer  bat  aber  jematö  fold?  un* 
gereimt  3)ing  gehört?  3)aS  ©efeg  ifl  je  unfere  £anbf$rift, 
bie  un§  überzeugt,  ba§  wir  gefünbiget,  unb  ©ott  ben  Job 
fdmlbig  ftnb,  Sol.  2,  wie  fönnen  wir  benn  au§  bem  ©e* 
feg  bie  ©ered)tigfeit  bewetfen?  2Benn  aud;  dn  Wiener, 
bem   fein   Sieblolm    für   feine   2lrbett   fcerfprocben,    feinen 


347 

auferlegten  3>ienjt  mutwillig  unterlagen  wollte,  unb  md)t3 
befto  minber  feinen  Sobn  forbern,  würbe  i&m  nid)t  jur 
Antwort  werben:  weil  er  nid)t  gearbeitet,  fo  fei  man  tt)m 
nichts  fdmlbig?  Solcbe  unbefdjetbenen  ^md)k  ftnb  bie 
*Papiften,  nad)  ber  3ufaöun3  ^e§  ®efe|e§  forbern  fte  ba§ 
ewige  Seben,  aiä  ben  verfprodjenen  ßolnt,  unb  fönnen 
bod)  ntdjt  leugnen,  ba§  weber  fte,  nod?  tbre  93äter  ba§ 
©efe|  gehalten  bainw,  tft  aucfc  fein  9Jienf$  auf  Gerben, 
ber  c8  galten  forme. 

Ob  nun  einer  weiter  fragen  wollte,  wie  benn  G^rifhig 
baju   fäme,    ba    er   eben  «vom  ewigen   Seben  ifi  gefragt 
worben,   wie  unb   woburd)  e§  ju  erlangen,   ba%  er  nur 
,  aufs   ®efe|    gewiefen,   welches   je   vergeblid)    fein   muffe, 
Wenn  man   eö   tu<$t  fann   galten;   ber   fofl  wiffen,    ba§ 
GbrijiuS  bamalS  folcbe  üermeffene  3uf)örer  gehabt,  bie  tf)re 
;  Sünbe  nod?  nidjt  erfannten,  unb  ber^alben  be§  (Süangelii 
1  rttcfet  fabig  waren,   berwegen  war  üonnötben,   ba§  ümen 
i  ba§   ©efeg    würbe   oorgebalten,    auf  ba§   fte  baburd)   ju 
Grfenntni§    ibrer   Sünbe   unb   Unvermögen   fämen,    unb 
bernad)   ifyx  burd)   SJtofe  jerfd)lagene§  ©ewiffen  ik  23er= 
I;ei§ung  t>on  ber  @ered)tigfeit  be§  ©iaubenS  burd)  &f)rijhtm 
f äffen   fönne.     9Ilfo   antwortet  aud>  Augustinus  de  gratia 
Christi,  lib.   1  c.  8:    Haec   ostenditur  legis  utilitas,    quo- 
;  niam  quos  facit  praevaricationis  reos,  cogit  confugere  ad 
igratiam  liberandos.    £iegU  bleuet  ba§  ©efe§,  ba§  e§  bie, 
fo  es  ber  Sünbe  befcfjulbiget  unb  überführet  bat,  zwinget 
jur  ®mbz  i\i  fliegen,  bamit  fte  erlöst  werben.    Sllfo  weit 
feblet'0  benn,   ba§  bie  $abfHicben  au§  ben   2öorten  be§ 
!  ©efe§e§  tbre  vermeinte  ©eredjtigfeit  ber  2Berfe  nidpi  erhal- 
ten fönnen,  ba§   fte  burd)   feine  Öebte  härter   oerbammt 
werben,  weber  bur$  ba$  @efe|. 


348 

3ubem  iji  aud)  btefer  Script  in  ©otteö  2ßort  ge* 
grünbet,  ba§  alle  ©prüd)e  beö  ©efe£e3  nad)  ber  93erfcei* 
§ung  be§  ßtmngelii  foüen  erflart  »erben,  fintemal  Sf)rifiu£ 
ift  bie  Erfüllung  be£  ©efe^eö ,  fööm.  10,  unb  baä  @efe| 
iji  ein  3u*tmeifter  auf  S&riflum,  ©al.  3,  unb  burd)  ben 
©lauben  »irb  ba§  ©efe$  aufgerichtet,  $öm.  3,  2ßenn 
benn  ba§  ©efe£  fagt:  £l)ue  ba§,  fo  roirfl:  bu  leben  2uc.  10; 
item:  2Ber  bie  ©ebote  f)ält  »irb  baburd)  leben  $öm.  10  #.t 
finb  foldje  2ßorte  nid)t  blo§  nad)  ben  je&n  ©eboten,  fon« 
bem  aud)  nad)  bem  (Stmngelio  auflegen,  nämtid)  alfo: 
©djulbig  ftnb  »ir,  bie  ©ebote  t>oilfömmlid>>  ju  fjalten, 
»eil  nnr'S  aber  nid)t  get&an,  aud?  nidjt  t&un  fönnen, 
fcaben  »ir  bm  lob  tterbienet  £>iefeö  muffen  toir  nun 
t)on  #erjen  in  »afrrer  33u§e  befennen,  unb  nad?  ber  25er* 
Jjeifjung  be3  (Mängeln  an  (£f)rifium  Jefum,  ber  für  un§ 
ba3  ©efeij  erfüllet,  glauben;  bur$  melden  ©lauben,  »eil 
toir  Sfmjium,  ber  bie  Erfüllung  beS  ©efeijeS  ift,  anstehen, 
erlangen  mir  ba§  emige  %ebm,  niefjt  anber§,  aW  wenn 
»ir  felbfi  ba§  ©efefc  allerbinge  sotlfömmltd)  gehalten  Ratten. 
5luf  biefe  2öeife  ift  ber  ganje  2ftofe3  ju  fcerftefjen,  »ie  er 
benn  im  2  SWof.  33,  34  unb  5  SWof.  30  alle  jum  ©wn* 
gelio  weifet,  Unb  $au!u3,  ber  redete  3lu§leger  OftofeS, 
fprid)t  2  (£or-  1 :  3n  ß^rijio  3efu  ftnb  alle  Zerreißungen 
3a  unb  2lmen.  3)amit  benn  Augustinus  ad  Bonif.  1.  4 
fein  ftimmt :  Verum  igitur  lex  dicit :  Qui  feeerit  ea,  vivet 
in  eis;  sed  ut  faciat  ea,  et  vivat  in  eis,  non  lex,  quae 
hoc  imperat,  est  necessaria,  sed  fides,  quae  hoc  impetrat. 
3>a3  ©efe£  fagt  red)t:  2öer  fold)e§  tfmt,  wirb  baburd) 
leben;  ba$  e§  aber  tfjue  unb  baburd)  lebe,  iji  nid)t  ba§ 
©efeij  nötfng,  ba§  e3  gebeut,  fonbern  ber  ©laube,  ber  e3 
erlangt,     3tem  Ambrosius  ad  Rom.  2:    Hie   ergo  seruat 


349 

legem,  qui  credit  in  Christo.  SMefer  tyalt  haä  ©efetj,  ber 
an  Gbriftum  glaubet  %tem :  Hoc  est  facere  legem,  cre- 
dere  in  Christum,  quem  lox  promisit. 

ftür'ä  anbere  wenben  bie  $äbfilid)en  bieg  Argument 
Dor:  bie  ©ered)tigfeit  i|i  bie  Srfüllung  be§  ganzen  ©c« 
fe|c8,  ber  ©laube  ifi  rticfet  bie  (SrfüUung  be§  ©efet^eö, 
fonbern  nur  ein  2Berf  be§  erften  ©ebotö,  bie  Siebe  aber 
ifl  bie  Erfüllung  bes  @efe£e3,  wie  $aulu§  jeugct  £ier; 
au§  Dermeffen  fie  ju  fd)  liefen,  ha%  mcbi  ber  ©laube,  fon- 
bern hie  Siebe  geredet  unb  fetig  macbe.  Antwort:  @g  ifl 
zweierlei  ©ere(f)tigfeit,  wie  wir  broben  in  ber  erften  ^rebigi 
genugfam  erwiefen  Ipaben  au§  hen  Scugnijfen  9töm.  3,  13, 
6pb.  3.  Sine  ifi  bie  @ered)tigfeit  be3  ©efe|e3,  biefe  ift 
ein  Dollfommener  ©eborfam  unb  Erfüllung  aller  ©ebote; 
bie  anbere  ifi  bie  @eredj)tigfeit  heS  @lauben§,  Don  welker 
$aulu£  fagt  (Rom.  3 :  9hm  aber  wirb  bie  ©ered)tigfeit,  fo 
Dor  ©ott  gilt,  obne  3utl)un  be§  ©efe£eö  offenbart  Die* 
Weil  wir  benn  bie  ®ered?tigfeit  be§  ©efe|e§,  Don  welker 
baö  Argument  rebet,  niefet  baben  fönnen,  fo  f)at  un§  ©ott 
bureffe  Süangelium  in  Gt)riflo  eine  anbere  gezeigt  unb 
gefcf)enfet,  nämfidj)  bie  Vergebung  ber  ©ünben  buref)  ben 
©tauben.  Da3  aueb  aus  $aulo  angezogen  wirb:  Die 
Siebe  ift  bie  Erfüllung  beö  ©efe§e§,  ifi  wafjr,  mu§  aber 
Don  ber  DoÜfommenen  Siebe  Derjtanben  werben,  nad)  bem 
SBefeljl  5  OJiof.  6:  Du  foüft  ©ott,  beinen  £errn,  lieben 
Don  ganjem  £er$en,  Don  ganzem  ©emütf)e,  Don  allen 
Äräften  unb  ben  SRadjften  al§  bid)  felbft  2Ber  nun  biefe 
Stebe  hätte ,  ber  würbe  baburdE)  geredjt.  9iun  ifl  aber 
offenbar,  ha%  fein  ÜKenfd)  auf  Srben  foldje  Dollfommene 
Siebe  babe,  bie  aüerbingg  o^ne  ©ünbe  unb  jjeljt  wäre, 
berwegen   aud)   fein  9Jienfd)   bur$  bie  Siebe  mag  geredet 


350 

roerben,  $)er  ©laube  aber,  ob  er  gleich  nid)t  ifi  bie  (£r* 
füllung  aller  ©ebote,  au$  fef)r  fd)ttmd)  nod)  ifi,  fo  machet 
er  bennod)  geregt,  ni$t  al§  an  28erf,  aud)  nidjt  nad) 
ber  ©ered)ttgfeit  be$  @efe|e§,  fonbern  nad)  ber  $erl)ei§ung 
be§  ßtmngelü,  »eil  er  Sljriftum  ergreift  unb  annimmt. 
3)er  Unterfc^teb  be§  @efe£eg  unb  ßtmngelii  unb  bie  ße^re 
üon  j^eierlei  ©eredjtigfeit  erfläret  gewaltig,  ba%  ba$  ob* 
gefegte  Argument  feinen  ©runb  hat 

pr'ä  btitte,  $aulu«  fpricf)t  1  gor,  13:  «Run  aber 
bleibt  ©laube,  Hoffnung,  ßiebe,  biefe  brei;  aber  bte  ßiebe 
ifi  bie  ©röfjefie  unter  ifntem  $)iett>eü  nun  bie  größte 
Jugenb  am  meifien  geredet  machet,  fo  muffe  je  bie  %khe 
mebr  atö  ber  ©laube,  nad)  iftrer  Meinung,  geregt  madjen. 
hierauf  ift  alfo  ju  antworten :  $la<$)  bem  ©efe|  ijl'8  rooljl 
red)t  gerebet,  bafj  t)it  grö§te  Sugenb  am  meifien  geregt 
madje;  biemeil  aber  niemanb  burdT§  ®efe£  geregt  wirb, 
angefefjen  niemanb  ha§  ©efe£  l)ält,  wie  jum  öfternmale 
erliefen,  fo  mad)t  feine  Sugenö  geregt,  tx>eber  fleine  nod) 
gro§e,  fonbern  allein  bie  ©nabe  ©otte§  in  ßfirifio  Jefu 
madjet  un3  gerecht  burd)  ben  ©lauben,  triebt  na$  bem 
©efe£,  fonbern  nad)  bem  (Stmngelio,  Unb  ifi  oft  gefagt 
Sorben,  baß  ber  ©laube  nid)t  a(8  eine  Sugenb  ober  Jßerf, 
fonbern  al8  ein  Drganon,  ba§  ifi,  Söerfjeug,  6f)rifium, 
ber  unfere  ©ered)tigfeit  ifi,  annimmt  £>aB  benn  QJaufag 
fpridjt,  bie  ßiebe  fei  bie  ©röfeefie  unter  i^nen,  fielet  er 
ba^in,  tt)ie  ber  ©laube  allein  jtt)ifd)en  ©ott  unb  unferer 
$erfon  Ijanbelt,  unb  ba§  nur  im  ©ennffen,  bie  ßiebe  aber 
banbelt  nid)t  allein  mit  ©ott,  fonbern  aud)  mit  allen 
©Hebern  beö  ßeibeg  Sbrifii,  unb  ergeu§t  ftd)  na$  allen 
©eboten  in  alle  2Berfe  unb  Tnenfi,  baburd)  ©ott  gee^ret 
unb  ber  Sftädjfte  geförbert  mag  »erben ;  unb  ba$  bie  ßiebe 


i 


351 

in  dftigfeit  mähren  (od,  ba  ber  ©laube  aufhören  n>irb. 
SMefer  ©eflalt  gefjet  feie  ßiebe  weiter  unb  ferner.  ©olcbeS 
tfjut  aber  jur  ifiecbtfertigung  gar  md)t§,  fintemal  fein  2Berf 
nod)  lugenb  geredit  mad)t,  barum  ba§  fein§  in  bem 
ÜJlenfdjen  üoflfommen  tji;  ber  ©laube  aber  fyat  bie  be* 
fonbere  Sigenfdjaft,  ba§  er  geredet  mad)e,  bieweil  er  Sl)ri* 
fhnn  3efum  annimmt  unb  anseud)t,  melier  für  m\8  ia§ 
©efets  erfüllet,  für  un§  ein  $lud)  toorben,  afleS  bejahet 
©ott  Derfö^net  unb  feinen  ©eljorfam  unb  55erbienfi  un§ 
fdjenfet. 

gür'g  vierte  werfen  un§  bie  $äbftlid)en  ttor  im 
©ptucf)  3aco6i  am  2.:  ©o  fefjet  xi)x  nun,  ba£j  ber  üftenfdj 
burd)  bie  2öer!e  geregt  ttnrb,  unb  nid)t  burd)  ben  ©lau* 
ben  allein;  be§gleid)en:  bie  #ure  SRaljab,  ifi  fte  ni$t  burd> 
bie  ©erfe  geregt  Sorben? 

2Inttt)ort:  So  tx>eit  a(§  £immet  unb  (Srbe  üon  ein* 
anber  fxnb,  fo  großer  Unterfd)ieb  ifi  aud)  jftrifdfjen  ber 
^Rechtfertigung,  fo  öor  ©otteö  ©erid)t  gefd)ief)t,  unb  ber 
^Rechtfertigung  t)or  SRenfdjen.  3acobu§  rebet  nicöt  t>on  ber 
^Rechtfertigung  t>or  ©ott,  fonjl  toären  feine  2ßorte  im 
Sorten  beS  2lpoftel§  $auli  ju  im  SRömern  am  4.  firacfS 
jiumber;  benn  $aulu8  fe|et  auf  biefen  ©runb  bie  ganje 
2)i8putation  t>on  ber  ^Rechtfertigung,  ba§  2IbraI;am  burd) 
bie  2öerfe  mit  nieten  fei  geregt  Sorben  ttor  ©ott.  3ft 
2lbraf)am  burdE)  bie  Jöerfe  gerecbt  korben,  fpridjt  er,  fo 
l)at  er  tr>o£l  5Ruf)m,  aber  ni$t  t)or  ©ott.  2ßa3  faget  aber 
bie  €5d)rift?  Slbra^am  I;at  ©ott  geglaubt,  unb  ba§  ift 
iljm  jur  ©ered)tigfeit  geredmet.  1  2Rof.  15.  Tnetoeil  nun 
feineötoegS  ju  beuten,  ia§  ber  ©eifi  @otte§  in  ben  9tyo* 
fleln  toiberttärüge  £>inge  foüte  geleitet  Ijaben,  fo  mu§  je 
Jacobug  t)on  einer  anbern  Rechtfertigung,  nämlid)  bie  t)or 


352 

Stftenfdjen  unb  oor  ber  ©emeine  ßbrifii  gefcbiebt,  gerebet 
j^aben.  Unb  fold?e§  erfc^emt  aud)  au§  ben  SBortcn  Sctcobi; 
benn  er  fjanbelt  nicf)t  baoon,  wie  wir  mit  ©ott  ocrföbnt 
werben,  ober  oor  ibm  im  ©ericbt  bejleljen  wollen,  fonbern 
ba§  wir  unfern  ©tauben  mit  guten  Söerfen  bereifen  foüen. 
3eige  mir,  [priest  er,  beuten  ©tauben  mit  beinen  Söerfen, 
fo  will  idb  aueb  meinen  ©tauben  bir  geigen  mit  meinen 
Söerfen.  £ie  ift  offenbar,  wie  3acobu§  oon  bem  rebet, 
Wie  ein  S&rifi  nid)t  oor  ©ott,  fonbern  üor  feinem  Sftäcf)ften 
möge  geredet  werben,  nämtidj)  niefet  bur$  ben  9iuf)m  be§ 
(SlaubenS,  fonbern  burd)  bie  SBerfe;  benn  wir  9J?enf(i)en 
fönnen  ben  regten  ©tauben  im  ^erjen  nidE)t  urteilen. 
5Die  Jöerfe  aber,  al§  grüc^te  be§  ©tauben^,  fönnen  wir 
fef)en  unb  ernennen,  unb  alfo  fönnen  beibe  (Sjempel, 
5lbraf)am  unb  9ta^ab,  red^t  fcerftanben  werben  t>on  ber 
IRed^tfertigung  üor  ben  9D?enfd)en.  3ubem  fielet  man,  wie 
Jacobuö  wiber  ben  ©tauben  rebet,  ber  nur  eine  blo§e 
(Srfenntni§  unb  2öiffenf(^aft  ift,  unb  nid)t  ein  rechtes  25er* 
trauen  auf  (Xfmfii  ©nabe  unb  SSerbienfi;  benn  er  fpricf)t : 
Die  teufet  gtauben  aud?  unb  jittern.  Dtun  ijt  aber  in 
ben  (Sbriften  t>icl  ein  anberer  ©taube  Weber  in  ben  Jeu- 
fein,  bie  nur  bie  £ifioria  wiffen ;  benn  unfer  ©taube  bringt 
^rieben,  Jrojt,  ßeben,  e5reubigf eit ;  justificati  fide  pacem 
habemus.  ($Run  wir  benn  finb  geregt  worben  burd)  ben 
©tauben,  fo  fjaben  wir  ^rieben.)  SRöm.  5.  Sltfo  ift  ber 
©prud)  3acobi  unferer  ße^re  gar  ni$t§  juwiber.  Sßofern 
unfere  2öiberfad)er  mit  biefer  richtigen  Antwort  nidE)t  wollen 
erfättiget  fein,  fo  wollen  fte  ftd)  erinneren,  wa§  bie  uralte 
Äircbe  t)on  ber  (Spifiel  3aco6i  l)abe  gehalten;  benn  Euse- 
bius  1.  3  c.  25  unb  l  2  c.  23  fagt  au§brücflid),  man  f)abe 
fxe  nid^t  für  eine  apoftotifdpe  (Spiftet  gebalten,  fei  falfdE)licf) 


353 

bem  2lpojW3acobo  zugeeignet;  ber  3acobuö  aber,  berOblias 
gef>ei§cn,  foll  ber  9lutor  fein,  ©oldjed  befennt  aud)  Hie- 
ronymus.  Unb  jttmr  nicfyt  xvo\)l  läffet  eä  fid)  entfdjulbigen, 
i>a%  er  mtber  ben  Slpoftel  ^aulum  ben  ©prud) :  2lbraf)am 
&at  ©Ott  geglaubt,  unb  baö  ift  it)m  jur  ©ered)tigfeit  ge* 
rennet,  auf  bie  Rechtfertigung  ber  2ßerfe  jeudjt.  9ludE) 
fhmmt  nidjt  mit  ber  ßefjre  $auli,  ba§  er  fpricbt:  Der 
©taube  fei  burd)  bie  Söerfe  üollfommen  morben.  %km, 
ba§  er  fprid)t :  Da3  ©efe£  ber  ftreifteit  ift  ber  Seljre  $auli 
jumiber.  Dermegen  fott  ft$  niemanb  burd)  ben  üermetnten 
JJacobum  laffen  irre  machen. 

3um  fünften  motten  ftd)  bie  $äbftti$en  mit  bem 
©prud)  1  $et.  4  bereifen :  Die  Siebe  bedfet  bie  SDienge  ber 
©ünben.  Dteö  t>erfleljen  fie  bafun,  alö  fönne  unfere  Siebe 
unfere  Sünbe  t)or  ©otteö  ©erid)t  jubeden.  Unb  alfo 
führen  je^iger  3eit  bie  uerbammten  3^f^iten  biefen  Un* 
grunb,  unb  motten  mutfjmillenS  nid)t  feben  ben  regten 
Serfianb,  ber  iljnen  fo  oft  ift  vorgelegt  morben.  Dermegen 
antworten  mir  itmen  abermal :  Die  ©djrift  rebet  an  biefem 
Drt  nicfet  oon  3ubeden  ber  ©ünben  m  ©otte§  ©ertdE)t; 
benn  ba  ifl  fein  anber  Umbraculum,  ©d)irm  nocfc  Dede, 
benn  ber  eingeborne  ©ofm  @otte§,  ber  fein  23lut  für  unS 
ttergoffen.  Diefer  Xob  (£f)rifii  mu§  unfere  ©ünbe  beden 
t>or  ©otteö  3^rn,  unb  ber  @nabenfiuf)l  fein.  Die  Siebe 
aber  becfet  alfo  ber  ©ünben  SJienge,  ba§  fie  ftd?  nidjt 
laßt  erzürnen  nod?  erbittern,  fonbern  oerträgt  bem  9täd?ften 
alleä.  2öie  $aulu3  t)on  ber  Siebe  au$  rebet.  Unb  biefen 
SBerftanb  gibt  ©alomon,  Don  bem  $etru§  ben  Sprud) 
entlehnet:  £a§  erreget  #aber,  aber  bie  Siebe  becfet  ju  alle 
Uebertretung.  SZBenn  bie  £erjen  erbittert  ftnb,  ba  erreget 
ftdE)  £aber,  3anf,  Rangier,  ©dEjmafjen,  ftlu^en,  2lrgmofw, 

23 


354 

tlebelnacbreben,  93etrug  unb  3Jlorb  unb  allerlei  ©ünbe; 
bergegen  wo  einer  ben  anbern  rccf)t  liebet  in  ©otte3furd)t, 
ba  werben  nid>t  allein  folcbe  ©ünben  unterlaffen  unb  oer* 
inteben,  fonbern  einer  fwlt  betn  anbern  etwa$  ju  gute, 
man  beutete  jum  33eflen,  man  verträgt  alles,  man  lä§t 
jtdE)  Ieid)t  tterfölmen,  man  trautet  nidE)t  nadj  ©cbaben,  man 
bulbet  aüe$.  l  Gor.  13.  £>a3  f)ei§t  be§  91äd)jten  ©ünbe 
jubecfen,  il?n  entfdjulbigen  fjelfen,  unb  bei  ibm  felbfi  ber 
©ünben  mehren.  $)ie£  ge^et  nun  t)k  Rechtfertigung  t>or 
©ott  nid)tö  an,  ba  unfere  ©ünben  Dor  ©otteö  3^rn  ntüffen 
jugebecft  werben,  Weld)e3  weber  unfere,  xxoä)  beö  üftäcbjlen 
Siebe  tf)un  fann,  fonbern  allein  ba§  93lut  3efu  ßbrijti, 
ber  unfere  S^fluc^t  tft  twr  bem  Ungewitter,  unb  ©c^irm 
t>or  ber  £t£e.  3ef,  4.  25.  £>a  aber  jemanb  fagen  wollte, 
$etruö  rebete  t)on  ber  Siebe  ©otte£  gegen  un3,  ftnb  mir 
ber  Sachen  aüerbingö  eins;  benn  baö  lehren  unb  befennen 
wir  aud),  i>a$  ©otte£  Siebe,  ©nabe  unb  überftf)Wänglid)e 
23arml)erjigfeit  in  (Efmfto  3efu  alle  ©ünbe  jubecfe,  vergebe, 
fcbenfe  unb  unö  ofme  Serbienft  unb  2öerfe  geregt  mad[)e. 
3um  fed^fien  werfen  un£  bie  ^äbftlicben  oor  bie  SBorte 
ßfmjii,  Suc.  am  7.:  3b*  ftnb  tnel  ©ünben  vergeben,  benn 
jte  tyat  mel  geliebet.  S)a  fwrefl  bu  je,  fpredtjen  fte,  ba§ 
6f)rifiu3  ber  ©ünberin  bie  ©ünben  vergeben  \)&\,  barum, 
ba§  fie  t)iel  geliebet  fyat,  fo  mufj  je  bie  Siebe  eine  Urfad^e 
fein  ber  Vergebung  ber  ©ünben.  Antwort:  Unfere  2öiber* 
facber  öerfe^ren  ßfmfto  feine  Söorte,  6t)rijtu$  faget  mit 
nieten,  ba§  ber  ©ünberin  bie  ©ünben  vergeben  finb, 
barum,  bafc  fte  ml  f)abe  geliebet;  feineöwege3;  benn  fte 
fonnte  je  ©ott  nid)t  lieben,  e^e  benn  if)r  bie  ©ünben 
vergeben  waren.  2luö  bem  aber,  bafy  fte  ßfmftum  fo 
^erjlic^)  liebet,  mit  ifjren  Beeren  feine  gü§e  wafdjet,  mit 


355 

ben  paaren  trocfnet,  bemeifet  er,  ba§  ifjr  tnel  ©ünben 
muffen  vergeben  fem;  fe£i  alfo  bie  Vergebung  ber  ©ün* 
ben  alö  bie  UrfadE)  oor  ber  Siebe,  unb  bie  Siebe  atö  eine 
folgenbe  $rud)t  unb  JBirfung,  jum  3eugni§  ber  Vergebung 
unb  Rechtfertigung.  Unb  fold^e  Meinung  gibt  bie  ganje 
Oiebe  Gbtifii  fo  flar,  bay  eö  bie  2Biberfad?er  nid)t  oemei* 
nen  fönnen.  S&rijiuä  gibt  8uc.  7  bem  $fwnfäer  Simon 
biefe  tfrage  auf:  ^  ^a**e  e*n  2ßucf)erer  jmeen  Sdjulbiger; 
einer  mar  fdmlbig  fünf  fjunbert  ©rofcben,  ber  anbere  fünfzig* 
$)a  jie  e£  aber  nid?t  Ratten  ju  bejahen,  fc^enfte  er'§  beiben. 
Sage  an,  meldEjer  unter  benen  roirb  i(m  am  meiften  lieben? 
Simon  fprad) :  3$  &3>t^  ^m  er  am  meiften  gefcfjenft  f)ah 
S&rtjiug  fpricbt :  3)u  t)aft  red)t  gerietet.  £>arnacfy  oergleic^t 
er  btefen  jmeien  Scfyulbigern  baö  2öeib  unb  Simonem, 
unb  fpridjt:  %bx  jinb  mel  Sünben  vergeben,  benn  fie  ^at 
tuet  geliebet;  noitt  alfo  Simonem  erinnern,  ba§  tf)m  menig 
©ünben  vergeben  jxnb,  benn  man  fpüfjre  geringe  Siebe 
an  ibm;  ba$  2öeib  aber  bezeuget  mit  if)rer  Innigen  Siebe, 
ba§  \\)x  ©ott  bie  Sünben  vergeben  fwbe.  2ßenn  ein  2lrjt 
fpricfjt:  ber  üJJenfct)  mu§  nidE)t  gefunb  fein,  benn  bie  §arbe 
iji  gar  böfe,  fo  fcf)läft  er  menig  ober  nichts,  c8  fcfcmetft 
ihm  meber  offen  nod)  Jrinfen,  fein  QJulö  ijl  fjeftig  unb 
ungleicf)  *c,  f)ie  ifi:  bc8p8lrjte8  Meinung  ni$t,  ba§  bie 
böfe  j$arbe,  ba3  2ßacf)en  unb  9tid)teffenmögen  eine  Urfadi) 
fei  ber  Äranf&eit,  fonbern  Steigung  unb  3^ÖnMTe-  ^'f° 
ift  auä)  bte  Diebe  Sbrtjtt  oon  ber  Siebe  ju  öerfie^en;  tx)ie 
unb  moburcf)  jte  aber  bie  Vergebung  ber  Sünben  erlangt 
fyabe,  jeiget  GfmftuS  flärltdE),  ba  er  fpridjt:  3>ein  ©laube 
Ijat  bir  geholfen,  gef)e  f)in  mit  ^rieben.  2llfo  finb  au$ 
bie  Sßorte  3olj,  16  ju  oerjiefjen:  Gr  felbft,  ber  $ater,  f)at 
eud)  lieb,  benn  if)r  liebet  mid)  unb  glaubet,  ba§  id)  t)om 

23* 


356 

SSater  ausgegangen  bin.  (£&rijhi8  will  nidpt,  ba§  bie 
2lpofiel  mit  i^rer  Siebe  unb  ©lauben  be§  $ater3  Siebe 
Derbienet  fwben,  beim  er  Ijat  jutwr  gefagt :  3^*  f)<*bt  mid? 
nid)t  erwählet,  fonbern  iti)  babe  eud?  erwäblet  3^-  14. 
2>tem  1  3ü|k  4:  9ttcf)t  ba§  wir  ©ott  geliebet  baben,  fon* 
bern  i>a$  er  un§  gehebet  f)at  unb  gefanbt  feinen  ©olm 
jur  $erföf)nung  für  unfere  ©ünbe.  2llfo  aber  wilT3  Sfyriftug 
bereifen,  ba§  ©ott  un3  müjfe  Heb  fwben,  bteweil  Wir 
ßfmftum  lieben  unb  an  ibn  glauben;  benn  foldje  Siebe 
unb  ©laube  an  Sf)riftum  fonne  in  un3  nicbt  fein,  wenn 
©ott  un3  mc^t  juöor  lieb  fyatte,  unb  feinen  ©eift  un§ 
gebe,  ber  folcbe  Siebe  unb  ©lauben,  ber  Vernunft  juwiber, 
anjünbet 

£>er  fiebente  ^eilige  Sefjelf  ber  $apiflen  ift  ber  ©prud? 
S)aniel  (L  4  jum  9iebucab  5iejar:  ÜJlac^e  btcfrlog  t)on 
beinen  ©ünben  burdj  bie  ©erecfytigfeit,  unb  tebig  oon 
beiner  2Kiffetf)at  burdE)  2öof)ltbat  gegen  ik  2lrmen,  fo 
Wirb  er  ©ebulb  Iwben  mit  beinen  ©ünben.  £)iefe  2öorte 
öerfieben  bie  $abftlicben  nid^t  anberS,  benn  alö  f)ätte  ber 
<Propf)et  Daniel  geleitet,  ba§  man  bte  ©ünbe  burcb  gute 
2öerfe  muffe  ablegen,  unb  gleicb,  alö  würbe  ©ott  burd? 
unfere  guten  Söerfe  fcerföfjnet  2lber  bie  2öorte  Daniels 
l)aben  öiel  einen  anbern  SBerjlanb,  unb  ftnb  feineöwegS 
wiber  bie  Seljre  beö  Stmngelii,  welche  alle  $ropf)eten  unb 
Stpoflet  einträchtig  geführt  ^aben,  unb  ijl  bieö  feine  UM* 
nung :  Daniel  fcerjlefjet  au3  bem  Sraum  Olebucab  S^ejarä, 
ba£  ©ott  über  ben  Äönig  ein  fcijredlicf)  gro§  Unglücf 
wollte  fommen  laffen,  unb  feine  vielfältigen  ©ünben  flra* 
fen,  alfo  i>a%  ber  Äönig  oon  feinem  SHeicb  unb  tum  ben 
Seuten  follte  oerjtofjen  werben,  vermahnet  ifm  berwegen  ju 
rechter  33upe  unb  Söefefjrung  $u  ©ott.     3)emt  eö  ifi  fein 


357 

anbcr  Mittel  no$  2ßege,  bem  lieben  ©ott  in  bie  föutlje  ju 
fallen,  benn  burcf)  recbtfdwffne  93efef)rung;  barum  [priest 
er:  SQiein  £err  Äönig,  la§  bir  meinen  SKatf)  gefallen,  unb 
madje  bii)  log  von  beinen  ©ünben  burd)  ©ered)tigfeit, 
baS  ijl,  befefjre  bid)  ju  ©ott,  erfenne  unb  bereue  beine 
gro§en  unb  vielfältigen  ©ünben,  ba§  bu  fo  viel  unfdml* 
bige3  SBlut  in  ben  Kriegen  üergoffen,  baö  SBolf  ©otteö  fo 
öerttmjiet  unb  verheeret  fjaft,  aller  SBdt  ©cbätje  unb  ©üter 
ju  bir  geriffen  unb  alle  ©iege  beiner  Söetefjeit  unb  Wlafyt 
juföreibefi,  unb  fud^e  fjergegen  bie  toaljre  @ered)tigfeit, 
ba$  ifi,  glaube  an  ben  verheißenen  SRefitaä;  ber  bem  jü* 
bifc^en  95olf  verfprodjen  tji,  toeldjen  ©ott  jum  Dpfcr  für 
bie  6ünbe  unb  jum  ÜRittler  unb  £eilanb  gefegt  hat,  toie 
alle  $ropl)eten  von  if)tn  getvetffagt,  unb  nidE)t  allein  bie 
3uben,  fonbern  aud)  alle  Reiben  auf  ifm  vertröjlet  fwben ; 
an  biefen  verheißenen  (£f)rifium  follft  bu  glauben,  auf  ba§ 
bu  burd)  ben  ©lauben  vor  ©ott  gerecht  feieft  9llfo  rebet 
£ie  "Daniel  nid)t  von  einer  ©eredjtigfeit  ber  guten  2öerfe 
ober  beö  ©efe^eö,  fonbern  von  ber  @ered)ttgfeit  be£  @van* 
gelii,  toelc^e  burd?  ben  ©lauben  an  (£l)rifhtm  erlangt  mirb. 
Unb  ifl  fein  3tx>etfei,  iftebucab  ftejar  fcat  baS  2Bort  @e* 
red)tig!eit  nad)  prop^ettf^er  5lrt  tool)l  verjianben;  benn 
bie  £ef)re  be£  jiibifd^en  $olf§,  fo  er  gefangen  fjatte,  unb 
ber  $ro:pf)eten,  ijl  ifjm  tDo^l  befannt  getvefen,  benn  er 
fjatte  ©otteö  2Bunbem>erf  fd)on  erfahren,  ba  er  mit  feinen 
Slugen  ftefjet,  ba§  bie  brei  2Jlänner  im  feurigen  Ofen  er* 
galten  werben,  unb  ber  vierte  atö  ©otteö  ®ol)n  f\ä)  unter 
ifjnen  im  $euer  feben  läffet ;  barauf  er  aud)  bie  ße^re  ber  $ro* 
pljeten  annimmt,  unb  in  allen  Äönigreid;en  23efel;l  läßt  au3* 
geljen,  baß  man  ben  ©ott  3frael  allein  erfennen  fofl.  2öeil 
benn  bie  ßef)re  ber  $ropf)eten  bem  iftebucab  0iejar  iß  befannt 


358 

getoefen,  fo  f)at  tfm  $>aniel  mit  bem  2öort  @eredf)tigfeit 
jum  2fteffta§  gennefen,  in  tt)eld?em  allein  bie  ttmfjre  ©e* 
redjtigfeit  ju  finben.  £>enn  toemt  ftcf)  gleicf)  ftebucab  9te* 
jar  aufjer  bem  ©tauben  an  ß^rijium  uteler  tyofjer  $ugen* 
ben  unb  SBerfe  beffiffen  Ijätte,  fo  ftmrbe  bo$  folcfeeS  atleö 
für  feine  ©eredbtigfett  fcor  ©ott  geregnet  fein  toorben; 
benn  alles,  ba§  ntdf)t  auö  bem  ©tauben  gef$ief)t,  i>a$  ift 
©ünbe,  9Wm*  14.  Demegen  ift  offenbar,  ba§  Daniel 
aüfjie  t)on  ber  ©eredjtigfeit  be3  ©taubenö  rebet,  burdj 
toelcfte  tmr  t)on  ©ünben  lebig  unb  loa  merben.  5)a§  aber 
folget:  unb  mad^e  bid^>  lebig  üon  beiner  ÜRiffet^at  burdj 
2Bo|)ttf)at  gegen  bie  Slrmen;  fold^ed  ift  gerebet  t)on  ben 
rec^tfd)  äffen  en  $rüd)ten,  bie  auf  bie  Sefeljrung  folgen  unb 
au§  bem  ©tauben  tt>ad[)fen  foflen,  unb  rebet  l)te  3)aniet 
xtityt  allein  t)on  Slllmofen,  fonbem  üerpe^et  allerlei  @e* 
rec^tigfeit,  ©efjorfam  unb  2Bobltl)at,  bie  ©ott  t)on  ben 
fjoljen  ^Regenten  forbert,  ba§  er  ©erecbtigfeit  beförbern,  bie 
Sonett  ftrafen,  feine  ©ewatt  üben,  ben  armen  Jöaifen 
unb  Sßittoen  Reifen,  ben  armen  gefangenen  ^ubm  ©nabe 
unb  ©ute§  erzeigen,  ©otteö  2Bort  prebigen  taffen  unb  alfo 
mit  red)tfcf)affenen  fettigen  ©erfen  feine  33u§e  unb  93e* 
fef)rung  ju  ©ott  bejeugen  fofl  $)a§  nun  fnebei  flehet: 
erlebige  bid)  t>on  beiner  Sfttffetfjat  burd?  ffiobl* 
traten;  ift  nid)t  ju  üerfte^en  üon  ber  $erföf)nung  mit 
©ott  ober  £integung  ber  ©ünben,  benn  folcbeS  gefdt>xe^t 
burd)  ik  ©erecfttigfeit  beö  ©laubenö;  fonbem  bamit  gibt 
ber  $ro|)f)et  ju  Derfteben,  ba%  ©ott  benen,  bie  ftd)  ju  ©ott 
tt)af)rf)aftig  befef)ren,  fiel}  in  guten  SBerfen  üben  unb  armen 
Öeuten  ©ute§  tfmn,  nid)t  allein  alle  ©ünbe  trieben  i)a^ 
unb  alle  ©träfe  aufgehoben  unb  nadfjgelaffen,  fonbem  au$ 
bie  3üdE)tigung  unb  Äreuj,  fo  ©ott  auf  bie  23efef)rten  autf) 


359 

pflegt  ju  legen,  alfo  werbe  linbern  unb  tnübern,  ba§  fie 
e§  ertragen  mögen  unb  nidbt  barunter  öergeljen,  mie  bie 
©ottlofen  in  tfjrem  Unfall  fcerberben.  ftebucab  ftejar, 
£)at)ib,  üKanaffe,  meil  fte  ftc&  üor  ©ott  bemütfngen  unb 
ju  ©ott  befefjren,  aud)  ben  2lrmen  mol)[tf)un,  bringet  fte 
©ott  mieber  ju  itjrem  Äönigreidj ;  ©aul,  9lfiab,  93elfajer, 
3Eer jeö f  £)ariu3  Ultimum,  Sftero  gelten  flradfö  ^u  ©runbe; 
ifl  alfo  baS  erlebigen  oon  9Kiffetf)at  bal)in  ju  oer* 
flehen,  ba§  ©ott  bie  Sättigung  linbert  unb  milbert  benen, 
bie  ftd)  beeren  unb  ber  guten  2Berfe  unb  Söo^lt^aten 
befleißigen;  benn  ©ott  belohnet  alle  guten  2öerfe,  liefet 
aber  muffen  mir  gebenfen,  alö  ob  mir  mit  unferer 
2öof)(tf)at  fold?e  Sinberung  oerbieneten ;  benn  meü  unfere 
guten  2Berfe  untmllfommen  ftnb,  fcerbtenen  fie  aQerbingg 
md)t3,  ©ott  aber  tbut'3  au§  ©naben,  unb  öon  megen 
3efu  (XljrifH,  in  meinem  alle  $erl)eij$ung  2lmen  ftnb* 
$)enn  meil  mir  unb  unfere  guten  2Berfe  ©ott  in  ßljrifto 
gefallen,  fo  belohnet  er  fte  nadj)  feiner  Sßerbei^ung.  2öie 
benn  bafjin  audE)  lautet  ber  ©prud)  (Efmfti,  Suc.  16:  2Ra* 
d)et  eud)  $reunbe  m^  bem  ungerechten  Siftammon,  auf  bafj, 
wenn  it)r  nun  barbet,  fie  eud?  aufnehmen  in  bie  emigen 
Bütten,  £ie  ift  Sbrifti  Meinung  nicf)t,  bajjj  mir  um  un* 
ferer  Slflmofen  millen  in  ben  Fimmel  genommen  merben, 
fonbern  ba§  unfere  5lllmofen  unb  anbere  guten  2ßerfe, 
bie  auS  rechtem  ©lauben  an  3efum  ßfnifhim  gefdje^en, 
im  emigen  Öeben  follen  richtig  belohnet  merben;  benn  bie, 
fo  ba  ©uteö  t)on  unö  empfangen  fjaben,  merben  3euSen 
fein  am  jüngften  Jage,  ba§  mir  an  ßfmftum  geglaubt 
f)aben,  unb  merben  unä  alfo  fammt  ßlmfio  bem  £errn 
in  bie  emigen  Bütten  aufnehmen,  ßfmfiuä  jmar  nimmt 
ung   allein   burd)    im  ©lauben  auf  jum  emigen  ßeben, 


360 

aber  gugletcf)  tt)iU  er  fammt  allen  9lu8ervt)ä^iten  afleö  t>er* 
gelten  unb  belohnen,  mag  vt>ir  f)ie  @ute§  getfwn  ^aben* 
2öie  and)  6^riftu§  (fprüfct)-  2Kattl).  am  25.:  Äommt  tjer, 
i^r  ©efegneten  meines  23ater§,  ererbet  ba§  föeid),  baö  eucb 
bereitet  ift.  3$  bin  bungrig  gemefen,  if)r  Ijabt  xnxd)  ge* 
fpeifct.  Dies  moüten  bie  $äbftlid[)en  aucb  gern  ba^in 
beuten,  al8  müßten  mir  ben  Fimmel  unb  ba§  emige  ßeben 
burdf)  unfere  guten  SBerfe  Derbienen,  aber  ba$  ift  ßljrifti 
Meinung  gar  nicf)t,  t)ielmef)r  bezeugt  er  baö  QBiberfpiel; 
benn  meü  er  bie  ©erec^ten  nennet  bie  ©efegneten  beö 
93ater§,  bamit  gibt  er  ju  üerfle^en,  ba§  ©ott  bie  ©läubi* 
gen  fegne  unb  feiig  macbe.  9Iucb  (priest  er,  baö  SReidE)  fei 
tfmen  bereitet  tmn  Anbeginn  ber  2ßelt;  fo  tjaben  mirö  je 
nid^t  üerbienen  mögen.  Slber  baS  mit!  (£f)riftu$  fagen, 
baf;  ©ott  am  jüngften  Sage  aller  ©laubigen  guten  2ßerfe 
nid^t  anber§  merbe  aufnehmen,  belohnen  unb  reidjlicb  oer* 
gelten,  benn  al3  mären  fie  feiner  eigenen  $erfon  gefcbefjem 
Unb  nad)  biefem  SBerpanb  üer^ei§et  bie  ©djrift  reiche  23e* 
folmung  aller  guten  2öerfe  ber  ©laubigen,  beibe  Ine  in 
biefem  unb  and)  in  jenem  ßeben. 

3um  achten  merfen  unö  bie  $äb(llidE)en  fcor  bie  2Borte 
CPetri  Slpoft  10:  0iun  erfahre  id)  mit  ber  2öaf)rbeit,  ba§ 
©ott  bie  $erfon  nid)t  anfielet,  fonbem  in  allerlei  23olf, 
mer  if)n  fürchtet  unb  recfjt  t|jut,  ber  ijt  ihm  angenehm. 
^ierau§  vermeinen  fte  ju  fdjlie§en,  ba§  mir  ni$t  bur$ 
ben  ©tauben,  fonbem  inxd)  föecfjttlmn  geregt  unb  ©ott 
angenehm  merben.  9lber  hierauf  ijt  ju  antmorten :  $etruö 
fjeipet  f)ie  SRecfcttyun  nicf)t  nad)  bem  @efe£  etliche  2öerfe 
tljun,  fonbem  nad)  bem  Süangelio  an  ß&riflum  glauben 
unb  bem  ©tmngelio  ©eljorfam  leiten.  2ßer  fid>  ju  ©ott 
belehret  unb  Sfmjtum  annimmt,  ber  t^ut  bie  ©erec^tigfeit 


36  t 

beö  Stmngelü,  benn  e£  ift  ber  ^öd;fte  33efef;l  ©otteS,  biefen 
foüt  ifcr  fjören.  Wlattt).  17,  Öuc.  9.  Stuf  bie  2Beife  rebet 
aud)  Sfjriftug  9Jiattf).  7:  £Rtd)t  alle,  bie  gu  mir  fagen: 
£Srr,  £@rr,  werben  in'ö  SReid)  ©otteö  fommen,  fonbern 
bie  ben  2ßi(Ien  tljun  meinet  93aterö  im  Fimmel.  2lüt)ie 
forbert  GfmjluS  ben  ©lauben  an  i&n,  beim  toer  an  &f)ri» 
fhun  glaubet,  ber  tf)ut  roaf>rt)aftig  ben  ernften  SBillen  ©ot* 
te£;  nid?t  ba§  er  mit  guten  2Berfen  baS  @efe|  erfülle, 
unb  alfo  t)or  ©ott  geregt  fei,  fonbern  in  bem  ifi  er  ©ott 
geborfam,  ba§  er  an  ben  ©o^n  glaubet,  unb  burd)  ilm 
bie  ®eligfeit  fudjet,  nadjbem  er  jte  burd)  bie  SBerfe  be§ 
©efe^eö  nid)t  mag  erlangen.  £)iefe  Auslegung  ijl  Dom 
£errn  (Xfjrifio  felbfi  gegeben  morben,  3of).  6:  3)a§  fft 
aber  ber  2öitle  be§,  ber  mid)  gefanbt  f)at,  ba§  tx>er  im 
Solm  ftebet  unb  glaubet  an  ifm,  fjabe  i>a$  etx>ige  ßeben, 
unb  id)  toerbe  ilm  auferaecfen  am  jüngpen  Sage.  Unb 
abermal:  Da§  ifi  ©otteö  2öerf,  baS  il)r  tfmn  follet,  ba$ 
x\)x  glaubet  an  ben,  ben  er  gefanbt  I)at.  2llfo  ifi  feiertet 
3ted)ttf)un,  eineö  nad)  bem  ©efeij,  toeldjeö  ben  ÜKenfdjen 
üollfömmlid)  ju  t>errid)ten  unmögltd),  ba$  anber  ifi  nad> 
bem  (Süangelio,  it)eld)e§  l)ei§t  glauben  an  ben  €>of)n  ©otteS, 
ßtjrifhim.  2öer  ftd)  mit  biefem  gegrünbeten  Seric^t  ni$t 
mill  erfättigen  lajfen,  bem  mag  nod)  weiter  alfo  geant* 
toortet  werben:  betrug  rebet  am  felben  Ort  nidjt  üon  ber 
Urfadje  unferer  SRed)tfertigung ,  toarum  mir  ©ott  gefallen, 
fonbern  ftrafet  berer  2öa^n,  bie  ba  meineten,  bie  3uben 
ttmren  allein  ©otteä  93olf,  unb  bezeuget  bagegen,  ba§  ©ott 
ofme  Unterfdjieb  allerlei  Sftenfcben,  jte  feten  3uben  ober 
Reiben,  ju  ©naben  aufnehme,  tt>enn  fte  ftd)  nur  ju  ©ott 
befeljren,  an  ßfmftum  glauben  unb  gottfelig  ftnb.  2ßer 
©ott  fürchtet  unb  red)t  tfmt,  ber  gefällt  ©ott,  fprid)t  betrug, 


362 

md)t  um  feiner  ©otteöfurdbt  ober  $römmigfeit,  bie  unfcoll* 
fommen  tft,  fonbern  um  %tfu  ßfmfti,  beö  aitittlerä  nullen, 
an  freieren  er  glaubet;  bemt  niemanb  mag  ©ott  gefallen 
of)ne  ©lauben,  niemanb  fann  ©ott  fürchten  unb  red)t 
tfmn,  er  fei  gleid)  ein  3ube  ober  £eibe,  e#  fei  benn,  ba§ 
tx  an  3efum  (£fjrtjium  glaube,  burcf)  ifm  mit  ©ott  Der- 
fö^nt  fei  unb  ben  ^eiligen  ©eifi  empfangen  fwbe.  £>a§ 
nun  bie  $äbftli(f)en  meinen,  SomeliuS  fjabe  oljne  (grifft 
(Srfenntnijj  nur  l)eibnifd)e  Xugenben  gehabt,  gefajtet,  9111* 
mofen  gegeben  unb  fromm  gelebt,  unb  folcfje  Jöerfe  fjabe 
Oott  berma§en  angefeljen,  ba§  er  if)tn  ßljriftum  offenbaret, 
ben  ©tauben  gegeben  unb  feiig  gemacht,  ifi  ein  lauter 
Unüerftanb ;  benn  bk  ganje  ©$rift  jeuget,  ba§  alleä,  toa8 
nid)t  au3  bem  ©lauben  gefdj)iet)t,  fei  ©ünbe,  ba§  aucfy 
©ott  feine  ©nabe  nifyt  na$  SSerbienjt  ber  2öerfe,  fonbem 
nad)  feiner  Sarm^erjigfeit  unb  $orfa|  erzeige,  Jßefj  iü) 
mxä)  erbarme,  fpricfyt  er,  be§  erbarme  icf>  mi$.  $>a§  aber 
(Eorneliuä  Sbriftum  erfannt  f)at  unb  gläubig  gemefen  fei, 
beutet  2uca§  mit  fielen  äßorten;  benn  er  nennet  ifm 
gottfelig,  unb  jeuget,  ba$  er  immer  ju  ©ott  gebetet  f;abe; 
unb  ber  (Sngel,  ber  Sornelio  erfreutet,  fpricbt,  fein  ©ebet 
fei  erhört  Sorben,  SKun  mag  niemanb  re$t  bcttn,  er  fei 
benn  burd)  Sfyrijhnn  mit  ©ott  üerfö^net,  unb  f)abe  bm 
©eift  btS  @ebet§,  toeldjer  burcfy  ben  ©lauben  empfangen 
toirb.  35arum  i|t  SorneliuS  fcbon  oor  ©ott  geregt  ge* 
mefen,  unb  ttrirb  auS  ben  $ropt)eten,  2ttofe,  3efaia8, 
Daniel,  ®ad)arja  fd)on  gelernt  baben,  ba§  ©ott  bm 
9Jtenf$en  burd)  b^n  tterf)ei§enen  9J?effta3  t>on  @ünbe  unb 
Job  erlöfen  unb  feiig  machen  tollte.  3)aran  feblte  e§ 
aber  bem  (Eornelio,  ba§  ifjm  »erborgen  tt>ar,  ba£  3efu# 
(£{)riftu§,   ber  ttmfjrbaftige  üKefftag,  nad?  ber  3Serf)ei§ung 


363 

be3  $aferä  erfcfjienen,  ba$  Jöerf  ber  ßrlöfung  üerridjtet, 
ben  lob  erlitten,  alleg  bellet  unb  am  brüten  Jage  ttne* 
ber  auferftanben,  gen  £tmmel  gefahren  toäre,  unb  allba 
fä§e  jur  9iecf)ten  ©otteö.  ©olcfjeS  Sid)t  beä  neuen  Sefta* 
mentä  bat  ©ott  bem  ßornelio  md)t  tterfjalten  motten,  f)at 
bermegen  burd)  ben  ©ngel  befohlen,  Metrum  l)olen  ju 
laffen;  ba§  bemnacf)  ßorneliuS  nid)t  allerer^  gerecfjtferttget, 
t>a  $etru£  ju  if)m  gefommen  ift,  fonbern  bie  @rfenntm§ 
©otteä  unb  bk  ©aben  beö  @eifie§  in  U;m  fcermefjret 
korben  jinb. 

3um  neunten  mu§  audj  ber  ©prud)  $auli  1  @ot\  13: 
2öenn  id)  allen  ©lauben  Ijätte,  unb  fyätk  ber  Siebe  nicbt, 
fo  märe  id)  nid)t3,  ben  ^apiflen  ju  üjrem  23ef)elf  bienen, 
bie  ©erecbtigfeit  ber  SGBerfe  ju  befdjönigen.  2lber  toer 
$aulum  an  bem  Ort  mit  $lei§  emäget,  jteljet  leid)tiid), 
t>a§  feine  SJleinung  gar  nicbt  fei,  bie  ©eredjtigfeit  ber 
SBerfe  ju  betätigen,  fonbern  ?u  jeigen,  meiere  grüßte  bem 
red)tfd)affenen  ©tauben  folgen  muffen;  benn  ba3  ift  !ein 
redetet  ©laube,  ber  nur  Diel  üon  S^rifio  rühmet,  unb  aber 
feine  Siebe  ©otteö  unb  beö  9täd)ften  gebieret  3)er  ©taube 
mu§  ausbrechen  burd)  mancherlei  grücbte  ber  guten  Sßerfe, 
jum  3e^Sn^8/  &a§  er  ted)tfcbaffen  fei.  $)arum,  toer  bie 
Siebe  md?t  übet,  ber  bezeuget  bamit,  ba§  er  obne  ©otteg 
©eift  fei,  ber  bie  Siebe  anjänbet;  toer  Sf)rifti  ©eift  ntdji 
l)at,  ift  nicht  fein,  9löm.  8,  f)at  aud?  ben  ©lauben  nid>t ; 
toer  G&rifto  nid)t  angehöret  unb  ofjne  ©lauben  ift,  ber  gilt 
nid)t3  unb  mag  nid)t  gerecht  fein,  £>a§  nun  $aulu3 
fprid)t:  2öenn  id)  allen  ©lauben  bätte,  alfo  ba§  id)  fönnte 
93erge  t>erfet$en,  unb  fyätte  ber  Siebe  nid)t,  fo  tioäre  id) 
nichts,  ift  nid)t  alfo  ju  üerfieljen,  als  fönne  jemanb  ben 
magren  ©lauben   fjaben,   unb  ofjne  Siebe  bleiben;    benn 


364 

(o  tt>emg  bie  »Sonne  ofjne  Sid)t,  baö  $euer  oljne  $i|e, 
ba§  Seben  ofme  Regung ,  ein  guter  Saum  ofme  grüßte 
bleiben  mag,  alfo  toenig  finb  ©laube  unb  ©eifl  ofme  Siebe 
unb  gute  28erfe.  $auluS  aber  fe|et  i>a$,  baö  fonft  un* 
möglich  ift,  auf  ba§  er  bejto  ftärfer  fdE>lie§e,  ba§  ber  ©laube 
iixxd)  bie  Siebe  foll  tfjätig  fein,  unb  allen  ©ebanfen  wefjre, 
bie  i>a  meinen,  e§  fei  genug,  toenn  fte  nur  ben  ©lauben 
rübmen,  ob  fte  gleich  ofme  Siebe  unb  @oite§furd?t  bleiben, 
9ll§  wenn  einer  fpra^e,  menn  ber  Cßabft  ju  (Rom  Sobte 
aufernoecfte,  bennod)  toäre  if)tn  nic^t  ju  glauben,  meil  er 
@otte3  2öort  Detn^irft  unb  graufame  Abgötterei  Dertfjeibi* 
get;  nicf)t  ba§  möglid)  fei,  ba§  ein  $abjt,  ber  ber  Sinti 
djrift  ifi,  fönne  Jobte  aufertoecfen,  fonbern  audj)  ba3  un* 
möglief)  ijt,  ttrirb  gefegt,  auf  ba§  befto  prter  gefdjloffen 
merbe,  bafj  bem  $abjl:  in  feinem  2öege  ju  glauben  fei. 
Ober  wenn  einer  alfo  fpräc&e:  2Benn  tu  gleich  alle  ©ünbe 
begangen  ptteft,  bie  oon  2lbam  an  in  aller  2öelt  $u  allen 
Seiten  gefd)ef)en  ftnb,  bennod^  foQjt  bu  nidf>t  verjagen  an 
ßfmfto;  ni$t  ba§  möglich  fei,  ba§  ein  Wlenfö  aller  JBeft 
©ünbe  auf  ftd)  fjabe,  fonbern  ba§  unmöglid)  ifi,  mirb  ge* 
fe^t,  auf  ba§  itn  9Jienfd)en  alle  Urfad)  jur  Serjtoetftung 
genommen  merbe,  unb  ttne  tief  er  gefallen,  bennod)  in 
6f)rifto  bie  Vergebung  ber  ©ünben  gett)i§  glaube.  9Xuf 
biefe  2öeife  fe^et  aueb  $aulu§  bm  ©prudj,  rote  er  benn 
bergleidjen  unmögliche  $>inge  mef)r  fefeet,  al$:  toenn  er 
mit  ßngeljungen  rebete,  unb  toü§te  alle  ©eljeimniffe,  rvtU 
d)e3  einem  SRenfdjen  in  biefem  Seben  unmöglich,  roiU 
bennod)  $aulu§  allein  ba$  bemeifen,  ba§  ber  ©taube,  ber 
oljne  Siebe  unfruchtbar  bkihtt,  nid?t  redjtfcfyaffen  fei  unb 
bemnad)  nid)t  gerecht  madje. 

3um  jefjnten  jiefjen  bie  $äb#lid)en  ttiber  un8  an  bie 


365 

fünfte  Sitte  im  Sater  Unfer:  Sergib  un§  unfere  ©cfmlb, 
atö  tt)ir  »ergeben  unfern  ©cbulbigern,  dllatti).  6;  item: 
Sergebet,  fo  wirb  eud)  »ergeben,  ßuc.  6.  £ierauö  »er* 
meinen  jte  ju  f$lie§en,  ba§  ©ott  um  unferer  Sergebung 
nnt)  brüberlicber  Serfö^nung  toiüen  unfere  ©ünbe  »ergebe 
unb  »or  ibm  geregt  fdE)ä§e.  5tber  bie  Sßorte  (grifft  im 
(55ebet  fjaben  gar  nid)t  biefen  Serftanb ;  »ielmeljr  aber  roeit 
uns  Sf)rifiu3  ftei§t  um  Sergebung  ber  ©ünben  bitten, 
lehret  er,  ba$  uns  bie  ©ünben  ofjne  Serbienft  auö  ©naben 
nadjgelaffen  werben,  inma^en  bie  gan$e  beilige  ©tfmft 
fotdpeö  burdjauö  jeuget:  2lu§  ©naben  feib  ü)r  feiig  wor* 
ben,  fpridE)t  Paulus,  6pf).  2,  burd)  ben  ©lauben,  unb 
baffetbige  nid)t  auö  eud),  ®otte3  ®abt  ifi  eö,  nid)t  aus 
btn  SSerfen,  bamit  ftc^>  mcfyt  jemanb  rüljme.  Unb  am 
anbern  Ort:  ©ott  f)at  uns  gefd)enfet  alle  ©ünbe,  unb 
auögetilget  bie  #anbfdbrift,  fo  wiber  un3  toar,  ßol  2. 
(Tfmftus  malet'3  aueb  flärlid)  im  ©leidmifc  9Jtattf).  18, 
t>a$  ber  £err  bem  Äneebt  aüe  ©d?ulb  erlaffen  ^abe,  nur 
au§  ©naben.  3^bem  ift  nicfyt  möglich,  ba§  ein  Sftenfd) 
feinem  9täd)ften  feine  gebier  »on  £erjen  »ergebe,  er  fei 
benn  ju»or  mit  ©ott  »erfö^net,  unb  fwbe  ben  ©lauben 
unb  ^eiligen  ©eifi  empfangen;  benn  f)erälid)e,  wahrhaftige 
Serföljnung  unb  ©anftmütfngfeit  ifi  eine  $rud)t  bes  fjeili* 
gen  ©eiftes.  2öeit  benn  unfere  Sergebung  erft  folget  ber 
Serföfwung  mit  ©ott,  fo  fann  fte  berfelben  feine  Ürfadje 
fein.  9lu8  biefen  Urfacfjen  aber  l)at  S^ripuä  ben  2tnl)ang: 
aU  wir  unfern  ©d)utbigern  »ergeben,  fnnju  ge* 
tf)an;  erftlicf)  ju  lehren,  waö  un§  Sfmften  gebühre,  näm* 
lief) ,  nadjbem  ©ott  ber  Sater  im  Fimmel  fo  gnäbig  mit 
\xn$  umgebet  unb  un§  alle  ©dEmlb  nacbläffet,  ba$  wir 
gleichfalls  mit  unfern  9Jlitfned?ten  audt)  fahren  foüen,  unb 


366 

unfer  $Re$t  fallen  laffen;  jum  anbern  $u  erinnern,  ba§ 
ber  ©laube  unb  bag  ©ebet  ni$t  rec^tfdEwffen  feien,  mo 
baö  £erä  bie  fRad^gierigfeit  behält ;  benn  ©ünbe  miber  ba§ 
©emiffen  unb  ©laube  fielen  nid^t  bei  einanber.  3)ermegen 
empfäfjet  ber  (Rachgierige  ni$t  Vergebung  ber  ©ünben, 
meil  er  ofme  ©lauben  ijt;  für§  brüte  anzeigen,  ba§  ©ott 
unfere  ßiubigfeit,  ©anftmutl),  ©ebulb,  2Bi(lfertigfeit  gegen 
Un  2öiberfa$er,  mie  au$  alle  anberen  guten  SBerfe,  fo 
au§  bem  ©lauben  gef$ef)en,  reid§>li(i)  erfiatten  unb  belol)* 
nen  molle. 

3um  eilften:  2öer  ben  8ot)n  empfäl)t,  ber  mag  ftdb 
beö  SBerbienfteS  rühmen ;  ba$  emige  ßeben  mirb  in  ber 
^eiligen  ©djrift  ein  ßol)n  geheißen,  barum  muffen  toir  e§ 
tterbienen.  3luf  biefeö  Argument  fe|en  bie  $äbflli$en  febr 
tuet,  unb  Ijat  mof)l  ein  menig  ©$ein;  ba£  e§  aber  ein 
Ungrunb  fei,  trollen  mir  flärlid?  tmr  Slugen  legen.  9luf 
ben  erften  ©prudE)  antmorte  icf)  alfo:  Jöenn  QJiertf^jen  mit 
einanber  fjanbeln,  ha  mögen  ßofjn  unb  Serbien]}  jufammen 
gehören;  ba  aber  ber  ^eilige  ©ott  mit  un3  ©ünbem  f)an* 
belt,  folgt  au§  bem  ßofm,  ben  ©ott  üerfprid^t,  ni$t  al§* 
balb  unfer  95erbienfi;  benn  unfer  @ef)orfam  ifl  untmll* 
fommen.  2öenn  mir  .alle§  getf;an  bctben,  muffen  mir 
fagen:  mir  jtnb  unnü|e  Anette.  Suc.  17.  2htä)  biefer 
2öelt  Jrübfal  ftnb  ni^t  mertl)  ber  #errli4)feit,  bie  an  un3 
foll  offenbart  merben.  $öm.  8.  Stile  unfere  ©eredjtigfeit 
ifl  mie  ein  unreines  Zud).  3ef.  64.  3o^annc§  ber  Käufer 
ifl  mit  aller  feiner  £eiligfeit  nid)t  mertl),  ba§  er  S^rifto 
bie  ©priemen  auftöfe.  3ot)-  1.  2öel$er  3ftenf$  mag 
ftd)  benn  feines  SerbtenjleS  gegen  ©ott  rühmen?  9Uci)t 
befto  minber  t>erfpricf)t  unS  ©ott  ben  ßo^n,  unb  reicht  ifm 
au$  überflüfftg.    2lber  alle  23er^eij?ungen  fmb  2lmen  unb 


367 

3a  in  2>eju  Gfmfio,  ©ott  belohnet  reicf>ltdE>  alle  guten 
SOBerfe  ber  ©laubigen,  bie  nichts  fcerbienen,  aber  um  feinet 
Sohnes,  3efa  S&rijli,  roillen.  3f*  berfjalben  ber  erfie 
<5prud)  falfd).  2luf  ben  anbern  antworte  id):  £>a§  bie 
©d)rift  bag  eroige  ßeben  eigentlich  einen  ßolm  f)ei§e,  finbe 
i<&  nirgenb.  2ßol;l  fprid)t  G&riftuS  SWatt&.  5:  ßuer  ßobn 
ifi  gro§  im  Fimmel,  baö  tfi,  im  eroigen  ßeben  fotl  eu$ 
bie  Verfolgung  unb  ©d>mad)  reidE)li(^  belohnt  roerben. 
©oldjeg  aber  ifi  tuet  anberg  gerebet,  benn:  ba$  eroige 
ßeben  ifl  ein  fiofcn.  £>a§  aud)  bie  $apifien  ben  ©rofdjen, 
hm  SfjrifiuS  2Ratit).  20  f)ei§t  ben  Arbeitern  geben,  i>a3 
eroige  ßeben  beuten  sollen,  mag  je  nid)t  befielen,  ftntemal 
aud)  bie  ibren  ©rofcben  unb  ßolm  empfangen  f)aben,  bk 
roiber  ben  ^auöüater  gemurret  unb  tron  i^m  Ijören  muffen: 
nimm  I;in,  roaS  bein  ifi,  unb  gef)e  f)in;  in  meldten  &f)ri* 
fluö  bie,  fo  nid)i  feiig  roerben,  auf  ibr  Verbtenfi  tro|en, 
abgemalet.  2lffo  aber  rebet  $autu£  $öm*  6:  Donum  Dei 
vita  aeterna,  $>a$  eroige  ßeben  ifi  eine  ©abe  ©otteS.  Db 
er  roobl  juuor  gefagt  fwtte:  Der  ©ünben  ©olb  ifi  ber 
Job,  fo  f)at  er  bocfy  barauf  ni<$)t  einführen  roolien,  roie 
e$  ftdj  nad)  ber  Vernunft  rooljl  gereimt  fjätte:  $)a§  eroige 
ßeben  aber  ifi  ein  ßofjn  ber  ©erec^tigfeit,  fonbern  fpridjt: 
Sine  ©abe  ©otteö  ifi  baö  eroige  ßeben.  3)ie  ©ünbe  t>er* 
bienet  ben  Job,  benn  fie  ifi  eine  völlige  ©ünbe,  bie  @e* 
red)tigfeit  aber  oerbienet  nidjt  baö  eroige  ßeben,  benn  fie 
ifi  in  un3  nid)t  oöllig.  Sefie^et  alfo  ber  anber  ©prud) 
autt)  nidjt.  2öa3  roiü  benn  i>a$  baufällige  Argument 
fiü£en?  Unb  gefegt,  baö  (id;  bod)  ntd)t  ftnbet,  bie  ©djrift 
l)ie§e  baS  eroige  ßeben  einen  ßofjn,  barauf  fotgete  bennocb 
mi)t,  ba§  rotr  e£  fcerbieneten ;  benn  ti  roürbe  barum 
ein  ßo£n  genannt  roerben,   ba$  e$  alle  guten  Sffierfe  ber 


368 


©(äubigen  retcpcf)  belohnet,  ob  eö  gleidb  md)t  um  ber 
Söerfe  nullen,  (onbern  auö  ©naben  gefc^enft  mirb.  2)a3 
t>äterlid>e  ßrbe  toirb  bem  ©ofjne  nid^t  gegeben  barum, 
baß  er  t>iel  gearbeitet  unb  e£  öerbienet  f)abe,  fonbern  ba§ 
*r  ber  ©ofm  im  £aufe  unb  ßrbe  jum  ©ut  ift,  unb  nid)t 
befio  minber  lohnet  baä  t)äterli$e  (Srbe  alle  2Rüf;e  unb 
Arbeit  be3  €>ol)ne3  reid;lid).  2llfo  ifi'ö  aud)  mit  bem 
ewigen  Seben,  tx>el(i)eä  mir  ererben,  toeil  tirir  burd)  ben 
Glauben  Äinber  ©otteö  Sorben  fmb. 

3um  jtDfllften,  t>a§  ber  tetmngelifi  ÖucaS  S.  1  fagt 
ttom  3tt$ariag  unb  (Slifabetl) :  Sie  ttmren  aber  alle  beibe 
fromm  t>or  ©ott,  unb  gingen  in  alten  ©eboten  unb 
©a^ungen  be3  £errn  untabelic^  <Sold>eö  beuten  unfere 
2Siberfad)er  alfo,  al§  Ratten  gatyaxiaö  unb  ßüfabetf)  baS 
ganje  ©efe§  ©otte3  erfüllet,  unb  mären  burd)  i^ren  ©e* 
fyorfam  t)or  ©ott  geregt  gemefen.  63  ifi  aber  eine  juge* 
nötigte  falfd)e  Deutung,  9JJan  mu§  fleißig  Sichtung 
geben,  t)on  melier  ©eredE)tigfeit  2uca3  rebet.  3n  ber 
erften  ^rebigt  ift  gemelbet  unb  au§  ©otte§  Söort  erliefen 
toorben,  ba%  bie  <Sd)rift  t)on  jtoeierlei  ©eredjtigfett  rebet; 
äne  ifi  bie  ©ere^tigfeit  be§  @efe§e§,  meldte  flehet  im 
©ef)orfam  gegen  ©otteö  ©ebote,  bie  anbere  ifi  bie  ©e* 
red)tigfett  beS  ßüangelii,  meldte  ifi  bie  gnäbige  Vergebung 
ber  ©ünben  unb  23erföf)nung  mit  ©ott,  in  benen,  bie  an 
<£f)riftum  glauben.  25on  ber  ©ere^tigfeit  beö  ©efeijeS 
rebet  bie  ©djrift  abermal  auf  mancherlei  Sßeife.  Denn 
erfilic^  ifi  ba  bie  üollfommene  ©eredbtigfeit,  meiere  ifi  bie 
ganje  Erfüllung  aller  ©ebote  ©otte3,  t>on  melier  rebet 
ÜRofe«  5  ÜRof.  6:  Du  follfi  ©ott,  beinen  £errn,  lieben 
x>on  ganzem  fersen,  öon  ganzer  Seele,  t)on  ganzem  ©e* 
mittle,  unb  ben  9läd)fien  a(3  bid)  felbji.    3tem  9Wm.  10: 


369 

SDte  öiebe  ifi  bie  Erfüllung  beö  ©efe|e§.  gürg  anbere 
nennet  bie  ©djrift  audj  ©erecf)tigfeit  ben  äu§erli$en  ©e* 
l)orfam  gegen  bie  ©ebote,  alö  m$t  lügen,  ni$t  fielen, 
nid)t  tobten,  ni$t  eljebrec^en,  fonbern  eljrbarltcf)  unb  fromm 
leben,  obgleich  ba3  £erj  ni$t  allein  voller  böfen  Süfte  unb 
Effecten  ftecfet,  fonbern  au$  otme  23ufje  unb  ©lauben  iji. 
Sf)rifiu3  unb  $aulug  nennen  bie§  eine  |)Jjarifäifcf)e  unb 
be§  $leif$e§  ©ereä&tigfeü,  möchte  aud)  tooljl  eine  l)eibmf$e 
ober  p^ilofop^if^e  ober  bürgerliche  ©ere^tigfeit  f)ei§en. 
$üx8  brüte  nennt  bie  ©$rift  au$  ©ere^tigfeit  ben  @e* 
Ijorfam  ber  gläubigen  Triften,  toeldier  ni$t  ifi  bie  ganje 
Erfüllung  be§  ©efe|e3,  bie  feinem  9Jlenf$en  in  biefem 
Seben  möglich,  geljet  aber  t>on  rechtem  «^er^en,  au8  reinem 
©lauben  unb  gutem  ©etxriffen,  unb  ifi  eine  $rud)t  beä  I). 
@eijle§.  SBeil  nun  bie  $erfon  bur$  ben  ©lauben  an 
6&rijhim  ©ott  gefällig  ifi,  fo  lä§t  t&m  ©ott  fol$e  @e* 
rec^tigfeit  aud)  gnäbig  gefallen,  al§  bie  if)tn  ju  6f)ren  reicht 
Sllfo  rebet  nun  Sucaö  erflli$  öon  ber  ©erec^tigfeit  beä 
©fcangelii,  bafj  Safyaxiaä  unb  ßlifabetf)  öor  ©ott  ftnb 
fromm  getoefen,  nämli$  burdE)  ben  ©lauben  an  ben  t>er* 
^eigenen  2#effta§,  toel^er  gewaltig  f cremet  au8  bem  ßob* 
gefang  SafyaxiL  2)ama$  rebet  er  au$  t>on  ber  ©eredj* 
tigfeit  be§  untabelidjen  2eben§  t)or  2Renfc$en  nad[j  allen 
©eboten,  unb  be§  guten  @ett)iffen§  fcor  ©ott,  xodfyt  in 
allen  ©laubigen  fein  folL  6old)e  ©erec^tigfeit  aber  be§ 
guten  @etoiffen§  ift  nt$t  bie  Erfüllung  beö  ganjen  ©efe|e3, 
fonbern  nur  ein  Anfang  be§  regten  ©eljorfamg,  babet 
nod)  tuet  Unreinigfeit  ift,  laut  beö  ©prudE)e£  $f.  19:  2ßer 
fann  merfen,  tt)ie  oft  er  fefjlet?  93erseif)e  mir  bie  verbot* 
genen  fte&ler.  £>a§  alfo  aucl)  3a$ariag  unb  glifabet^ 
Ijaben  befennen  muffen,  nekn  bem,  ba§  eö  ber  ©prudE> 

24 


I 

I 


370 

$)at>ibg  $f.  32  bezeuget:  $afür  werben  btd)  bitten  alle 
^eiligen;  item  $f,  143:  2Sor  bir  ifi  fein  ßebenbiger  geregt, 
fo,  erwetfjt  fxfyä  au$  au§  ber  fofgenben  #tjft>ria  ßucä,  ba  er 
melbet,  wie  3ö$aria§  um  feines  Unglaubens  willen  öon 
©ott  gejlraft  unb  jtumm  fei  Worben ;  barum  bat  er  je  baö 
ganje  @efe§  nid^t  erfüllt,  fonbern  ifi  balb  im  erften  ©ebot 
brühig  worben. 

93ei  biefer  SBiberlegung  ber  päbjtlidjen  Ungrünbe  will 
ify8  auf  bieg  9Wal  berufen  unb  bleiben  laffen ;  benn  gott< 
feiige  (£l)rifl:en  l)ieraug  genugfam  oerflefjen,  wie  if)re  lofen 
SSe^elfe  fo  gar  feinen  ©ejtanb  Ijaben,  unb  nur  au$  eitelem 
Unfcerfianb  fliegen,  als  ba§  fte  i>k  2öorte  ber  ^eiligen 
©dEmft  fätfcpcl)  beuten,  ®efe£  unb  Soangelium  nidjt 
eigentlich  unterf^eiben,  fonbern  twrfe|lidE)  in  einanber  men* 
gen,  audf)  bie  ©prücfje  ber  ^eiligen  ©c^rift  ni$t  na$  9iotf)* 
burft  erwägen,  fonbern  üerftümmeln,  baju  nidbt  eigentlich 
2t$t  geben,  wof)in  ein  jebeS  twn  $ropt)eten  unb  Slpofieln 
gerebet,  unb  bann  eiteler  ©opljifierei  fid)  befleißigen,  2öer 
nun  bie  fe£tgef)örte  Söiberlegung  mit  $lei§  wirb  erwägen 
unb  faffen,  bem  wirb  mit  ©otte§  £>ülfe  nid)t  fd)Wer  fein, 
aud)  anbere  berglei^en  ber  päbfilidjen  ©egenwürfe  mit 
©runb  göttlichen  Sffiortö  auftulflfen. 

3um  93efd)lu§  wollen  wir  nod)  ein  wenig  antworten 
auf  etliche  ßinreben  ber  $äbftlid)en,  mit  welker  fte  t>er* 
meinen,  unfere  Seljre  t)om  ©lauben  ungewiß  ju  machen, 
auf  ba%  if)r  Unöerftanb  unb  lofen  93ef)elfe  allenthalben 
offenbar  werben, 

2ttö  benn  bie  ^äbjtlidjen  un8  im  <S|)ru$  ©atomoniS 
$reb,  9  vorwerfen:  Äein  2RenfdE)  fennet  Weber  bie  ßiebe 
no$  ben  £a§  irgenb  eines,  ben  er  fcor  ft$  l)at;  barauS 
fte  fcbltefien  wollen,  ber  9Jtenfcf)  fönne  nidjt  wiffen,  ob  er 


371 

bei  (Sott  in  ©naben  ober  Ungnaben  fei,  iji  barauf  be* 
jMnbig  $u  antworten:  ©afomon  rebet  Don  bem  Urteil, 
ba£  au3  bem  ©lud  unb  Unglücf,  unb  tva$  bem  OJienfc^en 
fcie  auf  (Srben  miberfäbret,  genommen  mirb,  tote  er  fxä) 
felbfi  auöbrüdflidE)  erfiärt  mit  Dielen  2öorten:  6§  begegnet 
einem  rcrie  bem  anbern,  bem  ©ered)ten  toie  bem  Ungeredj* 
ten,  bem  ©uten  unb  deinen  mie  bem  Unreinen,  tx)ie  e3 
t>em  Slfteineibigen  gefjet,  fo  gefjet  e§  aud)  bem,  ber  ben  Sib 
fürchtet,  barum  fann  mQn  auö  bem  ©lud  ober  Unglücf 
nidf)t  nnffen,  wer  ©ott  gefalle  ober  nicbt.  2Id?an  ttrirb  ju 
2obe  gejhiniget,  benn  er  ^atte  be§  Verbannten  genommen; 
3eremia§,  ^abotf),  ©tept)anu3  ftnb  unfdjulbtg  unb  werben 
bod)  aud)  gejleiniget.  3ofepf)  ifi  reid),  glücffelig  unb  ft|t 
in  großer  £errlid)feit,  ijl:  aber  fromm  unb  gottfelig  babei; 
2lle$anber,  £erobe§,  6raffu3  ftnb  gottlos  unb  beft|en  bod) 
bie  9teid)tf)ümer.  Darum  mu§  niemanb  au3  ben  3ufäflen 
fcon  ©otteS  Stilen  gegen  un8  richten.  SajaruS  follte  nid)t 
barum  f$lie§en,  ba§  er  t)on  ©ott  öermorfen  fei,  meil  er 
fo  arm  unb  franf  ba  liegt;  ber  reiche  üftann  foll  ni$t 
barum  [fließen,  er  J)abe  einen  gnäbigen  ©ott,  ba$  er  fo 
reid)  tft  unb  ^errlid^  kbzt  ßuc.  16.  ©ott  läffet  feine 
©onne  fdjeinen  über  33öfe  unb  fromme,  Wlatti).  5,  aud) 
tüirft  ©ott  baö  Unglücf  über  33öfe  unb  fromme.  2lu§ 
bem  2öort  @otte§  aber  fönnen  unb  follen  mir  getoi§  unb 
ungejtt>eifelt  fd)lie$en,  toie  ©ott  gegen  un§  geftnnet  fei,  e3 
gefje  unö  gleid)  tt)ot)l  ober  übel.  Denn  ©ott  bot  beibeS 
offenbaret:  (Srfilid),  ba%  bie,  fo  an  ^t\\xm  ßfjriftum  md)t 
glauben,  unb  bie  in  ©ünben  txriber  ba§  ©enriffen  leben 
unb  fortfahren,  ©ott  nid)t  gefallen,  no$  £t)eil  am  5Rei$ 
©otteg  Ijaben,  jtc  feien  gleid)  arm  ober  reid),  glücffelig 
ober  unglücffjaftig,  leben  in  guten  ober.böfen  Sagen;  benn 

24* 


372 

alfo  jeuget  ©ott  fetbjl  tton  (einem  2öitten  Job.  3:  2Ber 
nidjt  glaubet,  ber  ifi  fd)on  gerichtet,  ^texa  ©at.  5:  Die 
fol$eg  tfjun,  derben  bag  SRetdE)  ©otteg  nid>t  ererben,  Db 
benn  gletd)  ©anfjerib,  Stfoab,  3febel,  Slfntopfjel,  3^ab  in 
großen  S^ren  unb  Jöürben  gelebt  fjaben  eine  Belang, 
benno$  weil  fte  gottlog  getoefen,  fmben  fte  fc^(ie§en  follen, 
baß  ©ott  i^nen  feinb  toäre,  unb  fte  etoig  {trafen  wollte* 
3um  anbern  jeuget  ©ott  in  feinem  JBort  augbrücflidE), 
ba%  er  benen  gnäbig  fei,  fte  liebe,  geredet  unb  feiig  machen 
toolle,  bie  fein  Sßort  annehmen  unb  an  2>efum  (£f)rijtum 
glauben,  ungeachtet  toaS  if)nen  für  ©lücf  ober  Unglücf  f)ie 
auf  ßrben  mödjte  begegnen,  2ßenn  einer  gletdE)  nict)t  allein 
mit  großer  Slrmutl),  kxanfydt  unb  £obeggefal)r,  fonbern 
aud)  mit  ©ünben  noä)  belaben  ift,  bennod),  toofern  er 
glaubet  an  ben  £eitanb,  %tfum  Sf)riftum,  fo  foü  er  fefiig* 
Iid^>  fcpeßen,  ba%  er  einen  gnäbigen  ©ott  l)abe  unb  dn 
(Srbe  fei  ber  ©eligfeit;  ob  er  audE)  gleidE)  beg  £obeg  jterben 
müßte,  fo  foll  er  boä)  an  ©otteg  ©nabe  ntcbt  jtoeifeln, 
tt)ie  ber  liebe  $tob  (L  9  fagt:  Etiamsi  occiderit  nie,  tarnen 
sperabo  in  eum.  2öenn  er  mid)  gletdE)  tobtet,  fo  tüiil  i$ 
boü)  auf  i$n  ^offen.  Denn  ba  jtefjen  ©otteg  Sßorte,  bie 
ung  gettriffer  ftnb,  benn  atleg,  ttmg  ung  in  ber  28tlt  mag 
Begegnen,  3of),  3:  2öer  an  ben  ©ofm  glaubet,  ber  l)at 
bag  etoige  Öeben.  Stern  3öf).  1 :  Söie  tnele  um  aber  auf* 
nahmen,  benen  gab  er  üftad^t,  ©otteg  Äinber  ju  werben, 
bie  an  feinen  tarnen  glauben.  %tem  9töm.  8:  Der  ©eifi 
©otteg  gibt  Seugnifj  unferm  ©eijt,  ba§  wir  ©otteg  Äinber 
finb.  3tem  9Wm.  5:  SB  eil  toir  geregt  korben  finb  burdj 
ben  ©lauben,  fo  l)aben  ttnr  ^rieben  mit  ©ott  3tem 
9töm.  10:  Stile,  bie  ben  tarnen  beg  £erm  anrufen,  follen 
feiig  werben.    2ßie  nun  ber  5Qlenf$  ftnffen  fann,   ob  er 


373 

©otteS  2Bort  glaube  ober  nicfjt,  alfo  fann  unb  foll  er  audj 
fd)lie§en,  nidjt  aug  ber  Srfaljrung  beö  ©lücfö  ober  Un* 
glüdfö,  fonbern  au§  ©otteö  2Bort,  roie  ©ott  gegen  ifjn 
geftnnet  fei.  Obgleich  2lbel  üom  93ruber  erfragen,  3^fep^ 
tn'3  @efängni§  t)erjb§en,  3efaiä3  mit  einer  ©dge  mitten 
t)on  einanber  jerfc^nitten,  Jonathan  in  ber  <Sd?ta$t  t)on 
geinben  umgebracht,  ©tepfjanuS  ju  Jobe  gejteimget,  ßau* 
rentiug  auf  feurigen  Äotjlen  gebraten  morben ;  benno$  toeil 
fte  feft  im  ©lauben  am  2öort  ©otte3  gegangen,  unb  in 
G&rifto  baS  enrige  Seben  beftänbigli$  geljoffet  Ijaben,  ^aben 
fte  bei  ifjnen  f$iie§en  fönnen  unb  fotten,  ba§  fie  einen 
gnäbigen  ©ott  im  Fimmel  Ratten,  beffen  fte  aud)  im  #er$en 
burd)  ben  Reuigen  ©eijl  fcerftegelt  unb  t>erftd)ert  getoefen. 
£ergegen  obgleich  ©aul,  3^^boamr  2tf)ab,  ©anl)erib,  2lt)i* 
topfet,  iflabal,  gro§e  ßljre,  $et$tl)um,  ©ett>alt  unb  £err* 
lid)fett  gehabt,  jebo^  tteil  fte  ©otteS  Sffiort  m$t  geartet, 
an  ben  üflefftaS  nic^t  geglaubt  unb  obne  23u£e  geblieben 
ftnb,  ift'ä  gett)i§,  ba§  ©ott  feinen  ©efallen  an  il;nen  ge* 
Ijabt,  fonbern  feinen  grimmigen,  geregten  goxn  für  unb 
für  toiber  fte  geljen  lajfen. 

gür'S  anbere,  bie  $äbfftid)en  führen  ben  ©pruef)  3e* 
fu^  Sira$  (£.5:  De  propitiato  peccato  ne  sis  securus; 
über  bie  tterföfjnte  ©ünbe  fei  nid^t  ftcfjer.  #iemit  öermei* 
nen  fte  ifjren  l;eibnifd?en  Seifet  ön  ©ott  ju  betätigen, 
darauf  antworten  tt)ir  alfo :  2)temeit  bie  $äbftlidE)en  ft)ot)l 
Riffen,  ba$  bie  translation  (Ueberfe|ung)  an  biefem  Drt  tter* 
fölfd)t  tft,  benn  e3  foll  f)et§en:  De  propitiatu  ne  sis  securus; 
um  ber  93erföf)nung  mitten  fei  nidjt  ftdEjer,  unb  fmufe  nidjt 
eine  Sünbe  über  bie  anbere;  foüten  fte  ftd)  bittig  ber 
fd)änblid)en  6op|)ifterei  fd)ämen;  benn  mutwillige  25er* 
fef)rung   ber  ©d)rift   ifi   ni$t  allein  undjrijllic^ ,   fonbern 


374 

audE)  unebrbar.  3efu§  ©iradj  will  mdE)t,  baß  man  im 
3tt>etfel  fiefje,  ob  bie  ©ünbe  vergeben  fei,  fonbern  baß 
man  gnäbige  23erföl)nung  ju  fCeifdE>lid^er  ©idjerfjeit  unb 
93era$tung  ©otteS  nid!)t  mißbrauchen  foll.  S§  ift  je  ein 
großer  Unterf$ieb  jmifc^en  bem  djrifilidjen  ©lauben,  weiter 
eine  3ut)erftdE)t  ift  auf  ©otte§  93arml)er$tgfeit,  ©otieS  ©üte 
unb  5Baf)rl)ett  f)ocb  rühmet,  unb  ben  ÖKenfdijen  ju  aller 
©ottfeltgfeit  unb  Jugenb  treibet,  unb  jtoif^en  fleifdjltdjer 
©id?erf)eit,  toeldje  eine  93eradjtung  ©otteö  unb  feiner  SJÖoIjl* 
traten  ifl ,  ©ott  jum  Ijöcfyjten  unefjret,  unb  ju  allerlei 
©ünben  Urfad)  gibt  $)en  ©lauben  forbert  ©ott  ernftlid;) 
ÜJiarc.  1:  £l)ut  23uße,  fpri^t  ßfmjhiS,  unb  glaubet  an 
ba§  S&angetium.  55ie  ©i$ert)eit  aber  verbeut  ©ott,  laut 
ber  Söorte  $f.  32:  ©eib  nid&t  wie  föoffe  u«b  ORäuler, 
benen  man  ©ebtß  inö  ÜJtout  legen  muß.  2llfo  toill  nun 
©ira$  zermalmen,  baß  niemanb  ©otteg  ©nabe  unb  ©üte 
äum  fünblic^en  ßeben  mißbrauchen,  niemanb  auf  ©otteS 
S3arm^erjig!eit  fred)  fünbigen  foll,  fonbern  tx>ie  man  @otte$ 
Sarm^erjigfeit  feftigltd?  ofme  S^iftl  in  Sfmfto  glauben 
foll,  toenn  man  in  ©ünbe  gefallen  ift,  alfo  muß  man 
©otteö  ernfilid^en  unb  f$recfli$en  3°ni  fürchten,  auf  baß 
toir  weiter  in  ©ünbe  ni$t  fallen.  Daß  bieg  ©ira^S 
üJieinung  fei,  geben  feine  eignen  2ßorte,  bie  auf  beutfd) 
alfo  lauten :  $)enfe  nid)t :  3$  Ijabe  vooty  mef)r  gefünbiget, 
unb  ift  mir  nic^tö  Söfeö  miberfaljren ;  benn  ber  £err  ift 
xoo\){  gebulbig,  aber  er  ttrirb  bid?  nid)t  ungeftraft  laffen. 
©ei  audj)  nidjt  fo  ftcfyer,  barum  baß  beine  ©ünbe  oerfö^nt 
ift,  baß  bu  barum  für  unb  für  fünbigen  toolltefi.  Denfe 
audE)  ni$t:  ©ott  ift  fefjr  barm^erjig,  er  mirb  mtd?  nifyt 
ftrafen,  idj  fünbige  tme  öiel  idE)  tt>ill;  er  fann  balb  alfo 
jornig  werben,  alö  gnäbig  er  ift.    £ie  muffen  alle  Üftenfdjen, 


375 

bie  Vernunft  fwben,  befennen,   ba§  Snradj)  bie  fleifcf)lid)e 
<Si&erf)ett  unb  nicf)t  ben  cfmfilicben  ©tauben  verbeut. 

Jür'ä  brttte,  tollen  bie  ^äbjltidjen  atfo  folgern: 
©otteS  Oiatb  iß  unerforfcf)lidj),  wie  bie  ©cfcrift  jeuget:  2öer 
f)at  ben  Sinn  beö  #errn  erfannt;  wer  ift  fein  SRattjgeber 
gewefen?  3ef.  40,  ifiöm.  IL  £>arum  fann  niemanb  ttuffen, 
ob  un3  ©ott  wolle  fetig  machen  ober  nicf)t.  Antwort: 
©otteö  Watt)  ifi  unerforfc^ttcf)  in  ben  ©adjen,  bie  er  unS 
ntcbt  fyat  offenbaret.  2luf  welken  Jag  unb  ©tunbe  bie 
Söelt  üergef;en  foll,  mag  niemanb  erforfctjen;  ob  3ofe»f) 
auö  bem  ©efängni§  fommen  unb  jum  #errn  in  ßg^ten 
fotlte  werben,  fonnte  Weber  er,  nod)  fein  25ater  3<*cob  wijfen, 
ef)e  e§  gefdjefjen  war;  voaS  3°^nne§  für  ein  ßnbe  würbe 
nebmen,  fonnte  $etru§  ntcfet  wiffen ;  ob  3uba3  üftaccabäuS 
enbltcb  oon  §einben  f°üe  erfdjlagen  werben,  mar  ü)tn  un* 
Wtffenb.  $on  biefen  unb  anbern  unzählbaren  ©adpen  ifi 
©otteö  9ktf)  unerforfd^lid^,  unb  ©ott  will,  ba§  ber  2Renf$ 
ni$t  wtfje  tvaä  fünfttg  iß,  e§  fei  benn,  ba§  er'3  offenbare 
unb  üerfünbige.  3n  ben  ©adpen  aber,  ik  ©ott  felbfi 
üom  Fimmel  üerfünbiget,  feinen  föatb,  SBillen  unb  üftei* 
nung  ausbrücflidj  üermelbet  unb  funb  machet,  fönnen  unb 
fotlen  toir  Riffen  unb  fd[)lie§en,  wie  er  geftnnet  fei.  Da 
er  uerfünbiget,  i>a#  er  na$  120  3^^^  ^e  SStelt  mit  ber 
©ünbflutb  wollte  vertilgen,  1  Sftof.  6;  ba  er  felbfi  melbet, 
Wie  er  ©oboma  wollte  umfefjren,  l  9Kof.  18;  ba  er  üer* 
f)ei§et,  ba§  ©ant)ertb  in  ^erufalem  nid)t  fommen  foll, 
3ef.  38 ;  ba  er  eigentlich  melbet,  ba§  bie  babtjtonifc^e  ©e* 
fängni§  70  3^te  follte  währen,  %tx.  25,  ba  fjaben  je 
9loaf),  5lbraf)am,  £i3fia3,  3crcmia8  ben  JRatf)  unb  2ßilten 
©otteS  wiffen  fönen.  2l(fo  i}at  ©ott  aud?  erfllicfc  baö  ©e* 
fe$  offenbaret;  benn  er  bezeuget,  bajj  er  jürne  wiber  alleS 


376 

gotttofe  2öefen  aller  Slftenfdjen,  unb  i>a%  er  bie  ©ünbe 
jhafen  roolle;  barna$  fwt  er  auty  ba§  ©twngelium  öom 
Fimmel  oerfünbiget  unb  barin  bezeuget,  ba§  er  allen,  (o 
ma^t^aftige  93u§e  tfmn  unb  an  ben  fcerorbneten  Mittler 
3efum  6f)riftum  glauben,  bie  ©ünbe  vergeben,  iljnen  gnäbig 
fein,  bie  ©ered)tigfeit  juredmen  unb  ©eligfeit  fdjenfen  tt>oÜe. 
28er  nun  ju  ©ott  nid)t  befe^ret  ttnrb,  nocb  an  Slm* 
ftum  glaubt,  ber  fotl  unb  fann  gett)i§  fd)lie§en,  ba§  er  bei 
©ott  in  Ungnaben  fei;  benn  ©ott  l)at  feine  Meinung  unb 
2ßillen  fjieüon  bezeuget,  3^«  3:  2öer  an  ben  ©ofm  nidjt 
glaubet,  ber  txrirb  ba§  Öeben  nic^t  fe^en,  fonbern  ber  3orn 
©otteö  bleibet  über  if)tn.  3tcm,  mx  in  Unzucht,  (Sfjebrud), 
$)iebjlaf)l  fortfahret,  ber  foll  e§  in  feinen  3*^f^  fe&en> 
ba§  er  einen  ungnäbigen  ©ott  f)abe;  benn  alfo  jeuget  ©ott 
felbft  ©ad).  8:  Haec  sunt,  quae  odi;  dicit  dominus.  35iefe 
©ünbe  l)affe  i$,  fprid^t  ber  #err.  2öer  aber  nmfjrljaftige 
33u§e  tl)ut  unb  glaubet  bem  ^eiligen  Soangelium,  ber  fann 
unb  foll  fd)lie§en,  vt»te  umxmrbig  unb  unrein  er  gleich  ifl, 
ba§  er  bei  ©ott  in  ©naben  fei,  Vergebung  ber  ©ünben 
erlangt  fjabe,  fcor  ©ott  geregt,  ein  Tempel  be§  ^eiligen 
©eifteö  unb  gemiffer  ßrbe  fei  be§  ewigen  Öebenö.  Qmn 
folgen  SRatf)  unb  2öiüen  Ijat  ©ott  mit  feinem  6ib  bezeuget 
#efef.  33:  ©o  toabr  als  i$  lebe,  fo  ttüll  idt)  nic^t  ben  Job 
be§  ©ünberö,  fonbern  ba§  er  fxd>  befebre  unb  lebe.  3tem 
2>ob.  6:  35a3  ift  ber  2öi(le  be§,  ber  midj  gefanbt  \)at,  bafi 
U)er  an  i^n  ©ofjn  glaubet,  haht  ba3  emige  ßeben.  2öie 
nun  ber,  fo  ftd)  unterließet,  ©otteS  $atf)  unb  2öillen  ofjne 
2Bort  unb  Offenbarung  ju  erforfdjen,  mit  gro§er  ©ermejfen* 
f)eit  nriber  ©ott  fünbiget,  unb  in  eitel  3*rtl)um  fället,  alfo 
aud)  fünbiget  ni$t  weniger  ber,  fo  ©otteö  Oktl)  nidjt 
glaubet  no<$  annimmt,   ben  ©ott  felbfi  oom  £immel  ^at 


377 

offenbatet.  3ft  bewegen  feine  93ermeffenl)eit,  fonbem  viel* 
mebr  em  ©efjorfam  unb  2)emutl),  fefltgiicf)  glauben,  tt>aö 
©ott  von  feinem  Söiflen  gegen  un3  f)at  verfünbiget 

3um  vierten  unb  legten  tvirb  auch  ber  ©prud)  2)a* 
vibS:  2öer  fann  Riffen,  tüte  oft  er  fehlet,  tviber  ben 
©lauben  von  ben  ^apiflen  angezogen ;  benn  roeil  viel 
verborgene  unb  unbekannte  ©ünben  jtnb,  bie  ©otteä  ©nabe 
^inbern,  unb  ben  ÜJlenfdjen  Verbammen,  unb  nad?  3>avib3 
3eugni§  niemanb  tmffen  fönne  feine  verborgene  ©ünbe, 
fo  fönne  ntemanb  [fliegen,  ob  er  fei  in  ©naben  ober  nicf)t 
$>ie3  iji  abermal  eine  freventliche  33erfet)rung  ber  2Borte 
$)avib§,  tvelcber  an  biefem  Drt  nidpt  rebet  von  btn  ©ün* 
ben  ber  Unbelebten,  aud)  nid^t  von  ©ünben  tviber  ba3 
©etviffen,  fonbem  von  ben  mannigfaltigen  ©ebredjen  unb 
©d)tva^f)eüen  in  Den  ^eiligen,  bie  jtvar  ntdjt  alle  bem 
^eqen  befannt  ftnb,  aber  gletdptvoljl  @otte§  ©nabe  unb 
ben  ©lauben  mit  nieten  fnnbern.  Darum  mu§  man  allste 
flei§ig  unterbleiben  verborgene  ©ünben  ober  $ef)le  in  benen, 
fo  nicbt  ju  ©ott  befehlet  ftnb,  fo  aucb  ben  ©runb  be§ 
©laubenö  nicfct  behalten  ober  bie  in  ©ünben  tviber  ba$  ©e= 
ttnffen  fallen,  unb  bann  verborgene  $el)le  in  ben  2Met)rten, 
tvelcfye  ben  ©runb  be3  ©lauben^  behalten,  unb  ftcf)  vor 
©ünben  tviber  ba§  ©etviffen  mit  £ülfe  beö  %  ©eifieS  fmtem 

allerlei  ©ünbe  in  benen,  fo  an  Sbrijtum  m<^t  glau- 
ben ober  tvieber  vom  ©lauben  abgefallen,  unb  Söerfe  beS 
$letfd)e§  Vollbringen,  Innbern  bk  ©nabe  ©otteö,  fte  ftnb 
bem  £er$en  befannt  ober  verborgen;  benn  tver  an  bm 
©otm  nicbt  glaubet,  ber  ift  fd?on  gerietet.    3°^  3. 

3n  benen  aber,  bie  ju  ©ott  befe^rt  ftnb,  vom  ©runb 
apofiolifdjer  Sefjre  ni&t  tveicfjen,  fonbem  fefiigltcf)  an  3efum 
ßbriftum  glauben,  obgleich  nod?  mancherlei  ©<f)tvad)f)eiten 


378 

unb  ©ebredjen  feien,  autf)  t>iel  verborgene  fttfyk,  fo  Irin* 
bereu  bod)  fold)e  $eljle  bie  ©nabe  ©otteS  m$t;  benn 
ßfjrifhtf  %tfu$  bctfet  mit  feinem  ©$irm  foldje  ÜRangel 
unb  Unreinigfeit  ber  ©laubigen;  ttrie  folc^eö  <ßaulu3  mit 
reiben  unb  tröfilid^en  2ßorten  9töm.  8  bekräftiget:  ©o  iji 
nun  nichts  33erbammlicbe§  an  benen,  bie  in  (£f)riflo  3efu 
ftnb,  bie  ni$t  nad)  bem  C^leifdE)  tvanbeln,  fonbern  riad) 
bem  ©eifl.  £>amit  audE)  £>avib  flimmt  $f.  32:  $Bo&l 
bem,  bem  bie  Uebertretungen  vergeben  ftnb,  bem  bie  ©ünbe 
bebecft  ift  2Bol)l  bem  9Kenf$en,  bem  ber  £err  bie  2ftif* 
fetfwt  nid)t  juredmet,  in  be§  ©eift  fein  ftalfdj  ift  $)avtb 
leugnet  ni$t,  ba§  nod)  ©ünbe  unb  Uebertretung  in  ben 
©laubigen  unb  ^eiligen  fei,  unb  fpridjt  fte  gleid)tvof){  feiig; 
benn  ©ott  becfet  bie  ©ünbe  ju  mit  bem  93lut  feine§  ©ofme§* 
3)a§  aber  ein  Unterfdjieb  fei  jmifdpen  ©laubigen  unb  #eud)* 
lern,  au$  ber  ©laubige  nuffen  fönne,  ob  er  ftd)  be§  Zxo* 
fte§  möge  annehmen,  fe£t  er  l)in$u:  in  be§  ©eift  fein 
$atfd)  ift,  ba§  ift,  ©ott  forbert  einen  regten,  berjlic^en 
©lauben,  ber  in  rechter  23efel)rung  ba$  2öort  ber  ©naben 
annehme;  tt>er  aber  in  ©ünben  tviber  ba§  ©etviffen  fort* 
fähret,  ©ott  veraltet,  unb  einen  falfdEjen  ©eift  l?at,  ber 
|at  fxdE)  be3  Jrofteg  nidf)t  ju  freuen.  $)a  nun  jemanb 
beforget,  er  möchte  ©ünben  fcviber  ba3  ©etviffen  fwben,  bie 
ü)m  bod)  verborgen  mären,  ber  fotl  toiffen,  tvenn  in  feinem 
©eift  fein  galfd)  iji,  ba§  iji,  tvenn  fein  ©laube  nid)t 
l)eud)lerifd),  fonbern  toal)rf)aftig  ift,  unb  er  ben  Srofl  beö 
©vangelii  annimmt,  fo  feien  tf)m  alle  ©ünben,  befannte 
unb  unbefannte,  vergeben,  $aulu3  ftmdjt  aud)  ©aL  5, 
ba§  bie  SBerfe  be§  $letf$e3  offenbar  unb  bem  ©etviffen 
befannt  feien,  als  £urerei,  SJtorb,  $)iebflal)l,  @f)ebrudj, 
£a§,   3om,  Motten  unb  bergleidjen*     3tem,  3^anne8 


379 

1  3of).  3 :  %fyx  Sieben,  fo  unö  unfet  £er$  nityt  oerbammet, 
fo  f)aben  toir  eine  ^reubigfeit  ju  ©ott,  unb  tt)aö  ttrir  bitten, 
derben  ttrir  t)on  if)tn  nehmen.  9lu§  toelc&en  3eugniffen  er* 
fd)eint,  ba§  bie,  fo  ©otteö  Jöort  fwben  unb  annehmen,  Riffen 
fönnen,  ob  fte  ©ünbe  ftriber  baS  ©ettriffen  fjaben  ober  nidE)t; 
fo  beruhet  audE)  bie  23erföt)nung  nic^t  barauf,  ba%  ber  ©taube 
fiatf  unb  grofj,  unb  ber  Srofi  im  #erjen  alöbalb  empfunben 
toerbe;  benn  ßfmjluS  tt)irb  ba§  verflogene  SRof)r  ni$t  jer* 
brechen,  no$  baS  gltmmenbe  Zotyt  auSlöfdjen.  3ef.  42. 
$>en  ©d)ft)a($en  im  ©tauben  f)at  ©ott  angenommen,  fpric^t 
$au(u§  9Wm.  14.  $)erfwlben  au$  ber  ©<i)tt)a<$gläubige 
fefiigltcf)  fliegen  foü,  ba§  ifjm  alle  ©ünben  verstehen  ftnb, 
unb  er  einen  gnäbigen  ©ott  im  Fimmel  fjabe.  £>er  2Jtenfd) 
foü  m$t  urteilen  t)on  ©otteS  2öiflen  gegen  ifm  na$  fei* 
nem  füllten,  ober  naä)  feinen  neuen  Sättigungen  unb  2öir* 
fungen,  fonbern  naü)  bem  2öort  be§  Stmngelii.  2)a£  bann 
unfer  ©taube  red)tfcf)  äffen  fei,  jeuget  ber  ©eifi  ©otteö,  ber 
unferm  ©eijt  3eugmfj  gibt,  ba§  ttrir  Äinber  ®otte§  ftnb, 
9töm.  8 ;  baju  au$  bie  (Srfafjrung  im  Äreuj,  benn  Jrübfat 
bringet  ©ebulb,  fpricf)t  ^autuä  $öm.  5,  ©ebulb  aber  bringet 
ßrfa^rung,  ba§  ift,  bie  ©ebulb  bettx^ret  ben  ©tauben,  ba§ 
er  nicf)t  falfd)  fei;  barauS  n>äd^§t  bie  Hoffnung,  bk  triebt 
lägt  su  ©$anben  werben.  £)emnatf)  rebet  £)atnb  in  oban* 
geregtem  ©pru$  t>on  folgen  verborgenen  $ef)Ien,  bie  bm 
©tauben  unb  bie  ©nabe  ©otteS  nid[)t  t)inbem,  fonbern 
burd)  ßfmfium  jugebeeft  werben;  barum  Wtä  er  auef)  fo 
getrojl  um  2Serjeü)ung  berfelben. 

2)ie§  ftnb  bie  t>omet)mften  SBetjelfe  unb  llngrünbe  ber 
^apifien,  bie  ttrir  buxfy  ©otteS  ©nabe  mit  treuen  3eugniffen 
ber  ^eiligen  ®$rift  beflänbtglic^  unb  genugfam  toiberlegt 
fjaben,  alfo  ba%  ein  (£f)rift  nidjt  allein  baran  ftcb  foü  erfätti* 


380 

gen  laffen,  fonbern  au$  babei  abnehmen,  tt>a§  ferner  t>on 
ben  $abtfli$en  möchte  jum  Schein  if)re§  3rrtl)um§  angejo* 
gen  werben,  ba%  e§  feinen  ©runb  unb  23efianb  muffe  Iwben. 
!fta$bem  ify  nun  in  biefen  je^n  $rebigten  bie  l)ol)e  2ef)re 
öon  ber  Rechtfertigung  be3  2Renf$en  t>or  ©ott,  fo  triel  ©ott 
©nabe  »erliefen,  naä)  STiot^burft  gefwnbelt,  unb  aug  rechtem 
©runb  göttlichen  2öort3  erkläret,  fo  fage  idE>  bem  allmädE)ti* 
gen,  gütigen  unb  beüigen  ©ott,  bem  SSater  unfer§  £erm 
3efu  ßfmfii,  t)on  ^er^en  2)anf,  ba§  er  un§  ju  biefem  £i$t 
be3  ©tmngelii  berufen,  ba§  ©e^eimni§  feines  SßillenS  gegen 
m\S  fo  reicpcf)  in  (£f)rifio  f)at  offenbaret,  unb  bur$  feinen 
^eiligen  ©eifi  mdE)t  allein  regten  25erftanb  ber  prop^etif^en 
unb  apofiolif^en  ßef)re,  fonbern  au$  ttmfjren  ©lauben  an 
3efum  ßfmftum,  unfern  SRittler  unb  £eilanb,  in  unfern  £er* 
jen  angejünbet,  auf  bafj  toir  be§  l)of)en  überfc^toänglidjen 
$rofte§  au$  tl)eill)aftig  toürben.  2)e§glei$en  bitte  iä)  au$ 
ben  allmächtigen  unb  eitrigen  ©ott,  er  wolle  um  feines  ©ol)* 
neö,  3efu  6Drijii,  eilten,  bie  graufamen  Jrrt^ümer  unb  2ä* 
fterung  be§  trientifd^en  ßoncilii,  beö  $abfl#  ju  Rom  unb  aller 
päbfilidjen  23erfüf)rer,  baburdj  ©otte§  9lame  tterlajiert,  ba8 
2Slut  3efu  Sfmfti  gefdEmnbet  unb  bie  betrübten  ©ettriffen  alle§ 
£rofte3  beraubt  toerben,  enbli$  vertilgen  unb  ju  nickte  ma* 
$en,  uns  aber  fammt  allen  9lu§emml)lten  in  rechter  (Srfennt* 
ni§  feineö  ©ofmeS,  3efu  (grifft,  unb  aller  feiner  2öol)ltl)aten 
gnäbiglidt)  erhalten,  unb  burd)  ben  l)etL©etjl@nabet)ertetf)en, 
ba§  ix)ir  bie  Vergebung  ber  ©ünben  na$  feinem  ©tmngelto 
fefliglid)  glauben,  unb  bur<$  bm  Job  unb  Sluferjle^ung,  3efu 
GJjrtfti,  fetne§  ©oljneö,  bie  eitrige  greube  unb  ©etigfeit  er* 
langen.  2lmen. 

(Sott  oUftii  Me  (E^re. 


Deacidified  using  the  Bookkeeper  process. 
Neutralizing  agent:  Magnesium  Oxide 
Treatment  Date:  August  2005 

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